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Simon

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Puh, ein wenig hatten wir schon damit zu kaempfen, dass es nun anders als geplant weiter gehen soll. Aber die Tage in Alta in guter Gesellschaft haben sicher dazu beigetragen, dass wir entspannt nach vorne blicken und mit der Entscheidung voellig im Reinen sind. In Alta besorgen wir uns noch eine Thermosflasche und waermere Handschuhe fuer Anni. Dazu noch eine Warnweste, die kann man ja immer gut gebrauchen, wenn man auf der Strasse unterwegs ist. Wir wollen bis Skaidi laufen und mal sehen, wie sich das Wetter entwickelt und ob wir noch einmal einen Versuch im Fjell starten wollen. Die ersten Schritte fallen schwer, es fuehlt sich etwas komisch an, wieder aufzubrechen, aber nuetzt ja nix, wir wollen ans Ziel kommen. Wir folgen der Strasse hinaus aus Alta, der Blick faellt schon bald auf die Bucht und den Flughafen, beides liegt zu unserer linken, als wir hinaus aus der Stadt laufen und schon bald der E6 Fernstrasse folgen. Es geht sich ganz gut, die Sonne scheint, aber wehe man kommt in den Schatten, dann wird es schon richtig frisch. Bald gibt es keinen Radweg oder Buergersteig mehr, dem wir folgen koennen. Nun heisst es also wirklich, ab auf die Strasse. Ich schluepfe in die Warnweste und sehe aus wie ein Schuelerlotse, macht aber nichts, Sicherheit geht vor.

Den Autos immer entgegen blickend laufen wir auf der linken Seite und kommen gut und zuegig voran, einige Autofahrer winken froehlich, sie koennen sich wohl denken, warum wir hier auf der Strasse latschen. Auch einige LKW und Busfahrer winken, weichen zumeist gross aus, was wir dankend mit einem freundlichen Gruss zurueck quittieren. Einige der LKW und Busfahrer werden uns wohl eine ganze Woche lang immer wieder treffen, manche grinsen dann schon, wenn sie uns pasiseren. In Rafsbotn im kleinen Supermarkt staerken wir uns noch kurz und dann geht es weiter bis zu unserer angpeilten Uebernachtungsstelle am Leirbotnvatn-See. Das Wetter haelt alles bereit, was man sich so wuenscht oder auch nicht, aber bald darauf blicken wir ein letztes Mal zurueck nach Alta und die Bucht, dann geht es hinab zum See, wo wir kurz darauf unser Zelt aufschlagen.

Mit jedem Kilometerschild steigt die Vorfreude

Heute geht es frueh los, wir wollen weit ueber 30 Kilometer heute laufen, sodass wir es morgen bis nach Skaidi schaffen.

Gesagt ist manchmal leichter als getan und so zieht sich dieser Tag wie Kaugummi.

Zwar sind die Ausblicke in die weite Landschaft mitunter wirklich spektakulaer, aber die teilweise schnurgeraden Strassen und das Asphaltlaufen ziehen uns bald den Zahn, nur muehsam geht es voran, ohne den MP3-Player und einem guten Hoerbuch waere es heute ganz sicher richtig schwer, sich zu motivieren.

Es daemmert schon, als wir endlich bei der Samisiedlung Aisaroaivve unser Zelt aufschlagen. Voellig geschafft und mit schmerzenden Fuessen kriechen wir in unser gemuetliches Domizil, um unser Zelt herum liegt einiges an Schnee und es wird in der Nacht richtig frisch, das kann man jetzt schon erahnen. Die Nacht bricht bald herein und nur noch die Scheinwerfer der einzelnen Fahrzeuge auf der Strasse erhellen ab und an unser Zelt. Im Schein der Stirnlampe staerken wir uns, dann geht es ab in den muckeligen Schlafsack.

Unterwegs mit Norbert Krabbe und Harry Hole

Der Weg nach Skaidi ist aehnlich schoen, wie die Tage zuvor, allerdings nur dann, wenn man nicht unbedingt zu Fuss auf der Strasse unterwegs ist. Wir sichten die ersten Raeumfahrzeuge, die die Strassen abfahren und gucken, ob es fuer sie schon etwas zu tun gibt.

Machen wir es kurz, am Nachmittag erreichen wir Skaidi, diesen merkwuerdigen Strassen-Ort an der Kreuzung der E6 nach Hammerfest und Kirkenes. Bei dem Gedanken muss ich dann aber doch schmunzeln, Kirkenes und Hammerfest, das hoert sich nun aber wirklich an wie ganz weit im Norden.

Im Motel hatten wir reserviert, aber vorher gibt es noch eine Portion Pommes. Die Portionsgroesse, nun ja, ist nicht unbedingt gemacht fuer hungrige NPL-Wanderer, aber fuer den ganz kleinen Hunger schon ganz okay.

Das Zimmer, Anni wollte es mir ja nie so recht glauben, besticht durch die Aussicht auf den oertlichen Bauhhof. Aber sei es drum, es ist gerauemig hier, es ist warm und eine kleine Kueche gibt es auch. Wir kaufen noch im kleinen Shop der Tankstelle ein, der mehr zu bieten hat, als man denken mag. Und die Preise sind auch ganz okay, wenn man bedenkt wo man ist. Und schon bald bricht auch hier der Schleier der Nacht ueber uns herein, diesmal zusaetzlich in Form von ganz fiesem Schneeregen, der die Strassen am naechsten Morgen zu einer Schlittschuhbahn macht. Zum Glueck liegen wir im warmen Bett und freuen uns ueber die gut funktionierende Heizung!

Nach Olderfjord ist es nicht weit, aber auch diese 23 Kilometer wollen gelaufen werden. Also kurz nach dem Loslaufen den MP3-Player gestartet und den Koerper auf Autopilot gestellt, Arme und Beine zu einer rotierenden Scheibe werden lassen und so gut es geht der Strasse folgen. Zwischendurch zeigt Frau Holle mal kurz, was sie kann und huellt uns humorlos in ein weisses Kleid, na toll, jeder vorbei fahrende LKW zieht eine schoene Fahne Spruehnebel hinter sich her, so muss das sein, nicht!

Das letzte Stueck hinab nach Olderfjord zieht sich dabei besonders fies, aber darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an.

Im kleinen Ort angekommen, checken wir als erstes das Angebot im hiesigen „Supermarkt“ und mieten uns dann auf dem Campingplatz im Hostel ein. Da ist es zwar warm, aber die Gemuetlichkeit ist im Laufe der letzten Jahrzehnte leider etwas verloren gegangen. Es gibt zwar auch ein Hotel am Campingplatz, in das wir auch liebend gerne gegangen waeren, aber aus irgendwelchen Gruenden versagte uns der Angestellte am Telefon bei der Reservierung dieses. Geschlossen fuer die Saison, war die knappe Antwort. Als ich dann nach dem Einkauf im an den Platz angeschlossenen Souvenirladen vorbeigehe, in dem jetzt wieder Licht ist weil einige Leute einchecken wollen, treibt mich die Neugier hinein. Und siehe da, ich spreche kurz mit dem Chef und wir koennen ins Hotel umziehen. Das hat zwar wirklich geschlossen und Fruehstueck wird auch nicht serviert, aber wir bekommen dennoch ein Zimmer, haben das ganze Hotel also fuer uns ganz alleine. Soll uns sehr recht sein!

Spaeter kommt noch Thomas mit seiner Frau Nadine vorbei, wir hatten die beiden ja schon in Alta getroffen, nun waren sie noch einmal mit dem Leihwagen am Nordkapp und machen auf der Rueckfahrt nach Alta noch kurz Pause bei uns. Ein kurzer Plausch, dann sind sie weg, morgen geht es fuer die beiden zurueck nach Deutschland. Wie gross wohl der Schock fuer Thomas werden wird, wenn er nach ueber 4 Monaten Wanderschaft in Duesseldorf am Flughafen aus dem Flieger aussteigt?

 
 
 
 
 
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Das da hinten ist Honningsvåg auf Magerøya – noch 3 Tage bis zum Nordkapp ?. Ein Gefühl von Abschied liegt in der Luft. Der Herbst weicht langsam dem Winter, die bunten Farben des Fjells dem monochromen Weiß des Schnees. Wir spüren, es ist okay, dass es zu Ende geht, in und um uns ist alles auf Umbruch gepolt. Aber seit ich das erste Stück offenen Meeres gesehen habe, fühle ich mich jetzt schon angekommen. Das Meer hier hat nichts von der Lieblichkeit der Südküste, es braucht ein dickes Fell und gegerbte Haut, um es mit ihm aufnehmen zu können. Morgen besteigen wir unsere persönliche Nautilus und sinken 212 Meter unters Meer ⚓ der Nordkapptunnel ruft! #zusammendurchNorwegen #norgepålangs #porsanger #magerøya #nordnorgepåsittbeste #ignorge #wanderlust #fernweh #utpåturaldrisur #liveterbestute #outsideisfree #natureseekers #finnmark #hikingnorway

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Von Olderfjord geht es am Tag darauf weiter, nun auf der E69-Strasse.

Zwei Wanderer, ein Fjord

Ob wir in drei oder vier Tagen nach Honningsvåg kommen, wollen wir uns offen lassen, je nachdem, wie sich die Fuesse anfuehlen. Wir folgen fast durchgehend der Kuestenlinie, stets haben wir den Porsangerfjord in Sichtweite.

Die Sonne scheint und wir geniessen es fast, hier unterwegs zu sein. Gemeinsam haben wir entschieden, dass wir der Strasse folgen wollen, die Moeglichkeit nochmal im Fjell unterwegs zu sein ist zwar reizvoll, erscheint uns aber zu unsicher. So spulen wir Kilometer um Kilometer ab, kommen gut voran. Nach fast drei skandinavischen Meilen finden wir kurz vor dem Sortviktunnelen einen guten Zelplatz und betten uns dort fuer die Nacht.

Heute muessen wir uns entscheiden, ob wir es in drei oder vier Tagen schaffen wollen. Wir vertagen die finale Entscheidung und laufen erstmal los.

Nach knapp 17 Kilometern kommt das ganz kleine Doerfchen Repvåg in Sicht. Der Campingplatz mit Hotel dort hat zu, wird renoviert. Aber ein Hinweis-Schild zu einer Unterkunft mit russischer Schrift weckt mein Interesse, und so google ich kurz, rufe bei einer Telefonnummer an und kurz darauf haelt ein Jeep mit russischen Nummernschildern neben uns, eine junge Frau begruesst uns und nimmt uns mit nach Repvåg zu ihrem Hotel. Der kleine Fischerort liegt nicht direkt an unserer Route, da ist die kurze Autofahrt schon sehr willkommen. Das Hotel entpuppt sich als einfache aber saubere Unterkunft, ohne grosse Schnoerkel, aber mit einer Heizung, sehr gut. Da die Unterkunft aber auch hier irgendwie schon fuer den Winter eigentlich geschlossen hat, gibt es leider nichts mehr zu essen, im Sommer gibt es eine Art Restaurant. Wir schwatzen der Betreiberin, natuerlich gegen Bezahlung, noch eine Tuete Chips ab, die eigentlich aus ihrem Privatbestand stammt. Ach ja, faellt es ihr dann noch ein, im Restaurant servieren wir sonst immer Koenigskrabben, diese Riesenkrebse, die eigentlich aus Kamtschatka stammen und von den Russen hier oben bei Kirkenes ausgesetzt worden sind und sich nun bis weit nach Norwegen ausgebreitet haben. Die werden hier gefischt und serviert. Und da sie gerade dabei ist, welche zu kochen und einzufrieren, koennten wir welche abhaben.

Wir muessen nicht lange ueberlegen und kurz darauf liegen auch schon einige riesige Krebsbeine vor uns, die wir uns genuesslich schmecken lassen. Was fuer ein abgefahrener Tag, der so zaeh begann und dann solch eine herrliche Wendung bekam!

Das Brøytebil laesst gruessen

Am naechsten Morgen nehmen uns zwei andere Gaeste der Unterkunft mit zurueck zur Strasse und weiter geht der Polarexpress der Route E69.

Die Beine und Fuesse sind heute gut, sodass wir schnell und gut voran kommen. Auch wenn das Wetter ziemlich wechselhaft ist und wir am Ende des Tages noch eine kleine Dusche abbekommen, stehen am Ende bald 29 Kilometer auf der Uhr und das beste ueberhaupt: Wir koennen hinueber bis nach Honningsvåg sehen! Das Nordkapp ist nun nicht nur ein Name auf dem Strassenschild, es wird nun wirklich langsam greifbar!

Kurz vor dem Nordkapp-Tunnel frischt der Wind richtig auf, er blaest uns fast von der Strasse und wir haben etwas Muehe, einen Zeltplatz zu finden, der nicht so krass dem Wind ausgesetzt ist. Das gelingt aber nach kurzer Suche ohne grosse Probleme. Der Regen prasselt aufs Zelt, aber wir haben es im Zelt richtig schoen gemuetlich!

Glueck auf, der Steiger kommt!

Heute ist einer der grossen Tage der Tour: Es geht durch DEN Tunnel! Der Nordkapp-Tunnel! Der Hammer! Nachdem das Zelt im Rucksack verstaut ist, geht es los! Also fast, vorher muessen natuerlich noch einige Photos usw. gemacht werden!

Dann ist es soweit, und wir begeben uns auf Tauchstation, es geht hinab unters Meer. Fast 7 Kilometer lang und ueber 200 Meter unter dem Meeresspiegel laufen wir hinueber zur Insel Magerøya! Was fuer eine Erfahrung!

Insbesondere fuer Anni, ich hatte ja bereits einmal das Vergnuegen! Es geht gut voran, wir machen ein paar Faxen, schiessen Photos, machen Videos. Aber jedesmal, wenn ein Auto, Bus oder LKW vorbei faehrt, donnert es in dem Tunnel, dass einem beinahe das Blut in den Adern gefriert. Es ist wirklich schwer zu beschreiben, man muss es wohl am besten einmal selbst erlebt haben!

Der Rest des Tages ist schnell erzaehlt. Mit Hoerbuch und Musik auf den Ohren geht es bis nach Honningsvåg. Bei mir stellen sich langsam gemischte Gefuehle ein. Am Dienstag geht es weiter und am Mittwoch gegen Mittag wollen wir am Ziel sein. Noch zweimal schlafen – und was kommt dann?

Der Ruhetag in Katterjokk hat die Akkus richtig aufgeladen, wir haben ordentlich und gut gegessen, wenn der Supermarkt nur wenige Meter entfernt ist macht es das natuerlich auch bedeutend einfacher. Wir starten auf den naechsten Abschnitt mit einigen Kilometern auf der Strasse, wir wollen es heute wieder auf die norwegische Seite der Grenze schaffen, die Lappjordhytta haben wir dabei als Ziel angepeilt. Bis dorthin fuehrt uns der Weg die ersten gut 21 Kilometer ueber die Strasse in Richtung Abisko. Der Verkehr haelt sich in Grenzen, das Wetter haelt sich mit Regen zurueck und wir kommen gut voran. Gegen 14 Uhr erreichen wir nach einer ausgiebigen Pause den Abzweig zur Huette, noch 11 weitere Kilometer sind es nun. Auf und ab geht es durch lichten Birkenwald, der in den wunderschoensten Herbstfarben schillert. Es ist zwar etwas anstrengend zu gehen, aber das gemuetliche Ziel vor Augen motiviert dann doch immer wieder. Wir passieren die einfache Huette des schwedischen Wanderverbandes und kommen zum Grenzstein. Nun ist es nur noch gut einen Kilometer zur Lappjordhytta, dieser fuehrt aber konsequenter Weise einfach steil den Abhang hoch, auf dem die Huette in der Abendsonne strahlt. Willkommen zurueck in Norwegen!

Der Anstieg ist schnell ueberwunden, wir richten uns in der Huette ein, starten den Ofen und genießen die Ruhe nach einem langen anstrengenden Tag. Und die Aussichten von dieser Huette hinueber zum grossen Torneträsk-See und zu den Lapporten-Bergen, dazu muss man nicht viele Worte verlieren – Praedikat weltklasse!

Herbstdaemmerung

Das Wetter heute laesst uns beim Aufwachen erschaudern, wir blicken aus dem Fenster in eine einzige Waschkueche, na prost Mahlzeit! Der Tag startet mit dramatischen Wolken, viel Wind und waagerechtem Regen – allerdings nur so lange, bis wir quasi ueber den Wolken stehen, die sich hier am Talende aufgestaut haben. Innerhalb von Minuten reisst die Wolkendecke auf und blauer Himmel erstrahlt ueber uns.

Wir kommen gut voran und der Weg heute ist denkbar einfach, bis sich dann am Nachmittag das Schauspiel vom Morgen umkehrt und der blaue Himmel unter einer grauen Wolkendecke wieder verschwindet und uns der Wind regelrecht aus dem Fjell hinunter zum Altevatn-Stausee pustet. Zu Gast bei Freunden

Als wir wieder Handy-Empfang haben, rufen wir kurz bei Bjørn Klauer von der Huskyfarm in Innset an, dort wollen wir heute uebernachten und auch ein Versorgungspaket wartet dort auf uns. Wir haben Glueck und Bjørn ist gerade selbst unterwegs, erklimmt mit einem Rudel Welpen und seinen Helfern gerade einen der umliegenden Berge, macht quasi einen Sonntagsausflug und kann uns gleich an der Staumauer mit dem Auto einsammeln, das erspart uns einge Kilometer zu Fuss ins Tal, die ansonsten eigentlich eher ein Umweg waeren. Mit grossem Hallo begruessen wir uns, es ist die Rueckkehr zu einem ganz besonderen Ort fuer mich, habe ich doch hier 2013 einige Tage auf seiner Farm verbracht. Und auch Anni war schon dort zu Gast, als sie dort vor zwei Jahren ihre Tour auf dem Nordkalottleden beendet hat.

Unser Paket ist da und es ist schoen wieder hier zu sein! Wir duschen, waschen unsere Klamotten das erste Mal nach einigen Wochen wieder und quatschen mit den Helfern – dieser Ort hier ist wirklich ganz besonders, vor allem die herzliche, offene und ehrliche Gastfreundschaft ist wirklich herausragend!

Wir sortieren unsere neuen Lebensmittel und uebergeben den Helfern im Gaestehaus einen grossen Karton mit Schokolade und Riegeln, die wir ueber haben. Leider draengt uns der Wetterbericht am naechsten Morgen zum Weitergehen, nur zu gerne waeren wir laenger geblieben, aber die Pflicht ruft und wir verabschieden uns leider schon wieder.

Zuegig flitzen wir am Altevatn entlang zur Gaskashytta, der Wetterbericht weist fuer den Nachmittag und den naechsten Tag wirklich ungemuetliches Wetter mit ziemlich starkem Wind aus. Wir machen auf der Huette einen langen Tagesbesuch und staerken uns fuer die naechsten 17 Kilometer. Als wir gerade gehen wollen, treffen wir einen Wandersmann aus Berlin, Manuel ist auch schon laenger unterwegs und auf dem Weg in Richtung Abisko. Wir quatschen kurz, tauschen Infos aus und irgendwie komme ich ihm bekannt vor, nur auf den Namen kommt er nicht. Ich helfe ihm auf die Spruenge, wir muessen alle drei laut lachen, er hatte mein Buch gelesen und staunt jetzt nicht schlecht. Wir machen noch ein Photo zusammen und empfehlen uns dann, solche Begegnungen machen doch immer wieder grosse Freude!

Winter? Winter!

Mitten auf dem hochesten Punkt der Etappe erwischt uns dann das ueble Wetter. Binnen Minuten verdunkelt sich der Himmel und Frau Holle schlaegt richtig zu. Nasse Schneeflocken verwandeln die Umgebung in eine ungemuetliche Landschaft, die man so im September eigentlich nicht haben moechte, aber hei, so ein Wetter kann man in Norwegen immer und zu jeder Zeit haben. Also Handschuhe an und die Kapuze tiefer ins Gesicht gezogen, weiter geht es. Das usselige Wetter verleiht uns Fluegel und nach knapp vier Stunden machen wir einen Haken an die 17 Kilometer, wir beziehen die neue grosse Vuomahytta mit den Panoramafenstern. Es dauert etwas, bis es in der grossen Huette warm wird, dann aber umso mehr. Draussen heult der Wind, nasser Schnee klatscht an die Fenster und wir sitzen im Trockenen und Warmen – so einfach kann Glueck sein!

Da wir es heute nicht weit zur Dividalshytta haben, verschieben wir den Start auf spaeter, das Wetter soll dann etwas besser werden. Der Wind heult weiterhin unentwegt sein Klagelied, wir starten erst um 11 Uhr, lassen uns am Morgen viel Zeit. In der kleineren Huette hatte sich gestern Alice aus der Schweiz einquartiert und heute berichten wir ihr vom Wetterbericht. Sie wird wohl hier bleiben und den Pass in Richtung Gaskashytta erst einen Tag spaeter gehen, zu mies ist das Wetter. Wir ziehen los, fuer uns geht es durch tiefere Lagen, dort liegt noch kaum Schnee, aber gemuetlich ist es auch hier nicht. Als dann auch noch hier weiter unten Schneetreiben einsetzt, sinkt die Laune weiter und die Motivation, die Huette zuegig zu erreichen steigt im gleichen Masse. Da morgen die Elchjagdsaison startet, treffen wir noch ein paar Jaeger, die der fruehe Winter auch total ueberraschend getroffen hat und die darueber auch nicht wirklich gluecklich zu sein scheinen. Ihr Wetterbericht ruft bei uns auch keine Begeisterungsstuerme hervor, das werden wohl unerwartet harte Tage hier in der Gegend fuer uns, nur die Elche wird es wohl freuen, macht das Wetter ihren Haeschern doch die Jagd um einiges schwerer.

Wir folgen dem Dividalen hoch zur gleichnamigen Huette, die wir gegen Nachmittag erreichen. Hier liegt noch nicht so arg viel Schnee, aber auch das aendert sich gegen Abend zunehmend. Uns schwant langsam Ungutes, wir werden sehen und von Tag zu Tag schauen, wie und ob es weiter geht. Die dunkle Nacht bricht herein und ploetzlich ist es draussen beinahe taghell, der Vollmond ist ueber den Bergen aufgegangen, was fuer ein Schausspiel.

Ein ganz besonderes Geschenk

„Gratulerer med dagen!“ hoere ich es aus dem Schlafsack murmeln, der mir gegenueber im anderen Bett liegt. Heute ist ein besonderer Tag, nicht nur, dass draussen weiter der Winter Einzug gehalten hat, nein, hier drinnen ist auch jemand wieder ein Jahr aelter geworden. Ich freue mich total, dass ich heute Anni bei mir habe und mit ihr zusammen diesen Tag begehen kann.

Das Geschenk wartet draussen in einer Landschaft, die einem beim Start den Atem stocken laesst! Die Sonne taucht alles in eine weiche, wunderschoene Winterlandschaft, wir freuen uns wie kleine Kinder und kommen aus dem Photografieren gar nicht mehr heraus. Naja bis, bis wir den Pass hinueber zur Dæertahytta erreichen und den Schlamassel sehen. Die Wege und Markierungen sind noch ganz gut auszumachen, aber was sich unter der Schneedecke befindet, ob Bach, Schlammloch oder Blockwerk, das laesst sich nur erahnen. Wir stolpern voran, blicken ehrfurchtsvoll auf die bis zum Horizont weiss bedeckten Berge vor uns und jeder von uns macht sich dabei so seine Gedanken, viel geredet wird nicht.

Die grosse Furt passieren wir noch bei recht gutem Wetter, aber dann wird es dunkler, man kann teilweise nur noch Schemen erahnen, die Landschaft um uns herum verschwindet, wir hangeln uns von Wegmarkierung zu Wegmarkierung. Ich hatte schon Touren im Winter, auf denen ich weniger Schnee unter den Skiern hatte, als wir nun haben. Der Weg zieht sich, Spass und Freude sind schon lange verschwunden, wir wollen nur noch die Huette erreichen. Das letzte Stueck zeigt sich dabei als besonders tueckisch, es geht muehevoll durch verschneites Blockwerk. Zwischendurch muss ich kurz lachen, die Steine um uns herum sehen aus wie eine gewaltige Pinguinkolonie in der Antarktis, aber als ich dann wieder tief im Schnee einbreche und wieder einmal umknicke, befinde ich mich ganz schnell wieder in der harten Realitaet.

Die Dærtahuette erreichen wir bald darauf, noch einmal lege ich mich mit Blick auf das Tagesziel so richtig auf die Fresse, anders kann man es einfach nicht beschreiben. Ein verdecktes Loch im Boden hebelt mich aus und ich lande mit dem Kopf voran im Schnee. Unschoen! Happy Birthday und alles Gute!

Auch diese Huette haben wir ganz fuer uns alleine. Anni startet den Ofen und ich hole Wasser und Feuerholz. Als ich zurueck komme, faellt mir auf, das scheinbar jemand ein Bier und eine Dose Ananas hier auf dem Kuechentisch hat liegen lassen! Wie geil denke ich noch, als mir auch noch die Norwegenfahne dabei auffaellt! Anni lacht sich kaputt und nimmt mich in den Arm, herzlichen Glueckwunsch zum Geburtstag noch mal! Erst jetzt faellt es mir wie Schuppen von den Augen, das Bier und die Ananas-Dose sind von Anni und ihr Geburtstagsgeschenk fuer mich, sie hat sie fast 120 Kilometer heimlich von Katterjokk bis hierher im Rucksack geschleppt! Wie cool ist das denn!

Die Stimmung am Abend ist dennoch nicht ganz so gut, aber nur wegen dem Wetter, wir diskutieren alle moeglichen Szenarien und Moeglichkeiten bis uns der Kopf raucht – wir vertagen die Entscheidung wie es weiter gehen soll auf den naechsten Tag.

Eine Entscheidung muss her

Beim Fruehstueck besprechen wir nochmal alles, aber es ist schnell klar fuer uns, dass wir heute versuchen wollen, ins Dividalen ins 22 km entfernte Frihetsli abzusteigen. Wir befinden uns auf knapp 700 Metern und muessten in den naechsten Tagen einige Paesse ueberwinden, die mehr als 1000 Meter hoch sind. Das erscheint uns zwar irgendwie machbar, aber die Konsequenz waere dann, dass wir es eventuell bis nach Kilpisjärvi schaffen wuerden, dort aber in der Sackgasse waeren, falls auch auf der finnischen Seite so viel Schnee gefallen ist wie hier, was wir fuer gegeben annehmen. Zudem wollen wir weder uns noch andere in Gefahr bringen, wenn es nicht unbedingt noetig ist. Zudem befindet sich hier auf der Huette ein Barometer, das seit gestern kraeftig gefallen ist. Also gibt es nur eine Entscheidung zu treffen: Wir laufen ins Dividalen!

Zu Beginn ist das Wetter noch ganz gut, aber dann zieht es wieder zu, es wird ungemuetlich, wieder faellt Schnee, wieder ist der Wind schneidend – wir haben jetzt hier einfach nichts mehr verloren. Wir passieren das Geisterdorf weiter unten im Tal, das den Sami von Zeit zu Zeit als Unterkunft waehrend der Rentiermarkierung dient und nun an verlassener Trostlosigkeit kaum zu uebertreffen ist. Ein Zwischenanstieg auf ueber 800 Meter Hoehe raubt uns auch die letzten Illusionen, der Winter ist da, mehrfach versinken wir bis ueber die Knie in Schneewehen und kommen zu Baechen, die dabei sind gerade zuzufrieren, die Ufer sind kaum noch auszumachen, die Ueberquerung ist mehrfach aeusserst ungemuetlich. Wir wollen nur noch raus und ins Tal, geben richtig Gas, obwohl das Wetter um uns herum nun richtig fordernd wird, was fuer eine Scheisse murmele ich in einer Tour, das ist jetzt nicht nur wirklich spassbefreit, sondern auch langsam echt gefaehrlich. Es dauert eine ganze Weile, bis wir endlich in den Bereich gelangen, wo es steil hinab ins Tal geht. Der Abstieg hat es nochmal richtig in sich, die letzten Meter sind wirklich steil und mittlerweile haben sich die Schneeflocken auch bis unter die Baumgrenze hinunter durchgeschlagen. Nach fast 6 Stunden fuer die 22 Kilometer stehen wir bei Frihetsli im Dividalen endlich auf der Strasse, endlich macht sich ein erleichtertes Gefuehl von Sicherheit breit. Wir pusten erstmal durch, muessen uns kurz sammeln und machen uns dann auf in die eigentlich falsche Richtung, denn die offenen und fuer jedermann kostenlos nutzbaren Huetten vom Statskog liegen entgegengesetzt zur Laufrichting von Morgen. Und da die erste Huette auch schon besetzt ist, gesellen sich bald 5 Kilometer extra, die wir natuerlich morgen wieder zurueck gehen muessen, zu unserem eigentlichen Tagespensum. Wir machen drei Kreuze, als wir dann endlich in der einfachen Fossbua-Huette sitzen, der Ofen bollert und wir mit leerem Blick etwas zu essen in uns herein schaufeln.

Frueh geht es zu Bett, heute gibt es nichts mehr zu tun, das Erlebte nagt und muss erst einmal verarbeitet werden. Wie wird es weiter gehen? Das wird sich morgen zeigen.

Um 6 Uhr klingelt der Wecker, um 8 Uhr brechen wir auf, wir wollen es bis zum naechsten Ort nach Øverbygd heute schaffen, dort gibt es einen kleinen Laden. Und dort wollen wir dann entscheiden, wie es weiter geht, allerdings sind es bis dorthin knapp 35 Kilometer auf der Strasse.

Die Zeichen stehen auf Planaenderung

Mit jedem Kilometer auf der Strasse werden die Gespraeche weniger, die Fussschmerzen mehr. Wir kommen ganz gut voran, doch beide haben wir ganz schoen zu kaempfen, schoen ist es gerade nicht. Klar, das gehoert dazu und wir ziehen das heute auch eisern durch, ganz egal wie viel Autos an uns vorbei fahren, den Daumen werden wir nicht herausrecken. Jeder fuer sich macht sich so seine Gedanken, bis wir ungefaehr 5 Kilometer vor dem Tagesziel auf der Strasse stehen bleiben und uns beide ansehen. Wir denken und fuehlen beide das Gleiche, das ist schnell klar. Der Blick auf die Schneekarte von Senorge.no weist Schnee in den hoeheren Lagen aus bis Alta und als wir auf Google Maps checken, wie weit es von hier bis Alta auf der Strasse, der beruechtigten E6 ist, sind wir uns einig, von Alta aus laufen wir zum Nordkap, aber nicht die kompletten 600 Kilometer von hier aus. Nicht aus falschem Ehrgeiz und nicht nur um sagen zu koennen, wir sind konsequent jeden Meter gelaufen, sei er auch noch so „oede“. Nicht falsch verstehen, bis hierhin sind wir wirklich jeden Meter, bis auf die kurze Bootspassage ueber den Namsvatnet, gelaufen. Wir haben die Seilbahn auf die Hardangervidda ausgelassen und haben auch immer unseren Rucksack komplett selbst getragen. Zu trampen oder uns mitnehmen zu lassen kam nie in Frage, niemals. Aber nun so weit auf der Hauptstrasse zu laufen erscheint uns beiden sinnlos, das entspricht nicht dem, was wir wollen oder uns erwarten. Klar, wir sind schon einige hundert Kilometer Strasse gelaufen auf dieser Tour, immer in Abschnitten, aber 600 Kilometer am Stueck? Nein, wir sind uns einig, nicht aus einem Impuls heraus, nein, aus rationaler Ueberlegung. Dass der Winter irgendwann kommt, war uns voellig klar. Und wir wollten dies auch bewusst so erleben, den einsetzenden Winter sehen, alle Jahreszeiten mitnehemen. Und der Oktober ist eigentlich auch noch ein guter Monat fuer Touren im Fjell, eine meiner schoensten Touren ueberhaupt habe ich Mitte Oktober in der Hardangervidda unternommen. Auch die Wetteraufzeichnungen bei Senorge stuetzen unseren Plan, seit 15 Jahren war der Winter noch nie so frueh und vehement am Start – wir haben einfach Pech und in diesem Jahr die Arschkarte gezogen. Aber sollen wir deshalb gross Truebsal blasen und uns Vorwuerfe machen? Klares NEIN! Unser Plan schien bis zuletzt optimal aufzugehen, wir lagen voll in der Zeitplanung. Aber das Wetter ist nun mal nicht planbar, niemals. Und den Blick auf die Fjellvettreglene (Regel-Richtlinien für Touren, erstellt vom DNT) und die entsprechenden Konsequenzen daraus sollte jeder immer im Kopf praesent haben, der im Norden auf Tour geht. Punkt.

Wir treffen also voellig fertig gegen 16 Uhr im Laden ein, sind etwas kopflos ob der wenigen Optionen, die wir nun haben. Ein junges Maedel an der Kasse meint noch, dass um 17 Uhr ein Bus in Richtung Tromsø fahren wuerde. Der Laden schliesst auch um 17 Uhr und hier im kleinen Ort gibt es auch keine Uebernachtungsmoeglichkeit, in der man einmal zur Ruhe kommen und weiter planen koennte. Es ist die Zeit fuer Entscheidungen und nicht fuer Zoegereien. Wir quatschen ein paar Leute an, die bereit sind, uns die 5 Kilometer zur Bushaltestelle zu fahren. Um 16:45 Uhr sitzen wir im Auto zum Bus und um 17 Uhr auch schon im Bus nach Tromsø. Ein Hotel ist auch schnell online gebucht und am naechsten Tag gibt es die Moeglichkeit weiter nach Alta zu fahren. Gesagt getan, manchmal muessen Entscheidungen getroffen werden, da bleibt keine Zeit zum Hadern oder gross ueberlegen, da stehen wir beide voll dahinter.

Und so sitzen wir am Abend in einem Hotel in Tromsø, kommen jetzt erst langsam runter und zur Ruhe. Der Rest ist schnell erzaehlt, der Plan steht. Wir nehmen den Bus nach Alta am naechsten Tag, legen dort bis Montag eine Pause ein und laufen dann den Rest zum Nordkap. In Tromsø machen wir noch einige Besorgungen, kaufen neue Schuhe für Anni, regeln all das, was umgeplant werden muss und spaet am Abend treffen wir dann nach 6 Stunden Busfahrt in Alta ein.

Der Samstag beginnt mit einer Ueberraschung, wir treffen uns mit Thomas und seiner Frau sowie Tobi zum Fruehstueck im Hotel. Thomas und Tobi haben vor kurzem jeweils ihre Norge på langs Wanderung am Nordkap beendet und sind beide zufaellig noch in Alta. So quatschen wir lange bei reichlich Kaffee und viel Essen ueber unsere Erlebnisse. Alleine dafuer hat sich unsere Entscheidung eigentlich schon gelohnt.

Nun aber heisst es, nach vorne zu gucken und ab morgen wieder loszulegen. Wir laufen weiter, keine Frage, ist doch klar!

Der Abschied von Umbukta fällt schwer, zu hyggelig war der Ruhetag hier! Beim Frühstück treffen wir noch einen anderen deutschen Wanderer, und wie der Zufall es so will, stammt er aus dem gleichen kleinen schwäbischen Örtchen, in dem wir die letzte Zeit vor der Tour gewohnt haben. Wir kommen aus dem Lachen fast nicht mehr heraus, als wir uns über lieb gewonnene Supermärkte und Orte in der alten Wahlheimat unterhalten. Und auch der Abschied von Åste und Bison fällt schwer, sie werden hier heute einen Ruhetag einlegen, während wir zur nahen Sauvasshytta aufbrechen.

Das Wetter ist klasse und die ersten Vorboten des herannahenden Herbstes zaubern uns ein Lächeln ins Gesicht, denn nun bricht hier oben die schönste Jahreszeit im Jahr an: Der Herbst kommt mit seiner kristallklaren Morgenluft, mit bunten Fjellfarben und hoffentlich schon bald auch tanzenden Nordlichtern am Abend!

Die Hütte erreichen wir zügig, obwohl wir uns unterwegs echt Zeit gelassen haben, die Umgebung lädt einfach ein zum gucken und innehalten.

Hygge & Hyttekos

Die Hütte liegt einfach perfekt und ist wunderbar gemütlich. Bald schon prasselt ein Feuer im Ofen und wir genießen den Blick aus dem Fenster über den See hinüber zum Okstindan.

Als die Sonne langsam untergeht, bietet sie uns auf den umliegenden Bergen ein grandioses Farbspektakel, besser geht es kaum!

Der Weg zur Kvitsteindalstunet-Hütte zeigt dann mal wieder, dass auch kürzere Etappen durchaus ihre Schwierigkeiten bereit halten können, denn es gibt reichlich Sumpf und Matsch unter den Wanderstiefeln.

Aber die Etappe bietet auch wieder wunderbare Ausblicke und am Ende eine Hütte, nun ja, Hütte ist vielleicht das falsche Wort. Erst im letzten Jahr neu errichtet, beziehen wir ein kleines Häuschen, bei dem es an nichts fehlt! Die Panorama-Fenster im Wohnzimmer bieten einen herrlichen Ausblick auf den nahen Fluss und die herbstlichen Birken. Es gibt eine gemütliche Couch und eine Küche, wie man sie sich zu Hause wünschen würde. Ein Haus in der Wildnis also, in das wir direkt einziehen würden! Dementsprechend entspannt lassen wir den Tag hier ausklingen, es ist fast wie im Urlaub!

Zur Virvasshytta ist der Tag dann schon länger, sogar eine Rasthütte für den Notfall oder eine längere Pause gibt es hier.

Das Kvepsendal erweist sich dabei als herrliche, dramatische Wanderumgebung und die rötliche Färbung der Blaubeerblätter bietet dabei einen guten Kontrast zum Grau der umliegenden Berggipfel.

Die anschließende Querung des weiten Stabburbekkens mit seinen zwei Furten ist dann überhaupt kein Problem, im Gegenteil, die Weite und die Ausblicke lassen uns immer wieder kurz innehalten und verweilen.

Nach einer längeren Pause beginnt dann der Endspurt zur Hütte, es geht noch einmal gut bergan bevor wir die große Virvasshytta erreichen.

Niemand ist da und so machen wir uns daran, die Hütte mit etwas Kaminwärme zu füllen. Leider hat Anni sich eine fette Erkältung eingefangen und muckelt sich erstmal in ihrer dicken Daunenjacke und den Schlafsack aufs riesige Sofa, als noch zwei Arbeiter vorbei kommen, die hier in der Nähe für einen Energiekonzern einige Messinstrumente erneuert haben und sich kurz aufwärmen wollen. Wir unterhalten uns länger auf Norwegisch, was erstaunlicherweise schon ziemlich gut klappt, wir machen also Fortschritte!

Kurz darauf ist es dann richtig warm im der Hütte und wir essen und essen erstmal richtig, bevor wir dann zeitig zu Bett gehen.

Den Polarkreis vor Augen

Heute stehen dann fast 25 lange Kilometer zur Bolna-Hütte an – und Annis Erkältung entwickelt sich eher mittelprächtig, es geht ihr nicht besonders. Das sind die Momente einer Fernwanderung, bei denen man lieber einfach im Bett bleiben möchte …

Nach dem Frühstück brechen wir dann auf in den Nieselregen und Anni beißt auf die Zähne, insbesondere die ersten Anstiege sind zäh und mit Erkältung umso zäher. Dazu das usselige Wetter, da machen selbst die Pausen keine Freude.

Wir passieren den markanten Auronasa-Berg, dem Symbol des Rana-Wandervereins, und blicken dann voraus auf das Saltfjellet und den Polarkreis, beides ist nur noch einen Wandertag von uns entfernt. Wir nutzen ein Wetterfenster ohne Regen für eine längere Pause und blicken gebannt hinüber zum Saltfjell, der Polarkreis liegt vor uns – unglaublich!

Wir steigen weiter hinab in Richtung des Tagesziels, das weiter im Tal direkt an der E6-Straße liegt. Zuerst aber müssen wir noch auf den Fahrweg gelangen, der von einer Dammanlage hinab ins Tal führt. Hier wird ein ganzer Fluss quasi abgezapft und verschwindet in einem großen Loch im Boden, um ihn für die Energiegewinnung zu nutzen. Wir passieren den Fluss direkt am Damm, für den eher unwahrscheinlichen Fall von zu viel Wasser und einer Überspülung des Damms, gibt es etwas weiter flussabwärts auch noch eine richtige Fußgängerbrücke, die aber eher einen kleinen Umweg bedeuten würde.

Dann folgen wir der Straße und gehen dann noch etwa 5 Kilometer übers Fjell zur Hütte. Dabei quält sich Anni ziemlich, die Erkältung mehr ihr echt zu schaffen, daran können auch die herrlichen Lichtstimmungen und Ausblicke ins Tal nichts ändern. Es bleibt dann nur noch, sich am Abend möglichst gut zu erholen, wir tun unser Bestes dafür.

Der Polarkreis! Schon direkt beim Aufstehen ist diese ganz besondere Vorfreude bei mir da, Anni hingegen würde wohl lieber im Bett bleiben um sich richtig auszukurieren.

Gemeinsam beschließen wir dann beim Frühstück heute die lange Etappe nach Krukki wenigstens zu probieren und mal zu gucken wie weit wir kommen. Gesagt, getan, kurz darauf geht es los ins Fjell. Die Sonne kommt durch, das Wetter ist auf unserer Seite.

Gegen Mittag erreichen wir dann den Polarkreis und freuen uns wie kleine Kinder über diesen Meilenstein!

Wir legen eine lange Pause ein, kochen Tee und finden zu unserer Freude zwei Packungen mit Keksen in der kleinen Rasthütte, die Janaa aus Kiel extra dort für uns deponiert hat. Vor der Tour hatten wir uns in Kiel getroffen und lange miteinander gequatscht. Dieser Ort hier ist für sie ein ganz besonderer, denn hier in der Nähe steckt zum Gedenken an ihren Mann ein Schwert im Boden, die ganze Geschichte dazu findet sich im Hüttenbuch der Rasthütte am Polarkreis. Auch am Schwert machen wir länger Pause und hängen unseren Gedanken nach, wie froh und dankbar wir sind, gemeinsam eine solche Tour machen zu können. Es ist so ein großes Geschenk, so eine Wanderung gemeinsam zu erleben, das wird uns gerade jetzt wieder sehr eindrücklich klar.

Der anschließende Abstieg ins Bjøllådalen ist fies steil, aber gut zu bewältigen. Die Ausblicke kurz vorher hinab ins Tal sind der Hammer, dieser Abschnitt ist vermutlich mit der schönste auf unserem bisherigen Weg.

Nun gilt es noch dem Tal für fast drei Stunden zu folgen. Es ist wunderschön hier, das warme Licht der Abendsonne und der lichte herbstliche Birkenwald sorgen für eine wunderbare Stimmung, der sumpfige Boden mitunter für lautes Fluchen.

Gegen 19 Uhr erreichen wir nach 25 Kilometern doch ziemlich fertig die kleine Krukki-Hütte, wieder einmal zeigt sich, das Kilometerangaben in Norwegen nur sehr bedingt etwas zur Schwere der Etappe aussagen. Aber hei, wir haben den Polarkreis überquert!

Der neue Tag begrüßt uns mit leichtem Frost, der die niedrigen Gräser im Schatten rund um die Hütte mit einer dünnen Eisschicht verziert hat. Nach dem langen Tag gestern kommen wir etwas schwer in die Gänge, Annis Erkältung klingt leider auch noch nicht ab. Umso bemerkenswerter ist dann, dass wir kurz darauf wieder losziehen, diesmal ist die Distanz bis zur Lønsstua sogar noch länger. Ich bin wahnsinnig stolz auf Anni!

Der Herbst kommt mit großen Schritten

Zuerst folgen wir bei herrlichem Herbstwetter weiter dem Tal zur Saltfjellstua und gehen dann weiter in Richtung Steindalen.

Das Wetter ist wirklich klasse und wir kommen gut voran, legen hoch über dem Søre Bjøllåvatnet eine längere Pause in der Sonne ein und genießen den Ausblick.

Dann geht es weiter ins Steindalen, und wer Steine mag, ist hier genau richtig, denn es gibt sie hier in allen möglichen Größen und Formen. Zum Glück ist das Wetter gut, ansonsten bleibt der Spaß hier ganz sicher ganz schnell auf der Strecke!

Als sich das Tal wieder öffnet und wir die schlimmsten Steinpassagen hinter uns haben, legen wir erneut eine Pause ein, stärken und für den Endspurt, der dann noch einmal fast drei Stunden dauert. Es zieht sich wie Gummi, ein stetes Auf und Ab bis hin zum Bahnhof Lønsdal kurz vor der Hütte gibt uns dann den Rest.

Neben der DNT-Hütte gibt es dann noch ein Hotel, in dem wir es uns bei einer kalten Cola auf dem Sofa gemütlich machen, alter Schwede, sind wir kaputt! Das Hotel bietet sogar Duschen an, auch wenn man nicht hier wohnt. Dieses Angebot nimmt Anni nur allzu gerne an. Ich gehe schon mal voraus zur Hütte, und atme quasi die Tüte Chips ein, die ich mir gerade auch noch in Hotel gekauft habe. Als Anni von der Dusche kommt, essen wir nur noch und fallen bald darauf todmüde ins Bett.

Auf in den Junkerdalen-Nationalpark

Die zwei eindrucksvollsten und schönsten Etappen bisher liegen hinter uns, als wir am nächsten Morgen im Hotel entspannt und ausgiebig frühstücken. Die nächsten Etappen werden etwas gemütlicher und kürzer, darauf freuen wir uns jetzt schon sehr. Zuerst geht es heute in Richtung des Junkerdalen-Nationalparks, das wir gegen Mittag erreichen.

Der Campingplatz dort befindet sich schon im Winterschlaf, wie lange schon, das vermögen wir nicht heraus zu finden. Wir wollen durch das enge Skaitidalen über einen alten Fahrweg weiter gehen. Der Weg wurde schon vor geraumer Zeit aufgegeben und ist nicht ganz ungefährlich zu begehen, Teile des Weges sind in den Fluss gestürzt, über weite Strecken ist der Weg ordentlich zugewuchert und eigentlich die ganze Zeit besteht große Steinschlagsgefahr.

Wir kommen aber gut durch und finden auch noch Zeit, uns an den reichlich vorhandenen Himbeeren gütlich zu tun. Als wir auf der Hütte Trygvebu ankommen, haben wir fast eine ganze Trinkflasche voll mit Him- und Blaubeeren fürs Frühstück gepflückt.

Frühstück mit Beeren

Auf der Hütte begrüßen wir auch wieder Åste und Bison, die kurz nach uns eintreffen und einen etwas anderen Weg über die Graddis Fjellstue gewählt haben.

Am nächsten Tag laufen wir dann weiter durchs Skaitidalen über die Hütte Argalad zur Balvasshytta, die erst in diesem August neu eröffnet worden ist. Das obere Skaitidalen ist dabei eine echte Perle, eine herbstliche Augenweide vom Allerfeinsten!

Um den Balvatnet laufen wir dann entspannt zur Coarvihytta, wo uns eine Schulklasse auf der Hütte erwartet, aber alles halb so wild, auch wenn die Jungs alle ein Messer am Gürtel tragen, können sich alle benehmen und wir werden sogar mit leckeren Tacos versorgt! Perfekt!

Über die Straße erreichen wir dann den alten Bergbauort Sulitjelma, wo ein Paket mit Essen und eines mit neuen wärmeren Schlafsäcken und einem stabileren Zelt für den Herbst von Helsport auf uns im Supermarkt warten. Und noch jemand wartet dort auf uns, nämlich Werner und seine Frau Uta, die hier gerade mit dem Wohnmobil unterwegs sind. Wir kennen uns von meiner ersten Tour 2013, als die beiden mich im Dovrefjell mitgenommen haben, weil ich mit meinem BVB-Aufnäher auf dem Rucksack an der Straße stand ? Wir sind seitdem immer wieder in Kontakt geblieben und heute hat es endlich mit einem Wiedersehen geklappt. Und Werner hat uns echt einen großartigen Gefallen getan, und unsere Einkäufe die 400 Höhenmeter hoch zur Ny-Sulitjelma gefahren, während wir mit unseren Rucksäcken hochgelaufen sind. Tusen takk für alles lieber Werner, auch für die kühlen Getränke im Kühlschrank und für die Ersatz-Mütze! Mega cool und einfach großartig, wir sehen uns demnächst zu Hause wieder!

Nun sitzen wir zusammen mit Jonas aus Dortmund hier auf der Hütte, schlagen uns die Bäuche voll und es macht Spaß, sich mal wieder auf die Ruhrpott-Art zu unterhalten, da sitzt jeder Spruch!

Und morgen verschwinden wir dann wieder im Fjell, erst Padjelanta und dann das Narvikfjell stehen auf dem Programm!

Der Abschied von Røyrvik und dem Limingen Gjestegård fällt etwas schwer, so wohl haben wir uns hier gefühlt. Das ganze Team hilft einem hier bei allen möglichen Dingen, jeder Gast und Norge på langs Wanderer kann sich so nur wohlfühlen. Ein ganz großes Dankeschön an Hilde und ihren schwedischen Koch Sören für die wunderbare Zeit, wir kommen ganz sicher wieder!

Nun aber steht mit dem Børgefjell ein ganz besonderer Abschnitt auf dem Programm, denn wieder heißt es sich weglos durchs Gelände zu bewegen. Mit Verpflegung für 10 Tage und neuen Schuhen brechen wir auf und bringen die 15 Kilometer auf der Straße zum Namsvatnet rasch hinter uns. Wir haben uns entschieden, das tägliche Boot über den großen See zu nehmen. Es gibt zwar auch Routen drumherum herum, allerdings sind die lang und bedeuten wohl 2 Tage extra. Die Bootsführerin begrüßt mich wie einen alten Bekannten als sich herausstellt, dass in den letzten 2 Jahren wohl signifikant mehr Leute aus Deutschland hier auftauchen und ich daran wohl mit meinem Buch nicht ganz unschuldig zu sein scheine. Schön zu hören, schon im Limigen Gjestegård bin ich vom Koch mit den Worten begrüßt worden „You are Simon? German guests are talking about you for weeks!“ und die Verwunderung über die plötzlich so zahlreich kommenden deutschen Wanderer wird uns noch weiter begleiten, einen der Gründe scheine ich zu kennen 😉

Das wilde Børgefjell ruft

Das kleine Boot legt ab, der Bug erhebt sich aus dem Wasser und mit 225 Pferdestärken im Rücken fliegen wir beinahe über den See hin zur Viermahytta, wo sich der Anleger befindet, von dem die meisten Wanderer aus ins Børgefjell starten. In der Viermahytta treffen wir dann auch Åste und Myra wieder, die schon etwas eher aufgebrochen waren.

Zusammen mit Åste und ihrem Hund Bison machen wir uns dann auf, es ist schon 15 Uhr, aber wir wollen noch ein gutes Stück das Tal hinaufgehen, die Fylkesgrenze von Trøndelag nach Nordland ist dabei unser Ziel.

Wir kommen mit dem weglosen Gelände gut zurecht, nur ganz am Ende zieht eine Regenfront das Tal hinauf und ergießt sich über uns. Nur 150 Meter von der Fylkesgrenze entfernt schlagen wir unsere Zelte auf. Es hat sich nun richtig eingemeimelt und man kann den kleinen Bächen dabei zusehen, wie sich der Wasserstand beinahe minütlich erhöht. Wir sind froh, als der Kocher im Zelt läuft und wir es uns im Schlafsack mit einem Heißgetränk gemütlich machen können.

Der Morgen beginnt ohne Regen, aber über den Tag ist fast 40 mm Niederschlag angekündigt. Der Bach neben den Zelten ist merklich gestiegen, mal sehen, wie dann die großen Fluss-Furten werden, die heute anstehen. Wir packen die Zelte halbwegs trocken ein und brechen auf. Die Orientierung ist kinderleicht und wir kommen gut voran.

Der Store Kjukkelvatnet weist uns den Weg, an seinem Nordufer bei einer Sami-Hütte legen wir eine Pause ein und stärken uns mit einer warmen Suppe. Dann weiter hinein ins Børgefjell, wir haben uns für eine direkte Durchquerung entschieden, so sind es 40 Kilometer immer nordwärts, man kann sich eigentlich nicht verlaufen.

Bald schon steht die erste große Furt bei, Storskavlbekken an, puh, das sieht ziemlich frisch aus.

Also raus aus den Stiefeln und rein in die Crocs. Das Wasser ist eiskalte und kommt direkt von den Gletschern oberhalb, kurz bleibt mir die Luft weg, dann aber geht es rein ins Vergnügen und ich schaue gebannt zu, wie Anni, Åste und Bison sicher über den Fluss kommen. Kaum sind die Füße wieder trocken und warm, steht auch die nächste große Furt durch den Simskardelva an. Diesmal ist das Wasser nicht so tief, dafür ist der Fluss breiter. Aber auch das schaffen wir gut und laufen weiter, am Ovre Båttjønna vorbei und bis zum nächsten großen Bach.

Noch Sommer oder schon Herbst?

Bald öffnet der Himmel seine Schleusen und es regnet so richtig. Wir finden eine gute Stelle für unsere beiden Zelte und verkriechen uns im Trockenen. Allerdings ist so langsam wirklich alles feucht, gut das wir alle unsere Sachen in wasserdichten Beuteln verpackt haben. Als es draußen auch noch anfängt zu stürmen, liegen wir längst in unseren gemütlichen Schlafsäcken und träumen von trockenerem Wetter.

Der nächste Morgen begrüßt uns dann auch tatsächlich ohne Regen, nur Åste ist ziemlich gerädert, der nächtliche Sturm hat ihr komplett den Schlaf geraubt, wir dagegen haben eigentlich ziemlich gut geschlafen. So ein Zelt ist einfach stabiler als man denkt, auf das dünne Syl-Nylon Material kann man sich da schon verlassen.

Nur die viel gepriesene Tierwelt des Børgefjell haben Regen und Sturm wohl ebenso verschreckt, bis auf die Rentiere, die sich nicht verkriechen können, ist niemand zu sehen, und die Lemminge haben sich wohl alle in die Fluten gestürzt, schon lange haben wir keine mehr gesehen. Aber wenn es aus Kübeln schüttet, sind meine Gedanken auch weniger bei der possierlichen Tierwelt als in einer gemütlichen Hütte mit einem heißen Kaffee und einem bollernden Ofen.

Der letzte Tag im Børgefjell ist schnell erzählt, nach ein paar Kilometern finden wir die angepeilte ATV-Fahrspur, der wir relativ problemlos bis hinab ins Susendal folgen, wo wir um kurz nach 14 Uhr auf die Straße treffen. Somit hätten wir das Børgefjell ohne größere Probleme hinter uns gebracht, wir machen einen Haken dran und laufen nach Furuheim, wo wir schon im voraus eine Unterkunft gebucht haben.

Die Norge på langs – Herzkammer

Dieses stellt sich als riesiges Haus heraus, das wir sofort in beschlag nehmen und alles zum trocknen aufhängen.

Kurz darauf schlagen wir uns den Bauch mit Käse-Broten und Spiegeleiern voll, gegen Abend gibt es dann noch Pizza für uns, die Trine und Morten, die Besitzer von Furuheim Gård, für uns eingekauft haben. Auch diese Leute hier tun alles und helfen einem bei wirklich allem, was man braucht. Es ist schön, dass es solche Orte entlang der „NPL-Route“ gibt. Blickt man hier ins Gästebuch, liest man von vielen, vielen bekannten NPL-Gesichtern.

Über die Straße im Susendalen gelangen wir nach Harvasstua, es hat sich wieder richtig eingemeimelt, so dass wir den Tag am Danningen See beschließen, nachdem wir dort noch die Bootspassage mit der Seilkonstruktion hinter uns gebracht haben.

Der Tag nach Grannes ist echt fies, es regnet und stürmt beinahe den ganzen Tag, die Böhen schmeißen einen des öfteren fast zu Boden. In einer kleinen offenen Hütte machen wir kurz Pause und treffen dort per Zufall wieder auf Myra.

Der Abstieg nach Grannes hat über 500 Höhenmeter, die beinahe komplett ein einziger schlammiger Bach sind. Etwas entnervt beschließen wir den Tag auf dem Campingplatz in Grannes. Wir hatten schon viel von diesem Ort gehört. Mitten im Nirgendwo betreibt ein älterer Herr diesen Platz. Die letzte Renovierung liegt schon einige Jahrzehnte zurück, aber als wir eine größere Hütte mit Blick auf den See ergattern können und bald schon der Ofen bollert, ist es dann das Paradies auf Erden für uns hier.

Am nächsten Tag erreichen wir Tverelvnes, einem Gehöft nahe der Grenze zu Schweden und auch weit weg vom nächsten Ort. Aber dieser Platz ist besonders für alle Wanderer, die Norge på langs gehen.

Seit etwa 15 Jahren lädt die dort lebenden Familie Garsmark NPL-Wanderer zu Kaffee und Bollern (Brötchen) ein. Auch uns wird diese Einladung zu Teil, nachdem wir unsere Unterkunft bezogen haben sitzen wir lange im Wohnzimmer und unterhalten uns ganz wunderbar mit Elisabeth und Gundar über unsere Touren.

Auch Myra aus Holland ist dabei und auch Nici aus Deutschland, der den E1-Wanderweg von Norden aus gen Süden läuft, stößt später mit einem Kumpel der ihn derzeit begleitet dazu. Man hört das NPL-Herz hier im Wohnzimmer förmlich schlagen! Und auch die Garsmarks hatten sich schon etwas über diese Zunahme deutscher Wanderer gewundert.

Man gewöhnt sich an alles, sogar an den Regen

Das Wetter ist weiterhin ziemlich durchwachsen, Åste hat sich eine Erkältung eingefangen und bleibt noch einen Tag länger in Tverelvnes und Myra läuft heute nach Hattfelldal. So machen wir uns wieder alleine auf, und erleben heute eine großartige Fjelllandschaft, ganz so, wie sie uns am besten gefällt: Weit, rau und etwas herbstlich.

In einer alten Rentierwächter-Hütte legen wir eine kurze Pause ein, draußen gießt es mal wieder in Strömen, da kommt so ein Dach über dem Kopf gerade recht. Die Aussichten kurz darauf am Brundreinvatnet sind einfach fantastisch! Zwischen zwei Regenfronten schießen wir einige Photos und genießen einfach den Moment!

Der Abstieg zum Krutvatnet ist dann wieder von Regen und Sumpf geprägt, so dass wir echt froh sind, als der Ofen in der frei zugänglichen und kostenlosen Krutvasshytta hyggelige Wärme in der einfachen Unterkunft verbreitet.

Am Famvatnet finden wir dann bei Randi und Åke in Valen Unterschlupf, erneut trocknen wir wieder all unsere Sache, eine gewisse Routine darin ist nun nicht mehr zu leugnen. Und wer hier alles im Gästebuch steht, echt cool! Sogar Odd Vinje war hier, der mittlerweile die inoffizielle NPL-Liste im Internet führt.

Der Okstindan – das Tor zum Norden

Vom Famvatnet geht es dann zum Rossvatnet, dem zweitgrößten See in Norwegen. Langsam rückt das gewaltige Okstindan-Gebirgsmassiv in unseren Fokus, wenn es sich aber mit seinen bis zu 1900 Metern Höhe ordentlich in Regenwolken hüllt.

Immer wieder erhaschen wir Ausblicke darauf, nur um kurz darauf rein gar nichts mehr zu sehen. Der Weg ist zwischendurch ein einziger Sumpf, dann ein Dschungel. Aber Anni hat unfassbares Glück, als ihr ein schlohweißes Rentier über deswegen läuft.

Der Tag war heute nicht lang, aber anstrengend und so sind wir unedlich froh, als wir in Stekvasselv bei Kari und Håkon ankommen und das gemütliche Haus beziehen. Eigentlich jeder, der NPL läuft kehrt hier ein. Und auch hier wird einem eine Hilfe und Wertschätzung zu Teil, für die man als Wanderer einfach nur dankbar ist! Das Gästebuch überschlägt sich fast vor Dankbarkeit, und das können wir nur bestätigen!

Der Endspurt nach Umbukta steht nun an, leider hüllt sich der Okstindan weiter in Regenwolken und für den Weg wären nun eigentlich Wathose und Gummistiefel die erste Wahl.

Aber hei, auch mit normaler Regenkleidung und Wanderstiefeln ist es kein Problem die Gressvasshytte zu erreichen.

Die Hütte ist groß und von der Tür aus kann man den Gletscherabbruch des Okstinbreen sehen. Gegen Abend kommen noch zwei Frauen auf „Husmorstur“ vorbei. Sie freuen sich, dass wir die Hütte bereits aufgewärmt haben und revanchieren sich dafür mit einem Glas Rotwein für uns, perfekt!

Der Endspurt nach umbukta hat noch einmal alles zu bieten, was man sich in Norwegen nur vorstellen kann.

Der Weg ist lang, man hat einen Ausblick auf den Gletscher, läuft durch ein wunderbares Hochtal nur um dann auf den letzten Kilometern noch reichlich Höhenmeter und Sumpf zu sammeln. Da hat man sich dann den Hamburger, den Besuch beim Matbussen-Supermarkt an der schwedischen Grenze und den Ruhetag auch wirklich verdient!

In Kooperation mit Visit Norway

Gut erholt verlassen wir Toftemo und nehmen nun Røros als nächstes Etappenziel ins Visier. Die Sonne brennt schon früh am Morgen vom Himmel, als wir den Pilgerweg durchs Gudbrandsdalen unter die Füsse nehmen. Es geht direkt steil bergan und wir kommen tüchtig ins Schwitzen, dafür aber sind die Aussichten ins Tal hinab wirklich richtig klasse.

Der Pilgerweg ist gut markiert, aber wir staunen über die Zeit- und Kilometerangaben, die wirklich ziemlich defensiv gewählt worden sind und eher für ein gemächliches Wandertempo sprechen. Alsbald überschreiten wir die Baumgrenze und kommen ins Fjell, Schatten gibt es von nun an nicht mehr und auch Wasser nur noch an einem grösseren Bach. Wir treffen eine junge tschechische Pilgerin, die ebenso wie wir unter der Sonne leidet. Wir machen eine längere Pause und geniessen die Ruhe hier oben im Fjell und die Aussicht in Richtung Dovre-Fjell mit dem Snøhetta-Berg am Horizont.

Weiter geht es zum höchsten Punkt des Tages, wo ein grosser Steinhaufen den Weg markiert. Jeder Pilger soll dort wohl einen Stein von zu Hause aus ablegen, um sich von einer Last zu befreien, ein cooler Gedanke und wenn ich mir die Grösse des Haufens so ansehe, liegt ihr eine ziemlich grosse Last im Fjell.

Wir gehen weiter, es ist gut zu gehen, denn der „Gamle Kongevegen“ wurde früher auch mit Pferdegespannen begangen und ist dementsprechend breit und ausgetreten, ein wenig fühle ich mich hier der Einfachheit wegen an den schwedischen Kungsleden erinnert, aber das ist eine ganz andere Sache. Wir kommen so jedenfalls gut voran und gelangen am frühen Nachmittag nach Fokstugu, der ältesten Pilgerherberge auf dem Weg. Wir wollen dort Pause machen, und ein Kaltgetränk zu uns nehmen.

Allerdings sind wir ziemlich perplex, dass man hier nur bar bezahlen kann, schade aber auch, die eiskalte Cola bleibt im Kühlschrank und wir entschließen uns bald noch weiter bis nach Furuhaugli etwa 8 Kilometer zu gehen.

Den Platz kenne ich noch von früher und so gehen wir über den erst vor einem Jahr eröffneten Radweg entlang der E6 dorthin. Die Wärme des Tages fordert ihren Tribut, als wir auf dem Campingplatz ankommen und uns noch ganz allein im grossen Saal die letzten 15 Minuten des WM-Finales zwischen Frankreich und Kroatien ansehen.

Augen zu und durch

Der nächste Tag ist im Grunde schnell erzählt, wir machen es uns einfach und laufen weiter nach Hjerkinn über den Radweg. Alles gut zu gehen, aber wieder einmal brennt die Sonne erbarmungslos.

Wasser ist entlang des Weges kaum zu finden, die Bäche fast alle ausgetrocknet und zu allem Überfluss leidet Anni ganz besonders, ist ziemlich geschwächt, der Monatsyzklus schlägt erbarmungslos zu. Ich habe meine allergrösste Hochachtung vor allen Mädels, die damit auf Tour konfrontiert werden. Aber warum liesst man davon so wenig? Jede Frau auf einer längeren Tour hat doch dieses Problem? Nur weil man länger unterwegs ist, bleibt das doch nicht aus, oder? Naja, manche behaupten das zwar, wir aber können das nicht bestätitgen, aber vielleicht ist unsere Tour noch nicht anstrengend genug, als dass der Körper in einen Fluchtmodus oder was auch immer umschalten würde, wie wir schon mal irgendwo gelesen haben.

Wir sind dann auch recht früh in Hjerkinn, aber das ist auch echt gut so, mehr Zeit zum Ausruhen und um sich im Schatten abzukühlen. Und vor allem auch, um länger mit Andre zu quatschen.

Der hatte uns nämlich hierher eingeladen, denn er hat hier als Dauercamper einen Wohnwagen stehen und kommt in fast jeder freien Minute her. Und er hat drei Malamute-Hunde, mit denen er im Winter hier unterwegs ist. Wie cool ist das denn? Wir bauen unser Zelt auf, gehen duschen und dann entschliessen wir uns spontan, zusammen den Grill anzuwerfen. Grillgut und Bier ist schnell besorgt, wir fahren einfach mit Andres Pick-Up kurz ins 30 Kilometer entfernte Dombås – wie ich solche spontanen und unkomplizierten Aktionen liebe! Und so sitzen wir ziemlich lange zusammen, geniessen den Sonnenuntergang und die Abendstimmung bei Grillgut und Kaltgetränken, quatschen viel über Norge på langs.

Nach dem Frühstück und Kaffee bei Andre geht es weiter, wir wollen in drei bis vier Tagen in Røros sein. Der Abschied fällt schwer, am liebsten würden wir mindestens einen der Hunde mitnehmen. Vielen Dank für den coolen Abend Andre, das war echt der Knaller!

Auf alten Wegen durchs Fjell

Wir wollen heute über alte Wege weitergehen, die eigentlich nicht mehr gepflegt werden, aber noch in den Karten eingetragen sind.

Wir folgen dem Fahrweg bis Kvitdalen, werden dort aber von einer Kuhherde zu einem Umweg gezwungen. Wir müssten eigentlich ihre Weide überqueren, aber das forsche und bestimmte Auftreten der Tiere lässt uns einen Umweg einschlagen. Das aber geht gut und wir gelangen in das Tal westlich des markanten Råtåsjøhøi-Berges.

Das Tal ist der Knaller, der Weg gut zu finden und wir kommen gut voran. Gegen Nachmittag erreichen wir die Hütten am Fusse des Berges und vernehmen Donnergrollen, der Himmel verdunkelt sich allmählich und wir sehen zu, einen Zahn zuzulegen.

Wir erreichen gerade den Fahrweg zum Fundinsee, als der Himmel seine Schleusen öffnet und Thor seinen Hammer schwingt. Blitze zucken und der Donner fährt uns durch Mark und Bein! Hier so auf der offenen freien Fläche den Blitzableiter zu spielen ist nicht ganz so unser Ding und wir flitzen lieber schnell zu einer Alm, wo uns die Bäuerin obdach gewährt und wir das Gewitter aussitzen können.

Mit Blick auf den Fundin-See schlagen wir später unser Zelt auf und sind ziemlich groggy, uns schwant, dass wir uns bei der Etappenplanung eventuell etwas verhauen haben.

Mühsam ernährt sich der NPL-Wanderer

In der Nacht erhellen wieder Gewitter unser Zelt und am Morgen kommt wie aus dem nichts eine Schlechtwetterfront, die das Zelt kurz aber kräftig in die Mangel nimmt. Echt unschön, aber das Zelt ist ein gutes und übersteht alles schadlos. Nur wir sind angeschlagen. Anni noch immer aus bekannten Gründen und ich habe arge Verdauungsprobleme.

Wir schieben es aufs Wasser, wollen noch vorsichtiger sein. Dennoch ist der Tagesstart mehr als zäh und wir kommen nur mühsam vorwärts, der Körper schreit nach Ruhe, die wir ihm gerade nicht geben können. Wieder kommt ein Gewitter und wieder gewährt uns eine Bäuerin obdach, ich schlafe auf der Bank in der Stube augenblicklich für eine halbe Stunde ein. Wir quälen uns weiter, die Sinnfrage kommt uns mehr als einmal in den Sinn. Wir verlassen den Fahrweg und gelangen zur offenen Hütte am Kongsbekkelægeret.

Wir machen Pause in der Hütte und würden an liebsten hier bleiben. Wir gehen aber weiter, sonst haut unsere Planung noch weniger hin als sowieso schon.

Der Weg nun gehört zum coolsten, was ich in Norwegen bisher gesehen habe. Die grosse Weite mit grandiosen Ausblicken in die Ferne versöhnt uns etwas mit dem verkorksten Tag bisher und wir grinsen mehr als ein Mal, als wir uns so umsehen!

Wir gelangen zu einem alten Seterplatz, dort wollen wir unser Zelt aufschlagen. Zu unserer und ihrer Überraschung treffen wir dort auf ein Pärchen in unserem Alter, das gerade an einer alten Blockhütte herum werkelt. Nach kurzem Gespräch haben wir einen trockenen Platz in einer winzigen Hütte, die immer für Wanderer offen steht und von der wir nichts wussten und eine Einladung zum Abendessen in der Tasche.

Unverhofft kommt oft, und solch eine Überraschung mitten im Nirgendwo kommt besonders gut. Wir ruhen uns aus und gehen dann gegen 21 Uhr zum Essen – und das steht so manchem teuren Restaurant in nichts nach! Es gibt selbst gejagtes Rentier aus der Umgebung und es ist ein Gedicht! Und die Getränkeauswahl übersteigt unsere kühnsten Vorstellungen für diesen Abend! Auch hier können wir uns nur bei Gunnhild und Per Olav von ganzem Herzen aus bedanken!

Zu Hause weitab von zu Hause

Die Einladung zum Frühstück auszuschlagen können wir nicht übers Herz bringen, und so quatschen wir auch am Morgen noch lange, bevor wir aufbrechen und wieder einem alten, gut zu gehenden Pfad in Richtung Orkelbogen nehmen.

Nur das Schlammloch, das mich wie eine Pottsau aussehen lässt, trübt zwischendurch etwas die Stimmung.

Da man in Orkelbogen nicht übernachten oder etwas einkaufen kann, ist guter Rat teuer, denn uns geht langsam das Essen aus, wir brauchen 2 Tage länger als geplant bis Røros. Als wir an der Strasse stehen, auf deren anderer Seite wir morgen weglos übers Fjell wollen, sind wir etwas ratlos. Aber Gunnhild hat uns noch einen Telefonjoker mitgegeben. Ihre Tante May, nach der die kleine winzige Hütte von letzter Nacht benannt ist, wohnt in Tynset und würde uns ganz sicher helfen. Gesagt getan, nach zwei Anrufen und etwas Warten haben wir bei May einen Schlafplatz in Tynset und jemanden, der uns dort sehr gerne bei allem helfen möchte. Wir halten also den Daumen in die Luft und ein junges Paar nimmt uns standesgemäss in ihrem Mercedes mit nach Tynset und kurz darauf begrüsst uns Tante May überschwänglich. Aufgrund der Spontanität der ganzen Aktion verschwindet sie aber kurz darauf zu den Nachbarn, dort ist noch eine Gartenparty. Wir haben also ein ganzes Haus in Tynset bei völlig fremden Leuten für uns ganz allein, alles steht offen, wir können nehmen, was wir wollen! Was für eine irre Geschichte!

Zurück auf los über Kvikneskogen

Es wendet sich also alles zum Guten und am Tag darauf nehmen wir den Bus mit frischem Essen im Gepäck nach Kvikneskogen, um unsere Tour dort fortzusetzen, wo wir gestern aufgehört hatten. Der Busfahrer macht uns dabei einen unglaublichen Freundschaftspreis von nur 20 NOK für die Fahrt – ich glaube Norge på langs zählt in diesem Land wirklich richtig etwas.

Uns ist flau im Magen, der Wetterbericht verspricht für den Nachmittag schwere Gewitter und ergiebige Niederschläge und wir wollen weglos übers Fjell zur nächsten Alm. Ob das eine gute Idee ist? Der Aufstieg ins Fjell lässt uns jedenfalls daran zweifeln, durch dichten Birkenwald und Sumpf müssen wir uns selbst den Weg suchen. Im Fjell angelangt, besteht dies hier nur aus weichen Moospolstern und kniehohen Gewächsen, die einem beim Gehen einfach die Energie aus den Beinen ziehen.

Nun denn, wir müssen uns echt zusammenreissen, aber mit viel Geduld und mentaler Stärke schaffen wir es, nach fast 4 Stunden für 12 Kilometer kann uns das Donnergrollen über uns nicht mehr erschrecken, wir sind auf der Alm angelangt und die zuckenden Blitze über den Bergen können uns mal gern haben. Regen gibt es hier keinen und auch das Gewitter bleibt auf Abstand, vielleicht stinken wir zu sehr? Keine Ahnung!

Die Leute hier auf der Alm haben jedenfalls solch ein Wetter noch nicht erlebt, und die Bäuerin ist seit 40 Jahren jedes Jahr hier auf der Alm. Die Bauern können einem wirklich leid tun, viele werden ihr Vieh im Herbst schlachten müssen, da nicht genug Futter für den Winter auf den Feldern wächst. Der Grasschnitt ist in diesem Jahr ein Witz, das wird ziemlich hart und bitter werden.

Dann sind wir des Wahnsinns fette Beute und laufen noch über 20 Kilomter über Seterwege nach Vingelen und fallen todmüde dort ins Bett. Wir haben beide nur eine Banane und ein paar Nüsse tagsüber gegessen, mehr wollte der Körper gerade nicht haben. Erstaunlich wie weit man damit kommt, wenn es sein muss.

Almen, Almen und Røros

Die geplante weglose Route übers Fjell nach Dalsbygda klemmen wir uns, es sind weiterhin starke Gewitter und Regenfälle angekündigt. Die restlichen 50 Kilometer nach Røros gehen wir dann in weiteren zwei Tagen und machen drei Kreuze, als wir das Røros Hotell endlich erreichen.

Zwei Tage länger als gedacht hat es gedauert, der Körper hat zwischendurch ordentlich rebelliert und uns hat diese Etappe echt auf einige mentale Proben gestellt – aber wir haben es alles gemeistert!

In Kooperation mit Visit Norway

Der Abschied von Fondsbu fällt schwer, zu schön war das Treffen mit Anja und Bernd – und vom leckeren Essen hier wollen wir erst gar nicht anfangen. Ein letzter Blick zurück und dann geht es schon steil hinauf vom Gjende-See hoch zum Høystakktjernet-See.

Der Anstieg ist ganz kernig, aber gut zu gehen und das weite Hochtal belohnt uns mit wunderbaren Aussichten und einem weiten Ausblick. Ziemlich viel los hier, es ist aber auch Wochenende und wir sind in einer der beliebtesten Ecken des Nationalparks unterwegs.

Der Abstieg durch das Vestådalen hinab zum Gjende zieht sich etwas, aber wir beide kennen den Weg schon. Dafür entschädigt der Blick auf den Gjende, dessen türkises Wasser ist echt ein ganz besonderer Hingucker.

Der gefürchtete Bukkelægeret ruft

Wir machen ausgiebig Pause in Gjendebu, sind wegen dem Wetter etwas unsicher, ob wir weiter gehen sollen, es ist leichter Regen vorhergesagt und gleich steht der Bukkelægeret mit seinen 400 steilen Höhenmetern am Stück auf dem Programm.

Wir entscheiden uns fürs Weitergehen, auch wenn erste dunkle Wolken aufziehen. Erst geht es direkt am See entlang und dann mit einem Schlag steil bergan. Alter Schwede, das wird echt ne zähe Nummer!

Es wird immer steiler und dann kommen die Ketten. Oha, da ist echt der ganze Wanderer gefragt, mit dem schweren Trekking-Rucksack mitunter eine echte Herausforderung! Aber mit Geschick und Erfahrung geht es ganz gut, das Adrenalin der ausgesetzen Höhe hilft dabei natürlich auch ein wenig.

Irgendwann wird der Weg wieder zu einem Weg, es geht in steilen Serpentinen immer weiter hoch, bis man endlich den höchsten Punkt erreicht hat. Heimlich habe ich in Gjendebu eine „Gipfel-Cola“ gekauft, die ich nun aus dem Rucksack ziehe und damit Anni überrasche. Wie gut das jetzt schmeckt, genau die richtige Belohnung für einen wirklich harten Aufstieg!

Wir gehen nach einer ausgiebigen Pause noch ein Stück und schlagen dann unser Zelt auf! Was für ein Wandertag.

Das Wetter ist kurz kaputt

Heute ist es draußen eher dramatisch, die Wolken hängen tief, es ist windig und nieselt als wir uns aufmachen, den langen Bergrücken abzulaufen und nach Memurubu abzusteigen. Schon bald kommen uns die ersten Tageswanderer entgegen, sie sehen teilweise nicht besonderes begeistert aus, und wenn sie wüssten was sie beim Abstieg in diesem Wetter erwartet, dann hätten sie vielleicht auch richtige Schuhe angezogen.

Aber die Aussicht hier kurz vor dem steilen Abstieg auf den Gjende-See, den Besseggen-Grat und auf die Knutshø, die ist von hier aus wirklich fantastisch!

Der Abstieg nach Memurubu ist schnell erledigt, wir kehren kurz ein für ein Heißgetränk, aber in der Stube des Berghotels trifft uns fast der Schlag. Nichts ist zu sehen von der gemütlichen Atmosphäre der bedienten DNT-Hütten, die Fähre hat gerade eine ganze Busladung neuer Gäste gebracht, die nun abgearbeitet wird.

Wir treten wieder hinaus in das Grau um uns herum und gehen weiter. Wieder stehen einige hundert Höhenmeter auf dem Programm, wir wollen hinüber zum Russvatnet-See gehen und der Übergang ist am Anfang der gleiche Weg wie der hin zum Besseggen-Grat.

Wir kommen gut voran und verlassen dann auf dem Bergrücken den Weg zum Besseggen und steigen hinab in Richtung des Russvatnet-Sees. Der Abstieg ist nicht so lang wie der Aufstieg, der See liegt auf fast 1200 Metern. Die Wolken um uns herum hängen tief, jeden Moment scheint es anzufangen zu regnen. Wir gehen noch ein gutes Stück um den See bis kurz hinter die Sundodden-Halbinsel und schlagen dort an einem traumhaften Platz unser Zelt direkt am See auf. Es ist noch recht früh, aber umso ungemütlicher es draußen ist, desto hyggeliger ist es dann im Zelt mit einer heißen Schokolade und einem spannenden Hörbuch im muckeligen Schlafsack.

Sonne & turglede auf dem Weg zum Glittertind

Der nächste Morgen begrüßt uns mit strahlendem Sonnenschein, wie schnell sich das Wetter hier ändern kann! Unglaublich!

Wir legen mit Elan los und sind für unsere Verhältnisse früh dran beim Aufbruch. Der Aufstieg hinüber gen Glitterheim ist ziemlich schweißtreibend und die Wegführung etwas verwirrend, aber als wir dann oben die Aussicht genießen, ist das alles locker wieder wettgemacht!

Weiter geht es über den Hestlægerhøe-Pass nach Glitterheim. Die Hütte dort am Fuße des zweithöchsten Berges Norwegens, dem Glittertind, sieht man schon vom Pass aus, es dauert aber noch fast eine Stunde bis man dort ist.

Endlich angekommen stärken wir uns in Glitterheim mit einem warmen Mittagessen und einer langen Pause.

Am Nachmittag laufen wir dann über die Schotterpiste zur Hütte durch das Veodalen hinaus aus Jotunheimen. Die Hütte kann für Touristen nur zu Fuß oder per Fahrrad erreicht werden. Der Parkplatz für die Fahrräder und auch Autos liegt etwa 7 Kilometer entfernt, dort kann man sich auch Fahrräder ausleihen.

Weitere drei Kilometer vom Parkplatz entfernt schlagen wir unser Zelt mit Blick auf den Glittertind auf. Der Zeltplatz ist echt super, bis sich sämtliche sich im Tal befindlichen Kühe beginnen, sich für unser Zelt zu interessieren. Die ganze Herde steht plötzlich vor unserem Zelt und wir haben echt Mühe sie davon zu überzeugen, dass wir und unser Zelt nicht Teil ihrer Abend-Bespaßung sind.

Goodbye Jotunheimen!

Der nächste Tag beginnt zum Glück ohne Kühe, aber dafür mit super Ausblicken hinüber gen Rondane und einer langen Wanderung über die Schotterpiste bis hinab nach Randsverk. Dort betreibt Peter aus Dänemark einen Campingplatz, ich kenne ihn schon seit etwa 4 Jahren von einer Reisemesse in Stuttgart. Immer wieder habe ich ihn auf Messen getroffen, nun stand quasi der Gegenbesuch an. Am Nachmittag schlagen wir unser Zelt dort auf und entspannen uns von den zahlreichen Höhenmetern in Jotunheimen.

Über Seter-Straßen, die die Almen und Bauernhöfe verbinden geht es nach Vågåmo. Immer wieder türmen sich um uns herum die Wolken auf, aber zu regnen beginnt es erst so richtig, als wir dort ankommen und eine Hütte auf dem Campingplatz beziehen.

Eine Abkürzung? Die Abkürzung!

Der letzte Tag vor dem Ruhetag steht auf dem Programm und wir sind etwas nervös. Wir wollen heute bis nach Dovre bzw. Toftemo gelangen. Das wären auf der Straße über 40 Kilometer, aber Anni hat bei der Planung einen kleinen Pfad über die Berge dorthin entdeckt. Das heißt aber auch, dass wir erst einmal fast 700 Höhenmeter von Vågåmo hoch zum Jettjønne-See über einen Schotterweg zurücklegen müssen. Die Sache ist zwar nach weniger als zwei Stunden erledigt, aber ein wenig ins Schwitzen kommt man dabei schon.

Gerade als wir am See unsere verdiente Pause einlegen, bauen sich um uns herum mehr und mehr imposante Wolkenberge auf. Oha, vielleicht sollten wir mal zusehen, wieder weiter nach unten zu gelangen.

Wir laufen am See entlang bis zur Jettsætri-Alm, bis hierher gibt es einen Weg, von nun an aber im Grunde nur eine vage Vermutung wie es weiter geht. Wir folgen einfach der Stromleitung hinein ins enge Jettdalen und entdecken einen schmalen Trampelpfad. Genau so etwas hatten wir hier vermutet und nun ist es echt super gut hier zu gehen! Wir strahlen, was für eine coole Abkürzung über die Berge! Und sie funktioniert wirklich! Das hatten wir ja nun nicht wirklich bei jeder Abkürzung bisher!

Mit Ausblick über das Gudbrandsdalen hinüber nach Rondane machen wir eine Pause. Das hat ja mal super geklappt! Und die Wolken türmen sich weiter um uns herum, aber halt um uns herum, über uns scheint noch die Sonne! Und das ändert sich auch nicht, als wir erst auf eine Fahrspur für Quads und dann auf die ersten Häuser treffen.

Über den Radweg entlang der E6 gelangen wir dann zuerst nach Dovre, wo wir einkaufen und unser nächstes Versorgungspaket abholen. Mit einer eiskalten Cola stoßen wir auf die erfolgreiche Abkürzung an und gehen dann noch die zwei Kilometer nach Toftemo, wo wir heute unseren Ruhetag einlegen.

In Kooperation mit Visit Norway

Zwischen der Hardangervidda und Jotunheimen liegt ein wunderbares Fjellgebiet, das viel zu oft einfach unbeachtet bleibt: Skarvheimen! Die letzte Woche war quasi eine Wanderung der Ehrenkategorie und führte uns bis hinauf auf über 1700 moh über das Dach unserer Tour, um einen kleinen Bezug auf die aktuell beginnende alljährliche große Frankreich-Rundfahrt zu nehmen.

Es fällt schwer, Geilo und den entspannten Ruhetag hinter uns zu lassen, in Dr. Holms Hotel haben wir uns nur zu wohl gefühlt.

Arme & Beine werden zu einer rotierenden Scheibe

Die Erholung verblasst schon bald, als es immer weiter direkt bergan für uns geht, wir wollen über das Budalen hinauf zum Budalsvatnet-See gehen und von dort aus in das Dorf Hovet gelangen. Also stehen direkt einige Höhenmeter auf dem Programm, die wir aber flott bewältigen, auch wenn uns die schon am Morgen sehr kräftige Sonne tüchtig zusetzt.

Der Abstieg nach Hovet ist sehr steil, und wir sind froh über die längere Pause für die Knie im Dorfsupermarkt.

Dann geht es weiter, zuerst über die Straße und dann ungefähr 12 Kilometer über eine Schotterpiste bis in Sichtweite der Staumauer des Nedre Stolsvatnet-Sees. Ein langer Tag mit vielen Metern aufwärts und zahlreichen Kilometern geht dort zu Ende, wir sind ziemlich stolz auf uns! Fast, aber nur fast hätte uns ein Runners High erwischt, aber vorsichtshalber unterbrechen wir den Flow durch einige Pausen im Schatten der noch zahlreichen Birken.

Witzigerweise steht mitten im Nirgendwo ein deutsches Auto mit einem MK-Kennzeichen, meiner Heimat dem Märkischen Kreis. Sachen gibt’s! Leider war der Besitzer nicht zu sehen, wir haben uns trotzdem über das Stückchen Heimat in der Ferne gefreut. Das Zelt steht mit Aussicht auf das, was uns morgen erwartet.

Aussicht schlägt einfach alles

Der nächste Tag führt uns über den Grevskardnuten-Höhenzug hin zur Iungsdalshytta, einer vollbedienten Hütte des norwegischen Wandervereins DNT. Es sind heute nicht viele Kilometer, aber dafür geht es teilweise sehr steil den Berg hinauf. Als wir aber oben sind, müssen wir uns kneifen, die Aussicht ist schlicht und einfach der Wahnsinn!

Sich von solch einem Platz zu lösen fällt entsprechend schwer, aber die Annehmlichkeiten der Hütte locken uns dann doch.

Flott geht es hinab zum See und zur Hütte, wo wir uns ein Zimmer nehmen und die Dusche genießen, herrlich, und das in dieser wunderbaren Umgebung!

Wo ist das Zelt?

Heute gilt es, wir gehen die Etappe, auf der ich damals nunja, mein Zelt, ja ich weiß total doof, verloren habe. Also los, vielleicht kauert das kleine Ringstind ja irgendwo einsam und verloren hinter einem großen Stein, und wartet nur darauf, gefunden zu werden.

Wir sind also wachsam, als wir uns Meter um Meter schrauben. Der Schweiß fließt mal wieder in Strömen, die zahlreichen Salzränder auf unseren T-Shirts können das nur bezeugen.

Der Routenplaner vom DNT hat sich einiges einfallen lassen, der Weg führt nicht nur hoch, sondern zwischendurch auch mal gerne wieder viele Höhenmeter hinab, dann wieder über steile Anstiege hoch hinauf, über Schneefelder und auch lange Blockwerkpassagen finden sich. Dennoch kommen wir flott voran und genießen bald die Aussicht vom höchsten Punkt unserer NPL- Tour auf 1700 moh – und das alles bei bestem Wetter.

Nur mein Ringstind haben wir nicht gefunden, als wir auf der Bjørdalsbu-Hütte ankommen und mit Ananas und Pfirsich aus der Dose anstoßen.

Der Sonnenuntergang zeigt uns dann noch mal kurz, warum es uns immer wieder so sehr in diese Abgeschiedenheit weit weg vom Alltag zieht.

Ein kurzer Hüttenurlaub

Der Abstieg nach Breistølen am Tag darauf gelingt rasch, langsam aber sicher droht uns nur die Sonnencreme auszugehen, Luxusprobleme! Nur leider sehen wir in ganz Skarvheimen keine Rentiere, der ganze Bestand wurde hier im letzten Winter geschossen, da sich eine rätselhafte Krankheit unter den Tieren ausgebreitet hatte, von der keiner so recht weiß, woher sie kommt und wie die Tiere sich infiziert haben. Nun ist das betroffene Gebiet frei von Rentieren und eingezäunt, keiner kann sagen, wann erneut wilde Rentiere hier angesiedelt werden.

Nach knapp 4 Stunden Abstieg kehren wir in Breistølen ein und lassen uns Waffeln mit selbstgemachter Marmelade schmecken. Hier in der privaten Unterkunft hat man mich damals nach dem Zeltverlust getröstet, mich wieder aufgebaut und mir so sehr geholfen, ich komme nur zu gerne zurück und sage erneut Danke! Witzigerweise war die ehemalige Nachbarin der Betreibern hier bei einem meiner Vorträge in Dortmund, sie haben hinterher miteinander telefoniert, so klein ist mal wieder die Norwegen-Welt!

Wir quartieren uns dann nur einen Steinwurf entfernt in der neuen Breistølbu-Hütte des DNT ein. Hier gibt es neben Duschen auch Strom, dazu einen fantastischen Sonnenuntergang gratis dazu, was will man mehr?

Es geht immer noch weiter und höher

Als hätten wir die letzten Tage nicht schon genug geschwitzt, erwandern wir uns heute eine der bisher schönsten, aber auch anstrengendsten Etappen hin zur Sulebu-Hütte. Wieder stehen viele, viele Höhenmeter auf und ab in der Bilanz am Ende des Tages. Es ist zwischendurch sau anstrengend, immer wenn man denkt, dass das nun doch endlich der Wegweiser am höchsten Punkt der Etappe ist, geht es ganz sicher noch höher. Ganz sicher! Aber hei, die Aussicht auf die zackigen Berge des Hurrungane-Massivs ist gewaltig!

Es wäre heute super Wetter zum Zelten, aber wir ziehen dann doch lieber die schattige Hütte vor. Es ist total verrückt, wenn man erzählt, dass einem ein paar Wolken am Himmel und ein paar Grad weniger auf dem Thermometer gefallen würden, insbesondere in Norwegen, aber es ist tatsächlich so. Überall ist Sonnencreme ausverkauft, die Seen weit unter dem normalen Niveau und die Waldbrandgefahr nach wie vor extrem hoch.

Der Ruhetag ruft

Die höchsten Berge des Landes immer vor Augen, geht es dann innerhalb von zwei Tagen über Tyinkrysset nach Fondsbu.

Ein paar Wolken sorgen auf dem Weg dorthin tatsächlich für eine kurze Sonnencreme-Pause, wir genießen die Kühle auf der Haut und schlagen unser Zelt direkt an der Hütte auf.

Und dann, nach der formidablen Dusche schlagen wir zu, wir ordern uns jeder den Fondsburger – und der schmeckt einfach nur super gut! Alles hausgemacht und das Fleisch vom Erzeuger direkt aus der Nachbarschaft, wie lecker das ist!

Die große Überraschung kommt aber erst noch, denn pünktlich zum Abendessen bekommen wir unerwarteten Besuch. Bernd und seine Frau Anja waren unterwegs auf Tour am Lysefjord, das Wetter spielte mit, so dass sie die übrige Zeit für einen Abstecher zu uns genutzt haben. Die Freude ist auf beiden Seiten groß, wir schreiben uns schon länger E-Mails und trafen uns beim Fernwandern- Camp im letzten Jahr das erste Mal richtig. Bernd ist sogar schon mal mit einem alten AWO-Motorrad von der Lausitz aus zum Nordkap und zurück gefahren! Und nun treffen wir uns hier, wieder schließt sich ein Kreis, wir haben uns viel zu erzählen.

In Kooperation mit Visit Norway

Unser Ruhetag im Gaustablikk Hotel war richtig schön entspannt und ruhig – ein richtiger Ruhetag aus dem Bilderbuch. Wir machen nur einen kleinen Ausflug in die nahe Umgebung und geniessen die Aussicht über Rjukan und den Gaustatoppen. Wir waschen unsere Klamotten und sortieren die Lebensmittel aus unserem Versorgungspaket, alles ganz entspannt.

Die Weite wollen wir uns erarbeiten

Am Samstag Morgen bringt uns dann ein Mitarbeiter des Hotels hinab nach Rjukan und direkt bis zur Krossobahn. Diese älteste Seilbahn Nordeuropas bringt einen normalerweise innerhalb von 5 Minuten die 500 Höhenmeter hinauf zur Bergstation. Wir aber wollen laufen, empfinden es nicht richtig, hier die Bahn zu nehmen, wir wollen versuchen, so weit es geht alles zu Fuß zurückzulegen. Ansonsten bräuchte man sich ja nicht mit dicken Blasen an den Füssen die Straße hinab quälen, um dann jetzt hier den einfachen Weg zu wählen.

Also los, hoch da, wir schultern unsere Rucksäcke und sind gut 100 Minuten später oben und geniessen bei einer erfrischenden eiskalten Cola die wohlverdiente Aussicht über Rjukan!

Die Sonne strahlt mit uns um die Wette, als wir kurz darauf endlich im Fjell stehen! Richtiges, weites, offenes Fjell! Wie sehr haben wir uns darauf gefreut und so hallen einige Freudenschreie über die Flechten, Moose und Steine um uns herum!

Wir folgen den roten Markierungen des DNT, wollen heute zumindest noch bis zur Helberghytta kommen und dort entscheiden, ob es für uns noch weiter geht oder nicht. Den Gaustatoppen immer im Rücken kommen wir gut voran, das gute Wetter und die weite Vidda verleihen uns Flügel. An der Hütte angelangt werde ich direkt von zwei Norwegerinnen auf meinen BVB-Aufnäher angesprochen, sie waren selbst im Stadion, als der Ballspielverein Borussia aus Dortmund vor ein paar Jahren bei Odds BK in Norwegen spielte. Fussball verbindet halt und man hat immer etwas zu quatschen 😉

Das Wetter ist gut, sodass wir noch etwas weiter gehen und unser Zelt mit einen wunderbaren Blick auf den Sudtjønn See aufschlagen. So haben wir uns das vorgestellt!

Wie hat eigentlich Deutschland gegen Schweden gespielt?

Am folgenden Tag wollen wir bis Kalhovd kommen, einer Hütte mit vollem Service, die schon offen hat. Der Weg dorthin bietet großartige Aussichten und gegen Nachmittag etwas Nieselregen. Macht uns aber überhapt nichts aus, eine kleine Abkühlung kommt uns bei der vielen Sonne gerade recht.

Da heute dann doch einige Höhenmeter zusammengekommen sind und das Wetter in der Nacht eher unbeständig sein soll, entscheiden wir uns, in Kalhovd zu übernachten und bekommen spät am Abend eine super Aussicht geboten.

Fernsicht, Weitblicke und Aussichten

Tag drei in der Hardangervidda führt uns weiter gen Norden, es gilt zwei Höhenzüge entlang des Mår-Sees zu überwinden. Da wir mitunter hoch über dem See unterwegs sind, ergeben sich immer wieder fantastische Aussichten, eine echte Genussetappe mit Fernsicht und bestem Wetter.

Am Nachmittag machen wir eine Pause mit Blick auf den Hardangerjøkulen in der Ferne. Wir wandern quasi immer weiter auf der Achse zwischen dem Gletscher und der Landmarke des Gaustatoppens im Rücken.

Der Weg nach Mårbu zieht sich gegen Ende ein wenig, wir wollen aber nicht klagen, denn die Bedingungen zum Wandern könnten kaum besser sein. Man sollte nur daran denken, bei den Temperaturen ausreichend zu trinken und sich gut mit Sonnenschutz einzucremen, der stete leichte Wind sorgt sonst für Überraschungen in Form eines deftigen Sonnenbrandes. Unsere T-Shirt Streifen sind schon sehr beachtlich, der Kontrast zwischen bedeckter und unbedeckter Haut echt krass! Das wird uns wohl noch lange über die Tour hinaus ein Andenken bleiben.

In Mårbu machen wir eine lange Pause und holen uns ein Kaltgetränk, die Hütte hat zwar noch nicht offiziell offen, aber die Betreiber sind schon hier und bieten eine Woche für Familien an, sodass hier unzählige Kinder umherflitzen.

Wir geniessen es, einmal im Schatten zu sitzen und gehen nach einer guten Stunde weiter zum nördlichen Ende des Sees, wo wir mit einem fantastischen Ausblick unser Zelt aufschlagen. Nur die Mücken nerven gewaltig, als der Wind nachlässt. Also ab ins Zelt, Tagebuch schreiben, essen, kochen und lesen – gute Nacht!

Ein Traum und mehr als wir erwartet haben

Am nächsten Morgen brechen wir auf in das Herz der Hardangervidda, die DNT-Hütte Rauhelleren dient uns heute als grobes Tagesziel.

Es geht von unserem Zeltplatz aus eine Weile sanft bergan, die Glöckchen der Schafe sind der Soundtrack zu unserer Wanderung hier. Immer wieder untermalt vom Ruf der Wildnis: Den Rufen des allgegenwärtigen Goldregenpfeifers, einem kleinen Vogel, den man hier immer und überall laut rufend antrifft.

Kurz bevor wir eine staubige Schotterpiste erreichen, bekommen wir mit Blick in die Ferne eine Gänsehaut: Der Hardangerjøkulen liegt in seiner ganzen Pracht vor uns, die Eiskappe ist hervorragend zu erkennen. WOW! Einfach nur WOW!

Wir entscheiden uns, auf einen Aussichtsberg zu steigen, den 1380 Meter hohen Krossvasshovda. Und wir bereuen die Mühen nicht, ganz im Gegenteil! Keine Wolke zeigt sich am Himmel und wir können einen Grossteil der Vidda überblicken. Vom gut erkennbaren Hårteigen-Berg im Westen, über den Gletscher nördlich vor uns und bis hin zum Hallingskarvet, wo unser Ziel für die Woche liegt, das Örtchen Geilo an der berühmten Bergensbahn.

Wir können uns kaum sattsehen, würden am liebsten unser Zelt direkt hier oben aufschlagen. Wir sind einfach nur dankbar und glücklich, so ein großes Wetterglück hier zu haben!

Die Sonne grillt uns weiter, als wir total beseelt vom Berg hinab steigen und dem Wanderweg folgen. Kurz darauf überqueren wir die beeindruckende Brücke am Festningstjønne und schiessen dabei viele Bilder.

Ein letzter Anstieg noch für heute, der seinen Tribut in Form einer langen Pause mit Blick auf den Langesjøen-See und die Rauhelleren-Hütte fordert.

Wir entschließen uns, nicht zur Hütte zu gehen, uns die 3 Kilomter extra hin und zurück zu unserer geplanten Route zu sparen. Dafür finden wir einen Lagerplatz mit Aussicht, mal wieder könnte man sagen, man wird aber nie satt werden, bei solchen Ausblicken aus dem Zelt. Nie! Wir sehen den Forellen beim Springen zu, als wir nach diesem in allen Belangen großartigen Tag unser wohlverdientes Abendessen zubereiten.

In Amundsens Fußspur

Heute wollen wir soweit wie möglich kommen, am besten bis kurz vor Geilo, denn der nächste Ruhetag lockt. Wir kommen auch super voran, Meter um Meter, Kilometer um Kilometer nähern wir uns zuerst der Heinseter, wo wir eine ausgedehnte Mittagspause einlegen.

Dann geht es weiter in Richtung Tuva, einer beliebten Ausflugshütte, bei der sich im Winter zahlreiche Loipen treffen.

Auf dem Weg dorthin kommen wir mit einem Norweger ins Gespräch, und als wir nach seinem Startpunkt fragen sagt er wie aus der Pistole geschossen: Lindesnes!

Wir grinsen und entgegnen auch: Lindesnes! Wie cool ist das denn?!? Jonas heißt mit Nachnamen Amundsen, ist ein paar Tage nach uns gestartet und hat eine etwas andere Route genommen. Und nun treffen wir uns hier und laufen gemeinsam nach Tuva, wo wir lange über alles mögliche quatschen.

Er will wie wir in Geilo einen Ruhetag einlegen, perfekt, wir verabreden uns lose, um uns dann gemeinsam bei Peppes Pizza durchs Buffet zu fräsen. Jonas ist noch etwas unsicher, wie weit er heute noch gehen will, wir brechen aber schon mal auf und gehen noch etwa eine Stunde lang bis kurz vor den Abstieg nach Ustaoset. Wir finden eine Campstelle, die wohl weithin ihres gleichen sucht und bekommen uns beim Sonnenuntergang kaum ein! Warum wir diese Tour machen, wird genau in diesen Moment auf die schönste Art und Weise beantwortet, und es braucht dazu wohl kaum große Erklärungen!

Nach einem kurzen nächsten Tag sind wir zeitig in Geilo und gehen direkt so müffelnd und ungewaschen wie wir sind zum Pizza Buffet. Die Leute gucken nicht schlecht, als wir dort zuschlagen und lange sitzen. Irgendwann gesellt sich Jonas zu uns, ein cooler Abschluss einer noch cooleren Woche in den Weiten der Hardangervidda!

In Kooperation mit Visit Norway

Spätestens seit dem Video, bei den Aleksander Gamme auf dem Rückweg vom Südpol völlig überraschend eine Tüte Cheese Doodles in seinem Depot entdeckt und völlig ausflippt, standen diese Knabberwaren ganz oben auf unserer Test-Liste. Und was sollen wir sagen, wir können seine Euphorie wirklich nachvollziehen. Hier also unser Test: OLW – Cheese Doodles Orginal

Gierfaktor: sehr hoch
Crunchyness: hoch
Geschmackintensität: krass
Mouthfeeling: medium

Schnellessbarkeit: gut

Löffeltauglichkeit: gegeben

Besonderheiten: Mit echtem milden Käse, seit 1968 hergestellt, trockenes Gefühl im Mund bei schnellem und gierigem Verspeisen

Leistungsdaten (pro 100 g)
Energie: 524 kcal

Fett: 31 g

Kohlenhydrate: 51 g

Proteine: 10 g

Salz: 2,1 g

Packungsgröße: 120 g

Fazit: Geil! Voll auf die Omme und mit großem Suchtpotential! Man kann einfach nicht aufhören und will, dass die Tüte niemals leer wird. Im Grunde wie Flips nur viel geiler. Der Käsegeschmack trifft voll unseren Geschmack und geht einfach immer. Die Cheese Doodles sind bisher unser absoluter Favorit und wirklich schwer zu schlagen!

Der Abschied von Dalen und vom hyggeligen Hotel hier fällt uns schwer, zu wohl haben wir uns hier gefühlt. Ein letzter Blick zurück und wir folgen der Straße nach Åmot.

Eine Überführungsetappe, wie es in Radsport so schön heißt, von Dalen nach Rjukan immer auf der Straße, steht in den nächsten Tagen an. Für die rund 85 Kilometer wollen wir uns vier Tage Zeit nehmen und uns und unsere Füße nicht über Gebühr strapazieren.

Der Aufstieg aus dem Tal ist gut zu gehen, auch wenn es zwischendurch anfängt zu nieseln. Wir lassen es gemächlich angehen und machen immer wieder kurze Pausen, um uns an den kleinen schmackhaften Walderdbeeren am Straßenrand gütlich zu tun.

In Åmot nehmen wir uns auf dem Groven Camping eine Hütte, geht bis hierher ganz gut.

Die Berge immer vor Augen

Die nächsten beiden Tage führen uns dann immer näher heran an die Berge der Hardangervidda, die sich mehr und mehr am Horizont zeigen.

Nach einer längeren Pause in der Kaffeeecke des Supermarktes in Rauland gehen wir noch bis Vierli, einem Wintersport Örtchen auf fast 1000 Metern Höhe über dem Meer. Der Wind frischt deutlich auf und wir schlagen unser Nachtlager im Schutz einer Hütte auf. Die Knott hat der Wind davon getragen, was für eine Wohltat!

Auch die Fernwander-Realität kann Spaß machen

Weiter geht es am nächsten Tag Richtung Rjukan, es nieselt immer wieder und es ist zwischendurch echt usselig, wir machen Pause unter einem Müllcontainer am Straßenrand, so sehen Fernwander-Träume aus!

In Skinnarbu legen wir eine längere Pause ein, denn hier befindet sich ein Zentrum, das sich mit der Hardangervidda beschäftigt. Die Aussicht über den Møsvatn ist spektakulär und die Waffeln eine Wucht!

Wir sehen uns hier ein wenig um und schauen uns ein Video über den Nationalpark an, den wir vom Samstag an durchqueren wollen.

Ein paar Kilometer nach der langen Pause schlagen wir unser Zelt auf einer Alm an der Straße auf, die im Sommer hier Ziegenkäse herstellt und diesen auch direkt verkauft. Die zwei Mitarbeiterinnen kommen aus Holland und sind erst seit zwei Tagen mit den ganzen Ziegen hier, die zudem von einem sehr aufmerksamen Hütehund bewacht werden.

Wir verabschieden uns früh ins Zelt und ruhen uns aus. Die Taktik, die Dinge entspannt anzugehen, zahlt sich wirklich aus. Insbesondere die Füße wissen das sehr zu schätzen und es bilden sich keine neuen Blasen mehr. In der Ruhe liegt scheinbar die Kraft!

Kultur und Geschichte mit Blick auf den Gaustatoppen

Der nächste Morgen begrüßt uns mit einem wunderbaren Ausblick auf den Gaustatoppen, den mit 1883 Metern höchsten Berg Südnorwegens.

Es ist nicht mehr weit bis Rjukan und auf halbem Weg passieren wir zuerst die älteste DNT-Hütte, die Krokan Hütte und dann machen wir einen Zwischenstopp am Vemork Kraftwerk, das insbesondere im zweiten Weltkrieg ein ganz besonderer Ort war, Stichwort „Schweres Wasser“ für die Entwicklung der Atombombe.

Norweger und Briten gaben alles, um die Fabrik für das schwere Wasser zu zerstören. Die Saboteure der Aktion Gunnerside sind nationale Helden und Legenden, und zahlreiche Menschen gaben ihr Leben, um zu verhindern, dass die Deutschen das schwere Wasser tatsächlich nutzen konnten.

Eine Stunde später laufen wir in Rjukan ein und sind beinahe am Ziel. Wir kaufen kurz ein und sehen uns ein wenig um, dann werden wir von Gro abgeholt. Sie arbeitet für das Gaustablikk Hotel, das uns eingeladen hat, einen Ruhetag mit Blick auf den Gaustatoppen vom Bett des Zimmers aus zu verbringen.

Nach kurzer Fahrt beziehen wir ein großzügiges Zimmer, in dem auch schon unser Versorgungspaket und neue Schuhe für mich warten. Die alten haben es echt hinter sich, die Sohle ist fast komplett runtergelaufen.

Bevor wir dann nach dem Abendessen ins Bett gehen, zeigt sich der Gaustatoppen noch am längsten Tag des Jahres in einer zauberhaften Abendstimmung, mehr geht kaum! Bei diesem Anblick steigt die Vorfreude auf die Hardangervidda ab Samstag sehr!

In Kooperation mit Visit Norway

Nach den (Un-)ruhetagen in Evje sind wir etwas skeptisch, als wir den Campingplatz verlassen, um in Richtung Vegusdal weiterzulaufen. Ich bin von Montezumas Rache immer noch ziemlich geschlaucht und die Blasen an Annis Füssen sind zwar besser geworden, aber noch nicht völlig abgeheilt. Wir aber wollen weiter, endlich die Strassenkilometer hinter uns bringen, um ab Dølemo die ersten Wanderwege des DNT zu nutzen.

Unterwegs nach Vegusdal stellen sich wieder einmal die Knott als grösste Plage heraus. Diese winzigen Kriebelmücken sind echt die Pest, weht kein Wind kommen sie zu tausenden und fallen über einen her. Die Stiche jucken tierisch und im Nu hat man davon hunderte, echt ätzend. Anni hat die Tage über 180 Stiche an sich gezählt, bei mir werden es weit mehr sein, mich haben die Mücken einfach ganz besonders gern. Es gibt scheinbar kein dauerhaft wirksames Mittel dagegen, nur Wind schafft Abhilfe. Das erklärt auch, warum die Norweger auf ihrem Campingplätzen wenn sie Dauercamper sind, Ventilatoren auf der Terrasse stehen haben. Doof nur, wenn man zu Fuss unterwegs ist, dann ist so ein Ventilator halt ein wenig unpraktisch.

Wir fliegen also quasi die Straße entlang nach Vegusdal, immer auf der Flucht vor den Knott und zudem wollen wir so viele Kilometer wie möglich schaffen, bis die Füße anfangen zu schmerzen.

Der Südpol liegt in Südnorwegen

Klappt ganz gut und wir erreichen den kleinen Ort Vegsudal mitten im Nirgendwo Südnorwegens. Warum wir hier übernachten wollen? Nun, vor zwei Jahren beim Camp Ousland durfte ich Astrid Furholt kennenlernen. Sie hatte sich damals vorgenommen, als erste Frau in Amundsens Fussspur zum Südpol zu gehen. Mit einer großartigen Crowdfunding-Kampagne hat sie das nun in diesem Jahr wirklich geschafft und ist tatsächlich zum Südpol gelaufen. Wir saßen damals auf der Fähre zurück nach Bodø nebeneinander und freundeten uns an. Neben uns saß ein deutsches Pärchen, das ausgerechnet mein Buch in der Außentasche seines Rucksacks dabei hatte und ständig zu uns herüber sah. Ich klärte Astrid auf und wir sprachen mit dem Paar, das war echt ne witzige Geschichte. Und im Verlauf unseres Gespräches kam dann heraus, dass Astrid ursprünglich aus Vegusdal stammt, wo ich schon einmal auf meiner Tour 2013 übernachtet hatte. Lange Rede, als ich ihr im Vorfeld unserer Tour erzählte, dass wir erneut durch Vegusdal laufen würden, versprach sie uns eine Überraschung. Und so kam es dann auch, als wir dort waren, wurden wir zu ihrem Bruder und seiner Familie eingeladen, die ganz in der Nähe wohnen. Wir bekommen ein leckeres Abendessen und ein weiches Bett für die Nacht.

Und ganz obendrein auch noch einen weiteren Einblick in das Alltagsleben der Leute hier, die nicht in Oslo, Bergen oder Stavanger leben und somit mit ganz anderen Dingen zu kämpfen haben. Spannend zu sehen, Norwegen hat so viel mehr zu bieten als das, was im Fernsehen und in den Medien so oft einfach überrepräsentiert ist. Tusen takk an die Furholt Familie für den wunderbaren Aufenthalt auf ihrem Hof!

Der nächste Tag geht ganz gut los, die letzten Kilometer auf der Strasse für eine ganze Weile stehen an. Aber bald darauf brechen bei Anni die Blasen an den Füssen wieder auf, der Weg nach Dølemo wird eine einzige mentale Bewährungsprobe für sie. Wir haben mehr als einmal die Gelegenheit, einfach ein Auto anzuhalten und einzusteigen, aber sie zieht es durch, besiegt die Schmerzen. Ich habe noch nie jemanden so kämpfen und durchhalten gesehen, ich habe den allergrössten Respekt davor und kann nur meinen Hut ziehen. Der Wille schlägt einfach alles, wenn man nur fest genug in ihm ist!


Wille, Durchhaltevermögen und Kaffee versus Blasen an den Füssen

Nichts desto trotz legen wir in Dølemo einen Ruhetag ein. Hier gibt es einen kleinen einfachen Campingplatz und nebenan einen Dorfladen, der von den deutschen Auswanderern der Familie Plozicki geführt wird, die hier schon lange wohnen und sich richtig etwas aufgebaut haben. Der Laden ist das Zentrum des Dorfes, das bekommen wir schnell mit, als wir beinahe den gesamten Ruhetag in der Kaffeeecke dort verbringen.

Wir kommen mit vielen Leuten ins Gespräch und erfahren auch hier viel über das Leben auf dem Land und den Alltag der Leute. Nicht alles hier ist super gut, und Milch und Honig fliessen hier auch ganz sicher nicht in Strömen, aber irgendwie scheint es hier den Leuten ganz gut zu gehen, das Arbeitsleben ist wohl um einiges entspannter und gerade in den einfacheren Berufen das Gehalt im Vergleich zu Deutschland deutlich höher, so dass man hier eine Familie gut ernähren kann. Erst als der Laden wieder schliesst, gehen wir zum Zelt und harren darin aus, die Knott sind es auch hier, die den Spass am Draussensein deutlich einschränken.


Goodbye asphalt! Hello swamp!

Und dann geht es endlich los, das erste ”T” des DNT wartet auf uns, wir verlassen endlich die Strasse.

Dank der großen Hitze der letzten Wochen ist die ansonsten für ihre Feuchtigkeit berühmte und vor allem auch berüchtigte Setesdals Austhei unglaublich trocken. Selbst die Sumpfflächen sind fast ganz trocken, wir kommen gut voran. Aber auch hier nerven die Knott und vor allem auch die Bremsen, da hilft nur sich für die Pausen ein luftiges Plätzchen zu suchen. Auch das Wasser zum trinken zu finden ist echt schwer, da eigentlich sämtliche! Bäche trocken gefallen sind und man nur aus den größeren Seen Wasser entnehmen kann.

Es klappt ganz gut, doch wir bleiben vorsichtig, so einen Keim wie in Evje braucht hier kein Mensch.

Die Austhei wird aber ganz sicher nicht unser Lieblingsgebiet werden. Es ist zwar schön, die DNT-Hütten endlich nutzen zu können und weg von der Strasse zu sein, aber selten haben wir uns so verloren gefühlt wie hier. Viele Ecken sehen gleich aus, ohne Wegmarkierung, Karte und GPS wäre man hier oft hilflos aufgeschmissen.

Tausende kleine Seen, Moorflächen und lichte Wälder machen es zu einer gefühlten Wildnis, weitab von jeglicher Zivilisation.

Ein gewisser Lars Monsen wird sich hier ganz sicher sehr wohl fühlen, wir aber sind froh um jeden kleinen Ausblick von den wenigen Anhöhen, die dann aber teils wirklich spektakulär sind.

Teilweise ist es schon eine ganz schöne Schinderei, hier unterwegs zu sein. Die tausenden kleinen An- und Abstiege hier sind auf keiner Karte verzeichnet, bewegen sich immer schön versteckt zwischen den Höhenlinien.


In der Austhei werden NPLer geformt

Wir halten zwar immer die angegebenen Wanderstunden ein, aber bolzen dabei ganz ordentlich Kondition, die Muskeln wachsen, der Ballast schwindet langsam.

Der erste Weg auf den Hütten führt uns immer ins Essenslager und wir verschlingen genüsslich jeder eine Dose Ananas oder Pfirsiche.

Es ist irgendwie wie im NPL-Trainingslager, man schindet sich um die nötige Kondition und Durchhaltefähigkeit für den weiteren Verlauf der Tour zu bekommen.

Das immerhin klappt ganz gut und zwischendurch kühlt uns der eine oder andere Regenschauer auch endlich mal ab. Ohne Regenklamotten laufen wir dann teilweise einfach weiter, geniessen die kühle Nässe auf der Haut, die dann den Schweiss wegspült, einfach herrlich nach der ganzen Hitze!

Einen Elch bekommen wir auch zu sehen, wir scheuchen ihn beim Aufstieg kurz hinter Skarsvassbu auf, mit uns hat er dort wohl nicht gerechnet.

Hyttekos und Ananas

Die Abgeschiedenheit der Hütten hier gefällt uns gut, sie sind durch die Bank sehr gemütlich und liegen teils an wunderschönen Plätzen. Die Nutevasshytta hat es uns dabei ganz besonders angetan. Der Blick über den See ist einfach wunderbar entspannend und überall wuseln Schafe mit ihren Lämmern umher, ihre Glöckchen bilden den relaxten Soundtrack zu diesem Ort weitab der Hektik des Alltags.

Kurz vor der Torsdalsbu-Huette haben wir Handyempfang und checken das Wetter. Für den nächsten Tag ist Regen vorhergesagt, wir entscheiden uns über die Schotterstrasse an der Hütte den Weg aus den Bergen zu nehmen, um über die Strasse nach Dalen zu laufen.

Gesagt getan, wir bringen die Strasse hinter uns, haben unglaubliches Tramper-Glück, als wir am Ende des ersten Tages auf den Fylkesvei 355 treffen und innerhalb von einer Stunde zwei Mal auf Anhieb mitgenommen werden, um erst zum Einkaufen und dann zum Camping nach Fossumsand zu trampen.

Dort nehmen wir uns eine kleine Hütte, draußen regnet es in einer Tour, eine gute Entscheidung. Am Abend spreche ich lange mit Dierk, dem deutschen Betreiber des Campingplatzes, der hier mit seiner Frau Brigitte schon lange wohnt und die den Platz gemeinsam mit viel Liebe aufgebaut haben. Sie wollen in naher Zukunft erheblich kürzer treten, und den Platz gerne an jemanden in welcher Form auch immer weitergeben. Also, wer Interesse hat, meldet euch dort!

Am nächsten Tag bringen sie uns zurück zum Ende des Vortages und wir machen gemütlich unsere Kilometer bis hinter Åmdals Verk, wo wir neben der Strasse unser Zelt aufschlagen und panisch von der Knott-Armee getrieben in selbiges flüchten. Selbst kochen ist schwer, man darf das Innenzelt wirklich keinen Spalt weit offen lassen, sonst ist man des Wahnsinns fette Beute, die Winzlinge nerven langsam wirklich.

Und nun sitzen wir im Dalen Hotel, der Kontrast zu diesem fürchterlichen Zeltplatz könnte kaum größer sein. Die Wäsche ist gewaschen, die ganz persönlichen Akkus laden langsam aber stetig. Wer sich hier im Hotel nicht wohl fühlt, dem ist echt nicht zu helfen.

Es geht so herrlich ruhig und gediegen zu, ganz wie in der guten alten Zeit. Es gibt hier keine Fernseher und so weiter, nur ganz viel Zeit zum entspannen! Und das machen wir hier nur allzu gerne! Und da Anni gestern auch noch Geburtstag hatte, Timing ist alles, gab es nach dem Abendessen noch eine kleine Überraschung für sie vom Hotel.

Gratulerer med dagen! Hipphipphurra!

Kennt ihr diesen Moment, wenn ihr nach einer Tour im Hotel ankommt, eure ganzen stinkenden Sachen, von den Schuhen bis zu Zelt, wild verteilt im Zimmer liegen, und dann das Housekeeping bei euch aufräumt und sogar noch für solch tolle Überraschungen sorgt? Man möchte im ersten Moment im Boden versinken und lacht dann laut los, denn wie groß kann der Kontrast im wirklichen Leben bloß sein? Kaum größer wohl als in solchen Momenten! In diesem Sinne, ich trinke mal weiter Kaffee, wir entspannen weiter maximal und später gucken wir vielleicht sogar noch das Deutschlandspiel, wer weiß, aber Timing ist wirklich alles! Habt alle einen entspannten Sonntag, so wie wir hier im wunderschönen Dalen Hotel!

In Kooperation mit Visit Norway

Die WM steht an und macht auch vor Norwegen keinen Halt. Und so gibt es hier auch verschiedene WM-Editionen von Chips, die wir natürlich auch testen werden. So lachten uns auch diese Chips an, die hier mit ihrem schwedischen Design einen eher schweren Stand haben. Wir nehmen darauf aber keine Rücksicht und geben ihnen eine Chance!

Weiter geht’s also mit der WM-Edition: Sørlands Chips Dill & Gresløk

Gierfaktor: mittel
Crunchyness: sehr hoch
Geschmackintensität: medium
Mouthfeeling: gut

Schnellessbarkeit: befriedigend

Löffeltauglichkeit: gegeben

Besonderheiten: WM-Edition, Kartoffeln mit Schale frittiert, relativ stabil geschnittene Scheiben, gut zu transportieren im Rucksack

Leistungsdaten (pro 100 g)
Energie: 458 kcal

Fett: 24 g

Kohlenhydrate: 51 g

Proteine: 7,7 g

Salz: 1,6 g

Packungsgröße: 200 g

Fazit: In der WM-Edition schmecken uns diese Chips von Sørlands echt gut. Beim Geschmack geht es nicht so direkt auf die Zwölf, eher dezent geht es hier zu, was dem Geschmack aber sehr zu Gute kommt. Wir sind positiv überrascht und würden hier immer wieder zugteifen. Egal welche Sorte von Sørlands, man wird irgendwie nie enttäuscht, die perfekte Wahl für alle Schweden-Fans und die, die es noch werden wollen!

Puh, wo fange ich an? Die erste Woche liegt nun fast hinter uns und wir haben schon so viel erlebt. Fangen wir am besten von vorne an. Die Anreise zum Kap Lindesnes verläuft entspannt und ruhig, nur die Hitze, die wir beim Umstieg in Mandal erfahren ist schon krass. Wir essen direkt am Wasser einen Salat und bald darauf fährt auch schon der Bus nach Lindesnes ab. Die Fahrt dauert rund eine Stunde und die Aufregung steigt, morgen geht es endlich los! Der Busfahrer wünscht uns fröhlich eine gute Reise als wir aussteigen, vermutlich bringt er öfters so verrückte Leute wie uns hierher.

Die Ankunft am Start

Wir melden uns im Museum an und werden direkt weiter an den Leuchtturm-Wärter verwiesen, der uns kurz darauf unsere Unterkunft direkt bei ihm im Haus zeigt. Wie cool ist das denn? Wir nächtigen also in der Kammer unter dem Dach nur 50 Meter vom Leuchtturm entfernt. Kurz darauf zeigt uns Frank Otto, so heißt der neue Wärter seit letztem Jahr, den Turm. Wir dürfen sogar bis ganz nach oben zur Linse und genießen die wunderschöne Ansicht bei strahlendem Sonnenschein.

Anschließend tragen wir uns noch ins große Norge på langs Buch ein. Endlich darf ich mich dort eintragen, beim ersten Mal wurde mir das noch verwehrt.

Später am Abend als fast alle Touristen weg sind, kehrt Ruhe ein und wir sitzen am Leuchtturm bloß da, schauen aufs Meer und sehen der Sonne beim Untergehen zu.

Es geht los – total unwirklich

Heute ist es soweit! Der Start ins große Abenteuer steht an! Wir packen unsere Sachen und versuchen uns unsere Aufregung nicht anmerken zu lassen. Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von Frank Otto und gehen hinunter zum Schild. Es zeigt wie weit das Nordkap entfernt ist: Es sind 2518 Kilometer!

Ungläubig schauen wir uns an und können es kaum glauben, hier zu stehen. Ein holländischer Motorradfahrer macht noch einige Fotos von uns und wir schultern unsere Rucksäcke. Wir lassen das Schild hinter uns und laufen die Straße entlang. Das Gefühl ist unbeschreiblich, wir sind frei, können in den nächsten 5 Monaten machen und tun was wir wollen. Darauf haben wir uns so lange gefreut!

Der Anfang ist einfach zu gehen, aber es ist doch hügeliger als gedacht, es kommen doch einige Höhenmeter zusammen. Und vor allem die Sonne macht uns zu schaffen, es ist unglaublich warm mittlerweile.

Im Ort Spangereid angekommen, gönnen wir uns in der Tankstelle erst einmal eine große Cola, es ist einfach zu heiß zum Wandern. Die Pause fällt länger aus als geplant, wir können uns kaum wieder aufraffen. Ganz schön zäh ist es wieder vor die Tür zu treten und loszulaufen. Aber so ist es nun einmal, da muss man durch. Stunde um Stunde laufen wir weiter, es geht ganz gut, der Verkehr ist nicht besonders stark. Kurz vor dem Ort Snig angelangt überlegen wir uns, wo wir die Nacht verbringen wollen, wir haben nun über 20 Kilometer hinter uns und es reicht langsam für den ersten Tag. In Snig angelangt entscheiden wir uns am örtlichen Badestrand unser Zelt aufzuschlagen. Es ist zwar nicht erlaubt, aber okay denken wir, es stehen noch andere Wohnwagen hier und ein Einheimischer auf Hunderunde erteilt uns die Absolution.

Wir gehen kurz baden und machen uns ans Abendessen. Bald darauf liegen wir auf der Isomatte und schlafen, das haben wir uns nach diesem anstrengenden ersten Tag verdient.

Tag zwei und die Sonne brennt

Die Nacht ist kurz, denn die Sonne scheint schon früh morgens aufs Zelt, es wird darin fast unerträglich warm. So stehen wir gegen 8 Uhr auf und machen Frühstück. Beim Packen lassen wir uns Zeit und brechen gegen 10 Uhr auf. Wir laufen bis nach Vigeland und machen dort eine längere Pause im Supermarkt. Anschliessend laufen wir weiter, es geht nun über Schotterwege durch die Wälder Süd-Norwegens. Die Bäume bieten einigen Schatten und so kommen wir gut voran, allerdings zeigen sich erste Blasen an den Füßen, das kommt wohl vom Asphaltlaufen, unschön. Wir versorgen die Blasen mit Blasenpflaster und gehen weiter, immer weiter durch die Wälder.

An einem See springt Anni ins Wasser und kühlt sich ab, ich kann das leider nicht machen, meine Blasenpflaster würden sich sofort wieder lösen, dumm gelaufen. Kurz vor Marnardal lassen wir uns im Schatten nieder und machen eine Pause. Gegenüber ist ein kleines Häuschen, der Besitzer dort gibt uns Wasser und überrascht uns mit einem Eis! Was für eine Überraschung! Wir lassen uns von ihm noch eine Abkürzung zeigen, um bis nach Marnadal zu gelangen, schauen wir mal, wie das werden wird. Die Abkürzung lässt sich ganz gut an und wir kommen gut voran, kurz darauf allerdings wird es zu einer üblen Waldhölle, denn die großen Schneemassen haben viele Bäume umknicken lassen, die uns nun den Weg versperren.

Wie Lars Monsen fräsen wir uns durchs Unterholz, für die vier Kilometer brauchen wir mehr als anderthalb Stunden und unsere Arme und Beine sehen aus, als wären wir mit Anlauf in eine Dornenhecke gesprungen.

Wir laufen weiter, sind aber wirklich K.O. und kurz vor dem Ort geht uns die Kraft aus. Wir wollten es zwar noch bis nach Mjåland zum Campingplatz schaffen, aber das wird wohl nichts mehr. Wir rufen dort an und die nette Betreiberin sagt uns zu, uns gleich abzuholen. Kurz darauf ist es dann soweit und sie holt uns tatsächlich ab und fährt uns die noch fehlenden 5 Kilometer zum Campingplatz. Morgen werden wir hierher wieder zurück trampen, um unsere Wanderung fortzusetzen. Jetzt sind aber sind wir froh, auf dem Campingplatz völlig groggy eine Dusche zu nehmen, etwas zu essen und todmüde ins Bett zu fallen.

Der Magic-A Tag mit Anita, Anders und Alf

Der Morgen beginnt dann mit einer großen Überraschung: Drei Zelte weiter entdecken wir ungläubig einen dänischen Freund, mit dem wir hier so gar nicht gerechnet haben! Hallo Anders! Hallo Simon! hallt es über den Campingplatz als wir uns freundlich begrüssen. Was machst du denn hier? Was macht ihr denn hier? Das ist ja eine Überraschung! Anders ist heute Nacht mit seiner Freundin von Dänemark zum Lachs-Angeln herüber gekommen.

Die Überraschung ist wirklich groß und hilft uns heute einen guten Start in den Tag zu haben, denn Anders wird uns die 5 Kilometer zurück zu unserem Ausgangspunkt von heute bringen, so müssen wir nicht an der Straße stehen und trampen. Zufälle gibt es im Leben, die gibt es gar nicht! Nachdem wir gepackt haben bringt uns Anders mit seiner Freundin zusammen nach Marnardal zum Supermarkt, wo wir gestern in das Taxi gestiegen sind. Wir verabschieden uns herzlich, bedanken uns für die Hilfe und laufen kurz darauf los.

Es ist wieder brütend warm, Stunde um Stunde wandern wir durch durch die Wälder über schmale Strassen.

Wir versuchen Wasser zu bekommen, fragen bei Leuten am Wegesrand – alle sind total hilfsbereit und helfen, manche laden uns sogar über Nacht ein zu bleiben, aber dafür wäre es zu früh am Tag. Mitten im Nirgendwo passieren wir einen Bauernhof und der Bauer hält uns sofort an. Er heißt Alf und fragt uns aus wohin wir wollen, woher wir kommen, hat uns gleich als NPL Wanderer erkannt. Wir quatschen lange, verabschieden uns dann aber und Alf überholt uns noch einmal mit seinem Traktor.

Dann passieren wir ein Haus an dem der Traktor von Alf steht. Wir stutzen kurz und schön läuft Alf grinsend mit zwei Eis auf uns zu. Wir sollen herkommen, das hier ist sein eigentlicher Hof, den anderen Bauernhof besitzt er auch. Kurz darauf sitzen wir bei ihm und seiner Frau auf der Veranda und bekommen Saft mit Eiswürfeln! Die Erfrischung tut gut und wir reden lange. So gerne würden wir hier bleiben, aber wir wollen noch etwas weiterkommen und verabschieden uns bald darauf. Wie herzlich die Menschen hier sind, sie wissen, was es heißt Hilfe zu benötigen und helfen immer gerne.

Der Tag wird langsam zäh, wir wollen kurz bis vor Hægeland kommen, dann brauchen wir morgen nur noch 30 Kilometer nach Evje, dort sollte mindestens ein Ruhetag drin sein. Am langgezogenen Sandlandsvanet See angelangt finden wir zunächst keinen Zeltplatz, erst gegen Mitte des Sees sehen wir eine Bucht mit Sandstrand, die uns geeignet erscheint.

Wir passieren einige Ferienhäuser. Auf dem Rasen eines dieser Ferienhäuser habe ich damals 2013 unerlaubt gezeltet, wenn die Leute wüssten, dass ich jetzt wieder hier bin, zu gern würde ich sie mal treffen und ihnen als erzählen.

Wir gelangen zu den Ferienhäusern und wollen dort nachfragen, wie weit es noch bis zum Sandstrand ist. Eine große blonde Frau kommt auf uns zu und winkt uns zu sich. Oh man, das ist genau das Haus, bei dem ich damals unerlaubt im Garten gezeltet habe! Wir kommen gar nicht dazu, nach dem Weg zu fragen, die Frau lädt uns sofort zum Abendessen ein. Sie und ihre Familie haben noch so viel über, sie haben uns wandern gesehen und wollen uns unbedingt einladen. Mir ist es total unangenehm, aber wir sagen zu. Leise spreche ich noch zu Anni und sage: Fuck, das ist genau das Haus! Wir werden auf die Terrasse gebeten, von der gesamten Familie freundlich begrüßt und bekommen Pizza serviert, dazu Cola und Wasser! Was für ein Wahnsinn! Ich sitze jetzt genau bei der Familie auf der Terrasse, wer hätte das gedacht und nun lerne ich tatsächlich die Leute kennen, die damals unwissentlich schon einmal so gastfreundlich zu mir waren. Ich kann nicht anders, ich muss die Geschichte erzählen und hole mein Handy heraus, zeige ihnen ein Bild von meinem Zelt in ihrem Garten, das sogar in meinem Buch abgedruckt ist.

Kurz denke ich noch, sie werden uns gleich sicherlich rausschmeissen, aber alle lachen laut und finden auch was das für eine unglaubliche Geschichte doch ist. Die Frau hat zu ihren Kindern gesagt, lasst uns die Wanderer einladen, wir verpassen vielleicht sonst eine spannende Geschichte und so ist es – hätten sie uns nicht eingeladen, hätte ich nicht erzählen können, dass ich schon mal bei ihnen im Garten übernachtet habe und kurz darauf laden sie uns tatsächlich ein, diesmal offiziell, wir dürfen bei ihnen im Garten übernachten. So gastfreundlich, so warmherzig und so voller Lebensfreude – ein Norwegen wie aus dem Bilderbuch! Wir können unser Glück kaum fassen und bedanken uns 1000 Mal bei der Familie, ich verspreche ihnen sobald ich zu Hause bin, werde ich ihnen ein Buch schicken. Wussten sie doch bis gerade eben gar nicht, dass ihr Garten in einem Buch in Deutschland abgebildet ist.

Lange bleiben wir heute nicht mehr wach, denn wir sind völlig groggy und die Hitze macht uns auch heute wieder total zu schaffen. So liegen wir gegen 10 Uhr abends im Bett und können es kaum fassen, was für ein Tag! Ein Tag voller Trail Magic wie man so sagt, voller Hilfe für Leute, die zu Fuß unterwegs sind.

30 Kilometer bei über 3o °C – Tag 4

Schon beim Frühstück am nächsten Morgen kommen wir tüchtig ins Schwitzen, die Sonne knallt nur so vom Himmel herab, heute sollen es bis zu 32° C im Schatten werden. Nach einem ausgiebigen Frühstück verabschieden wir uns von der Familie und ich verspreche noch das Buch zu schicken, da werden sie sich sicher sehr drüber freuen, so wie sie sich über diese ganze Geschichte herzlich gefreut haben.

Wir verabschieden uns und laufen die Straße Richtung Hægeland. Von dort aus werden wir 25 Kilometer einfach nur der E9 folgen, der Hauptstrasse durch Südnorwegen. An der Tankstelle in Hægeland machen wir Pause und trinken eine Cola.

Anschliessend heisst es Zähne zusammen zu beißen und Stunde um Stunde, Kilometer um Kilometer Richtung Evje zu laufen. Die Leute am Wegesrand versorgen uns mit Wasser, teilweise geben sie uns sogar Eiswürfel mit in die Flaschen. Es wird eine ganz schöne Probe. Eine Probe für den Willen und für den Körper, doch wir werden diese Probe bestehen, auch wenn wir heute einige Körner gelassen haben. Nach dem Abendessen fallen wir todmüde in die Betten unserer kleinen Hütte auf dem Odden Campingplatz.

Doch mitten in der Nacht trifft mich Montezumas Rache, das kann ja heiter werden. Wir legen also mal besser zwei Ruhetage ein, kurieren unsere Blasen aus und ich probiere mit mal langsam wieder an fester Nahrung. Morgen geht es weiter in Richtung Dølemo und dann endlich weiter ins Fjell!

In Kooperation mit Visit Norway

Da ich immer wieder Beschwerden bezüglich Chips auf Tour in Norwegen erhalten habe, wollen wir der Sache nun ein für alle Mal auf den Grund gehen und für euch testen, welche Chips denn nun am besten als Nahrungsgrundlage auf Tour geeignet sind 😉 In loser Reihenfolge werden wir uns nun also für euch durch das Chips-Regal norwegischer Supermärkte futtern und unsere Meinung dazu kundtun!

Los geht’s mit dem absoluten Klassiker: Sørlands Chips Havsalt

Gierfaktor: hoch
Crunchyness: sehr hoch
Geschmackintensität: medium
Mouthfeeling: gut

Schnellessbarkeit: befriedigend

Löffeltauglichkeit: gegeben

Besonderheiten: Kartoffeln mit Schale frittiert, relativ stabil geschnittene Scheiben, gut zu transportieren im Rucksack

Leistungsdaten (pro 100 g)

Energie: 487 kcal

Fett: 26 g

Kohlenhydrate: 55 g

Proteine: 6 g

Salz: 1,3

Packungsgröße: 200 g

Fazit: Der Klassiker enttäuscht nicht, ist immer eine gute Wahl, egal ob zum Bier oder zur Cola, passt immer. Das Meersalz könnte ruhig noch einen Tick stärker ausgeprägt sein, aber ansonsten alles wirklich ausgewogen und gut. Dank der Stabilität der einzelnen Chips auch bestens geeignet für Tour und Freizeit! Mit diesen Chips macht man nie etwas falsch!

Die letzten Tage vor der Abfahrt waren echt spannend und am Ende doch noch hektischer als gedacht. Da plant man seit einem halben Jahr akribisch alles, erstellt Listen und Pläne, überlegt sich was man wie wann macht und dann rinnt einem die Zeit in rasender Geschwindigkeit durch die Finger. Aber es hat geklappt, am Abend vor der Abreise steht das Auto randvoll gepackt vor der Haustür und die ganze Anspannung fällt langsam ab.

Nicht nur unsere Sachen und Versorgungspakete haben ihren Weg in den Kofferraum gefunden, nein auch von unserem Freund Thomas haben sich einige Pakete dazu gesellt. Er läuft in diesem Jahr auch Norge på langs und ist schon einige Zeit vor uns gestartet. Da er mit dem Schiff und quasi zu Fuß angereist ist, haben wir uns bereit erklärt, seine Pakete mit nach Norwegen zu nehmen und für ihn zu verschicken.

Der Norden ruft

Und so steigen wir am 26. Mai früh morgens ein und fahren los. Der Abschied von daheim fällt schwer, aber die Aussicht auf das große Abenteuer lässt uns mit einem Lächeln losfahren. Leider ist die Autobahn heute richtig voll, und so stehen wir mehr als das wir fahren. Dadurch verpassen wir unsere Verabredung mit der Geobuchhandlung in Kiel, was uns echt wurmt, haben sie uns doch stets super unterstützt. Aber wir können es nicht ändern, manchmal hat man Glück und manchmal eben Pech.

Unsere zweite Verabredung in Kiel klappt aber und wir treffen uns mit Jaana, die mir vor einiger Zeit eine E-Mail geschrieben hatte, nachdem sie mein Buch gelesen hatte. Wir reden lange, denn ihre Geschichte verbindet sich durch mein Buch auf schier unglaubliche Weise mit meiner Tour. Wer mein Buch gelesen hat, wird sich an das Schwert im Saltfjell erinnern, das dort noch immer im Boden steckt und das an einen ganz besonderen Menschen erinnert, nämlich Jaanas Mann.

Die Geschichte ist so verrückt und eindrücklich, so besonders und so unglaublich eindrücklich, dass ich darüber gerne irgendwann einmal an anderer Stelle berichten möchte. Aber dieses Gespräch in Kiel gehört sicherlich zur besondersten Geschichte, die sich rund ums Buch entwickelt hat. Vielen, vielen Dank für dieses Treffen in Kiel liebe Jaana, das wird bei uns noch sehr lange nachhallen.

Den Abend haben wir dann etwas außerhalb bei einem weiteren Freund verbracht. Wir waren zu Gast bei Jürgen und seiner Frau, mit ihm habe ich mir das Zelt auf der Wintertour durch den Sarek im letzten Winter geteilt. Auch hier ist die Geschichte des Kennenlernens total verrückt, denn Jürgen war vor einigen Jahren mit seiner Frau bei meinem Vortrag in Kiel und wir haben uns kurz darauf per Zufall auf der Fähre von Langesund nach Hirtshals wiedergesehen, als wir völlig fertig vom Jostedalsbreen zurückfuhren. Irgendwoher kannte er mich, als wir ins Gespräch kamen und Bingo, es war der Vortrag in Kiel gewesen. Und dann war er mit mir zusammen im Sarek, wie cool ist denn bitte wiederum diese Geschichte?

In Etappen langsam weiter nordwärts

Nach einem super Abend, an dem wir zusammen mit Jürgen Klopp auch kurz noch den Henkelpott gesehen haben, ging es weiter nordwärts. Wie entspannt es auf der Autobahn in Dänemark zugeht, es ist alles immer irgendwie viel ruhiger, die Hektik der deutschen Autobahnen ist nach der Grenze wie weggeblasen, herrlich!

Am späten Nachmittag erreichen wir Hirtshals und beziehen auf dem Campingplatz am Leuchtturm eine kleine Hütte mit Blick aufs Meer. Urlaubsfeeling kommt auf, als wir am Strand entlang Richtung Hafen schlendern um dort einen Hot-Dog in unsere Lieblings-Pommesbude zu essen.

Wir kaufen noch kurz für den Abend ein und entspannen dann in unserem kleinen Domizil. Der Sonnenuntergang ist surreal schön, kitschig wäre noch untertrieben. Gute Nacht!

Leinen los – Norway calling!

Um sieben Uhr schon ist die Nacht zu Ende, wir packen rasch unser Auto, holen uns beim Bäcker noch etwas für die Fahrt nach Oslo später und rollen wenig später auf die Fjord Line Fähre nach Langesund in Norwegen.

Die Überfahrt ist sehr entspannt, wir frühstücken gemütlich und dürfen sogar kurz auf die Brücke. Schon cool mal so hinter die Kulissen schauen zu können.

Der Rest der Seereise vergeht schnell, mit dem Blick aufs Meer gerichtet kommt man ja schnell runter, Zeit für etwas Müßiggang.

Dann kommt Land in Sicht, die Schären empfangen uns mit einem Bilderbuch-Norwegen, schöner kam man dort kaum ankommen.

Der Zoll zeigt zum Glück keinerlei Interesse an unserem Proviant und wir setzen den Kurs nach Oslo.

Am Abend erreichen wir Hokksund, wo wir die nächsten Tage bei Christoph und seiner Familie zu Gast sein dürfen. Christoph arbeitet bei Bergans of Norway und wir kennen uns mittlerweile schon fast fünf Jahre, er wird uns dabei behilflich sein, unsere Versorgungspakete zuzuschicken.

Zu Gast bei Freunden in Hokksund

Der Dienstag steht ganz im Zeichen des Packens der Pakete. Zwar haben wir daheim gut vorgearbeitet, aber unser Abendessen von Real Turmat muss noch entsprechend dazu sortiert werden, denn das wurde von Real Turmat innerhalb von Norwegen direkt dorthin geliefert.

Nachdem die Pakete fertig für den Versand sind, bekommen wir noch einen Einblick in das neue Recycling-System von Bergans, bei dem man sich in Norwegen eine kostenlose „Pante-Pose“ zuschicken lassen kann. Diese kann man dann wiederum kostenlos gefüllt mit gebrauchter Outdoor-Bekleidung (übrigens ganz egal von welcher Marke) gefüllt zurückschicken. Bergans schaut sich die Sachen dann an und verkauft sie entweder wieder günstig gebraucht im Shop in Oslo weiter, gibt sie teilweise an Bedürftige weiter oder arbeitet sie zu kleinen hübschen Accessoires um, die man dann auch hier in Norwegen käuflich erwerben kann. Ein super System und hoffentlich bald auch in Deutschland am Start.

Gegen Abend nimmt uns Christoph noch zusammen mit seinem Sohn zum Orienteering, wo Kinder und Erwachsene zusammen spielerisch den Umgang mit Karte und Kompass erlernen – typisch Norwegisch halt!

Nun sitzen wir im Zug nach Kristiansand von wo aus wir weiter mit dem Bus zum Kap Lindesnes fahren wollen. Der Start rückt näher – endlich!

In Kooperation mit Visit Norway und Fjord Line