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Wer hat Lust auf Lagerfeuer und Abenteuergeschichten? Da ich in letzter Zeit immer mehr Nachrichten, Anfragen und E-Mails rund ums Thema Fernwandern insbesondere in Norwegen bekomme, dachte ich mir, man könnte ja all die Fragen auch mal persönlich bequatschen.

Einfach am Lagerfeuer vorm Zelt sitzen, etwas leckeres kochen und trinken und sich dabei über alles Mögliche rund ums Fernwandern unterhalten, das wäre schon cool!

Und nun ist es tatsächlich soweit! Jeder, der mag, ist herzlich dazu eingeladen, sich am Wochenende vom 3. bis 5. November auf dem Campingplatz des Freizeitzentrums Roßmühle an der fränkischen Saale einzufinden! Parallel findet dort ein Treffen des Outdoor-Forums www.outdoorseiten.net statt und ich würde gerne alle Interessierten dazu einladen.

Ich werde haufenweise Ausrüstung, Landkarten, Zelte und was auch immer sich in meinem Ausrüstungskeller befindet, mitbringen. So können wir tagsüber gerne spontane Workshops rund ums Thema Fernwandern machen, gemeinsam wandern gehen oder auf der Saale paddeln. Im Vordergrund soll aber einfach der Spaß stehen, ganz ohne Stress und Zeitpläne würde ich mich vor allem gerne mit euch austauschen und quatschen.

 

Da ja nicht alle mit einem Rucksack im Schrankwand-Format auf dem Rücken unterwegs sind, hab ich mal bei Carsten von www.fastpacking.de angefragt, ob er nicht auch kommen will.

Carsten ist ein echter Ultralight-Veteran und geht an das Thema Fernwandern etwas anders heran als ich. Seine Erfahrung gerade auf den nordamerikanischen Trails wie PCT oder AT sprechen da für sich, und auch den Nordkalottleden ist er schon UL gelaufen. Ihr seht, es werden ganz unterschiedliche Leute kommen, die aber alle nur allzu gern länger draußen unterwegs sind.

 

Bitte meldet euch kurz verbindlich bei mir unter simon@simonpatur.de an, wenn ihr teilnehmen wollt. Ich gebe dann kurz vor dem Treffen dem Campingplatz entsprechend Bescheid. Die Kosten für Übernachtung usw. trägt jeder selbst, da es sich um ein rein privates Treffen handelt. Absprachen rund um An- und Abreise können gerne hier in den Kommentaren, im entsprechenden Thread bei www.outdoorseiten.net oder im entsprechenden Facebook-Termin getroffen werden.

Die Versorgung vor Ort mit Essen und Getränken übernimmt bitte jeder selbst, das hat auf vergangenen Treffen bisher immer ohne Probleme hervorragend geklappt. Super wäre auch, wenn ihr Feuerholz fürs Lagerfeuer mitbringen könntet. Ein Grill wird ebenfalls vor Ort sein.

Ich würde mich sehr freuen, wenn sich einige von euch mit mir auf den Weg zur Rossmühle machen würden um dort ein entspanntes Wochenende rund ums Thema Fernwandern zu verbringen.

Ganz egal ob ihr eine lange Tour in Norwegen plant oder ein PCT-Through-Hike euer Traum ist. Gerne stehen wir mit Rat und Tat zur Verfügung und berichten von unseren Erfahrungen. Aber auch wir freuen uns, wenn ihr eure Erfahrungen und Erlebnisse mit uns teilt, so können wir alle davon profitieren. Jeder hat eine andere Herangehensweise an seine Touren, jeder hat unterwegs andere Bedürfnisse und jeder macht auf Tour andere Erfahrungen. Wir alle haben aber ein Ziel: eine möglichst schöne Zeit wandernd draußen zu erleben!

Jeder, der mag, ist herzlich eingeladen zu kommen!

  • Anmeldung (wenn ihr nicht bei ODS.net seid) bitte an: simon@simonpatur.de
  • Das Treffen ist rein privat organisiert
  • Anreise, Verpflegung und Übernachtungsgebühren trägt jeder selbst
  • Wer kann bringt gerne Feuerholz mit
  • Ausrüstung zur Ansicht mitzubringen ist auf jeden Fall erwünscht
  • Bei Interesse an speziellen Themen bitte vorher kurz Bescheid sagen

Hier die Lage der Roßmühle:

Weite und wunderbare Ausblicke, das liebe ich so sehr, wenn ich ans Wandern in Skandinavien denke. Oft hänge ich wehmütig den Bildern in meinem Kopf nach, die sich auf vergangenen Wanderungen dort eingebrannt haben. Ich tue mich dann oft schwer, hier am Wochenende wandern zu gehen. Oft führen die Wege lange durch Wälder, außer Bäumen gibt es dort in meinen Augen nichts zu sehen. Ja ich weiß, dass ich es mir da sehr einfach mache und vor allem der wunderbaren Umgebung hier rund um Tübingen unrecht tue. Das weite Fjell ist halt für mich das Nonplusultra, da kann der Albtrauf eigentlich nicht mithalten.

Nach langem Hadern habe ich mich dann aber doch einfach entschlossen, dem Wandern hier eine Chance zu geben, immer nur auf die nächste Tour in Skandinavien zu warten kann es ja auch nicht sein.

Manchmal muss man für eine wunderbare Wanderung nicht weit fahren

Also hab ich mich an den Schreibtisch und den Computer gesetzt, um im Internet zu recherchieren, was auch als größeres Wanderprojekt in Frage käme, gerne würden wir die Touren als Wochenendtouren mit Übernachtung angehen, sofern möglich.

Schnell bin ich auf den HW 1 – den Schwäbische Alb Nordrand Weg oder Hauptwanderweg 1, gestoßen. Dieser führt auf 25 Tagesetappen über 354 Kilometer von Donauwörth nach Tuttlingen, oder umgekehrt. Der Weg sah schon mal gut aus, und auch die Weitwander-Fachfrau Christine Thürmer spricht in den höchsten Tönen von diesem Weg. Hinzu kommt, dass wir eine ganze Reihen von Etappen von Tübingen aus recht unproblematisch per ÖPNV erreichen können. Alles spricht für den HW 1, dann werden wir dem Weg eine Chance geben, uns vom Wandern vor der Haustür zu überzeugen.

Aus praktischen Gründen entschließen wir uns für einen Start in Tuttlingen, die Anreise mit der Bahn stellt sich nach kurzer Recherche als überaus bequem dar, nur 1 Mal umsteigen und wir sind unter 2 Stunden Fahrzeit am Startpunkt. Mit dem Auto wären wir auch nicht viel schneller und müssten dann am Ende auch noch zurück zum Parkplatz. Die Würfel sind gefallen, an einem der nächsten Wochenenden wollen wir die ersten beiden Etappen angehen, vom Start in Tuttlingen bis nach Albstadt-Laufen, insgesamt ungefähr 55 Kilometer in zwei Tagen. Das ist zwar sportlich, aber durchaus machbar. Und von Albstadt-Laufen geht jede Stunde ein Zug direkt zurück nach Tübingen. Der Plan steht.

Am Samstag morgen packen wir unsere sieben Sachen, das Wetter ist warm und die Rucksäcke müssen nicht viele Klamotten tragen, dafür aber ist reichlich Wasser im Trinksystem. Per Bus geht es zum Bahnhof um dann über Horb am Neckar nach Tuttlingen zu gelangen. Da wir uns keinen Stress am Morgen machen wollten, sind wir erst später losgefahren und haben uns gegen eine Übernachtung vor Ort auf dem Zeltplatz entschieden.

Los geht’s in Tuttlingen

Kurz suchen wir in Tuttlingen den Startpunkt, finden diesen aber schnell, nur kurz verlaufen wir uns zur örtlichen Eisdiele, die Sonne macht uns ein wenig zu schaffen, da kommt eine kleine Erfrischung gerade recht. Gegen 14:15 Uhr starten wir ins Abenteuer HW 1, rund 22 Kilometer liegen heute noch vor uns, wenn wir es zu unserer geplanten Übernachtungsmöglichkeit am Klippeneck schaffen wollen.

Zuerst überqueren wir die junge Donau mit Hilfe der überdachten Holzbrücke. Wir verlassen schnell die Innenstadt und finden uns bereits nach einer viertel Stunde außerhalb von Tuttlingen am Waldrand wieder. Die Aussicht über das Donautal ist wunderbar, der Weg hierher hat allerdings schon einigen Schweiß gekostet. Wir sind froh, dass es nun in den Wald geht, der uns mit seinem kühlen Schatten nur allzu willkommen ist.

Die Markierung ist hervorragend, wir kommen gut voran. Die Wege sind überraschend schmal, das gefällt. Sofort fallen uns die Himbeeren und Walderdbeeren am Wegesrand auf, die es hier ziemlich häufig gibt. Wir naschen fleißig, es schmeckt köstlich! Und die kleinen Verschnaufpausen tun bei diesem Wetter auch gut.

Der HW 1 ist abwechslungsreich auf diesem ersten Abschnitt, wir sind positiv überrascht. Es wechseln sich schmale Pfade und breitere Forstwege ab. Ab und an treten wir aus dem Wald und überqueren duftende Wiesen, in denen die Insekten umherschwirren. Auch gibt es immer mal wieder tolle Ausblicke aus dem Wald hinaus.

Hervorragend markiert und gute Wege

Wir wandern ja auf einem Höhenrücken, da kommen nur am Anfang einige Höhenmeter auf uns zu, nun kommen wir gut voran, es ist die meiste Zeit relativ flach. Da wir nicht zu spät am Klippeneck ankommen wollen, lassen wir die erste Einkehrmöglichkeit am Gasthof Krone in Rußberg aus, auch wenn es jetzt verlockend wäre, im Schatten der Bäume ein kühles Bier zu zischen.

 

Ein paar Kilometer weiter in Risiberg aber ist es soweit, im Landgasthof Waldeck gönnen wir uns eine ausgedehnte Pause sowie ein Kaltgetränk. Wie das bei dem Wetter perlt!

Leider geht es nach der Pause kurz und knackig über eine Wiese hoch in den Wald, da merkt man das Bier dann doch. Egal, das war es auf jeden Fall wert! Der Weg führt uns nun über Wirtschaftsstraßen und Wege weiter. Die Sonne hat trotzt des bereits fortgeschrittenen Tages nicht an Kraft verloren, jeder Schatten der Bäume wird nur zu gern genutzt. Die Schritte werden schwerer, die Sonne und das warme Wetter fordern langsam ihren Tribut.

 

Kurz vor dem Klippeneck präsentiert sich der HW 1 aber von seiner allerbesten Seite. Direkt am Albtrauf ergeben sich gigantische Aussichten, das weite Land unter uns ist komplett in ein warmes, weiches Licht getaucht. Es ist unglaublich schön!

Wir passieren zwei öffentliche Grillplätze und stehen kurz darauf am riesigen Segelfluggelände Klippeneck. Als ich nach einem legalen Zeltplatz für diese Etappen gesucht habe, stieß ich auf den Segelflugplatz, an dem zufällig an diesem Wochenende ein großer Flugwettbewerb stattfindet. Und da es laut Ausschreibung auch die Möglichkeit zum Campen gibt, hatte ich vor der Tour kurz dort angefragt, ob wir unser Zelt dort auch für eine Nacht aufschlagen können.

Wir dürfen, sollen uns nur bei Platzwart Willi melden. Und den suchen wir nun inmitten der vielen Teilnehmer, die sich vor dem großen Hangar über den Tag bei Bier und Gegrilltem unterhalten. Schnell finden wir ihn und er weist uns einen Platz zwischen den Campern zu.

Aussichten aus dem Bilderbuch

Mittlerweile setzt die Dämmerung bereits ein und der Tag war anstrengender als gedacht, die Wärme hat uns ganz schön geschafft. Das Zelt ist schnell aufgebaut, wir gönnen uns einen eiskalten Sundowner und genießen den grandiosen Sonnenuntergang.

Es ist bereits dunkel als wir uns mit den neuen Sorten Real Turmat (Pulled Pork & Lachs Pasta 🙂 ) für den Tage belohnen und kurz darauf auf der Isomatte im Zelt liegen.

Weiter, immer weiter – aber bitte ohne Stress

Der neue Tag begrüßt uns wieder mit Sonne und Wärme, so dass wir es am Morgen nicht lange im Zelt aushalten. Das Frühstück ist schnell gemacht, es gibt Kaffee und Tee mit einer großen Portion Porridge. Nachdem wir unsere Sachen zusammengepackt haben, geht es zurück auf den Trail. Auf dem Flugplatz machen sich derweil über 80 Segelflugzeuge bereit für den Start.

Unglaublich wie viele dieser lautlosen Fluggleiter hier vor Ort sind, nur zu gern würden wir uns gleich den Start der Flugzeuge ansehen. Das emsige Treiben beim Start ist ganz sicher spannend, aber wir haben uns für heute einiges vorgenommen. Aber schon beim Loslaufen schwant mir, dass die bald 32 Kilometer bis nach Albstadt-Laufen für heute ziemlich ambitioniert sind.

Wir folgen dem Weg, der hier weitgehend direkt am Albtrauf entlang führt. Wir sind bereits am Morgen froh um jeden Abschnitt im Wald, wir sind beide nicht für so viel Sonne gemacht. Die Ausblicke sind wieder klasse, da gibt es überhaupt nichts zu meckern. Weithin sichtbar ist dabei immer der neue Testturm für Aufzüge in Rottweil, der wie ein riesiger Spargel aus dem Boden empor steigt.

 

Höhenmeter ohne Ende

Der HW 1 führt uns nun hinab nach Gosheim, wo wir uns eine kleine Stärkung in der örtlichen Bäckerei gönnen. Nach der beschaulichen Ortschaft stehen reichlich Höhenmeter auf dem Programm. Zuerst geht es im Wald steil bergan hinauf zum Aussichtsturm auf dem Lemberg. Schweißgebadet kommen wir oben an, die kleine Hütte neben dem Turm ist heute sogar bewirtet und es werden kalte Getränke angeboten. Wir schlagen das Angebot aus und sparen uns auch die Turmbesteigung, denn es stehen nicht nur viele Höhenmeter und Kilometer auf dem Programm, nein die Segelflieger haben uns auch vor Gewitter am frühen Nachmittag gewarnt.

Durch den Wald geht bergab und dann direkt wieder hoch, der nächste Anstieg zur ehemaligen Burg Hohenberg wartet bereits auf uns. Oben ist die Aussicht wieder gigantisch und eine kleine Hängebrücke ist ein echtes Highlight auf dem Weg. Man merkt, dass sich hier Gedanken gemacht worden sind, um den Weg attraktiv zu gestalten.

Beim Abstieg hinunter sprechen wir über den Tag. Uns dämmert, dass wir uns ganz schön anstrengen müssen, wenn wir unser hoch gestecktes Ziel am Bahnhof in Albstadt-Laufen erreichen wollen. Es wird von Kilometer zu Kilometer unrealistischer, wenn wir nicht erst irgendwann am Abend zu Hause sein wollen. Und so sprechen wir bei einer Abkühlung an der Schutzhütte weiter unten über die Möglichkeit, im nächsten Ort den Bus zu nehmen.

Schaffen wir das wirklich?

Kurz checken wir die Verbindung, denn so einfach ist es mitunter nicht, an einem Sonntag per ÖPNV hier wegzukommen. Die App spuckt eine günstige Verbindung aus, der Bus fährt bald ab Deilingen, das könnten wir schaffen. Wenn nicht, müssten wir durchlaufen, denn eine andere Möglichkeit gibt es ab Deilingen bis Laufen für uns nicht.

Über eine große Wiese erreichen wir den kleine Ort Deilingen. Die Würfel sind gefallen: Wir werden hier in den Bus steigen, für uns reicht es hier. Das warme Wetter hat uns die letzten beiden Tage ordentlich zugesetzt, aber der wunderbare HW 1 hat uns wirklich gepackt.

Kurz darauf liegen wir im Schatten eines kleinen Baumes an der Haltestelle und warten auf den Bus. Wir sind froh, dass wir uns aufgerafft haben und dem HW 1 eine Chance gegeben haben. Und der Weg hat sie wirklich genutzt, uns total positiv überrascht. Ganz sicher werden wir wieder kommen und unsere Reise entlang des Albtraufs fortsetzen. Einen solch großartigen Fernwanderweg direkt vor der Haustüre zu haben ist einfach eine super Sache, der HW 1 braucht sich vor keinem Wanderweg in Deutschland verstecken, ganz im Gegenteil!

„Schau mal, der Pegel!“ sage ich zu meiner total verschlafenen Freundin, die um 8 Uhr morgens noch gemütlich im Bett liegt und kaum die Augen auf bekommt, ist ja schließlich Wochenende und eigentlich endlich Gelegenheit zum Ausschlafen.

Wir haben vor einiger Zeit schon darüber gesprochen, bei Gelegenheit einmal das obere Donautal mit unserem neuen Ally Canadier „turglede“ unter die Spanten und Paddel zu nehmen, denn davon hatten wir schon gelesen und das klang ziemlich verlockend für uns. Zudem liegt das obere Donautal nur etwas mehr als eine Autostunde von uns zu Hause entfernt, die knapp 20 km von Hausen im Tal nach Sigmaringen könnte also die perfekte erste längere Tour mit dem Boot sein, ideal um alles genau kennenzulernen.

Aber dafür muss der Pegel in Beuron stimmen, sonst darf man dort gar nicht erst einsteigen. Mindestens 53 cm muss die Höhe offiziell betragen und man muss sich anmelden, wenn man die Donau auf diesem Abschnitt befahren möchte. Und heute scheint der Pegel mit über 90 cm ideal zu sein.

Seit einigen Tagen schon checke ich daher immer mal wieder den Pegel auf der Internetseite der Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg, dort kann man die Pegel im ganzen Bundesland quasi minutengenau ablesen. Da bei kleineren Flüssen der Pegel aufgrund von starken Regenfällen beträchtlich schwanken kann, ist die Internetseite eine enorm praktische Sache.

Also nichts wie raus aus den Federn und rein ins Abenteuer. Ich rufe direkt mal bei der Donautal Touristik an und frage nach, ob es für heute noch freie Befahrungsscheine gibt – gibt es noch für Leute mit eigenem Boot, alles andere ist bereits ausgebucht. Generell gibt es ein paar einfache Dinge zu beachten, wenn man hier auf der Donau paddeln möchte. Wie bereits erwähnt ist die Anzahl der Kanus pro Tag beschränkt und man darf auch nicht einfach überall am Ufer ein- und aussteigen.

Gut zusammengefasst wird das alles hier in diesem PDF

Das gemütliche Wochenendfrühstück geht diesmal etwas rascher vonstatten, der Kaffee bringt den Kreislauf auf Trab und schon bald suchen wir in unserem Ausrüstungskeller alles zusammen, was man für zwei Tage Paddeln und Wandern braucht, denn nach der Kanutour heute wollen wir morgen auch noch einen der Traufgänge hier am Albtrauf unter die Füße nehmen.

Kurze Anreise und ideale Verhältnisse

Die Autofahrt ist kurzweilig und als wir von der Schwäbischen Alb hinab ins Donautal gleiten, stellt sich das wohlige Gefühl von Urlaub bei uns ein. Das Ziel ist der kleine Ort Hausen im Tal mit dem Campingplatz Wagenburg. Dort waren wir schon einmal zu Gast und es hatte uns sehr gut gefallen. Der Platz ist klein und gemütlich, eher oldschool und familiär, ohne Schickimicki und Schnickschnack. Zudem kommt man mit dem ÖPNV (sowohl Bus & als auch Bahn) recht einfach vom Endpunkt in Sigmaringen zurück zum Platz.

Und die Einstiegsstelle fürs Kanu an der Donautal Touristik ist nur wenige hundert Meter zu Fuß entfernt. Wir melden uns rasch auf dem Campingplatz an, bauen unser Zelt auf und schultern das Faltboot samt Schwimmwesten und Paddeln.

Wir lachen uns kaputt, denn der riesige 250-Liter-Rucksack mit dem Boot auf meinem Rücken sieht echt gewaltig aus. Zwar wiegt die Fuhre nicht mehr als 20 kg, aber die Verhältnisse scheinen echt auf den Kopf gestellt, ich sehe daneben aus wie ein Zwerg.

Meine Freundin Anni bezahlt rasch die Erlaubnis und ich baue derweil das Boot zusammen. Mir fehlt noch etwas die Routine, aber gemeinsam schaffen wir es dann mit vereinten Kräften. Auch wenn der Aufbau diesmal länger gedauert hat, man muss vor so einem Boot keine Angst haben, wenn man nicht zwei ganz linke Hände hat. Mit Übung dauert es nicht länger als eine halbe Stunde und man ist startklar.

Tosende Wellen und Wildwasser zum Start

Wir sind schon etwas spät dran, es ist bereits 13:15 Uhr, als die „turglede“ endlich ins kühle Wasser gleitet. Rasch verstauen wir das Gepäck, legen die Schwimmwesten an und los geht’s ins Paddelvergnügen. Bereits nach einigen Metern nehmen wir Fahrt auf, mit reichlich Strömung unter dem Kiel geht es unter der Nepumuksbrücke hindurch. Mit pochendem Herzen haben wir unsere gefühlte erste Wildwasserstelle gerade so überlebt, die Dünung der Wellen betrug immerhin knapp 20 cm! Als wir den tosenden Wassern lebend entkommen sind, bekommen wir das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht – das macht Spaß, sogar riesig viel Spaß!

Die Donau ist hier nicht sehr breit und man bekommt eine erste Lektion darin, wie man das Boot richtig steuert. Gemächlich gleiten wir am Campingplatz vorüber und der Paddelschlag wird gleichmäßiger.

Direkt stellt sich eine wunderbare Entschleunigung ein, der Alltag könnte nicht weiter weg sein, das grün-blaue Band der Donau in ihrem hier sehr spektakulären Bett zieht uns in ihren Bann. Das obere Donautal ist nicht nur zum Paddeln und Wandern ideal, nein es ist vor allem unter Kletterern ziemlich bekannt. Teils direkt vom Fluß aus ragen hier die Kalkfelsen steil auf, ein Eldorado für alle, die gerne die Vertikale erklimmen wollen.

Hinter jeder Flussbiegung ergeben sich für uns neue spektakuläre Ausblicke. Mal öffnet sich das Tal weiter und neben uns erstrecken sich Felder und Wiesen, und ein anderes Mal verjüngt sich das Tal samt Fluß zu einem grünen Urwald, man fühlt sich ganz weit weg in fernen Ländern.

Herrliche Landschaft im schwäbischen Grand Canyon

Wir kommen gut voran, das Wetter ist perfekt, nicht zu warm, aber sonnig. Nur die lästigen Bremsen mit ihren fiesen Stichen gehen uns ein wenig auf die Nerven, während wir gemächlich dahingleiten. Kurz vor dem ersten Wehr an der Neumühle, das wir umtragen müssen, überholen wir eine kleine Gruppe von Kajaks und Canadiern. Für uns ein kleiner Erfolg, wir stellen uns also nicht ganz doof an.

Das Umtragen geht einfach von der Hand, das Boot ist ja ziemlich leicht und im Handling einfach. Nur einige Meter gilt es an Land zu überwinden, dann können wir wieder an Bord gehen. Da wir so spät gestartet sind, widerstehen wir der Verlockung zur Einkehr hier an dieser Stelle im gleichnamigen Gasthaus.

Mit jedem weiteren Meter auf der Donau bekommen wir mehr Routine und Sicherheit. Der Blick schweift über die Uferböschung und die Umgebung, die Natur hat hier einiges zu bieten. Zahlreiche unterschiedliche Vögel zeigen sich, meine Freundin als interessierte Ornithologin erklärt mir die Unterschiede und Namen, von denen ich vorher niemals gehört habe. Was war gleich noch mal der Unterschied zwischen einem Haubentaucher und einem Blässhuhn?

Nur manchmal müssen wir ein wenig gucken, um die möglichst beste Stelle zur Durchfahrt zu erwischen. Sich leicht kräuselnde, kleine Wellen zeigen aber recht deutlich an, wo es unter Umständen seichter sein könnte. Manchmal lässt es sich aber nicht vermeiden und wir touchieren einige Flusskiesel unter Wasser. Das Boot steckt das mit Gleichmut klaglos weg, hinterher werden wir keine Spuren dieser Grundberührungen feststellen können.

Die Zeit auf dem Wasser vergeht wie im Fluge, teilweise hilft uns die Strömung, manchmal müssen wir kräftig in die Paddel greifen. Andere Kajaks und Canadier begleiten uns teilweise. An einem der nächsten Wehre, um die man die Boote herumtragen soll, stockt uns allerdings kurz der Atem. Eine dreiköpfige Familie mit kleinem Jungen an Bord ist zu bequem, das Boot kurz aus dem Wasser zu heben und fährt ein in die Wehranlage. Sie rutschen das Wehr hinab, alles geht gut. Wir aber fragen uns, wie verantwortungslos man als Eltern sein kann? Soll man seinen Kindern auch noch vorleben, dass es normal und vermeintlich gefahrlos ist, Verbote zu missachten? Wir jedenfalls werden auch das nächste Wehr wieder umtragen und uns an die Regeln halten.

Unser Zug zurück von Sigmaringen aus geht um 19:30 Uhr. Da wir nicht wissen wie schnell wir letztendlich sind, lassen wir auch die nächsten Möglichkeiten zur Einkehr links liegen und machen lieber Strecke. Kurz vor unserem Ziel kommt ein Highlight auf uns zu: die Bootsrutsche am Wehr in Laiz.

Spiel, Spaß und Spannung in der Bootsrutsche

Zuerst müssen wir checken, wie die Rutsche funktioniert, aber im Grunde ist es ganz einfach: Rechts neben dem Wehr gibt einen schmalen Kanal, in den ein Boot genau hinein passt und das auf Knopfdruck geflutet wird. Wie in einem Freizeitpark rutscht man dann mit einem Affenzahn durch diesen Kanal.

Wir nähern uns also dem kleinen Tor vor der Einfahrt und betätigen den Knopf. Eine Ampel springt an und wechselt kurz darauf von Rot auf Grün. Dann senkt sich das Tor ab, der Kanal wird geflutet und der wilde Ritt geht los. Wir kreischen wie die Teenager in der Achterbahn, das Adrenalin schießt uns in die Adern und kurz darauf sind wir auch schon unten, der Kanal spuckt uns aus und wir grinsen uns an: nochmal!

WOW! Wer sich das ausgedacht hat, der hat echt einen Preis verdient, das macht unglaublich viel Spaß! Nur noch wenige Meter liegen noch vor uns und wir erreichen die Stadtgrenze von Sigmaringen und kurz darauf gegen 17:15 Uhr auch schon die Ausstiegsstelle am dortigen Campingplatz. Wir umarmen und beglückwünschen uns, wir haben es tatsächlich geschafft! In knapp vier Stunden haben wir diesen Abschnitt der Donau bewältigt, und es war einfach nur richtig schön. Die Landschaft und der Fluss haben uns wunderbare Stunden beschert, fernab vom Alltag in einer ganz entspannten Geschwindigkeit.

Nach einem erfrischenden Bad im Fluss ziehen wir das Boot an Land und bauen es wieder auseinander. Alles verschwindet in nicht einmal 20 Minuten wieder im riesigen Rucksack. Als wir mit dem gewaltigen Gepäck auf dem Rücken im nahen Supermarkt einkaufen wollen, staunt der Sicherheitsmann nicht schlecht, der Rucksack muss am Eingang auf uns warten. Auch als wir kurz darauf durch die Stadt zum Bahnhof laufen, sehe ich lachende und verwirrte Gesichter, so einen großen Rucksack hat hier vermutlich noch keiner gesehen.

Camping kann so schön sein

Der Zug bringt uns schließlich pünktlich zurück zum Campingplatz, wo wir nach einer heißen Dusche ausgiebig kochen und auf den sehr gelungen Tag anstoßen.

Am nächsten Tag wollen wir dann Wandern gehen, aber das ist eine andere Geschichte, denn einer von uns hat seine Einlegesohlen für die Wanderschuhe daheim vergessen. Aber auch ohne abschließende Wanderung ist das Wochenende total gelungen. Wir werden von nun an wohl öfters paddeln gehen, das steht fest! Und auch das Donautal werden wir ganz sicher in Zukunft öfters erkunden, denn es ist einfach viel zu schön hier.

Auch in diesem Jahr werden sich wieder einige Wagemutige aus dem deutschsprachigen Raum zu Fuß daran machen, durch Skandinavien zu wandern. Entweder durch Norwegen, durch Norwegen und Schweden oder aber auch entlang des E1 Wanderweges. Manch einer will gar ganz Europa durchqueren, was für eine Herausforderung! Wie auch im letzten Jahr möchte ich euch daher einige fleißige Wandersleute vorstellen, die sich in diesem Jahr daran machen, ihren großen Traum zu leben (und die dazu einen entsprechenden Blog online haben).

Sie alle werden sich aufmachen mit großen Erwartungen und voller Freude. Nicht alles wird wie geplant laufen und vermutlich wird es auch nicht jeder bis zu seinem geplanten Ziel schaffen. Aber was ist schon ein geplantes Ziel im Vergleich dazu, sein normales Leben einmal pausieren zu lassen und den großen ersten Schritt zu wagen.

Ich weiß noch ganz genau, wie ich mich damals gefühlt habe, voller Hoffnungen, Erwartungen und mit einer riesen Portion Verunsicherung. Wer sich an ein so großes Projekt wagt und sich aufmacht, der hat sowieso schon gewonnen, ganz egal wie weit er am Ende kommen wird.

Wer? Von Wo nach Wo? Welcher Blog?

Also schaut bei den Leuten mal vorbei, verfolgt ihre Touren und unterstützt sie bei ihren Vorhaben. Ich werde das auf jeden Fall tun, und drücke allen alle Daumen, dass sie eine wunderbare Tour haben werden! Wenn ihr noch weitere Aspiranten kennt, die ich noch nicht aufgeführt habe, sagt einfach kurz Bescheid, ich würde die Liste dann sehr gerne erweitern. Und darüber hinaus gibt es auch immer noch die inoffizielle Norge på langs Liste von Odd Vinje, die laufend von ihm erweitert wird.

Hier sind nun alle aufgeführt, von denen ich Kenntnis habe

Vanja

Mit Vanja aus der Schweiz stehe ich schon lange in Kontakt. Bei einem meiner Vorträge in Stuttgart stand er plötzlich vor mir, nachdem er mir schon vorher auf Facebook geschrieben hatte. Da war er gerade auf verschiedenen Wegen unterwegs zum Nordkap und hatte mein Buch gelesen. Nun keimte die Norge på langs Idee in ihm und er bereitet sich seit einem Jahr darauf vor, in kürze vom Nordkap südwärts zu laufen. Ich bin sehr gespannt darauf, wie er sich auf seinem Weg schlagen wird. Verfolgt seine Tour hier: https://norgepalangs2017.com

Hansjorg

Auch Hansjörg ist aus der Schweiz und hat sich bereits aufgemacht, vom Kap Lindesnes zum Nordkap zu laufen. Er ist 60 Jahre alt und trägt seit seiner Wanderung auf dem Olavsweg engültig den Nordlandvirus in sich. Seine Wanderung könnt ihr hier verfolgen: http://www.norgepalangs17.com

Andrea und Ole

Von Grövelsjön in Schweden zum Nordkap wollen Andrea und Ole auf dem E1 Weitwanderweg unterwegs sein. Auch sie waren bei einem Vortrag von mir und sind hinterher bei der Planung wieder auf mich zugekommen. Sie haben mir auch einige Tipps zum Paketversand nach Norwegen zukommen lassen, die ich so auch nicht wusste. Wer also Infos dazu braucht, kann sich gerne an mich oder die beiden wenden. Man lernt ja nie aus. Seit Anfang Juni sind sie nun unterwegs: https://aotrip.wordpress.com

Thomas

Die Anreise zum Start per Postschiff ist schon mal ein echtes Highlight für Thomas. Nachdem er seinen Job gekündigt hat, hat er sich nun eine großartige Tour vorgenommen: Er möchte am Nordkap starten und bis Sizilien dem E1 Fernwanderweg folgen! Wenn ihr ihn dabei begleiten wollt, schaut einmal hier vorbei: http://e1-traum.de

Alex

Zwar will Alex erst im Dezember von Tarifa zum Nordkap starten, aber ich führe ihn dennoch mal hier auf. Er ist gerade mitten in den Planungen und diese zu verfolgen macht ja fast genau so viel Spaß wie die eigentliche Tour. Wenn ihr ihn bei den Vorbereitungen begleiten wollt, schaut einmal hier vorbei: http://www.wanderbursche.net

Lena und Thilo

Und auch Lena und Thilo sind noch unterwegs. Sie sind bereits im letzten Jahr gestartet und unterwegs auf dem E1 gen Süden. Die beiden haben schon unglaublich viel erlebt und wenn ich mir die Bilder und Berichte so ansehe, kommt schon ein bisschen Wehmut auf 😉 Schaut doch mal bei den beiden vorbei und holt euch ordentlich Fernweh: http://e1-wanderung.wixsite.com/lena-thilo

 

*Copyright der Bilder liegt bei den jeweiligen Blogs

„Was machst du denn im Jackett in Trondheim?“ Das war einer der ersten Kommentare zu einem Bild von mir, das ich auf Facebook postete, als ich vergangenen Mittwoch nach Norwegen aufbrach.

Was ist denn überhaupt dieses German Norwegian Network oder kurz GNN, von dem du nun schon öfter im Ansatz berichtet hast und wie kommt man da hinein? Sind das nicht nur krasse Businessmenschen dort? Unterwegs mit Anzug, Krawatte und dem stellvertretenden deutschen Botschafter in Norwegen im Schlepptau dazu, da passt du ja irgendwie so gar nicht rein!

Anzug? Schlipsträger? Und dazwischen du?

Als ich im Sommer 2015 von einem mittlerweile guten Bekannten angeschrieben und zum Treffen des GNN in Berlin eingeladen wurde, musste ich erstmal Erkundigungen einholen und nachfragen, was denn überhaupt dieses German Norwegian Network ist und was es macht, denn es war mir bis dato überhaupt kein Begriff.

Was sich zu Anfang vielleicht anhört wie eine stocksteife Wirtschaftsdelegation, immer auf der Jagd nach dem nächsten Businessdeal, ist in Wirklichkeit das Gegenteil und ein bunter Haufen von Leuten aus allen möglichen Arbeitsbereichen, die sich um den interkulturellen Austausch zwischen Norwegen und Deutschland bemühen.

Es soll also ausdrücklich kein Businessnetzwerk sein, sondern schlicht Menschen mit entsprechendem Hintergrund aus beiden Ländern zusammenbringen. Und wenn man dann zum Beispiel das norwegische Öl-Ministerium besucht, gehört die entsprechende Kleidung einfach mit dazu. Hm, hört sich immernoch alles sperriger an, als es wirklich ist.

Was machen wir beim GNN?

Schnell war mir dann klar, dass ich auf den ersten Blick eigentlich nicht unbedingt dort hinein passe, es mir aber auf jeden Fall einmal ansehen möchte. Nach dem Treffen seinerzeit in Berlin und meinem Vortrag in den nordischen Botschaften zu meiner Wanderung war der zweite Blick dann überaus positiv. Mittlerweile glaube ich, dass ich sehr gut in die Gruppe rund um das GNN passe, bin ich doch für mein Empfinden eine Art Friluftsliv-Botschafter für Norwegen in Deutschland.

Das GNN wurde 2004 von deutschen Botschaft in Oslo und der norwegischen Botschaft in Berlin ins Leben gerufen, um Menschen aus beiden Ländern zusammenzubringen, in erster Linie mit direktem Bezug zu beiden Ländern, die in der Wirtschaft, der Kultur oder zum Beispiel der Politik aktiv sind.

Man wird dem Vorstand von einem anderen Mitglied für das Netzwerk vorgeschlagen und bekommt dann in der Regel eine Einladung zum nächsten Treffen.

Nachdem ich im Anschluss an meinen Vortrag damals vom Vorstand des GNN gefragt wurde, ob ich Mitglied werden möchte und dies umgehend bejahte, nahm ich von da an so oft es geht an den Treffen teil, die 2 Mal im Jahr abwechselnd in Deutschland und in Norwegen stattfinden.

Auf in die alte Hauptstadt

Dieses Mal stand Trondheim als Ort unseres Treffens auf dem Programm. Das freute mich beim Blick auf die Einladung sehr, war ich doch bisher nur kurz und auf der Durchreise in der alten Königsstadt.

Wir trafen uns am Donnerstag Nachmittag in einem Hotel in der Innenstadt mit einem herrlichen Blick auf Trondheim und den gleichnamigen Fjord. Nach der Begrüßung und einer kurzen Vorstellungsrunde stellte uns die Journalistin Ingrid Brekke (von der Tageszeitung Aftenposten) ihr neues Buch über Angela Merkel in entspannter Runde vor. Es war für alle ziemlich spannend, einmal einen Blick von außerhalb Deutschlands auf die Politik in unserer Bundeshauptstadt zu werfen.

Im Anschluss an den Vortrag ging es für uns auf Einladung der deutschen Botschaft in Oslo in ein hervorragendes Restaurant im Herzen der Stadt, wo wir uns bei ausgezeichnetem Essen weiter ganz entspannt austauschen konnten.

Ein Einblick in die Industrie 4.0

Der Donnerstag war geprägt von spannenden Einblicken in die Welt der Öl-Industrie sowie der in Trondheim ansässigen Universität NTNU. Das Stichwort „Omstilling“ gab dabei die Richtung vor, ist doch die Abkehr von der Öl-Abhängigkeit und der damit einhergehende Strukturwandel hier in Norwegen derzeit in aller Munde.

Bei Siemens Subsea ging es direkt am Morgen los, dort werden unter anderem Antriebe und Infrastruktur-Technik für die Schifffahrt und Offshore-Industrie gefertigt. Wenn ich bisher dachte, mein Job wäre bisweilen etwas kompliziert, musste ich dort meine Meinung etwas revidieren, denn beim Vortrag zur Unterwasser-Stromversorgung von Bohrinseln und Offshore-Förderanlagen (dem sog. Siemens Subsea Power Grid) blieb mir aufgrund der angesprochenen Kosten und Projekt-Dimensionen der Mund vor Staunen weit offen.

Es ist schon unglaublich, wie viel Technik, Entwicklung und Ingenieurskunst zum Beispiel in einem Transformator steckt, der mitunter 3000 Meter tief auf dem Meeresgrund zuverlässig seinen Dienst verrichten soll. Auch von der ersten voll elektrischen Fähre Ampere, die am Sognefjord verkehrt, wurde uns berichtet, ebenso wie von der Hybrid-Fähre Prinsesse Benedikte, die von Puttgarden aus auf der Vogelfluglinie ins dänische Rødby bereits seit längerer Zeit zuverlässig unterwegs ist.

Die Elektromobilität ist in Norwegen also schon fester Teil des Alltags und auch in Deutschland schon da, spannend zu sehen, was uns die Zukunft in diesem Bereich bringen wird .

Weiter ging es dann zur NTNU, der technischen Universität Trondheim. Dort wurde uns vom Dekan der Fakultät der Ingenieurwissenschaften und Technologie die Arbeit der Universität näher gebracht.

Anschließend bekamen wir einen sehr interessanten Vortrag von Philip Ringrose, der an der NTNU unter anderem im Bereich der CO2 – Speicherung (CCS) forschend und beratend tätig ist. Diese Technologie könnte in Zukunft zum Beispiel in fossilen Kraftwerken einen Teil der Treibhausgase abscheiden und es anschließend möglich machen, diese zum Beispiel zurück in den Meeresboden zu bringen, was in Norwegen in einer Versuchsanlage bereits seit bald 20 Jahren erfolgreich gemacht wird. Das Thema ist durchaus komplexer als ich es hier in wenigen Sätzen wiedergeben kann, aber es ist überaus spannend und ein Ansatz, um die Treibhausgase in Zukunft zu minimieren.

 

Nach ein wenig frischer Luft auf dem Weg zu Fuß in die Innenstadt durften wir in einem unscheinbaren Gebäude direkt am Marktplatz einen weiteren Einblick in die norwegische Öl-Industrie bekommen. Wir waren dort zu Gast bei Aker BP und wurden über die sogenannte Industrie 4.0 informiert.

Konkret heißt das bei Aker BP, dass sie dort von einem Kontrollraum aus die Ivar Åsen Ölförderplattform in der Nordsee komplett fernsteuern könnten, wenn sie denn wollten. Die Öl-Förderanlage wurde erst an Weihnachten 2016 in Betrieb genommen und verfügt derzeit über eine Besatzung von 70 Mann, kann aber auch ganz einfach von Trondheim gesteuert werden. Bei solch eingesetzter Hochtechnologie kommen natürlich direkt Fragen bezüglich der IT-Sicherheit usw. auf, aber wenn man hört, wie viel Entwicklungsarbeit und dergleichen darin steckt, bekommt man eine Ahnung davon, was in Zukunft alles sicher möglich sein wird und auch schon möglich ist.

Nach so vielen interessanten Vorträgen ließen wir dann den Abend erneut bei einem gemeinsamen Essen ausklingen.

Das alte Trondheim

Der Samstagvormittag stand ganz im Zeichen der Stadt Trondheim. Wir bekamen eine Stadtführung und besichtigten den Nidarosdom.

Gegen Mittag klang das Treffen bei einem sogenannten Sildbord in der Altstadt aus. Das Restaurant Baklandet Skydsstasjon kann ich da nur empfehlen, sofern man unterschiedlichste Heringsvariationen in einem urigen Ambiente mag.

Wie man sieht, bietet einem das German Norwegian Network wirklich spannende Einblicke, Vorträge und Gespräche – immer rund um die gemeinsame Basis Norwegen. Es öffnen sich dabei aufgrund des Netzwerkes spannende Türen, die einem ansonsten oft verschlossen blieben. Ich für meinen Teil habe dort schon oft wie ein Kind bei der Sendung mit der Maus in einem spannenden Vortrag gesessen, den manche Themen spielen in meinem Alltag in der Tiefe oft einfach (leider) keine große Rolle.

Daher macht mir der Austausch mit den anderen Mitgliedern stets außerordentlich viel Freude, und darum komme ich immer wieder gerne zu den GNN – Treffen. Wer einmal zum GNN eingeladen oder von einem Mitglied vorgeschlagen wird, dem kann ich die Teilnahme nur wärmstens empfehlen.

Die restliche Zeit in Trondheim ließ ich mich einfach durch die Stadt treiben, erkundete die kleinen Gassen mit ihren bunten Häusern und genoss die entspannte Stimmung bei tollem Wetter. Ich werde ganz sicher irgendwann zurück nach Trondheim kommen. Mir hat es dort ausgezeichnet gefallen und die Vielfalt an Aktivitäten, die man rund um die Stadt unternehmen kann, ist wirklich groß!

Eine Planänderung auf den letzten Metern, mal wieder, und ich könnte gerade echt in die Tischkante beißen! Zum dritten Male in drei Jahren durchkreuzt mir das Wetter meine Wintertourpläne. 

Der Ablauf ist immer der gleiche, das Prozedere ist mir mittlerweile nur zu gut bekannt. Die Vorfreude auf die neue Tour steigt von Tag zu Tag ab dem Zeitpunkt, an dem die neuen Pläne feststehen. Man sichtet Landkarten, prüft und ergänzt die Ausrüstung, liest Reiseberichte und Reiseführer. 

Sarek

Umso näher die Tour rückt, desto öfter ruft man immer wieder die Wetterapp auf dem Handy auf und sieht nach den Schneebedingungen und dem Wetter in der Reiseregion. In Island gibt es sogar eine Webcam an unserem geplanten Startpunkt, jeden Tag rufe ich sie auf und sehe nach den Verhältnissen vor Ort.

Wo bleibt der Schnee? Ist das der Klimawandel?

Und was ich dort sehe, stimmt mich alsbald ziemlich nachdenklich, denn kaum Schnee liegt an unseren Ausgangspunkt! Der Untergrund ist fast immer zu sehen, der Schnee verdeckt kaum die Steine und das Geröll des Bodens. Ziemlich doof, denn der Ort liegt bereits ziemlich hoch und gibt so ein verhältnismäßig gutes Bild der zu erwartenden Verhältnisse im Hochland ab.

Kein Tag vergeht von nun an, an dem ich nicht mit einem mulmigen Gefühl und bangem Blick die Webcam aufrufe. Mal liegt etwas mehr Schnee, mal etwas weniger. Das Wetter taumelt wie eine Fahne im Wind, von Konstanz keine Spur. Immer wieder beseitigen Regen und Wärmeeinbrüche die weiße Pracht, es ist ein einziges Jammerspiel. 

Man hofft und bangt, aber mit jedem Tag, der vergeht, schwinden die Hoffnungen, dass wir dort wirklich eine vernünftige Wintertour machen können. Man möchte ja schließlich nicht seine Pulka auf dem Rücken über den steinigen Untergrund tragen müssen. Dass man bei solchen Bedingungen nicht viel Spaß haben dürfte, das sollte jedem klar sein.

Solche Bedingungen machen einfach keinen Spaß

Wieder einmal glühen die Telefondrähte, wir tauschen uns untereinander aus und diskutieren das Wetter. Aber es wird nicht besser. Was nun kommt, das kenne ich schon. Entweder man wartet und wartet und hofft und hofft und fährt trotzdem dorthin, nur um dann vor Ort festzustellen, dass es keinen Sinn macht loszuziehen – oder man sieht der Realität ins Auge und freundet sich langsam aber sicher mit einem Plan B an. 

Eine Planänderung kündigt sich an

Und so ist es auch diesmal. Da ich mich ja einer geführten Tour von PURETREKS angeschlossen habe, bekomme ich eine erste E-Mail von unserem Reiseleiter Jerome, in der er die Möglichkeit eines Plan B ankündigt. 

Die Alternative zu Island wäre in diesem Fall, dass wir nach Schweden fliegen, und uns zwei Wochen lang mit Ski und Pulka durch den winterlichen Sarek Nationalpark schlagen. 

Rumms! Der Sarek im Winter, genauer gesagt im Februar, das ist keine Urlaubstour als Ersatz, das steht mal fest. Kaum einer wird zu dieser Zeit in diesem Fjellgebiet unterwegs sein. Es ist einsam und wild dort, es gibt keine Hütten und markierten Wege. Und auch die Hütten, die am Rande des Parks als Ausgangspunkt dienen könnten, machen erst kurz vor unserer geplanten Reise auf. Aber es wäre eine würdige Alternative zu unserem eigentlichen Plan.

Alle Teilnehmer der Tour erklären sich bereit, bei diesem Plan B mitzuziehen, falls es mit Island nichts wird. Ich bin beeindruckt, hätte ich doch gedacht, dass der eine oder andere bei einer gebuchten Tour sofort enttäuscht von der Reise zurücktritt, sollte diese nicht so wie angekündigt stattfinden können. Aber nichts davon, das freut mich ungemein und spricht für alle meine Mitstreiter. Sehr gut!

Zwei weitere Wochen vergehen, es ändert sich nichts am unkonstanten und viel zu warmen Wetter. Eine Entscheidung kündigt sich an, viel länger können wir nicht warten, schließlich muss auch eine Alternativtour geplant und Flüge umgebucht werden. Und so kam es, dass ich am Donnerstag letzter Woche eine Nachricht von Jerome bekam: Wir fahren definitiv in den Sarek! Plan B kommt leider zum Tragen, unsere Winterdurchquerung des isländischen Hochlandes muss leider aus Ermangelung an Schnee ausfallen.

Die Enttäuschung weicht der Vorfreude 

Da sich diese Entscheidung schon länger abgezeichnet hatte, konnte ich schnell meinen Frieden mit dieser Entscheidung machen. Ich meine, Sarek statt Island – das ist jetzt nicht sooo schlecht! Der Anspruch der Tour ist mit Sicherheit vergleichbar. Man möge sich nur mal die Temperaturkurven im Sarek für den Winter anschauen. Es kann dort richtig zapfig kalt und herausfordernd werden, das Wetter uns richtig in den Hintern treten.

Also ist das bisherige Training nicht umsonst gewesen, der Winter erwartet uns nun also in Schweden. Ich freue mich total auf unser Abenteuer dort hoch im Norden, in Lappland. Bisher habe ich den Sarek nur kurz auf meiner Langtour 2013 gestriffen und damals ehrfurchtsvoll von Weitem betrachtet. 

Nun liegen die Wanderkarten vom Sarek vor mir und ich fange langsam an, meine Ausrüstung rauszusuchen. Am Donnerstag, den 23. Februar, werden wir dann den Flieger nach Stockholm nehmen, um von dort aus mit dem Nachtzug gen Norden aufzubrechen.

Eine wunderbare Wintertour wird uns erwarten, da bin ich mir sicher. Insgesamt neun Leute werden wir in unserer Gruppe sein, ein tolle Zeit liegt vor uns, dürfen wir doch mit dem Sarek eine Wildnis unter die Ski nehmen, wie es sie in Europa kaum ein weiteres Mal gibt.

Schauen wir nach vorn, nach Norden, Island läuft nicht weg, auch wenn die Vulkane derzeit mit einer stark erhöhten Aktivität anders tönen, irgendwann werde auch ich einmal dorthin reisen. Aber jetzt freue ich mich wie Bolle auf unser Abenteuer in Lappland!

Lange hat es gedauert, die Ostertour über den Jostedalsbreen zu verarbeiten und die passenden Worte dazu zu finden. Die Tour stimmt mich bis heute nachdenklich, hat sie doch schonungslos offen gelegt, wie schnell sich eine Wintertour in die falsche Richtung entwickeln kann. Der Einstieg zur Tour war ja bereits schwerer als gedacht, und auch der Aufstieg auf den Gletscher war nicht ohne, aber was danach kam, das konnten wir in dieser Form so nicht erwarten.

Klar ist, wir haben nicht alles zu 100% richtig gemacht, aber in den entscheidenden Situationen dennoch die Nerven behalten und den Umständen entsprechend gut gehandelt. Ich denke, wir haben unsere Lektion gelernt und die richtigen Schlüsse daraus für die nächste Wintertour gezogen. Wer sich nach draußen in die Natur begibt, der sollte stets gut vorbereitet sein, dass wurde mir auf dieser Tour mehr als je zuvor bewusst. Auf dem Papier klingt es manchmal einfacher und leichter, als es dann wirklich ist.

Theorie und Praxis sind mitunter zwei sehr verschiedene Paar Schuhe

Wenn man solche Reisen unternimmt um darüber zu berichten, dann ist das Resultat oft, dass der Leser hinterher im Blog, in den Social Media Kanälen oder in der Zeitschrift abgedruckt etwas sehr stark gefiltertes sieht. Der positive Eindruck überstrahlt alles, man gewinnt schnell den Eindruck, dass auf Tour alles nur Eitel-Sonnenschein war.

Und wenn dann vielleicht sogar etwas richtig schief läuft, dann hört man in der Regel gar nichts davon. Das ist ein Grund, warum viele Abenteurer erst nach einer geglückten Tour an die Öffentlichkeit gehen und über die Fehlschläge erst gar nicht berichten.

Aber wie soll man daraus ein realistisches Bild solcher Touren gewinnen? Wie kann ich so aus den „Fehlern“ der anderen lernen? Was muss ich beachten?

Nur mal so am Rande, mein Kumpel Martin ist professioneller Photograph und hatte nach der Tour nicht viel mehr als 20 Bilder auf der Speicherkarte, es waren unterwegs einfach andere Dinge wichtiger.

Auch, dass wir den Facebook Account von Bergans of Norway in Deutschland übernehmen durften und dies vorher groß angekündigt hatten, stellte sich während der Tour als undurchführbar heraus. Wir konnten nur von der An- und Abreise berichten, zwischendurch waren auch hier andere Dinge wichtiger bzw. es war überhaupt nicht möglich, auf einen der schönen Aussichtsberge rund um den Gletscher zu steigen, um euch „live“ mit Bildern von der Tour zu versorgen.

Es war eine ganz spezielle Tour, die ich vermutlich niemals vergessen werde. Und nicht, weil sie so besonders schön war, sondern weil ich mit der Intensität der Natur unterwegs für mich völliges Neuland betreten habe.

In diesem Sinne, viel Spaß beim Lesen!

Selten habe ich so ungläubiges Staunen erlebt. Ich zerre gerade einen Autoreifen an einem Seil befestigt durch den Herbstwald hinter mir her, die breite Spur im Laub ist mittlerweile bald 10 Kilometer lang. Und ausgerechnet nun treffe ich ausgerechnet auf einige Sonntagsspaziergänger. Sie blicken verwirrt in meine Richtung. Und ihr Blick verrät, was sie gerade denken: Was zur Hölle macht der Typ da gerade?

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Und ja, diesen Gedanken kenne ich nur zu gut, ich habe ihn ja selbst oft genug, wenn ich den Reifen aus dem Auto hebe, um mein Training zu starten. Aber warum das ganze eigentlich? Wieso um alles in der Welt macht man das? Die Antwort darauf ist eigentlich recht simpel und schnell gegeben: Die nächste Wintertour steht an! 

Als überwiegend vom Schreibtisch aus arbeitender Mensch mit wenig Zeit und ausgeprägtem Appetit auf leckeres Essen musste ich mich für die Svalbardtour natürlich zuallererst körperlich fit machen. Als erste Maßnahme beschloss ich, nur noch möglichst heiß zu duschen, um die Wärmereserven meines Körpers randvoll aufzufüllen. Dazu würde ich nur noch mit AXE Alaska duschen. Als J. dann mit FA Duschgel „extrem cool mit Gletschermineralien“ konterte, wusste ich, dass ich mein Training würde erheblich steigern müssen. Ich griff also fortan zu Duschgel von Adidas: „Ice Dive“ Zitat User Daddyoffive bei Outdoorseiten.net zur Vorbereitung auf eine Spitzbergen-Wintertour

Und um sich darauf adäquat vorzubereiten, gibt es kein effizienteres und vor allem realistischeres Training als besagte Autoreifen durch den Wald über Stock und Stein zu zerren. Die Reifen simulieren dabei ziemlich gut das Verhalten einer Pulka im Schnee. Je nach Untergrund lassen sich die Reifen gut ziehen oder sie verfangen sich in Wurzelwerk und sammeln alles Laub auf, was sich auf dem Weg findet. Ganz so wie im Winter der Schlitten, der mal besser und auch mal schlechter läuft. Zudem ist das Ruckeln der Reifen an der Zugleine vergleichbar mit dem Ziehen und Reißen des Pulkaschlittens unterwegs im Winter. Man gewöhnt sich so an den Bewegungsablauf und die Belastungen an Beinen, Armen und am Rumpf, die während einer Wintertour auftreten. Daher ist das sogenannte Dekktrening einfach ideal als Vorbereitung, wenn noch kein Schnee gefallen ist oder man so wie ich in einer Gegend wohnt, wo der Schnee immer nur auf einen kurzen Besuch vorbei kommt.

Ohne Schnee sucht man sich Alternativen

Aber fangen wir mal ganz von vorne an. Eine Tour im Winter ist immer etwas ganz besonderes, vor allem, wenn man im skandinavischen Fjell unterwegs sein möchte. So eine Tour bedeutet, dass man immer gut vorbereitet sein sollte. In allen Belangen. Die Ausrüstung sollte durchdacht und sicher sein, die Tourplanung viel ausführlicher als im Sommer. 

Zudem können einem widrige Bedingungen und tiefe Temperaturen schnell den Stecker ziehen, sich enorm auf die eigene Leistungsfähigkeit auswirken. Na klar, wenn es über Ostern zur Hauptwintertourenzeit auf der üblichen Route in die Hardangervidda geht, muss man sich nicht unbedingt so stark darauf vorbereiten, als wenn man im Januar durchs Børgefjell zieht oder das grönländische Inlandeis mit einer 100-Kilogramm-Pulka überqueren will.

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Wie auch immer, ich habe gemerkt, dass eine gute Vorbereitung einfach dazu gehört. Zum einen macht es wenig Spaß, wenn man sich körperlich immer am Limit bewegt oder den anderen Teammitgliedern hinterher läuft, nur weil Kraft und Kondition fehlen. Und zum anderen hat man durch eine gute Verfassung auch in schwierigen Situation immer noch Reserven, um vernünftig agieren zu können. Für mein Dafürhalten ist man mit einer gewissen Vorbereitung einfach sicherer im Winter unterwegs.

Eine gute Vorbereitung bringt #turglede

Insbesondere bei unserem Norge på langs Winterversuch habe ich teils schmerzlich gemerkt, wie wichtig es ist, gut vorbereitet in eine solche Tour zu starten. Klar, so eine Tour über drei oder vier Monate mit Etappen bis zu 55 Kilometern ist schon etwas anderes als zwei Wochen gemütlich Tagesdistanzen von vielleicht 15 Kilometer zu bewältigen. Aber das Gefühl ist jeweils gleich schlecht, wenn einem die Kraft und die Kondition ausgeht, man unkonzentriert wird und so den Spaß an der Tour verliert.

Daher versuche ich für Island eine umfangreichere Vorbereitung hinzulegen. Wenn man sich die Empfehlungen zur Vorbereitung von unserem Tourenanbieter Puretreks so ansieht, merkt man schon, dass diese Tour kein reines Zuckerschlecken wird:

Niveau 5 (von 5) = sehr anspruchsvoll

Diese Touren (meist im Expeditionsstil) erfordern große Ausdauer und Bereitschaft zu Anstrengung. Die Teilnehmer benötigen eine hervorragende Kondition, mentale Stärke sowie Durchhaltevermögen. Wandererfahrung und  Kenntnisse der jeweiligen erforderlichen Fortbewegungsart (z.B. Skilanglaufen).

Tägliche Gehzeit: 6-10 Stunden

Vorbereitung: Regelmäßiger intensiver Ausdauersport (3-4 Mal pro Woche). Zusätzlich ist eine spezifische Vorbereitung auf die Reise obligatorisch.

VORBEREITUNG AUF DIE REISE

Ein regelmäßiges Training, insbesondere der Ausdauer und der Kraft, ist für die Expeditionen unentbehrlich. Ausgiebige Vorbereitungswanderungen in den letzten Monaten vor Tourstart sind Pflicht. Für die Trans Island Ski-Expedition empfehlen wir ein mindestens 4-monatiges intensives Training mit „tyre-pulling“ im Wald zu Hause. Für diese Expedition ist eine Vorbereitungstour zum Test von Mensch und Material in Norwegen sinnvoll.

Ich gehe das ganz pragmatisch ohne großen Trainingsplan an und versuche das Training möglichst in meine normale Woche mit einzubauen. Da ich es überhaupt nicht mag, nur stumpf joggen zu gehen um Kondition zu bolzen, habe ich für mich eine gute Mischung aus verschiedenen Trainingsformen gefunden, mit der ich bis dato ganz gut zurecht komme. Im Grunde besteht die Vorbereitung für mich aus drei Komponenten:

Für die Grundkondition: klassisches Jogging – 2 bis 3 Mal wöchentlich jeweils ca. 1 bis 1,5 Stunden

Für die Stabilität und Kraft: NLX-Training (zu vergleichen mit Crossfit) – 2 Mal wöchentlich für jeweils ca. 1,5 Stunden

Für das Pulkaziehen: längeres Reifenziehen im Wald – 1 Mal wöchentlich für ca. 2 bis 3 Stunden

Bisher klappt es ganz gut, das Pensum einzuhalten. Um ein wenig effizienter zu Trainieren, kombiniere ich gerne auch das Jogging mit dem Stabilitätstraining, indem ich den Weg zum Training einfach laufend zurücklege. Konkret sieht eine Trainingswoche bei mir dann meist so aus:

Samstag: Reifentraining

Sonntag: Joggingrunde

Montag: Ruhetag

Dienstag: Joggingrunde und NLX

Mittwoch: Ruhetag oder Joggingrunde

Donnerstag: NLX Training

Freitag: Joggingrunde oder Ruhetag

Die Umfänge sind also nicht wahnsinnig groß, aber ich merke dabei relativ schnell einen Fortschritt. Insbesondere beim NLX und beim Reifenziehen kann ich das Pensum bzw. die Belastung zunehmend gut erhöhen. Beim Reifentraining haben sich die zwei Autoreifen bisher wirklich sehr gut bewährt. Ich lege dabei ungefähr eine Distanz von 12,5 Kilometern in 2,5 Stunden zurück. 

Das hört sich vielleicht nicht besonders viel an, aber das Laub auf den Wegen bremst teilweise enorm. Und auch wenn man einmal die breiten Forstwege verlässt um dann kleinere Rückepfade zu erklimmen, wird einem schnell die Effizienz des Trainings klar. Ich sage da nur, Qualität kommt von Qual. Was mir ganz besonders beim Reifentraining gefällt ist die Tatsache, dass einem während der Einheit die Belastung nicht unbedingt so hoch erscheint. Am Tag danach wird einem aber schnell klar, was es einem bringt. 

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Auch gefällt mir die Länge und Ruhe während des Trainings. Man ist lange an der frischen Luft und die Reifen bremsen so stark, dass man auch einfach nicht schneller machen kann. Eine gewisse Demut kehrt ein – und jeder, der schon einmal eine schwere Pulka im Winter bergauf durch den Tiefschnee gezogen hat, der wird dieses Gefühl kennen. Man muss mit Geduld, Beharrlichkeit und Ausdauer an die Sache heran gehen, dann schafft man es auch. Einen guten Beitrag zum Thema Dekktrening findet man auch beim norwegischen Polfahrer Børge Ousland, der Mann muss es schließlich wissen, wie man sich optimal auf fordernde Winterexpeditionen vorbereitet. Sein Buch „Ekspedisjonshåndboka“ kann ich zur allgemeinen Vorbereitung auch wärmstens empfehlen. 

Und hier seht ihr noch ein Video, wie das Training mit Autoreifen beim Schweizer Polarabenteurer  Thomas Ulrich aussieht:

Ich bin sehr gespannt, ob und wie sich diese Vorbereitung in Island bewähren wird. Mir jedenfalls geht es gut damit, man merkt, wie die Fitness langsam besser wird, man fühlt sich rasch stärker und besser. Schauen wir mal, was es am Ende bringt, aber eines ist schon jetzt klar, mir macht es viel Spaß mich auf diese Art vorzubereiten, und da fällt es dann einfach viel leichter, sich zum Training aufzuraffen!

Was braucht man fürs Dekktrening?

Meine Liste für die Trainingsreifen:

  • Pulka Zuggurt (z.B. Acapulka Expedition)
  • 4 Meter Reepschnur 4 oder 5 mm
  • 3 stabile Karabiner
  • 2 alte Autoreifen (z.B. 195/65 R15 oder 205/55 R16)
  • 1 Express-Set (vom Klettern, 2 Karabiner mit einer kurzen Schlinge verbunden)
  • 3 Ringschrauben M8
  • 6 Unterlegscheiben M8
  • 3 selbstsichernde Muttern M8pulkatraining4

Benötigtes Werkzeug: 

  • 8 mm Stahl- oder Holzbohrer samt Bohrmaschine oder Akkuschrauber (am besten ein schon abgenutzterer Bohrer, bei neuen Bohrern besteht die Gefahr, dass die Stahlfäden über der Karkasse des Reifens den Bohrer stumpf machen)
  • passender Schraubenschlüssel für die Muttern

Meine Ausrüstung beim Training:

Nicht erst seit der Fußball-Europameisterschaft in diesem Sommer interessiere ich mich für Island. Die Bilder, die ich von diesem kleinen Land im Norden vor Augen habe, sind einfach zu faszinierend. Schon lange steht eine Reise dorthin bei mir auf dem Zettel. Und nun gibt es großartige neue Pläne für den nächsten Winter! Es geht tatsächlich endlich für mich nach Island!

Willst du mit uns auf Tour nach Island kommen? Wir planen derzeit eine Winterdurchquerung von Nord nach Süd durchs Hochland dort für Februar / März 2017!

So oder so ähnlich sprachen mich Jerome Blösser und Martin Hülle auf der Outdoor Messe im Sommer an. Ich habe genau zwei Sekunden überlegt und ihnen direkt zugesagt. Wir saßen gerade bei einem Kaffee zusammen und sprachen über unsere Pläne für die Zukunft. Von Jerome hatte ich durch meinen Kumpel Martin schon viel gehört, er führt mit www.puretreks.de eine Agentur für Wanderungen, die äußerst spannende Touren rund um den Globus anbietet. Sein Spezialgebiet sind die Wüsten dieser Erde, egal ob Eis- oder Sandwüste. Zusammen mit Martin war er auch schon des Öfteren unterwegs, die beiden haben schon gemeinsam Grönland im Winter durchquert oder den nördlichen Kungsleden in der Polarnacht unter die Ski genommen. Und manchmal arbeitet Martin für ihn als Guide auf Wintertouren.

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Nun hatten die beiden eine wahrlich herausfordernde Tour für 2017 ausbaldowert, die sie 2013 schon einmal erfolgreich gemeistert haben: Eine geführte Winterdurchquerung des Isländischen Hochlands!

Diese Tour hat es in sich und kann insbesondere im Winter einige Herausforderungen und Überraschungen bereithalten. Von Schneestürmen über richtig mieses Wetter bis hin zu strahlendem Sonnenschein und purer Turglede ist dabei alles in der Lostrommel. Erst wenn man dort ist, wird man sehen, was einem die raue Natur Islands letztendlich anbieten wird.

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Der Plan sieht vor, nach Reykjavik zu fliegen, dort letzte Vorkehrungen zu treffen und dann nach Norden in den Küstenort Akureyri aufzubrechen. Von dort aus wird es in Richtung der Hochebene Öxnadalsheiði gehen, von wo aus wir dann mit Ski und Pulkaschlitten losziehen wollen. Es wird von nun an südwärts gen Vatnajökul gehen, dem größten Gletscher Europas. Wir wollen versuchen, diese Eiswüste zu überqueren und uns bis nach Süden zur Ringstraße durchzuschlagen. Dabei werden wir am Ende auf dem letzten Stück wohl unser gesamtes Gepäck über Schotterpisten schultern müssen. Aber wenn wir es bis dorthin gut schaffen werden, wird das hoffentlich auch kein großes Problem mehr sein. Wie so eine eindrucksvolle Tour aussehen kann, das könnt ihr euch gerne hier bei Jerome oder hier bei Martin angucken.

No pain, no gain – Vorbereitung muss sein

Neben reichlich Vorfreude schwingt auch eine Menge Respekt beim Gedanken an diese spektakuläre Tour mit. Das Wetter kann zu der Zeit dort richtig ungemütlich werden, die drei Tage auf dem Jostedalsbreen über Ostern dieses Jahres sollten uns Mahnung zur Vorsicht genug gewesen sein und auch die körperlichen Anstrengungen einer solchen Tour sollte man nicht außer Acht lassen. Daher habe ich mich jetzt voll ins Training gestürzt, ziehe unter den verdutzten Augen der Sonntagsspaziergänger meinen Autoreifen durch den Wald, gehe laufen und schwinge 2 Mal die Woche beim NLX-Training kräftig die Hämmer und Kettlebells. Und auch die Gebrauchsanweisung für Island liegt als Gute-Nacht-Lektüre bereits auf meinem Nachttisch.

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Im Dezember werden wir uns dann als Gruppe zu einem Vorbereitungsabend treffen. Ich bin schon sehr gespannt auf die anderen Teilnehmer, denn neben Jerome und Martin kenne ich von ihnen bisher niemanden. Zehn Leute werden wir alle zusammen sein, das wird für mich eine neue Erfahrung werden. Aber so wie ich unsere beiden erfahrenen Guides kennengelernt habe, wird uns eine richtig gute Zeit mit einer großen Portion Abenteuer erwarten. Alles mit Bedacht und Umsicht geplant und vor allem gut vorbereitet. Island kann kommen – ich kann es kaum noch erwarten, dass es endlich losgeht! Uuh!

Viel zu lange sitze ich schon auf meinen vier Buchstaben und hänge meinem immer größer werdenden Fernweh nach. Seit der Tour über den Jostedalsbreen zu Ostern, die ja nicht wirklich erholsam war, sitze ich oft am Schreibtisch, schreibe und plane und merke dabei, wie ich unbedingt wieder auf Tour gehen möchte.

Vor ein paar Tagen brachte ich dann auch noch meine Freundin zum Bahnhof, sie hat sich auf in den Norden gemacht, um den Nordkalottleden komplett allein zu laufen. Um die 800 km durch die wunderbarste Natur Lapplands – ich freu mich schon total, was sie von ihrem Abenteuer berichten wird, aber meinem Fernweh war das nicht unbedingt zuträglich. Ganz im Gegenteil …


Nun aber geht es auch bald endlich für mich wieder in den hohen Norden! Und die Vorfreude darauf ist einfach riesig, denn es hat sich per Zufall die Möglichkeit ergeben, dass ich einige wirklich großartige Highlights miteinander verbinden kann.

Zu Gast bei Børge Ousland

Am 24. August werde ich am Abend in den Flieger steigen, um über Kopenhagen und Trondheim nach Bodø zu reisen. Dort findet vom 25. bis 28. August das Camp Ousland von Helsport statt und ich darf mit von der Partie sein.

Worum geht es beim Camp Ousland? Nun, der Polarabenteurer Børge Ousland hat in der Nähe von Bodø auf der kleinen Insel Manshausen ein Feriencamp der ganz besonderen Art errichtet. Zusammen mit Helsport organisiert Børge nun diese Camp auf seiner Insel, bei dem ein richtig cooles Programm auf die Teinehmer wartet.

Man kann dort Hütten mieten und allerlei verschiedenen Freizeitaktivitäten nachgehen. Von Seekajaking, über Klettern und Meeresangeln bis hin zu spektakulären Wanderungen. Die Lage auf Höhe der Lofoten im Vestfjorden als Postkartenidylle zu bezeichnen, wäre eine maßlose Untertreibung.

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Muss ich dazu noch viel schreiben? © Helsport

Ich werde dort also das Wochenende verbringen, hoffentlich viele coole Leute treffen und vor allem, wenn alles gut geht, werde ich sogar einmal Børge Ousland die Hand schütteln dürfen.

Vermutlich werde ich kein Wort rausbekommen und mir in die Hosen machen, wenn der größte Polarabenteurer dieser Zeit dann vor mir steht. Das wird großartig werden! Auf dem Programm wird für mich auf jeden Fall eine richtig coole Wanderung sowie eine Seekajaktour stehen, die Vorfreude darauf ist wirklich riesen groß!

Trondheim und Dovre locken

Nach meinem Besuch im hohen Norden werde ich vermutlich südwärts nach Trondheim reisen. Dort möchte ich einmal in der Zentrale bei Helsport hinter die Kulissen schauen und mir Trondheim ansehen. Dort war ich bisher immer nur auf der Durchreise, daher wird das eine Premiere für mich werden, mir die Stadt um den Nidarosdom einmal genauer anzusehen.

Anschließend möchte ich ein paar Tage ins Fjell gehen, vermutlich wird es mich ins Dovrefjell zu den Moschusochsen verschlagen. Die Idee ist derzeit, einfach von Kongsvoll aus eine kleine Runde in Richtung der Reinsheim Hütte zu gehen um dort ein wenig Kraft und Ruhe zu tanken.

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Die Hauptstadt ruft mit Seekajaking, einem Vortrag und Fußball

Weiter geht es dann im Anschluss nach Oslo, wo ich meine gute Freundin Johanna treffen werde. Zusammen werden wir drei Tage lang die Hauptstadt unsicher machen.


Am Sonntagabend geht es für uns ins Ullevål-Stadion, wo wir uns das Fußballländerspiel Norwegen gegen Deutschland in der WM-Qualifikation ansehen werden. In den Tagen darauf werden wir uns durch Oslo treiben lassen und die Stadt unter anderem vom Seekajak aus unsicher machen. Wie geil ist das denn?

Zum Abschluss der Tage am Oslofjord darf ich am Dienstagabend dann einen Vortrag über meine Norge på langs Wanderung bei der hiesigen Deutsch-Norwegischen-Gesellschaft halten. Ein echtes Highlight als Nicht-Norweger einen Abend lang über eine sehr norwegische Wanderung erzählen zu dürfen.

Weiter geht es dann am Mittwoch für uns. Wir werden zusammen den Bus in Richtung Jotunheimen besteigen, wo dann das wunderschöne Eidsbugarden Hotel am Bygdin See im Herzen des Reiches der (Berg-) Riesen unser Ziel sein wird.

Turglede beim Fjellfilmfestival

Vom idyllischen Hotel aus werden wir die Wanderstiefel schnüren und uns zu Fuß auf in Richtung des Fjellfilmfestivals in Gjedensheim machen. Dort werden eingebettet in die wunderschöne Fjellumgebung Abends verschiedene Filme und Vorträge rund um das Thema Friluftsliv gezeigt. Zahlreiche bekannte Persönlichkeiten aus Norwegen werden hier vorbeischauen, um von ihren Abenteuern und Touren zu berichten.

Auch der Alfa-Eventyren Andreas Orset wird dort vor Ort sein, ich bin schon sehr gespannt darauf, was er von seinem „Arbeitsleben“ so zu berichten weiß. Und tagsüber? Da werden wir uns vermutlich einmal am weltberühmten Bessegen Grat versuchen, den habe ich nämlich bisher noch nicht gemacht und der steht schon lange auf meiner Norwegen to-do Liste.

Ein von @fjellfilm gepostetes Foto am


Nach dem Festival geht es dann wieder über Oslo zurück nach Deutschland. Obwohl, wenn ich mir das Programm dieser zweieinhalb Wochen so anschaue, vielleicht bleibe ich auch gleich direkt in Norwegen. Denn all diese wunderbaren Touren, Festivals und Erlebnisse, ich werde sie direkt vermissen, wenn ich hier wieder aus dem Flieger steigen werden und in den Alltag eintauchen muss. Aber bis dahin freue ich mich einfach wie ein Schnitzel auf die Zeit im Norden, die schon bald auf mich wartet!

Der Einstieg zu unserer Jostedalsbreen der Länge nach Tour war denkbar schlecht. Gleich zu Beginn erwarteten uns Herausforderungen, mit denen wir nicht unbedingt gerechnet hatten. Aber so ist das nun einmal, wir haben uns ja extra eine nicht ganz alltägliche und gewöhnliche Wintertour herausgesucht, dass das kein reines Zuckerschlecken werden würde, das stand von Anfang an fest.

Nach dem ersten Tag sind wir aber guter Dinge, es schaffen zu können, wenn nicht gleich direkt vor uns die nächste große Herausforderung liegen würde. Wer schon einmal mit einer sperrigen und störrischen Pulka in forderndem Gelände unterwegs war, der wird wissen, wie oft man dabei flucht und alles und jeden um sich herum verteufelt, wenn das vermaledeite Ding mal wieder nicht genau das macht, was man von ihm verlangt und erwartet.

Wir ziehen nun also nach den Strapazen des Vortags weiter in Richtung des Gletschers, um die eigentliche Überquerung zu versuchen. Wenn wir erst einmal oben auf dem ewigen Eis sind, dann wird schon alles gut werden.

Und so lest ihr hier den zweiten Teil unserer spannenden Jostedalsbreen på langs Tour!

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Wie gerne wäre ich jetzt im kühlen Norden! Ich sitze hier bei 36° C im Schatten am Schreibtisch und widme mich den Dingen, die in den letzten Tagen alle liegen geblieben sind. Meine Gedanken schweifen ab, vor meinem inneren Auge sitze ich gerade irgendwo in Lappland an einem kleinen See, meine Beine baumeln im kühlen Nass und ich fröne dem Müßiggang.

Am letzten Mittwoch war ich tatsächlich noch im hohen Norden, in Norwegen um es genauer zu sagen, denn ich durfte auf der Outdoor Show in Friedrichshafen zusammen mit meinem Kumpel Martin Hülle bei unserem gemeinsamen Partner Bergans of Norway einen Vortrag über unsere einzelnen und gemeinsamen Touren unter dem Motto „Turglede“ halten. Aber ganz der Reihe nach.

Bereits am Dienstagabend trudelte Martin mit dem Zug aus dem Bergischen Land kommend bei mir in Tübingen ein. Wir wollten uns am Vorabend der weltweiten Leitmesse rund um das Thema Outdoor und Draußensport bei mir treffen, um den Vortrag vorzubereiten und über vergangene und eventuell kommende Touren zu sprechen. Insbesondere über unsere wettertechnisch etwas missglückte Jostedalsbreen-Tour haben wir lange gesprochen, hatten wir doch beide nach unserer Rückkehr aus Norwegen bisher wenig Zeit, uns ausführlicher über diese Tour zu unterhalten.

Kontakte, Gespräche und ein Vortrag
Kontakte, Gespräche und ein Vortrag

Es war wirklich aufschlussreich und interessant, alles noch einmal zu rekapitulieren und einzelne Dinge zu diskutieren, die aus unser beider Sicht nicht so optimal gelaufen sind. Keine Sorge, es gab keinen Stress untereinander auf der Tour oder so etwas, aber einige Dinge hätten einfach besser laufen können und müssen, insbesondere bezüglich einiger Entscheidungen unterwegs, die wir beide bei der nächsten Tour ganz sicher anders treffen würden. So unterhielten wir uns lange bis in den Abend hinein und kamen beide zu den gleichen Schlüssen. Genau so muss das sein:  Immer konstruktiv und reflektiert, nur dadurch kommt man sicher voran, wenn man sich erfolgreich der winterlich rauen Natur des Nordens stellen möchte. Mehr dazu aber bald an anderer Stelle in der Fortsetzung des entsprechenden Reiseberichtes.

Auch kommende Pläne von uns beiden waren eine großes Thema an diesem Abend. Es war wirklich schön, sich über etwaige Abenteuer, die man eventuell in Zukunft auch wieder gemeinsam angehen möchte, auszutauschen. Auf den vergangenen gemeinsamen Touren haben wir jedenfalls stets sehr gut harmoniert, daher spricht nichts dagegen, dass eventuell auch in Zukunft bei der ein oder anderen Tour fortzuführen.

Die Zeit verging wie im Fluge, irgendwann war es schon spät und wir hatten uns immernoch nicht über unseren Vortrag unterhalten. Na okay, wir hatten ja auch noch am nächsten Morgen im Auto auf dem Weg nach Friedrichshafen ausreichend Zeit, dieses nachzuholen.

Das Outdoorbloggernetwork, einige Neuheiten und ganz viel Kaffee

Am nächsten Morgen auf der Messe angekommen, ging es auch gleich los ins Getümmel. Wir beide hatten für die nächsten beiden Tage zahlreiche Termine bei unseren jeweiligen Partnern vereinbart, um uns deren Neuheiten anzuschauen oder über  Touren und Projekte zu sprechen. Die Messe ist eine reine Fachmesse, das heißt, man kommt eigentlich nur als JournalistBlogger oder Händler in die Messehallen. Da kann es dann auch leicht passieren, dass man aus Versehen beinahe den Stefan Glowacz über den Haufen rennt oder Gerlinde Kaltenbrunner an einem der Stände gerade über ihre Gipfelabenteuer referiert.

Ein Messetag ist wie bereits erwähnt vollgestopft mit Terminen und Meetings, reichlich Smalltalk und vielfach geht es ehrlicherweise einfach auch ums Sehen und Gesehen werden. Networking wie man auf Neudeutsch gerne sagt. Daher werde ich jetzt nicht über jeden einzelenen Termin den ich hatte berichten, wie so etwas dann aber in etwa aussieht, das erzählt euch Geertje von der Nordicfamily in ihrem Blog.

Kurz vorstellen möchte ich aber dennoch ein Projekt, welches mir persönlich sehr am Herzen liegt und welches auch mit einem Stand auf der Messe vertreten war. Die Münchnerin Petra Thaller erkrankte im letzten Jahr plötzlich an Brustkrebs. Ihr erfolgreicher Kampf gegen diese heimtückische Krankheit sowie der offene Umgang damit haben mir sehr imponiert. Noch während der Behandlung hat sie das Projekt Outdoor against Cancer ins Leben gerufen, bei dem es darum geht, an Krebs erkrankten Menschen die Möglichkeit aufzuzeigen, sich durch Bewegung in der Natur ein verbessertes Körpergefühl und eine den Umständen entsprechende Fitness zu holen. Der positive Effekt von Outdoorsport auf die Gesundheit ist unbestritten und auch im Rahmen einer solchen Erkrankung können Bewegung und frische Luft in den Bergen und der Natur einen äußerst positiven Einfluss auf den Verlauf der Krankheit haben. Von daher unterstütze ich dieses Projekt sehr, sehr gerne und lege es auch jedem ans Herz, es mir gleich zu tun, denn uns alle kann der Krebs von heute auf morgen betreffen. Niemand ist davor gefeit, egal wie fit er sich fühlt oder ist.

#outdooragainstcancer #stayfitgethealthy #petrathaller

Ein von Outdoor against Cancer (@outdoor_against_cancer) gepostetes Foto am

Mein Blick nach Neuigkeiten und coolen Gadgets auf der Messe war leider wegen der vielen Termine und Gespräche etwas eingeschränkt, es blieb kaum Zeit, sich in Ruhe durch die Messehallen treiben zu lassen. Nur bei den Zelten konnte ich nicht widerstehen und warf mal einen Blick auf die Neuigkeiten von Helsport. Insgesamt bin ich bald schon ein ganzes Jahr mit Zelten aus Melhus unterwegs gewesen, da interessiert man sich ja schon dafür, was es dort demnächst Neues gibt. Und ich wurde nicht enttäuscht. Insbesondere zwei Zelte haben mich dabei vollauf begeistert und ich habe sie mir mal näher angesehen.

Zum einen das neue Helsport Ringstind Superlight 2, welches einfach über ein unglaublich gutes Verhältnis aus Platzangebot und niedrigem Gewicht verfügt. Es wiegt nur knapp ein Kilogramm und bietet das luxuriöse Raumangebot eines klassischen Ringstind Light Zeltes. Die 1er Version von dem Superlight-Zelt die es schon länger gibt, hat mich bisher nicht so recht überzeugt, aber hätte es diese 2er Superlight-Variante damals schon zu meiner Norge på langs Tour gegeben, ich hätte es nur allzugern mitgenommen!

Und zum anderen habe ich mir dann das neue Helsport Spitzbergen X-Trem ansehen können. Was für eine Trutzburg von einem Tunnelzelt für krasse Wintertouren! Riesig groß, extrem stabil und genau richtig für Touren im winterlichen Fjell! Ich bin schon sehr gespannt darauf, wie das fertige Serienmodell aussehen wird! Hier auf der Messe war noch ein Vorserienmodell ausgestellt, aber ich glaube, dieses Zelt wird sich hervorragend auf Wintertouren jeglicher Art machen. Vielleicht kann ich es ja selbst irgendwann einmal standesgemäß bei einer Wintertour auf Spitzbergen ausprobieren! Das wäre mal eine fette Tour! Man wird ja nochmal träumen dürfen, ich schweife schon wieder ab. Leider durfte man in der Zelthalle keine Fotos machen, daher gibt es zu den Zelten leider keine Bilder von mir. Aber ich würde sie eh viel lieber draußen auf Tour fotografieren!

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Eines der neuen Zelte von Helsport auf dem Messestand der Norweger

Was in diesem Jahr aber neben all den neuen Produkten wirklich spannend war, ist die Tatsache, dass es zum ersten Mal ein offizielles Bloggertreffen gab. Das Outdoorbloggernetwork, kurz OBN, hatte im Foyer eine wirklich coole Bloggerbase als Anlaufpunkt für alle Blogger geschaffen und es hatten sich weit über 100 Outdoorblogger akkreditiert. So gab es während der gesamten Messezeit immer einen festen Anlaufpunkt, an dem man sich mit Gleichgesinnten treffen und austauschen konnte. Auch wurden vom OBN verschiedene Messerundgänge und Vorträge zu relevanten Themen rund ums Bloggen organisiert. Einfach klasse, ich konnte so viele neue Gesichter treffen und alte Bekannte begrüßen. Eine wirklich rundherum gelungene Sache, die mir persönlich viel gebracht hat. Aber auch den anderen Bloggern hat es glaube ich sehr gut gefallen, sich so auf dieser gemeinsamen Plattform austauschen zu können.

Thanks to @ulligunde and @obn for the inspiring talk at #OutdoorFN #itsgreatoutthere

Ein von Simon Michalowicz (@simonpatur) gepostetes Foto am

Besonders hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang auch den Vortrag von Erika oder vielleicht besser bekannt als Ulligunde am Donnerstagmorgen rund um das Thema Bloggen und die Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern aus der Industrie. Mir hat es sehr gefallen, was Erika dort zu berichten wusste und wie sie an das Thema herangeht. Wer sich ihren hervorragende Vortrag einmal komplett anhören möchte, dem empfehle ich den Podcast vom Bloggerkollegen Robert aka Vitamin Berge. Interessanterweise saß während des besagten Vortrags neben mir mein Ansprechpartner eines meiner skandinavischen Ausrüster, schauen wir mal, was die Zukunft bringen wird, aber ich glaube, die Blogger- und Presselandschaft wird sich in den nächsten Jahren ziemlich verändern, wir haben uns jedenfalls anschließend sehr offen und angeregt über den Vortrag unterhalten.

Ein Vortrag über #turglede in Norwegen

Am frühen Mittwochabend war es dann aber auch für Martin und mich soweit. Unsere Bühne auf dem Bergans of Norway Messestand war zwar etwas kleiner als bei Erika, aber das Ambiente war dafür richtig scjön Norwegisch. Man hatte sich richtig ins Zeug gelegt und es gab passend zu unserem Vortrag Pølse i lompe med ketsjup og sennep sowie brød med brunost direkt aus Norwegen importiert. Vor uns lümmelte auf einem gemütlichen Sofa erwartungsvoll die komplette Design-Abteilung aus Hokksund und wir entdeckten im Publikum zahlreiche bekannte Gesichter, die Aufregung stieg. Und dann ging es auch schon los, man drückte mir ein Mikrophon in die Hand und auf den vier großen Monitoren hinter mir sah ich mich durch Norwegen wandern. Kurz musste ich mich daran erinnern, dass ich diesen kurzen Vortrag von insgesamt vielleicht 45 Minuten auf Englisch halten sollte. Eine Weltpremiere für mich, aber auch das gelang auf Anhieb und ohne Probleme. Nur mein Fernweh beim Anblick der Bilder wuchs wieder in beachtliche Höhen.

Immer mehr Zuhörer strömten nun auf den Messestand, und ich glaube es lag nicht nur am Buffet. Als ich das Mikro an Martin übergab, konnte ich mehr als nur zufriedene Gesichter entdecken. Alle lachten, hatten Spaß und vergaßen vor lauter Fernweh zwischendurch sogar ihre Kaltgetränke. Nach dem langen Messetag gelang es uns mit dem Vortrag, die Leute abzuholen und in unsere Welt zu entführen. Wie unpassend der ganze „Kirmestrubel“ mit lauter „Bummsmusik“ auf den anderen Messeständen um uns herum zu den Bildern war, es wurde mir erst jetzt richtig bewusst. Draußen in der ruhigen Natur ist es doch so viel schöner, ich fühle mich dort irgendwie deutlich wohler!

© Thomas Rathay / http://outdoor-hoch-genuss.de
#Turglede bei Bergans of Norway © Thomas Rathay / http://outdoor-hoch-genuss.de

Die Zeit verging wie im Fluge und zum Abschluss berichteten wir beide im Wechsel von unserem gemeinsamen spätherbstlichen Abenteuer im Oktober letzten Jahres, als wir zusammen mit unserem Kumpel Chris den Hardangerjøkulen umrundeten. Die zufriedenen Gesichter während und nach dem Vortrag waren einen tolle Bestätigung für das, was wir beide in der Vergangenheit bereits erlebt haben. Einfach schön, eine solche Bestätigung zu bekommen. Nach dem Vortrag liefen noch eine ganze Weile unsere Bilder in Dauerschleifen über dei Bildschirme und wir mussten noch einige Fragen beantworten, bevor wir uns noch eines der letzten Brote mit dem leckeren Braunkäse schnappen konnten.

Den erfolgreichen Abend ließen wir dann bei unseren norwegischen Freunden von Helsport mit einem gemeinsamen Abendessen in einem gemütlichen Landgasthof ausklingen. Da wurde dann noch lange Abenteur-Seemansgarn ausgetauscht und viel gelacht. Es saß sogar jemand mit am Tisch, der bereits im Winter zum Nord- und Südpol gelaufen ist. Leider nicht Borge Ousland, aber wer weiß, irgendwann darf ich dem vielleicht auch mal die Hand schütteln.

Geht raus und erzählt darüber

Der Donnerstag verlief ähnlich wie schon der Mittwoch mit Terminhatz, zahlreichen Gesprächen und ganz viel Kaffee. Es war wirklich aufschlussreich sich mit all den Leuten auf der Messe auszutauschen. Es wurden eventuelle neue Abenteuer auf ihre Machbarkeit und entsprechende Unterstützung hin diskutiert und alle fragten uns, was kommt als nächstes Projekt? Worüber schreibt ihr demnächst? Wird es ein neues Buch geben? Wie sieht die Zukunft aus? Viele, viele spannende Fragen, alle schlugen aber in dieselbe Kerbe: Geht raus und bringt uns neue Geschichten mit! Nehmt uns mit auf eure Reisen und lasst uns vom Sofa daheim an euren Abenteuern teilhaben! Gebt uns guten Content!

„Sehr gerne! Sofort!“ – so war meine bzw. unsere einhellige Antwort ein ums andere Male wie aus der Pistole geschossen. Nur zu gern! Aber hei, ich muss zwischendurch auch mal arbeiten und mir meine Butter im Real Turmat verdienen. Und hier schließt sich dann wieder der Kreis zur Ulligunde. Die Quadratur des Kreises ist auch für mich an dieser Stelle eine ziemliche Gratwanderung geworden und wirklich schwer. Gerne würde ich mehr auf Tour gehen, darüber schreiben und berichten, aber die Rahmenbedingungen müssen dafür einfach stimmen.

Das Reisen und insbesondere größere Abenteuer im hohen Norden sind oftmals nicht gerade leicht und günstig zu bewerkstelligen, da braucht man zuverlässige und im besten Falle auch langjährige Partner an seiner Seite, die einen dabei unterstützen, an einen glauben und einem auch einmal gewisse Freiheiten ermöglichen, um den Schreibtisch öfters gegen Fjell og Vidde einzutauschen. Aber ich glaube die Saat ist ausgebracht, nun müssen wir alle sie hegen und pflegen, damit wir gemeinsam noch viele Touren machen und darüber berichten können!

Ich jedenfalls habe nach der Messe mehr denn je richtig Bock auf neue, spannende Abenteuer! Denn darum geht es uns ja in erster Linie: Wir wollen alle mit Freude und Freunden draußen in der Natur unterwegs sein – ut på tur, aldri sur!

In letzter Zeit bekomme ich immer wieder E-Mails von Leuten, die gerne nach Norwegen zum Wandern möchten. Viele wollen das erste Mal das Friluftsliv und die Natur des Nordens erleben, sie haben zahlreiche Fragen, insbesondere wenn sie alleine auf Tour gehen wollen.

Eine Trekkingtour sollte immer gut geplant sein und nicht einfach aus dem Bauch heraus gemacht werden. Es gibt viele Tricks und Kniffe, die man mit der Zeit auf Tour für sich herausfindet. Erfahrung ist das Wichtigste, was man unterwegs braucht. Am Anfang macht jeder Fehler, ganz sicher, doch man sollte stets gut vorbereitet losziehen und sich mit allen Eventualitäten vorher vertraut gemacht haben.

Nach und nach verbessert man dann sich und seine Fähigkeiten, wird sicherer im Umgang mit schwierigen Situationen. Aber auch Erfahrung schützt vor guter Vorbereitung nicht, selbst erfahrene Leute machen Fehler, aber im Umgang mit diesen haben sie dann in der Regel die Ruhe weg und wissen sich so schnell wieder zu helfen. Daher, zieht los, macht auch kleine Fehler, aber zieht die richtigen Schlüsse daraus.

Wenn man dann noch alleine unterwegs ist, sollte man besondere Vorsicht walten lassen. Eine Solotour ist immer etwas besonderes. Man ist voll und ganz auf sich und seine Fähigkeiten gestellt, es ist niemand da, der einem in einer Notlage helfen kann. Auch gibt einem niemand, wenn man Solo unterwegs ist, einen guten Ratschlag und alle Entscheidungen müssen von einem selbst ohne Rückversicherung oder Diskussion getroffen werden.

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Auch ist eine gute Planung stets der Schlüssel zum Erfolg und einer sicheren Tour. Wenn man vernünftig plant, lassen sich viele Gefahren im Vorhinein schon minimieren oder auschließen. Wer denkt, dass ein Abenteuer erst dann beginnt, wenn die Planung aufhöhrt, der irrt gewaltig! Diesen Leichtsinn und diese Naivität finde ich ehrlich gesagt ziemlich fahrlässig. Wer sich in die Natur des Nordens begibt, der sollte sich immer gut vorbereiten und niemals, ich wiederhole mich gern, niemals blauäugig einfach mal so losziehen!

Was erwartet mich überhaupt auf einer Solotour?

Neben der physischen und psychischen Vorbereitung wie Training oder Auseinandersetzung mit dem Alleinsein, gehört für mich persönlich auch die Notfallvorsorge zu einer guten Planung dazu. Generell sei gesagt, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss, wie er sich auf Notfälle vorbereitet, dieser Beitrag hier kann also daher nur eine Anregung sein, wie man es machen kann.

Selbst wenn man sich gut trainiert und mental vorbereitet für eine Solo-Tour fühlt, rücken auch noch andere Dinge vor dem Beginn der Tour in den Fokus. Dabei möchte ich besonders auf die Aspekte eingehen, die manchmal aber einfach etwas unbeachtet nach dem Motto „Wird schon gutgehen!“ auf der Strecke bleiben.

Die neuen Fjellvettreglene

Wenn man draußen in der Natur unterwegs ist, ganz egal ob allein oder in der Gruppe, sollte man sich stets im Klaren darüber sein, dass immer etwas passieren kann. Das soll einen keinesfalls davon abhalten, alleine raus auf Tour zu gehen, man sollte nur so gut wie möglich vorbereitet sein.

Es gibt einfache Regeln von Wandervereinigungen wie dem DAV oder dem beliebten norwegischen Turistforening DNT, die einem dabei als Richtschnur dienen sollen.

Im Zeitalter der Handy-Apps und High-Tech Ausrüstung werden diese Regeln von manchen Leute als etwas angestaubt oder „Old-School“ abgetan, sie haben sich aber über Jahrzehnte hinweg bewährt. Moderne Ausrüstung und eine Handy App können niemals die auf Tour erlangten Fähigkeiten ersetzen. Niemals.

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Wenn man sich an die Regeln und Tipps hält, ist man immer sicherer unterwegs (den Punkt „gehe nicht allein“ ersetzen wir hier durch eine umfangreiche Notfallvorsorge).

An dieser Stelle möchte ich die norwegischen Fjellvettreglene vorstellen. Sie wurden 1967 vom DNT und dem Roten Kreuz eingeführt, nachdem an Ostern im Jahre 1967 insgesamt 18 Menschen im winterlichen Fjell umkamen. Im Jahre 2016 wurden sie überarbeitet und angepasst, so dass sie noch verständlicher für alle geworden sind.

#1 Plane deine Tour sorgfältig und sage Bescheid, Wohn du gehst

#2 Passe deine Tour deinen Fähigkeiten und den Bedingungen an

#3 Berücksichtige die Wetter- und Lawinenvorhersage.

#4 Sei gegen schlechtes und kaltes Wetter gewappnet, selbst auf kurzen Touren.

#5 Nimm die notwendige Ausrüstung mit, um dir selbst und anderen helfen zu können.

#6 Wähle einen sicheren Weg. Erkenne lawinengefährdetes Gelände und unsicheres Eis.

#7 Gebrauche Karte und Kompass. Kenne jederzeit deine Position.

#8 Kehre rechtzeitig um – umzukehren ist keine Schande.

#9 Schone Deine Kräfte und suche Schutz, wenn es nötig ist.

Welche Technik kann mich dabei unterstützen?

Ich schreibe hier ganz bewusst von meiner eigenen ganz persönlichen Herangehensweise, die sich bereits auf sehr langen Touren über Monate hinweg oder auch auf kürzeren Wanderungen über Wochen für mich sehr gut bewährt hat. Das muss aber nicht für jeden die richtige Strategie sein, jeder muss für sich den Weg finden, mit dem er sich am sichersten fühlt.

Bevor ich alleine auf Touren gegangen bin, habe ich mir viele Gedanken darüber gemacht, was mir dabei alles passieren kann. Oft ist man auf Touren im Norden fernab von der Zivilisation unterwegs – ergo gibt es selbst in Norwegen oft keinen verlässlichen Handyempfang. Schon der Gedanke, mit einem entzündeten Blinddarm drei Tage von der nächsten Straße oder dem nächsten Ort entfernt allein im Zelt oder in einer Hütte zu sitzen, behagte mir nicht. Es gibt die Geschichte von einem NPL Wanderer im Winter, der sich das Bein gebrochen hatte und nur per Zufall gefunden wurde, da er abseits aller normalen Routen ohne Sender auf einer Hütte festsaß.

So erkundigte ich mich nach einem sogenannten Notfallsender, mit dem ich auch dann noch Hilfe rufen kann, wenn das Handy keinen Empfang mehr hat. Nach Unfällen, bei denen ich noch bei Bewusstsein bin und mich in mein Zelt, eine Biwakmöglichkeit oder eine Hütte retten kann, sind diese Sender für mich einfach die beste Möglichkeit, eine Rettung einzuleiten.

Was ist ein Notfallsender?

Meine Wahl fiel dabei auf den SPOT Messenger, der über das weltweite Globalstar Satellitennetz kommuniziert. Dieser Sender muss unter findmespot.com registriert werden, erst dann kann man einen umfangreichen Service nutzen.

Es gibt als Notfallender auch noch sogenannte PLBs (Personal Location Beacon) die ursprünglich aus der Seefahrt stammen, diese funktionieren auf der Basis von Notfallfunkfrequenzen aus der Luftfahrt. Für mich kamen sie auf der langen Wanderung aber nicht in Frage, da man mit ihnen nur im Notfall seine Positionen durchgeben kann. Wenn man jeden Tag seine Position übermitteln will ohne sofort eine Rettung auszulösen, der kommt am SPOT nicht vorbei. Das Für und Wider von SPOT oder PLB wird ja zum Beispiel auch schon an anderer Stelle ausführlich behandelt, daher will ich darauf hier nicht auch noch extra eingehen.

Mit dem handygroßen SPOT-Sender kann ich im Fall der Fälle Hilfe über einen speziell gesicherten Notfallknopf rufen. Diese wird dann über die internationale GEOS Notrufzentrale eingeleitet und organisiert, sie alarmiert dann weltweit lokale Rettungskräfte. Parallel werden auch noch zwei Vertraute, die man vorher festlegt, per Telefon benachrichtigt. Diese können dann den Rettungskräften für eventuelle Rückfragen zur Verfügung stehen. Auch kann man hinterlegen, ob man Vorerkrankungen hat oder bestimmte Medikamente wie Insulin benötigt.

Zudem bietet der SPOT die Möglichkeit, dass man wann immer man es will, seine aktuelle Position übermitteln kann. Der Sender verfügt über einen sogenannten „OK“-Knopf. Drückt man diesen, wird die derzeitige Position an eine vorher definierte Personengruppe gesandt. Über ein Webformular lassen sich bis zu zehn Leute festlegen, die diese Koordinaten dann per E-Mail oder SMS geschickt bekommen. Auch ist es möglich, die Koordinaten direkt über einen Twitter oder facebook Account sowie auf der eigenen Homepage zu veröffentlichen. Ich finde das ziemlich praktisch, so wissen die Leute daheim immer, wo man gerade steckt.

Der Sender verfügt auch über eine Trackingfunktion. Das heißt, man legt vorher einen Zeitintervall fest, in dem der SPOT dann automatisch die aktuelle Position übermittelt, sobald diese Funktion aktiviert ist.

All diese Funktionen und Services lassen sich jederzeit individuell online über das praktische Webformular ändern und anpassen. Man kann darüber hinaus je nach Tour unterschiedliche Profile anlegen, so werden immer die richtigen Leute daheim benachrichtigt.

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Einige mögen jetzt eventuell einwenden, dass sie mit solch einem Notfallsender im Gepäck nicht das ultimative Freiheitsgefühl erleben können. Diesen Einwand kann ich überhaupt nicht nachvollziehen und möchte ich auch entschieden entgegentreten, da diese vermeintliche Nabelschnur nur in eine Richtung funktioniert. Man hat keinerlei Möglichkeit, per SPOT Notfallsender von daheim per E-Mail, SMS oder Anrufen kontaktiert zu werden. Und jeder, der schon einmal zum Beispiel einen Bänderriss im Knie hatte, wird froh darüber sein, wenn er im Notfall nicht noch drei Tage lang mit einem schweren Trekkingrucksack durch die Wildnis kriechen muss, sondern direkt Hilfe rufen kann. Daher ist die Investition in einen Notfallsender wie dem SPOT ohne Widerspruch jeden Euro wert, jede Wette!

So richtig zu beachten gibt es beim SPOT eigentlich nur zwei Dinge: Zum einen nutzt der Sender herkömmliche Lithium-Ionen Batterien oder Akkus, diese sollte man vor jeder Tour ersetzen, überprüfen und auch Ersatz mit auf Tour nehmen. Im Notfall noch die Batterien zu wechseln zu müssen, sollte einem auf gar keine Fall passieren! Je nachdem wie häufig ich die Trackingfunktion nutze, können die Batterien oder Akkus natürlich eher entladen sein. Übermittle ich nur jeden Tag einmal meinen Standort, reicht ein Satz Batterien aber bis zu einem Jahr.

Zum anderen funktioniert der SPOT über Satelliten. Diese decken aber nicht alle Gebiete auf der Erde zu einhundert Prozent ab. Wenn man also eine Solodurchquerung des grönländischen Inlandeises plant oder in Zentralafrika unterwegs sein möchte, sollte man sich vorher die Internetseite von SPOT ansehen, die einem die genaue weltweite Abdeckung zeigt.

Das Handy – nicht immer eine Hilfe

Ganz ohne Zweifel können moderne Smartphones auf Reisen eine großartige Hilfe sein. Man kann mit diversen Apps bequem Zugabfahrten checken, ein Hostel buchen oder den Wetterbericht überprüfen. Insbesondere in Norwegen gibt es zahlreiche Apps, die einem unterwegs sehr nützlich sein können.

In der abgeschiedenen Wildnis würde ich allerdings weder ein modernes Smartphone noch ein einfaches Uralt-Handy als Sicherheitsreserve einplanen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schnell sich ein Handyakku entleeren kann, wenn der nächste Handymast entweder sehr weit entfernt ist oder das Telefon ständig nach einer Verbindung sucht. Das kostet ruckzug die gesamte Akkuleistung.

Zudem kennt beinahe jeder das Problem, dass sich gerade bei Kälte Akkus sehr schnell entladen. Auch können Schäden durch Kälte, Feuchtigkeit oder mechanische Zerstörung – sprich Herunterfallen etc. – auch bei einfachen oder gut geschützten Geräten ohne weiteres ganz schnell auftreten.

Sehr, sehr wichtig finde ich, dass man daheim einem Freund, der Familie oder wem auch immer mitteilt, wohin man geht und welche Route man dabei zu gehen plant. Insbesondere wenn man abseits des markierten Wegs unterwegs sein will, ist dies eine zusätzliche unabdingbare Absicherung für den Notfall. Es gab in der jüngeren Vergangenheit den Fall eines vermissten Wanderers, der in Norwegen bis heute verschollen ist. Er hatte seine Route niemandem mitgeteilt, die Suche nach ihm musste ergebnislos abgebrochen werden. Bis heute weiß man nicht, was aus ihm geworden ist.

Man sollte sich auch immer in jeder Hütte oder Unterkunft in das ausliegende Hüttenbuch eintragen und angeben, wohin man als nächstes zu gehen gedenkt.

Und was kann ich noch für den Ernstfall vorbereiten?

Eine Sache, die viele Leute nicht auf dem Schirm haben – oder auch nicht haben wollen – sind Verfügungen, Vollmachten und Regelungen für den Notfall. Wenn doch einmal etwas Ernstes passiert, dann kann es ohne solche Vollmachten und (Patienten-) Verfügungen selbst für nächste Angehörige schnell schwierig werden, zum Beispiel in Krankenhäusern im Ausland eine Auskunft zum Gesundheitsstand zu erhalten oder auch einen Rücktransport zu organisieren.

Auch ein Thema, auf das nun wirklich niemand Lust hat, sollte so finde ich, durchaus Beachtung finden: Wie möchte ich im Todesfall beerdigt werden?

Das ist ganz schön harter Tobak als Vorbereitung auf eine Solotour, das gebe ich gerne zu, aber man sollte dieses Thema nicht auf die leichte Schulter nehmen, wenn es einen alleine in die Wildnis zieht. Wenn es mich doch einmal treffen sollte, möchte ich persönlich  meinen Leuten daheim doch gerne, neben der Trauer und dem Verlust, die nervige Rennereien und Entscheidungen über das Beerdigungs-Prozedere ersparen.

Unabhängig von einer solchen Tour ist dies in meinen Augen eine gute Sache. Hat man diese Vorkehrungen erst einmal getroffen beziehungsweise besprochen, kann man sie bei einem Vertrauten sicher hinterlegen und hat das so für eine ganze Weile und nicht nur für die nächste Tour geregelt.

Was gehört noch in den Rucksack?

Selbstverständlich sind für mich immer möglichst auffällige Kleidung in Signalfarbe. Ein sorgfältig zusammengestelltes Erste-Hilfe-Set gehört für mich ebenso zur Grundausstattung. Hier sollt man sich auf jeden Fall von seinem Hausarzt und einem Apotheker beraten lassen. Ich selbst habe schon ein 500 g schweres Set 3000 km durch ganz Norwegen getragen, ohne es großartig zu benutzen, aber ich wäre stets auf alles mögliche vorbereitet gewesen.

Ein weiterer Aspekt ist, dass man sollte immer die passende Ausrüstung für die entsprechende Wandergegend und das zu erwartende Wetter auswählen sollte. Was nützt es mir, wenn ich ein paar Euro spare und mich dann plötzlich mit einem unterdimensionierten Schlafsack in einem sommerlichen Wintereinbruch wiederfinde?

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Auf jeden Fall geht man auf Solo-Touren auch Risiken ein, aber nur die, die man nach seiner eigenen Meinung und seinem eigenen Erfahrungsstand einzugehen bereit ist. Ist man sich unsicher, einen Fluss zu queren oder ein Schneefeld zu traversieren, sollte man es nicht machen.

I may say that this is the greatest factor — the way in which the expedition is equipped — the way in which every difficulty is foreseen, and precautions taken for meeting or avoiding it. Victory awaits him who has everything in order — luck, people call it. Defeat is certain for him who has neglected to take the necessary precautions in time; this is called bad luck. (Roald Amundsen)

Das Allerwichtigste ist aber, sich die Demut vor der Natur zu bewahren. Gerade die Route zu ändern oder umzukehren, mag im Moment der Entscheidung sehr bitter oder ärgerlich sein, aber man möchte nicht wegen einer Tour ernsthaft sein Leben gefährden.

Dies alles ist meine ganz persönliche Herangehensweise an (Solo-) Touren. Ob sie übertrieben oder gerade recht sind ist, das muss am Ende jeder für sich selbst entscheiden. Meine Art muss nicht für jedermann passend sein, aber vielleicht kann ich einige Anstöße liefern, wie man die nächste Tour in der Wildnis mit möglichst viel Freude an der Natur genießen kann und man dennoch optimal für den Ernstfall gewappnet ist, der hoffentlich nie eintritt.

TURGLEDE

#Turglede in Norwegen – darüber darf ich zusammen mit Martin Hülle auf der Outdoor Messe in Friedrichshafen bei unserem gemeinsamen Partner Bergans of Norway berichten. Am frühen Mittwochabend um 18 Uhr auf dem Messestand der Skandinavier aus dem norwegischen Hokksund (Halle A5, Stand 301 im Scandinavian Village) werde zuerst ich von meiner 140-tägigen Norge på langs Wanderung berichten.

Im Anschluss wird Martin übernehmen und von seiner  Wintertour auf Spitzbergen und von Familienwanderungen in Norwegen erzählen. Zum Abschluss schildern wir gemeinsam, wie wir zusammen in Norwegen ein spätherbstliches Abenteuer bei einer Überquerung des Hardangerjøkulen Gletschers erlebt haben.

Wer Lust hat und auf der Messe sein wird (die Messe ist „leider“ eine reine Fachmesse, die Erfahrung zeigt aber, dass immer viele Blogger und auch normale Leute da sein werden, die sich Karten organisiert haben 😉 ), ist herzlich dazu eingeladen, uns am nächsten Mittwoch bei Bergans of Norway zu treffen und uns auf unseren Reisen in den wunderschönen Norden zu begleiten.

TURGLEDE2

Ihr wolltet doch nach Grönland, oder? Und dann seit ihr doch nach Norwegen gefahren? Tja, das stimmt. Eigentlich sollte es über Ostern für mich und drei Freunde nach Grönland gehen. Eigentlich. Alles war vorbereitet, die Ausrüstung besorgt, Flüge und Unterkünfte gebucht, aber am Ende kam alles ganz anders als gedacht, erhofft und auch geplant. Wieso, weshalb, warum – das möchte ich euch in der nächsten Zeit erzählen.

Auch was uns dann schlussendlich in Norwegen erwartet hat und warum wir trotz einer geglückten Überschreitung des größten Festlandgletschers Europas am Ende doch ziemlich nachdenklich gestimmt waren, davon werde ich ausführlich berichten. Wir haben eine Tour erlebt, die noch lange nachhallen wird und die meine Sinne und meine persönliche Risikowahrnehmung neu geeicht hat.

Aber lest selbst, hier kommt der erste Teil meines Reiseberichts zum Jostedalsbreen på langs!

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