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Simon

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Keine Ahnung wie lange schon der Gedanke an einen eigenen Podcast in meinem Kopf herum schwirrt. Angefangen hat es wohl auf langen Wandertouren, wo ich mir zu Anfang noch aus Mediatheken Radiosendungen wie „WDR 2 Montalk“ oder „Mensch Otto“ herunter geladen und auf meinen IPod gepackt habe. Oft lag ich stundenlang am Abend im Schlafsack und habe spannenden Leute und Gesprächen zugehört. 

Irgendwann gewann das Thema Podcast deutlich an Fahrt, statt Radio-Episoden in die Mediathek zu stellen gab es nun mehr und mehr extra produzierte Sendungen. Die Gespräche zwischen spannenden Leuten wie Hotel Matze oder in einem bestimmten Rhythmus zu einem speziellen Thema wie Fußball MML wurden nach und nach zu einem festen Programmpunkt in meinem Alltag. Insbesondere wenn ich einmal länger unterwegs bin und stundenlang im Auto oder Zug auf dem Weg zu einem Vortrag kreuz und quer durchs land unterwegs bin, dann freue ich mich über jede Minute der Reise weil ich mir dann wieder eine neue Podcastfolge reinziehen kann.

Ein Podcast? Ein Podcast!

Da es mich mehr und mehr umtrieb zu verstehen wie so ein Podcast funktioniert, wie man so etwas aufnimmt und wie man spannenden Gespräche führt habe ich mich an den Schreibtisch gesetzt und angefangen mich damit zu beschäftigen. Es stellte sich schnell heraus, dass das Thema vielschichtiger und vielleicht auch komplizierter ist als gedacht. Aber da ich gerade in Zeiten von Corona ziemlich viel Zeit habe um mich tiefer und ausführlicher mit der Sache zu beschäftigen, konnte ich mich ins Abenteuer Podcast stürzen. Also los geht’s, kommt mit mir und hört mir und meinen Gästen zu! Ich bin sehr gespannt wie sich der Podcast entwickelt und freue mich sehr über eure Rückmeldungen auf allen möglichen Wegen!

Den Podcast findet ihr bei mir im Blog hier an dieser Stelle und natürlich bei allen möglichen Streaming-Plattformen wie Spotify!

»Als Gruppe sind wir gestartet, als Freunde sind wir angekommen!«

Wir sitzen in der gemütlichen Stube der DNT-Hütte von Finse, wir sind alle von der letzten Etappe etwas fertig und haben gerade erst die Wanderschuhe in die Ecke gestellt. Mit einem großen Grinsen blicken wir in die Runde und genießen zufrieden eine eiskalte Cola. Soeben ist der Wanderteil unserer Tour durch die Hardangervidda zu Ende gegangen und bereits jetzt wird auf eine Fortsetzung angestoßen. Ich bin stolz, etwas kaputt, zufrieden und vor allem froh, dass wir gemeinsam diese wunderbare Tour gemeistert haben! Und dann erst das Strahlen in den Gesichtern der Teilnehmer!

Kaum zu Hause richtete sich der Blick direkt wieder aufs neue Jahr. Schnell war klar, dass es auf jeden Fall eine Neuauflage einer geführten Wandertour zusammen mit mir und Puretreks geben wird. Zu viel Freude hat es gemacht, zusammen dieses Abenteuer zu meistern. Am Abend im Zelt oder auf der Hütte die Tage Revue passieren zu lassen und sich über unsere Eindrücke auszutauschen war dabei immer wieder ein Highlight. Wir haben uns über Ausrüstung, Tipps und Tricks, über Norge på langs und schöne Touren in Norwegen unterhalten – und über noch so viel mehr. Ich hätte nicht gedacht, dass man so schnell zu einer eingeschworenen Gemeinschaft werden kann und es so viel Spaß macht, sich in einer solchen Gruppe zu bewegen.

Am 06. September 2020 geht es also erneut los! Wir werden uns in Oslo treffen und gemeinsam ins Abenteuer aufbrechen. Wieder werden wir mit Puretreks aus Soest auf Reisen gehen und bis zum 19. September unterwegs sein. Bei der Auswahl des Wandergebietes bot es sich an, auf eine Art Fortsetzung der letzjährigen Tour zu setzen. Und so wird erneut Finse das Ziel unserer Reise sein, diesmal allerdings von Norden aus kommend.

Das wilde Fjellgebiet Skarvheimen erschließt sich nordwestlich der Hardangervidda, Nordeuropas größter Hochebene. Die schroffen Berge dieser Landschaftsperle zeigen sich dort im Herbst von ihrer schönsten Seite. Das baumlose Fjell schillert im September in den schönsten Herbstfarben und die kristallklare Herbstluft kündet vom herannahenden Winter.

Die Trekkingtour durch diese abenteuerliche Gegend ist ein Klassiker etwas abseits der bekannteren Wanderwege. Wir begeben uns auf eine anspruchsvolle Wanderung über mehrere Tage die perfekt für alle ist, die das skandinavische Friluftsliv auf Schusters Rappen mit Trekkingrucksack und Zelt erleben wollen.

  • Trekkingtour zusammen mit Simon
  • Intensiv und authentisch reisen, um das norwegische “Friluftsliv” kennenzulernen
  • Trekking in spektakulärer skandinavischer Herbstlandschaft
  • Die Nächte am Start/Ende in Hütten bzw. Hotel, unterwegs im Zelt
  • Praktische Erfahrungen auf den Spuren von Norge på langs sammeln
  • Optional je nach Vorankommen und Wetter: Gletscherwanderung am Hardangerjøkulen / Besteigung des Bitihorns

Der Herbst ist die ideale Zeit für eine längere Tour in dieser rauen Gegend Norwegens, die sich zwischen Jotunheimen im Norden und der Hardangervidda im Süden erstreckt.

Wir starten am Bygdin See zu unserer Tour, auf der wir Jotunheimen und den höchsten Bergen Norwegens eine kurze Stippvisite abstatten um dann südwärts durch Skarvheimen zu wandern. Auf unserer Route blicken wir zu Beginn auf die hohen Berge Jotunheimens während sich gegen Ende der Tour der große Hardangerjøkulen-Gletscher am Horizont zeigt. Dieses riesige Eismassiv bildet unsere Zielmarke und sollte sich die Möglichkeit ergeben, werden wir seinen Gletscherzungen einen Besuch abstatten. Mit etwas Glück kreuzen Rentiere unsere Wege und wir erleben gemeinsam eine großartige Zeit mit vielen Abenteuern in einer fantastischen Umgebung! Die Tour richtet sich an alle, die unter erfahrener Leitung erste praktische Erfahrung mit Mehrtagestouren in Norwegen sammeln und sich gerne in einer Gruppe draußen bewegen wollen.

Zusammen laufen wir von den Bergen Jotunheimens bis hin zum Hardangerjøkulen-Gletscher

Wir werden nach Oslo reisen, uns dort treffen und vor Ort letzte Vorbereitungen treffen und gemeinsam Proviant für die Tour einkaufen.

Anschließend besteigen wir den Bus in Richtung Bygdin am Südrand Jotunheimens, von wo aus wir unsere Wanderung starten werden. 

Die Route wird uns entlang der Hütten und Unterkünfte Yksendalsbu, Fondsbu, Sulebu, Breistølbu, Bjordalsbu, Iungsdalshytta, Kongshelleren und Geiteryggshytta führen. Wir werden dabei vorwiegend im Zelt übernachten und uns selbst mit dem versorgen, was wir vorher zusammen eingekauft haben. Gemeinsam als Gruppe treffen wir die Entscheidungen, wo wir unsere Zelte aufschlagen und wie lang die jeweiligen Etappen sind.

Das Ziel am Ende der Tour wird wieder Finse sein, ein kleines Örtchen an der Eisenbahnlinie zwischen Oslo und Bergen, das auch im letzten Jahr das Ende unserer Tour markiert hat. Im Schatten des Hardangerjøkulen-Gletschers befindet sich dort auf 1222 Metern Nordeuropas höchstgelegener Bahnhof und in der dortigen Hütte des DNT werden wir erneut gemeinsam auf die erfolgreiche Wanderung anstoßen und die Tour ausklingen lassen.

Gemeinsam können wir unterwegs je nach Wetter und Vorankommen die Tour gegebenenfalls variieren, den einen oder anderen Berg am Wegesrand erklimmen oder einen Ruhetag auf einer der gemütlichen Hütten des DNT einlegen.

Die Tour richtet sich an alle, die gerne draußen unterwegs sind und gerne erste Erfahrungen im skandinavischen Fjell auf einer Mehrtages-Trekkingtour sammeln wollen. Wir werden das Gepäck und somit das Rucksackgewicht niedrig und den Anforderungen an die Jahreszeit und Umgebung entsprechend möglichst gering halten. Unterwegs besteht die Möglichkeit, auf den Hütten des DNT Proviant nachzukaufen und nach einem Drittel der Wanderung erhalten wir zusätzlich Gelegenheit unsere Vorräte in einem kleinen Laden aufzustocken.

Wer sich dieser wunderbaren Tour durchs herbstliche Fjell anschließen möchte, der findet alle genauen Details zur Reise direkt bei Puretreks

Und für alle Fragen rund um die Tour könnt ihr mich sehr gerne unter simon@simonpatur.de kontaktieren!

Auf Ski durch die winterliche Hardangervidda ziehen wir durch die weiße Weite mit Ski und Pulkaschlitten. Zusammen im Winter unterwegs zu sein war für uns eine Premiere und hat großen Spaß gemacht. Aber auch auf dieser Tour wurde uns gewahr, wie groß und stark die Naturgewalten im Norden sein können. Der Winter ist immer eine ganz andere Hausnummer, in jeder Hinsicht. In der aktuellen Ausgabe des Nordis Magazins berichten wir von unserer Tour durch die Hardangervidda. Viel Spaß beim Lesen!

Vor einiger Zeit war ich in Bad Schandau bei den Globetrotter Wandertagen zu Gast und durfte dort die 40 Kilometer Runde unter die Füße nehmen. Im Rahmen der Wanderung und dieses Wochenendes sprach ich mit den Machern vom Globetrotter Magazin über meine Wanderungen durch Norwegen und wie man als Sauerländer nach Dresden kommt. Das resultat ist ein äußerst kurzweiliges Interview bei dem ich über mein Verhältnis zu Robben, wie es ist 45 km am Stück zu Wandern und was eine Budesligasaison mit einer Fernwanderung gemeinsam hat. Neugierig geworden? Viel Spaß beim Lesen!

Wenn die eigene Stimme im Radio zu hören ist, dann erzählt Opa von früher  Danke Erik von WELTWACH, dass ich dir von mir und meinen Wanderungen erzählen durfte!

Und wenn ich mir das dann zusammen mit meinen Enkels irgendwann im Schaukelstuhl auf der Veranda mit Blick über den Fjord anhören werde, dann wird das ganz sicher ein richtig cooler Moment! Ich freu mich jetzt schon drauf! Viel Spaß beim Reinhören!

Worauf zur Hölle habe ich mich da bloß eingelassen?

Genau diese Worte gehen wohl gerade einigen Leuten durch, die sich darauf vorbereiten bald durch ganz Norwegen zu laufen. All ihre Vorbereitungen neigen sich nun dem Ende entgegen, es wird langsam ernst – die Angst vor der eigenen Courage weicht der Aufregung und den Anstrengungen der Vorbereitung. Die Ausrüstung ist ausgewählt, die Route geplant und die Versorgungspakete gepackt. Es kann also bald losgehen. Aber wie ist das Wetter derzeit? Wie sind die Schneeverhältnisse in Südnorwegen gerade? Und überhaupt, was wird mich erwarten?

Eine Community entsteht

In den letzten Jahren ist in Deutschland so etwas wie eine kleine NPL-Community entstanden, was einfach richtig cool zu sehen ist! Es gibt sogar eine eigene deutsche NPL-Gruppe auf Facebook in der sich Aspiranten zu dem Thema austauschen können!Und auch wenn man Beispielsweise dem #norgepålangs Hashtag auf Instagram folgt, entdeckt man immer wieder Leute aus dem deutschsprachigem Raum, die gerade in Norwegen auf der Langstrecke unterwegs sind.

Im letzten Jahr haben wir selbst erleben dürfen, wie spannend es ist zusammen durch Norwegen zu wandern. Die Rückmeldungen auf dem Blog, auf Instagram und auch auf Facebook waren einfach unfassbar und haben uns immer sehr motiviert weiter zu machen. Vor, während und nach der Tour habe wir zahlreiche Nachrichten von Leuten bekommen, die ebenfalls planen eine solche Norge på langs Wanderung zu machen. Und jetzt geht es für einige von ihnen wirklich los!

Die Aspiranten 2019

Ich möchte euch die Leute vorstellen, die in diesem Jahr planen die NPL-Tour an einem Stück zu laufen. Wenn ihr darüber hinaus weitere Leute kennt, meldet euch gerne bei mir, ich ergänze die Liste dazu gerne!

Renée

Schwer zu sagen, wann ich das erste Mal so richtig von Renée und ihren Plänen gehört habe, aber vermutlich war es auf dem Fernwandern-Camp an der Rossmühle. Seitdem haben wir uns viel ausgetauscht und bei meinem Vortrag in Braunschweig durfte ich sogar bei ihr zu Hause zu Gast sein und wir haben bis tief in die Nacht über ihre Pläne gesprochen. Und nun weilt sie schon in Norwegen, bald geht es los! Ich drücke ihr sehr die Daumen, dass alles so gut klappt, wie sie es so akribisch geplant hat!

 

 
 
 
 
 
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Folgt Renee auf Instagram: https://www.instagram.com/foufinhaphoto/

Nathalie und Andreas

Nach meinem Vortag in Hagen vor kurzem stand plötzlich ein junges Paar vor mir und sprach mich an: „Wir wollen demnächst starten und auch NPL laufen!“ Mein Erstaunen und meine Freude über diese Worte waren groß! So etwas zu hören und die Leute dann auch persönlich zu treffen ist immer richtig cool! Und nun weilen sie schon in Norwegen, bald geht es für sie los! Ich drücke ihnen für ihren großen Traum alle Daumen!

Folgt Nathalie und Andreas auf ihrem Blog: https://www.füssesindzumwandernde.de

Swantje

Auf Swantje bin ich über die deutsche NPL-Gruppe auf Facebook aufmerksam geworden. Im letzten Jahr kündigte sie dort ihre Pläne an und hat sich seitdem super vorbereitet. Sie hat einen Blog eingerichtet und berichtet dort über ihre Vorbereitungen und bald schon darüber wie es ist, unterwegs zu sein!

Folgt Swantje auf ihrem Blog: https://aufdemwegnachnorden.com/

Toni

Er stammt aus der Schweiz, macht super Fotos und ist in Norwegen schon gestartet – mehr weiß ich eigentlich auch kaum über Toni. Aber folgt ihm auf Instagram, dort postet er immer mal wieder Stories über seine Tour!

 

 
 
 
 
 
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Und dann weiß ich über die NPL-Gruppe auf Facebook auch noch von Paulina, die anscheinend auch gerade plant, in diesem Jahr durch Norwegen zu wandern. Wir drücken euch allen beide Daumen und wünschen euch eine super Zeit auf dem Weg zum Nordkapp! Lykke til og god tur euch!

Kennt ihr darüber hinaus Leute, die in diesem Jahr versuchen NPL am Stück zu laufen? Meldet euch gerne bei mir, dann ergänze ich die Liste entsprechend!

»Kann ich nicht auch einmal zusammen mit dir auf Tour gehen?«

Zahlreiche Anfragen habe ich immer wieder bekommen, ob ich nicht zusammen mit einer Gruppe auf Tour gehen würde. Eine geführte Reise für alle, die gerne erleben wollen, wie es ist, in Norwegen auf Tour zu sein. Sich unterwegs gemeinsam über Erfahrungen, Ausrüstung und Norwegen der Länge nach auszutauschen. Am Abend dann in gemütlicher Runde beisammen sitzen und Tipps und Tricks rund um Fernwanderungen in Skandinavien wie Norge på langs bekommen – das alles wird in diesem Herbst nun möglich sein!

Zusammen gehen wir auf Tour!

Vom 1. September an geht es los, wir brechen im Rahmen einer geführten Reise auf in den Norden. Gemeinsam gehen wir auf Tour und nehmen das herbstliche Fjell unter die Füße. Mit Puretreks aus Soest habe ich dafür einen erfahrenen Partner gefunden, der uns diese wunderbare Tour ermöglicht. Ich selbst war schon als Teilnehmer einer Gruppe mit Jerome im Sarek auf Wintertour und war total begeistert von der Organisation und dem Ablauf der Reise und über Jeromes Guiding-Qualitäten braucht man gar nicht erst sprechen, das ist absolute erste Liga. Nun werde ich selbst der Guide sein und euch mitnehmen auf diese Tour, auf die ich mich schon unglaublich freue!

Die Hardangervidda ist Nordeuropas größte Hochebene und zeigt sich im Herbst von ihrer schönsten Seite. Das baumlose Fjell schillert im September in den schönsten Herbstfarben und die kristallklare Herbstluft kündet vom herannahenden Winter. Die Überquerung dieser Hochebene auf der klassischen Route zwischen Haukeliseter im Süden bis in den Norden nach Finse ist ein absoluter Trekkingtraum und perfekt für alle, die das skandinavische Friluftsliv auf Schusters Rappen mit Trekkingrucksack und Zelt erleben wollen.

  • Trekkingtour zusammen mit Simon
  • Intensiv und authentisch reisen, um das norwegische „Friluftsliv“ kennenzulernen
  • Trekking in spektakulärer skandinavischer Herbstlandschaft der Hardangervidda
  • Die Nächte am Start/Ende in Hütten bzw. Hotel, unterwegs im Zelt
  • Praktische Erfahrungen auf den Spuren von Norge på langs sammeln
  • Optional je nach Vorankommen und Wetter: Gletscherwanderung am Hardangerjøkulen / Besteigung des Harteigen

Der Herbst ist die ideale Zeit für eine längere Tour in dieser spannenden Umgebung. Der westliche Teil der Hardangervidda ist geprägt von rauer, abwechslungsreicher Natur. Auf unserer Route zeigt sich dann nach einigen Tagen der große Hardangerjøkulen-Gletscher am Horizont. Dieses riesige Eismassiv werden wir westlich umrunden und sollte sich die Möglichkeit ergeben, werden wir seinen Gletscherzungen einen Besuch abstatten. Mit etwas Glück kreuzen Rentiere unsere Wege und wir erleben gemeinsam eine großartige Zeit mit vielen Abenteuern in einer fantastischen Umgebung! Die Tour richtet sich an alle, die unter erfahrener Leitung erste praktische Erfahrung mit Mehrtagestouren in Norwegen sammeln und sich gerne in einer Gruppe draußen bewegen wollen.

Wir durchqueren die Hardangervidda der Länge nach

Wir werden nach Oslo reisen, uns dort treffen und dort vor Ort letzte Vorbereitungen treffen und gemeinsam Proviant für die Tour einkaufen.

Anschließend besteigen wir den Bus in Richtung Haukeliseter, von wo aus wir unsere Wanderung durch die Hardangervidda starten werden. Die klassische Durchquerung der Hochebene steht dann für uns auf dem Plan.

Die Route wird uns entlang der Hütten und Unterkünfte Hellevassbu, Litlos, Torehytten, Hedlo, Liseth und Rembedalseter führen. Wir werden dabei vorwiegend im Zelt übernachten und uns selbst mit dem versorgen, was wir vorher zusammen eingekauft haben. Gemeinsam als Gruppe treffen wir die Entscheidungen, wo wir unsere Zelte aufschlagen und wie lang die jeweiligen Etappen sind.

Das Ziel am Ende der Tour wird Finse sein, ein kleines Örtchen an der Eisenbahnlinie zwischen Oslo und Bergen. Im Schatten des Hardangerjøkulen-Gletschers befindet sich dort auf 1222 Metern Nordeuropas höchstgelegener Bahnhof und in der dortigen Hütte des DNT werden wir gemeinsam auf die erfolgreiche Wanderung anstoßen und die Tour ausklingen lassen.

Gemeinsam können wir unterwegs je nach Wetter und Vorankommen die Tour gegebenenfalls variieren, den einen oder anderen Berg wie den markanten Harteigen am Wegesrand erklimmen oder einen Ruhetag einlegen.

Die Tour richtet sich an alle, die gerne draußen unterwegs sind und gerne erste Erfahrungen im skandinavischen Fjell auf einer Mehrtages-Trekkingtour sammeln wollen. Wir werden das Gepäck und somit das Rucksackgewicht niedrig und den Anforderungen an die Jahreszeit und Umgebung entsprechend möglichst gering halten. Unterwegs besteht die Möglichkeit, auf den Hütten des DNT Proviant nachzukaufen und zur Mitte der Wanderung erhalten wir zusätzlich Gelegenheit unsere Vorräte in einem kleinen Laden aufzustocken.

Wer sich dieser wunderbaren Tour durchs herbstliche Fjell anschließen möchte, der findet alle genauen Details zur Reise direkt bei Puretreks

Und für alle Fragen rund um die Tour könnt ihr mich sehr gerne unter simon@simonpatur.de kontaktieren!

Einmal durch Norwegen wandern! Wie verrückt muss es sein, wenn man nicht nur ständig davon hört, sondern es dann tatsächlich selbst einmal erleben will? 

Anni berichtet in der aktuellen Ausgabe des raus!-Magazin, wie es sich anfühlt, seinen Traum zu leben. Wie ist das gleich nochmal mit Spaß und Freude auf solch einer Tour? Sich vorzustellen, wie es unterwegs wohl sein mag, ist die eine Sache, aber wie es sich dann wirklich anfühlt loszuziehen, diese Erfahrung muss jeder selbst machen.

Ich bin wahnsinnig stolz auf Anni! Auf ihren Mut, ihren Durchhaltewillen und ihre Ausdauer! Zusammen durch Norwegen zu laufen ist einfach so unglaublich schön! Aber auch oft anders, als man es erwartet hat. Alles auf Tour zu teilen, die schönen wie auch die schwierigen Momente, ist einfach unbezahlbar. Aber jetzt lest selbst mit Annis Worten was es heißt, Norwegen der Länge nach zu Fuß zu durchqueren! Viel Spaß beim Lesen!

raus!

Im Outdoor-Kleiderschrank stapeln sich Klamotten, neue Dinge kommen dazu und die alten gehen oft nicht im gleichen Maße. Was macht man mit den Sachen und Dingen, die man nicht mehr benötigt? Könnte die nicht noch jemand gebrauchen? Was könnte man damit machen? Und wem gebe ich die Dinge, die ich nicht mehr brauche oder nicht mehr haben will?

Klar, man kann sie verkaufen oder auch einfach in die Tonne werfen, aber ich finde gerade die einfache Entsorgung ziemlich problematisch, schließlich könnte jemand anderes sie noch gut gebrauchen oder etwas Neues daraus machen. Ich will Bekleidung und Ausrüstung nicht nur konsumieren, sondern mich auch darum kümmern, dass wenn ich sie nicht mehr haben möchte, sie vertrauensvoll weitergeben kann.

Wir machen das jetzt!

Die Farben des Logos von meinem Partner Bergans of Norway werden ja bekanntlich von einem satten Blau dominiert, aber seit geraumer Zeit gewinnt zumindest im Hintergrund Grün deutlich an Bedeutung. Nicht nur in Norwegen schärft sich gerade in rasender Geschwindigkeit die Sensibilität für Umweltschutz und Nachhaltigkeit, auch global nehmen das Bewusstsein und die Sorge der Menschen um Mutter Natur zu. Freilich nicht immer freiwillig, aber das man etwas tun muss, ist mehr als offensichtlich, die Ressourcen unseres Planeten sind endlich und wenn wir den nachfolgenden Generationen auch nur den Hauch einer Chance zu einem guten Auskommen mit unserer Umwelt und den vorhandenen Möglichkeiten geben wollen, dann müssen wir jetzt direkt anfangen, selbst etwas zu tun und zu ändern.

Genau diesen Gedanken hat Bergans of Norway bereits vor einiger Zeit aufgegriffen und sich rund um das Thema Nachhaltigkeit viel überlegt. Man verwendet zum Beispiel nur noch RDS-zertifizierte Daunen für seine Produkte und bringt eine komplette Kollektion aus recycelten Materialien heraus, die deutlich weniger Ressourcen als bisher üblich verbrauchen. Dabei heraus sind auch einige andere wirklich coole und neue Ideen gekommen, die in Norwegen bereits groß eingeschlagen sind und schon nach kurzer Zeit überaus großen Erfolg erzielt haben.

Eine der Ideen dabei ist, dass man den Lebenszyklus von Produkten erhöht bzw. dass man die Produkte, wenn der Kunde sie aus welchen Gründen auch immer nicht mehr benötigt, weiter verwendet oder gezielt daraus etwas Neues entstehen lässt und sie nicht einfach wegwirft. Man wollte einen Anreiz schaffen, dass der Kunde die Bekleidung auch wieder in den Kreislauf zurück gibt und sie nicht einfach wegwirft.

So kam man auf die Idee der „Pantepose“, oder wie man auf Deutsch sagen würde, der „Pfand-Tüte“. Das Prinzip dabei ist ganz einfach:  Wenn man zu Hause ein Outdoor-Produkt wie eine Jacke, einen Rucksack oder eine Hose hat, die nicht mehr benötigt wird, weil sie einem nicht mehr gefällt oder man der Meinung ist, dass das Produkt aufgetragen ist, dann kann man sich bei Bergans auf der Website https://www.bergans.com/pant eine „Pantepose“ bestellen (leider ist das System bisher nur auf Norwegen beschränkt, Anfragen bzw. Rücksendungen aus dem Ausland können derzeit noch nicht verarbeitet werden, die Pantepose ist bislang nur in Norwegen verfügbar).

Mit dieser Versandtasche kann man dann die Sachen an Bergans per Post schicken, der Beutel ist schon entsprechend frankiert, sodass der Versand für den Kunden bzw. Rücksender kostenlos ist. Bergans nimmt sich dann der Sachen an und schaut, was man aus ihnen noch machen kann. Im Gegenzug erhält man einen 20%-igen Rabattgutschein auf den nächsten Einkauf bei Bergans. Man möchte dem Kunden so die Entscheidung zur Rückgabe möglichst einfach und unkompliziert machen, und zudem auch einen Anreiz schaffen, das System zu nutzen.

Man kann natürlich seine gebrauchten Sachen auch direkt bei Bergans in den entsprechenden Geschäften in Oslo oder Ski abgeben, das haben wir vor zum Beispiel vor unserer Tour in diesem Jahr gemacht und Dinge abgegeben, die wir nicht mehr benötigen. Ich finde die Idee der Pantepose auch aus der Sicht des Markenbotschafters super. Es kann schon vorkommen, dass sich nach einer gewissen Zeit viele Dinge zu Hause wiederfinden, die man nicht mehr benötigt oder die man nicht mehr benutzt. Und die Dinge dann über ein System wie Pantepose zurückzugeben finde ich einfach gut und logisch. So kommen die Dinge wieder in gute Hände und leben weiter und erleben weitere Abenteuer – „lang lebe das Produkt“ formuliert es Bergans!

Der Clou an der Pantepose Sache ist aber vor allem auch, dass es völlig egal ist, von welcher Marke die Sachen sind, die man zurück gibt, sie müssen nicht von Bergans sein. Und die Versandtasche ist selbstverständlich auch zu 100% recycelbar und in naher Zukunft auch aus Recycling-Material hergestellt, die Umstellung darauf läuft gerade auf Hochtouren.

Schritt für Schritt zum großen Ziel

Wie bereits am Anfang erwähnt muss man ja irgendwo anfangen, man kann in der Regel nicht das ganz große Ding erfinden und direkt erwarten, das alle Menschen über Grenzen hinweg begeistert und freiwillig zum Mitmachen animiert sind, das ist ganz klar. Daher hat Bergans zu allererst im heimatlichen Norwegen angefangen, die Ideen und das Konzepte der Pantepose als Pilotprojekt umzusetzen.

Hier sind die benötigten Ressourcen für die Umsetzung schon vorhanden, es gibt zum Beispiel von je her bei Bergans eine Näherei zur Reparatur von Produkten. Und auch im 2016 neu eröffneten Flagship-Store in der Osloer Innenstadt gibt es eine kleine Nähstube, in der Kunden ihre Bekleidung flicken oder ändern lassen können.

Lang lebe das Produkt – Long live the product

Wenn der Kunde nun seine Sachen an Bergans zurückschickt, kommen diese bei Bergans im Lager am Standort des Hauptquartiers in Hokksund an. Hier beginnt nun die eigentliche Arbeit mit den gebrauchten Sachen, sie werden vor Ort in Augenschein genommen und sortiert.

Produkte von Bergans, die noch gut zu gebrauchen sind und vielleicht nur etwas aus der Mode gekommen sind, werden gesäubert und dann als gebrauchte Ware im Flagship-Store in Oslo günstig verkauft. Alle etwaigen Gewinne aus dem Pantepose System werden an Organisationen wie Mountain People oder EOCA gespendet.

Die Dinge von anderen Marken, die man noch gebrauchen kann, werden gemeinnützigen Organisationen gestiftet und erhalten so ein zweites Leben und kommen so Menschen zu Gute, die auf Hilfe angewiesen sind. Ebenso Sachen von Bergans, die noch in Ordnung sind, aber nicht mehr zu verkaufen sind.

Aus Dingen, die man nicht mehr verkaufen kann, versucht Bergans in der eigenen Näherei neue Dinge zu nähen. Das können dann kleinere Taschen, Laptop-Schutzhüllen oder andere Accessoires sein. Hier in der Näherei werden auch Menschen beschäftigt, die als Flüchtlinge nach Norwegen gekommen sind. Sie können sich hier mit ihren teils herausragenden Fähigkeiten rund ums Nähen einbringen und dazu beitragen, dass die Sachen ein neues Produktleben beginnen können.

Wir hatten vor unserer Norge på langs Tour die Gelegenheit, uns das ganze Pantepose System von Bergans aus der Nähe und auch hinter den Kulissen anzusehen. Der Erfolg gibt Bergans recht, wenn auch Erfolg in diesem Zusammenhang ein komisches Wort ist, denn eigentlich müsste es ja normal sein, dass man Dinge nicht nur konsumiert, sondern sich auch mit den Auswirkungen von Konsum auseinandersetzt.

Von daher hoffe ich sehr, dass das System möglichst bald auch nach Deutschland kommt. Vielleicht ja auch nicht nur auf Bergans beschränkt, sondern auch marken-übergreifend. Aber wie auch immer, ich persönlich stehe voll hinter der Pantepose und finde es eine super Sache. Wir müssen mit unseren Ressourcen richtig umgehen und wir müssen damit endlich richtig anfangen. Wie auch bei der langen NPL-Tour muss man starten und losgehen, den Anfang machen. Und mit der Pantepose als einem Stück im Gesamtkonzept geht Bergans auf jeden Fall in die richtige Richtung!

Wir sind angekommen. Es ist der zweite Advent, draußen fällt fieser Nieselregen, der Wind weht die dicken Regentropfen ans Fenster, im Freien möchte man gerade nicht sein. Wir sind nun schon eine Weile zurück in Deutschland, aber zu Hause war zumindest ich dabei irgendwie bisher kaum, erst langsam finde ich meinen, finden wir unseren Platz.

Der Begriff „zu Hause“ definiert sich gerade für uns zusammen vollkommen neu. Schon komisch, ich denke immer noch auf Tour zu sein, komme erst langsam an, der Kopf hängt dem Körper um einige Zeit hinterher. Auf der einen Seite ist die Tour schon so unendlich weit weg, auf der anderen Seite ist alles noch ganz nah und präsent.

Keine Ahnung wie oft ich in diesem Jahr an einem anderen Ort geschlafen habe, aber weit über 100 verschiedene Orte werden es sicher gewesen sein, richtig zur Ruhe kommt man dabei kaum. Nach der Rückkehr vom Nordkap war ich direkt auf Vortragstour und das war einfach richtig cool! Zwar habe ich bei diesen Vorträgen noch von der Norge på langs Wanderung 2013 berichtet (da die neue Tour noch zu frisch war), aber die Rückmeldungen dazu waren durch die Bank unglaublich positiv! Es macht mir unfassbar große Freude, die Zuhörer abzuholen und nach Norwegen mitzunehmen. Was für eine Ehre und was für ein wahnsinniges Gefühl auf der Bühne zu stehen, zu erzählen und diesen Zuspruch zu erfahren!

Aber das Gefühl anzukommen hatte ich während der Fahrten zu den Veranstaltungsorten kreuz und quer durch die Republik nicht, ich war des Reisens zum Schluss etwas müde, der Kopf kam nicht mehr hinterher. Am Ende war ich echt froh, als ich endlich in Dresden ankam. Anni hatte da schon einen kleinen Vorsprung, war sie doch quasi direkt in Dresden gelandet, während ich noch unterwegs war.

Herzlich willkommen im Elbflorenz

Wir hatten schon vor der Tour festgelegt, dass wir in Dresden erst einmal unsere Zelte aufschlagen wollen. Viele Argumente sprachen dafür, Freunde und die Familie von Anni sind hier und die Aussicht wieder einen geregelten Alltag mit Arbeit zu haben, schien hier am erfolgsversprechendsten zu sein.

Und ganz genau so war es auch, Anni hat die Zeit hier sofort genutzt und hat direkt einen Job als Globetrotter gefunden, passender geht es wohl kaum. Und auch bei mir tut sich etwas, die Arbeit ruft immer lauter und spätestens im neuen Jahr hat mich die Arbeitswelt sicher wieder.

Ich will gerne wieder arbeiten und mich engagiert auf der Arbeit einbringen, gar keine Frage. Warum auch nicht, denn wenn man sich als Abenteuer- oder Vortrags-Profi etablieren möchte, dann muss man in meinen Augen zu viele Kompromisse an allen möglichen Ecken eingehen, um im monetären Sinne einigermaßen erfolgreich zu sein, ansonsten funktioniert das ganze leider zumeist eher schlecht als recht. Mit dem Reisen und Abenteuern sein Geld zu verdienen und ein einigermaßen gutes Auskommen zu haben, ist schwerer als man denkt. Ich hab mit vielen Leuten darüber gesprochen, selbst viele Erfahrungen gemacht und viel darüber nachgedacht – mein Weg ist das nicht. Zudem möchte ich mir auf Reisen und auch bei den Vorträgen diese Neugier und auch diese Romantik bewahren, die schnell flöten geht, wenn man als „Profi“ unterwegs ist. Nur unterwegs sein um des Unterwegsseins Willen ist einfach nicht meins. Ich will die Vorfreude und Aufregung spüren, wenn es wieder los geht, egal ob ins Abenteuer oder auf die Bühne bei einen neuen Vortrag.

Wir sind also in Dresden angekommen. Es läuft alles so, wie wir es uns vorgestellt haben. Die Unterstützung von allen Seiten ist großartig und wir freuen uns sehr, dass wir hier einen wunderbaren Ort vorgefunden haben, um an- und runterzukommen.Aber dennoch ist der Kopf noch ständig unterwegs. Erst langsam kommt Grund in alles hinein, wir haben uns eingerichtet und wir haben alle rein praktischen Dinge erledigt, die so angefallen sind oder auch im Laufe der Zeit von Ende Mai bis Ende Oktober dieses Jahres aufgrund der Tour liegen geblieben sind. Die Listen werden kürzer und alle möglichen Dinge regeln sich, ein gutes Gefühl nach all der Arbeit der letzten Tage. Erste Termine für neue Vorträge sind eingetütet und auch das eine oder andere spannende Abenteuer zeichnet sich zaghaft am Horizont ab.

Während der Tour war alles so einfach: Schlafen, essen, wandern, essen, schlafen und das ganze 132 Tage lang. Kaum ist man zurück in der „normalen“ Welt, ist alles auf einmal so unendlich kompliziert geworden, und sei es nur die unendliche Auswahl im Supermarkt. Von der Hektik und dem vorweihnachtlichen Trubel um einen herum in der Stadt will ich gar nicht erst anfangen.

Man muss sich seinen Platz suchen, ständig Entscheidungen treffen, die teilweise kleinere, aber auch größere Auswirkungen haben. Selbst kleine Dinge können zum Erfolg des großen Ganzen beitragen und müssen mit in Betracht gezogen werden, das macht die Sache aber auch nicht einfacher.

Es fällt mitunter schwer, den Überblick zu behalten, wie schön wäre da eine Lebenskarte von der Stange, auf der man nur dem eingezeichneten Weg folgen muss, den sich irgendjemand ausgedacht hat und der erfolgsversprechend zu sein scheint. Aber hei, so läuft das nicht, jedenfalls nicht bei uns. Wir tasten uns langsam vor, wollen unsere Karte selbst zeichnen und unseren Weg selbst finden und aussuchen. Das ist manchmal nicht ganz so einfach wie der gerade Lebensentwurf und Karriereplan, der so manchen umtreibt oder der einem manchmal auch von außen auferlegt wird.

Wir gehen vielleicht so manchen Umweg, aber das machen wir gerne. Wir machen es uns oft nicht einfach, aber das machen wir gerne, denn nur so kann man herausfinden, was einen am Ende wirklich glücklich und zufrieden macht. Man muss manchmal etwas wagen und einiges investieren, um langfristig erfolgreich und vor allem glücklich zu sein. Man muss sich ehrlich hinterfragen und ehrlich zu sich selbst sein, um dauerhaft einen Weg zu finden, der einen erfolgreich macht, persönlich und auch zusammen mit Freuden und vor allem auch dem Partner.

Die Entscheidung im Mai von der schnurgeraden Autobahn abzubiegen und auf die kurvige Landstraße des Lebens einzubiegen, war sicher nicht leicht, aber für uns genau richtig. Manchmal ist es nicht so wichtig, möglichst schnell ans Ziel zu kommen, viel wichtiger ist es doch, auf möglichst schönen Wegen dorthin zu gelangen, auch wenn die Kurven und Auf- und Abs oft anstrengend sind. Aber wer weiß am Ende schon, wann das Ziel in Sicht kommt. Da ist der schönere Weg doch die bessere Wahl.

Ab und zu gibt es dann auf der Landstraße auch Umleitungen, Baustellen und manchmal biegt man unterwegs sogar kurz falsch ab, weil man sich eben noch nicht so gut auskennt, aber am Ende kommt man auf diese Weise doch nicht so abgehetzt und so ausgelaugt ans Ziel wie auf der Autobahn. Man kann auch auf der Landstraße einfach mal gefahrlos anhalten und aussteigen, muss nicht auf extra dafür eingerichtete Parkplätze warten, die zumeist eh nur überfüllt und zu teuer sind.

Zwei Spinner in Richtung Wilder Mann

Dass der Weg das eigentliche Ziel ist, das ist nur eine der Erkenntnisse unserer Wanderung, aber das ist im Grunde jedem klar, der schon einmal richtig gereist ist, also nicht nur im Urlaub war. Wir wollen ankommen, ja, das stimmt, aber nicht möglichst schnell und möglichst nicht von Zwängen von außen getrieben. Seine Träume zu leben, die Konjunktive zu verbannen, um herauszufinden, was man möchte und wohin die Reise am Ende geht, das ist oft gerade am Anfang, wenn man den ersten Schritt tun muss, nicht leicht, aber es lohnt sich. Ganz egal wann man den Schritt wagt, es ist nie zu spät dafür. Klar ist aber auch, dass die Leitplanken der Autobahn dem einen oder anderen auch Sicherheit geben und vermitteln, gar keine Frage. Wer sich auf der Autobahn des Lebens wohl fühlt, dem will ich auch gar nicht abraten, davon abzubiegen. Aber auch die Autobahn ist nicht frei von Risiken, auch wenn alle Autos nur in die gleiche Richtung zu fahren scheinen.

Wenn wir uns von unserer neuen Heimat doch einmal wieder auf die Autobahn begeben müssen, weil wir aufbrechen in kleinere und auch größere Abenteuer, so heißt unsere Autobahn-Auffahrt „Wilder Mann“ – viel passender hätte es für mich irgendwie gar nicht kommen können. Ich fahre jedes Mal mit einem Lächeln ab von der Autobahn an dieser Anschlussstelle. Auch die Straßenbahn zu unserem neuen Zuhause trägt diesen Namen im Display, so einfach kann es manchmal sein, den richtigen Weg zu finden. Ein „wilder“ Mann und eine „wilde“ Frau in Dresden, die spinnen doch.

Das Leben ist wild, gar keine Frage, manchmal tun da Leitplanken und Schienen gut, aber ob man nur so ans Ziel kommt?

Lass dein altes Leben hinter dir,
und geh durch diese neue Tür!
Das geht raus an alle Spinner,
denn sie sind die Gewinner!
Wir kennen keine Limits,
ab Heute – für immer!

Das geht raus an alle Spinner!
Weil alles ohne Sinn wär,
ohne Spinner wie dich und mich!

(Revolverheld – Spinner)

Der erste Schritt ist der Wichtigste und dann geht man einfach los, die Belohnung wartet!

Es hat sich für uns sehr gelohnt, mit Plan ins kalte Wasser zu springen. Jetzt müssen wir nur noch irgendwie irgendwann irgendwo ankommen. Wir sind auf einem guten Weg, aber ein bisschen müssen wir noch gehen und ausprobieren.

Bevor ich Jerome Blösser das erste Mal traf, hatte ich schon so viel von ihm gehört. Egal ob es Martin Hülle war, mit dem ich einigen Touren unternommen habe und der Jerome super gut kennt, oder auch mein Kumpel Rene, der früher bei Helsport gearbeitet hat und da auch mit Jerome in Kontakt war, alle sprachen in den höchsten Tönen von ihm! Immer wieder war ich über Jerome gestolpert, wenn es um spektakuläre Touren, vornehmlich in den Wüstenregionen, ging. Wer ist also dieser Typ, der so gern in den Wüsten dieser Erde unterwegs zu sein scheint?

Jerome ist bekannt für seine Expeditionen und Abenteuer in sowohl heißen wie auch kalten Gegenden, egal ob Sahara oder Grönland, er fühlt sich überall pudelwohl. Aus seiner Leidenschaft erwuchs irgendwann der Wunsch, sein Hobby zum Beruf zu machen und so gründete er die Firma Puretreks und fing an, Reisen in kleinen Gruppen in spektakuläre Ecken dieses Planeten anzubieten.

Einer, der seinen Traum wirklich konsequent lebt

Über die Jahre hat sich Jerome eine enorme Reputation erarbeitet und seine Touren und Reisen genießen einen exzellenten Ruf. Das ist vermutlich vor allem dadurch begründet, dass Jerome nahezu sämtliche Touren selbst als Guide begleitet und natürlich auch durch seine enorm coole Persönlichkeit.

Wenn man ihn unterwegs erlebt, hat man nicht das Gefühl, dass dort jemand einfach seinem Job nachgeht, nein, bei Jerome merkt man stets die Leidenschaft für das, was er tut. Klar, er ist der Guide und sagt wo es lang geht, aber ansonsten fügt er sich ganz normal in die Gruppe ein, wie ein Kumpel mit dem man auf Tour geht. Seine zupackende Art und ein stets flotter Spruch auf den Lippen machen ihn zu einem ganz besonderen Menschen, mit dem ich sofort auf einer Wellenlänge lag.

Ein echter Kumpel und Abenteurer

Wir trafen uns dann per Zufall das erste Mal im Büro meines ehemaligen Arbeitgebers, als er mit meinem damaligen Helsport Kontakt unterwegs war und Jerome war mir auf Anhieb total sympathisch. Dann trafen wir uns auf der Outdoor-Messe wieder und irgendwann klopfte er bei mir an, ob er nicht ein Interview für seinen Blog mit mir machen dürfte. Wir kamen ins Gespräch und blieben in Kontakt, irgendwann kam dann die Anfrage, ob ich nicht bei einer von Puretreks und Jerome angebotenen Touren mit dabei sein wolle! Und ob ich wollte, denn es sollte auf eine Winterdurchquerung des isländischen Hochlandes gehen.

Am Ende ging es dann nicht nach Island, sondern in den Sarek, aber das tat der Begeisterung keinen Abbruch. Die Wintertour dort war der absolute Hammer und ich hab mich während der Tour richtig mit Jerome angefreundet. Ich habe ihn dort als absolut positiven und reflektierten Menschen erlebt, mit dem man viel Spaß haben, aber auch große Abenteuer bestehen kann! Wir haben auf dieser Tour viel gelacht und viel gemeinsam erlebt, uns gegenseitig viele Geschichten erzählt. Nur eine Sache, die fiel mir dann doch auf und rief in mir wenig Begeisterung hervor: Jerome ist doch tatsächlich ein großer Fan von den Blauen aus der verbotenen Stadt – also von Schalke.

Im Sarek lief er doch das ein oder andere Mal hinter mir her, als ich dran war die Spur im Schnee zu treten. Seine Sprüche ob des BVB-Aufklebers auf meiner Pulka kann ich bis heute nicht nachvollziehen 😉

Auf dieser Reise kreisten unsere Gespräche auch immer wieder darum, dass Jerome seine Erlebnisse gerne einmal niederschreiben und ein Buch daraus machen würde. Wir sprachen viel darüber und nun ist es wirklich soweit, Jerome hat tatsächlich im Verlag Frederking & Thaler ein Buch veröffentlicht! Vor wenigen Tagen durfte ich es endlich in Händen halten und ich bin rundherum begeistert! Die Mischung aus einzelnen Episoden in verschiedenen Wüstenregionen, Wissenswertem zu den Gebieten und Tipps passt perfekt, man geht sofort mit Jerome auf Reisen. Und die Bilder, nun, die laden direkt zum Träumen ein!

In seinem Buch Freiheit unterm Wüstenhimmel erfährt man auf 186 Seiten viel über Jerome, was ihn antreibt und was ihn bewegt. Man spürt förmlich seine Begeisterung für das, was er tut und was er auf seinen Reisen erlebt (hat). Wenn man genau das macht, woran man Freude hat, dann kommt am Ende ein selbstbestimmtes und erfolgreiches Leben dabei herum – und manchmal auch solch ein wunderbares Buch!

Du hast schon so viele spannende Reisen unternommen, aber erst jetzt erscheint ein Buch darüber. Wie kam es dazu?

Die Idee, ein Buch zu machen, war eigentlich schon lange in der Schublade. Doch wie es halt immer so im Alltag ist, hat man zu viele Projekte auf dem Tisch oder – wie bei mir – ist mehrere Monate pro Jahr auf Touren unterwegs. Irgendwann hab ich zu mir gesagt: „Jetzt mach endlich mal ein Exposé fertig und nimm Dir eine Woche Zeit, um die Buch-Idee aufs Papier zu bringen!“ Dann habe ich einige große Verlage angeschrieben… und einige Monate später bekam ich positive Antwort von einem Münchner Verlag, dass sie mein Projekt verwirklichen wollen.

So ein Buch bedeutet ja viel Arbeit – wie konntest du das neben deinem normalen Job als selbständiger Reiseveranstalter stemmen?

Das ging nur mit absoluter Zeitplanung und perfekter Selbstorganisation. Der Vorteil war ja, dass bei Verlagen generell in längeren Zeiträumen für eine Buchproduktion gedacht wird. Ich wusste ein gutes Jahr vorher, wann es erscheinen soll und konnte so ein gutes Zeitfenster planen, in dem ich nicht auf Tour bin und auch mein normales Office-Leben auf ein Minimum reduziere, um jeden Tag einige Stunden am Buch schreiben zu können.

Ursprünglich kommst du ja aus Berlin, wie hast du den Weg aus diesem urbanen Moloch hinaus in die Wüsten dieser Welt gefunden?

Das Komische ist, dass ich – obwohl ich ja in der Großstadt geboren wurde – immer gern draußen war. Im Sommer war ich nur im Stadtpark, auf Inlinern oder mit dem Bike unterwegs und maximal zum Essen mal zu Hause. Außerdem haben mich Wüsten schon als Kind fasziniert. Wenn ich Bilder von Dünen gesehen habe, wollte ich da unbedingt mal hin. Dann kam die erste Tour, mit dem Motorrad einmal durch die Sahara. Ein großartiges Erlebnis, und trotzdem waren die schönsten Momente die am Abend, wenn das Motorrad abgestellt war und ich auf einer Düne saß und die Stille wie Weite erst so richtig gespürt habe. Da war schon klar, dass die nächste Tour zu Fuß sein wird. Nicht schneller reisen, als der Geist folgen kann, sozusagen.

Und wie kam es dann, dass du dein Hobby zum Beruf gemacht hast?

Ich habe schon früh beruflich viel Verantwortung gehabt, gutes Geld verdient und so dieses klassische Managerding gemacht: Viel arbeiten, Dienstwagen und satt Kohle. Aber ich hatte auch immer dieses Gefühl, wenn ich im Büro aus dem Fenster schaute: Mensch, da draußen zieht irgendwie das wirkliche Leben an dir vorbei. Meine kompletten Jahresurlaube und den Leerlauf zwischen Jobwechseln hatte ich schon länger in Wüsten verbracht und mir sehr viel Wissen und Erfahrung angeeignet. Dann war ein Job irgendwann so furchtbar, dass ich mir geschworen hab: Raus hier! Nie wieder einen Anzug tragen und endlich das machen, wo mein Herz wirklich dran hängt.

Du bist in Wüstenregionen unterwegs und liebst sowohl die Wärme als auch die Kälte. Die meisten Leute sind entweder für das eine oder für das andere gemacht – wie bekommst du beides hin?

Bis auf die Temperaturen findet man in den heißen, meist sandigen, Wüsten sehr viele Parallelen zu den Eiswüsten. Die klassische aride Wüste ist sicher einfacher zu bereisen. Wenn man auf einige Dinge achtet, kann eigentlich nicht viel schiefgehen und man hat viele sehr entspannte Momente. In den Eiswüsten ist die Kälte 24 Stunden dein Feind. Es hat lange gebraucht, bis ich Frieden geschlossen habe mit den Eiswüsten. Aber es ist natürlich auch eine einzigartige Landschaftsform und mit gutem Equipment sowie Erfahrung ein tolles Abenteuer. Die Eiswüste verzeiht aber keine Fehler. Ich rate auch wirklich niemanden, allein ohne Erfahrung auf eine Wintertour zu gehen. Das endet ganz schnell in einer Katastrophe.

Wie ist es eigentlich, wenn man beruflich so viel wie du reist? Ist das nicht irgendwann auch langweilig?

Nee, unterwegs zu sein ist wie eine Droge. Wahrscheinlich ist es aber auch eine Typfrage. Ich bin, glaube ich, ein Nomade im Herzen und brauche es, regelmäßig unterwegs zu sein und neue Eindrücke in der Welt zu sammeln. Langweilig wird es nie, das Einzige, was mich wirklich ankotzt mittlerweile, ist das Packen für jede Tour. Hundert Mal gemacht und sicherlich voll routiniert, geht es mir aber immer mehr auf den Geist.

Auf was muss ich besonders achten, wenn ich in der heißen Wüste unterwegs bin?

In jedem Fall, genügend Wasser mitzunehmen und Sonnenschutz zu tragen. Ohne Essen kann der Mensch schon mal eine Zeit auskommen, aber ohne Wasser geht es schnell dem Ende zu.

Hast du unterwegs auf all deinen Reisen auch schon mal richtig brenzlige Situationen erlebt?

Ja schon, wobei ich denke, dass man auch wenn man 25 Jahre hübsch zu Hause bleibt, einem auch dort brenzlige Situationen passieren können. Die schlimmsten Sachen waren Unfälle mit dem Jeep oder Motorrad und einmal habe ich eine Giftschlange am Lagerfeuer totgeschlagen, bevor sie uns Probleme bereitet. Die Menschen, die mir und meinen Gruppen begegnet sind, waren wirklich alle 100% super freundlich. Ein Wochenende in jeder europäischen Hauptstadt ist da sicher reicher an Gefahren!

Politik spielt ja in einigen Gegenden, in denen du unterwegs bist, ein große Rolle – was bedeutet das für dich als Reisenden?

Ja, das spielt eine immer größere Rolle. Die Globalisierung spürt man auch in den entlegensten Winkeln der Erde. Klar, es geht oft um multinationale Interessen, um Gas und Öl und andere Rohstoffe. Da merkst du schon, wie über Jahre sich selbst das Leben der Nomaden verändert. Auch Terrorismus ist ein globales Problem geworden und praktisch überall zu finden. Heute kann man aber viel schneller Informationen bekommen als vor 25 Jahren und für mich ist es immer wichtig, gute Kontakte mit den Einheimischen zu haben. Wenn du da gut vernetzt bist, bist du auch immer gut informiert, wenn irgendwo der Druck auf dem Kessel zu hoch wird und irgendwas Ungutes bevorsteht.

Bisher war ich immer im eher kühlen Norden unterwegs, wie machst du mir die heißen Wüsten schmackhaft, in denen du so gerne unterwegs bist?

Ich sage mal: Du musst dich auf die Hitze mental einstellen und eigentlich nur die Stunden von Mittag bis spätem Nachmittag überstehen, dann verwöhnt dich die heiße Wüste mit total angenehmem Klima. Ganz selten mal Regen, man kann entspannt im T-Shirt ums Lagerfeuer sitzen, braucht meist nur einen dünnen Schlafsack und ist vor allem einmal wirklich weg von allen Zivilisationsdingen. Keine Termine, 100% offline und befindet sich in einer sensationellen, menschenleeren Landschaft, fast wie auf einem fernen Planeten.

Doofe Frage zum Schluss: Dein Lieblingserlebnis auf all diesen Reisen?

Oh, da gibt es so viele schöne Erlebnisse, dass man keins so richtig hervorheben kann. Absolut magisch ist natürlich jeden Tag die Stunde um den Sonnenuntergang herum. Wenn die Dünen in warme, rötliche Töne getaucht sind und die Landschaft etwas total friedliches ausstrahlt.

Vielen lieben Dank Jerome für die Eindrücke zu dir und deinem Weg, den du ja schon seit geraumer Zeit so konsequent und erfolgreich gehst. Ich kann jedem, der sich in welcher Form auch immer fürs Draußensein und insbesondere für die Wüsten dieser Erde interessiert, Jeromes Buch wärmstens ans Herz legen. Man spürt darin sofort die Leidenschaft und Begeisterung, mit der Jerome seine Reisen angeht. Wer gerne einmal mit ihm gemeinsam auf Tour gehen möchte, kann sich auf www.puretreks.de direkt an ihn wenden! Es lohnt sich, versprochen!

Das Buch Freiheit unterm Wüstenhimmel von Jerome Blösser ist in jeder Buchhandlung erhältlich oder direkt bei Jerome bestellbar.

 

Der eine oder andere wird es vielleicht längst gelesen haben: In den aktuellen Ausgaben vom Nordis – und raus! Magazin sind Artikel von uns bzw. über unsere neue Norge på langs Tour erschienen. Dort könnt ihr etwas über die Outdoor Academy of Scandinavia und Winterfreuden in Lappland erfahren. Und natürlich auch etwas über unsere Wanderung durch Norwegen!

Einfach aufs Bild klicken und den Artikel aufrufen – viel Spaß also beim Lesen!

Zu Besuch im richtigen Winter im Nordis Magazin

Unterwegs mit der Outdoor Academy of Scandinavia

Norwegen der Länge nach im raus! – Magazin

Wir verlassen die MS Spitsbergen der Hurtigruten und freuen uns auf die alte Hansestadt Bergen, gut anderthalb Tage hier liegen vor uns. Die Großstadt ist schon ein kleiner Schock, auch wenn Bergen nicht das riesige vor Urbanität tropfende Moloch ist, so merkt man aber direkt, das hier die Uhren schneller ticken. Das ist überhaupt nicht negativ gemeint, im Gegenteil, aber alles läuft hier einfach zügiger, anonymer und größer ab. Es fällt uns schwer, sich in dieser Quirligkeit einzufinden, der Unterschied zwischen Honningsvåg und Bergen ist halt doch schon gewaltig. Aber bevor es dann anschließend nach Oslo geht, ist Bergen vielleicht genau die richtige Zwischenstufe, bevor wir uns dann wirklich in die große Metropole stürzen.

Wiedereingliederung in die Großstadt

Wir finden rasch den Weg zum Hotel, sind auf dem Weg dorthin aber ein gutes Verkehrshindernis für all die Menschen, die gerade auf dem Weg in den wohlverdienten Feierabend sind. Im ruhigen Hotelzimmer können wir dann kurz durchatmen, bevor wir noch kurz in die Stadt gehen, wir sind mit Linn von Visit Bergen, der offiziellen Touristen-Information hier, verabredet. Sie nimmt uns mit auf eine kurzweilige kleine Mat-Safari, sie zeigt uns den Fischmarkt und nimmt uns im Anschluss mit in ein wirklich wunderbares Restaurant, in dem köstliche norwegische „Tapas“ serviert werden. Aber vorher geht es auf den Fischmarkt, wo wir an einem Stand einige der ausschließlich in der Umgebung gefangenen Fischköstlichkeiten probieren dürfen. Wir beide lieben Fisch und Meresfrüchte, so ist dies natürlich klasse und wir lernen einige neue Sachen, die uns so nicht bewusst waren.

 

Anschließend lassen wir dann den kurzen gemeinsamen Ausflug in besagtem Restaurant ausklingen. Und ja, es ist wirklich empfehlenswert! Allein das selbstgebackene Brot, dass es zum Essen dazu gibt, wäre schon mehr als nur ein guter Grund, sich dort einmal einzufinden! Vielen lieben Dank an Linn und Vist Bergen, für diese Einladung!

Nach dem Abendessen fahren wir hoch auf den Fløyen, einen der Aussichtsberge der Stadt. Die Fløibanen hinauf ist gut 100 Jahre alt und läuft über Schienen, der Antrieb aber erfolgt über ein gezogenes Siel, an dem zwei Wagen wie ein Pendel abwechselnd hinauf und hinab fahren. fährt die eine Bahn hoch, muss die andere Bahn gleichzeitig hinab fahren und umgekehrt. Ein einfaches aber ziemlich praktisches System.

Oben angekommen genießen wir den Ausblick über das nächtliche Bergen, hier ist alles schön ruhig, der Pulsschlag der hell erleuchteten Schlagadern der Stadt ist nur ganz schwach zu hören, wenn überhaupt.

Am nächsten Tag tun wir uns schwer damit, ein richtiges Programm für den Tag auf die Beine zu stellen. Es gibt so viel zu sehen und so viel zu besichtigen, aber wir merken beide, dass sich unsere Aufnahmekapazität für neue Dinge und Eindrücke langsam dem Ende entgegen neigt. Die Festplatte ist einfach übervoll, man kommt kaum noch nach, alles irgendwie einzuordnen und zu verarbeiten, tut sich schwer, noch viel mehr in den Speicher zu laden.

Und so entscheiden wir uns für ein einfaches Programm, streunen durch die Stadt, gewöhnen uns so an die nun wieder schnellere Gangart im „richtigen“ Leben. Bisweilen überfordert einen das, im Einkaufszentrum zum Beispiel bin ich kurz davor, einfach schreiend wegzurennen oder mich auf einem stillen Örtchen einzusperren um meine Ruhe zu haben. Wie soll das bloß in Oslo werden?

So viele Eindrücke auf einmal

Am Nachmittag statten wir den Locals, den Einheimischen einen Besuch ab. So wirbt das örtliche Aquarium mit heimischen Fischen um Besucher, und für uns ist es eine gute Gelegenheit, sich einmal die Fische aus der Nähe im Aquarium anzusehen. Das Aquarium liegt zudem etwas abseits vom trubeligen Zentrum, also ruhiger und entspannter. Und genau so ist es auch, wir sehen die Fütterung der Seelöwen, schauen uns die Pinguine an und beobachten Fische, die vielleicht lecker schmecken aber nicht unbedingt so aussehen.

Durch kleine ruhige Gassen streunen wir wieder zurück in Richtung Fischmarkt, entscheiden uns dann spontan dazu, noch einmal dem Fløyen einen Besuch abzustatten. Es zeichnet sich ein wunderbarer Sonnenuntergang ab, so dass wir beileibe nicht die einzigen sind, die auf die Idee gekommen sind, hoch über der Stadt den Tag ausklingen zu lassen.

Am nächsten Morgen sind wir schon früh auf den Beinen und gehen den kurzen Weg zum Bahnhof durch die erwachende Stadt. Im Morgengrau besteigen wir den Zug in die Hauptstadt, es geht weiter südwärts, immer weiter südwärts. Wir machen es uns bequem und schon bald rollt der Zug der Bergensbanen aus dem Bahnhof hinaus immer den Bergen der Hardangervidda entgegen, die die Bahnstrecke auf dem Weg nach Oslo überwindet.

In Finse und den umliegenden Bergen ist schon einiges an Schnee gefallen, auch hier so weit im „Süden“ klopft mittlerweile der Winter kräftig an die Tür.

In Drammen steigen wir um in den Zug nach Hokksund. Und nun fühle ich mich auf einmal wirklich elend. Keine Ahnung warum, aber zwischen den Pendlern im Vorortzug mit dem steten Ein- und Aussteigen und der entsprechenden Hektik will ich plötzlich einfach ganz woanders sein. Wie schön wäre es jetzt in der Finnmark, ganz weit weg von diesem Trubel, der mich gerade so herunter zieht. Ein Mann spricht mich an, ob wir auf dem Weg ins Fjell sind. „Nee“ antworte ich, wir kommen gerade vom Nordkapp, sind zu Fuß dorthin gelaufen. Man kann dabei zusehen, wie seine Kinnlade herunter klappt. Er zollt uns seinen großen Respekt, wie groß solch eine Tour in den Augen der anderen Leute ist, erfahren wir auf diese Weise immer wieder. Das ist dann ein gutes Gefühl und ich verlasse mit etwas besserer Laune den Zug.

Wir haben wieder ein Auto

Wir laufen zu Fuß die wenigen Meter zu Bergans of Norway, wo wir unser Auto abholen wollen. Es ist Freitagnachmittag, so ist kaum noch jemand im Büro, wir holen lediglich am Empfang den Schlüssel ab. Christoph, der dort arbeitet und uns dabei geholfen hat, die Versorgungspakete von dort aus zuzuschicken, hat freundlicherweise alles was noch dort lag oder wir ihm zurück geschickt hatten, ins Auto gelegt. So schlendern wir zum Auto und mir wird beim Gedanken daran, gleich direkt nach Oslo in die große Stadt zu fahren, etwas mulmig. Komisch wieder einen Schlüssel in der Hand zu halten, zwar nur vom Auto, aber einen eigenen Schlüssel für ein Zuhause oder ein Auto hatten wir ja die letzten Monate nicht in der Tasche. Im Auto liegt ein Zettel bei dessen Anblick wir schmunzeln müssen.

Irgendjemand hat wohl gedacht, dass irgendwelche Touristen hier auf dem Privat-Parkplatz der Firma ihr Auto günstig abstellen wollten, sogar bei der Polizei haben sie wohl schon nachgefragt, ob das Auto als gestohlen gemeldet ist. Ist es aber nicht, meint die Polizei. Bei Bergans jedenfalls war unser Auto wohl im Sommer eines der Top-Gesprächsthemen, Christoph hatte uns schon vorgewarnt und alle mussten am Ende köstlich lachen, als er es aufgeklärt hat. Es hatten wohl nicht alle mitbekommen, dass wir zu Bergans gehören.

Wir ziehen nach über vier Monaten das erste Mal etwas anderes an, als das was wir im Rucksack dabei hatten, es ist ziemlich ungewohnt. Und dann schlägt die Stunde der Wahrheit, wir fahren nach Oslo. Ich klemme mich hinters Steuer und schon geht es los. Die Abläufe sitzen noch, es ist wie Fahrradfahren. Nur die ständige Konzentration und Aufmerksamkeit machen mir am Anfang noch etwas zu schaffen, aber rasch gewöhne ich mich auch daran wieder.

Zu Gast bei Freunden

Ohne Unfall gelangen wir in die Stadt, aber es geht zum Glück nicht ganz so tief ins Zentrum. Nach einem kurzen Abstecher zum Holmenkollen treffen wir unsere Freundin Astrid. Wir wollten uns schon auf dem Weg zum Start unserer Wanderung treffen, aber da war sie selbst am Nordkap unterwegs. Auf das Treffen mit Astrid freuen wir uns sehr, denn sie ist in diesem Jahr als erste Frau auf der Route von Amundsen zum Südpol gelaufen. Sie hat über vier Jahre jede freie Minuten in das Projekt gesteckt, dass sie per Crowdfounding auf die Beine gestellt hat, um dann letztendlich am 17. Januar diesen Jahres an ihrem großen Ziel zu stehen. Und so quatschen wir bis spät in den Abend über unsere Touren, bis wir irgendwann todmüde ins Bett fallen.

Nach dem Frühstück fahren wir mit der T-Bahn in die Stadt, wir sind verabredet mit dem German-Norwegian Network in dem ich seit einiger Zeit Mitglied bin. Eines der zwei jährlichen Treffen findet zufällig gerade hier in Oslo statt und wir nehmen am letzten Tag des Programms an einer Führung hinter die Kulissen der Oper teil. Die Freude weitere bekannte Gesichter zu sehen ist groß, auch hier werden wir herzlich empfangen und zu unserer Tour beglückwünscht. Und dann bekommen wir einen großartigen Blick hinter die Kulissen dieses Kulturbetriebes, man macht sich ja keine Gedanken, wie viele Menschen hinter den Kulissen arbeiten, um alles am Laufen zu halten und die Leute auf der Bühne gut aussehen zu lassen.

Zum Abschluss der Führung lernen wir sogar etwas darüber, wie man richtig singt. Meine Stimme ist ja eher fürs Stadion gemacht, aber spannend ist es schon, was man alles mit einer guten Singtechnik erreichen kann. Nach der Führung sitzen wir noch beim Essen zusammen und reden über alles Mögliche. Wir schlendern noch kurz durch die Stadt, doch der Trubel ist heute nichts für uns.

Wir fahren wieder zum Auto und fahren aus der Stadt zurück nach Hokksund zu Christoph, er ist heute Nacht von einer Dienstreise zurückgekommen und wir reden noch lange über unsere Tour. Ohne persönlich Danke zu sagen für seine Hilfe und Unterstützung wollten wir nicht zurück. Es macht Spaß zu erzählen, aber von der Tour jetzt schon in der Vergangenheit zu berichten fühlt sich schon etwas komisch an.

Farvel Norge & Rolling Home

Der Abschied am nächsten Morgen fällt schwer, jetzt geht es wirklich wieder heimwärts. In Langesund wartet am Nachmittag die Fjord Line Fähre auf uns. Es ist Sonntag, die Straßen und Autobahnen sind leer und wir kommen pünktlich am Fährkai an. Der Check-In geht flott von der Hand und kurz darauf rollen wir auch schon an Bord der Fähre. Zu unserer Überraschung ist das Schiff gut ausgelastet, aber uns dämmert bald schon, warum. Uns begegnen immer mehr Cowboys – und girls als wir uns einen Sitzplatz suchen – an diesem Wochenende ist „CountryCruise“. Scheinbar fahren die Teilnehmer das ganze Wochenende zwischen Norwegen und Dänemark hin und her und feiern dabei ordentlich.

Uns zieht es zum Auslaufen an Deck. Als das Schiff ablegt, übermannen mich kurz die Gefühle, die eine oder andere Träne wird verdrückt. So lange haben wir an dieser Tour gerabreitet, alles vorbereitet und uns das Nordkapp zu Fuß erwandert. Und nun ist es irgendwie vorbei.

Die Überfahrt ist rasch erzählt. Wir decken uns mit einer Wagenladung Walters Mandler Schokolade ein und sind am frühen Abend in Hirtshals. Dort quartieren wir uns in der ehemaligen Jugendherberge ein, die nun von Rikke und Dorthe übernommen wurde und nach und nach renoviert wird. Und so können wir das Bed & Breakfast wirklich empfehlen, falls man in Hirtshals übernachten möchte. Schon oft war ich bzw. waren wir schon hier. Auch zum Abschluss unserer ersten gemeinsamen Tour damals war das so, und so kommen wir hier immer irgendwie nach Hause, genießen die wunderbare Aussicht aufs Meer und hören dem aufkommenden Sturm draußen vor dem Fenster beim Heulen zu.

Die Autofahrt von Hirtshals in Richtung Heimat gestaltet sich kurzweilig, in Dänemark ist es doch immer recht entspannt auf der Autobahn. Sobald aber dann die Grenze überquert ist und Hamburg in Sicht kommt, ist es ganz schnell vorbei mit der Entspannung. Aber das wussten wir ja vorher, schon als wir den ersten Schritt aus der Haustür gemacht haben war klar, dass es irgendwann so kommen wird, das wir wieder nach Hause kommen werden. Aber umso vertrauter die Straßenschilder der Heimat wieder werden, desto mehr wird uns klar, unsere Tour ist gleich zu Ende. Oder auch nicht, sie hat gerade erst angefangen.

In Kooperation mit Visit Norway | Visit Bergen | Fjord Line

Wir machen es kurz: Wir haben es geschafft! Am 10. Oktober standen wir gemeinsam am Nordkapp!

Der Weg dorthin hat uns auch auf den letzten Metern ganz schön zu schaffen gemacht! Man muss sich das Ankommen auf jeden Fall wirklich verdienen, das steht mal fest!

Der Endspurt im Schneckentempo

Wir starten von Honningsvåg aus erst später am Tag, wir wollen etwa 20 km gehen und uns den Rest für den nächsten Tag aufheben. Wir trotten also die Strasse entlang, passieren den kleinsten Flughafen Norwegens und können eine kleine Maschine bei ihrem spektakulären Anflug beobachten, nichts für schwache Passagier-Nerven würde ich mal sagen!

Weiter geht es, nun führt die Strasse langsam aber stetig den Berg hinauf. Die Serpentinen schlauchen ganz gut, aber die Aussicht auf die Bucht nun schon weit unter uns ist wirklich beeindruckend! Nun zeigt sich auch, dass der Winter wirklich hier ist. Die Strasse ist stark vereist, das Räumfahrzeug überholt uns und die Umgebung ist komplett von Schnee bedeckt.

Auch hier machen wir an jedem Schild ein Photo! Das muss sein! Wir haben an jedem Schild seit Alta ein Bild gemacht!

Kurz vor Skarsvåg treffen wir einen Radfahrer, der schon eine ziemlich weite Strecke gefahren zu sein scheint. Sein Name ist Justin und wir kommen ins Quatschen, es sprudelt nur so aus ihm heraus wie ein Wasserfall. Er stammt aus Neuseeland und ist hierher von Südafrika aus gefahren! 11 Monate hat er dafür gebaucht, uns kippt die Kinnlade herunter!

Wir müssen beide weiter, der Wind ist schneidend kalt. Schade, nur zu gerne hätten wir seine Geschichten gehört! Er fährt nun zurück, will seinen Erfolg feiern gehen.

Wir gehen noch ein Stückchen weiter, wir wollen einen guten Zeltplatz finden, für die Nacht ist ziemlich starker Wind vorhergesagt. Kurz nach Skarsvåg sehen wir ihn dann, unseren letzten Zeltplatz der Tour. Wir wollten unbedingt noch einmal zelten und finden dann den perfekten Platz mit Aussicht hinüber zum Nordkapp!

Langsam stellt sich ein Gefühl von Abschied aber auch Ankommen ein, Euphorie sieht anders aus. Aber erst einmal machen wir es so gut es geht im Zelt gemütlich, denn bald schon bestimmen Nieselregen und fieser Wind das Wetter, beides flaut auch nicht ab, es geht die ganze Nacht hindurch so weiter.

Auf, auf ans Ziel

Da der Morgen richtig usselig ist, fällt es schwer, in die Gänge zu kommen. Ein letztes Mal Porridge zum Frühstück, ein letztes Mal die Sachen in den Rucksack stopfen, ein letztes Mal das Zelt abbauen. Die Handgriffe sitzen, werden aber ab Morgen wohl nicht mehr so sehr gebraucht werden für eine längere Zeit.

Wir laufen mit eiskalten Fingern und tief ins Gesicht gezogener Kapuze los, die Motivation heute schnell anzukommen übernimmt das Wetter nur allzu gerne, scheint es uns. Eigentlich ist alles wie immer, wir laufen wie im Autopilot, bestaunen die spektakuläre Landschaft und freuen uns einfach darauf, gleich anzukommen.

Die Kilometer fliegen vorbei, wir blicken uns immer wieder um, ob schon die Busse aus Honningsvåg zu sehen sind, die die Touristen täglich von den Kreuzfahrt- und Hurtigrutenschiffen hier hinauf fahren. Aber nichts zu sehen, nur zwei Autos überholen uns. Als erstes führt uns die Radarstation kurz vor dem Ziel an der Nase herum, von Weitem ähnelt sie doch dem Nordkapp.

Und dann ist es soweit, unser Ziel kommt in Sicht, wird immer grösser, kommt immer näher. Eintritt will keiner von uns haben, aber das hatten wir uns schon so gedacht. Nur ein paar Autos stehen auf dem großen Parkplatz, keine Menschenseele steht an der Weltkugel. Wir grinsen, darauf hatten wir insgeheim gehofft!

‚Cause love is free and life is cheap,
and as long as I’ve got me a place to sleep,
some clothes on my back and some food to eat,
then I can’t ask for anything more!
(Frank Turner – If ever I stray)

Langsam aber bestimmt laufen wir auf unser Ziel zu. Gemeinsam und Hand in Hand erklimmen wir die Stufen, gucken uns an und fallen uns gegenseitig um den Hals! Was für eine Reise, was für ein Moment! Wir sind weder traurig noch euphorisch, wir sind glücklich und zufrieden, denn wir wissen, dass unsere Reise noch lange nicht zu Ende ist!

Und nun sitzen wir in Honningsvåg im Hotel und müssen uns erst einmal durch den riesigen Stapel an Glückwünschen und Nachrichten kämpfen, der uns erreicht hat! WOW! Es ist unglaublich schön, jede einzelne Nachricht und jeden einzelnen Kommentar zu lesen! Wie krass, wie viele Leute uns die Daumen gedrückt und begleitet haben!

Danke! Danke! Danke!

Wir möchten an dieser Stelle euch allen da draußen Danke sagen! Allen, die uns begleitet haben, die uns Nachrichten und Kommentare geschickt haben. Die uns immer wieder ein Lächeln auf die Lippen gezaubert haben, die uns in welcher Form auch immer geholfen und unterstützt haben! Wir sind unendlich dankbar für all die Hilfe und das Vertrauen, das uns beiden immer wieder entgegen gebracht worden ist! Wir sind sehr stolz darauf, dass wir diese Reise gemeinsam mit euch machen durften. Jeder Einzelne hat auf unterschiedlichste Art und Weise zum Gelingen beigetragen, und da kann man nicht oft genug Danke sagen! Hoffentlich sehen wir uns bald bei dem einen oder anderen Vortrag, auf ein Bier irgendwo oder im Stadion, in Dortmund oder Dresden, Hauptsache Fussball 😉 Bleibt uns gewogen, wir nehmen euch auch in Zukunft immer wieder sehr gerne mit!

Slow Rückreise

Ach ja, wie kommen wir eigentlich zurück? Heute morgen lang die MS Spitsbergen von Hurtigruten im Hafen von Honningsvåg, von unserem Hotelzimmer aus konnten wir sie sehen. Und genau mit diesem Schiff werden wir am Samstag in aller Herrgottsfrühe unsere Rückreise beginnen! Wir freuen uns schon unglaublich darauf!

Puh, ein wenig hatten wir schon damit zu kaempfen, dass es nun anders als geplant weiter gehen soll. Aber die Tage in Alta in guter Gesellschaft haben sicher dazu beigetragen, dass wir entspannt nach vorne blicken und mit der Entscheidung voellig im Reinen sind. In Alta besorgen wir uns noch eine Thermosflasche und waermere Handschuhe fuer Anni. Dazu noch eine Warnweste, die kann man ja immer gut gebrauchen, wenn man auf der Strasse unterwegs ist. Wir wollen bis Skaidi laufen und mal sehen, wie sich das Wetter entwickelt und ob wir noch einmal einen Versuch im Fjell starten wollen. Die ersten Schritte fallen schwer, es fuehlt sich etwas komisch an, wieder aufzubrechen, aber nuetzt ja nix, wir wollen ans Ziel kommen. Wir folgen der Strasse hinaus aus Alta, der Blick faellt schon bald auf die Bucht und den Flughafen, beides liegt zu unserer linken, als wir hinaus aus der Stadt laufen und schon bald der E6 Fernstrasse folgen. Es geht sich ganz gut, die Sonne scheint, aber wehe man kommt in den Schatten, dann wird es schon richtig frisch. Bald gibt es keinen Radweg oder Buergersteig mehr, dem wir folgen koennen. Nun heisst es also wirklich, ab auf die Strasse. Ich schluepfe in die Warnweste und sehe aus wie ein Schuelerlotse, macht aber nichts, Sicherheit geht vor.

Den Autos immer entgegen blickend laufen wir auf der linken Seite und kommen gut und zuegig voran, einige Autofahrer winken froehlich, sie koennen sich wohl denken, warum wir hier auf der Strasse latschen. Auch einige LKW und Busfahrer winken, weichen zumeist gross aus, was wir dankend mit einem freundlichen Gruss zurueck quittieren. Einige der LKW und Busfahrer werden uns wohl eine ganze Woche lang immer wieder treffen, manche grinsen dann schon, wenn sie uns pasiseren. In Rafsbotn im kleinen Supermarkt staerken wir uns noch kurz und dann geht es weiter bis zu unserer angpeilten Uebernachtungsstelle am Leirbotnvatn-See. Das Wetter haelt alles bereit, was man sich so wuenscht oder auch nicht, aber bald darauf blicken wir ein letztes Mal zurueck nach Alta und die Bucht, dann geht es hinab zum See, wo wir kurz darauf unser Zelt aufschlagen.

Mit jedem Kilometerschild steigt die Vorfreude

Heute geht es frueh los, wir wollen weit ueber 30 Kilometer heute laufen, sodass wir es morgen bis nach Skaidi schaffen.

Gesagt ist manchmal leichter als getan und so zieht sich dieser Tag wie Kaugummi.

Zwar sind die Ausblicke in die weite Landschaft mitunter wirklich spektakulaer, aber die teilweise schnurgeraden Strassen und das Asphaltlaufen ziehen uns bald den Zahn, nur muehsam geht es voran, ohne den MP3-Player und einem guten Hoerbuch waere es heute ganz sicher richtig schwer, sich zu motivieren.

Es daemmert schon, als wir endlich bei der Samisiedlung Aisaroaivve unser Zelt aufschlagen. Voellig geschafft und mit schmerzenden Fuessen kriechen wir in unser gemuetliches Domizil, um unser Zelt herum liegt einiges an Schnee und es wird in der Nacht richtig frisch, das kann man jetzt schon erahnen. Die Nacht bricht bald herein und nur noch die Scheinwerfer der einzelnen Fahrzeuge auf der Strasse erhellen ab und an unser Zelt. Im Schein der Stirnlampe staerken wir uns, dann geht es ab in den muckeligen Schlafsack.

Unterwegs mit Norbert Krabbe und Harry Hole

Der Weg nach Skaidi ist aehnlich schoen, wie die Tage zuvor, allerdings nur dann, wenn man nicht unbedingt zu Fuss auf der Strasse unterwegs ist. Wir sichten die ersten Raeumfahrzeuge, die die Strassen abfahren und gucken, ob es fuer sie schon etwas zu tun gibt.

Machen wir es kurz, am Nachmittag erreichen wir Skaidi, diesen merkwuerdigen Strassen-Ort an der Kreuzung der E6 nach Hammerfest und Kirkenes. Bei dem Gedanken muss ich dann aber doch schmunzeln, Kirkenes und Hammerfest, das hoert sich nun aber wirklich an wie ganz weit im Norden.

Im Motel hatten wir reserviert, aber vorher gibt es noch eine Portion Pommes. Die Portionsgroesse, nun ja, ist nicht unbedingt gemacht fuer hungrige NPL-Wanderer, aber fuer den ganz kleinen Hunger schon ganz okay.

Das Zimmer, Anni wollte es mir ja nie so recht glauben, besticht durch die Aussicht auf den oertlichen Bauhhof. Aber sei es drum, es ist gerauemig hier, es ist warm und eine kleine Kueche gibt es auch. Wir kaufen noch im kleinen Shop der Tankstelle ein, der mehr zu bieten hat, als man denken mag. Und die Preise sind auch ganz okay, wenn man bedenkt wo man ist. Und schon bald bricht auch hier der Schleier der Nacht ueber uns herein, diesmal zusaetzlich in Form von ganz fiesem Schneeregen, der die Strassen am naechsten Morgen zu einer Schlittschuhbahn macht. Zum Glueck liegen wir im warmen Bett und freuen uns ueber die gut funktionierende Heizung!

Nach Olderfjord ist es nicht weit, aber auch diese 23 Kilometer wollen gelaufen werden. Also kurz nach dem Loslaufen den MP3-Player gestartet und den Koerper auf Autopilot gestellt, Arme und Beine zu einer rotierenden Scheibe werden lassen und so gut es geht der Strasse folgen. Zwischendurch zeigt Frau Holle mal kurz, was sie kann und huellt uns humorlos in ein weisses Kleid, na toll, jeder vorbei fahrende LKW zieht eine schoene Fahne Spruehnebel hinter sich her, so muss das sein, nicht!

Das letzte Stueck hinab nach Olderfjord zieht sich dabei besonders fies, aber darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an.

Im kleinen Ort angekommen, checken wir als erstes das Angebot im hiesigen „Supermarkt“ und mieten uns dann auf dem Campingplatz im Hostel ein. Da ist es zwar warm, aber die Gemuetlichkeit ist im Laufe der letzten Jahrzehnte leider etwas verloren gegangen. Es gibt zwar auch ein Hotel am Campingplatz, in das wir auch liebend gerne gegangen waeren, aber aus irgendwelchen Gruenden versagte uns der Angestellte am Telefon bei der Reservierung dieses. Geschlossen fuer die Saison, war die knappe Antwort. Als ich dann nach dem Einkauf im an den Platz angeschlossenen Souvenirladen vorbeigehe, in dem jetzt wieder Licht ist weil einige Leute einchecken wollen, treibt mich die Neugier hinein. Und siehe da, ich spreche kurz mit dem Chef und wir koennen ins Hotel umziehen. Das hat zwar wirklich geschlossen und Fruehstueck wird auch nicht serviert, aber wir bekommen dennoch ein Zimmer, haben das ganze Hotel also fuer uns ganz alleine. Soll uns sehr recht sein!

Spaeter kommt noch Thomas mit seiner Frau Nadine vorbei, wir hatten die beiden ja schon in Alta getroffen, nun waren sie noch einmal mit dem Leihwagen am Nordkapp und machen auf der Rueckfahrt nach Alta noch kurz Pause bei uns. Ein kurzer Plausch, dann sind sie weg, morgen geht es fuer die beiden zurueck nach Deutschland. Wie gross wohl der Schock fuer Thomas werden wird, wenn er nach ueber 4 Monaten Wanderschaft in Duesseldorf am Flughafen aus dem Flieger aussteigt?

 
 
 
 
 
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Das da hinten ist Honningsvåg auf Magerøya – noch 3 Tage bis zum Nordkapp ?. Ein Gefühl von Abschied liegt in der Luft. Der Herbst weicht langsam dem Winter, die bunten Farben des Fjells dem monochromen Weiß des Schnees. Wir spüren, es ist okay, dass es zu Ende geht, in und um uns ist alles auf Umbruch gepolt. Aber seit ich das erste Stück offenen Meeres gesehen habe, fühle ich mich jetzt schon angekommen. Das Meer hier hat nichts von der Lieblichkeit der Südküste, es braucht ein dickes Fell und gegerbte Haut, um es mit ihm aufnehmen zu können. Morgen besteigen wir unsere persönliche Nautilus und sinken 212 Meter unters Meer ⚓ der Nordkapptunnel ruft! #zusammendurchNorwegen #norgepålangs #porsanger #magerøya #nordnorgepåsittbeste #ignorge #wanderlust #fernweh #utpåturaldrisur #liveterbestute #outsideisfree #natureseekers #finnmark #hikingnorway

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Von Olderfjord geht es am Tag darauf weiter, nun auf der E69-Strasse.

Zwei Wanderer, ein Fjord

Ob wir in drei oder vier Tagen nach Honningsvåg kommen, wollen wir uns offen lassen, je nachdem, wie sich die Fuesse anfuehlen. Wir folgen fast durchgehend der Kuestenlinie, stets haben wir den Porsangerfjord in Sichtweite.

Die Sonne scheint und wir geniessen es fast, hier unterwegs zu sein. Gemeinsam haben wir entschieden, dass wir der Strasse folgen wollen, die Moeglichkeit nochmal im Fjell unterwegs zu sein ist zwar reizvoll, erscheint uns aber zu unsicher. So spulen wir Kilometer um Kilometer ab, kommen gut voran. Nach fast drei skandinavischen Meilen finden wir kurz vor dem Sortviktunnelen einen guten Zelplatz und betten uns dort fuer die Nacht.

Heute muessen wir uns entscheiden, ob wir es in drei oder vier Tagen schaffen wollen. Wir vertagen die finale Entscheidung und laufen erstmal los.

Nach knapp 17 Kilometern kommt das ganz kleine Doerfchen Repvåg in Sicht. Der Campingplatz mit Hotel dort hat zu, wird renoviert. Aber ein Hinweis-Schild zu einer Unterkunft mit russischer Schrift weckt mein Interesse, und so google ich kurz, rufe bei einer Telefonnummer an und kurz darauf haelt ein Jeep mit russischen Nummernschildern neben uns, eine junge Frau begruesst uns und nimmt uns mit nach Repvåg zu ihrem Hotel. Der kleine Fischerort liegt nicht direkt an unserer Route, da ist die kurze Autofahrt schon sehr willkommen. Das Hotel entpuppt sich als einfache aber saubere Unterkunft, ohne grosse Schnoerkel, aber mit einer Heizung, sehr gut. Da die Unterkunft aber auch hier irgendwie schon fuer den Winter eigentlich geschlossen hat, gibt es leider nichts mehr zu essen, im Sommer gibt es eine Art Restaurant. Wir schwatzen der Betreiberin, natuerlich gegen Bezahlung, noch eine Tuete Chips ab, die eigentlich aus ihrem Privatbestand stammt. Ach ja, faellt es ihr dann noch ein, im Restaurant servieren wir sonst immer Koenigskrabben, diese Riesenkrebse, die eigentlich aus Kamtschatka stammen und von den Russen hier oben bei Kirkenes ausgesetzt worden sind und sich nun bis weit nach Norwegen ausgebreitet haben. Die werden hier gefischt und serviert. Und da sie gerade dabei ist, welche zu kochen und einzufrieren, koennten wir welche abhaben.

Wir muessen nicht lange ueberlegen und kurz darauf liegen auch schon einige riesige Krebsbeine vor uns, die wir uns genuesslich schmecken lassen. Was fuer ein abgefahrener Tag, der so zaeh begann und dann solch eine herrliche Wendung bekam!

Das Brøytebil laesst gruessen

Am naechsten Morgen nehmen uns zwei andere Gaeste der Unterkunft mit zurueck zur Strasse und weiter geht der Polarexpress der Route E69.

Die Beine und Fuesse sind heute gut, sodass wir schnell und gut voran kommen. Auch wenn das Wetter ziemlich wechselhaft ist und wir am Ende des Tages noch eine kleine Dusche abbekommen, stehen am Ende bald 29 Kilometer auf der Uhr und das beste ueberhaupt: Wir koennen hinueber bis nach Honningsvåg sehen! Das Nordkapp ist nun nicht nur ein Name auf dem Strassenschild, es wird nun wirklich langsam greifbar!

Kurz vor dem Nordkapp-Tunnel frischt der Wind richtig auf, er blaest uns fast von der Strasse und wir haben etwas Muehe, einen Zeltplatz zu finden, der nicht so krass dem Wind ausgesetzt ist. Das gelingt aber nach kurzer Suche ohne grosse Probleme. Der Regen prasselt aufs Zelt, aber wir haben es im Zelt richtig schoen gemuetlich!

Glueck auf, der Steiger kommt!

Heute ist einer der grossen Tage der Tour: Es geht durch DEN Tunnel! Der Nordkapp-Tunnel! Der Hammer! Nachdem das Zelt im Rucksack verstaut ist, geht es los! Also fast, vorher muessen natuerlich noch einige Photos usw. gemacht werden!

Dann ist es soweit, und wir begeben uns auf Tauchstation, es geht hinab unters Meer. Fast 7 Kilometer lang und ueber 200 Meter unter dem Meeresspiegel laufen wir hinueber zur Insel Magerøya! Was fuer eine Erfahrung!

Insbesondere fuer Anni, ich hatte ja bereits einmal das Vergnuegen! Es geht gut voran, wir machen ein paar Faxen, schiessen Photos, machen Videos. Aber jedesmal, wenn ein Auto, Bus oder LKW vorbei faehrt, donnert es in dem Tunnel, dass einem beinahe das Blut in den Adern gefriert. Es ist wirklich schwer zu beschreiben, man muss es wohl am besten einmal selbst erlebt haben!

Der Rest des Tages ist schnell erzaehlt. Mit Hoerbuch und Musik auf den Ohren geht es bis nach Honningsvåg. Bei mir stellen sich langsam gemischte Gefuehle ein. Am Dienstag geht es weiter und am Mittwoch gegen Mittag wollen wir am Ziel sein. Noch zweimal schlafen – und was kommt dann?