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In dieser Folge ist Erika Dürr mein Gast. Viele von euch kennen sie als Bloggerin Ulligunde, die in ihrem fabelhaften Blog seit vielen Jahren über Bergsport-Abenteuer jeglicher Couleur berichtet. Wie so viele hat sie den Blog begonnen, um Freunde und Familie über ihre Reisen auf dem Laufenden zu halten. 

Was als kleine Sache anfinge, hat sich nach und nach zu einer richtigen eigenen Reise entwickelt, so dass man auf ulligunde.com viele informative und unterhaltsame Artikel vor allem zum Klettern und Bergsteigen findet. Irgendwann hatte der Blog ein so breites Publikum erreicht, dass sich für Erika die Frage gestellt hat, ob man daraus nicht mehr machen könnte. Mit ihrem Talent wunderbar zu schreiben und hervorragend zu fotografieren in der Tasche hat sie sich dann vor einigen Jahren in die Selbstständigkeit gestürzt und es bis jetzt nicht bereut! 

Über die Jahre hat sie sich dabei immer weiter entwickelt und nach und nach neue Dimensionen für sich entdeckt. Von der Vertikalen ging es in die Luft zum Gleitschirmfliegen und nun auch aufs Gravelbike. Wie fängt man an zu bloggen? Wie entdeckt man seine eigenen Grenzen in den Bergen? Warum geht Erika mittlerweile kaum noch Klettern? Und vor allem wie entdeckt man für sich seinen Platz draußen? Viel Spaß beim Reinhören!

Erika auf Instagram: https://www.instagram.com/ulligunde

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Erikas Website: https://www.ulligunde.com

Über Gästevorschläge, Themen oder sonstige Rückmeldungen würde ich mich sehr unter simon@simonpatur.de oder über die entsprechenden Social Media Kanäle wie Facebook oder Instagram freuen!

Es könnte alles so einfach sein – isses aber nicht!

Ein kleiner Rückblick auf ein Jahr. Nur ein Jahr, es kommen noch so viele.

Ein Jahr, schwer in Worte zu fassen, gefühlt für mich der längste Ruhetag überhaupt, aber auch der geht irgendwann zu Ende und es geht weiter, das ist sicher. Wenn ich durch mein Album des Jahres am Handy flippe mutet es schon etwas unwirklich und mitunter ziemlich bizarr an. Am ersten Januar bin ich aufgewacht und hätte nie gedacht, was dieses Jahr auf mich, auf uns wartet. Aber wer von uns hätte das erwartet nach all den guten Vorsätzen? Ich wette 100 norwegische Kronen und eine Tafel Walters Mandler – niemand!

Voller Zuversicht auf ein Jahr voller schöner Touren und wunderbaren Erlebnissen. Die Flüge in den Norden sind gebucht, die Termine gemacht und die Pläne geschmiedet. Ich sitze im Auto, im Zug, quer durch die Republik. Von Freiburg über Marburg bis Braunschweig, es ist verrückt und surreal. In Braunschweig steht tatsächlich ein Pferd vorm Saal, jemand ist damit angeritten und auch sonst ein Abend der sehr, sehr lange nachwirkt. Nur dieser Vortrag in Karlsruhe noch, der erste Kollege auf der Arbeit gibt mir schon nicht mehr die Hand, Vorsicht ist geboten, wie recht er haben sollte.

Die Wanderlust muss warten

Die Pulka ist bereits gepackt, als ich im Zug stundenlang auf „Neu laden“ im Browser klicke. Beim Vortrag fliegen ohne Mikro und Ende die Aerosole, ich weiß da noch nicht einmal was das ist, die Abstände sind klein, hätte ich das alles damals schon gewusst. Am Bahnhof in Karlsruhe sitze ich am Abend, trinke Dosenbier und warte auf den Nachtzug in den Osten. Am Telefon ist klar, der Norden schließt die Pforten, es gibt gerade wichtigere Dinge. Im stickigen Schlafabteil mit einem völlig Fremden zwei Betten unter mir liege ich lange wach, der Zug rattert durch die Nacht, die Gedanken kreisen ohne Ende.

Noch einmal arbeiten, dann beginnen die ruhigen Ruhetage. Ein verordneter Winterschlaf im Frühling, wer weiß schon wie lang. „Stay Home“ steht auf einem großen Schild bei uns im Wohnzimmer-Fenster, hoch über dem belebten Platz von dem wir nun mehr und mehr Abstand nehmen. Es wird ruhiger, Geschichte wird gemacht und wir sitzen zu Hause. Entscheidend ist auf dem Sofa die Parole. Viel Zeit für alles mögliche, die Gedanken suchen sich ihren Weg, EinLöffelButter kommt dabei rum, unter anderem.

Uns geht es gut, das wird mir schnell klar, das soziale und finanzielle Netz ist gespannt und fängt uns auf, die Wohnung hyggelig und ausreichend groß. Aber es geht nicht allen so, dazu genügen ein paar Anrufe und Zoom-Calls, wie schnell das gehen kann. Mehr Freizeit für einander heißt nicht mehr Freiheit, wie verrückt. Und mir wird mehr und mehr bewusst, wie gut es mir, uns geht, auch wenn mir beileibe nicht jeden Tag die Sonne aus dem Allerwertesten strahlt. Ich denke oft an die anderen. Der abendliche Lauf zum Mount Corona mit dem Podcast Nummer 1 auf den Ohren gibt Hoffnung und Verständnis, am Ende der dunkeln Gasse erstrahlt ja bekanntlich die Gelbe-Wand.

Durchhalten

Irgendwann geht es wieder los, in kleinen Gruppen getrennt kommt wieder etwas Schwung in den Alltag. Das Gelb-Schwarze Klebeband aus dem Frühjahr klebt noch jetzt und nun schon echt lange vor der Vitrine im Erdgeschoss vom Globetrotter in Dresden, so schnell werden wir den Abstand wohl nicht mehr los. Nur 800 von ein paar 1000 Quadratmetern sind zugänglich, ich komme mir im Erdgeschoss vor wie Zerberus, aber es nützt ja nix – wir sind froh überhaupt wieder etwas Freiheit im engen Korsett zu erlangen und zu ermöglichen.

Der Sommer kommt, die Temperaturen steigen, wir lockern uns. In Sachsen freut man sich, das Virus wütet im Westen, nicht bei uns, wir sind anders – da ist der Boomerang schon längst von der Hand.

Die Maske wird unser Alltagsfreund, wir versuchen uns an etwas Normalität, für die Kunden auf der Arbeit da zu sein, alles fürs Draußensein klar zu machen. Die Leute kommen, gehen raus, wie verrückt sind alle nach frischer Luft. Den dunklen Alu-Schatten möchte ich dabei schnell vergessen.

Die Arbeit kommt wieder, zwar kurz aber nicht wenig. Der Osten prosperiert, die Berge vor der Haustür beliebter als jemals zuvor, der Boomerang ist noch nicht auf dem Weg zurück. Wir kommen ran, die Fesseln der Kurzarbeit werden bald Geschichte sein. Vor der Haustür gibt es ja auch schöne Dinge, den Forststeig oder die Elbe zum Beispiel, den Massen die lange Nase machen, es klappt erstaunlich gut. Und die Gravelbikes sind der Kauf des Jahres, nie vorher konnte man die Nähe so schön abenteuerlich entdecken. Jetzt ist alles ausverkauft.

Die Sonne brennt, der Virus scheint im Sommerschlaf. Aus der „Not“ machen wir eine Tugend, erkunden das große Weiße auf der Landkarte zwischen Dresden und Dortmund mit dem Fahrrad. Beginnen Dinge zu verstehen und unsere Heimat neu zu entdecken. Treffen mit Freunden brauchen jetzt ein Konzept? WTF! Vor nicht mal zehn Jahren wurde im Partykeller noch geraucht. Es ist verrückt, auf der Rückfahrt verpassen wir sogar den Zug ohne umzusteigen, was kommt als nächstes?

Der Herbst steht vor der Tür, Schweden ist das neue Norwegen, die Tour dort mit den Gefährten eine Wucht, durchatmen und vergessen, das herbstliche Fjäll versöhnt mit dem Jahr – aber ob der schwedische Weg der richtige ist? Ich hege Zweifel, begründet wenn man den laxen Umgang mit der Gefahr am eigenen Leib erlebt – 40 Mann ohne Fenster in einem Raum auf der Hütte – wenn das die Leute zu Hause wüssten.

Kurze Pause in Schweden

Ein Lichtblick war das Fjäll keine Frage, aber nur ein kurzer. Am Lagerfeuer sitzen und einfach quatschen, Bier trinken und Tacos futtern, das geht nur kurz, tut aber unglaublich gut. Der Boomerang fliegt auf seiner Bahn nun schon wieder zurück, als ich in eine Kamera blicke und den ersten Live-Stream meines Lebens bestreite, nach einer Nacht in einem komplett leeren Hotel als einziger Gast. Was für eine Erfahrung dieser Stream! Das Feedback unfassbar, ich bin zutiefst dankbar für die Möglichkeit zu Hause bei so vielen Leuten für ein wenig Ablenkung, Zuversicht und Fernweh zu sorgen.

Das Ende ist absehbar, vom Jahr aber nicht von Covid-19. Wir haben alles gegeben, aber kurz vor knapp geht es wieder los, nur eine Woche ohne, dann ist die Kurzarbeit wieder da. Hello my friend!

Und dann halten wir ihn wieder in der Hand, das unbekannte Fluggerät schlägt wieder ein, der Boomerang kommt zurück und schickt uns wieder nach Hause. Nun sind wir im Osten tiefrot und stehen auf den ersten Plätzen der Tabelle, völlig ungewohnt und viel zu dynamisch, nicht mehr nur der Westen oder die anderen – im Supermarkt bekomme ich zwischen den unfassbar vielen Leuten ohne Ab- und Anstand am Angebotsdonnerstag fast eine Panikattacke, jetzt weit weg im menschenleeren Norden.

Alle zusammen?

So oft wie der Krankenwagen bei uns am Haus vorbeifährt, es ist mittlerweile unglaublich. Rafft ihr es nicht? Wie wäre es mit einem Praktikum im Krankenhaus um die Ecke? Ein ums andere Mal denke ich zurück an meine prägende Zeit als Zivi im Krankenhaus, ich möchte gerade nicht tauschen, insgeheim doch, es gibt nichts erfüllenderes als für andere da zu sein und zu helfen, das ist unbezahlbar aber von jeher nicht richtig entlohnt.

Die Ignoranz der anderen holt mich wieder ein, das große „Warum?“ klopft wieder an die Tür und lässt mich am letzten Arbeitstag etwas ratlos nach Hause gehen. So früh hatte ich noch nie frei an Weihnachten, sogar ein paar Tage eher als der Westen. Meine Gedanken kreisen überall und bleiben bei den Leuten hängen, die sich wütend vor mir aufbauen und grinsend mit ihrem Attest aus dem Yps-Heft wedeln oder sich aufs Grundgesetz berufen nur weil sie eine Maske tragen sollen – wie kann man nur leugnen was so offensichtlich ist?

Die Episoden mit den Judensternen erspare ich uns, niemand von den Verweigerern musste sich am Bahnhof melden, wurde im Viehwaggon nach Osten gefahren oder hat eine Nummer auf den Unterarm tätowiert bekommen – und sie können sich mit ihrer Meinung sogar nach Anmeldung ungestraft auf die Straße stellen. So quer kann ich gar nicht denken und so viel kann ich gar nicht kotzen wie ich möchte, aber vielleicht fehlt mir einfach die Phantasie, ich bin lieber realistisch, nicht so ein Hans guck in die Luft, aber Schlucke ist ja auch ein Kollege.

Auf Wiederholung

Nun sitze ich hier, krame wieder das „Stay Home“ Schild fürs Fenster aus dem Frühjahr hervor, sieht aus wie neu, was für ein Mist, was für ein Jahr. Mir geht es gut, meinen Freunden geht es gut, die Einschläge im engeren Umfeld sind eher moderat, was für ein Glück. Aber jedes Martinshorn vorm Fernster erinnert mich daran, was ich tun kann, damit das so bleibt. Und sei es nur die App auf dem Handy zu installieren und eine Maske aufzusetzen, tut nicht mal weh, ist ganz easy.

Ich muss akzeptieren, dass nicht alle so denken, aber ich kann auch voran gehen. Im kleinen, jeder kann das. Einkaufen geht auch einmal die Woche, Weihnachten ohne die ganz große Familie, hei, geht klar, für manche ist das traurige Normalität für uns nur die Ausnahme im Sinne aller. Jeder kann etwas tun, wir sitzen alle im selben Boot, völlig unironisch. Es geht nur zusammen, was für cooler Gedanke in diesen modernen Zeiten. Abgefahren, oder?

Lasst uns alle gemeinsam für einander einstehen, für einander da sein und uns gegenseitig unterstützen. Wir schaffen das, da bin ich mir ganz sicher. Bleibt positiv, gebt keinen Millimeter nach wenn sich jemand gedanklich querstellt und geht mit gutem Beispiel voran. Ich weiß, dass es nicht immer positiv ist, dass nicht alles super ist, aber wir kriegen das hin. Ich hab hier zum Beispiel ziemlich viele Postkarten, wenn dunkle Wolken bei euch aufziehen, dann lasst es mich wissen, ihr seid nicht allein und wir gehen zusammen da durch.

Haltet durch, versucht positiv zu bleiben und schaut nach vorn, wir gehen einfach zusammen weiter und am Ende stehen wir gemeinsam am Ziel, High Five, umarmen uns und sind zusammen stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben! Dann stoßen wir am Lagerfeuer an und gucken zurück auf ein ziemlich verrücktes Jahr, das ziemlich viel auf den Prüfstand gestellt und am Ende gezeigt hat, dass man alles schaffen kann wenn man zusammen hält und die Konjunktive streicht! Stoßt heute alle im Rahmen der Möglichkeiten an, bei mir zu Hause auffem Dorf heißt das dann „orgelt euch mal schön achtarmig einen rein!“, und dann geht’s weiter – bleibt gesund und stabil – det ordner seg!

Danke an alle die für mich da waren, da sind und mich immer so cool unterstützen!

‘Cause love is free and life is cheap,

and as long as I’ve got me a place to sleep,

some clothes on my back and some food to eat,

then I can’t ask for anything more!

P.S.: Und wer sich ganz unaufgeregt in diesen Zeiten zum Thema informieren möchte, dem lege ich auf Instagram Marc Raschke ans Herz – Dortmund represent!

Im Outdoor-Kleiderschrank stapeln sich Klamotten, neue Dinge kommen dazu und die alten gehen oft nicht im gleichen Maße. Was macht man mit den Sachen und Dingen, die man nicht mehr benötigt? Könnte die nicht noch jemand gebrauchen? Was könnte man damit machen? Und wem gebe ich die Dinge, die ich nicht mehr brauche oder nicht mehr haben will?

Klar, man kann sie verkaufen oder auch einfach in die Tonne werfen, aber ich finde gerade die einfache Entsorgung ziemlich problematisch, schließlich könnte jemand anderes sie noch gut gebrauchen oder etwas Neues daraus machen. Ich will Bekleidung und Ausrüstung nicht nur konsumieren, sondern mich auch darum kümmern, dass wenn ich sie nicht mehr haben möchte, sie vertrauensvoll weitergeben kann.

Wir machen das jetzt!

Die Farben des Logos von meinem Partner Bergans of Norway werden ja bekanntlich von einem satten Blau dominiert, aber seit geraumer Zeit gewinnt zumindest im Hintergrund Grün deutlich an Bedeutung. Nicht nur in Norwegen schärft sich gerade in rasender Geschwindigkeit die Sensibilität für Umweltschutz und Nachhaltigkeit, auch global nehmen das Bewusstsein und die Sorge der Menschen um Mutter Natur zu. Freilich nicht immer freiwillig, aber das man etwas tun muss, ist mehr als offensichtlich, die Ressourcen unseres Planeten sind endlich und wenn wir den nachfolgenden Generationen auch nur den Hauch einer Chance zu einem guten Auskommen mit unserer Umwelt und den vorhandenen Möglichkeiten geben wollen, dann müssen wir jetzt direkt anfangen, selbst etwas zu tun und zu ändern.

Genau diesen Gedanken hat Bergans of Norway bereits vor einiger Zeit aufgegriffen und sich rund um das Thema Nachhaltigkeit viel überlegt. Man verwendet zum Beispiel nur noch RDS-zertifizierte Daunen für seine Produkte und bringt eine komplette Kollektion aus recycelten Materialien heraus, die deutlich weniger Ressourcen als bisher üblich verbrauchen. Dabei heraus sind auch einige andere wirklich coole und neue Ideen gekommen, die in Norwegen bereits groß eingeschlagen sind und schon nach kurzer Zeit überaus großen Erfolg erzielt haben.

Eine der Ideen dabei ist, dass man den Lebenszyklus von Produkten erhöht bzw. dass man die Produkte, wenn der Kunde sie aus welchen Gründen auch immer nicht mehr benötigt, weiter verwendet oder gezielt daraus etwas Neues entstehen lässt und sie nicht einfach wegwirft. Man wollte einen Anreiz schaffen, dass der Kunde die Bekleidung auch wieder in den Kreislauf zurück gibt und sie nicht einfach wegwirft.

So kam man auf die Idee der „Pantepose“, oder wie man auf Deutsch sagen würde, der „Pfand-Tüte“. Das Prinzip dabei ist ganz einfach:  Wenn man zu Hause ein Outdoor-Produkt wie eine Jacke, einen Rucksack oder eine Hose hat, die nicht mehr benötigt wird, weil sie einem nicht mehr gefällt oder man der Meinung ist, dass das Produkt aufgetragen ist, dann kann man sich bei Bergans auf der Website https://www.bergans.com/pant eine „Pantepose“ bestellen (leider ist das System bisher nur auf Norwegen beschränkt, Anfragen bzw. Rücksendungen aus dem Ausland können derzeit noch nicht verarbeitet werden, die Pantepose ist bislang nur in Norwegen verfügbar).

Mit dieser Versandtasche kann man dann die Sachen an Bergans per Post schicken, der Beutel ist schon entsprechend frankiert, sodass der Versand für den Kunden bzw. Rücksender kostenlos ist. Bergans nimmt sich dann der Sachen an und schaut, was man aus ihnen noch machen kann. Im Gegenzug erhält man einen 20%-igen Rabattgutschein auf den nächsten Einkauf bei Bergans. Man möchte dem Kunden so die Entscheidung zur Rückgabe möglichst einfach und unkompliziert machen, und zudem auch einen Anreiz schaffen, das System zu nutzen.

Man kann natürlich seine gebrauchten Sachen auch direkt bei Bergans in den entsprechenden Geschäften in Oslo oder Ski abgeben, das haben wir vor zum Beispiel vor unserer Tour in diesem Jahr gemacht und Dinge abgegeben, die wir nicht mehr benötigen. Ich finde die Idee der Pantepose auch aus der Sicht des Markenbotschafters super. Es kann schon vorkommen, dass sich nach einer gewissen Zeit viele Dinge zu Hause wiederfinden, die man nicht mehr benötigt oder die man nicht mehr benutzt. Und die Dinge dann über ein System wie Pantepose zurückzugeben finde ich einfach gut und logisch. So kommen die Dinge wieder in gute Hände und leben weiter und erleben weitere Abenteuer – „lang lebe das Produkt“ formuliert es Bergans!

Der Clou an der Pantepose Sache ist aber vor allem auch, dass es völlig egal ist, von welcher Marke die Sachen sind, die man zurück gibt, sie müssen nicht von Bergans sein. Und die Versandtasche ist selbstverständlich auch zu 100% recycelbar und in naher Zukunft auch aus Recycling-Material hergestellt, die Umstellung darauf läuft gerade auf Hochtouren.

Schritt für Schritt zum großen Ziel

Wie bereits am Anfang erwähnt muss man ja irgendwo anfangen, man kann in der Regel nicht das ganz große Ding erfinden und direkt erwarten, das alle Menschen über Grenzen hinweg begeistert und freiwillig zum Mitmachen animiert sind, das ist ganz klar. Daher hat Bergans zu allererst im heimatlichen Norwegen angefangen, die Ideen und das Konzepte der Pantepose als Pilotprojekt umzusetzen.

Hier sind die benötigten Ressourcen für die Umsetzung schon vorhanden, es gibt zum Beispiel von je her bei Bergans eine Näherei zur Reparatur von Produkten. Und auch im 2016 neu eröffneten Flagship-Store in der Osloer Innenstadt gibt es eine kleine Nähstube, in der Kunden ihre Bekleidung flicken oder ändern lassen können.

Lang lebe das Produkt – Long live the product

Wenn der Kunde nun seine Sachen an Bergans zurückschickt, kommen diese bei Bergans im Lager am Standort des Hauptquartiers in Hokksund an. Hier beginnt nun die eigentliche Arbeit mit den gebrauchten Sachen, sie werden vor Ort in Augenschein genommen und sortiert.

Produkte von Bergans, die noch gut zu gebrauchen sind und vielleicht nur etwas aus der Mode gekommen sind, werden gesäubert und dann als gebrauchte Ware im Flagship-Store in Oslo günstig verkauft. Alle etwaigen Gewinne aus dem Pantepose System werden an Organisationen wie Mountain People oder EOCA gespendet.

Die Dinge von anderen Marken, die man noch gebrauchen kann, werden gemeinnützigen Organisationen gestiftet und erhalten so ein zweites Leben und kommen so Menschen zu Gute, die auf Hilfe angewiesen sind. Ebenso Sachen von Bergans, die noch in Ordnung sind, aber nicht mehr zu verkaufen sind.

Aus Dingen, die man nicht mehr verkaufen kann, versucht Bergans in der eigenen Näherei neue Dinge zu nähen. Das können dann kleinere Taschen, Laptop-Schutzhüllen oder andere Accessoires sein. Hier in der Näherei werden auch Menschen beschäftigt, die als Flüchtlinge nach Norwegen gekommen sind. Sie können sich hier mit ihren teils herausragenden Fähigkeiten rund ums Nähen einbringen und dazu beitragen, dass die Sachen ein neues Produktleben beginnen können.

Wir hatten vor unserer Norge på langs Tour die Gelegenheit, uns das ganze Pantepose System von Bergans aus der Nähe und auch hinter den Kulissen anzusehen. Der Erfolg gibt Bergans recht, wenn auch Erfolg in diesem Zusammenhang ein komisches Wort ist, denn eigentlich müsste es ja normal sein, dass man Dinge nicht nur konsumiert, sondern sich auch mit den Auswirkungen von Konsum auseinandersetzt.

Von daher hoffe ich sehr, dass das System möglichst bald auch nach Deutschland kommt. Vielleicht ja auch nicht nur auf Bergans beschränkt, sondern auch marken-übergreifend. Aber wie auch immer, ich persönlich stehe voll hinter der Pantepose und finde es eine super Sache. Wir müssen mit unseren Ressourcen richtig umgehen und wir müssen damit endlich richtig anfangen. Wie auch bei der langen NPL-Tour muss man starten und losgehen, den Anfang machen. Und mit der Pantepose als einem Stück im Gesamtkonzept geht Bergans auf jeden Fall in die richtige Richtung!

Wir sind angekommen. Es ist der zweite Advent, draußen fällt fieser Nieselregen, der Wind weht die dicken Regentropfen ans Fenster, im Freien möchte man gerade nicht sein. Wir sind nun schon eine Weile zurück in Deutschland, aber zu Hause war zumindest ich dabei irgendwie bisher kaum, erst langsam finde ich meinen, finden wir unseren Platz.

Der Begriff „zu Hause“ definiert sich gerade für uns zusammen vollkommen neu. Schon komisch, ich denke immer noch auf Tour zu sein, komme erst langsam an, der Kopf hängt dem Körper um einige Zeit hinterher. Auf der einen Seite ist die Tour schon so unendlich weit weg, auf der anderen Seite ist alles noch ganz nah und präsent.

Keine Ahnung wie oft ich in diesem Jahr an einem anderen Ort geschlafen habe, aber weit über 100 verschiedene Orte werden es sicher gewesen sein, richtig zur Ruhe kommt man dabei kaum. Nach der Rückkehr vom Nordkap war ich direkt auf Vortragstour und das war einfach richtig cool! Zwar habe ich bei diesen Vorträgen noch von der Norge på langs Wanderung 2013 berichtet (da die neue Tour noch zu frisch war), aber die Rückmeldungen dazu waren durch die Bank unglaublich positiv! Es macht mir unfassbar große Freude, die Zuhörer abzuholen und nach Norwegen mitzunehmen. Was für eine Ehre und was für ein wahnsinniges Gefühl auf der Bühne zu stehen, zu erzählen und diesen Zuspruch zu erfahren!

Aber das Gefühl anzukommen hatte ich während der Fahrten zu den Veranstaltungsorten kreuz und quer durch die Republik nicht, ich war des Reisens zum Schluss etwas müde, der Kopf kam nicht mehr hinterher. Am Ende war ich echt froh, als ich endlich in Dresden ankam. Anni hatte da schon einen kleinen Vorsprung, war sie doch quasi direkt in Dresden gelandet, während ich noch unterwegs war.

Herzlich willkommen im Elbflorenz

Wir hatten schon vor der Tour festgelegt, dass wir in Dresden erst einmal unsere Zelte aufschlagen wollen. Viele Argumente sprachen dafür, Freunde und die Familie von Anni sind hier und die Aussicht wieder einen geregelten Alltag mit Arbeit zu haben, schien hier am erfolgsversprechendsten zu sein.

Und ganz genau so war es auch, Anni hat die Zeit hier sofort genutzt und hat direkt einen Job als Globetrotter gefunden, passender geht es wohl kaum. Und auch bei mir tut sich etwas, die Arbeit ruft immer lauter und spätestens im neuen Jahr hat mich die Arbeitswelt sicher wieder.

Ich will gerne wieder arbeiten und mich engagiert auf der Arbeit einbringen, gar keine Frage. Warum auch nicht, denn wenn man sich als Abenteuer- oder Vortrags-Profi etablieren möchte, dann muss man in meinen Augen zu viele Kompromisse an allen möglichen Ecken eingehen, um im monetären Sinne einigermaßen erfolgreich zu sein, ansonsten funktioniert das ganze leider zumeist eher schlecht als recht. Mit dem Reisen und Abenteuern sein Geld zu verdienen und ein einigermaßen gutes Auskommen zu haben, ist schwerer als man denkt. Ich hab mit vielen Leuten darüber gesprochen, selbst viele Erfahrungen gemacht und viel darüber nachgedacht – mein Weg ist das nicht. Zudem möchte ich mir auf Reisen und auch bei den Vorträgen diese Neugier und auch diese Romantik bewahren, die schnell flöten geht, wenn man als „Profi“ unterwegs ist. Nur unterwegs sein um des Unterwegsseins Willen ist einfach nicht meins. Ich will die Vorfreude und Aufregung spüren, wenn es wieder los geht, egal ob ins Abenteuer oder auf die Bühne bei einen neuen Vortrag.

Wir sind also in Dresden angekommen. Es läuft alles so, wie wir es uns vorgestellt haben. Die Unterstützung von allen Seiten ist großartig und wir freuen uns sehr, dass wir hier einen wunderbaren Ort vorgefunden haben, um an- und runterzukommen.Aber dennoch ist der Kopf noch ständig unterwegs. Erst langsam kommt Grund in alles hinein, wir haben uns eingerichtet und wir haben alle rein praktischen Dinge erledigt, die so angefallen sind oder auch im Laufe der Zeit von Ende Mai bis Ende Oktober dieses Jahres aufgrund der Tour liegen geblieben sind. Die Listen werden kürzer und alle möglichen Dinge regeln sich, ein gutes Gefühl nach all der Arbeit der letzten Tage. Erste Termine für neue Vorträge sind eingetütet und auch das eine oder andere spannende Abenteuer zeichnet sich zaghaft am Horizont ab.

Während der Tour war alles so einfach: Schlafen, essen, wandern, essen, schlafen und das ganze 132 Tage lang. Kaum ist man zurück in der „normalen“ Welt, ist alles auf einmal so unendlich kompliziert geworden, und sei es nur die unendliche Auswahl im Supermarkt. Von der Hektik und dem vorweihnachtlichen Trubel um einen herum in der Stadt will ich gar nicht erst anfangen.

Man muss sich seinen Platz suchen, ständig Entscheidungen treffen, die teilweise kleinere, aber auch größere Auswirkungen haben. Selbst kleine Dinge können zum Erfolg des großen Ganzen beitragen und müssen mit in Betracht gezogen werden, das macht die Sache aber auch nicht einfacher.

Es fällt mitunter schwer, den Überblick zu behalten, wie schön wäre da eine Lebenskarte von der Stange, auf der man nur dem eingezeichneten Weg folgen muss, den sich irgendjemand ausgedacht hat und der erfolgsversprechend zu sein scheint. Aber hei, so läuft das nicht, jedenfalls nicht bei uns. Wir tasten uns langsam vor, wollen unsere Karte selbst zeichnen und unseren Weg selbst finden und aussuchen. Das ist manchmal nicht ganz so einfach wie der gerade Lebensentwurf und Karriereplan, der so manchen umtreibt oder der einem manchmal auch von außen auferlegt wird.

Wir gehen vielleicht so manchen Umweg, aber das machen wir gerne. Wir machen es uns oft nicht einfach, aber das machen wir gerne, denn nur so kann man herausfinden, was einen am Ende wirklich glücklich und zufrieden macht. Man muss manchmal etwas wagen und einiges investieren, um langfristig erfolgreich und vor allem glücklich zu sein. Man muss sich ehrlich hinterfragen und ehrlich zu sich selbst sein, um dauerhaft einen Weg zu finden, der einen erfolgreich macht, persönlich und auch zusammen mit Freuden und vor allem auch dem Partner.

Die Entscheidung im Mai von der schnurgeraden Autobahn abzubiegen und auf die kurvige Landstraße des Lebens einzubiegen, war sicher nicht leicht, aber für uns genau richtig. Manchmal ist es nicht so wichtig, möglichst schnell ans Ziel zu kommen, viel wichtiger ist es doch, auf möglichst schönen Wegen dorthin zu gelangen, auch wenn die Kurven und Auf- und Abs oft anstrengend sind. Aber wer weiß am Ende schon, wann das Ziel in Sicht kommt. Da ist der schönere Weg doch die bessere Wahl.

Ab und zu gibt es dann auf der Landstraße auch Umleitungen, Baustellen und manchmal biegt man unterwegs sogar kurz falsch ab, weil man sich eben noch nicht so gut auskennt, aber am Ende kommt man auf diese Weise doch nicht so abgehetzt und so ausgelaugt ans Ziel wie auf der Autobahn. Man kann auch auf der Landstraße einfach mal gefahrlos anhalten und aussteigen, muss nicht auf extra dafür eingerichtete Parkplätze warten, die zumeist eh nur überfüllt und zu teuer sind.

Zwei Spinner in Richtung Wilder Mann

Dass der Weg das eigentliche Ziel ist, das ist nur eine der Erkenntnisse unserer Wanderung, aber das ist im Grunde jedem klar, der schon einmal richtig gereist ist, also nicht nur im Urlaub war. Wir wollen ankommen, ja, das stimmt, aber nicht möglichst schnell und möglichst nicht von Zwängen von außen getrieben. Seine Träume zu leben, die Konjunktive zu verbannen, um herauszufinden, was man möchte und wohin die Reise am Ende geht, das ist oft gerade am Anfang, wenn man den ersten Schritt tun muss, nicht leicht, aber es lohnt sich. Ganz egal wann man den Schritt wagt, es ist nie zu spät dafür. Klar ist aber auch, dass die Leitplanken der Autobahn dem einen oder anderen auch Sicherheit geben und vermitteln, gar keine Frage. Wer sich auf der Autobahn des Lebens wohl fühlt, dem will ich auch gar nicht abraten, davon abzubiegen. Aber auch die Autobahn ist nicht frei von Risiken, auch wenn alle Autos nur in die gleiche Richtung zu fahren scheinen.

Wenn wir uns von unserer neuen Heimat doch einmal wieder auf die Autobahn begeben müssen, weil wir aufbrechen in kleinere und auch größere Abenteuer, so heißt unsere Autobahn-Auffahrt „Wilder Mann“ – viel passender hätte es für mich irgendwie gar nicht kommen können. Ich fahre jedes Mal mit einem Lächeln ab von der Autobahn an dieser Anschlussstelle. Auch die Straßenbahn zu unserem neuen Zuhause trägt diesen Namen im Display, so einfach kann es manchmal sein, den richtigen Weg zu finden. Ein „wilder“ Mann und eine „wilde“ Frau in Dresden, die spinnen doch.

Das Leben ist wild, gar keine Frage, manchmal tun da Leitplanken und Schienen gut, aber ob man nur so ans Ziel kommt?

Lass dein altes Leben hinter dir,
und geh durch diese neue Tür!
Das geht raus an alle Spinner,
denn sie sind die Gewinner!
Wir kennen keine Limits,
ab Heute – für immer!

Das geht raus an alle Spinner!
Weil alles ohne Sinn wär,
ohne Spinner wie dich und mich!

(Revolverheld – Spinner)

Der erste Schritt ist der Wichtigste und dann geht man einfach los, die Belohnung wartet!

Es hat sich für uns sehr gelohnt, mit Plan ins kalte Wasser zu springen. Jetzt müssen wir nur noch irgendwie irgendwann irgendwo ankommen. Wir sind auf einem guten Weg, aber ein bisschen müssen wir noch gehen und ausprobieren.

Direkt am Wochenende nach der langen letzten HW1 Etappe ziehen wir wieder los. Diesmal nur als Tagestour, aber das tut dem Wanderspaß keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Die gute Anbindung mit den Öffentlichen macht uns die Anreise bei strahlendem Wetter ziemlich einfach. Wir lassen unser Auto in Metzingen am Bahnhof stehen, nutzen für die Hinfahrt den Zug und wollen am Abend mit dem Bus zurück sein. Alles ganz bequem und ohne Stress – besser geht’s nicht.

Der Zug verlässt pünktlich den Bahnhof und bringt uns rasch nach Bad Urach, mit uns sind am frühen Sonntag morgen nur einige versprengte Partypeople, die wohl aus Stuttgart kommen und zurück in die Heimat fahren. Waren wir früher auch mal so drauf? Ich kann mich wirklich nicht mehr daran erinnern.

Als wir den Zug verlassen stehen wir im Grunde schon mitten in Bad Urach, die ersten Wanderschilder sind schnell erkannt. Es gibt hier zahlreiche Wanderwege mit den entsprechenden Übersichtskarten, man merkt, dass man hier in einer Kurregion ist. Die Tourismus-Verantwortlichen haben sich viel Mühe bei der Beschilderung gegeben.

Wir folgen also den HW1 Schildern und gelangen bald schon hinaus aus dem Städtchen. Der Weg wird uns von nun an bergan in Richtung des Dörfchens Hülben führen. Der Anstieg ist gemächlich, lässt sich gut gehen und bietet einen herrlichen Ausblick zurück auf das morgendliche Bad Urach.

Nun geht es erstmal in den frühlingshaft lichten Laubwald, den es hier am Albtrauf oft gibt. Mitten auf einem Holzstoß sitzt jemand und scheint auf etwas zu warten oder Pause zu machen. Wir nähern uns ihm und dann gibt es erstmal ein großes Hallo!

Von Jotunheimen hin zum Albtrauf

Was für eine Überraschung! Es ist Peter, den ich im Herbst 2016 zusammen mit seinem Sohn auf der Olavsbu Hütte getroffen habe. Er wohnt in Hülben und ich hatte ihm geschrieben, dass wir heute auf dem HW1 durch Hülben laufen – und nun sitzt er hier einfach im Wald auf einem Holzpolter und hat auf uns gewartet! Wie cool!

Überaus cool ist die Geschichte, wie wir uns damals getroffen haben. Zusammen mit meiner Freundin Anni und meiner guten Freundin Johanna waren wir damals auf einer Kurztour im Fjell, wir wollten von Fondsbu / Eidsbugarden aus zum Fjellfilmfestival nach Gjendesheim wandern und in der Olavsbu Hütte übernachten. Die große Hütte war relativ voll, als wir ankamen. In der Stube saßen wir bei einer Dose Ananas am Esstisch, als Johanna zu mir sagte: „Mensch Simon, wie hast du das mit dem großen Gepäck bloß 140 Tage lang so ausgehalten? Ich fand das heute schon mega anstrengend!“, es war Johannas erste richtige Fjelltour in Norwegen. Am Tisch saßen damals Peter und sein Sohn Fabian, sie blickten ungläubig von ihren E-Book Readern auf und guckten uns fassungslos an: Beide lasen gerade mein Buch und erkannten jetzt, dass der Autor direkt neben ihnen stand!

Was für ein cooler Zufall und wir kamen direkt ins Gespräch, quatschen noch lange über alles mögliche. Am nächsten Morgen frühstückten wir noch gemeinsam und brachen alle auf in Richtung Gjendebu Hütte, wo wir die Fähre über den Gjende-See nahmen. Da Peter mit seiner Familie so wie ich im Ländle lebt, trafen wir uns nach der Tour auch zurück in Deutschland bei meinem Vortrag in Tübingen.

An diesem wunderbaren Frühlingstag treffen wir uns also wieder, sitzen kurz darauf bei Kaffee und Kuchen bei Peter im Wohnzimmer und erzählen uns gegenseitig von unseren vergangenen Touren und Plänen für dieses Jahr. Die Überraschung ist groß, als wir berichten für eine längere Wanderung nach Norwegen zu gehen.

Die Pause bei Peter fällt länger aus als gedacht, aber schön ist es, sich so entspannt über das gemeinsame Hobby auszutauschen. Wir verabschieden uns und versprechen, uns zu melden wenn wir wieder in der Nähe sind! Das machen wir ganz bestimmt!

Von Hülben aus geht es kurz entlang der Hauptstraße, bevor wir abbiegen in Richtung des örtlichen Segelflugplatzes. Hier ist heute richtig was los, von Weitem schon hört man Blasmusik und als wir uns weiter nähern, entdecken wir auch einen Bierausschank.

Flieger, grüß mir die Sonne!

Oh man, jetzt hier einfach entspannt in der Sonne sitzen und ein kühles Blondes zischen wäre jetzt nicht schlecht, aber so weit sind wir heute noch nicht gekommen. Es geht also weiter für uns, aber den Start eines Segelfliegers mit Hilfe der Motorwinde lassen wir uns nicht entgehen. Das sieht schon cool aus, wie schnell die Flugzeuge beschleunigen und wie rasch sie mit Hilfe der Winde in die Höhe katapultiert werden.

Weiter geht es ein Stückchen parallel auf dem Gustav-Strömfeld-Weg, der noch lichte Laubwald bietet etwas Schutz vor der nun schon sehr prallen Sonne. Am Boden finden wir mitunter große Flächen mit Bärlauch, die einen angenehmen Duft verbreiten. Warum zahlen die Leute im Supermarkt eigentlich viel Geld für dieses Kraut, wenn es im Frühjahr im Wald so unglaublich viel davon umsonst gibt?

Wir überqueren die Landstraße an der Neuffener Albsteige und stehen alsbald an der sogenannten Brille, einem Aussichtspunkt mit Ausblick auf die Burg Hohenneuffen. Wir lassen die Burg aber heute links liegen, wir waren schon mehrfach dort und heute steppt dort der Bär, der Parkplatz in der Nähe der Burg ist proppenvoll.

Der HW1 folgt an dieser Stelle wieder dem Albtrauf und wir entscheiden uns für eine Pause am Gleitschirmstartplatz Neuffen. Hier stehen schon einige andere Wanderer und sehen gebannt den Wagemutigen zu, wie sie sich mit ihren Gleitschirmen von hier aus in die Luft begeben. Auch einen Tandemstart können wir beobachten – ob wir selbst auch so mutig wären?


Den Abschnitt nun nach Erkenbrechtsweiler und weiter nach Owen kennen wir bereits von einer vorherigen Wanderung, aber das macht nichts, denn er ist gut zu gehen und bietet gerade am Ende einen wahnsinnigen Ausblick über das Albvorland. Und so geht es für uns schon an den Endspurt, auch wenn wir uns dafür reichlich Zeit nehmen. Gemütlich laufen wir durchs Dorf und verschwinden dann wieder im lichtdurchfluteten Wald. Die Stimmungen im Laubwald zu dieser Jahreszeit sind so cool, wenn die Lichtstrahlen sich durch das noch leicht kahle Astwerk ihren Weg bahnen.

Der schönste Fernwanderweg Deutschlands?

Am Brucker Fels ist die Aussicht bis hinüber zur Burg Teck einfach der Wahnsinn! Diese Ausblicke, die sich einem auf dem HW1 immer wieder bieten, machen den Fernwanderweg zu etwas ganz besonderem, vielleicht sogar zum schönsten Fernwanderweg in ganz Deutschland!

Die Aussicht hier ist so schön, dass gleichzeitig mit uns eine größere Gruppe anderer Wanderer dort ist, was ja zu erwarten war.

Das Tagesziel liegt nun bereits zu unseren Füßen, der Ort Owen wird heute der Endpunkt sein. Der Abstieg hinab geht schnell, der Weg ist teilweise ziemlich steil. Unten angelangt empfängt uns mal wieder duftender Bärlauch, langsam bekommen wir davon Hunger auf etwas Deftiges zu essen.

Durch blühende Wiesen führt uns der von Streuobstbäumen gesäumte Weg nun nach Owen. Der Ort ist sicher unter der Woche ruhiger als am Wochenende, wenn sich hier Touristenmassen mit laut knatternden Motorrädern und Autoschlangen hindurchwälzen, um zur weithin bekannten Burg Teck zu gelangen.

Unser Timing ist richtig gut, am Bahnhof angelangt können wir nach wenigen Minuten den Bus besteigen, der uns mit einem Umstieg in Neuffen zurück nach Metzingen zu unserem heutigen Ausgangspunkt bringt. Wir belohnen uns in Metzingen mit einem leckeren Eisbecher und machen uns dann auf nach Hause, eine weitere wunderbare Etappe auf dem HW1 liegt hinter uns!

Ostern steht vor der Tür und damit die Frage, was unternehmen wir an diesem langen Wochenende? Nach einigem Hin und Her rückt schnell wieder der HW1 am Nordrand der Schwäbischen Alb in den Fokus, den wir ja im letzten Jahr bereits etappenweise in Angriff genommen hatten. Wir kramen die Landkarte hervor, sehen uns mögliche Etappen an und nehmen uns vor, vom Endpunkt unserer letzten Etappe in Jungingen bis ungefähr nach Bad Urach zu laufen.

Ungefähr 70 Kilometer in drei Tagen wären das, also recht entspannt, die Tage werden ja auch gerade wieder länger. Da wir  ganz in der Nähe wohnen, können wir ja bei sehr schlechtem Wetter auch ohne Probleme abbrechen bzw. unsere Tour auch variieren, die guten Verbindungen mit Bus und Bahn machen es möglich. Gesagt getan. Die Wettervorhersage ist auch nicht schlecht und so erledigen wir noch letzte Besorgungen.

HW1 statt Hardangervidda – unsere Påsketur auf der Schwäbischen Alb

Am Gründonnerstag geht der Arbeitstag flott von der Hand und um kurz nach 16 Uhr besteigen wir den Zug Richtung Ausgangspunkt. Wir steigen zwei Mal um und sind trotzdem innerhalb von etwas mehr als einer Stunde bereits da, wo es diesmal für uns losgehen soll.

Die Rucksäcke sind noch recht voll mit Leckereien und etwas schwer, den Feiertagen sei Dank, als wir den ersten Schildern des HW1 durch den kleinen Ort Jungingen folgen. Wie immer ist der Start am Albtrauf auch mit einigen Höhenmetern verbunden, denn will man die herrlichen Aussichten hier genießen, muss man sich diese erstmal gewissermaßen verdienen. Also nichts wie los!Wir lassen das spätnachmittagliche Jungingen hinter uns und steigen durch das Naturschutzgebiet Bürgele immer weiter auf. Der Schweiß fließt mittlerweile in Strömen, der Weg wird steiler und wir halten immer mal wieder inne, um ins Killertal zu blicken. Woher dieser Name stammt, keine Ahnung, Gedanken darüber will ich mir lieber nicht machen.

Der Aufstieg ist bald darauf geschafft, der Wald um uns herum wird nun vom warmen Abendlicht durchflutet. Wir treffen nur noch ganz vereinzelt andere Leute, bald darauf sind wir ganz allein unterwegs. Am Aussichtspunkt Köhlberg erhaschen wir noch die letzten Sonnenstrahlen, die die Burg Hohenzollern spektakulär in Szene setzen.

Kurz darauf geht es weiter und wir suchen uns ein Plätzchen für die Nacht, die kurz darauf langsam einbricht. Nach einiger Zeit steht der Mond bald voll über uns, und taucht die Umgebung in eine spannende Umgebung.

In der Ferne leuchten die Lichter der nächsten Ortschaft und wir bereiten uns ein leckeres Abendessen zu. Der Auftakt dieser Etappe war ja bereits überaus vielversprechend, schauen wir mal, was der Tag morgen für uns bringen wird.

Ein Sonnenaufgang wie aus dem Oster-Bilderbuch

Die Zeltplatzwahl erweist sich als überaus geschickt, den wir werden am Morgen von den ersten Sonnenstrahlen des neuen Tages geweckt. Über Nacht gab es noch Frost, aber nun steigt die Sonne immer höher an den Horizont und dabei steigt auch die Temperatur im Zelt. Das Frühstück und den ersten Kaffe des Tages nehmen wir entsprechend zufrieden ein, mit wärmenden Sonnenstrahlen im Gesicht fällt einem doch alles ein wenig leichter.

Kurz darauf geht es für uns zurück auf den Trail bzw. den HW1. Als Tagesziel haben wir uns das etwa 25 Kilometer entfernte Wanderheim auf dem Rossberg gesetzt, es warten einige Höhenmeter auf uns. Der Weg folgt wieder dem Albtrauf, durch den lichten Laubwald kommen wir gut voran.

Bald darauf erreichen wir auch schon den Dreifürstenstein, einen großartigen Aussichtspunkt, an dem sich der Sage nach die Fürsten von Württemberg, Hohenzollern und Fürstenberg einst zu Verhandlungen trafen, denn an diesem Punkt trafen sich alle drei Fürstentümer. Wie dem auch sei, der Platz für ihre Verhandlungen war wirklich gut, und so genehmigen wir uns bei der Aussicht eine längere Pause.

Bevor es für uns abwärts nach Talheim geht, passieren wir noch den gewaltigen Bergrutsch am Hirschkopf. Hier rutschten 1983 gewaltige Erdmassen hinab ins Tal. Beim Anblick schaudert es mich ein wenig, wie es wohl gewesen ist, die Geräuschkulisse und der Anblick dieses Ereignisses müssen gewaltig gewesen sein.

Nachdem wir am Bergrutsch vorbei aus dem Wald treten, folgen wir einigen Landwirtschaftswegen hinab nach Talheim. Es ist Karfreitag und somit Feiertag, aber wir treffen nur wenige Leute und das Wetter ist immer noch gut. Was will man mehr, wir hätten gedacht, es sei mehr los.

In Talheim begrüßt uns dem Feiertag entsprechende Ruhe, niemand ist auf der Straße, die wenigen Geschäfte (in denen man im Übrigen ansonsten alle möglichen Grundnahrungsmittel bekommt) haben geschlossen, nur der Blumenladen hat offen, ach nee, man hat einfach die Waren vor die Tür geräumt und eine Selbstbedienungskasse dazu gestellt. Wir wollen bzw. brauchen aber nur etwas Wasser, zu Essen haben wir ja genug dabei.

Eine ruhige Landpartie – dem Feiertag sei Dank!

Das Trinkwasser finden wir kurz drauf am örtlichen Friedhof, der malerisch etwas oberhalb des Ortes direkt an der Talheimer Bergkirche liegt. Nach einer kurzen Stärkung geht es weiter, ein kerniger Anstieg hoch zum Riederberg liegt nun vor uns. Über schmale Pfade voller Laub aus dem letzten Jahr geht es bergan, bald 250 Höhenmeter haben wir oben zusätzlich auf der Habenseite, nur um kurz darauf wieder negative Höhenmeter einzusammeln. Es geht abwärts und dann wieder aufwärts durch herrlichen Laubwald, eine einzige Albtrauf-Achterbahn heute. Beim Gedanken an das eiskalte Ziel-Getränk auf dem Rossberg läuft mir das Wasser im Munde zusammen, während die Schweißperlen von der Stirn auf die Brille tropfen. Herrlich.

Kurz bevor wir den Aussichtspunkt am Bolberg erreichen, überqueren wir noch große Wiesenflächen. Hier pfeift der Wind ganz ordentlich, man kühlt ganz rasch aus, trotz der Sonne am Himmel.

Am höchsten Punkt im Kreis Reutlingen auf 880 Metern angelangt, erwartet uns mal wieder eine spektakuläre Aussicht. Man wird einfach nicht müde, sich staunend auf einer der vielen Bänke niederzulassen und in die Ferne zu blicken. Der Alltag ist in solchen Momenten herrlich weit weg und wenn nach jedem dieser Anstiege so ein Ausblick wartet, nimmt man die kurzen, knackigen sportlichen Einlagen doch gerne in Kauf.

Das Tagesziel Rossberg liegt von jetzt an nicht mehr weit entfernt, jedenfalls wenn man die Luftlinie betrachtet. Nimmt man aber das Höhenprofil zur Hilfe, na dann sieht die Sache schon etwas anders aus. Aber man hört die Zwiefalter-Sirenen schon vom Rossberg-Turm aus rufen: Kommt! Kommt bald! Ein eiskaltes Radler wartet hier schon auf euch!

Also los, der Abstieg zum Hirschhäusle ist schnell geschafft, von nun an geht es eigentlich nur noch aufwärts. Zum Glück ist der Anstieg über einen Forstweg gut zu gehen, auch wenn es langsam einige Körner kostet. Am Wanderparkplatz sammeln wir noch einmal kurz Kräfte und dann wartet der Endgegner auf uns, sprich der Schlussanstieg zum Wanderheim Rossberghaus. Aber auch den schaffen wir noch und nach etwa 24 Kilometern und insgesamt 800 Metern Anstieg bei herrlichstem Wanderwetter wandern dann endlich auch die Wanderstöcke in die Ecke und ein wenig platt lassen wir uns in der Gaststube nieder. Das nun servierte Kaltgetränk schmeckt mindestens so gut, wie wir es uns nach all den Höhenmetern heute vorgestellt haben.

Als wir dann aus dem Fenster der Stube blicken, ändert sich das Wetter im Nu. Große Regenfahnen ergießen sich aus den Wolken, die sich am Albtrauf stauen. Sauber, da haben wir ja alles richtig gemacht und die Entscheidung heute hier im Wanderheim zu übernachten erweist sich ebenfalls als glückliche Fügung. Kurz darauf verdunkelt sich der Himmel vor dem Fenster vollends und es wird Zeit, unser kleines gemütliches Zimmer zu beziehen und die Duschen aufzusuchen.

Zimmer statt Zelt, Regen statt Sonne

Das Abendessen schmeckt und der Durst wird ebenfalls gelöscht, ein wunderbarer Wandertag neigt sich langsam dem Ende entgegen, auch wenn es eigentlich noch früh am Abend ist. Wir sind gut geschafft, draußen regnet es Bindfäden und die Regentropfen prasseln auf das Dachfenster unseres Zimmers. Ich kann die Augen kaum noch offen halten, widme mich aber noch tapfer meinem Osterkrimi. Hygge nennt man das glaube ich – gute Nacht! 

Die Aussichten am Albtrauf? Immer gut!

Oha denke ich nur, als ich am Morgen aufwache. Ich sollte mal lieber wieder öfters wandern gehen, dann fällt der Muskelkater auch nicht so doll aus. Wir frühstücken ganz entspannt und checken dann aus, der Trail hat uns bald wieder. Wer will, kann hier im Rossberghaus sogar im Turmzimmer übernachten, die Aussichten sind vor allem bei gutem Wetter spektakulär!

Langsam starten wir in den Tag und steigen hinab vom Rossberg. Die Sonne lässt sich noch nicht blicken, aber auch so ist das Wetter super zum Wandern. Nicht zu warm, trocken, einfach perfekt.

Der Ort Genkingen ist schnell erreicht und wir stärken uns beim örtlichen Bäcker. Auch hier findet sich alles Mögliche, um sich für eine mehrtägige Tour zu versorgen. Weiter geht es, heute steht eines der absoluten Highlights dieser Etappe auf dem Programm: Das Schloss Lichtenstein.

In Lichtenstein ist die Welt noch in Ordnung

Auf und ab folgen wir dem HW1 durch die Laubwälder hin zur Nebelhöhle. Die Karte der Gastwirtschaft dort liest sich ganz hervorragend, aber es ist noch früh am Tag und wir wollen noch ein gutes Stück weiter gehen. Und so lassen wir auch die Nebenhöhle Nebelhöhle sein, weiter geht’s zum Kalkofenhaus, wo wir eine Abkürzung nach Lichtenstein nehmen. Eines der touristischen Epizentren der schwäbischen Alb erwartet uns dort, der Parkplatz ist voller Autos, Stimmen aus Russland und den USA erklingen friedlich nebeneinander beim Anstehen zur Besichtigung des Schlosses.

Wir als harte Thruhiker aber sind an der Besichtigung nicht ganz so stark interessiert, uns locken eher Apfelkuchen und Kristallweizen aus dem Selbstbedienungs-Kühlschrank der nahen Einkehrmöglickeit. So verbringen wir unsere Pause in der Sonne und lassen es uns gut gehen. Für den Abend nehme ich noch ein Bier auf die Hand mit, gut, dass der kleine Rucksack so große Fächer an den Seiten hat.

Nach der ausgiebigen Pause geht es weiter, wir wollen noch bis hinter Holzelfingen kommen. Den Abschnitt kennen wir etwas, denn der Burgenweg führte uns dort bereits auf einer Wanderung entlang. Die Aussichten hier sind wieder einmal der Knaller, man kann es nicht oft genug sagen. Selten habe ich einen Wanderweg erlebt, der so viel Spaß macht.

In Holzelfingen angelangt, stocken wir unsere Wasservorräte ein wenig auf, pausieren in der Abendsonne und stärken uns für den Tagesendspurt. Die Schritte werden kürzer, der Tag wird länger.

Gemächlich geht es weiter, irgendwo am Göllesberg wollen wir heute unser Lager aufschlagen. Am Landgasthof Stahleck bekommen wir netterweise noch Wasser, dann ist es auch nicht mehr weit bis zum Feierabend für heute.

Während ich ungläubig auf meine Handy-App und die Bundesligaergebnisse starre, finden wir einen Platz für unser gemütliches mobiles Heim. Bei den letzten wärmenden Sonnenstrahlen des Tages bereiten wir unser Abendessen zu, es könnte uns schlechter gehen, das steht mal fest.

Die Nacht war etwas unruhig, der Vollmond hat einige Jäger auf den Posten gerufen, durch die Dunkelheit hallen dumpfe Schüsse, das Jagdhorn kündet im Morgengrau von der erfolgreichen Strecke. Hoffentlich musste der Osterhase nicht dran glauben!

Schnee am Ostersonntag – alles fast wie in Norwegen

Beim Frühstück rieselt ein wenig Schnee aufs Zelt, wir haben es also heute nicht eilig und lassen uns Zeit. Heute wollen wir „nur“ 17 Kilometer bis nach Bad Urach laufen, das sollten wir ohne Stress bis zum frühen Nachmittag hinbekommen.

Das Wetter ist beim Aufbruch eher usselig und ungemütlich, ein Tag auf dem Sofa wäre jetzt auch nicht verkehrt. Aber egal, wir lassen es gemütlich angehen und bald darauf erreichen wir das Schafhaus vom Haupt- und Landesgestüt Marbach. Für den interessierten Fachmann: Hier befindet sich die Schafprüfstation des Gestüts sowie Stutfohlenaufzucht und auch die Ruhestandspferde findet man hier.

Das Wetter wird nicht besser, als wir zum Wildgehege an der Eninger Weide gelangen. Nichtmal das Wild lässt sich blicken und macht es sich wohl lieber im Unterholz gemütlich. Der Blick über Pfullingen und Reutlingen ist eher mäßig, die Stimmung bei uns so langsam auch, das Wetter lädt nicht unbedingt zum Wandern ein, aber wir haben alles für uns allein, auch nicht schlecht.

Kurz lernen wir noch etwas über die hiesige Stromversorgung, wie bei der Sendung mit der Maus in der Live-Version am Speicherbecken Glems. Davon hatten wir hier noch nie gehört, spannend und wie ein Ufo hoch oben im Wald gelandet.

Zum Glück wartet kurz darauf bei dem Wetter das Wanderheim Eninger Heide mit seiner warmen Stube auf uns. Wir lassen uns auch nicht lange bitten, kehren ein. Außer uns ist nur noch ein kleiner Stammtisch rüstiger Albvereinsmitglieder dort, die sich ihr wohlverdientes Sonntagmorgen-Bier schmecken lassen. Wir halten uns an Kaffee, Kuchen und Maultaschen bevor der Endspurt des Tages auf dem Programm steht.

Das Wetter hat sich nun etwas beruhigt, aber die Landschaft ist von einer bleiernen Tristesse gezeichnet. Eine Pause gibt es jetzt nur noch am Aussichtsturm Hohe Warte, aber die Aussicht ist heute nicht der Rede wert. Schade.

Wir nähern uns nun immer mehr dem Abstieg hinab zum Bad Uracher Wasserfall. Der Wind bläst die Regentropfen hier oben auf der offenen Wiesenfläche beinahe waagerecht, ein Sturm in der Waschküche, erfüllt von Sprühnebel. Die Ausflugslokale haben heute sicher mit einem großen Ansturm gerechnet, aber die Leute bleiben vermutlich lieber daheim in der gemütlichen Stube.

Der Abstieg hinab zum Wasserfall ist glitschig und steil, heute leider keine Genusswanderung, denn immerhin wurde der hiesige Wasserfallsteig 2016 zum schönsten Wanderweg in Deutschland gewählt.

Am eigentlichen Wasserfall gucken wir nur kurz nach dem Weg, entscheiden uns für die etwas kürzere Variante zum Bahnhof Uracher Wasserfall. Gegen 15 Uhr erreichen wir unser Etappenziel, passend dazu öffnet der Himmel seine Schleusen, na schönen Dank auch!

Der HW1 – net schlecht!

Uns aber ist es egal, denn die Tage auf dem HW1 waren wieder ganz wunderbar. Schnell holen wir den Gaskocher hervor und machen uns ein Heißgetränk, warten so gemütlich auf die Bahn, die uns bald schon wieder zurück nach Hause bringen wird. Und so liegen drei abwechslungsreiche und schöne Tage auf dem Nordrandweg der Schwäbischen Alb hinter uns. Der Weg hat uns auch diesmal sehr gefallen, wir waren oft ganz alleine unterwegs und die Mischung aus touristischen Hot-Spots, Aussichten, schmalen Pfaden und kleinen Orten ist absolut empfehlenswert. Die nächste Etappe ist schon in Planung, während die Waschmaschine ihre Runden dreht und die Ausrüstung wieder trocken im Keller verstaut ist.

Am Samstag vor dem dritten Advent war ich in Tübingen auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs. Wenigstens einmal in der Vorweihnachtszeit wollten wir die schöne Atmosphäre in der hiesigen Altstadt zur Vorweihnachtszeit genießen. Nach anderthalb Stunden waren wir wieder daheim, so unwohl haben wir uns in den Menschenmassen gefühlt, die sich dicht gedrängt durch die Gassen geschoben haben. Die Vorweihnachtszeit ist für mich eigentlich die Zeit im Jahr, um einmal zur Ruhe zu kommen und richtig entspannt durchzuatmen, und nicht sich in den größtmöglichen Trubel zu stürzen.

Das vergangene Jahr hat wieder einmal viele wunderbare Momente für mich bereit gehalten. Es fällt mir immer wieder schwer, einiges davon zu begreifen. Als ich zum Beispiel in Erlangen in der wahnsinnig großen Halle vor der riesigen Leinwand stand und von meiner Tour berichtete, musste ich wirklich kurz innehalten und mich kneifen.

Es ist einfach unglaublich, wohin mich mein damaliger Entschluss meinen Job zu kündigen und ins Abenteuer zu stürzen mittlerweile geführt hat. Auch vor kurzem in Tübingen während meines Vortrags in so wunderbar gemütlicher Atmosphäre habe ich oft daran gedacht, was für eine unglaubliche Möglichkeit ich damals beim Schopfe gepackt habe, ohne vorher wirklich zu wissen, was auf mich zu kommt.

Ein Jahr voller Highlights

Aber wenn ich an das letzte Jahr zurück denke, dann sind mir insbesondere die wahnsinnig eindrücklichen Reisen in den Norden haften geblieben. Egal ob die Wintertouren im Sarek und der Hardangervidda oder auch die herbstliche Zeit im Narvikfjell und auf den Lofoten – ich habe mich dort unterwegs einfach so wohl gefühlt!

Auf der Bühne zu stehen und von meiner Tour zu berichten und euch mitzunehmen nach Norwegen ist einfach ein unglaublich schönes Gefühl, der Zuspruch und die Rückmeldungen dazu sind echt unbezahlbar, aber im herbstlichen Fjell zu stehen, die glasklare Luft einzuatmen und die bunten Farben zu bestaunen oder auch krasse Nordlichter über dem Zelt zu bestaunen, das ist einfach das Beste überhaupt und mit nichts zu vergleichen.

Auf dem Weg zu neuen großen Abenteuern irgendwann bin ich aber einfach unendlich dankbar für alles, was ich auch im letzten Jahr wieder erleben durfte. Eine ganze Reihe von Vorträgen quer durch das Land waren einfach grandios und ich hoffe sehr, dass ich noch einige Vorträge mehr halten darf, denn es macht so viel Freude, in die begeisterten Gesichter der Zuschauer zu blicken und sie vielleicht anzustiften, einige Konjunktive im Leben zu streichen.

Im Hintergrund arbeite ich mit Hochdruck daran, Termine im neuen Jahr kreuz und quer durch die Republik festzumachen, die neuen Termine werde ich euch im neuen Jahr umgehend mitteilen sobald sie fix sind.

Wie war denn das letzte Jahr?

Mit großer Freude blicke ich auch auf die zahlreichen Magazin-Artikel, die im letzten Jahr erschienen sind und in denen ich von meinen Touren und Abenteuern erzähle. Es freut mich sehr, dass es den Lesern gefällt und ich auch über meine Herangehensweise an Touren berichten darf. Ich selbst lese solche Artikel auch sehr gern und informiere mich über alles mögliche, bin ich doch selbst in vielen Dingen nicht so erfahren, wie es vielleicht manchmal erscheint.

Zelten bei Minus 30° Celsius? Herzlich Willkommen im Sarek

Um all die Dinge, die im vergangenen Jahr auf meinem Schreibtisch gelandet sind wegzuschaffen, ist leider oftmals der Blog etwas zu kurz geraten. Gerne würde ich noch den Reisebericht über die Sarek Wintertour fertigstellen, aber ich fürchte, das wird leider noch ein wenig dauern. Schade, denn die Erinnerungen an diese gigantische Tour sind immernoch so präsent, denn so lange Zeit bei so tiefen Temperaturen mit Zelt unterwegs zu sein, das war für mich total neu! Eine ganz besondere Erfahrung, so eindrücklich und intensiv, unglaublich!

Unter Gleichgesinnten beim Fernwanderncamp

Eines der absoluten Highlights in diesem Jahr war auf jeden Fall das Fernwandern Camp im November. Ich bin immer noch total platt, wie viele Leute dort hin kamen und wie entspannt das ganze ablief. All die Leute die dort waren, haben dieses Wochenende zu etwas ganz besonderem gemacht. Es war einfach so cool, sich dort in relaxter Atmosphäre über unser gemeinsame Leidenschaft auszutauschen.

Ich meine klar ist es toll, dass man über viele Touren im Internet lesen kann, das man sich in Foren austauschen oder Leuten virtuell auf ihre Touren begleiten kann, aber sich so ganz klassisch offline zu treffen, das ist für mich trotz alles Social Media und Internetgeschichten das Salz in der Suppe. Und wir werden das ganz sicher wiederholen, ganz sicher!

Unterwegs am Albtrauf

In diesem Jahr haben wir auch unsere Wahlheimat im Ländle zu Fuß erkundet und uns dabei für den HW1 Wanderweg immer entlang des Albtraufes entschieden. Selten hat mich eine Wanderung so positiv überrascht und begeistert. Manchmal muss man gar nicht weit reisen, um dem Alltag etwas zu entfliehen und ein kleines, aber feines Abenteuer zu erleben. Gerade im Herbst ist der Weg einfach fantastisch gut zu gehen, ein klares Plädoyer für heimatliche Streifzüge! Gerne denke ich auch zurück an die wunderbare Fahrt mit dem Faltboot durchs wilde Donautal – wie fantastisch schön doch auch Deutschland ist!

Einige der schönsten Sätze im letzen Jahr habe ich dann bei Andrea und Ole gelesen, deren Blog über ihre Tour zum Nordkap ich einfach verschlungen hab. Ich hab große Hochachtung vor ihrer Leistung und wie sie ihr großes Abenteuer gemeistert haben. Zu ihrer Ankunft am Nordkap schrieben sie folgende Gedanken, die ich einfach so wunderbar finde:

Dann setzten wir uns, nahmen uns in den Arm und vergaßen alles um uns herum. Wir hatten so gut aufeinander aufgepasst. Und es gemeinsam geschafft. Wie oft hatten wir es verflucht. Wie oft hatten wir überlegt, nicht weiter zu gehen und nach Hause zu fahren. Wie oft hatten wir es geliebt. Und jetzt fiel alles ab.

Ut på tur – aldri sur! So einfach ist das eigentlich

Das schöne aber an den ganzen Vorträgen, Reiseberichten und Photos ist, dass man das, was man dort zeigt und erzählt, ja selbst erlebt, empfunden und gemacht hat. Ohne aufzubrechen und loszuziehen, ohne vom Schreibtisch oder der Couch aufzustehen, wäre das einfach nicht möglich. Wenn man nichts erlebt oder gesehen hat, kann man auch nicht darüber berichten. Und deshalb gilt es weiterhin für mich, daran zu arbeiten, die Konjunktive im Leben wieder kleiner zu halten. Das ist mein Ziel, das habe ich mir fest vorgenommen für 2018.

‘Cos love is free and life is cheap,
as long as I’ve got me a place to sleep,
clothes on my back and some food to eat,
then I can’t ask for anything more!

In diesem Sinne möchte ich euch allen ein besinnliches und frohes Weihnachtsfest im Kreise eurer lieben wünschen! Lasst es euch gutgehen und schmiedet fleißig Pläne für 2018! Genau so werde ich es angehen! God Jul!

Wir sitzen stinkend, aber glücklich im Auto. Alles ist verdreckt von der nach stundenlangem Dauerregen völlig versumpften Wiese auf dem Campingplatz Rossmühle. Es riecht im Wagen, als würden wir gerade ein große Ladung frisch geräucherten Schinken ausliefern. Das Grinsen im Gesicht will aber gar nicht mehr weggehen! Was für ein cooles Wochenende liegt nun leider schon hinter uns, als wir langsam vom Campingplatz rollen und uns auf den Heimweg machen.

Wie alles begann – oder wir machen das jetzt einfach

Zeitsprung. Schon seit langer Zeit schwirrte in meinem Kopf der Gedanke an ein Wochenende herum, bei dem man sich irgendwo mit Gleichgesinnten trifft, um über alles rund ums Fernwandern in entspannter Atmosphäre zu quatschen. Ich bekomme beinahe täglich zahlreiche E-Mails und Nachrichten zu diesem Thema, helfe und gebe Tipps wo ich nur kann. Aber über solche Dinge einmal persönlich zu reden, das wäre ja eigentlich so viel cooler oder nicht?

Ich sprach mit einigen Leuten über diese Idee. Auch mit einigen Herstellern, die mich unterstützen. „Eine super Idee, das müsste man auf jeden Fall mal machen, das wäre total super!“ so war der einhellige Tenor dazu. Aber irgendwie bekam die Sache nicht den nötigen Schwung, es wurde viel geredet, aber nichts gemacht. So entschloss ich mich im Sommer einfach selbst dazu, das Thema anzugehen. Es sollte ein Wochenende am Lagerfeuer werden, nichts Kommerzielles, wo man Eintritt zahlen muss, und an einem zentralen Ort in Deutschland stattfinden, sodass möglichst viele Leute die Gelegenheit bekämen, vorbeizuschauen. Parallel schrieb ich Carsten Jost von fastpacking.com an, ob er nicht Lust hätte, bei solch einem Treffen mitzuhelfen. Carsten ist eine feste Größe in der hiesigen Ultra-Light Fernwandernszene, er gibt Kurse zu diesem Thema und ist unter den Outdoor-Bloggern dank seines Outdoor Blogger Networks super vernetzt. Auch hier war das Feedback total positiv und ich wurde in meiner Idee bestärkt.

Wie organisiert man sowas überhaupt?

Ich war allerdings ziemlich unsicher und hatte keine Ahnung, wie viele Leute wohl Lust hätten zu kommen. Und bevor ich alleine irgendwo sitze und keiner kommt, kam mir die Idee, das Ganze eventuell mit einem der Treffen, die auf www.outdoorseiten.net organisiert werden, zu kombinieren. Ich selbst war schon bei einigen dieser Treffen, habe dort Freunde fürs Leben getroffen und jede Menge Spaß gehabt. So ein Internet-Forum ist zwar an sich schon eine super Sache, aber die Leute hinter den Alias-Namen in der Realität kennenzulernen und sich persönlich auszutauschen, ist dann doch noch um einiges spannender. Ich fragte einmal vorsichtig nach, ob ich zu einem Treffen an der fränkischen Saale auf dem Campingplatz Rossmühle einige Leute dazu einladen dürfe, die nicht direkt mit dem Forum zu tun haben. Die Rückmeldung dazu war sehr positiv, es konnte also richtig losgehen. Das einzige Problem war, dass das Treffen im November in den Herbstferien stattfindet. Wer da wohl Zeit hat, um bei vermutlich nasskaltem Wetter zelten zu gehen?

Da ich keine Ahnung hatte, ging ich einfach dazu über, es herauszufinden. Sollte keiner meiner Einladung folgen, würde ich wenigstens mit den ODS-Leuten eine gute Zeit haben. Gesagt, getan, ich schrieb eine Einladung bei mir im Blog und erstellte einen öffentlichen Termin auf Facebook. Wer kommen wollte, solle sich doch kurz bei mir melden, sodass ich einen Überblick habe. Bei der Sache gab es ja kein Risiko, jeder sollte sich vor Ort selbst beim Campingplatz anmelden und sich selbst verpflegen. Die einzige Sache war, dass der Campingplatz im November eigentlich schon langsam winterfest gemacht wird. Sprich das Wasser abgestellt und die sanitären Anlagen langsam eingemottet werden. Aber nun gut, so viele Leute würden ja vermutlich auch nicht kommen, und die dadurch entstehenden Wege wären ja auch okay, damit kann man schon mal leben für ein Wochenende.

Nun ging es daran, etwas Werbung zu machen. Ich schrieb also einige befreundete Blogger wie das Fräulein Draußen und Partner sowie Magazine an, mit denen ich ab und an zusammen arbeite. Carsten trommelte zusätzlich in der Ultra-Light Wander Community und so langsam nahm die Sache Formen an. Als dann das Walden Magazin die Veranstaltung auf Facebook teilte und sich die Liste der an der Veranstaltung interessierten Leute auf deutlich über 100 erhöhte, sackte mir doch kurz das Herz in die Hose. 

Es melden sich immer mehr Leute an!

Ein paar hektische Telefonate mit dem Campingplatzbetreiber und den Organisatoren von ODS später, hatte sich mein Herzschlag wieder etwas beruhigt. Mir war schon klar, dass nicht alle der 150 Leute kommen würden, aber mit insgesamt 50 Leuten rechnete ich schon, denn ich bekam auch täglich noch Anmeldungen per E-Mail aus allen möglichen Himmelsrichtungen. Selbst aus Schweden und der Schweiz meldeten sich Teilnehmer an. Zwar mussten auch einige Leute absagen, da der Termin für sie etwas unglücklich lag, aber anhand der Rückmeldungen war mir klar, dass das Wochenende auf jeden Fall super werden würde und die Idee zu einem Fernwandern Camp überall auf sehr fruchtbaren Boden fiel. Sogar der Campingplatzbetreiber ließ sich ob der zu erwartenden Leute erweichen, das Wasser blieb an und die Toiletten auf unserer Wiese wurden ebenso aufgelassen, die langen Wege sollten uns also erspart bleiben.

Die Zeit raste dahin, und bald schon wurde es November. Von Real Turmat bekam ich einen großen Haufen leckeren Essens zum Probieren für alle beim Camp, von Fibertec bekam ich einen Karton Imprägniermittel zum Testen für die Teilnehmer und das Nordis Magazin stiftete einige Exemplare der neuesten Ausgabe, sodass sich die Leute auf dem Nachhauseweg über Reisen in nordische Gefilde informieren konnten.

Am Abend vor dem Camp hieß es dann, all die Sachen ins Auto zu bekommen. Das war gar nicht so einfach, hatte ich doch versprochen, einiges an Ausrüstung zum Zeigen mitzubringen. Wir mussten ordentlich puzzeln, um neben diversen Zelten, einem Faltboot und dem Kugelgrill auch noch eine große Kiste mit Landkarten und die ganzen Give-Aways unterzubringen. Aber es passte alles rein, der Kombi war randvoll und die Vorfreude stieg, es hatten sich rund 40 Leute angemeldet.

Es geht endlich los! Wir treffen uns!

Nach drei entspannten Stunden auf der Straße rollten wir endlich auf den Campingplatz. Wir waren unter den ersten Ankömmlingen und begrüßten die anderen, die bereits ihre Zelte aufgeschlagen hatten. Sofort wurde bei Kaffee und Kuchen ganz entspannt losgequatscht. Ganz egal ob man sich bereits kannte oder nicht, ohne Berührungsängste ging es direkt los. Es war schön zu sehen, dass sich alle auf Anhieb verstanden, jeder etwas zu erzählen hatte. Ein Programm war gar nicht nötig, das Thema Outdoor war ja allgegenwärtig. 

Schön war es auch, alte Bekannte und Freunde zu begrüßen. Sogar die Jurte, die dem outdoorseiten.net Verein gehört, fand ohne große extra Bestellung ihren Weg zu uns. So waren wir auch vor dem vorhergesagtem Nieselregen super geschützt und in der Jurte kann man sogar Feuer machen, um sich darin aufzuwärmen oder zu kochen – was will man mehr?

Der Aufbau der Jurte gelang dann auch unter Aufbietung aller anwesenden Kräfte und dank der geballten Schwarmintelligenz schnell und fast reibungslos. Das in Carsten Jost als eigentlichem UL-Wanderer ein alter Pfadfinder steckt, wer hätte das gedacht?

Nachdem die Jurte stand, wurde auch das bestellte Feuerholz angeliefert und es ging nahtlos über in den gemütlichen Teil. Ständig kamen neue Leute hinzu, der Campingplatz füllte sich immer mehr. Bei kalten und warmen Getränken loderte schnell das Lagerfeuer in der Jurte, es wurde überall gekocht und bald schon duftete es sogar nach frischen Flammkuchen vom Grill und selbst gemachten Rehbratwürsten! Outdoorer-Herz, was willst du mehr? Es war super zu sehen, wie sich alle bunt durcheinander mischten, jeder sich ganz ohne Vorbehalt einfach mit seinem Nachbarn unterhielt und die Stimmung einfach bestens war! 

Immer wieder staunte ich auch über die Touren, die einzelne Leute hier bereits gemacht hatten. Egal mit wem man sprach, jeder hatte schon etwas Cooles gemacht. Es waren zwei Triple-Crowner vor Ort, also Leute, die die drei großen Weitwanderwege der USA (AT, CDT & PCT) komplett absolviert hatten, sowie mindestens fünf Leute, die Norwegen der Länge nach gewandert waren. Aber auch von anderen total abgefahrenen Touren hörte ich, da war zum Beispiel jemand mit einem alten AWO-Motorrad samt Beiwagen zum Nordkap und zurück gefahren! So cool all diesen Geschichten zu lauschen. Und keiner ließ raushängen, was er schon gemacht hatte. Niemand gab damit an, ganz im Gegenteil. Man hatte es einfach gemacht und freute sich nun, sich mit anderen über seine Erfahrungen und Erlebnisse ganz unprätentiös auszutauschen. 

Abenteurer und Abenteuer – jeder auf seine Art

Zwischendurch stand ich einfach nur da, blickte mich um in der Runde, und bekam das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Genau so hatte ich mir das vorgestellt! Warum zur Hölle gibt es in der Welt so viel Streit, Unzufriedenheit und Stress? Wenn ich mich hier umsah, dann merkte man direkt, wie schön das Leben sein kann!

Der Abend ging länger, als ich mich erinnern konnte, als ich am morgen aufwachte. Mein Klamotten rochen, nein sie stanken nach Lagerfeuer, aber das war egal nach so einem wunderbaren Auftakt des Wochenendes. Nachdem die Lebensgeister langsam wieder zurückkamen, krabbelte ich aus dem Zelt. Einige müde Gesichter wünschten mir einen guten Morgen, ich erwiderte dies, keiner war griesgrämig oder blöd drauf, alle lächelten und hatten einen flotten Spruch auf den Lippen.

Nach einigen grundlegenden morgendlichen Grundbedürfnissen wie Zähneputzen bildeten sich schnell einige Frühstücksrunden. Das Wetter hielt und so saßen bald überall Leute gemütlich beim Frühstück zusammen. Da wurde literweise Kaffee zubereitet, es wurden spontan Pfannkuchen gebrutzelt und jede Menge anderer Köstlichkeiten gereicht. Bald schon wurde munter dort weiter gemacht, wo man am Abend aufgehört hatte. Nein, das Bier musste noch bis später warten, aber die Gespräche waren ebenso entspannt und vielfältig wie am Abend zuvor. Immer wieder trudelten auch jetzt noch neue Gesichter ein, ein großes Hallo, kannte man sich doch mitunter vorher nur virtuell. Es war einfach unglaublich inspirierend und bereichernd stundenlang über Gott und die Welt zu reden. 

Zwischendurch bauten wir noch das Faltboot auf und entwarfen ein kleines Programm für den Nachmittag bzw. Abend. Nach dem stundenlangen Frühstück gab es dann am frühen Nachmittag nacheinander Workshops bzw. improvisierte Vorträge zu den Themen Freezer-Bag-Cooking & Dörren, zu den Weitwanderwegen wie AT, CDT & PCT in den USA sowie eine Runde zum Thema Norge på langs. 

In den jeweiligen Runden wurde erzählt, erklärt, berichtet und es wurden unerwartete und zum Teil sehr detaillierte Fragen gestellt – man merkt direkt, dass man unter Gleichgesinnten ist. Ich war zum Beispiel sehr glücklich, dass ich einmal über Erfahrungen und Empfindungen mit anderen Leuten quatschen kann, die selbst schon einmal NPL gelaufen sind. Für Außenstehende war das zum Teil echt nerdig und teilweise echt schwer verständlich, ich aber war im NPL-Himmel!

Langsam ging es dann fließend über in den Abend. Es wurde nun auch ein zweites Lagerfeuer unter freiem Himmel entzündet. Gleich daneben baute Tony alias Dervondraussen ein kleines Open-Air Kino mit Leinwand und Beamer auf, Markus von ODS sollte kurz darauf von seinem Abenteuer in der Mongolei erzählen. Was für eine geile Stimmung! Langsam ging dann auch auch noch der Vollmond auf, die Szenerie war einfach perfekt! 

Nun saßen wir also da. Jeder hatte ein Getränk in der Hand, Süßigkeiten und Snacks wurden herum gereicht und Markus nahm uns mit in den fernen Osten, in eine spannende und für viele von uns unbekannte Welt. Mit seinem coolen Humor und netten Anekdoten fühlten wir uns bestens Unterhalten. Im Anschluss ging es dann mit David, ebenso von ODS, auf Wintertour in den hohen Norden! Vielen Dank euch für die coolen Vorträge!

Auch nach den Vorträgen wurde sich angeregt weiter unterhalten. Entweder am Lagerfeuer, in der Jurte oder auch ganz entspannt am Bulli von der Heimatnomadin Leona. Es fühlte sich einfach so vertraut und ungezwungen an, so selbstverständlich, obwohl man sich zum Teil erst wenige Stunden kannte. Die Zeit verging einfach viel zu schnell!

Am Sonntagmorgen fiel das Aufstehen noch schwerer als am Tag davor. In der Nacht begann es wie angekündigt zu regnen. Ich wollte einfach nicht aus dem kuscheligen Schlafsack heraus, aber irgendwann nütze es nichts, was raus muss, musste raus. Mir graute es schon davor, die große schwarze Jurte bei strömendem Regen abzubauen, aber als ich aus dem Zelt kroch, hatten diese unangenehme Arbeit schon einige fleißige Hände übernommen! Sauber!

Das Camp ist viel zu schnell zu Ende

So ein wenig strömender Regen hielt uns aber nicht davon ab, in gemütlicher Runde zu frühstücken. Rasch wurde ein Tarp aufgestellt und schon saßen wir wieder entspannt beim ersten Kaffee zusammen. Teilweise goss es echt in Strömen, aber hei, es war uns einfach egal.

Alle waren traurig, als sie nach und nach ihr Zeug zusammen packten, um nach Hause zu fahren. Eigentlich wollte keiner gehen, es gäbe noch so viel zu erzählen und noch mehr zuzuhören! Irgendwann nützte es dann einfach nichts mehr, auch die letzten brachen die Zelte ab. Alles, was wir in den Kofferraum luden war irgendwie nass, roch nach Lagerfeuer oder war vom Schlamm gezeichnet. Aber das war uns ganz egal, denn es lagen zwei wunderbare Tage hinter uns. Es war noch viel cooler, vielfältiger und relaxter, als ich es mir im Vorhinein hätte vorstellen können!

Danke! Danke! Danke!

Nachdem so viele positive Rückmeldungen bei mir eingetroffen sind, bin ich mir ziemlich sicher, dass wir uns auch 2018 vermutlich am gleichen Ort zur in etwa gleichen Zeit treffen werden, um ganz entspannt übers Fernwandern zu quatschen! Ich jedenfalls würde mich sehr freuen, wenn es wieder so cool werden würde, wie die drei Tage im November 2017! Bis spätestens nächstes Jahr dann!

Vielen Dank an alle Helfer, Geschichten-Erzähler, Zuhörer, Köche, Jäger, Spender, der Royal Mail und vor allem auch an www.outdoorseiten.net, die nicht nur ein spitzenmäßiges Forum, sondern auch ein sehr cooler Verein sind, den man unbedingt unterstützen sollte!

Zum Abschluss ist hier noch eine kurze Liste von Bloggern, die beim Camp mit dabei waren:

Florian ist unter anderem den PCT gelaufen und war in Neuseeland unterwegs – von Frankfurt hinaus in die große weite Welt: http://dowhatmakegood.de

Leona ist vom Fernweh getrieben, gerne in Norwegen unterwegs und macht auf dem Rennrad krasse Touren: http://heimatnomadin.com

Carsten ist ein alter Hase im UL-Wandern, gibt dazu Kurse und ist auch schon viel in den USA unterwegs gewesen: http://www.fastpacking.de

Tony ist eine richtig coole Socke und 2015 NPL gelaufen! Und wer will kann bei ihm auch geführte Touren in Norwegen buchen: http://dervondraussen.de

Hansjörg aus der Schweiz ist der Elder-Wandersman aus der Schweiz im Unruhestand – er ist 2017 NPL gelaufen: http://www.norgepalangs17.com

Vanja ist ein echter Abenteurer mit zähem Willen und unglaublicher Energie – er ist 2017 NPL gelaufen: https://norgepalangs2017.com

Thomas habe ich irgendwann einmal mit dem NPL-Virus angesteckt – und im nächsten Jahr startet er selbst ins Abenteuer: https://wanderbarepfade.wordpress.com 

Markus berichtet in seinem Blog über alles rund ums Wandern im Mittelgebirge aber auch in den Alpen oder auf 24h Touren: http://schoene-aussicht.de

Tom ist ein echter Ausdauer-Freak, ist aber auch gerne einfach so draußen auf Tour: https://www.istdochallesnursport.de

 

Es ist kurz nach 9:00 Uhr am Sonntagmorgen, als wir die Haustüre hinter uns zuziehen und gemächlich zum Bus laufen, der uns dann zum Bahnhof in Tübingen bringen wird. Im Sommer sind wir ja die erste Etappe des HW 1 gelaufen und für uns war danach schnell klar, dass wir diesem wunderschönen Wanderwege weiter folgen wollen.

Nun also ist es endlich soweit die zweite Etappe steht bei bestem Herbstwetter auf dem Programm. Da wir mit Bus & Bahn anreisen wollen, werden wir nicht ganz dort starten, wo wir beim letzten Mal aufgehört hatten, die ÖPNV Verbindung hätte ansonsten bald drei Stunden gedauert. Wir entscheiden uns ein kleines Stückchen auszulassen. Das hat den unschlagbaren Vorteil, dass wir von Tübingen ohne Umsteigen unter einer Stunde am Trail sind. Es ist zwar schade, aber den ausgelassenen Teil holen wir vielleicht irgendwann einmal nach.

Gesagt getan, der Bus entlässt uns am Bahnhof, ein kurzer Zwischensprint um Brötchen zu holen und das Tagesticket zu lösen und schon sitzen wir im Zug der Zollernalbbahn. Das Wetter ist wirklich schön, und am Fenster zieht bereits kurz darauf die beeindruckende Burg Hohenzollern vorbei. Diese Burg ist eine echte Landmarke, ich denke fast jeder in Deutschland kennt sie, Bilder von ihr sind überall in Zeitungen, Magazinen oder den Sozialen Medien in allen erdenklichen Variationen zu sehen.

Wir haben gerade unser mobiles Frühstück im Zug verputzt, als auch schon das Ziel unserer Anreise angekündigt wird. In Albstadt-Laufen treten wir auf den Bahnsteig und sehen uns ums. Das erste Schild, das den HW 1 ausweist, ist schnell gefunden und es kann losgehen. Zuerst müssen wir aus dem Ort hinaus laufen und in Richtung der Schalksburg gehen. Diese ehemalige Burg thront hoch über dem Talgrund. Was das heißt, stellen wir schnell fest: Es geht hoch.

Erst ganz gemächlich über Wirtschaftswege, dann über einen schmalen steilen Steig immer weiter bergan. Die Bäume uns herum sind in ein buntes Farbenmeer getaucht und die Herbstsonne heizt uns kräftig ein. Der Schweiß fließt in Ströme als wir oben angelangt sind und auf einen der markierten Traufgänge, einigen wunderbaren Rundwanderwegen hier in der Gegend, treffen.

Traufgänge treffen auf Fernwanderwege

Die Aussicht auf das Tal weiter unten ist von hieraus einfach wunderbar, die Mühen haben sich vollauf gelohnt. Der Pfad folgt nun einem Bergrücken, zu beiden Seiten fällt es steil ab, die Ausblicke entsprechend schön. Das Herbstlaub bedeckt knöchelhoch den gesamten Boden und kurzfristig werden wir (wieder) zu kleinen Kindern, die im bunten Laub umhertoben.

  

Nun wendet sich der Weg ab vom Albtrauf und führt uns über eine weite Wiese hin in das malerische Örtchen Albstadt-Burgfelden. Kurz hinter dem Ortsausgang stehen wir dann wieder am Albtrauf und genießen die weiten Ausblicke vom sogenannten Böllat, einem Aussichtspunkt.

Der Wind pfeift hier ganz schön und so laufen wir bald weiter. Über 25 Kilometer stehen heute auf dem Programm und wir wollen einen nicht allzu späten Zug zurück nach Tübingen erwischen. Also machen wir mal lieber etwas Strecke und folgen dem HW 1 durch wunderbaren Laubwald. Hier im Wald trägt der starke Wind zu einer beeindruckenden Geräuschkulisse bei, überall knarzen und ächzen die Bäume und die Wipfel wiegen hin und her. Immer wieder ziehen dunkle Wolken schnell über uns hinweg, aber der leichte Regen verschwindet direkt nach einigen Augenblicken wieder, wir haben Glück.

Nun geht es steil einen Abhang hinab und kurz darauf überqueren wir schon die Landstraße 442 bei Albstadt-Pfeffingen. Wir kommen gut voran und gönnen uns eine Pause in der nun wieder auftauchenden Sonne. Herbstwetter wie an der See, wir lieben es und genießen unsere Wanderung.

Weiter geht es, nun wieder leicht bergan. Eines steht auf jeden Fall fest, auch wenn man immer dem Albtrauf folgt, so stehen doch auf den Etappen einige Höhenmeter auf dem Programm, manchmal auch mehr, als man im Vorhinein gedacht hat.

Wir überqueren den Wanderparkplatz am Zitterhof und der Wald verschluckt uns wieder. Über einen schmalen Pfad geht es weiter, wieder ziehen bedrohliche Regenwolken über uns hinweg, entladen aber ihre feuchte Fracht über anderen Wanderern, wieder Glück gehabt. Wieder stehen wir nun an einer Landstraße, der L360 bei Stich. Dieser Bauernhof mit Gaststätte ist der Ausgangspunkt für den wohl beliebtesten Traufgang: Dem Zollernburg-Panorama Traufgang

Zu Gast im Lande der Fürsten zu Hohenzollern

Zahlreiche Autos künden davon, dass wir nicht alleine unterwegs sein werden auf diesem Abschnitt. Wir waren hier bereits früher einmal unterwegs und kennen das schon. Aber klar, dort wo es besonders schön und gut erreichbar ist, da kommen die Leute gerne hin. Wir checken kurz das Schild mit den eingezeichneten Gaststätten und legen einen Zahn zu.

Von hier aus sind es noch gut 14 Kilometer zum Tagesziel, nicht gerade wenig, ist es doch schon Nachmittag geworden. Also flitzen wir los, bei den kleinen Anstiegen machen sich die bereits zurück gelegten Kilometer und das gestrige Jogging-Training durchaus bemerkbar.

Die Ausblicke, das abwechslungsreiche Herbstwetter und die bunten Farben der Laubbäume um uns herum halten die Stimmung aber hoch, es ist einfach wunderschön hier zu dieser Jahreszeit.

Von nun an ist die Burg Hohenzollern unser Begleiter, immer wieder können wir sie durch das Astwerk der herbstlich kahlen Bäume erspähen. Man ahnt, warum Heerscharen von Instagrammern und Fotografen hierher strömen, um diese alten Gemäuer in dieser spektakulären Lage möglichst dramatisch abzulichten und in Szene zu setzen.

Nun stoßen wir langsam ins touristische Epizentrum dieses Tourabschnitts vor. Rund um den Zollersteighof treffen wir zahlreiche Wanderer und Ausflügler, der Wanderparkplatz ist rappelvoll.

Da der HW 1 die klassische Aussicht auf die Burg Hohenzollern am Zeller Horn einfach links liegen lässt, bleiben uns die ganz großen Besucherströme Gott sei Dank erspart. Wir liegen immer noch gut in der Zeit und kommen gut voran, daher entschließen wir uns kurz darauf am Wanderheim Nägelehaus für eine kurze Pause zur Stärkung.

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur zu wenig Kuchen

Wir nehmen Platz in der Gaststube und gönnen uns Kuchen, heiße Schokolade und eine Hopfenkaltschale. Dass die Pause gerade zur rechten Zeit kommt erkennen wir daran, dass es draußen derweil wie aus Kübeln schüttet und der Himmel seine Schleusen geöffnet hat.

 

Andere Wanderer sind klatschnass, als sie nach uns hier einkehren. Wir warten auch noch die letzten Tropfen Regen ab und machen uns dann an den Endspurt, nach Jungingen.

Der Himmel wird nun immer dramatischer, die grauen Wolken werden immer dunkler, im Wald wird es zunehmend dunkler. Das tut unserer guten Stimmung aber keinen Abbruch, denn es macht richtig Spaß hier unterwegs zu sein.

Anders als es vielleicht anklingen mag mit den vorher erwähnten Landstraßen und Besuchermassen, so konzentrieren sich diese doch an bestimmten Punkten. Entfernt man sich von diesen Hot Spots, so trifft man kaum andere Leute und hat den Trail ziemlich oft ganz für sich allein.

Am Himberg ist die Aussicht noch in Ordnung

Ein letztes Highlight erwartet uns am Aussichtspunkt Hoher Berg. Hier am Himberg gelegen ergibt sich ein wunderbarer Ausblick auf die Burg Hohenzollern, wie man ihn so nur selten sieht. Scheinbar ist dieser Punkt nicht so leicht zu erreichen, ansonsten würde man wohl auch von hier mehr Bilder in den Medien entdecken.

Es wird langsam frisch, so verweilen wir nicht lange und machen uns an den letzten Abstieg des Tages in das Örtchen Jungingen. Es geht steil den Berghang hinab, auf dem feuchten Laub manchmal eine echte Herausforderung. Aber auch dieses letzte Hindernis überwinden wir ohne Probleme und stehen bald darauf nach etwas über 25 Kilometern am kleinen örtlichen Bahnhof.

Auch dieser Abschnitt des HW 1 hat uns wieder ausgesprochen gut gefallen. Der hohe Anteil schmaler Pfade hat uns echt begeistert und die Ausblicken, was soll man dazu noch sagen? Wer einmal am Albtrauf entlang gewandert ist, der wird ganz sicher wieder kommen. Und genau das denken wir, als wenige Minuten später pünktlich der kleine Zug einrollt und uns wieder heimwärts nach Tübingen bringt. Zufrieden und etwas kaputt machen wir es uns in den Sitzen der Hohenzollerischen Landesbahn gemütlich, draußen setzt langsam die Dämmerung ein und hinter uns liegt ein wunderbarer Herbsttag auf dem HW 1 – wir kommen ganz sicher wieder und werden unsere Wanderung am Albtrauf fortsetzen, vielleicht ja sogar im Winter?

Lieber Simon,

noch einmal herzlichen Dank für deine Bewerbung für die Discovery Days.

Insgesamt sind über 120 spannende Einsendungen bei uns eingetroffen. Jedes einzelne Projekt ist einzigartig. Die vergangenen Tage hatte die Programmredaktion eine sehr schwierige Aufgabe. Über 100 tolle Produktionen mussten aussortiert werden.

Dein Vortrag hat es unter die letzten 17 Geschafft und wird auf den Discovery Days gezeigt!

WIR GRATULIEREN.

Als ich Anfang Mai dieses Jahres diese E-Mail in meinem Posteingang fand, musste ich mich erstmal kneifen! OH! MEIN! GOTT! – was für eine Nachricht! Ich hatte von den Discovery Days in Laax von einem Bekannten gehört, der mir empfahl mich dort zu bewerben. Dieser neue Wettbewerb für Vortragsneulinge wäre doch perfekt für mich. Die drei bekannten Vortragsveranstalter Explora aus der Schweiz sowie Grenzgang und Mundologia aus Deutschland hatten sich zusammen getan, um Neulingen eine Bühne zu geben und im Anschluss den einen oder anderen vielleicht für ihre Vortragsreihen zu gewinnen. Ach ja, auch ein stattliches Preisgeld wurde ausgelobt, es gibt also auch richtig etwas zu gewinnen! Die Gewinner werden dabei von einer unabhängigen Jury ausgewählt, die echt hochkarätig besetzt ist.

Hätte ich damals schon gewusst, wer sich alles auch dort bewirbt, ich hätte es vermutlich gar nicht erst probiert. Aber so reichte ich meine Unterlagen und meine Bewerbung ein, rechnete aber nicht im geringsten damit, auch ausgewählt zu werden.

Ich bin wirklich in Laax dabei

Nun aber kam besagte E-Mail und neben der Vorfreude setzte bald auch schon leichte Panik ein: Am Tag des Vortrags blieb einem lediglich eine halbe Stunde, um sich und sein Abenteuer in Vortragsform zu präsentieren. Man musste sich also echt Gedanken machen, um nicht das Zeitlimit zu sprengen, denn es war von vorne herein klar, dass einem nach den 30 Minuten direkt der Saft abgestellt wird – gleiche Bedingungen für alle der 17 Teilnehmer. Kurz vor Abgabeschluss im September schickte ich dann meinen fertigen Vortrag ab und verabschiedete mich nach Norwegen. Die Spannung stieg!

Ziemlich viele krasse Abenteurer auf einem Haufen

Mit viel Vorfreude steige ich dann am letzten Freitag zusammen mit meiner Freundin ins Auto, um ins schweizerische Laax zu fahren. Eine Mischung aus Vorfreude und Aufregung macht sich in mir breit. Als wir dann schließlich von der Autobahn abbiegen und die letzten Kilometer über die Landstraße fahren, werde ich richtig nervös. Was wird mich gleich erwarten? Wird alles gut gehen? Und kann ich gegenüber den anderen Teilnehmern bestehen?

Den Wettbewerbsgedanken blende ich dabei aber völlig aus, allein die Teilnahme ist schon ein riesiger Erfolg für mich! In Laax angekommen parken wir das Auto und gehen zum Veranstaltungsort. Die Aufregung steigt immer weiter, ich lerne die ersten anderen Teilnehmer kennen, von denen ich zum Teil schon viel gehört habe. Wir melden uns beim Veranstalter und schauen uns direkt den ersten Vortrag im Saal an. Mir schwant, dass das Niveau hier unglaublich hoch ist, die Vorträge sind durch die Bank sehr gut gemacht, informativ und lassen keine Langeweile aufkommen.

Nach dem Technikcheck in der Pause bin ich direkt im zweiten Vortragsblock als zweiter Redner dran. Der Vortrag vor mir über Indien ist echt der Hammer und sehr professionell gestaltet, werde ich da mithalten können?

Kommt mit mir nach Norwegen

Kurz darauf lege ich das Headset an und werde vom Moderator angekündigt. Mir schlägt das Herz bis zum Hals, die Aufregung ist riesig groß, nimmt aber nach den ersten begeisterten Lachern aus dem Publikum etwas ab. Puh, der Vortrag scheint gut anzukommen und wenn ich in die Gesichter der Leute blicke, dann haben diese gerade zusammen mit mir eine richtig gute Zeit! Wow, wer hätte das gedacht!

Die Zeit auf der Bühne verfliegt, ich habe immer einen bangen Blick auf die Uhr, aber alles läuft wie geschmiert. Es macht Spaß mit dem Publikum durch Norwegen zu ziehen und von meiner langen Wanderung zu berichten. Als dann die Musik vom Abspann langsam ausklingt und ein großer Applaus einsetzt, fällt mir ein großer Stein vom Herzen! Ich habe es geschafft und alles lief wie am Schnürchen, besser hätte es kaum sein können.

Nach einem weiteren Vortrag ist dann erneut Pause und als ich im Foyer direkt überaus positive Rückmeldungen bekomme, bin ich auch ein wenig stolz. Vor allem als dann auch noch andere Teilnehmer wie Tobi und Philip auf mich zukommen und mir ihre Begeisterung zu meiner halben Stunde zum Ausdruck bringen, bin ich echt ein wenig sprachlos, damit hätte ich nie und nimmer gerechnet.

Nach der Pause gucke ich mir auch noch die letzten Vorträge des Tages an. Am Abend sitze ich dann mit den drei anderen Teilnehmern Hansruedi, Michel und Dieter beim Abendessen zusammen. Die drei als absolute Photoprofis zu beschreiben, wäre eine ziemliche Untertreibung. Und auch sie zeigen sich sehr angetan von meinem Vortrag, ich bin echt platt. Eine solche Rückmeldung aus solch berufenem Munde ist echt der Hammer für mich. Und so geht es nach einem sehr langen und aufregenden Tag mit einem Lächeln ins Hotelbett. Ich habe alles gegeben, morgen heißt es dann einfach abzuwarten und ganz entspannt die übrigen Vorträge anzuschauen.

So viele coole Vorträge!

Der Samstag beginnt mit einem sehr gemütlichen Frühstück. Schön bei den Discovery Days ist, dass man wirklich an jeder Ecke Teilnehmer, Mitwirkende und Veranstalter trifft. So ergeben sich immer wieder interessante Gespräche, man lernt ständig spannende neue Leute kennen. Genau darum geht es mir am Ende des Tages ja auch hier, Networking würde man es auf Neudeutsch wohl nennen. Denn wo kann man sich schon so entspannt so ausführlich persönlich austauschen?

Die ersten Vorträge starten bereits um 11 Uhr und so heißt es heute Kondition zu zeigen, das Programm endet erst gegen 19 Uhr am Abend. Es ist dabei sehr beruhigend zu sehen, dass nicht nur Amateure, sondern auch absolute Profis mit der Vorgabe der halben Stunde beim Vortrag mitunter arg zu kämpfen haben.

Die Pausen zwischendurch nutze ich, um zum Beispiel mit Janosch oder Richard zu sprechen, die absolut unfassbare Touren gemacht haben und darüber hier berichten.

Nachdem der letzte Vortrag von Gino Caspari die Leute so richtig abgeholt hat, heißt es Geduld zu beweisen, denn bis zur Preisverleihung ist es noch eine Stunde. Ich rechne mir kaum Chancen aus, denn einige Vorträge stachen einfach ein wenig heraus aus den insgesamt 17 wirklich hervorragenden Abenteuern. In der Haut der Jury möchte ich wirklich nicht stecken, die Auswahl wird ihnen sicherlich richtig schwer fallen. Aber wenn es mich doch erwischen sollte, würde ich einem Preis gegenüber natürlich nicht nein sagen, das steht jedenfalls fest. Bei Sportschau und Bier im Hotel vergeht das Warten dann ziemlich schnell und pünktlich um 20:15 Uhr sitze ich dann wieder gespannt im Saal.

Die Spannung steigt!

Die Preisverleihung beginnt und die Jury schreitet zur Tat. Nach einer kurzen Einführung geht es los. Ich bin wirklich gespannt, denn es war für die drei sicherlich schwer, diese Entscheidungen zu treffen. Nach und nach werden die Umschläge geöffnet und die verdienten Preisträger nach vorne gerufen. Ich könnte jetzt sagen, leider bin ich nicht darunter, aber das wäre doch im Angesicht der Mitbewerber wirklich sehr vermessen.

Schon alleine hier dabei gewesen zu sein, ist für mich ein großer Erfolg! Das Vertrauen der Veranstalter bei der Vorauswahl in mich, meine Geschichte und meinen Vortrag ist eine unfassbare Belohnung und Anerkennung! Die zahlreichen positiven Rückmeldungen zu meinem Vortrag machen mich unglaublich stolz und die Leute mit auf meine Reise zu nehmen, hat so viel Spaß und Freude bereitet, dass ich hoffentlich noch eine ganze Reihe weitere Vorträge über meine große Reise halten darf! Es wäre mir eine Ehre und ein Vergnügen!

Vielen Dank für die wunderbaren Tage bei den Discovery Days an meine Mitstreiter, die Veranstalter und vor allem auch an das Publikum! Es war ein super Wochenende mit vielen, vielen wunderbaren Leuten! Ich kann allen nur raten, sich den Termin der nächsten Auflage 2018 ganz dick im Kalender einzutragen!

Beste Story: EISMUMIEN UND GOLDSCHÄTZE – Gino Caspari

Beste Photographie: FOREST PUNK – Dieter Klein

Bester Vortrag Platz 3: FRESHWATERPROJECT – Michel Roggo

Bester Vortrag Platz 2: ABENTEUER AMEISENBÄR – Lydia Möcklinghoff

Bester Vortrag Platz 1: LEAVINGHOMEFUNKTION – Elisabeth Oertel, Efy Zeniou, Anne Knödler, Kaupo Holmberg, Johannes Fötsch

Wer hat Lust auf Lagerfeuer und Abenteuergeschichten? Da ich in letzter Zeit immer mehr Nachrichten, Anfragen und E-Mails rund ums Thema Fernwandern insbesondere in Norwegen bekomme, dachte ich mir, man könnte ja all die Fragen auch mal persönlich bequatschen.

Einfach am Lagerfeuer vorm Zelt sitzen, etwas leckeres kochen und trinken und sich dabei über alles Mögliche rund ums Fernwandern unterhalten, das wäre schon cool!

Und nun ist es tatsächlich soweit! Jeder, der mag, ist herzlich dazu eingeladen, sich am Wochenende vom 3. bis 5. November auf dem Campingplatz des Freizeitzentrums Roßmühle an der fränkischen Saale einzufinden! Parallel findet dort ein Treffen des Outdoor-Forums www.outdoorseiten.net statt und ich würde gerne alle Interessierten dazu einladen.

Ich werde haufenweise Ausrüstung, Landkarten, Zelte und was auch immer sich in meinem Ausrüstungskeller befindet, mitbringen. So können wir tagsüber gerne spontane Workshops rund ums Thema Fernwandern machen, gemeinsam wandern gehen oder auf der Saale paddeln. Im Vordergrund soll aber einfach der Spaß stehen, ganz ohne Stress und Zeitpläne würde ich mich vor allem gerne mit euch austauschen und quatschen.

 

Da ja nicht alle mit einem Rucksack im Schrankwand-Format auf dem Rücken unterwegs sind, hab ich mal bei Carsten von www.fastpacking.de angefragt, ob er nicht auch kommen will.

Carsten ist ein echter Ultralight-Veteran und geht an das Thema Fernwandern etwas anders heran als ich. Seine Erfahrung gerade auf den nordamerikanischen Trails wie PCT oder AT sprechen da für sich, und auch den Nordkalottleden ist er schon UL gelaufen. Ihr seht, es werden ganz unterschiedliche Leute kommen, die aber alle nur allzu gern länger draußen unterwegs sind.

 

Bitte meldet euch kurz verbindlich bei mir unter simon@simonpatur.de an, wenn ihr teilnehmen wollt. Ich gebe dann kurz vor dem Treffen dem Campingplatz entsprechend Bescheid. Die Kosten für Übernachtung usw. trägt jeder selbst, da es sich um ein rein privates Treffen handelt. Absprachen rund um An- und Abreise können gerne hier in den Kommentaren, im entsprechenden Thread bei www.outdoorseiten.net oder im entsprechenden Facebook-Termin getroffen werden.

Die Versorgung vor Ort mit Essen und Getränken übernimmt bitte jeder selbst, das hat auf vergangenen Treffen bisher immer ohne Probleme hervorragend geklappt. Super wäre auch, wenn ihr Feuerholz fürs Lagerfeuer mitbringen könntet. Ein Grill wird ebenfalls vor Ort sein.

Ich würde mich sehr freuen, wenn sich einige von euch mit mir auf den Weg zur Rossmühle machen würden um dort ein entspanntes Wochenende rund ums Thema Fernwandern zu verbringen.

Ganz egal ob ihr eine lange Tour in Norwegen plant oder ein PCT-Through-Hike euer Traum ist. Gerne stehen wir mit Rat und Tat zur Verfügung und berichten von unseren Erfahrungen. Aber auch wir freuen uns, wenn ihr eure Erfahrungen und Erlebnisse mit uns teilt, so können wir alle davon profitieren. Jeder hat eine andere Herangehensweise an seine Touren, jeder hat unterwegs andere Bedürfnisse und jeder macht auf Tour andere Erfahrungen. Wir alle haben aber ein Ziel: eine möglichst schöne Zeit wandernd draußen zu erleben!

Jeder, der mag, ist herzlich eingeladen zu kommen!

  • Anmeldung (wenn ihr nicht bei ODS.net seid) bitte an: simon@simonpatur.de
  • Das Treffen ist rein privat organisiert
  • Anreise, Verpflegung und Übernachtungsgebühren trägt jeder selbst
  • Wer kann bringt gerne Feuerholz mit
  • Ausrüstung zur Ansicht mitzubringen ist auf jeden Fall erwünscht
  • Bei Interesse an speziellen Themen bitte vorher kurz Bescheid sagen

Hier die Lage der Roßmühle:

Weite und wunderbare Ausblicke, das liebe ich so sehr, wenn ich ans Wandern in Skandinavien denke. Oft hänge ich wehmütig den Bildern in meinem Kopf nach, die sich auf vergangenen Wanderungen dort eingebrannt haben. Ich tue mich dann oft schwer, hier am Wochenende wandern zu gehen. Oft führen die Wege lange durch Wälder, außer Bäumen gibt es dort in meinen Augen nichts zu sehen. Ja ich weiß, dass ich es mir da sehr einfach mache und vor allem der wunderbaren Umgebung hier rund um Tübingen unrecht tue. Das weite Fjell ist halt für mich das Nonplusultra, da kann der Albtrauf eigentlich nicht mithalten.

Nach langem Hadern habe ich mich dann aber doch einfach entschlossen, dem Wandern hier eine Chance zu geben, immer nur auf die nächste Tour in Skandinavien zu warten kann es ja auch nicht sein.

Manchmal muss man für eine wunderbare Wanderung nicht weit fahren

Also hab ich mich an den Schreibtisch und den Computer gesetzt, um im Internet zu recherchieren, was auch als größeres Wanderprojekt in Frage käme, gerne würden wir die Touren als Wochenendtouren mit Übernachtung angehen, sofern möglich.

Schnell bin ich auf den HW 1 – den Schwäbische Alb Nordrand Weg oder Hauptwanderweg 1, gestoßen. Dieser führt auf 25 Tagesetappen über 354 Kilometer von Donauwörth nach Tuttlingen, oder umgekehrt. Der Weg sah schon mal gut aus, und auch die Weitwander-Fachfrau Christine Thürmer spricht in den höchsten Tönen von diesem Weg. Hinzu kommt, dass wir eine ganze Reihen von Etappen von Tübingen aus recht unproblematisch per ÖPNV erreichen können. Alles spricht für den HW 1, dann werden wir dem Weg eine Chance geben, uns vom Wandern vor der Haustür zu überzeugen.

Aus praktischen Gründen entschließen wir uns für einen Start in Tuttlingen, die Anreise mit der Bahn stellt sich nach kurzer Recherche als überaus bequem dar, nur 1 Mal umsteigen und wir sind unter 2 Stunden Fahrzeit am Startpunkt. Mit dem Auto wären wir auch nicht viel schneller und müssten dann am Ende auch noch zurück zum Parkplatz. Die Würfel sind gefallen, an einem der nächsten Wochenenden wollen wir die ersten beiden Etappen angehen, vom Start in Tuttlingen bis nach Albstadt-Laufen, insgesamt ungefähr 55 Kilometer in zwei Tagen. Das ist zwar sportlich, aber durchaus machbar. Und von Albstadt-Laufen geht jede Stunde ein Zug direkt zurück nach Tübingen. Der Plan steht.

Am Samstag morgen packen wir unsere sieben Sachen, das Wetter ist warm und die Rucksäcke müssen nicht viele Klamotten tragen, dafür aber ist reichlich Wasser im Trinksystem. Per Bus geht es zum Bahnhof um dann über Horb am Neckar nach Tuttlingen zu gelangen. Da wir uns keinen Stress am Morgen machen wollten, sind wir erst später losgefahren und haben uns gegen eine Übernachtung vor Ort auf dem Zeltplatz entschieden.

Los geht’s in Tuttlingen

Kurz suchen wir in Tuttlingen den Startpunkt, finden diesen aber schnell, nur kurz verlaufen wir uns zur örtlichen Eisdiele, die Sonne macht uns ein wenig zu schaffen, da kommt eine kleine Erfrischung gerade recht. Gegen 14:15 Uhr starten wir ins Abenteuer HW 1, rund 22 Kilometer liegen heute noch vor uns, wenn wir es zu unserer geplanten Übernachtungsmöglichkeit am Klippeneck schaffen wollen.

Zuerst überqueren wir die junge Donau mit Hilfe der überdachten Holzbrücke. Wir verlassen schnell die Innenstadt und finden uns bereits nach einer viertel Stunde außerhalb von Tuttlingen am Waldrand wieder. Die Aussicht über das Donautal ist wunderbar, der Weg hierher hat allerdings schon einigen Schweiß gekostet. Wir sind froh, dass es nun in den Wald geht, der uns mit seinem kühlen Schatten nur allzu willkommen ist.

Die Markierung ist hervorragend, wir kommen gut voran. Die Wege sind überraschend schmal, das gefällt. Sofort fallen uns die Himbeeren und Walderdbeeren am Wegesrand auf, die es hier ziemlich häufig gibt. Wir naschen fleißig, es schmeckt köstlich! Und die kleinen Verschnaufpausen tun bei diesem Wetter auch gut.

Der HW 1 ist abwechslungsreich auf diesem ersten Abschnitt, wir sind positiv überrascht. Es wechseln sich schmale Pfade und breitere Forstwege ab. Ab und an treten wir aus dem Wald und überqueren duftende Wiesen, in denen die Insekten umherschwirren. Auch gibt es immer mal wieder tolle Ausblicke aus dem Wald hinaus.

Hervorragend markiert und gute Wege

Wir wandern ja auf einem Höhenrücken, da kommen nur am Anfang einige Höhenmeter auf uns zu, nun kommen wir gut voran, es ist die meiste Zeit relativ flach. Da wir nicht zu spät am Klippeneck ankommen wollen, lassen wir die erste Einkehrmöglichkeit am Gasthof Krone in Rußberg aus, auch wenn es jetzt verlockend wäre, im Schatten der Bäume ein kühles Bier zu zischen.

 

Ein paar Kilometer weiter in Risiberg aber ist es soweit, im Landgasthof Waldeck gönnen wir uns eine ausgedehnte Pause sowie ein Kaltgetränk. Wie das bei dem Wetter perlt!

Leider geht es nach der Pause kurz und knackig über eine Wiese hoch in den Wald, da merkt man das Bier dann doch. Egal, das war es auf jeden Fall wert! Der Weg führt uns nun über Wirtschaftsstraßen und Wege weiter. Die Sonne hat trotzt des bereits fortgeschrittenen Tages nicht an Kraft verloren, jeder Schatten der Bäume wird nur zu gern genutzt. Die Schritte werden schwerer, die Sonne und das warme Wetter fordern langsam ihren Tribut.

 

Kurz vor dem Klippeneck präsentiert sich der HW 1 aber von seiner allerbesten Seite. Direkt am Albtrauf ergeben sich gigantische Aussichten, das weite Land unter uns ist komplett in ein warmes, weiches Licht getaucht. Es ist unglaublich schön!

Wir passieren zwei öffentliche Grillplätze und stehen kurz darauf am riesigen Segelfluggelände Klippeneck. Als ich nach einem legalen Zeltplatz für diese Etappen gesucht habe, stieß ich auf den Segelflugplatz, an dem zufällig an diesem Wochenende ein großer Flugwettbewerb stattfindet. Und da es laut Ausschreibung auch die Möglichkeit zum Campen gibt, hatte ich vor der Tour kurz dort angefragt, ob wir unser Zelt dort auch für eine Nacht aufschlagen können.

Wir dürfen, sollen uns nur bei Platzwart Willi melden. Und den suchen wir nun inmitten der vielen Teilnehmer, die sich vor dem großen Hangar über den Tag bei Bier und Gegrilltem unterhalten. Schnell finden wir ihn und er weist uns einen Platz zwischen den Campern zu.

Aussichten aus dem Bilderbuch

Mittlerweile setzt die Dämmerung bereits ein und der Tag war anstrengender als gedacht, die Wärme hat uns ganz schön geschafft. Das Zelt ist schnell aufgebaut, wir gönnen uns einen eiskalten Sundowner und genießen den grandiosen Sonnenuntergang.

Es ist bereits dunkel als wir uns mit den neuen Sorten Real Turmat (Pulled Pork & Lachs Pasta 🙂 ) für den Tage belohnen und kurz darauf auf der Isomatte im Zelt liegen.

Weiter, immer weiter – aber bitte ohne Stress

Der neue Tag begrüßt uns wieder mit Sonne und Wärme, so dass wir es am Morgen nicht lange im Zelt aushalten. Das Frühstück ist schnell gemacht, es gibt Kaffee und Tee mit einer großen Portion Porridge. Nachdem wir unsere Sachen zusammengepackt haben, geht es zurück auf den Trail. Auf dem Flugplatz machen sich derweil über 80 Segelflugzeuge bereit für den Start.

Unglaublich wie viele dieser lautlosen Fluggleiter hier vor Ort sind, nur zu gern würden wir uns gleich den Start der Flugzeuge ansehen. Das emsige Treiben beim Start ist ganz sicher spannend, aber wir haben uns für heute einiges vorgenommen. Aber schon beim Loslaufen schwant mir, dass die bald 32 Kilometer bis nach Albstadt-Laufen für heute ziemlich ambitioniert sind.

Wir folgen dem Weg, der hier weitgehend direkt am Albtrauf entlang führt. Wir sind bereits am Morgen froh um jeden Abschnitt im Wald, wir sind beide nicht für so viel Sonne gemacht. Die Ausblicke sind wieder klasse, da gibt es überhaupt nichts zu meckern. Weithin sichtbar ist dabei immer der neue Testturm für Aufzüge in Rottweil, der wie ein riesiger Spargel aus dem Boden empor steigt.

 

Höhenmeter ohne Ende

Der HW 1 führt uns nun hinab nach Gosheim, wo wir uns eine kleine Stärkung in der örtlichen Bäckerei gönnen. Nach der beschaulichen Ortschaft stehen reichlich Höhenmeter auf dem Programm. Zuerst geht es im Wald steil bergan hinauf zum Aussichtsturm auf dem Lemberg. Schweißgebadet kommen wir oben an, die kleine Hütte neben dem Turm ist heute sogar bewirtet und es werden kalte Getränke angeboten. Wir schlagen das Angebot aus und sparen uns auch die Turmbesteigung, denn es stehen nicht nur viele Höhenmeter und Kilometer auf dem Programm, nein die Segelflieger haben uns auch vor Gewitter am frühen Nachmittag gewarnt.

Durch den Wald geht bergab und dann direkt wieder hoch, der nächste Anstieg zur ehemaligen Burg Hohenberg wartet bereits auf uns. Oben ist die Aussicht wieder gigantisch und eine kleine Hängebrücke ist ein echtes Highlight auf dem Weg. Man merkt, dass sich hier Gedanken gemacht worden sind, um den Weg attraktiv zu gestalten.

Beim Abstieg hinunter sprechen wir über den Tag. Uns dämmert, dass wir uns ganz schön anstrengen müssen, wenn wir unser hoch gestecktes Ziel am Bahnhof in Albstadt-Laufen erreichen wollen. Es wird von Kilometer zu Kilometer unrealistischer, wenn wir nicht erst irgendwann am Abend zu Hause sein wollen. Und so sprechen wir bei einer Abkühlung an der Schutzhütte weiter unten über die Möglichkeit, im nächsten Ort den Bus zu nehmen.

Schaffen wir das wirklich?

Kurz checken wir die Verbindung, denn so einfach ist es mitunter nicht, an einem Sonntag per ÖPNV hier wegzukommen. Die App spuckt eine günstige Verbindung aus, der Bus fährt bald ab Deilingen, das könnten wir schaffen. Wenn nicht, müssten wir durchlaufen, denn eine andere Möglichkeit gibt es ab Deilingen bis Laufen für uns nicht.

Über eine große Wiese erreichen wir den kleine Ort Deilingen. Die Würfel sind gefallen: Wir werden hier in den Bus steigen, für uns reicht es hier. Das warme Wetter hat uns die letzten beiden Tage ordentlich zugesetzt, aber der wunderbare HW 1 hat uns wirklich gepackt.

Kurz darauf liegen wir im Schatten eines kleinen Baumes an der Haltestelle und warten auf den Bus. Wir sind froh, dass wir uns aufgerafft haben und dem HW 1 eine Chance gegeben haben. Und der Weg hat sie wirklich genutzt, uns total positiv überrascht. Ganz sicher werden wir wieder kommen und unsere Reise entlang des Albtraufs fortsetzen. Einen solch großartigen Fernwanderweg direkt vor der Haustüre zu haben ist einfach eine super Sache, der HW 1 braucht sich vor keinem Wanderweg in Deutschland verstecken, ganz im Gegenteil!

„Schau mal, der Pegel!“ sage ich zu meiner total verschlafenen Freundin, die um 8 Uhr morgens noch gemütlich im Bett liegt und kaum die Augen auf bekommt, ist ja schließlich Wochenende und eigentlich endlich Gelegenheit zum Ausschlafen.

Wir haben vor einiger Zeit schon darüber gesprochen, bei Gelegenheit einmal das obere Donautal mit unserem neuen Ally Canadier “turglede” unter die Spanten und Paddel zu nehmen, denn davon hatten wir schon gelesen und das klang ziemlich verlockend für uns. Zudem liegt das obere Donautal nur etwas mehr als eine Autostunde von uns zu Hause entfernt, die knapp 20 km von Hausen im Tal nach Sigmaringen könnte also die perfekte erste längere Tour mit dem Boot sein, ideal um alles genau kennenzulernen.

Aber dafür muss der Pegel in Beuron stimmen, sonst darf man dort gar nicht erst einsteigen. Mindestens 53 cm muss die Höhe offiziell betragen und man muss sich anmelden, wenn man die Donau auf diesem Abschnitt befahren möchte. Und heute scheint der Pegel mit über 90 cm ideal zu sein.

Seit einigen Tagen schon checke ich daher immer mal wieder den Pegel auf der Internetseite der Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg, dort kann man die Pegel im ganzen Bundesland quasi minutengenau ablesen. Da bei kleineren Flüssen der Pegel aufgrund von starken Regenfällen beträchtlich schwanken kann, ist die Internetseite eine enorm praktische Sache.

Also nichts wie raus aus den Federn und rein ins Abenteuer. Ich rufe direkt mal bei der Donautal Touristik an und frage nach, ob es für heute noch freie Befahrungsscheine gibt – gibt es noch für Leute mit eigenem Boot, alles andere ist bereits ausgebucht. Generell gibt es ein paar einfache Dinge zu beachten, wenn man hier auf der Donau paddeln möchte. Wie bereits erwähnt ist die Anzahl der Kanus pro Tag beschränkt und man darf auch nicht einfach überall am Ufer ein- und aussteigen.

Gut zusammengefasst wird das alles hier in diesem PDF

Das gemütliche Wochenendfrühstück geht diesmal etwas rascher vonstatten, der Kaffee bringt den Kreislauf auf Trab und schon bald suchen wir in unserem Ausrüstungskeller alles zusammen, was man für zwei Tage Paddeln und Wandern braucht, denn nach der Kanutour heute wollen wir morgen auch noch einen der Traufgänge hier am Albtrauf unter die Füße nehmen.

Kurze Anreise und ideale Verhältnisse

Die Autofahrt ist kurzweilig und als wir von der Schwäbischen Alb hinab ins Donautal gleiten, stellt sich das wohlige Gefühl von Urlaub bei uns ein. Das Ziel ist der kleine Ort Hausen im Tal mit dem Campingplatz Wagenburg. Dort waren wir schon einmal zu Gast und es hatte uns sehr gut gefallen. Der Platz ist klein und gemütlich, eher oldschool und familiär, ohne Schickimicki und Schnickschnack. Zudem kommt man mit dem ÖPNV (sowohl Bus & als auch Bahn) recht einfach vom Endpunkt in Sigmaringen zurück zum Platz.

Und die Einstiegsstelle fürs Kanu an der Donautal Touristik ist nur wenige hundert Meter zu Fuß entfernt. Wir melden uns rasch auf dem Campingplatz an, bauen unser Zelt auf und schultern das Faltboot samt Schwimmwesten und Paddeln.

Wir lachen uns kaputt, denn der riesige 250-Liter-Rucksack mit dem Boot auf meinem Rücken sieht echt gewaltig aus. Zwar wiegt die Fuhre nicht mehr als 20 kg, aber die Verhältnisse scheinen echt auf den Kopf gestellt, ich sehe daneben aus wie ein Zwerg.

Meine Freundin Anni bezahlt rasch die Erlaubnis und ich baue derweil das Boot zusammen. Mir fehlt noch etwas die Routine, aber gemeinsam schaffen wir es dann mit vereinten Kräften. Auch wenn der Aufbau diesmal länger gedauert hat, man muss vor so einem Boot keine Angst haben, wenn man nicht zwei ganz linke Hände hat. Mit Übung dauert es nicht länger als eine halbe Stunde und man ist startklar.

Tosende Wellen und Wildwasser zum Start

Wir sind schon etwas spät dran, es ist bereits 13:15 Uhr, als die “turglede” endlich ins kühle Wasser gleitet. Rasch verstauen wir das Gepäck, legen die Schwimmwesten an und los geht’s ins Paddelvergnügen. Bereits nach einigen Metern nehmen wir Fahrt auf, mit reichlich Strömung unter dem Kiel geht es unter der Nepumuksbrücke hindurch. Mit pochendem Herzen haben wir unsere gefühlte erste Wildwasserstelle gerade so überlebt, die Dünung der Wellen betrug immerhin knapp 20 cm! Als wir den tosenden Wassern lebend entkommen sind, bekommen wir das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht – das macht Spaß, sogar riesig viel Spaß!

Die Donau ist hier nicht sehr breit und man bekommt eine erste Lektion darin, wie man das Boot richtig steuert. Gemächlich gleiten wir am Campingplatz vorüber und der Paddelschlag wird gleichmäßiger.

Direkt stellt sich eine wunderbare Entschleunigung ein, der Alltag könnte nicht weiter weg sein, das grün-blaue Band der Donau in ihrem hier sehr spektakulären Bett zieht uns in ihren Bann. Das obere Donautal ist nicht nur zum Paddeln und Wandern ideal, nein es ist vor allem unter Kletterern ziemlich bekannt. Teils direkt vom Fluß aus ragen hier die Kalkfelsen steil auf, ein Eldorado für alle, die gerne die Vertikale erklimmen wollen.

Hinter jeder Flussbiegung ergeben sich für uns neue spektakuläre Ausblicke. Mal öffnet sich das Tal weiter und neben uns erstrecken sich Felder und Wiesen, und ein anderes Mal verjüngt sich das Tal samt Fluß zu einem grünen Urwald, man fühlt sich ganz weit weg in fernen Ländern.

Herrliche Landschaft im schwäbischen Grand Canyon

Wir kommen gut voran, das Wetter ist perfekt, nicht zu warm, aber sonnig. Nur die lästigen Bremsen mit ihren fiesen Stichen gehen uns ein wenig auf die Nerven, während wir gemächlich dahingleiten. Kurz vor dem ersten Wehr an der Neumühle, das wir umtragen müssen, überholen wir eine kleine Gruppe von Kajaks und Canadiern. Für uns ein kleiner Erfolg, wir stellen uns also nicht ganz doof an.

Das Umtragen geht einfach von der Hand, das Boot ist ja ziemlich leicht und im Handling einfach. Nur einige Meter gilt es an Land zu überwinden, dann können wir wieder an Bord gehen. Da wir so spät gestartet sind, widerstehen wir der Verlockung zur Einkehr hier an dieser Stelle im gleichnamigen Gasthaus.

Mit jedem weiteren Meter auf der Donau bekommen wir mehr Routine und Sicherheit. Der Blick schweift über die Uferböschung und die Umgebung, die Natur hat hier einiges zu bieten. Zahlreiche unterschiedliche Vögel zeigen sich, meine Freundin als interessierte Ornithologin erklärt mir die Unterschiede und Namen, von denen ich vorher niemals gehört habe. Was war gleich noch mal der Unterschied zwischen einem Haubentaucher und einem Blässhuhn?

Nur manchmal müssen wir ein wenig gucken, um die möglichst beste Stelle zur Durchfahrt zu erwischen. Sich leicht kräuselnde, kleine Wellen zeigen aber recht deutlich an, wo es unter Umständen seichter sein könnte. Manchmal lässt es sich aber nicht vermeiden und wir touchieren einige Flusskiesel unter Wasser. Das Boot steckt das mit Gleichmut klaglos weg, hinterher werden wir keine Spuren dieser Grundberührungen feststellen können.

Die Zeit auf dem Wasser vergeht wie im Fluge, teilweise hilft uns die Strömung, manchmal müssen wir kräftig in die Paddel greifen. Andere Kajaks und Canadier begleiten uns teilweise. An einem der nächsten Wehre, um die man die Boote herumtragen soll, stockt uns allerdings kurz der Atem. Eine dreiköpfige Familie mit kleinem Jungen an Bord ist zu bequem, das Boot kurz aus dem Wasser zu heben und fährt ein in die Wehranlage. Sie rutschen das Wehr hinab, alles geht gut. Wir aber fragen uns, wie verantwortungslos man als Eltern sein kann? Soll man seinen Kindern auch noch vorleben, dass es normal und vermeintlich gefahrlos ist, Verbote zu missachten? Wir jedenfalls werden auch das nächste Wehr wieder umtragen und uns an die Regeln halten.

Unser Zug zurück von Sigmaringen aus geht um 19:30 Uhr. Da wir nicht wissen wie schnell wir letztendlich sind, lassen wir auch die nächsten Möglichkeiten zur Einkehr links liegen und machen lieber Strecke. Kurz vor unserem Ziel kommt ein Highlight auf uns zu: die Bootsrutsche am Wehr in Laiz.

Spiel, Spaß und Spannung in der Bootsrutsche

Zuerst müssen wir checken, wie die Rutsche funktioniert, aber im Grunde ist es ganz einfach: Rechts neben dem Wehr gibt einen schmalen Kanal, in den ein Boot genau hinein passt und das auf Knopfdruck geflutet wird. Wie in einem Freizeitpark rutscht man dann mit einem Affenzahn durch diesen Kanal.

Wir nähern uns also dem kleinen Tor vor der Einfahrt und betätigen den Knopf. Eine Ampel springt an und wechselt kurz darauf von Rot auf Grün. Dann senkt sich das Tor ab, der Kanal wird geflutet und der wilde Ritt geht los. Wir kreischen wie die Teenager in der Achterbahn, das Adrenalin schießt uns in die Adern und kurz darauf sind wir auch schon unten, der Kanal spuckt uns aus und wir grinsen uns an: nochmal!

WOW! Wer sich das ausgedacht hat, der hat echt einen Preis verdient, das macht unglaublich viel Spaß! Nur noch wenige Meter liegen noch vor uns und wir erreichen die Stadtgrenze von Sigmaringen und kurz darauf gegen 17:15 Uhr auch schon die Ausstiegsstelle am dortigen Campingplatz. Wir umarmen und beglückwünschen uns, wir haben es tatsächlich geschafft! In knapp vier Stunden haben wir diesen Abschnitt der Donau bewältigt, und es war einfach nur richtig schön. Die Landschaft und der Fluss haben uns wunderbare Stunden beschert, fernab vom Alltag in einer ganz entspannten Geschwindigkeit.

Nach einem erfrischenden Bad im Fluss ziehen wir das Boot an Land und bauen es wieder auseinander. Alles verschwindet in nicht einmal 20 Minuten wieder im riesigen Rucksack. Als wir mit dem gewaltigen Gepäck auf dem Rücken im nahen Supermarkt einkaufen wollen, staunt der Sicherheitsmann nicht schlecht, der Rucksack muss am Eingang auf uns warten. Auch als wir kurz darauf durch die Stadt zum Bahnhof laufen, sehe ich lachende und verwirrte Gesichter, so einen großen Rucksack hat hier vermutlich noch keiner gesehen.

Camping kann so schön sein

Der Zug bringt uns schließlich pünktlich zurück zum Campingplatz, wo wir nach einer heißen Dusche ausgiebig kochen und auf den sehr gelungen Tag anstoßen.

Am nächsten Tag wollen wir dann Wandern gehen, aber das ist eine andere Geschichte, denn einer von uns hat seine Einlegesohlen für die Wanderschuhe daheim vergessen. Aber auch ohne abschließende Wanderung ist das Wochenende total gelungen. Wir werden von nun an wohl öfters paddeln gehen, das steht fest! Und auch das Donautal werden wir ganz sicher in Zukunft öfters erkunden, denn es ist einfach viel zu schön hier.

Auch in diesem Jahr werden sich wieder einige Wagemutige aus dem deutschsprachigen Raum zu Fuß daran machen, durch Skandinavien zu wandern. Entweder durch Norwegen, durch Norwegen und Schweden oder aber auch entlang des E1 Wanderweges. Manch einer will gar ganz Europa durchqueren, was für eine Herausforderung! Wie auch im letzten Jahr möchte ich euch daher einige fleißige Wandersleute vorstellen, die sich in diesem Jahr daran machen, ihren großen Traum zu leben (und die dazu einen entsprechenden Blog online haben).

Sie alle werden sich aufmachen mit großen Erwartungen und voller Freude. Nicht alles wird wie geplant laufen und vermutlich wird es auch nicht jeder bis zu seinem geplanten Ziel schaffen. Aber was ist schon ein geplantes Ziel im Vergleich dazu, sein normales Leben einmal pausieren zu lassen und den großen ersten Schritt zu wagen.

Ich weiß noch ganz genau, wie ich mich damals gefühlt habe, voller Hoffnungen, Erwartungen und mit einer riesen Portion Verunsicherung. Wer sich an ein so großes Projekt wagt und sich aufmacht, der hat sowieso schon gewonnen, ganz egal wie weit er am Ende kommen wird.

Wer? Von Wo nach Wo? Welcher Blog?

Also schaut bei den Leuten mal vorbei, verfolgt ihre Touren und unterstützt sie bei ihren Vorhaben. Ich werde das auf jeden Fall tun, und drücke allen alle Daumen, dass sie eine wunderbare Tour haben werden! Wenn ihr noch weitere Aspiranten kennt, die ich noch nicht aufgeführt habe, sagt einfach kurz Bescheid, ich würde die Liste dann sehr gerne erweitern. Und darüber hinaus gibt es auch immer noch die inoffizielle Norge på langs Liste von Odd Vinje, die laufend von ihm erweitert wird.

Hier sind nun alle aufgeführt, von denen ich Kenntnis habe

Vanja

Mit Vanja aus der Schweiz stehe ich schon lange in Kontakt. Bei einem meiner Vorträge in Stuttgart stand er plötzlich vor mir, nachdem er mir schon vorher auf Facebook geschrieben hatte. Da war er gerade auf verschiedenen Wegen unterwegs zum Nordkap und hatte mein Buch gelesen. Nun keimte die Norge på langs Idee in ihm und er bereitet sich seit einem Jahr darauf vor, in kürze vom Nordkap südwärts zu laufen. Ich bin sehr gespannt darauf, wie er sich auf seinem Weg schlagen wird. Verfolgt seine Tour hier: https://norgepalangs2017.com

Hansjorg

Auch Hansjörg ist aus der Schweiz und hat sich bereits aufgemacht, vom Kap Lindesnes zum Nordkap zu laufen. Er ist 60 Jahre alt und trägt seit seiner Wanderung auf dem Olavsweg engültig den Nordlandvirus in sich. Seine Wanderung könnt ihr hier verfolgen: http://www.norgepalangs17.com

Andrea und Ole

Von Grövelsjön in Schweden zum Nordkap wollen Andrea und Ole auf dem E1 Weitwanderweg unterwegs sein. Auch sie waren bei einem Vortrag von mir und sind hinterher bei der Planung wieder auf mich zugekommen. Sie haben mir auch einige Tipps zum Paketversand nach Norwegen zukommen lassen, die ich so auch nicht wusste. Wer also Infos dazu braucht, kann sich gerne an mich oder die beiden wenden. Man lernt ja nie aus. Seit Anfang Juni sind sie nun unterwegs: https://aotrip.wordpress.com

Thomas

Die Anreise zum Start per Postschiff ist schon mal ein echtes Highlight für Thomas. Nachdem er seinen Job gekündigt hat, hat er sich nun eine großartige Tour vorgenommen: Er möchte am Nordkap starten und bis Sizilien dem E1 Fernwanderweg folgen! Wenn ihr ihn dabei begleiten wollt, schaut einmal hier vorbei: http://e1-traum.de

Alex

Zwar will Alex erst im Dezember von Tarifa zum Nordkap starten, aber ich führe ihn dennoch mal hier auf. Er ist gerade mitten in den Planungen und diese zu verfolgen macht ja fast genau so viel Spaß wie die eigentliche Tour. Wenn ihr ihn bei den Vorbereitungen begleiten wollt, schaut einmal hier vorbei: http://www.wanderbursche.net

Lena und Thilo

Und auch Lena und Thilo sind noch unterwegs. Sie sind bereits im letzten Jahr gestartet und unterwegs auf dem E1 gen Süden. Die beiden haben schon unglaublich viel erlebt und wenn ich mir die Bilder und Berichte so ansehe, kommt schon ein bisschen Wehmut auf 😉 Schaut doch mal bei den beiden vorbei und holt euch ordentlich Fernweh: http://e1-wanderung.wixsite.com/lena-thilo

 

*Copyright der Bilder liegt bei den jeweiligen Blogs

„Was machst du denn im Jackett in Trondheim?“ Das war einer der ersten Kommentare zu einem Bild von mir, das ich auf Facebook postete, als ich vergangenen Mittwoch nach Norwegen aufbrach.

Was ist denn überhaupt dieses German Norwegian Network oder kurz GNN, von dem du nun schon öfter im Ansatz berichtet hast und wie kommt man da hinein? Sind das nicht nur krasse Businessmenschen dort? Unterwegs mit Anzug, Krawatte und dem stellvertretenden deutschen Botschafter in Norwegen im Schlepptau dazu, da passt du ja irgendwie so gar nicht rein!

Anzug? Schlipsträger? Und dazwischen du?

Als ich im Sommer 2015 von einem mittlerweile guten Bekannten angeschrieben und zum Treffen des GNN in Berlin eingeladen wurde, musste ich erstmal Erkundigungen einholen und nachfragen, was denn überhaupt dieses German Norwegian Network ist und was es macht, denn es war mir bis dato überhaupt kein Begriff.

Was sich zu Anfang vielleicht anhört wie eine stocksteife Wirtschaftsdelegation, immer auf der Jagd nach dem nächsten Businessdeal, ist in Wirklichkeit das Gegenteil und ein bunter Haufen von Leuten aus allen möglichen Arbeitsbereichen, die sich um den interkulturellen Austausch zwischen Norwegen und Deutschland bemühen.

Es soll also ausdrücklich kein Businessnetzwerk sein, sondern schlicht Menschen mit entsprechendem Hintergrund aus beiden Ländern zusammenbringen. Und wenn man dann zum Beispiel das norwegische Öl-Ministerium besucht, gehört die entsprechende Kleidung einfach mit dazu. Hm, hört sich immernoch alles sperriger an, als es wirklich ist.

Was machen wir beim GNN?

Schnell war mir dann klar, dass ich auf den ersten Blick eigentlich nicht unbedingt dort hinein passe, es mir aber auf jeden Fall einmal ansehen möchte. Nach dem Treffen seinerzeit in Berlin und meinem Vortrag in den nordischen Botschaften zu meiner Wanderung war der zweite Blick dann überaus positiv. Mittlerweile glaube ich, dass ich sehr gut in die Gruppe rund um das GNN passe, bin ich doch für mein Empfinden eine Art Friluftsliv-Botschafter für Norwegen in Deutschland.

Das GNN wurde 2004 von deutschen Botschaft in Oslo und der norwegischen Botschaft in Berlin ins Leben gerufen, um Menschen aus beiden Ländern zusammenzubringen, in erster Linie mit direktem Bezug zu beiden Ländern, die in der Wirtschaft, der Kultur oder zum Beispiel der Politik aktiv sind.

Man wird dem Vorstand von einem anderen Mitglied für das Netzwerk vorgeschlagen und bekommt dann in der Regel eine Einladung zum nächsten Treffen.

Nachdem ich im Anschluss an meinen Vortrag damals vom Vorstand des GNN gefragt wurde, ob ich Mitglied werden möchte und dies umgehend bejahte, nahm ich von da an so oft es geht an den Treffen teil, die 2 Mal im Jahr abwechselnd in Deutschland und in Norwegen stattfinden.

Auf in die alte Hauptstadt

Dieses Mal stand Trondheim als Ort unseres Treffens auf dem Programm. Das freute mich beim Blick auf die Einladung sehr, war ich doch bisher nur kurz und auf der Durchreise in der alten Königsstadt.

Wir trafen uns am Donnerstag Nachmittag in einem Hotel in der Innenstadt mit einem herrlichen Blick auf Trondheim und den gleichnamigen Fjord. Nach der Begrüßung und einer kurzen Vorstellungsrunde stellte uns die Journalistin Ingrid Brekke (von der Tageszeitung Aftenposten) ihr neues Buch über Angela Merkel in entspannter Runde vor. Es war für alle ziemlich spannend, einmal einen Blick von außerhalb Deutschlands auf die Politik in unserer Bundeshauptstadt zu werfen.

Im Anschluss an den Vortrag ging es für uns auf Einladung der deutschen Botschaft in Oslo in ein hervorragendes Restaurant im Herzen der Stadt, wo wir uns bei ausgezeichnetem Essen weiter ganz entspannt austauschen konnten.

Ein Einblick in die Industrie 4.0

Der Donnerstag war geprägt von spannenden Einblicken in die Welt der Öl-Industrie sowie der in Trondheim ansässigen Universität NTNU. Das Stichwort „Omstilling“ gab dabei die Richtung vor, ist doch die Abkehr von der Öl-Abhängigkeit und der damit einhergehende Strukturwandel hier in Norwegen derzeit in aller Munde.

Bei Siemens Subsea ging es direkt am Morgen los, dort werden unter anderem Antriebe und Infrastruktur-Technik für die Schifffahrt und Offshore-Industrie gefertigt. Wenn ich bisher dachte, mein Job wäre bisweilen etwas kompliziert, musste ich dort meine Meinung etwas revidieren, denn beim Vortrag zur Unterwasser-Stromversorgung von Bohrinseln und Offshore-Förderanlagen (dem sog. Siemens Subsea Power Grid) blieb mir aufgrund der angesprochenen Kosten und Projekt-Dimensionen der Mund vor Staunen weit offen.

Es ist schon unglaublich, wie viel Technik, Entwicklung und Ingenieurskunst zum Beispiel in einem Transformator steckt, der mitunter 3000 Meter tief auf dem Meeresgrund zuverlässig seinen Dienst verrichten soll. Auch von der ersten voll elektrischen Fähre Ampere, die am Sognefjord verkehrt, wurde uns berichtet, ebenso wie von der Hybrid-Fähre Prinsesse Benedikte, die von Puttgarden aus auf der Vogelfluglinie ins dänische Rødby bereits seit längerer Zeit zuverlässig unterwegs ist.

Die Elektromobilität ist in Norwegen also schon fester Teil des Alltags und auch in Deutschland schon da, spannend zu sehen, was uns die Zukunft in diesem Bereich bringen wird .

Weiter ging es dann zur NTNU, der technischen Universität Trondheim. Dort wurde uns vom Dekan der Fakultät der Ingenieurwissenschaften und Technologie die Arbeit der Universität näher gebracht.

Anschließend bekamen wir einen sehr interessanten Vortrag von Philip Ringrose, der an der NTNU unter anderem im Bereich der CO2 – Speicherung (CCS) forschend und beratend tätig ist. Diese Technologie könnte in Zukunft zum Beispiel in fossilen Kraftwerken einen Teil der Treibhausgase abscheiden und es anschließend möglich machen, diese zum Beispiel zurück in den Meeresboden zu bringen, was in Norwegen in einer Versuchsanlage bereits seit bald 20 Jahren erfolgreich gemacht wird. Das Thema ist durchaus komplexer als ich es hier in wenigen Sätzen wiedergeben kann, aber es ist überaus spannend und ein Ansatz, um die Treibhausgase in Zukunft zu minimieren.

 

Nach ein wenig frischer Luft auf dem Weg zu Fuß in die Innenstadt durften wir in einem unscheinbaren Gebäude direkt am Marktplatz einen weiteren Einblick in die norwegische Öl-Industrie bekommen. Wir waren dort zu Gast bei Aker BP und wurden über die sogenannte Industrie 4.0 informiert.

Konkret heißt das bei Aker BP, dass sie dort von einem Kontrollraum aus die Ivar Åsen Ölförderplattform in der Nordsee komplett fernsteuern könnten, wenn sie denn wollten. Die Öl-Förderanlage wurde erst an Weihnachten 2016 in Betrieb genommen und verfügt derzeit über eine Besatzung von 70 Mann, kann aber auch ganz einfach von Trondheim gesteuert werden. Bei solch eingesetzter Hochtechnologie kommen natürlich direkt Fragen bezüglich der IT-Sicherheit usw. auf, aber wenn man hört, wie viel Entwicklungsarbeit und dergleichen darin steckt, bekommt man eine Ahnung davon, was in Zukunft alles sicher möglich sein wird und auch schon möglich ist.

Nach so vielen interessanten Vorträgen ließen wir dann den Abend erneut bei einem gemeinsamen Essen ausklingen.

Das alte Trondheim

Der Samstagvormittag stand ganz im Zeichen der Stadt Trondheim. Wir bekamen eine Stadtführung und besichtigten den Nidarosdom.

Gegen Mittag klang das Treffen bei einem sogenannten Sildbord in der Altstadt aus. Das Restaurant Baklandet Skydsstasjon kann ich da nur empfehlen, sofern man unterschiedlichste Heringsvariationen in einem urigen Ambiente mag.

Wie man sieht, bietet einem das German Norwegian Network wirklich spannende Einblicke, Vorträge und Gespräche – immer rund um die gemeinsame Basis Norwegen. Es öffnen sich dabei aufgrund des Netzwerkes spannende Türen, die einem ansonsten oft verschlossen blieben. Ich für meinen Teil habe dort schon oft wie ein Kind bei der Sendung mit der Maus in einem spannenden Vortrag gesessen, den manche Themen spielen in meinem Alltag in der Tiefe oft einfach (leider) keine große Rolle.

Daher macht mir der Austausch mit den anderen Mitgliedern stets außerordentlich viel Freude, und darum komme ich immer wieder gerne zu den GNN – Treffen. Wer einmal zum GNN eingeladen oder von einem Mitglied vorgeschlagen wird, dem kann ich die Teilnahme nur wärmstens empfehlen.

Die restliche Zeit in Trondheim ließ ich mich einfach durch die Stadt treiben, erkundete die kleinen Gassen mit ihren bunten Häusern und genoss die entspannte Stimmung bei tollem Wetter. Ich werde ganz sicher irgendwann zurück nach Trondheim kommen. Mir hat es dort ausgezeichnet gefallen und die Vielfalt an Aktivitäten, die man rund um die Stadt unternehmen kann, ist wirklich groß!