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Simon

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Da stehe ich wieder, wieder in einer Gruppe aufgeregter Leute mit bepackten Gravel Bikes. Warum zur Hölle bin ich hier in Tolga, mitten im norwegischen Nirgendwo? Erneut an der Startlinie eines Ultracycling Events mit über 1100 Kilometern und bald 20.000 Höhenmetern im Anstieg. Warum?

Ein Jahr zuvor stand ich an einem lauwarmen August-Abend in einem Park in Lillehammer, komplett zerstört und glückselig, verschwitzt und fertig von gut 1000 Kilometern auf dem Gravel Bike nach meinem ersten Ultracycling Event, dem Mother North. Ein eiskaltes Bier nach dem anderen wurde zusammen mit den anderen Finstern und Supportern im Ziel gelehrt und ich habe mir geschworen, dass ich das nie wieder machen möchte, zu überwältigend anstrengend auf allen Ebenen waren die Tage zuvor für mich. Habe das jetzt einmal gemacht, wollte immer mal ein Ultracycling Event finishen, been there, done that, es reicht für mich.

Allerdings weit nach Mitternacht saß ich mit Stefan auf dem Campingplatz in Lillehammer zusammen, immer noch nicht geduscht, aber langsam auch beim Bier deutlich fortgeschritten kam dann ein Gedanke. Stefan hatte ich unterwegs getroffen, wir hatten ungefähr das selbe Tempo und der Vibe passte, so dass wir die nächsten Tage zusammen fuhren.

Leider musste er am letzten Tag scratchen, also aufgeben, weil seine Bremsen kaputt waren. Bis dahin lief alles super und wir wären gerne zusammen ins Ziel gerollt, er hätte es ganz sicher geschafft. Ich fand, er braucht auch so eine Finisher-Medaille, also gaben wir uns hier und jetzt die Hand darauf, im nächsten Jahr zusammen beim Bright Midnight, einem anderen Ultracycling Event in Norwegen zu starten. So viel zum Thema once-in-a-lifetime. Und so kam es dann auch, die Kopfschmerzen vom Bier gingen, die Startplätze fürs Bright Midnight wurden gebucht. Da hatte sich also den Salat.

Nach der Anmeldung stand also wieder Training auf dem Programm, und auch an der Ausrüstung wollte ich etwas feilen, das war die Erfahrung des ersten Ultra Events echt gold wert. Da Radfahren hier in Norwegen im Winter schlecht möglich ist, ging es auf der Rollen und mit Langlaufen durch die kalte Jahreszeit. Ab April war es dann auch wieder möglich, das Rad draussen zu benutzen. Erste Standortbestimmungen waren dann längere Fahrten im Mai und Juni hier in der Gegend, zum Teil auch schon auf der Strecke des Bright Midnight, da einige Abschnitte nicht weit weg von meinem zu Hause verlaufen. Nach diesen beiden fordernden Touren wuchs das Vertrauen in die eigene Fitness deutlich.

 

 
 
 
 
 
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Ich hatte mich gegen strukturiertes Training entschieden, das Pendeln mit dem Rad zur Arbeit mit vielen Höhenmetern und längere Ausfahrten am Wochenende mit reichlich Höhenmetern würden es schon richten.

 

 
 
 
 
 
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Gut zwei Wochen vor dem Start des Events wird mir dann bewusst, was Justinas, der das Event organisiert, meint wenn er davon spricht, dass das größte Hindernis beim Bright Midnight ist, nach Tolga an die Startlinie zu gelangen. Selbst wenn man so wie ich in Norwegen und Luftlinie gar nicht mal so weit weg von Tolga wohnt, dann ist die Anreise in norwegische Provinz vor allem mit öffentlichem Personenverkehr mitunter echt kompliziert, zumindest dann, wenn man nicht einen ganzen Tag für die gut 350 Kilometer benötigen möchte. Die Reisegeschwindigkeit in Norwegen lehrt einen mitunter Demut, vor allem wenn man aus Deutschland, dem Land der Autobahnen kommt. Ich grüble eine ganze Weile darüber nach und tausche mich mit Stefan aus, der per Auto aus Deutschland anreisen wird. Schnell steht der Plan, ich werde mit dem Bus von mir in Fagernes aus ostwärts über Land nach Gjøvik fahren und er mich dort einsammeln. Zusammen fahren wir dann den Rest per Auto. Klingt wie ein guter Plan, so muss ich nicht erst nach Oslo und von dort aus wieder nordwärts fahren.

Und natürlich hatte ich auch überhaupt nicht auf dem Schirm, dass alle Züge und dazugehörigen Fahrradstellplätze zwischen Oslo und Tolga an den Tagen vor dem Event restlos ausgebucht sind. Hätte man ebenso wie bei der Unterkunft auf dem Schirm haben können. Denn auch hier war alles restlos ausgebucht, als ich mich kurz vor dem Event endlich auf die Suche nach einer festen Unterkunft mache. Zum Glück bieten einige Leute in Tolga private Unterkünfte während des Events an, so das sich hier doch noch fündig werde (Danke Tobi für deine Mühen).

Zwar gibt es beim Bright Midnight im Basecamp die Möglichkeit zu zelten oder auch in der Gemeinschaftsunterkunft zu übernachten, doch war das für mich am Tag vor so einem Event ein Graus. Ich wollte gerne meine Ruhe und einen guten Schlaf haben, so dass ich umso glücklicher über meine gemütliche private Unterkunft war.

Beim Setup habe ich nochmal wirklich alles auf den Prüfstand gestellt und meine Packliste weiter optimiert. Die größte Änderung war an meinem Bike ein neuer Laufradsatz in 28“ mit Nabendynamo und entsprechendem Licht. So musste ich mir um ausreichend Licht am Abend und in der Nacht keine Sorgen mehr machen. Beim Gepäck habe ich mich noch mehr eingeschränkt und konnte so eine kleinere Rahmentasche nutzen und meine Trinkflaschen besser bzw. aerodynamischer verstauen – jedes Watt zählt!

Am Freitag vor dem Event ist alles bereit, die Taschen am Rad montiert, die Ausrüstung verstaut und ein Bild für Dotwatcher ist auch gemacht und hochgeladen.

Mit reichlich Vorfreude steige ich in den Bus nach Gjøvik, wo ich Stefan treffen werde. Zusammen mit seinem Arbeitskollegen Giacomo hat er sich von Deutschland aus auf den Weg gemacht und sammelt mich dort ein. Wir alle drei haben uns als Einzelstarter für das Bright Midnight angemeldet und sind gespannt auf das, was vor uns liegt. Die Idee ist gemeinsam zu fahren und im Zeitlimit anzukommen. Wir reisen extra schon einen Tag früher an, so dass wir den Samstag ganz entspannt zur Vorbereitung und Ausruhen nutzen können, der Start wird dann am Sonntag morgen sein.

Spätestens am Samstag darauf um 17:50 Uhr wollen wir im Ziel sein, dann hätten wir noch exakt 10 Minuten Zeit um im Supermarkt kaltes Bier für die Finisher-Party zu kaufen und wären noch rechtzeitig im Ziel. 6,5 Tage hätten wir dann für die 1100 km benötigt, klingt immer noch viel, aber machbar für uns.

Stefan und Giacomo werden im Van am Bright Midnight Basecamp übernachten und suchen sich nach unserer Ankunft vor Ort in Tolga einen Stellplatz. Ich checke kurz in meine Unterkunft ein, und fahre dann mit dem Rad zu ihnen. Ich bleibe bei ihnen am Van, wo wir es uns mit Kaffee und Snacks gemütlich machen.

All die Leute und Bikes hier im Camp am örtlichen Sportplatz zu treffen ist schon cool, auch einige bekannte Gesichter sind schon hier, aber irgendwie bin ich hin und her gerissen, denn die Gespräche drehen sich im Grunde nur um Finish-Zeiten, Ausrüstung und Performance, irgendwie behagt mir das nicht so und mich macht das alles nur total nervös. So werde ich nicht alt und bin nicht allzu spät im Bett.

Am Samstag treffen wir uns zum Frühstück in einem kleinen Hotel im Zentrum von Tolga und lassen es uns dort gut gehen. Das Wetter ist eher von Nieselregen geprägt, da fällt es leicht heute auf Radfahren zu verzichten, wir werden die nächsten Tage ja noch genug auf dem Rad sitzen. Also statten wir dem örtlichen Radladen einen Besuch ab und entspannen uns weiter bei Kaffee und Snacks.

Irgendwann kommt auch Tobi an, wir kennen uns bisher nur virtuell und haben zusammen einen Podcast aufgenommen, haben uns im Vorfeld über das Rennen ausgetauscht, denn Tobi ist das Bright Midnight bereits im letzten Jahr gefahren. Und zu guter Letzt hat Tobi sich um eine Unterkunft für uns beide gekümmert.

Am Nachmittag beginnt dann auch das Briefing durch den Organisator Justinas und alle können ihre Startunterlagen abholen. Die Vorfreude steigt und bei der anschließenden Pasta-Party kommt richtiges Community Gefühl auf. Das macht echt Bock und ist vermutlich der größte Unterschied zum anderen Ultra-Event in Norwegen, dem Mother North in Lillehammer, an dem ich im letzten Jahr teilgenommen habe. Hier ist alles familiär und eine große Community, alle hocken beieinander und quatschen. Das war beim Mother North ganz anders, da hatte ich das Gefühl, dass alle alleine ihr Ding machen, es gab kein Basecamp und nach dem Briefing haben sich alle wieder bis zum Start in alle Himmelsrichtungen zerstreut, hier ist es genau anders herum, immer mehr Leute treffen ein, alle wuseln umher.

Gavin Kaps / @ospreyimagery
Gavin Kaps / @ospreyimagery

Allerdings wird es mir hier dann doch irgendwann zu viel und ich fahre zusammen mit Tobi in unsere Unterkunft, die sich im Übrigen als glatte 10/10 heraus gestellt hat. Bei einer super coolen und netten Familie vor Ort kommen wir unter und fühlen uns auf Anhieb total wohl und willkommen. Selbstverständlich hat der Vater der Familie schon mal den Norseman Triathlon gefinisht, wie wir in einem Nebensatz erfahren, den härtesten Triathlon der Welt. Norweger halt, man macht solche Sachen einfach ohne groß Aufhebens darum. Nach einer Dusche sind wir dann auch damit beschäftigt unsere Bikes fertig zu machen und unsere Ausrüstung zu packen. Bald schon sind wir im Bett.

Tag 1 –  Tolga bis Sundalsøra 206 km || 2.686 Höhenmeter

Endlich ist der erste Tag vom Bright Midnight da. 1130 Kilometer und rund 20.000 Höhenmeter liegen gleich nach dem Start in den nächsten 6 bis 7 Tagen vor uns. Dazu spektakuläre Natur, Leiden an langen, steilen Anstiegen – und vermutlich jedes Wetter, das der Norden zu bieten hat – Type 2 Fun incoming! Aber erst einmal machen wir uns an das Frühstück, Milchreis und Kaffee sollten eine gute Grundlage für den Start sein. Dann rollen wir zum Start, der nicht weit entfernt weg liegt.

Ein großes Dankeschön geht dann auch vorab schon mal an Justinas, der diese großartige Route gebaut und mehr als 200 Fahrer:innen aus aller Welt ins kleine Dorf Tolga mitten im norwegischen Nirgendwo gebracht hat.

Das Wetter scheint auf unserer Seite zu sein: Der leichte Regen am Morgen verschwindet schnell, die Sonne kommt raus und bringt uns schnell  ordentlich ins Schwitzen, während wir nach dem Start über feinste Schotterstraßen rollen. Für mich ist es ein Dejvu, denn einige der Ort durch die wir rollen kenne ich von 2018, als ich zusammen mit meiner Freundin Anna-Maria von Lindesnes zum Nordkap gewandert bin. Wie immer bei solchen Events die über eine so lange Zeit und Strecke dauern gilt es, sich nicht von der Nervosität und Energie bei Start allzu sehr anstecken zu lassen. Lass sie alle wie die Rennpferde losstarten, aber so eine Herausforderung wird nicht auf den ersten Metern entschieden.

Bis Kilometer 70 ist die Stimmung auch dank der Zuschauer:innen die uns am Streckenrand anfeuern richtig gut, sehen wir mal ab davon, dass wir unterwegs einen Sturz passieren, bei dem eine Teilnehmerin auf einer Abfahrt gestürzt ist und recht unsanft mit dem Kopf aufgeschlagen ist, der Helm ist zerbeult, Blut im Gesicht, eine Erinnerung daran, immer vorsichtig zu sein, ansonsten kann die Tour sehr schnell zu Ende sein.

Doch dann wartet nach einer kurzen Cola-Pause an der Tankstelle in Kvikne der erste steile, ich meine richtig verdammt steile Anstieg auf uns. Zudem haben wir in Kvikne schon mal während der Pause eine bequeme Unterkunft in Sunndalsøra gebucht, den Ort bei Kilometer 200 hatten wir uns schon grob als Tagesziel gesetzt und jetzt können wir uns relativ entspannt daran machen, die zweite Hälfte des Tages anzugehen. Wir haben uns vorgenommen einfach jeden Tag unseren Schnitt zu halten, so dass wir uns nicht komplett verausgaben müssen um ins Ziel zu kommen.

Zwischendrin zeigt der Radcomputer beim Anstieg hinter Kvikne 25 % Steigung an. Um mich herum sitzt fast niemand mehr im Sattel – Schieben und Schwitzen ist angesagt, um die 450 Höhenmeter im Anstieg hoch über die Baumgrenze zu gelangen.

Oben angekommen dann die Belohnung: Weite, offene Fjelllandschaft und eine spektakuläre Aussicht über die Berge der Umgebung.

Wir sammeln weiter Höhenmeter und Kilometer über schöne Schotterstraßen, dabei schwitzen wir in der Sonne und fluchen zwischendurch über eine Singletrail Passage, die zwischendurch einiges an Fahrkunst erfordert. Nervig, aber deswegen hat Justinas das wohl auch eingebaut. Erst wird man gebrochen, dann geformt.

Es ist mittlerweile so warm, dass der Schweiß in Strömen fließt und ich ganz schön durch bin, eine Pause im Schatten mit Weingummi muss es erstmal richten, bevor es weiter geht.

Wir erreichen bei Kilometer 120 am späten Nachmittag endlich Oppdal. Zeit für eine Pause mit Burger, Pommes und kühlen Getränken, während draussen gerade die Welt untergeht und eine Regen und Gewitterfront über uns hinwegzieht. Wir habe mit unserer Pause richtig Glück, wir sitzen im Trockenen und können sogar kurz auf dem Handy den Schlussspurt der heutigen Tour de France Etappe gucken. Timing ist alles!

Draußen prasselt weiter der Regen, also verlängern wir die Pause um noch etwas mehr zu Essen, bevor wir in Richtung Sunndalsøra aufbrechen. Etwas mehr als 80 Kilometer sind es noch – also los!

@Giacomo Zuin

Der Regen ist zunächst erfrischend und hört auch bald wieder auf. Der Rest läuft gut. Wie ein Expresszug rauschen wir nach Westen durch das spektakuläre Surnadalen – und kommen punktgenau fünf Minuten nach Schließung der einzigen Tankstelle mit kalten Getränken und Fast Food in Sunndalsøra an. Perfektes Timing! Nicht. Einfach dumm gelaufen.

Kurz sind wir enttäuscht, doch nach einer schnellen Recherche entdecken wir eine kleine Pizzeria mit riesigen Pizzen ganz in der Nähe – also nichts wie rein da und kurz darauf geht es mit wohlverdientem Essen in der Hand zum Hotel für die Nacht. Nur noch ein letzter Anstieg – dann sind wir da. Dusche, Pizza und Bett rufen. Was für ein Auftakt zu diesem epischen Abenteuer! Wir sind durch für heute. Over and out.

Tag 2 – Sundalsøra – Åndalsnes 175 km || 2.460 Höhenmeter

Wir starten den zweiten Tag mit einem sogenannten Pizza-Climb. Da die Pizza gestern Abend deutlich größer war als unser Hunger – selbst nach so einer Etappe – essen wir die Reste heute beim Anstieg von Meereshöhe hinauf in die offenen Weiten des westlichsten Teils vom Dovrefjell: Der spektakuläre Aursjøvegen ruft!

Ich brauche etwas Zeit, um wieder in den Klettermodus zu kommen, aber die Landschaft liefert einfach brutal ab. Es ist sooo schön hier auf dem Aursjøvegen hinauf in die Berge. Und das Wetter? Wieder auf unserer Seite: Sonne. Und noch mehr Sonne umso mehr wir an Höhe! Wie genial für ein Ultra-Event ist es einfach, wenn das Wetter passt?

Da ich die Berge in Norwegen ja ganz gut kenne, wissen wir, wie viel Glück wir haben. Gerade hier, so nah am Meer, kann es extrem rau, windig und richtig ungemütlich sein. Aber heute ganz offensichtlich nicht. Die Landschaft ist eine unfassbare Belohnung für unsere Anstrengungen!

Nach einem kurzen Verpflegungsstopp an der Aursjøhytta geht es wieder bergab. Ohne Essen geht es nicht, sonst zieht es einem schnell den Stecker. Einmal von Meereshöhe auf 900 Meter – und wieder zurück auf Meereshöhe. Wir bekommen wohl genau das, was wir uns ausgesucht und bestellt haben. Die Abfahrt ist spektakulär und steil, es geht durch einen stockdunklen gewundenen Tunnel, dann weiter kurvig und steil bergab, ein guter Test für unsere Fahrtechnik und unsere Bremsbeläge.

@Giacomo Zuin

An einem Campingplatz in Eikesdal gönnen wir uns eine Pause im Schatten, die Sonne toastet uns ganz schön. Ein hoch auf den kleinen Selbstbedienungskiosk dort! Weiter geht es dann entlang des großen, malerischen Eikesdalsvatnet Sees. Auch heute haben wir uns früh Gedanke um eine Unterkunft gemacht und uns für Andalsnes als Tagesziel für heute entscheiden, dort haben wir über AirBnB eine Unterkunft gebucht. Das nimmt uns den Zeitdruck für heute und zudem können wir uns dann morgen früh und gut ausgeruht gleich an eine große Unbekannte bei diesem Event machen: Den Trollstigen Anstieg

Der legendäre Anstieg ist an sich nicht wirklich krass, mal abgesehen davon das es von Andalsnes bis zur Passhöhe gut 850 Höhenmeter zu überwinden gilt. Allerdings gab es im Jahr zuvor einen großen Felssturz und die Straße ist gesperrt. Und so hat sich Justinas als besonderes Schmankerl für uns eine Hike-a-Bike Passage zurecht gelegt, die uns auf einem steilen, steinigen Wanderpfad neben der Straße den gesperrten Abschnitt quasi Umtragen lässt. Nett. Vor allem auch, weil das letzte Stück dann auch noch besonders steil und dank eines Wasserfalls direkt nebenan auch schön rutschig ist. Ein paar Ketten sichern den Abschnitt, was die ganze Sache auch nicht viel besser macht. Wir denke lieber erst morgen früh darüber nach, was uns da wirklich erwarten wird. In der Nacht und total übermüdet wollen wir die Sache allerdings nicht angehen. Daher werden wir in Andalsnes gut 10 Kilometer davor übernachten.

Bald schon aber wartet erstmal der nächste steile Anstieg auf uns. Natürlich in der prallen nordischen Sonne – wir werden ordentlich geröstet und schwitzen wie verrückt. Wieder einmal. Wie oft kann man eigentlich an einem Tag klitschnass geschwitzt sein? Oben auf dem Pass angekommen ist die Freude groß, ein weiteres Hindernis für heute geschafft. Also schnell wieder bergab, denn am nächsten Supermarkt wartet garantiert wieder eine eiskalte Cola auf uns.

Der letzte Abschnitt führt uns über kurvenreiche Straßen an der Küste entlang, immer entlang der Fjorde. Der Geruch von Salzwasser in der Luft, eine leichte Rückenwind-Brise, Sonnenschein und Softeis als Belohnung für die Anstiege des Tages – fast fühlt es sich gerade an wie eine ganz normale Bikepacking-Urlaubsreise in der Sommerfrische.

Als wir Åndalsnes erreichen, beenden wir zufrieden in unserer geräumigen Unterkunft den Tag. Dusche und Abendessen genießen wir ganz besonders, bevor es Zeit ins Bett geht. Den Schiebe-Abschnitt hinauf zum Trollstigen verschieben wir auf morgen früh. Diese Tour ist für uns kein Rennen. Wir sparen unsere Energie für das, was in den nächsten Tagen noch auf uns wartet!

Tag 3 – Andalsnes – Videseter 165 km || 3.076 Höhenmeter

Heute gilt es also mit dem Trollstigen, der großen Unbekannten für alle Teilnehmer*innen dieses Events. Es kursieren bereits erste aktuelle Berichte und Bilder von dem Abschnitt der gleich heute Morgen vor uns liegt, mit gemischten Gefühlen schwingen wir uns aufs Rad.

Wir rollen hinaus aus Andalsnes und erreichen schon bald den Anfang des Anstiegs. Die Morgenstimmung mit Blick auf den Anstieg ist grandios, allerdings sind wir echt gespannt wie ein Flitzebogen

Die Hoffnung nach den Steinschlägen war ja, dass der Trollstigen zum Event hin wieder befahrbar sein würde – am Ende blieb er jedoch offiziell geschlossen.

Wir kommen nach einem ersten flacheren Stück zum Parkplatz mit Blick auf den Anstieg. Wir sammeln uns noch kurz, machen Bilder und schon geht es los. Über eine wackelige Brücke hin zum Wanderweg. Wir schieben, tragen, zerren unser Bikes über Geröll, Felsen und Schotter. Dann kommt das schlimmste Stück, über rutschige Tritte hangeln wir uns irgendwie den Berg hoch. Mit vereinten Kräften überwinden wir diese 30 Höhenmeter und machen drei Kreuze, als wir es geschafft haben und wieder auf festem Boden stehen. Was für eine Plackerei, nichts für schwache Nerven, aber es ist machbar. Zumindest für uns, so früh am Morgen, nach ausreichend Schlaf und bei perfekten Wetterbedingungen. Unter anderen Umständen wäre das wohl eher klassischer „Type-2-Fun“.

Ab hier, oberhalb der Kletterei, stehen wir wieder auf der Straße, diese Hälfte des eigentlichen Anstiegs ist ab jetzt ganz normal fahrbar. Eine weitere Challenge auf dem Weg zurück nach Tolga ist gemeistert. Nun kommt bis zur Passhöhe nur noch ganz normale Radelei die Serpentinen hoch. Die Aussichten sind grandios und der Vorteil der Vollsperrung ist, dass man die Straße für sich allein hat – keine nervigen Autos, Motorräder oder Wohnmobile, nur wir, die Sonne und die Höhenmeter. Fast könnte man von Genuss sprechen. Wir passieren den modernen Aussichtspunkt mit Kiosk und dem großen Parkplatz – was hier wohl normalerweise los ist? Ich will es gar nicht wissen, der Trollstigen ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in ganz Norwegen.

@Giacomo Zuin

Die Belohnung für diese harte Frühschicht kommt aber nach der Passhöhe: eine über 20 Kilometer lange Abfahrt zurück auf Meereshöhe. Was für ein Freude! Man rollt dahin und kann ganz wunderbar die Aussichten genießen. Danach wird im Supermarkt in Valldal aufgetankt, bevor wir uns aufmachen zur kurzen Fährüberfahrt nach Stranda – eine willkommene Zwangspause an Deck mit leckerem norwegischem Fähr-Kaffee 😉

Die Sonne gibt jetzt alles. Wir schwitzen wie verrückt auf dem Weg ins nächste Tal, an dessen Ende der extrem steile Pushbike-Anstieg über den „Den gamle Trondhjemske postvei“ wartet. Ich hatte mich schon darauf gefreut, dass wir wie die Autos einfach durch den Tunnel dort fahren würden, aber nicht mit Justinas und seiner Routenplanung, ich hätte es wissen könne – oder mich mal besser mit der Strecke auseinander setzen sollen. Man sollte es hier schon mögen, sein Rad zu schieben, denn hier hinauf zu fahren erscheint mir doch mehr als fordernd. Vor mir probiert es jemand, es ist dann doch so steil, dass der Fahrer sich selbst aushebelt und sich einfach nach hinten hin überschlägt. Krass anzusehen. Ein anderer Fahrer vor uns ist so von der Sonne getoastet, dass er einfach vom schmalen Weg abkommt und um ein Haar den ganzen steilen Hang hinunter stürzt. Und weiter oben tritt jemand kleine Steine los, die dann auf uns hinter fallen. Auch schön, immer mal was neues, besser den Helm auf dem Kopf behalten. Oben angelangt wird man mal wieder mit krassen Ausblicken belohnt und die Abfahrt mit ihren spektakulären Ausblicken hilft zumindest, nicht über all die „Was wäre wenn“-Gedanken nachzudenken, während man die steilen Serpentinen hinunter rast. Mit Gravelbiken hat das nicht viel zu tun, eher mit Downhill-Mountainbiken.

Meine Bremsbeläge klingen wie Katzen, die von einem Auto angefahren wurden – laut und markerschütternd quietschen sie vor sich hin! Aber jede Abfahrt hat ein Ende. Auch diese. Und ich bin diesmal schweißgebadet vom Adrenalin, dass mir unterwegs immer wieder ins Blut geschossen ist. Was ein Wahnsinn hier!

Bei weiterhin strahlendem Sonnenschein sind wir nun zurück am Fjord auf Meereshöhe in Hellesylt, wo es wieder einmal eine Cola und Verpflegung im örtlichen Supermarkt gibt, bevor es weitergeht in Richtung Flofjellvegen geht – wieder ein spektakulärer Gebirgspass.

Es hört einfach nicht auf mit krassen Anstiegen und spektakulärer Landschaft. Auf dem Weg nach oben brennt die Sonne erbarmungslos, mein Energielevel sinkt rapide. Es dauert eine ganze Weile bis ich oben bin und einige Energieriegel bis ich wieder halbwegs im Tritt bin. Oben am Stigholvatnet See bin ich durch, echt geschafft und brauche eine ganze Weile und guten Zuspruch von Stefan, bis ich wieder einigermaßen am Start bin. Der Weg ist eng und verblockt, und wenn man nicht aufpasst fällt man das steile Ufer hinunter in den See. Puh, echt zäh gerade. Zudem verliert ein Reifen Luft, ich muss erstmal etwas Luft nach pumpen. Irgendwas ist halt immer.

Das Garmin kündigt dann erneut eine steile Abfahrt an. Aber Jesus! Was für eine Abfahrt! Heilige Scheiße! Ich halte mich eigentlich für einen soliden Downhill-Fahrer – aber hier ist meine Grenze erreicht. Ich schiebe mein Bike fast den gesamten Abstieg hinunter. Und das ist definitiv die richtige Entscheidung. Wenn es nass und feucht hier ist, oder auch noch regnet, dann ist die Abfahrt mitunter echt lebensgefährlich und nichts für schwache Nerven!

Unten angekommen und froh es überstanden zu haben merken wir schnell, dass etwas nicht stimmt. Eine andere Fahrerin ist auf der Abfahrt schwer gestürzt und hatte einen heftigen Aufprall. Da meine beiden Mitfahrer medizinisch ausgebildet sind, kümmern wir uns um sie, bis der Rettungsdienst und das Team von Bright Midnight eintreffen und wir sicher sind, dass sie in guten Händen ist und alles unter Kontrolle ist. Es dauert eine ganze Weile und wir verlieren ziemlich viel Zeit, am Ende bald zwei Stunden, aber hei, es gibt Dinge, die sind wichtiger als Radfahren! Wir wünschen Nadja noch gute Besserung, wissen sie in guten Händen und machen uns wieder auf, die Stimmung ist allerdings ziemlich gedrückt und nachdenklich als wir weiter fahren.

Die Unterkunft ist bereits gebucht, während der Wartezeit haben wir ein Hotel in der Nähe gefunden und gebucht.

Während wir Richtung Hjelle pushen, sprechen wir viel über Risiken und Risikomanagement beim Radfahren. Im kleinen Ort Hjelle wollen wollen wir eigentlich nur noch schnell etwas zu essen kaufen – doch plötzlich schlägt das Wetter um: von blauem Himmel zu sintflutartigem Regen, Donner und Blitz – hier geht gerade die Welt unter! Zum Glück stehen wir gerade im Supermarkt, als das Gewitter uns zeigt, was hier im Norden jederzeit passieren kann – ein Wetterumschwung aus dem Nichts vom allerfeinsten!

Nach ein paar Minuten und einem Blick aufs Regen- und Blitzradar fahren wir weiter – im strömenden Regen geht es los. Es sind nur noch ein paar Kilometer bis zum Hotel, das schaffen wir auch noch unter diesen Bedingungen.

Und ja wir schaffen es tatsächlich, allerdings erst gegen 23 Uhr erreichen wir das Hotel. Aber mental waren wir unterwegs in sehr dunklen Ecken unserer Köpfe. Wir hatten die Route dorthin nicht richtig geprüft – ein großer Fehler! So stehen wir plötzlich vor einem der härtesten Anstiege der ganzen Woche. Spät am Abend. Im strömenden Regen. Nach einem ohnehin kräftezehrenden Tag.

Am Ende sind wir alle drei komplett leer, als wir nach den abendlichen 500 Höhenmetern und einem inneren Kampf gegen sehr dunkle Gedanken und Zweifel am Hotel ankommen. Leiden in seiner reinsten Form muss man mögen oder eher auch aushalten können, sonst wäre man hier definitiv an der falschen Stelle gewesen. Das waren mit Sicherheit einige der miesesten Stunden der letzten Jahre für mich, und ich denke den anderen ging es auch nichts anders.

Als wir endlich ins Zimmer einchecken, sind wir durch. Leere Blicke. Leere Mägen. Einfach komplett Leer! Was für ein Tag! Bitte einfach nur noch duschen, essen, schlafen – und das was morgen vor uns liegt ignorieren wie jetzt einfach.

Tag 4 – Videseter – Turtagrø 163 km || 2.409 Höhenmeter

Das Aufwachen fühlt sich heute an wie nach einem Autounfall. Wir sind total groggy, der gestrige Tag hat nicht nur körperliche Spuren hinterlassen. Wir entscheiden uns heute für das Frühstücksbuffet auch wenn wir dadurch erst später loskommen – es ist im Hotelpreis inklusive und nach allem, was gestern war, sind wir immer noch ziemlich durch und brauchen etwas Motivation in Form von Essen und Kaffee.

Der einzige positive Aspekt des gestrigen Wahninns am Abend: Den großen Anstieg hinauf zum Strynsfjellvegen haben wir gestern schon zur Hälfte erledigt. Trotzdem sind es heute Morgen wieder nur Autopilot und ein starker Wille, die uns zurück auf die Bikes bringen. So früh am Morgen sind kaum Autos auf der schmalen Straße den Berg hinauf unterwegs und ja, die „typische“ norwegische Landschaft liefert mal wieder komplett ab. Man gewöhnt sich einfach nie daran. Nie!

Oben auf der Passstraße angelangt sind wir wieder zurück im Gravel-Game – zurück auf feinsten Schotter, aber die Temperaturen hier sind schon recht frisch. Wir haben uns mittlerweile schon fast daran gewöhnt zu leiden, uns durchzubeißen und immer weiterzufahren. Und man kann es nicht oft genug sagen, die dramatische Umgebung der Berge ist immer eine Belohnung für all die Mühe und die Überwindungen, immer weiter zu machen.

Ein Pitstop für eine ordentliche norwegische Kaffee-Infusion in Grotli wärmt uns auf und bringt Leben zurück in unsere geschundenen Körper.

Der nächste Abschnitt wäre bei der Tour de France wohl eine Überführungsetappe: welliges Terrain, viele kleine Anstiege, aber noch mehr schnelle Abfahrten und wieder strahlender Sonnenschein.

So rollen wir das Tal hinab nach Lom, dem im Sommer pulsierenden Dorf voller Touristen. Und ja – es ist wirklich ein kleiner schöner Ort am Fuße der hohen Berge Jotunheimens: mit einer beeindruckenden alten Stabkirche, einem wilden Wasserfall in der Ortsmitte und einer extrem guten Holzofen-Bäckerei und – ganz wichtig für uns – einer Tankstelle mit eiskalten Getränken und Pommes!

Wir haben nur einen Seitenblick über für die Sehenswürdigkeiten, denn gut aufgetankt wartet eines der Highlights der Woche auf uns: Der berühmte Sognefjellsvegen über das Sognefjellet – mit über 1400 Metern der höchste Gebirgspass Nordeuropas steht auf dem Programm. Am Nachmittag rollen wir bei bestem Wetter aus dem Ort hinaus, steuern dann nach 20 Kilometer noch einen kleinen Supermarkt etwas weiter oben im Tal an, bevor wir von der Hauptstraße abbiegen in einen meiner absoluten Lieblingsabschnitte den ich von vergangenen Touren bereits gut kenne: das wunderschöne Bøverdalen. Über Schotterpisten geht es durch das enge Tal weiter bergan.

@Giacomo Zuin

Essen, spektakuläre Landschaft und Strampeln, das ist der Rhythmus, der uns hier her gebracht hat. Doch auch die Sonne heute ist wieder ein harter Gegner – den ganzen Tag zu schwitzen ist zumindest für mich eine echte Herausforderung.

Nach einer kurzen Pause im Schatten einer Hütte geht es zurück auf die Hauptstraße und in den eigentlichen Anstieg. Wir teilen uns auf, jeder fährt sein eigenes Tempo. Kein Problem – Kopfhörer rein, Musik an und los geht’s. Vor drei Wochen bin ich diesen Abschnitt schon einmal gefahren, ich weiß also, was kommt: viele Höhenmeter, aber nicht extrem steil – ein gut zu fahrender Anstieg. Man muss sich auch mit kleinen Dingen motivieren!

Die frühe warme Abendsonne taucht alles in eine ganz besondere Stimmung. Auch wenn es fordernd ist, kann ich diesen Anstieg genießen. Musik auf die Ohren und einfach immer weiter machen! Der Flow ist da, als ich den höchsten Punkt erreiche bin ich total high vom Bergauffahren mit dem Bike – was stimmt eigentlich nicht mit mir, dass mir das Spaß macht? Vermutlich ist es diese tief befriedigende Verausgabung, die man nur bei solchen freiwilligen Anstrengungen erleben kann.

Wir alle sind total geflasht von der Umgebung als wir uns am Schild des höchsten Punktes abklatschen: hohe Berge überall um uns herum, viele über 2000 Meter hoch – und sogar Norwegens höchster Berg, der 2469 Galdhøpiggen, ragt zwischen ihnen empor! Allerdings ist jetzt am Abend ziemlich frisch hier oben, große Schneefelder säumen die Straße. Wir ziehen uns warme Klamotten, Mütze und Handschuhe an, als wir uns wieder auf die Räder schwingen.

Die Straße ist richtig spektakulär  – besonders an einem Sommerabend mit wenig Verkehr und dieser einzigartigen Atmosphäre! Das wird einfach nie langweilig! Niemals! Ein Fotograf des Veranstalters „lauert“ uns dann noch auf, und schießt einige richtig coole Fotos von uns.

Gavin Kaps / @ospreyimagery
Gavin Kaps / @ospreyimagery
Gavin Kaps / @ospreyimagery
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Da wir alle drei ziemlich getoastet sind, steuern wir die Berghütte in Turtagrø an, wo wir entscheiden wollen, wo wir übernachten. Nach einem kurzen Check von Verfügbarkeiten und Preisen entscheiden wir uns dafür, hier zu bleiben. Es reicht für heute und eiskalte Getränke und eine heiße Dusche machen die Entscheidung leicht.

Auch wenn wir früh ins Bett gehen, wird der Blick aus unserem Zimmer Motivation genug sein, wenn um 4:00 Uhr morgens wieder der Wecker klingelt – für weitere große Anstiege und viele Kilometer auf dem Weg zurück nach Tolga.

Tag 5 – Turtagrø – Vågamo 219 km || 4.407 Höhenmeter

Der Tag beginnt wieder früh im Morgengrau. Ich werde mich nie an diese für mich brutalen Weckzeiten gewöhnen.Insbesondere nach den Anstrengungen der vergangenen Tage. Kein Wort wird gesprochen, während wir im Autopilot-Modus unsere Sachen packen. Es ist fast 5 Uhr, als wir unser Lunchpaket an der Rezeption in Turtagrø abholen – ein Kaffee steht auch schon bereit. Was für ein Luxus zu dieser Uhrzeit! Doch die gemütliche Kaffee-Atmosphäre hält nicht lange – zurück auf die Strecke.

Wieder jeder in seinem eigenen Tempo steuern wir den nächsten großen Anstieg an: über den Tindevegen, eine wiedermal spektakuläre Bergstraße geht es weiter. Auch hier gilt, steile Kurven, unfassbare Aussichten und rasante Abfahrten ergeben einen Mix, der einem die Müdigkeit schnell aus dem Körper treibt. Die Passhöhe liegt auf 1300 Metern und von dort geht es hinunter auf Meereshöhe in nur wenigen Kilometern. Es ist hier so früh am Morgen echt frisch und für die Abfahrt ziehen wir uns warm an.

All diese Kontraste sind kaum zu verarbeiten, wenn man mit 80 km/h den Berg hinunter rast. Nach einigen extrem steilen und engen Serpentinen am Ende der Abfahrt erreichen wir Årdal genau zur richtigen Zeit: Der kleine Laden an der Tankstelle dort öffnet um 7 Uhr – und wir stehen schon da. Also wieder auftanken, denn der nächste legendäre Anstieg wartet: Tusenmeteren – 1000 Höhenmeter direkt von Årdal hinauf. Dieser Tag fühlt sich jetzt schon wie eine Königsetappe der Tour de France an – und wir haben noch nicht einmal richtig angefangen.

Der zweite Kaffee des Tages bringt Neuigkeiten: Stefan braucht eine längere Pause und mehr Erholung. Nach über vier Tagen Ultracycling machen sich zu viele kleinere und größere Probleme bemerkbar, er kann das Tempo nicht mehr mitgehen, das Knie zwickt zudem. Wir entscheiden uns erst einmal getrennt weiter zu fahren – vielleicht sehen wir uns später wieder. Viel Zeit um zu planen, groß zu diskutieren oder länger zu warten gibt es nicht, wir müssen weiter.

Der Anstieg Tusenmeteren ist die alte Straße zwischen Årdal und Tyin – steil, schmal und voller enger Kehren, die uns Meter für Meter nach oben führen. Es dauert seine Zeit, aber mit einem konstanten Rhythmus schaffen wir es noch vor Mittag hinauf. Jetzt hoch oben über dem Tal, mit Blick auf den Fjord kommt wieder dieses großartige Gefühl vom Stolz auf. Die alte Straße ist im Grunde eine schmale Schotterpiste mit einigen dunklen Tunneln und unfassbar spektakulären Ausblicken in Richtung der hohen Bergen von Hurrungane und führt uns wieder in Richtung Jotunheimen.

Plötzlich setzt leichter Regen ein, die Temperaturen sinken, während wir hoch über dem Tal Richtung Tyin See und weiter zum nächsten Supermarkt in Tyinkrysset rollen. Die nächste Verpflegung dort ist eine riesige Motivation. Von dort aus sind es nur ungefähr 60 Kilometer das Tal hinab bis zu mir nach Hause, mit dem Auto etwa eine Stunde und später werden es nur etwa 25 Kilometer nach Hause sein – wie masochistisch veranlagt muss man sein, dort ganz einfach ohne kurz zu zucken weiter zu fahren? Vorbei am gemütlichen eigenen Bett?

Dann meldet sich Stefan per Telefon: Er hat sich entschieden, das Rennen in Tyinkrysset zu beenden. Zu viele Probleme machen ihm zu schaffen, die Entscheidung ist schon länger in ihn gereift – und manchmal muss man eben eine Entscheidung treffen.

Wir sind traurig. So viele Kilometer sind wir zusammen gefahren, so viel Leiden, so viele starke Momente gemeinsam – und jetzt muss er aufhören. Aber viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht, es warten noch unzählige Kilometer auf uns. Immerhin hat Stefan im Unglück Glück: Da mein Zuhause nicht weit weg liegt, kann er dort übernachten, duschen und sich erholen, bevor es für ihn zurück nach Tolga geht. Er kann mein Auto nehmen, so dass ich dann auch ganz bequem wieder damit nach Hause fahren kann.

Wir hingegen klettern weiter über den Slettefjellvegen in Richtung Beitostølen – und dieser Anstieg in der grellen Nachmittagssonne ist brutal. Nicht nur die Steigung an sich, sondern die Hitze und die Sonne, die uns regelrecht  grillen. Ich kenne den Abschnitt gut, bin ihn schon öfters vorher gefahren, das macht das leiden aber auch nicht besser. Oben angekommen sind wir ziemlich durch. Die Aussicht ist – wie so oft – spektakulär. Aber ganz ehrlich: Die größte Motivation ist das nächste kalte Getränk in Beitostølen.

In Beitostølen prüfen wir unsere Optionen für den weiteren Verlauf des Tages. Wenn wir heute richtig pushen, könnten wir morgen Abend das Ziel erreichen. Mehr als 300 Kilometer sind es bis nach Tolga zwar noch – und es ist bereits 17 Uhr, klingt aber machbar. Nach einem kurzen Gespräch gehen wir all-in, wollen es mit dem Ziel morgen Abend probieren und buchen mutig ein AirBnB in Vågåmo. Der Gastgeber fragt, wo wir gerade sind, und wir versprechen, vor 23 Uhr da zu sein – noch etwa 90 Kilometer sind es bis dorthin und um ehrlich zu sein, der Gastgeber denkt nicht wirklich, dass wir das schaffen werden. Um es nicht zu einfach zu machen, müssen wir dafür noch über einen weiteren Pass: Die Valdresflye mit einer Passhöhe von 1389 Metern. Am besten nicht zu viel darüber nachdenken, die Pause ist beendet, das Rennen für einen komfortablen Schlafplatz ist eröffnet. Let’s get this sh*t done!

Der Anstieg hinauf zur Valdresflye vorbei am markanten Bithorn Berg und zwischen den Bygdin und Vinstre-Seen im Abendlicht ist einfach überwältigend. Was für eine Stimmung! Vom höchsten Punkt der Valdresflye aus geht es in Richtung der Unterkunft. Welliges Terrain und viele Abfahrten geben uns das Gefühl, es wirklich schaffen zu können. Doch die kleinen Gegenanstiege – und besonders die steileren Rampen kurz vor dem Ziel – werden zu einem Kampf des Willens über den Körper. Den letzten Anstieg kenne ich schon, auch hier bin ich 2018 auf dem Weg zum Nordkapp bereits her gewandert Ich muss schieben, haben keine Energie mehr zu kurbeln. Aber auch diesmal gewinnt der Wille gegen die Muskeln. Noch einmal!

Endlich kommt sie dann, die letzte verrückte Abfahrt des Tages hinab nach Vågåmo. Es ist fast 23 Uhr, als wir mit 70 km/h über losem Schotter durch den Wald ins Tal hinunter rasen. Es fühlt sich an wie ein Computerspiel. Mein Kopf ist komplett leer, völlig durch, als wir es tatsächlich rechtzeitig zu unserem Gastgeber schaffen, der uns etwas ungläubig empfängt.

Giacomo und ich – wir sind beide komplett erledigt. Einfach fertig. Nur noch duschen, essen und ins Bett. Was für ein wahnsinniger Tag! Was tuen wir uns hie bloß an!

Tag 6 –  Vågamo – Tolga 209 km || 3.492 Höhenmeter

Total zerstört beginnt Tag 6 für uns, der gestrige Ritt hat Spuren bei Giacomo und mir hinterlassen, gestern Abend waren wir so erledigt, dass wir beschlossen haben, bis 7:00 Uhr zu schlafen – eine gute Entscheidung. Trotzdem fühlen wir uns beim Aufwachen komplett zerstört. Aber der gute alte Autopilot funktioniert. Viel Worte braucht es nicht mehr. Wahrscheinlich ist es das letzte Mal diese Woche, dass wir in die dreckigen, stinkenden Bike-Klamotten steigen. Das motiviert.

Die Sonne steht schon wieder hoch am Himmel und ist bereit, uns zu grillen – herrlich! Mit Kaffee und ein paar übrig gebliebenen Sjokoladeboller starten wir um 8 Uhr in die letzte Etappe. Ein letztes Mal. Der Motor springt wieder an. Mit niedriger Drehzahl rollen wir hinaus aus Vågamo.

Bei diesem Wetter wird es die größte Herausforderung heute sein, genug zu trinken. Der erste kleine Anstieg ist schnell geschafft, gibt uns aber direkt eine Ahnung, wie der Rest des Tages wird: eine Mischung aus Leiden und Schwitzen. Gruppetto Type 2 ist wieder am Start.

Der erste große Anstieg steil hinauf nach Høvringen wird für mich ein harter Kampf und eine erneute Willensprobe. Oben angekommen bin ich komplett durch, der Tank ist leer, der Motor stottert.

Danach gab es eine kurze Umleitung auf der Strecke, die in der Bright Midnight 2025 WhatsApp-Gruppe geteilt wurde – aber natürlich waren wir zu blöd, sie im Kopf zu behalten.

Plötzlich befinden wir uns auf einem steinigen Singletrail wieder, der uns durch ein großes Moor führt. Was für Idioten sind wir doch denke ich, während meine Schuhe und Socken sich mit braunem, stinkendem Moorwasser vollsaugen. Wieder eine Lektion in Sachen Willensstärke und Durchhaltewillen überstanden. Check!

Der nächste Abschnitt ist eine schnelle Abfahrt und welliges Gelände. Ohne Höhenmeter geht es in Norwegen einfach nicht, entweder in die eine oder in die andere Richtung. Als wir Dovre erreichen, machen wir einen Abstecher in den Schatten beim Supermarkt, um neue Energie zu tanken. Ich brauche dringend eine Pause von der Sonne! Milchreis und kalte Getränke bringen mich langsam zurück ins Leben. Der zweite große Anstieg steht auf dem Garmin: 600 Höhenmeter in der vollen Mittagssonne – wie Radfahren in der Sauna! Der Schweiß läuft in Sturzbächen an mir herunter, während ich einen Podcast über die Tour de France höre. Quäl dich, du Sau!

Die Pause und der Milchreis waren genau richtig. Ich fühle mich besser – nicht überragend, aber besser. Auch wenn ich schwitze wie verrückt. Oben auf dem Pass belohnt uns eine leichte Brise für all die Mühen. Dazu atemberaubende Ausblicke und eine traumhafte, wellige Abfahrt ins spektakuläre Grimsdalen. Giacomo ist heute fitter als ich, oder hat einen größeren Willen, keine Ahnung, er fährt voraus und wir wollen uns am Ende des Tals treffen.

Das Tal ist fast 50 Kilometer lang und mit Rückenwind aus Westen macht es richtig Spaß, hindurch zu pushen. Trotzdem ist es noch ein weiter Weg bis Tolga und ich bin zwischendurch echt kaputt, lege mich für ein paar Minuten einfach an den Straßenrand um mich kurz zu Erholen. Aber keine langen Pausen – weiter geht’s!

Der nächste Abschnitt führt durch offenen Wald, wunderschön, aber Wurzeln und grober Schotter nerven mitunter. Ich brauche wieder eine kurze Pause am Rand, das wird ein zäher Kampf heute.

Kurz vor Alvdal geht es noch einmal hinauf zum Storskarvola auf fast 1100 Meter. Die Strecke folgt Schotterwegen entlang alter Seilbahnlinien des Bergbaus. Teilweise ist es so steinig, dass ich mein Bike schieben muss. Mein Energielevel sinkt wie der Wasserstand in meinen Flaschen. Ich kämpfe. Aber wieder ist es eine Kopfsache – und diese Spiele kenne ich gut. Denn auch hier war ich schon mal unterwegs, im Winter, im Januar mit Ski und Pulkaschlitten im Schleppttau, und es war auch damals ein langer harter Tag, bei dem sich die Anstrengungen bis heute tief bei mir eingebrannt haben, auch damals wollte ich einfach nur, dass der Tag vorbei geht und ich erlöst von der Verausgabung werde. Aber ich kann damit umgehen wenn es hart ist. Wie beim letzten kleineren Anstieg auf der Schotterstraße nach Alvdal. Die Motivation, heute Abend die Ziellinie zu erreichen, ist aber immer noch riesig. Wir schaffen das! Der Wille ringt den Körper nieder!

In Alvdal angelangt steuern wir die Tankstelle an: Pommes, Burger, kalte Getränke! Einfach nur auftanken für den letzten Abschnitt. Auch mental tut die Pause richtig gut. Wir treffen @just aus dem Medienteam – wie schön, kurz zu quatschen und mit jemand anderem über diesen Wahnsinn zu sprechen.

Gegen 20 Uhr starten wir in den finalen Push – noch 65 Kilometerstand es bis ins Ziel! Zusammen versuchen wir, noch einmal alles rauszuholen. Musik auf den Ohren und die rollende Strecke bringen uns richtig in Fahrt. Es fühlt sich an wie ein Rausch, der Flow ist endlich da – fast wie ein Runner’s High. Aus dem Tal der Tränen hinein in die überkrasse Euphorie. Verrückt, dass wir nach fast 1100 Kilometern immer noch pushen können! Wie krass ist das denn?

Das warme Licht der Abendsonne motiviert jetzt zusätzlich, Zeit und Kilometer verfliegen, wir tauchen ein in den Schotter-Tunnel. Mit dem Sonnenuntergang sinken auch endlich die Temperaturen – was für eine Erleichterung und Rückgewinn an Energie für uns.

Als wir Tynset erreichen, erscheint der letzte große Anstieg auf meinem Garmin. Gänsehaut macht sich breit, ein überwältigendes Gefühl. Das rötliche Abendlicht begleitet uns auf den letzten Asphaltkilometern nach Tolga. Flashbacks von anderen verrückten Touren kommen hoch. Es ist das dritte Mal für mich auf dieser Straße durchs norwegische Hinterland: Das erste Mal als ich durch ganz Norwegen von Lindesnes bis zum Nordkap zu Fuß gegangen, das zweite Mal im Winter auf Skiern beim Versuch ebenfalls Norwegen der Länge nach zu durchqueren – und jetzt zum dritten Mal mit dem Gravel Bike. Verrückt.

Die ersten offiziellen Schilder nach Tolga tauchen auf wir sind fast da. Ich bin komplett leer – und gleichzeitig voller Energie. Eine wilde Mischung aus Erschöpfung und Erinnerungen rauscht durch meinen Kopf. Voller Euphorie feiern wir das Ortseingangsschild, mir kommen fast die Tränen. WTF! Wir haben es gleich wirklich geschafft! Und dann ist er da: der letzte kleine Hügel zur Ziellinie vom Bright Midnight kommt in Sicht. Wir wären nicht in Norwegen, wenn man zum Ziel nochmal 30 steile Höhenmeter hinauf müsste. Wir hören die anderen Fahrer im Basecamp feiern und jubeln.

Vor dem Überqueren der Ziellinie geben wir uns die Hand – dankbar für diese gemeinsame Woche und alles, was sie mit sich gebracht hat! Wir rollen ins Ziel, sind total geschafft, das Gefühl von Erlösung und Stolz macht sich breit. Dann das Finisher-Bier. Und Justinas mit der Finisher-Medaille. Alles ist total unwirklich – Freitag Abend 00:15 Uhr – und wir haben es geschafft! Was für eine Reise!

Und jetzt?

Meine Bright Midnight Tour 2025 auf Komoot

Podcasts rund ums Bright Midnight

Der Bright Midnight Aftermovie 2025

Meine Ausrüstung und Bekleidung fürs Bright Midnight

Fahrrad
GravelbikeVeloheldIconX mit Carbon Gabel
LaufräderDT SwissNaben: 240 EXP Felgen: GR531 in 27,5"
BereifungSchwalbeVorne: G-One Ultrabite 2.0 Hinten: G-One Bite 2.0
SchaltungSRAMRival eTap AXS 1x12 Mullet Schaltwerk: GX Eagle AXS Übersetzung: Vorne 40 Hinten 10-52
SattelErgonSR Allroad Comp Pro
Taschen
SatteltascheOrtliebSeat-Pack
OberrohrtascheTailfinnTop Tube Pack
RahmentascheGrammFull Frame Bag Custom Made
LenkertascheOrtliebHandlebar Pack
LenkertascheOrtliebAccessory Pack
StembagAGUSnack Pack
Ausrüstung
LampeSigmaAura 100
RücklichtSigmaBlaze
RadcomputerGarminEdge 840
SicherheitswesteNo NameNo Name
Trinkflaschen1x 1000 ml 1x 600 ml
WasserfilterKatadynBeFree
Becher Recup400 ml Becher
TitantasseSnow Peak800 ml inkl. Deckel
KocherPrimusExpress Stove
GaskartuschePrimus110 g
TitanlöffelEdelrid
StirnlampePetzlActic Core inkl. Akku
Reparatur / Ersatzteile
Tasche Sea to SummitToiletry Bag S
KettenschlossSRAM
BremsbelägeSRAM
ErsatzschlauchSchwalbeSchlauch NR. 21A
DichtmilchSchwalbeDoc Blue
Kettenöl
Lappen
MultitoolGerberDime Micro
MultioolCrankbrothersMulti 17
LuftpumpeLezyneCNC Pocket Drive
PumpenkopfLezyneControl Drive inkl. CO2 Kartuschen
Kabelbinder
Ducttape
Flickzeug
ErsatzakkuSRAM
LadegerätSRAM
Elektronik
PowerbankAnker10.000 mAh
HandyAppleIphone 15 Pro
LadekabelApple
KopfhörerAppleAirpods
LadeadapterHama38 Watt USB A / USB C
LadekabelDiverseDiverse USB
KameraFujiXT-4
ErsatzakkuFuji
StativGorillapod
Bekleidung
RadschuheSpezializedRecon 2.0
HelmPOCOmne Air
Schnelle BrilleEvil EyeRoadsense inkl. Clip-in
RadhoseGonsoSitivo Bib Red
RadhoseGonsoSitivo Bib Red
TrikotRaphaCore Jersey
TrikotRaphaClassic Jersey II
WesteSuper NaturalM Unstoppable Gilet
ArmlingeGore BikewearArm Warmers
BeinlingeGore BikewearLeg Warmers
BeanieBergansWool Beanie
StirnbandFriluftsWaiho Headband
IsolationsjackeBergansRabot V2 Insulated Hybrid Jacket
ÜberschuheGore BikewearGore-Tex Overschoes
RegenhoseGore BikewearEndure
RegenjackeBergansY LightLine Air 3L Shell Jacket Men
SockenFrilufts
SockenWoolpowerSkilled Liner Classic
Lange UnterhoseWoolpowerLong Johns Lite
UnterhoseBergansInner:Light Boxer
LongsleeveBergansInner:Light
HandschuheRoecklRadhandschuhe
HandschuheRoecklWindstopper
HandschuheBlack DiamondWaterproof Overmitts
Schlafen
IsomatteExpedUltra 3 R Mummy
Daunen-QuiltWestern MountaineeringAstralite Quilt
BivybagMammutGrevling EMT
Sonstiges
KulturtascheTatonkaSQZY Pouch S
Zahnbürste, Zahnapasta, Brillenputztücher, Duschgel
HandtuchFriluftsMini Irgendwas
Portmonet
Erste-Hilfe-Set

Immer wieder im Mai kreisen die Gedanken um Norwegen der Länge nach. Wer wird sich wohl in diesem Jahr auf den Weg machen? Am Stück und in einer Saison durch dieses wunderschöne Land. Im letzten Jahr habe ich soweit ich mich erinnern kann von keinem deutschen NPLer gehört, jedenfalls hatte sich bei mir nach meinem Aufruf niemand gemeldet.

Insbesondere in diesem Jahr ist es besonders spannend die Tour zu verfolgen, kann ich doch nun nach meinem Umzug nach Norwegen die sich verändernden Verhältnisse in den Bergen von Winter hin zu Sommer direkt vor Ort beobachten, was ja für viele Aspirant*innen ja nicht unerheblich ist, wenn man sich damit beschäftigt, wann man loslaufen möchte.

Der Winter hier in Valdres und Jotunheimen war nicht besonders gut, sprich es gab nicht übermäßig viel Schnee und der Frühling kam zeitig, ein großer Vorteil für alle, die schon früh starten möchten. Nicht so gut allerdings für diejenigen, die im Winter auf Norwegens längster Wanderung unterwegs sein wollten. In Jotunheimen traf ich einen NPL-Winter-Wanderer, der etwas konstatiert ob der miesen Verhältnisse war.
Schauen wir mal, wie sich das alles entwickelt, hoffen wir auf einen guten Sommer mit trockenen Bedingungen, das würde es für alle einfacher machen.

Die Vorfreude, die Zweifel und die Angst vor dem eigenen Mut bei allen allen die sich nun bald aufmachen wollen – all diese Gefühlslagen, die den Aspirantinnen und Aspiranten in den Wochen vor dem Aufbruch vermutlich begegnen werden, sind mir nur allzu vertraut.

Konjunktive, Planung & Abenteuer

Gerade wenn man sich zum ersten Mal auf eine solche Wanderung einlässt, beginnt die Reise oft schon weit vor dem ersten Schritt – mit einem Wechselbad der Gefühle. Doch genau das gehört dazu und macht den Reiz aus: sich einer Herausforderung zu stellen, deren Ausgang noch ungewiss ist. Was wird mich erwarten? Was wird uns erwarten?

Beim Blick gen Norden tauchen viele Fragen auf. Ich bin gespannt, wie die Aspirantinnen und Aspiranten damit umgehen und welche individuellen Lösungen sie für sich finden werden. Eines steht jedenfalls fest: So ein Abenteuer ist lang – und man sollte seine Kräfte nicht schon am Anfang vollständig aufbrauchen.
Jetzt zeigt sich, wie wertvoll eine sorgfältige Vorbereitung und eine durchdachte Planung sind. Wer sich gut vorbereitet hat, kann den kommenden Herausforderungen mit Zuversicht begegnen.
Ich wünsche allen, die sich in diesem Jahr auf diese Tour, auf dieses Abenteuer einlassen, von Herzen viel Erfolg – und drücke sämtliche Daumen!

Die Aspirant*innen 2025

In meiner Übersicht möchte ich die Leute vorstellen, die sich also demnächst daran machen, die wohl schönste aber auch anstrengendste und herausforderndste Wanderzeit ihres Lebens anzutreten.
Alle hier planen die NPL-Tour in diesem Jahr an einem Stück zu laufen. 

Helmut aus Österreich

Ich heiße Helmut und komme aus Salzburg. Mit Freuden bin ich ist seit über 30 Jahren ein begeisterter Wanderer. Meine Touren führen mich vor allem durch die vielfältige Landschaft Österreichs, doch auch im Urlaub zieht es mich regelmäßig in die Berge. Nachdem ich vor vielen Jahren Simons Buch gelesen habe, wusste ich, dass ich mich der Herausforderung gern stellen möchte. Und 2025 passt es sowohl beruflich als auch privat einfach perfekt. Meine Tour startet am 25.5. in Lindesnes. Meine Erlebnisse können auf meinem Reiseblog: https://challenge99.at nachgelesen werden. 

Petra und Andreas

2009 haben wir unsere erste längere Wanderung in Norwegen unternommen. Wir sind damals in vier Wochen ca. 400km von Haukeliseter bis Gjendesheim gewandert. Bereits auf der ersten Etappe zur Hellevassbu haben wir Marita Petersen und Magne Berg Hanssen kennengelernt, die auf ihrem Weg von Lindesnes zum Nordkapp waren. So haben wir das erste Mal vom NPL gehört.

Etliche Jahre und viele Wanderungen später wollten wir dieses Abenteuer selbst erleben und machten uns 2022 auf den Weg. Leider mussten wir auf der halben Strecke bei Røyrvik abbrechen. Ein Jahr später konnten wir aber die letzte Lücke zu einer kompletten Norwegendurchquerung schließen. Für unseren ersten NPL haben wir fünf Etappen verteilt auf zehn Jahre benötigt.

Dieses Jahr wollen wir die Gesamtstrecke am Stück bewältigen. Obwohl wir einige Landstriche bereits mehrfach bewandert haben, freuen wir uns riesig auf unseren zweiten NPL. Die Strecke in der südlichen Hälfte wird uns teilweise durch einige unbekannte Gegenden führen. Aber auch die Wege, auf denen wir bereits unterwegs waren, werden uns bestimmt nicht langweilig, denn je nach Wetter, Lust und Kondition sieht und empfindet man ohnehin die Landschaft immer anders.

Demnächst werden die Versorgungspakete verschickt, die Rucksäcke gepackt und am 11. Juni geht es dann endlich los. Wir wissen, dass der Termin schon relativ spät ist, aber wir wollen gerne noch mal durch die Hardangervidda. Da aufgrund des Rentierschutzes einige Hütten dort erst gegen Ende Juni öffnen und auch die Sommerbrücken recht spät wieder aufgebaut werden, geht es leider nicht früher. Hoffen wir mal, dass der Winter im Norden dieses Jahr etwas später einsetzt.

Wer verfolgen möchte, wo wir gerade auf unserem Weg sind und was wir so erlebt haben, kann dies gerne auf www.weitwanderer.net

Janis

Vor einiger Zeit schrieb uns Janis auf Instagram an, er war auf dem Weg in Richtung Jotunheimen und bereits Anfang April in Lindesnes losgelaufen. Das Abi in der Tasche und seit einigen Jahren den großen Traum im Gepäck hat er sich aufgemacht, um von Lindesnes zum Nordkapp zu wandern. Und kurz darauf stand er vor uns, in einigen Teilen auf seiner Strecke lag noch zu viel Schnee, so dass er seine Route durch Valdres umgeplant hat, quasi direkt bei uns vor der Hautüre vorbei.

Und weil er ja schon mal da war, hat Janis direkt bei uns einen Ruhetag eingelegt. Gut ausgeruht, gestärkt und mit ein paar Tipps im Gepäck ist er nun wieder auf dem Weg nordwärts, immer seinem großen Traum folgend!

Die Tour von Janis könnt ihr hier auf Instagram verfolgen: https://www.instagram.com/norge.pa.langs.2025

 

 
 
 
 
 
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Bist du bereit für dein erstes großes Gravelbike-Abenteuer? Hast du dich gut vorbereitet für die 1000 Kilometer am Stück? Wie lange wirst du wohl brauchen, um anzukommen? Wirst du ankommen?

Diese und viele andere Fragen habe ich mir nicht nur selbst in den zurückliegenden Monaten mehr als nur einmal gestellt. Seit der Anmeldung zum Bright Midnight im letzten September schwingen die Fragen nach der guten Vorbereitung stetig im Alltag bei mir im Hinterkopf mit. 

Der Gedanke an die Anmeldung war seit Juli 2023 und der ersten Ausgabe des Bright Midnight da. Einige Leute die ich kenne haben teilgenommen und ihre Berichte und Fotos haben mich sofort in den Bann geschlagen. Ein Gravelbike Endurance Event in Norwegen – wenn ich jemals an so etwas teilnehmen möchte, dann dort. Und so habe ich mich schlussendlich dazu entschieden, den Schritt zur Anmeldung zu wagen.

Gute Vorbereitung, um das Abenteuer zu minimieren

Für die körperliche Vorbereitung habe ich mir mit Stefan Barth rasch nach der Anmeldung einen professionellen und in dem Bereich sehr erfahrenen Ausdauer-Trainer gesucht, der mir einen passenden persönlichen Trainingsplan erstellt hat. Mir war klar, dass es ohne Trainingsplan wohl nicht gehen wird, um mich optimal vorzubereiten. Das strukturierte Training hat schnell zu ersten Erfolgen geführt, auch wenn man sich daran gewöhnen musste, genau das zu machen, was einem aufgetragen wird. Die raschen positiven Resultate sprachen aber schnell für sich.

Um darüber hinaus mehr über Endurance-Races mit dem Gravelbike zu erfahren, habe ich die in diesem Bereich sehr erfahrene Sarah Hallbauer gefragt, ob sie mit mir in verschiedenen Podcast-Folgen über alle möglichen Aspekte sprechen möchte, die bei solchen Events eine Rolle spielen. Und mit Sarah über alles mögliche zu sprechen, war wirklich motivierend und hat mich ein gutes Stück weiter gebracht.

An der Technik soll es nicht liegen

Klar war mir auch: Wenn ich es ins Ziel schaffen will, muss ich irgendwie die Anstiege möglichst gut hochkommen. Die Lösung ist relativ einfach, eine neue Übersetzung am Fahrrad soll mir das Leben einfacher machen. Nach Rücksprache mit Veloheld in Dresden, mein IconX Gravelbike stammt von hier, ist der Umbau schnell skizziert und in die Wege geleitet. Schon kurz darauf macht mir eine elektronische SRAM Mulltet Schaltung das (Über-)Leben am Berg sehr viel einfacher – vorne 40 Zähne auf dem Kettenblatt und hinten 10/52 auf der Kassette nehmen von nun an fast jedem Anstieg den Schrecken.

Das Puzzle setzt sich über die Monate nach der Anmeldung also mehr und mehr zusammen, nur wie es wirklich werden wird, das muss ich dann wohl auf mich zukommen lassen. Schwer genug.

Leben ist das was passiert, während Du dabei bist andere Pläne zu machen

Im Februar kommt mir dann inmitten der Vorbereitung das Leben außerhalb vom Radfahren dazwischen: Ein Jobwechsel zeichnet sich ab, gänzlich unerwartet und plötzlich. Als der neue Arbeitsvertrag unterschrieben ist, verschieben sich etwas die Prioritäten, denn jetzt steht auch ein Umzug an. Und zwar nicht innerhalb von Deutschland, sondern nach Norwegen. Ein langgehegter Traum geht damit in Erfüllung, aber auch viele Dinge auf der to-do-Liste müssen jetzt erledigt werden, der Umzug obendrauf. Aber auch hier hilft mir eine gute Vorbereitung und so finde ich mich ab Mitte April in Fagernes in Norwegen wieder, vor dem Fenster noch reichlich Winter und keine Möglichkeit draußen radzufahren. 

 
 
 
 
 
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Ein Beitrag geteilt von Simon Michalowicz (@simonpatur)


Zu meinem neuen Job gehört nun auch, mit Gruppen als Guide in den norwegischen Bergen auf Tour zu gehen – und meine erste Tour soll genau in der Woche vom Bright Midnight im Juli sein. So ist das halt manchmal, Pläne muss man auch ändern können. So auch in diesem Falle, ich verkaufe mein Ticket und melde mich stattdessen beim Mother North Bikepacking Event in Lillehammer im August an. Das hat etwas weniger Höhenmeter und ist gut einen Monat später, die Vorbereitung ist also nicht ganz für die Katz.

Screenshot

Apropos Vorbereitung, das strukturierte Training muss ich umstellen, denn ab Mai fahre ich beinahe jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit. Pro Strecke etwa 13 Kilometer und auf dem Rückweg stets mit gut 300 Höhenmetern – quasi Intervalle im normalen Alltag. An den Wochenenden fahre ich dann längere Strecken mit vielen Höhenmetern und Mitte Mai dann auch einmal zum Test an drei Tagen rund um Jotunheimen, was überraschend gut funktioniert. 

Ausrüstung und Rad und auch die Form scheinen also zu passen, ich bin in diesem Jahr vor dem Start in Lillehammer am Ende schon etwa 3750 km mit rund 61.000 Höhenmetern gefahren – könnte also reichen, um irgendwie ins Ziel zu kommen. Gucken wir uns das mal an und schauen, was wird.

Der Prolog zum Abenteuer

Auf was zur Hölle habe ich mich da bloß eingelassen? Die Gedanken kreisen im Bus nach Lillehammer zum Briefing um die vor mir liegenden 1000 Kilometer und die unendlich vielen Höhenmeter. Vor Ort bin ich etwas verloren, es gibt kein richtiges Basecamp oder so, überall laufen Biker*innen in kleinen Gruppen umher, alle sehen amtlich vorbereitet und gut ausgerüstet aus, mein Respekt wächst.

Gerade beim Briefing, als dann letztendlich alle Starter*innen beieinander sind, bin ich doch etwas eingeschüchtert. Nach dem Abholen der Startnummer verstreuen sich wieder alle und ich bleibe alleine zurück mit meinem Gedankenkarussell und verziehe mich ins Hotel, ruhe mich aus.

Tag 1 – The Race is On

Am nächsten Morgen dann ein kurzes Frühstück im Hotel, so viel wie geht, so viel wie nötig und so viel, dass man nicht direkt am ersten Berg kotzen muss. Um mich herum sitzen einige ziemlich fit wirkende Leute in teuren Radoutfits.

Ich packe danach meinen Krempel und mache mich auf zum Start um 9 Uhr im Olympiapark. Auch hier scheinbar nur Maschinen am Start, sowohl die Menschen um mich herum als auch die dazugehörigen Gravelbikes. Nach einer kurzen Ansprache vom Veranstalter Bruno geht es los, im Pulk rollen wir los und schnell finde ich mich hinten im Feld wieder. Aber egal, es geht direkt den ersten Berg hoch, schneller kann ich eben nicht, schneller will ich auch gerade nicht, ich möchte einfach mein Tempo fahren und mich nicht am ersten Berg bereits zerstören.

Zügig geht es raus aus Lillehammer, immer in Richtung Osten. Oben im Fjell angelangt rolle ich lange mit Lotti und Maya, die beide aus Deutschland kommen, über die perfekten Gravelroads des Birkebeinervegens mit einer fast 20 Kilometer langen Abfahrt am Ende hinunter in Richtung Stai, wo wir uns an einer Tankstelle verpflegen. Die Angestellten wundern sich vermutlich darüber, dass heute so viele Radfahrende hier rein kommen und sich mit Cola, Pommes und Burgern versorgen.

Dann geht es gemeinsam weiter, bis mich der fiese Gegenwind oben im Fjell auf dem Vinjeveien zu einer Pause zwingt. Es ist unfassbar schön hier, der Wind aber ist ziemlich zermürbend und ich will nicht mein Pulver bereits am ersten Tag komplett verschießen. 

Noch nicht komplett im Arsch

Ich lege mich hinter eine Kuppe auf dem Boden hin und lasse den Wind Wind sein, ruhe mich in der Sonne aus und mache mich dann alleine weiter auf. Weiter, immer weiter, auf und ab, mit mehr als ausreichend Gegenwind, Kilometer um Kilometer geht es weiter. 

Bei Kilometer 175 in etwa gibt es wohl einen Campingplatz und eine Hütte, die ich bei Inatur online finde – daran klammern sich meine Gedanken mittlerweile, auf ein Biwak im Straßengraben nach diesem für mich knüppelharten Tag habe ich so rein gar keinen Bock. Zumal es nach Sonnenuntergang dann auch schnell frisch wird. Meine Motivation hängt jetzt einzig und allein an einem warmen Bett mit etwas Schlaf und hoffentlich reichlich zu essen. Der Tag zieht sich ganz schön, nun ist wohl die Crunch-Time dieser Endurance-Races – der Kopf muss übernehmen, jetzt ist Mentalität gefordert.

Ich habe Glück, komme gegen 21 Uhr endlich an und kann kurz darauf die Hütte in Atnbrua beziehen. Es ist warm, gemütlich und es gibt etwas zu essen. Fix und alle krieche ich ins Bett, niemals zuvor bin ich an einem Tag über 3000 Höhenmeter gefahren, niemals zuvor bin ich 179 Kilometer mit dem Gravelbike gefahren – mir reicht es für heute.

Tag 2 – Brothers in Arms

Der zweite Tag bricht früh vor Sonnenaufgang an und ich bin total im Arsch! Um 4:30 Uhr klingelt der Wecker und ich frage mich ernsthaft, was das hier soll. Es dauert etwas, bis ich in die Gänge komme, aber ein Kaffee regelt mal wieder und ich schaufele mir zum FrühFrühstück ein Real Turmat Gericht rein. Um 5:30 Uhr sitze ich bereits wieder im Sattel, die Sonne geht gemächlich auf, der Tag ist noch taufrisch als ich über die einsame Landstraße in Richtung der Berge von Rondane rolle und mich langsam warmfietse. Zum Glück hab ich den ersten Tag gut überstanden, keine Beschwerden und auch der Hintern hat nichts abbekommen, das kann gerne so bleiben.

Der Ausblick auf die hohen Berge im ersten Sonnenlicht des Tages ist spektakulär, ebenso der erste knackige Anstieg von der Straße weg. Es ist echt frisch, diese Talseite liegt noch im Schatten, während die Berge bereits im Morgenlicht erstrahlen.

Überwindung und Mentalität

Als ich wieder auf die Landstraße einbiege, wandert das Rad erstmal in den Straßengraben, ich setze mich daneben und wärme mich bei der ersten Gelegenheit in der Sonne auf und mampfe erstmal einen köstlichen Haferriegel. Mir ist eiskalt, ich bin etwas genervt und muss erstmal ein wenig klarkommen.

Nach einigen Augenblicken in der Sonne rollt Stefan die Straße entlang, wir quatschen kurz und beschließen, ein Stück zusammen zu fahren. Stefan kommt aus Flensburg, ist etwas älter als ich und ist mir mit seiner ruhigen und fast schon skandinavischen Art direkt überaus sympathisch. Wir hatten auch beim Start schon kurz miteinander gesprochen, sind dann aber jeweils allein unterwegs gewesen. Bis jetzt – wir kennen uns nicht, sind aber auf einer Wellenlänge unterwegs, haben die selbe Pace und verstehen uns auf Anhieb einfach super. Also geht es zusammen weiter und sich beim Fahren entspannt zu unterhalten hat etwas.

Wir biegen kurz darauf ins Grimsdalen ab, und ja, es wird seinem Ruf als einem der spektakulärsten Almtäler in Norwegen wirklich gerecht. Insbesondere an einem sonnigen Tag wie heute ist es die pure Freude, hier entlang zu fahren.

Wir beschließen in der Grimsdalshytta vom norwegischen Wanderverband ein kurzes Frühstück einzulegen, auch wenn uns das einige Höhenmeter extra kostet. Ein richtiges Frühstück, mit belegten Broten und Kaffee, dazu noch eine schöne Aussicht aus dem Fenster, das trägt deutlich zur Motivation bei.

Talwärts zum Endboss

Dann geht es weiter, bis zum Ende des Tals und dann über kilometerlange Abfahrten hinab ins Gudbrandsdalen. Man bekommt das Grinsen kaum aus dem Gesicht, so schön ist es heute hier.

Von nun an folgen wir dem Gudbrandsdalen hinab nach Dovre und Otta. Es geht immer wieder leicht auf und ab, unterbrochen nur von Pommes, Cola & Milchshake beim großen M in Otta. Stundenlang rollen wir dahin bis nach Vinstra, wo der Endboss des Tages auf uns wartet, ein Anstieg von über 600 Höhenmetern am Stück. 

Wir nehmen am späten Nachmittag eine längere Pause und erholen uns im Schatten. Die Sonne scheint schon doll, da tut ein wenig Abkühlung im Liegestuhl vor dem Supermarkt richtig gut. 

Jetzt gilt es, wir brechen wieder auf und ringen dann dem Anstieg Höhenmeter um Höhenmeter ab. Immer im Schweiße des eigenen Angesichts, herrlich, immer wieder erstaunlich, wie sehr man doch schwitzen kann. Als wir beim Fjellhotel in Fefor angelangt sind, wähnen wir uns schon oben, aber weit gefehlt, es geht halt einfach nochmal gut 200 Höhenmeter höher hinaus, schon schön. 

Aber egal, wir haben uns zusammen die Ruten Fjellstue als Ziel des Tages ausgewählt, hier wollen wir übernachten und uns ein leckeres Abendessen gönnen. Ich kenne die Unterkunft von der Arbeit und weiß, dass uns dort eine gute Unterkunft erwarten wird. Stefan ist schnell dabei, so können wir uns dort auch ein Zimmer teilen.

Die letzten Meter dann nach dem finalen Anstieg sind Freude pur. Das warme Abendlicht taucht die Umgebung in eine wunderbare Stimmung, die Aussichten um uns herum sind spektakulär und wir haben den Tag wider Erwarten ganz gut geschafft, und zwar zusammen, ohne größere Längen oder Langeweile, es war einfach extrem kurzweilig. Gerne weiter so! Überglücklich rollen wir in Ruten gegen 19:00 Uhr ein, sitzen kurz darauf beim äußerst leckeren 3-Gänge Abendessen und genießen nach 162 km unseren Feierabend für heute. Nur die Polarlichter spät am Abend verschlafen wir, irgendwas ist ja immer, aber guter Schlaf schlägt aktuell einfach alles!

Tag 3 – Ankommen unterwegs

Es klappt heute morgen erstaunlich gut mit dem Aufstehen – um 4:00 Uhr wohlgemerkt – man darf einfach nicht groß darüber nachdenken und den Autopiloten anschmeißen. 

In der Rezeption packen wir unsere Räder und die Wirtin Berit war so lieb uns Brote zum Mitnehmen zu schmieren! Wir rollen vom Hof und durch die Dämmerung des neuen Tages, gleich wird der Jotunheimsvegen vor uns liegen, ein weiteres Highlight der Tour. Am ersten Anstieg sind die Brote fällig, ist Fahren und Essen zur gleichen Zeit schon der echte Endurance-Race Modus? Wie dem auch sei, oben im Fjell ist es noch recht frisch, selbst die Kühe und Schafe scheinen noch zu träumen, als wir an ihnen vorbei fahren. 

Die Aussichten hier oben sind einfach der Wahnsinn, der Wind aber mitunter auch, natürlich nie von hinten. Wir erklimmen den höchsten Punkt der Passstraße und genießen den Blick auf die Umgebung, am Horizont das markante Bitihorn und die hohen Berge von Jotunheimen.

Über 50 Kilometer ist diese Schotterpiste lang, wir kommen gut voran, unterbrechen unsere morgendliche Radfahrt nur kurz für eine Kaffeepause zum Aufwärmen in Haugseter im Fjellhotel. Es ist hier ganz behaglich, aber wir müssen weiter, denn gleich treffen wir meine Freundin Anna-Maria kurz auf eine Cola und einen Espresso am Wegesrand. Sie ist gerade hier von der Arbeit aus unterwegs und da das Rennen ja unsupported ist, haben wir uns das mit Cola und Espresso eventuell auch nur ausgedacht 😉

Der Abschied fällt schwer, aber mit dem Slettefjell geht es bald darauf über einen nicht nur spektakulären, sondern auch ziemlich anstrengenden Pass. In Beitostølen legen wir eine kurze Pause zur Stärkung ein, schnell einen Hamburger gefuttert und weiter geht es hin zum Slettefjell.

Wir können es wirklich schaffen

Der Beginn des Anstiegs ist recht steil und wir quälen uns ganz schön. Es zieht sich, aber als wir endlich auf gut 1300 Metern oben sind, bekommen wir uns vor Freude kaum ein. Wie geil ist das denn? Wir fühlen uns gut und dass wir einigermaßen fit sind, dafür war dieser Anstieg ganz sicher der Beweis. Die Umgebung und Ausblicke sind spektakulär und wir sind mit dem Gravelbike hier hinauf gefahren! Ziemlich unfassbar für uns beide!

Als wir hinunter nach Ryfoss rollen, muss ich mich echt kneifen, da hinten am Horizont, etwa 20 km das Tal runter, genau dort wohnen wir. Das alles hier ist jetzt unser Zuhause – darauf komme ich kaum klar, wie cool ist das denn?

Im Tal unten in Ryfoss gibt es dann erneut eine Stärkung und dann quälen wir uns den nächsten Anstieg hinauf nach Syndin, ein einziges Auf und Ab, der Schweiß fließt mal wieder in Strömen. Kurz hinter Syndin gibt es dann eine Bike & Hike Passage, hier muss man sein Rad teilweise über Stock und Stein tragen. Drei Kilometer, die vermutlich den Willen etwas herausfordern sollen, hat bei uns sehr gut geklappt, wir sind unendlich genervt, stehen im Schlamm und es dauert sehr viel länger als gedacht.

Hometurf vor der Haustüre

Endlich wieder auf Schotter angelangt rollen wir durch die Stølsvidda, hier war ich schon so oft zum Training unterwegs, das hier sind quasi meine Hometrails. Wir nähern uns endlich dem Örtchen Hemsedal, ein mögliches Tagesziel für heute. Die Abfahrt hinab ins Tal ist rasant und wir sind rasch unten im Ort angelangt. Wir wissen nicht recht was zu tun. Wir wollten eigentlich noch 40 Kilometer weiter zu einer DNT Hütte fahren – aber jetzt am Abend noch 600 Höhenmeter? Wir sind unsicher, diskutieren,überlegen im Vorraum von einem Supermarkt hin und her. Und jetzt? Wir gucken uns den nächsten Tag an und treffen die Entscheidung, in Hemsedal eine Unterkunft zu finden, ansonsten müssten wir morgen die zwei größten Anstiege der gesamten Tour direkt hintereinander an einem Tag fahren. 

Wieder einmal siegt die Vernunft, wir wollen uns nicht sinnlos verausgaben, langsam kristallisiert sich so etwas wie eine Strategie bei uns heraus. Eine gute und günstige Unterkunft um die Ecke ist schnell gefunden, die heiße Dusche tut gut. Wir haben eine weitere Etappe geschafft, haben keine größeren Probleme oder Zipperlein. Wir sind sehr zufrieden mit unserem Tag und der gemeinsam getroffenen Entscheidung. Gegen 21:30 Uhr liegen wir frisch geduscht und müde im Bett. Morgen geht es weiter.

Tag 4 – Vom Fjell zum Fjord

Der Early Bird wird langsam aber sicher zur Routine für uns – und wir rollen an Tag vier im Morgengrauen raus aus Hemsedal. Die Straßen sind frei, wir genießen die Ruhe und die frische Morgenluft. Die ersten Birken zeigen schon eine gelbliche Herbstfärbung, die schönste Zeit des Jahres hier oben im Norden kündigt sich in diesem Jahr schon früh an. Wir kommen gut voran und sind schon bald oberhalb der Baumgrenze angelangt. Wir rollen über Schotterpisten durch Hüttenfelder parallel zur Straße weiter bergan.

Zwischendurch fließt nicht nur Schweiß, vom ewigen Nase-Schnäuzen unterwegs bekomme ich Nasenbluten und beim Blick auf die anstehenden Höhenmeter heute haben wir dann also den Dreiklang aus Blut, Schweiß und Tränen endlich beisammen. Die Ausblicke sind auch heute schon früh am Morgen fantastisch, insbesondere der Blick über die Hauptstraße hinab ins Tal ist richtig cool. Der polnische LKW-Fahrer, der am Straßenrand direkt neben uns parkt, muss echt  schmunzeln, als Stefan sich mit seinem Fahrrad auf die leere Straße legt und für ein Foto posiert. 

Wir fahren weiter, das dunkle Mørkdalen wartet auf uns. Wie oft bin ich hier schon hoch zur Hütte Skarvheimen mit dem Bus gefahren, im Sommer und im Winter, und jetzt auch mit dem Gravelbike. Bald haben wir den höchsten Punkt erreicht und rollen über die perfekt asphaltierte Straße hinab zur Hütte. Hier wollen wir eine Kaffeepause einlegen und uns aufwärmen.

Kurz darauf sitzen wir in der gemütlichen Hütte beim Kaffee. Hier treffen wir Ralf, der gerade seine Wandertour beendet hat und auf den Bus wartet. Mir fällt gerade mein Nasenblutentampon beim kalten Hamburger-Essen aus der Nase, als Stefan und Ralf mich angrinsen und ich nicht weiß warum. Scheinbar hat Ralf vor einiger Zeit meinen Live-Stream Vortrag bei Weltundwir.com gesehen und dieser hat ihn dazu gebracht, in Norwegen auf Tour zu gehen. Als ich kurz auf der Toilette war, hat er Stefan gefragt, ob ich das aus dem Livestream wohl wirklich bin? Und jetzt sitze ich hier stinkend, verschwitzt und mit Blut an der Nase Burger kauend vor ihm. Etwas skurril, aber auch so cool zu hören, dass Ralf wegen dem Stream Norwegen für sich zum Wandern entdeckt hat. Wir hätten gerne länger Pause gemacht und entspannt weiter gequatscht, aber wir müssen weiter, sind ja nicht zum Spaß hier unterwegs. Die Stabkirche in Borgund wartet auf uns, ebenso die über 200 Jahre alte und ziemlich coole Vindhella Passstraße. 

Auf und ab im roten Bereich

Bis Lærdal geht es nun lange bergab, wir kommen gut voran und machen dort eine kurze Pause am Supermarkt. Wir mampfen gerade vor uns hin, als wir freudig von Nina und ihrer Freundin begrüßt werden. Nina war vor ein paar Jahren zusammen mit mir auf Tour in der Hardangervidda. Die beiden sind hier gerade mit ihrem Camper unterwegs und sie haben unsere Dots gewatcht – wie cool ist das denn? Und was für eine Überraschung! Und Stefan wundert sich langsam über gar nichts mehr 😉 In der Pause haben wir über Google zudem noch eine günstige Unterkunft in Flåm gefunden, sodass wir uns darüber schon mal keine Sorgen mehr machen müssen und dort nur noch ankommen müssen, beim Blick auf den nächsten Anstieg schwer genug.

Nach der Pause kommt der Banger des heutigen Tages aufs Tableau – es geht vom Sognefjord auf Meereshöhe hoch zum Aurlandsfjellet auf über 1300 m Höhe und danach wieder hinab nach Aurland. Auf dem Garmin Edge Display sieht der Anstieg schon ganz schön brutal aus.

Also los, über 4 Stunden bergauf stehen an und wir kurbeln uns beständig hoch. Zur Motivation bekomme ich Nachrichten dazu wie „Ah toll, leicht hügelige Landschaft!!! Da radelt es sich am schönsten“ – genau mein Humor! 

Aber es geht, und zwar viel besser als gedacht. Wir kommen gut voran und sind beide gut drauf, der Formaufbau scheint zu stimmen und unsere Taktik aufzugehen. Als wir endlich oben sind, ist die Freude unglaublich, so groß, dass es kurz sogar anfängt zu regnen. Wie schön!

Die Abfahrt hinunter nach Aurland ist der Wahnsinn, und wird zwischendurch nur durch den von Touristen ziemlich gut frequentierten Aussichtspunkt am Stegastein unterbrochen. Man kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Langsam wird es schwierig, das alles zu verarbeiten, der Erlebnisspeicher läuft langsam aber stetig über.

Von Aurland geht es noch flott immer am Fjord entlang nach Flåm, wo wir auf Mar, Heine und Ryan treffen, die auch am Rennen teilnehmen. Wir nehmen sie mit zu unserer Unterkunft bei Sigurd und es stellt sich heraus, dass er eine richtig coole Socke ist und sich sehr über unseren Aufenthalt bei ihm freut. Kurz darauf riecht es in der Unterkunft nach großer weiter Welt, Pizza und Pasta, es ist richtig Leben in der Bude.

Alle sind total fasziniert vom Tag heute. Aber nicht allzu lang, denn der nächste Tag kommt so schnell wie der nächste große Anstieg, das ist in Norwegen mal sicher. Gute Nacht, schlaft gut! 

Tag 5 – Star Wars trifft Amundsen

Heute wartet der Eisplanet Hoth auf uns. Es geht über die Hardangervidda, jene baumlose Hochebene, auf der ich im Sommer und im Winter schon so oft unterwegs war und wo seinerzeit Szenen von Star Wars auf dem Hardangerjøkulen Gletscher gedreht worden sind.

Zuerst aber blicken Stefan und ich in die müden Augen von Mar, Ryan und Heine – irgendwer der drei ist heute Nacht scheinbar die Strecke schon mal vorab im Schlaf abgefahren und hat die anderen daran teilhaben lassen – wir haben dagegen in unserem Zimmer einwandfrei geschlafen. 

Um kurz nach fünf geht es los, man gewöhnt sich langsam ans frühe Aufstehen und den zeitigen Start in den Tag. Ein kurzer Check, uns geht es beiden immer noch erstaunlich gut. Wir rollen durch die Dämmerung gemächlich bergan, immer das Tal hinauf, in dem auch die legendäre Flåmsban sich über steile Rampen durch die Felsen bergan windet. Aber jetzt so früh am Morgen ist von den Zügen und den Touristen aus aller Welt, die mit der Bahn hoch fahren und mit Fahrrädern das Tal gerne hinabrollen, noch nichts zu sehen. Wir haben das Tal quasi für uns und genießen die Ruhe und die Ausblicke. 

Kurz vor Myrdal schlägt der Radcomputer wieder an und es blinkt tiefrot, über 250 Höhenmeter auf gut 1,5 Kilometern lassen nichts Gutes erahnen. Sei es drum, da müssen wir jetzt durch. Aber die Serpentinen haben mitunter 18% und sind brutal steil. Ich möchte es unbedingt fahrend probieren, das wird eine Sache zwischen den Oberschenkeln, dem Kopf und der Schwerkraft – und es wird ein ziemlich zäher Kampf. 

Ich quäle mich von Rampe zu Rampe, mache in jeder Kurve Pause, aber ich bekomme es bis ganz nach oben hin, ohne zu schieben. Was für ein Wahnsinn! 

Kurz darauf kommen Heine und Stefan oben an, schiebend und schwer gezeichnet, aber wir haben es geschafft. Zur Belohnung gibt es im nahegelegenen Vatnahalsen Hotel einen schnellen Kaffee und zack geht es weiter, das Fjell ruft.

Ein Haken für die Bucketlist

Wir folgen dem Rallarvegen, dem Weg über die Hardangervidda, den die Arbeiter vor weit über einhundert Jahren genommen haben, um die legendäre Bergensbanen Eisenbahnlinie zwischen Oslo und Bergen zu bauen. Die Strecke windet sich Höhenmeter um Höhenmeter hinauf, wir haben erneut Glück mit dem Wetter und hinter jeder Kurve, hinter jedem Anstieg wartet ein neuer, grandioser Ausblick auf uns. Kein Wunder, dass hier so viele Leute mit dem Fahrrad unterwegs sind, dann aber immer schön in der anderen Richtung, und nicht so wie wir, mit gut 1300 Höhenmetern im Anstieg.

Aber hei, es läuft erneut super, wir kommen gut voran und bald schon erreichen wir Finse, jenen sagenumwobenen Ort mit dem Bahnhof auf 1222 Metern, der unter Outdoor-Leuten einen solch legendären Ruf genießt. Hier haben quasi alle Leute, die auf Polarabenteuer und Expedition gehen wollten, im Winter trainiert. Wir gönnen uns dort im Hotel einen Kaffee und eine Cola, dann geht es weiter, nun immer sanft bergab. Klar, es gibt auch immer wieder kleinere Gegenanstiege, aber es geht weiter gut. Und ja, die Hardangervidda über den Rallarvegen per Fahrrad zu überqueren gehört definitiv zu den Bucket-List Touren in Norwegen, die man mit dem Gravelbike einmal gemacht haben sollte.

Der Rest ist schnell erzählt: Schotterpiste bis nach Haugastøl, dann per Haupt- und Nebenstraßen nach Ustaoset, Geilo, Ål und schließlich Gol, wo wir im Regen ankommen und uns auf dem Campingplatz eine Hütte nehmen, die uns ein gemütliches Dach für die kurze Nacht bieten wird. 

Nur eine Sache nervt uns irgendwann richtig: Stefans Hinterradbremse verliert Öl und entsprechend auch Druck, sie ist somit also ohne Funktion und so schnell und einfach hier nicht zu reparieren. 

Wir genießen die heiße Dusche und die Pizza aus dem Ofen, ein trockenes Plätzchen für die Nacht ist definitiv ein großes Plus. Etwas nachdenklich gehen wir aber mit Blick auf Stefans Bremsen zu Bett, vertagen die Gedanken daran auf morgen. Hoffen wir das Beste!

Tag 6 – The final Push!

Das Finale ruft! Der voraussichtlich letzte Tag unserer gemeinsamen Zeit bei Mother North motiviert, als der Wecker uns aus dem Reich der Träume ruft. Die Abläufe auf Autopilot, der Kaffee am Morgen regelt aber mal wieder, ohne Klüsengold wäre es schon deutlich freudloser so früh am Tag. Wir fühlen uns zu unserer eigenen Überraschung beide richtig gut, die finale Etappe motiviert zusätzlich. Das Problem mit Stefans Bremse wollen wir einfach ignorieren, wird schon schief gehen.

Der Regen ist abgezogen und wir starten, rollen durch das noch verschlafene Gol. Schon komisch, wenn alles nach Plan verläuft, dann sind wir heute Abend im Ziel, völlig verrückt. Aber noch trennen uns gut 180 Kilometer und über 3000 Höhenmeter vom Kaltgetränk auf der Ziellinie, was für Aussichten.

Wir fahren langsam bergan, das Golsfjellet ruft. Ohne Sonne ist es hier im Schatten aber noch ziemlich frisch, die Füße sind eiskalt und jeder noch so kleine Sonnenstrahl wird genutzt, um sich kurz aufzuwärmen. Wir kommen gut voran und kurz darauf haben uns Heine und Mar eingeholt, sie haben ein paar Kilometer hinter uns übernachtet, Ryan hat gezeltet. Das Rennen um Platz 29 ist also eröffnet, das ist für uns verbliebene Teilnehmer*innen am Ende des Feldes die noch bestmögliche Platzierung, die wir schaffen können. Insgesamt waren 59 Solo-Starter*innen im Rennen, ins Ziel kommen am Ende lediglich 35.

Also “The Race is on” – das wird zum geflügelten Wort unter uns und wir lachen uns kaputt. Keinem von uns ist richtig zum racen zumute, wir wollen alle einfach gut ins Ziel kommen.

Als der Tisleifjord in Sicht kommt und die Sonne unsere Füße auftaut, macht es plötzlich Peng und Stefan hat Mühe, sein Rad bergab zum Stehen zu bringen. WTF?!? Es ist doch schief gegangen.

Nun hat auch die Vorderradbremse ihren Dienst quittiert und Stefan rollt laut fluchend aus. Ungläubig blicke ich ihn an, die unterschiedlichsten Ansätze zur Reparatur kommen mir sofort in den Sinn, nur leider keiner davon lässt sich hier mitten im Nirgendwo schnell umsetzen. Was für ein Mist! Was für eine Sch**ße! Auch gegen alles Geld der Welt ist jetzt guter Rat nicht zu bekommen, das war es wohl für Stefan, das steht schnell fest, wir müssen der Realität ins Auge blicken. 

Neustart kurz vorm Ziel

Ich komme darauf gar nicht klar, als ich nach kurzer Verabschiedung alleine weiterfahren muss. Stefan ruft seine Frau an, sie wird ihn hier abholen, bis dahin wartet er hier, ruht sich im Schlafsack aus und genießt die Morgenruhe, so gut es geht nach dieser Enttäuschung. Was für ein Gefühlschaos! 

Eine Ablenkung muss her, und so höre ich das erste Mal in dieser Woche Podcast und Musik beim Radfahren. Das Wetter ist super, die Bedingungen sind gut, alles lief wie am Schnürchen und dann das. Warum?

Es bleibt aber kaum Zeit, das Ganze zu verarbeiten, die nächsten Anstiege rufen und sorgen für Ablenkung durch Anstrengung. Die Aussichten sind unfassbar cool und ich genieße es wirklich hier unterwegs zu sein, wenn auch mit einer gehörigen Portion Wehmut, zu gerne wäre ich zusammen mit Stefan ins Ziel gekommen. Bald darauf kommt das Fjellhotel in Gomobu in Sicht und die große Mobilfunkantenne, die wir von zu Hause, vom Wohnzimmer aus, immer aus dem Fenster sehen können. Keine Ahnung warum, aber mit lauter Musik auf den Ohren, mit dem Blick in Richtung zu Hause kommen mir die Tränen, ich bin irgendwie total überwältigt, die Gegend hier, das ist jetzt unsere Wahlheimat! Das alles, und die Möglichkeit heute zu finishen, sind irgendwie zu viel für mich gerade. 

Mit einem Affenzahn fahre ich in Gomobu vorbei, eigentlich wollte ich hier im Fjellhotel einen Kaffee trinken und mich aufwärmen, jetzt aber möchte ich einfach schnell weiter. Heine und Mar sitzen dort gerade beim Kaffee und wundern sich, hatte ich doch versprochen, da auch einzukehren, aber hei, the Race is on!

Kurz darauf stehe ich nur 4! Kilometer entfernt von mir zu Hause an dem Abzweig, den ich jeden Tag zwei Mal auf dem Weg zur Arbeit und nach Hause passiere, so nah und doch so fern. Gefühlschaos hoch zehn!

Einen Anstieg weiter bin ich in Fagernes, wo im Park schon zuerst Stefan und dann auch meine Arbeitskolleg*innen von Jotunheimen Travel auf mich warten! Was für eine Überraschung und was für eine Motivation für die letzten Kilometer! Tusen takk für euren coolen Support!

The final push!

Jetzt sind es noch gut 110 Kilometer ins Ziel, die ich zu einem großen Teil mit Mar fahre, den ich in Fagernes am Supermarkt wieder treffe. Über scheinbar unendlich lange Schotterpisten, Anstieg um Anstieg geht es weiter. Die Kraft schwindet langsam, aber das Ziel vor Augen ist Motivation genug. Zum Glück kommt irgendwann die steile Abfahrt hinab nach Forset, jetzt trennen Mar und mich nur noch gut 28 Kilometer und ein Anstieg von gut 260 Höhenmetern vom Ziel. Uffz, aber auch das schaffen wir jetzt noch. Stefan hat geschrieben, er wartet schon im Ziel auf uns, mit reichlich eiskaltem Bier! 

Also los, gehen wir es an. Der letzte große Anstieg fordert nochmal allen Willen und alle Überwindung, ich fluche wie ein Rohrspatz und zähle jeden einzelnen Höhenmeter. Das Gefühl, dann aber über den höchsten Punkt zu rollen und die Abfahrt nach Lillehammer hinunter zu nehmen, ist kaum in Worten zu beschreiben. Bald kommt die große Stadt in Sicht, dann die Skischanzen, dann der große Mjøsa-See. Im warmen Abendlicht rolle ich über die lange Brücke in die Stadt, überglücklich, es gleich geschafft zu haben. Ein richtiges Hochgefühl macht sich breit! Ich bin weder komplett zerstört, noch habe ich irgendwelche Zipperlein. Die Taktik, es relativ entspannt anzugehen und sich keinen allzu großen Stress zu machen, hat sich ausgezahlt.

Und dann, endlich, gegen 19 Uhr stehe ich dort in Lillehammer, wo alles angefangen hat, im Ziel und umarme Stefan, nach gut 6 Tagen im Sattel! Was für eine Woche, was für eine coole Zeit! Ich habe so viel mehr gewonnen, als ich es mir vorher hätte ausdenken können, nur das Rennen um Platz 29 habe ich verloren, aber das ist mir sowas von egal! Skål!

Photo: Bruno Ferraro
Photo: Bruno Ferraro

Epilog

Wie blickt man mit etwas Abstand auf sein erstes Endurance-Bikepacking Event zurück? Es hat ein paar Tage gedauert, all die Erlebnisse und Eindrücke zu verarbeiten. Zu viel passiert an einem Tag, wenn man von morgens bis abends im Fahrradsattel sitzt. Da braucht man schon ein wenig, um hinterherzukommen. Körperlich gab es jedenfalls nicht viel zu verarbeiten, zu gut hat alles geklappt. Ich hatte weder Sitzprobleme, noch taten mir die Knie- oder Handgelenke weh. Keine Ahnung, ob das jetzt für eine gute Vorbereitung, ein gutes Bike oder auf einen robusten Körperbau spricht. Vermutlich ist es eine Mischung aus allem. 

Unterm Strich bin ich wirklich sehr zufrieden damit, wie es gelaufen ist. Klar, ein Rennen war es für mich nicht, allenfalls ein Rennen gegen die Cut-Off Zeit. Und das habe ich gewonnen, und zwar ganz ohne Stress und mich komplett zu verausgaben – weder physisch als auch psychisch. 

Viele Dinge, die ich von sehr langen Wandertouren kannte, haben mir dabei vermutlich geholfen. Gerade die Ruhe, nicht wie ein Rennpferd loszulegen und dann irgendwann einzugehen, hat dazu sicherlich beigetragen. Das war mir von Anfang an klar und das Resultat daraus war die Taktik, den Schnitt oben zu halten und gut zu schlafen und sich somit auch gut zu erholen. Haken dran, das Wetter hat auch mitgespielt und mit Stefan hatte ich den besten Begleiter an meiner Seite, den ich mir hätte wünschen können. Die Materialauswahl war auch gut, mit der ein oder anderen Erfahrung im Gepäck lässt sich das dann auch noch etwas optimieren, wenn dann aber nur leicht, zu gut hat alles auch hier funktioniert.

Im Ziel habe ich noch gesagt, dass das mein erstes und letztes Event dieser Art war. Ungefähr acht Bier später mit Stefan in entspannter Runde war dann aber schnell klar, dass zumindest Stefan ja jetzt auch noch so eine Finisher-Medaille braucht – und da er denke ich jetzt auch sein Fernweh-Herz an Norwegen verloren hat, steht der Plan fürs nächste Jahr: Wir werden uns beide für das Bright Midnight in Tolga anmelden und dort an den Start gehen! Wie es wohl dann werden wird? Schauen wir mal, was wird.

Was hat gut funktioniert:

  • Elektronische Schaltung – hat einwandfrei funktioniert, nur 1x Batterie getauscht
  • Sitzposition – keine Schmerzen nirgendwo, Sattel und Hose im Kombination haben perfekt funktioniert
  • Essen – kaum süße Riegel, dafür umso mehr Herzhaftes aus dem Supermarkt

Was hat nicht funktioniert:

  • Aerobars – direkt zu Hause gelassen, am Berg störend, und Berge gab es genug
  • Kamera mitnehmen – nach zwei Tagen nach Hause gegeben, beim nächsten Mal neuer Versuch
  • Nacht durchfahren – hatte ich mir vorgenommen, musste ich nicht, nächster Versuch beim nächsten Mal

Meine Mother North Tour 2024 auf Komoot

Podcasts rund ums Mother North

Meine Ausrüstung und Bekleidung für Mother North

Zelt- oder Biwakausrüstung?

Die Frage nach meinem Übernachtungssetup hat mich lange sehr umgetrieben. Zelt oder Biwacksack – lange habe ich darüber nachgedacht und gegrübelt. Mit einem Zelt ist man unabhängiger, stets gut geschützt vor Wind, Wetter und Mücken und kann gerade hier in Norwegen quasi überall übernachten. Aber man hat mindestens ein Kilo mehr am Rad im Gepäck, selbst wenn man auf ein ultraleichtes Zelt zurückgreifen kann.

Beim Biwaksack verhält es sich gerade andersherum, man spart Gewicht, ist im Fall der Fälle aber dennoch ausreichend geschützt – zumindest wenn das Wetter einigermaßen mitspielt.

Den Ausschlag für den Biwaksack in diesem Fall gab bei mir die Überlegung den Ausschlag, dass mir schon vor dem Event klar war, dass es am Routen-Rand genügend Unterkünfte wie Campingplätze geben würde. Mich mit dem Biwaksack in den Straßengraben zu legen, um nur 1 oder 2 Stunden zu pennen, und dann weiter zu fahren, diese Vorstellung behagte mir irgendwie nicht, zu gut kenne ich mich selbst. Im Notfall ja, kein Problem, aber mit guter Planung wären mir feste Unterkünfte mit guter Erholung dann doch wichtiger. Und genau das gab am Ende den Ausschlag, und hat auch im Nachgang betrachtet sehr gut funktioniert.

Fahrrad
GravelbikeVeloheldIconX mit Carbon Gabel
LaufräderDT SwissNaben: 240 EXP Felgen: GR531 in 27,5"
BereifungSchwalbeVorne: G-One Ultrabite 2.0 Hinten: G-One Bite 2.0
SchaltungSRAMRival eTap AXS 1x12 Mullet Schaltwerk: GX Eagle AXS Übersetzung: Vorne 40 Hinten 10-52
SattelErgonSR Allroad Comp Pro
Taschen
SatteltascheOrtliebSeat-Pack
OberrohrtascheTailfinnTop Tube Pack
RahmentascheGrammFull Frame Bag Custom Made
LenkertascheOrtliebHandlebar Pack
LenkertascheOrtliebAccessory Pack
StembagAGUSnack Pack
Ausrüstung
LampeSigmaAura 100
RücklichtSigmaBlaze
RadcomputerGarminEdge 840
SicherheitswesteNo NameNo Name
Trinkflaschen1x 1000 ml 1x 600 ml
WasserfilterKatadynBeFree
Becher Recup400 ml Becher
TitantasseSnow Peak800 ml inkl. Deckel
KocherPrimusExpress Stove
GaskartuschePrimus110 g
TitanlöffelEdelrid
StirnlampePetzlActic Core inkl. Akku
Reparatur / Ersatzteile
Tasche Sea to SummitToiletry Bag S
KettenschlossSRAM
BremsbelägeSRAM
ErsatzschlauchSchwalbeSchlauch NR. 21A
DichtmilchSchwalbeDoc Blue
Kettenöl
Lappen
MultitoolGerberDime Micro
MultioolCrankbrothersMulti 17
LuftpumpeLezyneCNC Pocket Drive
PumpenkopfLezyneControl Drive inkl. CO2 Kartuschen
Kabelbinder
Ducttape
Flickzeug
ErsatzakkuSRAM
LadegerätSRAM
Elektronik
PowerbankAnker10.000 mAh
HandyAppleIphone 15 Pro
LadekabelApple
KopfhörerAppleAirpods
LadeadapterHama38 Watt USB A / USB C
LadekabelDiverseDiverse USB
KameraFujiXT-4
ErsatzakkuFuji
StativGorillapod
Bekleidung
RadschuheSpezializedRecon 2.0
HelmPOCOmne Air
Schnelle BrilleEvil EyeRoadsense inkl. Clip-in
RadhoseGonsoSitivo Bib Red
RadhoseGonsoSitivo Bib Red
TrikotRaphaCore Jersey
TrikotRaphaClassic Jersey II
WesteSuper NaturalM Unstoppable Gilet
ArmlingeGore BikewearArm Warmers
BeinlingeGore BikewearLeg Warmers
BeanieBergansWool Beanie
StirnbandFriluftsWaiho Headband
IsolationsjackeBergansRabot V2 Insulated Hybrid Jacket
ÜberschuheGore BikewearGore-Tex Overschoes
RegenhoseGore BikewearEndure
RegenjackeBergansY LightLine Air 3L Shell Jacket Men
SockenFrilufts
SockenWoolpowerSkilled Liner Classic
Lange UnterhoseWoolpowerLong Johns Lite
UnterhoseBergansInner:Light Boxer
LongsleeveBergansInner:Light
HandschuheRoecklRadhandschuhe
HandschuheRoecklWindstopper
HandschuheBlack DiamondWaterproof Overmitts
Schlafen
IsomatteExpedUltra 3 R Mummy
Daunen-QuiltWestern MountaineeringAstralite Quilt
BivybagMammutGrevling EMT
Sonstiges
KulturtascheTatonkaSQZY Pouch S
Zahnbürste, Zahnapasta, Brillenputztücher, Duschgel
HandtuchFriluftsMini Irgendwas
Portmonet
Erste-Hilfe-Set

In der heutigen Folge #EinLöffelButter spreche ich mit Tobias Obermann. Mit Tobi bin ich seit längerem über Instagram im Austausch und zwar genau seit dem Zeitpunkt, als ich mich für das Bright Midnight angemeldet habe, einem Bike Endurance Event in Norwegen. Und der Tobi hat sich auch entschlossen, dort mitzufahren und es war cool, sich immer mal wieder auszutauschen zu sehen, was er so trainiert, wie es bei ihm vorangeht und auch von ihm Feedback für den Podcast zu bekommen, den ich in der Vorbereitung mit Sarah Hallbauer gemacht habe. 

Jetzt hat Tobi das Bright Midnight gefinished, ich war bei Mother North, und es kam sofort die Idee auf, uns dazu einmal auszutauschen, wie denn das jeweilige Rennen so war. Und here we go – wir haben uns getroffen, wir haben geschnackt, und es war ein richtig cooles Gespräch und ich sag mal so, vielleicht sehen wir uns nächstes Jahr zusammen beim Bright Midnight. 

Viel Spaß beim Reinhören!

Tobias auf Instagram: https://www.instagram.com/obey.outdoor

Tobias auf Strava: https://www.strava.com/athletes/18858903

Website vom Bright Midnight: https://brightmidnight.cc

Photo: Gavin Kaps

Der Partner der heutigen Folge ist ⁠⁠Bergans of Norway⁠⁠. Wenn ihr mehr über Bergans, die Produkte und den Weg der NorwegerInnen erfahren wollt – schaut einmal auf ihrer Websites ⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠www.bergans.de⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠ vorbei!

Über Gästevorschläge, Themen oder sonstige Rückmeldungen würde ich mich sehr unter ⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠simon@simonpatur.de⁠⁠⁠ ⁠⁠⁠⁠oder über die entsprechenden Social Media Kanäle wie Facebook oder Instagram freuen

Mucke: Justus Wilhelm || ⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠instagram.com/doggtor_1312⁠⁠

Den Sognefjellsvegen und die Valdresflye in Norwegen mit dem Rad zu fahren, stand schon lange auf meiner Wunschliste – doch lange war die Anreise zu weit und ich unsicher, ob ich es packe, mit dem Rad so viele Höhenmeter zu bezwingen und bis auf über 1400 Meter zu klettern.

Jetzt aber wohne ich ja seit April in Fagernes und nur noch einen langen Tag im Sattel von einigen der schönsten Passstraßen in Norwegen entfernt. Die Fitness schien dank der vielen Höhenmeter und Kilometer in letzter Zeit auch ganz passend. Im Mai ergibt sich dann dank des Nationalfeiertags am 17. Mai und des Pfingstmontags die Möglichkeit zu einem langen Wochenende – also nix wie los, von der Haustür weg, einmal in drei oder vier Tagen im Bikepacking Style mit dem Gravelbike rund um Jotunheimen.

Es soll zudem eine Art längere Probetour für mich werden, denn ich habe mich ja für mein erstes Bikepacking Event in diesem Jahr angemeldet, dem Bright Midnight über fast 1100 Kilometer und bald 20.000 Höhenmeter, die es innerhalb von gut 6 Tagen zu bezwingen gilt (Den Start beim Bright Midnight in Tolga im Juli musste ich später dann gegen einen Start beim Mother North Event etwas später in Lillehammer und im August tauschen, da ich im Juli mit einer Gruppe auf Tour in Jotunheimen gehen werde).

Ein Bikepacking Feiertag zum Start

Alles ist eingepackt und am Rad verstaut, der Wetterbericht verspricht Sonne und gutes Wetter für die nächsten Tage, es kann also losgehen zur ersten längeren Tour in der neuen Wahlheimat. Zuerst geht es in Richtung Beitostølen und der Valdresflye. Von der Haustüre weg kann ich aber erstmal die Aussichten oberhalb von Vestre Slidre auf die Seen im Tal genießen, schon ein erstes echtes Highlight nur wenige Meter von zu Hause entfernt. Überall werden heute die Norwegen Flaggen gehisst, die NorwegerInnen treffen sich in ihrer Tracht und haben am Nationalfeiertag einfach einen guten Tag.

Nach kurzer Zeit begleitet mich mein Arbeitskollege Georg ein Stück über Beitostølen und Bygdin hin zur Valdresflye und bis zum höchsten Punkt des Tages dort auf gut 1389 Metern. Strahlender Sonnenschein begleitet uns und hier oben im Gebirge liegt immer noch reichlich Schnee neben der Straße, schon cool hier in dieser Landschaft jetzt mit kurzer Hose auf dem Rad zu sitzen. Nach den ersten 1000 Höhenmetern gönnen wir uns im Cafe auf der Valdresflye eine Waffel und eine kalte Solo zur Erfrischung.

Danach geht es für mich alleine weiter und ich rolle mit spektakulären Aussichten weiter. Ich passiere die Knutshø und den Besseggen-Grat am Gjende-See. Was für ein Spektakel, ich muss mich mehr als ein Mal kneifen, es ist ein Traum hier bei dem guten Wetter unterwegs zu sein und die lange Abfahrt hinunterzufahren.

Über Randsverk und Lemonsjøen geht es weiter bergab, nicht ohne zwischendurch immer wieder kleine Gegenanstiege mitzunehmen, so dass sich die Höhenmeter weiter aufsummieren. Ich komme gut voran und die Stimmung ist echt gut, genau so stellt man sich wohl Bikepacking in Norwegen vor. Das letzte Stück hinab Richtung Vågåvatnet ist richtig steil, zum Glück muss ich hier nicht wieder hoch.
Danach geht es etwas zäher die Landstraße entlang bis nach Lom, die Sonne brennt unentwegt weiter und ich komme gut ins Schwitzen. In Lom halte ich an der Tankstelle, die sehr empfehlenswerte Bäckerei hier hat leider heute geschlossen, also gibt es hier ein Refueling mit reichlich Tankstellen-Junk-Food im Schatten.

Hier in Lom ist schon ziemlich viel los und einige Halbstarke fahren die Straßen mit ihren reich mit Norwegen-Fahnen geschmückten Autos immer wieder auf und ab, während sie richtig coole Mucke pumpen, ihre Art den Feiertag zu begehen. Jeder war mal jung, das ist hier nicht anders als zu Hause.

 

 
 
 
 
 
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In der Nachmittagssonne fahre ich noch ein Stück weiter in Richtung Sognefjellsvegen, die wärmenden Sonnenstrahlen, die spektakuläre Landschaft, irgendwie fliegen die Kilometer heute dahin und ich bin selbst mehr als erstaunt über die sich weiterhin reichlich ansammelnden Höhenmeter.

Aber hei, ich fühle mich immer noch gut, also geht es immer weiter in Richtung der ganz hohen Berge Jotunheimens. Nach rund 170 km ist dann aber am Campingplatz in Bøverdalen Schluss für heute. Hier bekomme ich kalte Getränke, eine Dusche und einen bequemen Zeltplatz, was will man nach einem solchen Bikepacking Feiertag noch mehr? Was für ein erster Tag, es läuft viel besser als gedacht!

Über das Sognefjell hin zum Firkantfar

Das Dach meiner Bikepacking Tour rund um Jotunheimen steht heute am zweiten Tag auf dem Programm – und ich habe gehörigen Respekt vor dem Sognefjellsvegen und den anstehenden Höhenmetern. Erst einmal löse ich das Rätsel um den 24 Stunden geöffneten Supermarkt direkt neben dem Campingplatz hier. Dieser ist nur tagsüber normal mit Personal geöffnet, in den restlichen Stunden kommt man per App und Registrierung hinein, kauft ganz normal ein, bezahlt an einer Selbstbedienungskasse, alles ganz easy – doof allerdings dann, wenn man keinen Zugriff auf die App und Registrierung hat, da man dazu eine norwegische Personennummer braucht. Also liebe TeilnehmerInnen vom Bright Midnight, wenn ihr hier beim Event vorbeikommt und rein wollt und nicht hineinkommt, grämt euch nicht, auch ich habe trotz Personennummer eine Stunde gebraucht, um den Zugang zu checken.

Aber dann geht es los für heute, reichlich Höhenmeter warten. Kurz nach dem Start biege ich von der normalen Straße ab und nehme die alte Straße ins Bøverdalen. Wieder einmal liefert Norwegen grandios ab. Die Bauernhöfe, später die Almen und dann die Aussichten von der Schotterstraße aus – man kann sich kaum satt sehen und ich komme aus dem Staunen und Grinsen kaum heraus. Die Straße verjüngt sich bald zu einem Fahrweg für Traktoren, hier gibt es noch einige Stellen, an denen mich große Schneefelder zum Absteigen und Schieben zwingen. Die Ausblicke ins Tal sind spektakulär und der ein oder andere größere Bach rauscht hier am Wegesrand vorbei.

Dann geht es zurück auf die FV55 und die eigentliche Straße übers Sognefjell. Es ist noch früh am Tag und der Verkehr hält sich sehr in Grenzen, die Kilometer fliegen dahin und Höhenmeter für Höhenmeter geht es den Pass hinauf. Es läuft richtig gut, ich fühle mich gut gewappnet und fit für den Anstieg. Kurve um Kurve geht es höher, ich passiere die Touristenhütte Krossbu und irgendwann bin ich tatsächlich oben – wie krass ist das denn? Ein Traum geht hier gerade auf gut 1400 Metern auf der Passhöhe in Erfüllung für mich. Alter, mit dem Fahrrad bin ich hier oben! Die Aussichten auf die Berge um mich herum sind spektakulär und der Kontrast zur grünen Landschaft im Tal ist krass, ich komme mir vor wie auf einem anderen Planeten in einer anderen Zeit. Auch hier liegt noch einiges an Schnee, die Seen sind teils noch zugefroren.

Zur Feier des Tages gibt es kurz darauf in der Sognefjellhytta eine leckere Waffel, dazu eine Cola und eine längere Pause. Gut gestärkt fahre ich dann über die kurvige Straße mit vielen kleinen Gegenstiegen weiter. Die Aussichten sind der Wahnsinn, die höchsten Berge des Landes liegen um mich herum und die staunenden Gesichter der mir entgegen kommenden Autofahrer ob der krassen Umgebung sprechen für sich. Riesige Wohnmobile gondeln hier herum, sogar ein Sattelzug überholt mich, unfassbar.

 

 
 
 
 
 
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Und dann kommt die Abfahrt. Es geht über 1000 Meter abwärts, die Bremsen glühen, die Landschaft wechselt von karg, felsig und winterlich langsam zu grün und frühlingshaft. Innerhalb von einer halben Stunde wärmt mich wieder die Frühlingssonne unten am Lusterfjord. In der Bundesliga rollt der Ball am letzten Spieltag, ich lausche der Radio-Konferenz per Kopfhörer im Online-Stream und flitze entspannt in der Sonne am Fjord entlang. Was für ein cooler Kontrast.

Kurz vor Sogndal kommt dann noch ein ziemlich guter Anstieg, über 300 Höhenmeter kurbele ich mich in der Nachmittagssonne hoch, bis auf der anderen Seite an der nächsten Tankstelle eine eiskalte Cola zur Belohnung auf mich wartet. Diesen Anstieg hatte ich so gar nicht auf dem Zettel und zwischendurch musste ich dann auch ganz schön beißen, ist es denn an den Fjorden hier nicht immer nur flach? In Norwegen geht es halt einfach nicht ohne Höhenmeter, ganz egal wo.

Die restliche Strecke nach Sogndal geht dann wieder schnell von der Hand, und hier statte ich dem Firkantfar noch einen kurzen Besuch ab, jeder der die Gebrüder Ylvis etwas kennt, wird von dieser imposanten Statue schon mal gehört haben 😉

In Sogndal kaufe ich kurz noch etwas zum Abendessen ein und checke dann wenig später auf dem nahe gelegenen Campingplatz mit grandioser Aussicht über den Fjord ein. Ich bin gut geschafft, aber nicht komplett zerstört, habe keine Knieprobleme oder Saddle-Sores – alles super bis hier! Over and out für heute!

Vom Fjord übers Fjell nach Hause

Der dritte Tag rund um Jotunheimen fängt für mich zeitig an, bereits um kurz nach 8 Uhr rolle ich vom Campingplatz. Beim Kaffee heute Morgen kam mir der Gedanke, es heute zu probieren, bis nach Hause zu fahren. Das wäre dann zwar ein ziemlich langer Tag, aber für mich eine Art Standortbestimmung, wie es um meinen Trainings- und vermutlich auch Willensstand steht. Man muss bei solchen Distanzen wohl auch ganz gut leiden können, schauen wir mal was wird.

Die Wolken hängen so früh am Morgen noch tief, die Temperaturen sind angenehm, gerne weiter so. Ich passiere Kaupanger und gelange dann durch den Tunnel etwas gegen die Regeln nach Mannheller, zum Glück ist es Sonntagmorgens, von Autos keine Spur und irgendwie hatte ich nicht auf dem Zettel, dass man nur per Auto oder Bus zum Anleger nach Mannheller gelangen kann, alles andere ist zumindest nicht ganz erlaubt. Sei es drum, kurz darauf rolle ich auf die Fähre und hole mir erst einmal einen Kaffee und ein belegtes Brötchen für die kurze Überfahrt. Bikepacking Frühstück par excellence.

Die Überfahrt ist kurzweilig und stimmungsvoll so früh am Morgen, bei den coolen Aussichten über den Fjord und den nur wenigen Autos und Leuten an Bord kein Wunder. Auf der Fähre fragt man mich noch kurz nach meinem weiteren Weg, natürlich haben sie gecheckt, dass ich durch den Tunnel gebrettert bin. Ich antworte mit Årdal als Ziel, und die Matrosen sind zufrieden, denn hier gibt es nur kurze Tunnel. Ganz anders in Richtung Lærdal, da wären sie dann wohl eingeschritten. Aber so passt es für sie.

Weiter geht es dann bei leichtem Nieselregen immer am Fjord entlang nach Årdalstangen und Årdal. Auf dem Weg dahin geht es durch einige kürzere Tunnel, was als Radfahrer immer mit etwas Anspannung verbunden ist, sind die Tunnel doch mitunter eng, kalt und dunkel. Und wer rechnet hier im Tunnel als Autofahrer schon mit einem Radfahrer?

In Årdal dann scheint wieder die Sonne und ich stärke mich erstmal an der örtlichen Tanke mit nahrhaftem Carbo-Loading nach Art des Hauses. Der Blick auf den Anstieg hinauf zum Tyin-See ist nicht gerade motivierend, schließlich geht es gleich über 1000 Höhenmeter am Stück bergan. Aber nützt ja nix, ich will ja heute nach Hause, also geht es los, einfach nicht darüber nachdenken und kurbeln.

Über zahlreiche Serpentinen, steile Rampen, kurze Wendetunnel und ziemlich lange Anstiege gewinne ich langsam an Höhe. Der Schweiß fließt, die Höhenmeter schmelzen dahin und die Aussichten ins Tal werden immer spektakulärer. Irgendwann wird es flacher, die Baumgrenze ist bald erreicht, es geht ins Fjell, die Straße wird gesäumt von unendlich vielen Hütten. Nach gut drei Podcastfolgen bin ich oben am Tyin-See, es ging viel besser als gedacht, hat fast schon Spaß gemacht, ein Hochgefühl aus Erschöpfung und Stolz macht sich breit.

Die Sonne scheint hier oben, Schneereste säumen die Straße und ich will gerade einfach nur hier im Fjell sein. Das Gefühl hier über die kurvigen Straßen zu radeln ist unbeschreiblich cool. Ich fahre entlang des Tyin-Sees und genieße die Ausblicke in vollen Zügen, muss mich öfters kneifen ob der wunderschönen Landschaft, die gerade aus dem Winterschlaf erwacht.

Noch vor kurzem war ich hier mit Ski unterwegs, jetzt sitze ich im Fahrradsattel und stürze mich in die steile Abfahrt nach Tyinkrysset. Hier stocke ich im Supermarkt nochmal meine Vorräte auf, stärke mich kurz und dann geht es weiter, unser neues Zuhause ist schon fast in Sichtweite, nur noch gut 50 Kilometer oder so, genau will ich es gar nicht wissen.

 

 
 
 
 
 
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Ich folge dem Mjølkevegen über ziemlich ruhige Gravelroads entlang des Vangsmjøsa-Sees. Nach dem See warten einmal mehr unerwartet viele Höhenmeter auf mich, der Schweiß fließt weiter in Strömen, die Muskeln brennen und der ein oder andere Fluch kommt mir über die Lippen. Leiden und so. Kann ich, muss ich hier aber auch.

Auf den letzten Kilometern geht es nochmal höher hinaus und ich folge einer kleinen Straße hoch über dem Tal mit genialen Ausblicken über Vestre Slidre und den großen Seen unten im Tal. Langsam wird es etwas zäh, aber hei, das kalte Bier im Kühlschrank zu Hause wartet schließlich schon und motiviert zusätzlich zum Endspurt.

Mit einem richtigen Bikers-High rolle ich die letzten Kilometer nach Hause, die Abendsonne taucht alles in ein warmes Licht und ich könnte trotz 150 Kilometern und 2700 Höhenmetern in den Beinen gerade nicht glücklicher sein. Es fühlt sich hier und jetzt alles schon sehr nach zu Hause an!

Reichlich kaputt, mit staubigen Klamotten an und mit einem Lächeln setze ich mich zu Hause vor die Haustüre, gönne mir ein kühles Bier und genieße diese wunderbare Erschöpfung nach drei Tagen im Fahrradsattel, einmal rund um Jotunheimen im Bikepackingstyle. Und ich bin ziemlich optimistisch für das anstehende Bikepacking-Event.

Fahrer, Fahrrad und Ausrüstung scheinen fit und bereit für das große Abenteuer!

In der neuen Podcsadstfolge #ZweilöffelButter zusammen mit Sara von bikepackers.de sprechen wir über Ausrüstung für Bikepacking und Endurance-Races. Zusätzlich zu unseren Erfahrungen haben wir die Runde um Martin Moschek von Biketour-Global erweitert, der wie kaum ein anderer Erfahrungen rund um das Thema Ausrüstung hat und sich damit auch immer weiter beschäftigt. 

Das Thema ist so vielschichtig, dass man kaum weiß, wo man anfangen soll. Wir versuchen dennoch etwas Ordnung in das Ausrüstungschaos zu bringen und sprechen über Taschen, Zelte und Schlafsäcke, Kocher und noch so manch anderen Aspekt. Denn sind wir einmal ehrlich, es gibt nicht die eine perfekte Ausrüstung, sondern jeder hat entsprechend seinen Erfahrungen und Vorlieben Favoriten und jeder geht anders an das Thema heran. 

Und so versuchen wir anhand von Praxiserfahrungen Tipps und Tricks zu geben. Denn auch wir haben unterschiedliche Ansprüche und Bedürfnisse, wenn wir auf große Fahrt gehen.

Sei es bei der Kaffeeversorgung unterwegs oder auch bei der Suche nach einer guten Nachtruhe. Zelt, Tara, Biwaksack oder doch lieber Kreditkarte und Hotel? Sollen die Packtaschen eher Oldschool sein, trägt man unterwegs zusätzlich einen Rucksack oder sieht man irgendwann vor lauter Packtaschen das Vorderrad nicht mehr? Und was sind eigentlich die Dinge, die sich unbedingt auf die jeweilige Packliste schummeln und die bei anderen Leuten eventuell für etwas Kopfschütteln sorgen? 

Viel Spaß beim wilden Ausrüstungsritt!

Sara, Martin und Simon

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Altobelli, für Franzi und Simon ist es überraschenderweise schon Juni, dabei war doch bei der letzten Folge noch Januar, oder doch sogar Dezember? Wie auch immer: Manchmal gibt es Dinge, die so überraschend um die Ecke kommen, dass die ein oder andere Podcastfolge zurückstecken muss, so schwer es auch fällt.

Ab sofort nehmen die Beiden öfter von Skandinavien aus auf, denn sie sind jetzt quasi Nachbarn: Franzi wohnt in Schweden und Simon hat sein Basislager dauerhaft nach Norwegen verlegt. Die Möglichkeit dazu und alles was daran hängt, kam so plötzlich um die Ecke, dass kaum Zeit zum Überlegen blieb und Simon die Gelegenheit direkt beim Schopfe gepackt hat. Aber wie wandert man eigentlich aus? Bisher war es ja nur graue Theorie, nun aber ging es auf den Platz, denn da ist es ja bekanntlich entscheidend. Aber dank guter Vorbereitung und starken Nerven kommt man auch hier ans Ziel, und wenn alle in Norwegen so freundlich sind wie die Leute, die Simon beim Ankommen bisher geholfen haben, dann kann alles nur gut werden.

Währenddessen hat Franzi dem Outdoor-Rock-Star Leben gefrönt und war auf großer Tour, acht Wochen lang unterwegs, von Outdoorfestival zu Outdoorfestival, zwischendurch noch Wandern und Gravelbiken, mehrere Dutzend unterschiedliche Übernachtungsorte.

Klingt doch ziemlich cool, oder? Aber ein kurzer Blick hinter die Kulissen zeigt dann, nur mit reinem Wandern und Radeln ist es nicht getan, wenn am Ende etwas Cooles und auch Zählbares dabei rum kommen soll. Denn in Schweden gibt es ja noch dieses hyggelige Häuschen, über das Franzi gerade ein Buch geschrieben hat – und zumindest der Schuppen daneben verlangt nach vollem DIY-Einsatz. Von nix kommt halt nix, aber irgendwann findet sich alles!

Viel Spaß mit der neuen Folge!

Franzi und Simon

 

Simon im Color Line Magazin: https://www.colorline.de/magazin/norwegen-vom-wandern-und-auswandern

Franziskas neues Buch: ⁠https://www.knesebeck-verlag.de/heimwaerts/t-1/1225⁠⁠⁠

Franziska auf Instagram: ⁠⁠⁠⁠⁠https://www.instagram.com/insnirgendwo.bitte⁠⁠⁠⁠⁠

⁠⁠Franziskas Website: ⁠⁠⁠⁠⁠https://ins-nirgendwo-bitte.de⁠⁠⁠⁠⁠

Hier findet ihr Infos zum Häuschen von Franziska und Felix in Schweden: ⁠⁠⁠⁠⁠https://www.airbnb.de/rooms/52438841⁠⁠⁠⁠⁠

Photo: Franziska Consolati / Simon Michalowicz

Der Partner unserer heutigen Folge ist Color Line⁠⁠. Wenn ihr auch einmal per Fähre mit Color Line nach Norwegen fahren wollt, schaut euch gerne einmal auf deren Website um:

http://color-line.de

Über Gästevorschläge, Themen oder sonstige Rückmeldungen würde ich mich sehr unter ⁠⁠⁠simon@simonpatur.de⁠⁠⁠ oder über die entsprechenden Social Media Kanäle wie Facebook oder Instagram freuen

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Die zweite Einheit strukturiertes Training steht zusammen mit Sara Hallbauer und Stefan Barth auf dem Plan – und nachdem wir uns im Podcast-Teil Eins mit dem Einstieg in eben diese Art von Training beschäftigt haben, wird es jetzt etwas differenzierter und wir lernen zum Beispiel die Trainingszonen zu unterscheiden und ihre Bedeutung kennen. Dadurch verstehen wir dann (hoffentlich) auch, warum man nicht unbedingt 50.000 Kilometer im Jahr Radfahren muss, um gut auch bei längeren Endurance-Events durchzukommen. Intervalle ballern und Kraft am Berg sind hier die Stichworte!

Spannend wird es dann aber beim Thema Körperdaten, die man erfassen kann, denn so ergibt sich ein umfassenderes Bild des Trainierenden und man kann viel effizienter und gezielter trainieren. Apropos umfassenderes Bild, das bekommt man auch, wenn man die Auswirkungen und Zusammenhänge von Ernährung aufs Training versteht, denn dann macht es auch total Sinn, dass man sich eher an Ruhetagen mit einem Bier belohnt und nicht unbedingt nach einer 200-Kilometer-Trainingsausfahrt. Und wenn man dann noch gut schläft, was will man mehr?

Besonders spannend wird es dann für Simon und Stefan, wenn Sara von ihrer Erfahrung mit zyklusbasiertem Training berichtet. Dass Hormone einen großen Einfluss auf viele Dinge im Körper haben, sollte ja auch Männern durchaus bekannt sein. Daher macht es ja total Sinn, dass man sich bei schwankendem Hormonhaushalt, so wie es bei Frauen im Zyklus ja vorkommt, auch entsprechend aufs Training einstellt. Eigentlich normal, oder nicht?

Aber auch der Umgang mit speziellen Situationen bei einem Gravelevent wie die Übernachtung draußen im Wald oder durch die Nacht zu fahren gehören zu strukturiertem Training – also sprechen wir auch darüber! Wieder viele Einheiten im Trainingsblock, gucken wir mal, dass wir die alle auf Grün bekommen!

Viel Spaß mit der neuen Folge!

Sara und Simon und Stefan

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Trainingstools:

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Stefans Barth:

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Buch Ultracycling & Bikepacking / ISBN: 978-3-910501-00-3

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Für alle, denen vor allem Mobility/Flexibility bzw. Stabilisationstraining wichtig ist:

Buch Triggerpunkte im Radsport / ISBN: 978-3-910501-06-5

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In der neuen Podcast-Folge #EinLöffelButter ist Rebecca Maria Salentin bei mir zu Gast. Auf den ersten Blick verbindet uns die Leidenschaft fürs Draußensein, fürs Wandern über viele Monate hinweg und auch das Radfahren auf langer Strecke.

Aber als wir uns das erste Mal persönlich kennengelernt haben, gab es eine weitere Ebene, die uns miteinander verbindet – und diese liegt in der Vergangenheit begründet und ist in diesen Tagen leider wieder aktueller den je, denn unserer beider Familien haben Wurzel im Osten, in Polen und beide unserer Familien haben unter dem Faschismus der Nationalsozialisten sehr gelitten.

Den Bogen zurück zum Draußensein schlägt dann die Zeit alleine auf Tour und auch beim Buchschreiben, denn erst mit der Möglichkeit zum Nachdenken und Reflektieren wird einem einiges klar, versteht man vielleicht, warum man im eigenen Rucksack auch Ballast mit sich herumträgt, den man dort nicht selbst hinein getan hat.

Und so ist es auch bei Rebecca, die schon früh aufbricht von zu Hause und sich fernab der Heimat mit ihrer kleinen Familie ein neues Leben aufbaut und so ihren Weg geht – vielleicht ja schon der Grundstein für ihre späteren Abenteuer?

Aber woher kommen dann die Ängste, die ihr auf den Touren begegnen? Warum hat es gedauert, bis sie ihren Draußen-Weg gefunden hat? Und warum tut sie sich das alles überhaupt an?

Viel Spaß mit der neuen Folge!

Rebecca auf Instagram: https://www.instagram.com/rebeccamariasalentin/

Rebeccas Webseite: ⁠http://www.rebecca-salentin.de/

Rebecca über Ängste: https://www.zeit.de/kultur/2024-02/angst-alleine-reisen-10nach8/komplettansicht

Photo: Rebecca Maria Salentin

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Heute steht strukturiertes Training auf dem Podcast Plan von Sara Hallbauer und Simon – und zwar zusammen mit Stefan Barth als Gast. Zur Vorbereitung auf sein erstes Bikepacking-Abenteuer The Bright Midnight in Norwegen hat sich Simon professionelle Unterstützung beim Training von Stefan geholt, denn er ist selbständiger Coach im Bereich Ausdauersport und begleitet Athlet*innen auf unterschiedlichsten Wegen bei ihrem Training.

Und auch Sara bereitet sich mit Hilfe von strukturiertem Training auf ihre Ausfahrten, rennen und Abenteuer vor, hat hier schon mit unterschiedlichsten Trainer*innen zusammengearbeitet und einen großen Erfahrungsschatz über die letzten Jahre in diesem Bereich vorzuweisen. 

Wer sich mit dem Thema Bikepacking und Training beschäftigt, wird vermutlich schnell auf Stefans Buch zu dem Thema stoßen, denn er beschäftigt sich hier mit (fast) allen möglichen Aspekten rund um dieses Thema. Insbesondere für Anfänger*innen und Einsteiger*innen ist das Buch eine klare Empfehlung, um einen guten Einstieg in strukturiertes Training zu finden und die Grundlagen, die dahinter stecken, zu verstehen.

Wenn es dann spezifischer und konkreter wird, dann ist ein Coach extrem hilfreich, denn so kann man ganz gezielt Trainieren und persönliche Vorlieben, Eigenschaften und Lebensumstände optimal berücksichtigen – so dass man am Ende einen strukturierten und ganz persönlichen Plan vorliegen hat, um sich optimal vorzubereiten auf die Dinge, die man natürlich vorweg zusammen besprochen und erarbeitet hat.

Stürzt man sich in die Welt des Trainings, dann stellen sich erst einmal viele Fragen, von denen man unter Umständen noch nie gehört hat, also von daher fangen wir ganz von vorne an und nähern uns in dieser Folge einmal den Grundlagen um zu verstehen, warum strukturiertes Training fürs Bikepacking so wertvoll sein kann.

Was ist überhaupt strukturiertes Training? Welche Aspekte gilt es zu berücksichtigen? Wie finde ich den richtigen Coach für mich? Und warum ist es so wichtig, sich mit dem richtigen Training ausgiebig zu beschäftigen?

Viel Spaß mit der neuen Folge!

Sara und Simon und Stefan

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Auf diese Podcast-Folge mit Jan-Vincent Kleine habe ich mich sehr gefreut – denn den Weg von Vincent verfolge ich bereits seit mehr als zehn Jahren. Damals veröffentlichte er im Outdoorforum outdoorseiten.net einen coolen Video-Reisebericht über den Kungsleden in Schwedisch Lappland, der mich sofort in seinen Bann schlug und mit großer Sicherheit dazu beigetragen hat, meine ersten Trekkingtouren im Norden tatsächlich anzugehen. 

Schnell wurde klar, dass Vincents Weg in die Fotografie führen würde, denn die Fotos, die er von seinen Touren stets mitgebracht hatte, waren einfach spektakulär und echt gut.

So überraschte es mich auch nicht, als ich irgendwann Fotos aus dem Kletterbereich von ihm entdeckte – und zwar in Zusammenarbeit mit einigen der bekanntesten Athlet*innen der Outdoor- und Kletterszene. Und auch die Leidenschaft für den Norden spiegelte sich in seinen Fotos wider, das ein oder andere virale Foto mit dem norwegischen Spitzenkletterer Magnus Midtbø fand den Weg von der Hardangervidda bis in die großen Magazine wie Stern oder Spiegel.

Dass die bunte Hochglanz-Outdoor-Welt nur ein Teil von Vincents Leben ist, wird schnell klar, wenn man sich näher mit ihm und seinen Touren abseits der großen Öffentlichkeit beschäftigt. Sein großes Interesse gilt den Menschen und Geschichten hinter den vordergründigen Bildern, und das ist auch der Weg, den er jetzt mehr und mehr einschlägt.

Aber wie ist sein Weg in die Spitzenfotografie gewesen? Wie schafft man es, mit der Fotografie Geld zu verdienen? Muss man selbst ein Athlet sein um Athlet*innen im Grenzbereich zu fotografieren? Und wohin führt ihn sein Weg als Nächstes?

Viel Spaß mit der neuen Folge!

 

Vincent auf Instagram: https://www.instagram.com/janvincentkleine

Vincents Webseite: ⁠https://www.janvincentkleine.com

Vincent auf Spiegel Online: https://www.spiegel.de/reise/aktuell/kletterfotograf-jan-vincent-kleine-ein-falscher-griff-bringt-den-tod-a-1116911.html

Vincent auf Stern.de: https://www.stern.de/reise/europa/jan-vincent-kleine–fotos-einsamer-maenner-im-nackten-fels_7511760-7511768.html

Photo: Jan-Vincent Kleine

 

Der Partner der heutigen Folge ist ⁠⁠Bergans of Norway⁠⁠. Wenn ihr mehr über Bergans, die Produkte und den Weg der NorwegerInnen erfahren wollt – schaut einmal auf ihrer Websites ⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠www.bergans.de⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠ vorbei!

 

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Mucke: Justus Wilhelm || ⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠instagram.com/doggtor_1312

In der neuen Folge Winterspezial mit Malte von Winterfjell.de starten wir mit viel Vorfreude in die neue Wintertouren-Saison! Passend dazu widmen wir uns einigen eher unbeachteten Details, die im Winter mitunter den Unterschied machen – hier kommt also die Hals-Nasen-Ohren Folge!

Man denkt sich, wie können die beiden denn nun länger über dieses Thema sprechen? Genau diese Frage haben wir uns auch gestellt und sind zum Schluss gekommen, dass das problemlos möglich ist, denn wenn die grundsätzlichen Dinge bei der Ausrüstung geklärt sind, dann sind es die kleinen Details, die auf einer Wintertour maßgeblich zur Freude am Draußensein beitragen.

Es fängt an beim Hals, der unterwegs gut geschützt werden will, denn egal ob Zugluft oder Kälte, man möchte sich unterwegs weder eine Erkältung einfangen noch einen Sonnenbrand im Nacken bekommen. 

Was uns unweigerlich zur Nase und den Ohren führt, denn auch diese wollen gut geschützt sein auf Wintertour. Sonne, Kälte, Wind und ja, mitunter auch Feuchtigkeit spielen da eine Rolle – und zwar tagsüber bei Mützen, Sonnen- und Skibrillen und auch natürlich am Abend im Camp oder nachts im Schlafsack, wenn der Riechkolben aus dem Atemloch der Kapuze des Schlafsacks ragt – oder besser doch nicht?

Also los geht's, wir brechen auf in die neue Wintersaison und eröffnen zusammen die Winter-HNO-Sprechstunde für Privat- UND Kassenpatient:innen.

Welche neue Mütze hat es in unseren Ausrüstungsschrank geschafft? Was gilt es bei Brillen jeglicher Art auf Wintertour zu beachten? Und wie sieht eigentlich unsere Daily-Skincare-Routine unterwegs aus? 

Viel Spaß mit der neuen Folge!

Malte und Simon

Namedropping bzw. erwähnte Artikel (unbezahlte, unbeauftragt, unabhängig):

Baby Sonnestick

Schutzhülle für Brillen

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Photo: Malte & Simon

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In der ersten regulären Podcast-Folge rund um Gravelbike- und/oder Endurance-Bike-Events sprechen Sara und ich über die Auswahl des für jeden persönlich richtigen Events. Mittlerweile gibt es ja eine Vielzahl solcher Events, die sich überall und quasi über das ganze Jahr verteilt etabliert haben. Und es kommen jährlich immer mehr dazu. Um aber eine gute Wahl zu treffen, sollte man einige Dinge beachten bzw. für sich festlegen, so dass man das für einen persönlich ideale Event findet.

Ist man schon Profi und strotzt vor Erfahrung, dann sucht man vielleicht einfach Inspiration für neue Herausforderungen. Als Einsteiger fragt man sich dagegen eher, wie groß die Herausforderung sein darf? Wie viele Höhenmeter und Kilometer traue ich mir zu? Soll es zum Einstieg eher kürzer an einem Wochenende sein, oder gehe ich direkt all-in und fahre eine Woche lang oder mehr mit meinem Bike gegen die Uhr und das Zeitlimit an?

Nicht außer acht lassen sollte man auch Aspekte wie Saisonzeitpunkt und mögliches Zeitinvest in Training bis dahin. Schaffe ich es genug zu trainieren bis zum Event?

Und es bleibt ja dann nicht nur bei der Anmeldung und der etwaig anfallenden Gebühr dafür, nein, auch abhängig von der Wahl der Ausfahrt ergeben sich dann auch weitere Fragen: Benötige ich eventuell neue Ausrüstung? Reicht meine Übersetzung der Schaltung für die anstehenden Herausforderungen? Wie viel Zeit benötige ich für An- und Abreise? Und wie viel Budget brauche ich gegebenenfalls unterwegs für Hotels und Verpflegung?

Wir versuchen ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen und den Dschungel an Fragen etwas zu lichten – denn eines ist am Ende auch klar – es gibt so viele unterschiedliche Events und Herangehensweisen wie es verschiedene Radfahrer*innen gibt! Da ist ganz sicher für jeden etwas dabei!

Viel Spaß mit der neuen Folge!

Sara und Simon 

Links zur Folge:

Planungstools:

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https://brouter.de/brouter-web

https://de.mapy.cz

https://cxberlin.net/routenplaner/

Übersicht Gravel / Bikepacking Events:

https://www.bikepackers.de/bikepacking-events-2024/

https://gravel-club.com/kalender.html

https://bikepacking.com/events/

Sonstige Links:

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Einer der besten Wege, um spontan im Sommer reichlich Überstunden abzubauen, ist mit Sicherheit, sich sein Gravelbike und seine Ausrüstung zu schnappen, und zu einer Bikepacking-Tour durch Dänemark aufzubrechen. 

Schon im Juni war ich dort mit Anni unterwegs und es hat uns beiden dort auf dem Rad einfach super gefallen. Zum einen weil wir beide Dänemark lieben und zum anderen weil dort die Infrastruktur zum Radfahren ziemlich cool ist. Es gibt gut ausgebaute Radwege, eine hervorragende Beschilderung unterschiedlicher Radrouten und obendrauf gibt es eine Vielzahl von unkomplizierten Übernachtungsmöglichkeiten wie Campingplätze, Shelter oder auch Jugendherbergen oder Hostel. 

Als es dann ein paar Wochen nach der ersten Tour hieß, ich solle doch mal auf der Arbeit ein paar Überstunden abbauen, war mir schnell klar, dass ich gerne wieder nach Dänemark möchte, und zwar mit meinem Rad und zum Bikepacking. 

Und dann kam mir noch der Kommentar von Martin Hülle unter einem meiner Instagram-Posts zur Dänemark Tour mit Anni in den Sinn: “Feine Tour, wie schon in den Stories zu sehen. Ich habe ja auch die Idee im Kopf, irgendwann mal von hier bis nach Skagen zu fahren …”

Also schnell die entsprechenden Radkarten besorgt und gecheckt und es konnte losgehen, der Plan stand rasch fest: Mit dem Zug nach Rostock, mit der Fähre nach Gedser auf Falster und von dort aus über die Insel Seeland weiter mit der Fähre über die Ostsee nach Jütland, flott die Küste hoch nach Skagen und von dort aus wieder südwärts an der Nordsee entlang bis zurück nach Deutschland – und das alles in einer Woche. 

Recht sportlich, aber durchaus machbar und eine gute Gelegenheit einmal auszutesten, wie gut der Fitnessstand aktuell ist.

Die Anreise – von Dresden nach Gedser 15 Kilometer

Mit bereits gepacktem Gravelbike morgens durch die Stadt zur Arbeit zu rollen macht schon Spaß, die Vorfreude auf einen frühen Feierabend kommt dabei ganz automatisch. Der halbe Arbeitstag ist schnell erledigt und dankenswerter Weise klappt es mit der Reservierung fürs Fahrrad im Zug auch ohne Probleme. Die Fahrt gen Norden gestaltet sich dank Podcast kurzweilig und in Rostock komme ich pünktlich an.

Die Orientierung vor Ort fällt leicht, erst vor wenigen Wochen war ich ja erst hier und bin genau den Weg gefahren, den ich jetzt einfach in umgekehrter Richtung zur Fähre nach Warnemünde nehmen muss. Die Fähre nach Gedser fährt erst gegen Abend, sodass ich genug Zeit habe und im Hafen gemütlich ein Feierabend Bier trinken kann. Als die Fähre angelegt hat und ich darauf warte, an Bord gehen zu können, rollt ein älterer Bulli von der Fähre und ich entdecke einen wild aus dem Fenster winkenden Thorsten Hoyer, einen alten Bekannten – wie klein die Welt manchmal ist! Leider bleibt keine Zeit zum Plausch, ich muss an Bord, aber wie schön manchmal diese Zufälle sind.

Die Überfahrt ist entspannt und dieses gemütliche Skandinavien-Gefühl macht sich in mir breit – Herzlich Willkommen zu Hause!

Es ist schon dunkel, als ich in Gedser von der Fähre fahre, sind es nur wenige Meter bis zum Shelterplatz, den ich im Vorfeld gebucht habe. Im Schein der Stirnlampe baue ich mein Zelt auf, kurz darauf fängt es an zu regnen und als ein Sommergewitter anrollt, liege ich schon gemütlich unter meinem Daunenquilt. Heute morgen war ich noch etwas gestresst und in der großen Stadt, jetzt liege ich in meinem Zelt in Dänemark und ich freue mich einfach so sehr auf die kommenden Tage im Fahrradsattel.

Tag 1 – von Gedser nach Samsø 163 Kilometer

Nach einer recht kurzen Nacht mit Gewitter und Regen am Morgen geht es los, bis nach Samsø will ich es heute schaffen. Das sind immerhin über 160 Kilometer, wenn ich es denn packen sollte. Also geht es zeitig los, bevor es wieder anfängt zu nieseln, habe ich alles abgebaut und verstaut.

Mit einem hyggeligen Frühstück auf einer Palette Holzkohle vor dem örtlichen Dagli Brugsen in Gedser starte ich dann richtig in den Tag, ein Dach ist dabei Trumpf, manchmal kann es so einfach sein.

Danach hört der Regen zum Glück bald auf und ich mache Strecke, die Kilometer fliegen dahin und bald schon nehme die ziemlich baufällige Brücke von Falster nach Seeland, die neue Brücke wird schon parallel dazu gebaut, und komme weiter gut voran. 

Für Strecken-Romantik bleibt heute nicht viel Zeit, es geht immer auf den Radwegen entlang der größeren Straßen entlang gen Norden.

Gegen Nachmittag zieht es sich ziemlich und ich helfe mit reichlich Cola und Podcast nach, einfach weiter, immer weiter.

Das Wetter hält und gegen 17:30 Uhr bin ich tatsächlich nach rund 160 Kilometern in Kalundborg, wie krass. Die Wartezeit auf die Fähre nach Samsø verbringe ich mit reichlich Pasta und weiteren Softdrinks ganz romantisch im Wartehäuschen im Hafen – und draußen regnet es währenddessen Hunde und Katzen in Strömen, Schwein gehabt!

Die Überfahrt auf der kleinen Fähre ist ist herrlich kurzweilig, die Sonne kommt nach dem ganzen Regen raus und sorgt für eine wunderbare Abendstimmung.

Als ich die Fähre dann wieder verlasse, muss ich feststellen, dass hier gerade ein Musik Festival ist und Ausnahmezustand herrscht. Auf dem Weg zum Campingplatz werde ich von lauter Rockmusik und ziemlich vielen Leuten auf den Straßen der kleinen Insel überrascht. Der Campingplatz ist gerammelt wollt, damit hatte ich nicht gerechnet. Immerhin bekomme ich noch einen Platz für mein Zelt und vom Platzwart ein Bier geschenkt. 

Schön auch, dass die Wege kurz sind und ich dann von meinem Zelt am Strand aus dann direkt bis zur Bühne gucken kann. Tipptopp! Um 12 Uhr am Abend gibt es noch kurz ein großes Feuerwerk, der Partytrubel geht aber noch weitaus länger. Der Wecker ist auf 5:45 Uhr gestellt, die Fähre am nächsten Morgen fährt schon um 7:45 Uhr nach Aarhus aufs Festland, alle anderen Abfahrten waren schon ausgebucht, da bleibt mir nur der Frühstart. Gute Nacht! 

Tag 2 – von nach Øster Hurup 115 Kilometer

Der neue Tag begrüßt mich mit Type 2 Fun im Quadrat! Während die Festival-Leute sich alle noch vom Abend erholen, schäle ich mich widerwillig aus meinem gemütlichen Nachtlager – während draußen der Nieselregen aufs Zelt fällt und der Wind am Zelt rüttelt.

Zuerst muss ich das nasse Zelt abbauen und verstauen, dann beim Zähneputzen im Toilettenhäuschen checke ich die Wettervorhersage – die Wetterapp begrüßt mich mit Dauerregen ohne Ende für heute, das kann ja heiter werden. Es fällt schwer mich aufzuraffen, aber die Fähre wartet nicht, also los. Der Zeltplatz und das Festivalgelände sehen im Nieselregen so früh am Morgen etwas trist aus, und genau so ist auch meine Stimmung. Im Warteraum im Hafen blicke ich in viele, viele müde Gesichter, erst der Kaffee auf der Fähre bringt etwas Leben in den müden Haufen.

Das unglaublich miese Nieselwetter begleitet mich bis aufs Festland, so dass ich mich nach der Fährfahrt in Aarhus erst einmal zum Frühstück in ein Cafe rette. Die Stimmung sinkt in der Geschwindigkeit, wie die Wassertropfen die Scheibe runter laufen, also ziemlich schnell. Ich muss mich wirklich sehr überwinden aufzubrechen – soll ich nicht lieber gleich in Aarhus bleiben und mich irgendwo gemütlich verkriechen? Allerdings ist es immer noch so früh am Morgen, dass ich das ja später immer noch machen kann. Also muss ich jetzt wirklich die große Kunst der Überwindung anwenden, um loszufahren und umgehend klitschnass zu sein.

Nach 20 Kilometer etwas außerhalb von Aarhus mache ich Pause unter einer Autobahnbrücke und bin schon kurz vor dem Aufgeben für heute. Wo ist die Motivation? Am Arsch damit, alles ist nass, klamm, feucht, nervig – keine Ahnung was mich antreibt. Vielleicht die Verdrängung?

Oder vielleicht ist irgendwann einfach der ist-mir-doch-scheiss-egal-Punkt überschritten, also weiter, Autopilot an, Kopf aus. Kilometer um Kilometer ringe ich den feuchten Schweinehund nieder, es geht vom Bäcker zum Café, von der Tankstelle zur Bushaltestelle, ich hangele mich von Pause zu Pause.. 

Ich brauche dringend ein Ziel für heute, um die Motivation hoch zu halten. Also buche ich bei Kilometer 49 eine Unterkunft bei Kilometer 115 – ich bin schon des Wahnsinns fette Beute, was hat mich da denn geritten?!? Also lieber los, wieder rein ins fiese Wetter und dranbleiben, weitermachen wird zum Mantra. Man gewöhnt sich ja an alles, und auch so komme ich langsam rein, von Spaß weiterhin keine Spur, aber Gleichmut ist ja erst einmal ein guter Anfang.

Irgendwann kommen die Häuser meines Tagesziels Øster Hurup in Sicht, dann der kleine Supermarkt, ich bin unglaublich erleichtert und auch stolz, mich so überwunden und reingekäpft zu haben. Wie zu erwarten, kaufe ich mal wieder viel zu viel ein, nehme kurz darauf dann mein Zimmer in Beschlag und verwandele es in einen veritablen Trockenraum. 

Nach der heißen Dusche sieht die Welt schon anders aus und ich gucke Jonas Vinnegard beim gewinnen der Tour de France in Paris zu. Auch schön, so gemütlich vom Bett aus und frisch geduscht. 

Eine große Portion Verdrängung, das Ignorieren von Bedürfnissen und eine gewisse Portion Wahnsinn – und schon ist ein Tag mit Dauerregen vorbei 😉 

Tag 3 – von Øster Hurup nach Skiveren 159 Kilometer

Als ich am Morgen mein Rad aus dem Hotelzimmer rolle, ist zum Glück alles wieder getrocknet, alle Klamotten und fast alles, was am Rad verstaut ist auch, sehr gut. Gute 5 Kilometer weiter stehe ich wieder wie gestern etwas begossen da, ein Regenschauer, zu spät die Regensachen übergezogen und schon bin ich wieder nass und die Stimmung ist etwas gedrückt. Ich lerne weiter, Entscheidungen nicht aufzuschieben und mache einfach weiter. Bei der kurzen Fährfahrt über den Limfjord nach Hals kommt die Sonne schon wieder raus und entsprechend steigt die Stimmung. Mit Podcast auf den Ohren fliegen die Kilometer dahin und es folgt ein Abschnitt, der mich etwas zurück in meine Kindheit führt, denn hier in der Gegend waren wir früher des Öfteren im Sommerurlaub.

In Sæby erwischt mich ein weiterer Nieselschauern, dann geht es bei trübem Wetter durch Frederikshavn, und wenig später lande ich bei einem ehrenlosen Fransk-Hotdog an der Tanke zur weiteren Regenschauerüberbrückung.

Es geht dann geradewegs und ohne Umwege weiter nordwärts, bald darauf kommt dann schon Skagen in Sicht. Das wollte ich ja hin, das war das große Zwischenziel, dass ich das so schnell schaffen würde, hätte ich nicht gedacht. Etwas überrascht bin ich auch von den Menschenmassen, die heute hier unterwegs sind, damit hätte ich so nicht gerechnet und ich bin gelinde gesagt etwas überfordert davon. 

In Grenen, dort wo Nord- und Ostsee zusammenfließen und sich das nördliche Ende von Dänemark befindet, ist der Trubel ebenso groß, so dass ich mich nur zu einem kurzen Zwischenstopp für ein Foto und eine Pause mit Softeis durchringen kann.

 

Die vielen Leute sind mir einfach zu viel, ich fühle mich unwohl und da ich schon fast ein Dutzend mal dort war, trete ich den Rückzug an und werde schön auf den letzten 5 Kilometern zum abendlichen Campingplatz nochmal richtig gut mit Nieselregen und Gegenwind versorgt, danke dafür!

Dafür wartet eine wirklich sehr schön heiße Dusche auf dem Campingplatz in Skiveren auf mich. Im Hintergrund rauscht die Brandung der Nordsee und bald darauf liege ich im gemütlichen Zelt.

Tag 4 – von Skiveren nach Bjerget 142 Kilometer

Für heute ist reichlich Wind vorhergesagt, so dass ich mit einiger Skepsis in den Tag starte und nicht sicher bin, wie weit ich am Ende kommen werde.

Es geht auch etwas zäh los, so dass ich in Hirtshals erst mal mit der Aussicht auf den Hafen Pause mache. Hirtshals ist ein weiterer dieser Sehnsuchtsorte in Dänemark, mit denen ich so viele positive Erinnerungen verbinde. Die vielen Fährfahrten nach Norwegen zum Beispiel und wunderbare Sonnenuntergänge mit Blick auf die Nordsee.

Die Nordsee zeigte sich heute von ihrer stürmischen Seite und keine Ahnung wie es den Passagieren auf der Fähre ergeht, die gerade bei starkem Wellengang dabei ist, in den Hafen einzulaufen, als ich hier kurz verweile.

Der Wind kommt weiterhin nur von vorne und ich kämpfe mich weiter tapfer bis nach Lønstrup. Dort sehe ich dann erst einmal halb Norwegen dabei zu, wie sie ihren Sommer Urlaub in Dänemark verbringen.

Dann geht es vorbei am bekannten ehemaligen Leuchtturm Rubjerg Knude weiter in Richtung Løkken und auch hier ist es brechend voll. Unfassbar viele Leute drängen sich hier durch das in der Nebensaison so friedliche Städtchen.

Aber wo ich schon einmal da bin, sehe ich noch mal am Strand nach, ob die Fischerboote noch da sind und genehmige mir eine große Portion Pommes – längere Zeit gegen den Wind zu fahren macht einfach richtig hungrig.

Mir ist schnell klar, dass ich heute nicht immer direkt an der Küste entlang fahren kann. Der Wind ist einfach zu krass und ich plane meine Route etwas um. Also geht es über Straßen und Wege im Hinterland weiter. Immer weiter, weiter, weiter gegen den Wind, optimale Bedingungen für herausforderndes mentales Stabilitätstraining.

Und da für morgen wieder herrliches Sturm und Regen Wetter vorhergesagt ist, entscheide ich mich dazu, mir eine feste Unterkunft zu suchen. Im Überschwang der Gefühle und der Aussicht auf eine heiße Dusche buche ich mir ein einfaches Hotel in Frøstrup. 

Gesagt, getan, jetzt muss ich nur noch dorthin kommen. Der ständige Gegenwind zerrt etwas an den Nerven, sodass ich sogar entgegen meiner Vorlieben eine Banane essen muss, um die letzten 30 km zu schaffen. Nun denn, was tut man nicht alles für eine heiße Dusche?

Also noch mal 30 km gegen die Windmaschine und irgendwann bin ich dann endlich da. Was ein Tag, anstrengend, aber auch richtig cool mit den kleinen Ferienorten hier an der Nordseeküste. Schauen wir mal, was der Wetterbericht für morgen zu bieten hat. Aber aktuell sieht es eher so aus, als wären morgen super Verhältnisse, um surfen zu gehen – wieder Sturm und diesmal aber auch mit reichlich Regen. Naja, machste nix!

Tag 5 – von Bjerget nach Hanstholm 30 Kilometer

Waiting for the Next Storm! Am Morgen bin ich noch guter Dinge und will es wirklich probieren. Zwischendurch kurz vor dem Start scheint sogar kurz die Sonne zwischen all den Regenschauern, aber schnell ist klar, wenn das den ganzen Tag lang so geht, dann wird das ein mehr als ungemütlicher Ritt heute. Aber ich will erstmal bis in den nächsten Ort Hanstholm fahren und dort überlegen, wie es weiter gehen wird.

Die 30 km bis nach Hanstholm ziehen sich ganz schön, aber ich möchte dort im Hafen in der leckeren lokalen Fischräucherei erst einmal Pause machen, einen Kaffee trinken und etwas frühstücken. Bei Kaffee und Fish & Chips suche ich dann nach einer Unterkunft für heute. Draußen peitscht der Sturm den Regen durch die leeren Straßen des Fischerortes, die Definition von Ungemütlich zeigt sich hinter der Fensterscheibe. Bei dem Wetter möchte ich einfach nicht zelten und es soll auch den ganzen Tag lang so bleiben.

Also suche ich mir im Internet die Finger wund, aber es scheint so, als wären alle bezahlbaren Unterkünfte im weiten Umkreis ausgebucht oder belegt. Nun ist guter Rat teuer, aber manchmal liegt das nun gut, “Gute” recht nah. Nur ein paar hundert Meter weiter liegt das alte, etwas schmucklose Hotel im Hafen. Das hatte ich eigentlich gar nicht auf dem Schirm. Es stellte sich allerdings heraus, dass man dort recht günstig übernachten kann, auch wenn die guten Zeiten dieses ersten Hauses am Platz, vermutlich schon einige Jahrzehnte zurückliegen.

Aber was soll ich machen – mein Wille ist gebrochen. Bei dem Wetter habe ich keine Lust weiter zu fahren, also checke ich dort ein. Das Zimmer ist auch ganz passabel für den Preis und ich schaue den Wind beim stürmen zu und dem Regen beim regnen.

Ein kurzer Ausflug an die aufgewühlte See zeigt dann auch, mit welcher Wucht der Sturm gerade hier an Land trifft – dann wetten wir besser einfach mal ab. Es ist wie es ist und in meinem Zimmer ist es wenigstens trocken und warm. Hoffen wir einmal, dass es morgen weitergeht und das Wetter wieder besser ist. Der Wetterbericht jedenfalls verspricht es! mir, de Daumen sind gedrückt!

Tag 6 – von Hanstholm nach Hvide Sande 160 Kilometer

Der Tag heute beginnt, wie es gestern aufgehört hat – mit Regen und Wind. Aber was soll’s, es wird schon werden, man muss dem Wetter einfach eine Chance geben. Also los und immer am Meer entlang durch die kleinen Orte wie Klitmøller oder Vorupør, über die kleinen Straßen, die kleinen Wege, immer entlang am Meer.

Irgendwann kommt tatsächlich die Sonne raus. Ich muss mich sogar mit Sonnencreme eincremen, wer hätte das noch gedacht? Die Kilometer fliegen dahin, ich komme gut voran. Bei dem Wetter ist Motivation kein Thema, das läuft fast wie von selbst bei den Wetteraussichten heute. 

Bei dem Wetter und der coolen Landschaft bekomme ich das Grinsen kaum aus dem Gesicht. Was ein Kontrast zu gestern! Der Wind ist fast eingeschlafen, von Regen keine Spur. Vielleicht bleibt es ja bis zum Ende der Tour genau so, das wäre so cool.

Irgendwie ist die Westküste mit der Nordsee genau mein Dänemark, hier fühle ich mich am wohlsten. Der Motor läuft nach dem quasi Ruhetag gestern auf Hochtouren und als es darum geht, ein Ziel für den Tag festzulegen, kommt mir beim Blick auf die Karte direkt Hvide Sande in den Sinn.

Wenn ich mich ranhalten und alles gut läuft, dann kann ich es tatsächlich schaffen. Es sind dann zwar ungefähr 160 km heute, aber das ist machbar und wenn ich vor 19:00 Uhr in Hvide Sande ankomme, hat sogar noch die Räucherei mit dem leckeren Fisch and Chips noch offen. Gibt es eine bessere Motivation?

Gegen 18:00 Uhr rolle ich tatsächlich über die kleine Brücke in Hvide Sande, stehe kurz darauf am Tresen der Räucherei und bestelle Fish and Chips, was für eine Belohnung nach einem solch coolen Tag!

Danach geht es auf den Campingplatz, der zwar rappelvoll belegt ist, aber für mich noch ein kleines Plätzchen findet. Soll mir recht sein, morgen früh um 8:00 Uhr schwinge ich mich wieder auf mein Rad und rolle weiter gen Süden. Ein zweites Abendessen nehme ich oben hoch über dem Meer in den Dünen mit Blick auf die Nordsee und dem spektakulären Sonnenuntergang ein. Ich könnte gerade nicht zufriedener sein – vor allem nach dem Tag gestern!

Tag 7 – von Hvide Sande nach Mellerup 167 Kilometer

Thank god it’s Friday – die Tage verschwimmen, irgendwie ist gerade immer Freitag, oder Mittwoch, oder Montag. Die Sonne scheint auch noch, keine Wolke am Himmel, es kann also nur gut werden heute! Um halb neun rolle ich mit bester Laune vom Campingplatz und es erwarten mich direkt feinster Gravel und coole Wege, immer direkt hinter den Dünen entlang, man kann das Meer immer riechen, herrlich!

Ich komme flott voran und erreiche mit Vejers Strand das kleine, verschlafene Dörfchen, in das wir im Herbst immer wieder gerne wegen der Ruhe in ein Ferienhäuschen fahren – tauscht man aber November gegen Juli ist es hier weniger beschaulich, aber sei es drum, es geht ja manchmal auch ums Gefühl!

Die Strecke nach Esbjerg kenne ich ganz gut aus dem Auto, umso cooler ist es sie einmal mit dem Rad auf kleinen Nebenstraßen zurückzulegen. Beim Softeis in der Stadt ergeht es mir wie kurz darauf in Ribe und zuvor in Vejers – zu viel Trubel, zu viele Leute, lieber direkt weiter und im November nochmal wieder zurück kommen.

In Ribe muss ich langsam mal zusehen, wo ich übernachten will. Auf dem Weg von dort bis nach Flensburg sind Campingplätze und Unterkünfte eher spärlich gesät, so dass ich kurzentschlossen die Shelter-App anwerfen und in gut 40 Kilometern fündig werde. Warum auch nicht, ich fühle mich noch gut, wann ich da ankomme ist ja auch egal, solange es hell ist, kann man ja easy fahren, also los.

Am Ende zieht es sich dann doch ganz gut, ich besorge mir noch ein paar Kaltgetränke im Supermarkt kurz vor dem Shelter-Platz und bin nach 167 Kilometern gegen 19.30 Uhr da. Ich baue mein Zelt im Shelter auf, habe keine Lust auf Mücken und anderes Getier. Dann noch Katzenwäsche, Hunger und Durst stillen – schon geht es ab ins Bett, es reicht dann auch für heute!

Tag 8 – von Mellerup nach Flensburg 49 Kilometer

Wie so letzte Tage einer Tour sind, eine gewisse Melancholie macht sich am Morgen breit, dazu trägt das wechselhafte Wetter bei, eher Couch statt Radtour wären heute angesagt.

Nun denn, mit Kaffee geht alles besser, also schnell die erste Tasse heute an den Start, dann langsam meine sieben Sachen zusammen packen und wieder am Rad verstauen, dann geht es los. Nach einer Handvoll Kilometern sagt das Regenradar einen zweiten Kaffee vorher, dem wollen wir uns nicht verwehren und stellen uns an einer Tankstelle unter.

Danach beginnt das fröhliche Jacke an, Jacke aus Spiel – Wetter halt, aber zum Glück nur nass und nicht kalt. Mit Martin von www.biketour-global.de und seinen Podcast-Gästen Sandra Schuberth und Detlefsen zum Gravelbike Race The Bright Midnight in Norwegen auf den Ohren rolle ich im Nieselregen gen Kruså und somit der Grenze entgegen. 

Ob ich so eine Tour in Norwegen mit so vielen Kilometern und Höhenmetern auch packen würde? Frage um Frage dazu ergibt sich mir, ob sich da vielleicht irgendwo eine fixe Idee im Hinterkopf beginnt einzunisten?

Der Grenzübertritt ist im Grunde keiner, lediglich die Schilder ändern sich, schon cool so ein vereinigtes Europa, früher musste man hier auf dem Weg in die Ferien immer seine Kinderausweise parat haben.

Die Ankunft in Flensburg ist unspektakulär und nüchtern, immerhin kein Regen. Durch die Stadt fahren gerade die TeilnehmerInnen des North Cape 4000 auf dem Weg von Italien zum Nordkap, crazy people, so viele Kilometer in so kurzer Zeit auf dem Rad!

Also auf in die Unterkunft, Duschen, dann Bier und Kaffee, und später ab- und den Gedanken hinterher hängen. Und über fixe Ideen grübeln.

Fazit

Packliste Bikepacking Solo Dänemark

 

Zusammen mit Sara Hallbauer möchte ich in einer neuen Podcast-Serie über alle möglichen Aspekte von Ultracycling und Gravelbike Events sprechen. Die Leidenschaft fürs Graveln hat mich 2023 so richtig gepackt und umso mehr ich mich damit beschäftigt habe, desto faszinierender wurde es, sich tiefer ins Thema zu stürzen. Aber es tauchen auch unglaublich viele Fragen auf, für deren Beantwortung man sich gut und gerne bei erfahrenen Fahrer*innen im Internet umsehen kann, die mitunter – so wie Sara – einen profunden Erfahrungsschatz mitbringen und jeweils ihren Zugang zu den Themen anbieten.. Denn die Welt des Ultracyclings und der Gravelbike Events ist ziemlich bunt und es kann schon etwas dauern, sich dort zurechtzufinden.

Genau so ging es mir auch, als ich immer mehr Gefallen daran fand, mit meinem Gravelbike auch über mehrere Tage am Stück unterwegs zu sein. Als sich dann die Tür zu organisierten Ausfahrten öffnete, stellten sich mir umgehend noch mehr Fragen. Zur Beantwortung vieler  ist es vor allem wichtig, selbst Erfahrungen zu sammeln, möglichst viele Kilometer selbst im Sattel zu verbringen und sich natürlich auch persönlich mit anderen Fahrer*innen auszutauschen. 

Als ich dann mit Sara eine Podcastfolge #EinLöffelButter zu ihrem persönlichen Weg aufgenommen habe, war mir rasch klar, dass wir einen ähnlichen Zugang zu vielen Aspekten haben und darüber hinaus hat es auch abseits der Aufnahme viel Spaß gemacht, mich mit Sara auszutauschen. Nach Veröffentlichung der Folge gab es dann zahlreiche Rückmeldungen bei ihr und auch mir dazu; es schien, dass auch andere Leute ein wenig nach Orientierung bei den entsprechenden Themen suchen. Spätestens mit meiner Anmeldung zum Bright Midnight Gravelbike Event in Norwegen war klar, ich werde mich zwangsläufig mit vielen Dingen und Themen beschäftigen müssen.

So entstand die Idee zu dieser Podcast-Reihe, die wir nun starten wollen. Folge für Folge nehmen wir uns ein Thema aus dem Bereich Ultracycling und Gravelbike Events vor und wollen dieses möglichst von allen Seiten aus beleuchten. Vom Weg hin zum Sport, über körperliche und mentale Herausforderungen, die Technik und Ausrüstung bis hin zur Auswahl des richtigen Events entsprechend der persönlichen Präferenzen. Wir freuen uns auf den Austausch mit unseren Hörer*innen und mit anderen Leuten aus der Szene, die wir bei der ein oder anderen Folge mit dazu holen wollen, um ihre Sicht auf die Dinge einzuholen.

Diese Podcastfolge ist also der Startschuss dazu und wir reden darüber, wie wir beide Freude daran gefunden haben, uns tiefer in diese vielfältige Art des Radfahrens zu begeben. Was ist der Reiz für uns, sich damit auseinanderzusetzen? Warum fahren wir überhaupt mit dem Gravelbike durch die Welt? Und wie fängt man an, sich in dieser Szene zurechtzufinden?

Wir freuen uns auf Rückmeldungen jeglicher Art zur Podcastserie. Gebt uns gern auf allen möglichen Kanälen Rückmeldung dazu und teilt uns gerne mit, über welche Dinge wir in den nächsten Folgen sprechen sollen!

Viel Spaß mit der neuen Folge!

Sara und Simon 

 

Links zur Folge:

The Bright Midnight: https://brightmidnight.cc 

North Cape 4000: https://northcape4000.com 

Biketour-Global: https://www.biketour-global.de 

Film von Sandra Schuberth zum Bright Midnight: https://www.youtube.com/watch?v=2Au-fsF2k_Y&t=366s 

Leona Kringe: https://heimatnomadin.com 

Amazon Doku Jan Ullrich: https://www.amazon.de/Jan-Ullrich-Gejagte-Staffel-1/dp/B0CGMT1YYK 

Saras Website: https://www.bikepackers.de 

Sara auf Instagram: https://www.instagram.com/sara_hallpower 

Sara auf Strava: https://www.strava.com/athletes/24442277 

Simons Website: https://simonpatur.de 

Simon auf Instagram: https://www.instagram.com/simonpatur 

Simon auf Strava: https://www.strava.com/athletes/10761995 

Unser Strava Club: https://www.strava.com/clubs/1197353

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