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Norge på langs

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Worauf zur Hölle habe ich mich da bloß eingelassen?

Genau diese Worte gehen wohl gerade einigen Leuten durch, die sich darauf vorbereiten bald durch ganz Norwegen zu laufen. All ihre Vorbereitungen neigen sich nun dem Ende entgegen, es wird langsam ernst – die Angst vor der eigenen Courage weicht der Aufregung und den Anstrengungen der Vorbereitung. Die Ausrüstung ist ausgewählt, die Route geplant und die Versorgungspakete gepackt. Es kann also bald losgehen. Aber wie ist das Wetter derzeit? Wie sind die Schneeverhältnisse in Südnorwegen gerade? Und überhaupt, was wird mich erwarten?

Eine Community entsteht

In den letzten Jahren ist in Deutschland so etwas wie eine kleine NPL-Community entstanden, was einfach richtig cool zu sehen ist! Es gibt sogar eine eigene deutsche NPL-Gruppe auf Facebook in der sich Aspiranten zu dem Thema austauschen können!Und auch wenn man Beispielsweise dem #norgepålangs Hashtag auf Instagram folgt, entdeckt man immer wieder Leute aus dem deutschsprachigem Raum, die gerade in Norwegen auf der Langstrecke unterwegs sind.

Im letzten Jahr haben wir selbst erleben dürfen, wie spannend es ist zusammen durch Norwegen zu wandern. Die Rückmeldungen auf dem Blog, auf Instagram und auch auf Facebook waren einfach unfassbar und haben uns immer sehr motiviert weiter zu machen. Vor, während und nach der Tour habe wir zahlreiche Nachrichten von Leuten bekommen, die ebenfalls planen eine solche Norge på langs Wanderung zu machen. Und jetzt geht es für einige von ihnen wirklich los!

Die Aspiranten 2019

Ich möchte euch die Leute vorstellen, die in diesem Jahr planen die NPL-Tour an einem Stück zu laufen. Wenn ihr darüber hinaus weitere Leute kennt, meldet euch gerne bei mir, ich ergänze die Liste dazu gerne!

Renée

Schwer zu sagen, wann ich das erste Mal so richtig von Renée und ihren Plänen gehört habe, aber vermutlich war es auf dem Fernwandern-Camp an der Rossmühle. Seitdem haben wir uns viel ausgetauscht und bei meinem Vortrag in Braunschweig durfte ich sogar bei ihr zu Hause zu Gast sein und wir haben bis tief in die Nacht über ihre Pläne gesprochen. Und nun weilt sie schon in Norwegen, bald geht es los! Ich drücke ihr sehr die Daumen, dass alles so gut klappt, wie sie es so akribisch geplant hat!

 

 
 
 
 
 
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Folgt Renee auf Instagram: https://www.instagram.com/foufinhaphoto/

Nathalie und Andreas

Nach meinem Vortag in Hagen vor kurzem stand plötzlich ein junges Paar vor mir und sprach mich an: „Wir wollen demnächst starten und auch NPL laufen!“ Mein Erstaunen und meine Freude über diese Worte waren groß! So etwas zu hören und die Leute dann auch persönlich zu treffen ist immer richtig cool! Und nun weilen sie schon in Norwegen, bald geht es für sie los! Ich drücke ihnen für ihren großen Traum alle Daumen!

Folgt Nathalie und Andreas auf ihrem Blog: https://www.füssesindzumwandernde.de

Swantje

Auf Swantje bin ich über die deutsche NPL-Gruppe auf Facebook aufmerksam geworden. Im letzten Jahr kündigte sie dort ihre Pläne an und hat sich seitdem super vorbereitet. Sie hat einen Blog eingerichtet und berichtet dort über ihre Vorbereitungen und bald schon darüber wie es ist, unterwegs zu sein!

Folgt Swantje auf ihrem Blog: https://aufdemwegnachnorden.com/

Toni

Er stammt aus der Schweiz, macht super Fotos und ist in Norwegen schon gestartet – mehr weiß ich eigentlich auch kaum über Toni. Aber folgt ihm auf Instagram, dort postet er immer mal wieder Stories über seine Tour!

 

 
 
 
 
 
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Und dann weiß ich über die NPL-Gruppe auf Facebook auch noch von Paulina, die anscheinend auch gerade plant, in diesem Jahr durch Norwegen zu wandern. Wir drücken euch allen beide Daumen und wünschen euch eine super Zeit auf dem Weg zum Nordkapp! Lykke til og god tur euch!

Kennt ihr darüber hinaus Leute, die in diesem Jahr versuchen NPL am Stück zu laufen? Meldet euch gerne bei mir, dann ergänze ich die Liste entsprechend!

Wir verlassen die MS Spitsbergen der Hurtigruten und freuen uns auf die alte Hansestadt Bergen, gut anderthalb Tage hier liegen vor uns. Die Großstadt ist schon ein kleiner Schock, auch wenn Bergen nicht das riesige vor Urbanität tropfende Moloch ist, so merkt man aber direkt, das hier die Uhren schneller ticken. Das ist überhaupt nicht negativ gemeint, im Gegenteil, aber alles läuft hier einfach zügiger, anonymer und größer ab. Es fällt uns schwer, sich in dieser Quirligkeit einzufinden, der Unterschied zwischen Honningsvåg und Bergen ist halt doch schon gewaltig. Aber bevor es dann anschließend nach Oslo geht, ist Bergen vielleicht genau die richtige Zwischenstufe, bevor wir uns dann wirklich in die große Metropole stürzen.

Wiedereingliederung in die Großstadt

Wir finden rasch den Weg zum Hotel, sind auf dem Weg dorthin aber ein gutes Verkehrshindernis für all die Menschen, die gerade auf dem Weg in den wohlverdienten Feierabend sind. Im ruhigen Hotelzimmer können wir dann kurz durchatmen, bevor wir noch kurz in die Stadt gehen, wir sind mit Linn von Visit Bergen, der offiziellen Touristen-Information hier, verabredet. Sie nimmt uns mit auf eine kurzweilige kleine Mat-Safari, sie zeigt uns den Fischmarkt und nimmt uns im Anschluss mit in ein wirklich wunderbares Restaurant, in dem köstliche norwegische „Tapas“ serviert werden. Aber vorher geht es auf den Fischmarkt, wo wir an einem Stand einige der ausschließlich in der Umgebung gefangenen Fischköstlichkeiten probieren dürfen. Wir beide lieben Fisch und Meresfrüchte, so ist dies natürlich klasse und wir lernen einige neue Sachen, die uns so nicht bewusst waren.

 

Anschließend lassen wir dann den kurzen gemeinsamen Ausflug in besagtem Restaurant ausklingen. Und ja, es ist wirklich empfehlenswert! Allein das selbstgebackene Brot, dass es zum Essen dazu gibt, wäre schon mehr als nur ein guter Grund, sich dort einmal einzufinden! Vielen lieben Dank an Linn und Vist Bergen, für diese Einladung!

Nach dem Abendessen fahren wir hoch auf den Fløyen, einen der Aussichtsberge der Stadt. Die Fløibanen hinauf ist gut 100 Jahre alt und läuft über Schienen, der Antrieb aber erfolgt über ein gezogenes Siel, an dem zwei Wagen wie ein Pendel abwechselnd hinauf und hinab fahren. fährt die eine Bahn hoch, muss die andere Bahn gleichzeitig hinab fahren und umgekehrt. Ein einfaches aber ziemlich praktisches System.

Oben angekommen genießen wir den Ausblick über das nächtliche Bergen, hier ist alles schön ruhig, der Pulsschlag der hell erleuchteten Schlagadern der Stadt ist nur ganz schwach zu hören, wenn überhaupt.

Am nächsten Tag tun wir uns schwer damit, ein richtiges Programm für den Tag auf die Beine zu stellen. Es gibt so viel zu sehen und so viel zu besichtigen, aber wir merken beide, dass sich unsere Aufnahmekapazität für neue Dinge und Eindrücke langsam dem Ende entgegen neigt. Die Festplatte ist einfach übervoll, man kommt kaum noch nach, alles irgendwie einzuordnen und zu verarbeiten, tut sich schwer, noch viel mehr in den Speicher zu laden.

Und so entscheiden wir uns für ein einfaches Programm, streunen durch die Stadt, gewöhnen uns so an die nun wieder schnellere Gangart im „richtigen“ Leben. Bisweilen überfordert einen das, im Einkaufszentrum zum Beispiel bin ich kurz davor, einfach schreiend wegzurennen oder mich auf einem stillen Örtchen einzusperren um meine Ruhe zu haben. Wie soll das bloß in Oslo werden?

So viele Eindrücke auf einmal

Am Nachmittag statten wir den Locals, den Einheimischen einen Besuch ab. So wirbt das örtliche Aquarium mit heimischen Fischen um Besucher, und für uns ist es eine gute Gelegenheit, sich einmal die Fische aus der Nähe im Aquarium anzusehen. Das Aquarium liegt zudem etwas abseits vom trubeligen Zentrum, also ruhiger und entspannter. Und genau so ist es auch, wir sehen die Fütterung der Seelöwen, schauen uns die Pinguine an und beobachten Fische, die vielleicht lecker schmecken aber nicht unbedingt so aussehen.

Durch kleine ruhige Gassen streunen wir wieder zurück in Richtung Fischmarkt, entscheiden uns dann spontan dazu, noch einmal dem Fløyen einen Besuch abzustatten. Es zeichnet sich ein wunderbarer Sonnenuntergang ab, so dass wir beileibe nicht die einzigen sind, die auf die Idee gekommen sind, hoch über der Stadt den Tag ausklingen zu lassen.

Am nächsten Morgen sind wir schon früh auf den Beinen und gehen den kurzen Weg zum Bahnhof durch die erwachende Stadt. Im Morgengrau besteigen wir den Zug in die Hauptstadt, es geht weiter südwärts, immer weiter südwärts. Wir machen es uns bequem und schon bald rollt der Zug der Bergensbanen aus dem Bahnhof hinaus immer den Bergen der Hardangervidda entgegen, die die Bahnstrecke auf dem Weg nach Oslo überwindet.

In Finse und den umliegenden Bergen ist schon einiges an Schnee gefallen, auch hier so weit im „Süden“ klopft mittlerweile der Winter kräftig an die Tür.

In Drammen steigen wir um in den Zug nach Hokksund. Und nun fühle ich mich auf einmal wirklich elend. Keine Ahnung warum, aber zwischen den Pendlern im Vorortzug mit dem steten Ein- und Aussteigen und der entsprechenden Hektik will ich plötzlich einfach ganz woanders sein. Wie schön wäre es jetzt in der Finnmark, ganz weit weg von diesem Trubel, der mich gerade so herunter zieht. Ein Mann spricht mich an, ob wir auf dem Weg ins Fjell sind. „Nee“ antworte ich, wir kommen gerade vom Nordkapp, sind zu Fuß dorthin gelaufen. Man kann dabei zusehen, wie seine Kinnlade herunter klappt. Er zollt uns seinen großen Respekt, wie groß solch eine Tour in den Augen der anderen Leute ist, erfahren wir auf diese Weise immer wieder. Das ist dann ein gutes Gefühl und ich verlasse mit etwas besserer Laune den Zug.

Wir haben wieder ein Auto

Wir laufen zu Fuß die wenigen Meter zu Bergans of Norway, wo wir unser Auto abholen wollen. Es ist Freitagnachmittag, so ist kaum noch jemand im Büro, wir holen lediglich am Empfang den Schlüssel ab. Christoph, der dort arbeitet und uns dabei geholfen hat, die Versorgungspakete von dort aus zuzuschicken, hat freundlicherweise alles was noch dort lag oder wir ihm zurück geschickt hatten, ins Auto gelegt. So schlendern wir zum Auto und mir wird beim Gedanken daran, gleich direkt nach Oslo in die große Stadt zu fahren, etwas mulmig. Komisch wieder einen Schlüssel in der Hand zu halten, zwar nur vom Auto, aber einen eigenen Schlüssel für ein Zuhause oder ein Auto hatten wir ja die letzten Monate nicht in der Tasche. Im Auto liegt ein Zettel bei dessen Anblick wir schmunzeln müssen.

Irgendjemand hat wohl gedacht, dass irgendwelche Touristen hier auf dem Privat-Parkplatz der Firma ihr Auto günstig abstellen wollten, sogar bei der Polizei haben sie wohl schon nachgefragt, ob das Auto als gestohlen gemeldet ist. Ist es aber nicht, meint die Polizei. Bei Bergans jedenfalls war unser Auto wohl im Sommer eines der Top-Gesprächsthemen, Christoph hatte uns schon vorgewarnt und alle mussten am Ende köstlich lachen, als er es aufgeklärt hat. Es hatten wohl nicht alle mitbekommen, dass wir zu Bergans gehören.

Wir ziehen nach über vier Monaten das erste Mal etwas anderes an, als das was wir im Rucksack dabei hatten, es ist ziemlich ungewohnt. Und dann schlägt die Stunde der Wahrheit, wir fahren nach Oslo. Ich klemme mich hinters Steuer und schon geht es los. Die Abläufe sitzen noch, es ist wie Fahrradfahren. Nur die ständige Konzentration und Aufmerksamkeit machen mir am Anfang noch etwas zu schaffen, aber rasch gewöhne ich mich auch daran wieder.

Zu Gast bei Freunden

Ohne Unfall gelangen wir in die Stadt, aber es geht zum Glück nicht ganz so tief ins Zentrum. Nach einem kurzen Abstecher zum Holmenkollen treffen wir unsere Freundin Astrid. Wir wollten uns schon auf dem Weg zum Start unserer Wanderung treffen, aber da war sie selbst am Nordkap unterwegs. Auf das Treffen mit Astrid freuen wir uns sehr, denn sie ist in diesem Jahr als erste Frau auf der Route von Amundsen zum Südpol gelaufen. Sie hat über vier Jahre jede freie Minuten in das Projekt gesteckt, dass sie per Crowdfounding auf die Beine gestellt hat, um dann letztendlich am 17. Januar diesen Jahres an ihrem großen Ziel zu stehen. Und so quatschen wir bis spät in den Abend über unsere Touren, bis wir irgendwann todmüde ins Bett fallen.

Nach dem Frühstück fahren wir mit der T-Bahn in die Stadt, wir sind verabredet mit dem German-Norwegian Network in dem ich seit einiger Zeit Mitglied bin. Eines der zwei jährlichen Treffen findet zufällig gerade hier in Oslo statt und wir nehmen am letzten Tag des Programms an einer Führung hinter die Kulissen der Oper teil. Die Freude weitere bekannte Gesichter zu sehen ist groß, auch hier werden wir herzlich empfangen und zu unserer Tour beglückwünscht. Und dann bekommen wir einen großartigen Blick hinter die Kulissen dieses Kulturbetriebes, man macht sich ja keine Gedanken, wie viele Menschen hinter den Kulissen arbeiten, um alles am Laufen zu halten und die Leute auf der Bühne gut aussehen zu lassen.

Zum Abschluss der Führung lernen wir sogar etwas darüber, wie man richtig singt. Meine Stimme ist ja eher fürs Stadion gemacht, aber spannend ist es schon, was man alles mit einer guten Singtechnik erreichen kann. Nach der Führung sitzen wir noch beim Essen zusammen und reden über alles Mögliche. Wir schlendern noch kurz durch die Stadt, doch der Trubel ist heute nichts für uns.

Wir fahren wieder zum Auto und fahren aus der Stadt zurück nach Hokksund zu Christoph, er ist heute Nacht von einer Dienstreise zurückgekommen und wir reden noch lange über unsere Tour. Ohne persönlich Danke zu sagen für seine Hilfe und Unterstützung wollten wir nicht zurück. Es macht Spaß zu erzählen, aber von der Tour jetzt schon in der Vergangenheit zu berichten fühlt sich schon etwas komisch an.

Farvel Norge & Rolling Home

Der Abschied am nächsten Morgen fällt schwer, jetzt geht es wirklich wieder heimwärts. In Langesund wartet am Nachmittag die Fjord Line Fähre auf uns. Es ist Sonntag, die Straßen und Autobahnen sind leer und wir kommen pünktlich am Fährkai an. Der Check-In geht flott von der Hand und kurz darauf rollen wir auch schon an Bord der Fähre. Zu unserer Überraschung ist das Schiff gut ausgelastet, aber uns dämmert bald schon, warum. Uns begegnen immer mehr Cowboys – und girls als wir uns einen Sitzplatz suchen – an diesem Wochenende ist „CountryCruise“. Scheinbar fahren die Teilnehmer das ganze Wochenende zwischen Norwegen und Dänemark hin und her und feiern dabei ordentlich.

Uns zieht es zum Auslaufen an Deck. Als das Schiff ablegt, übermannen mich kurz die Gefühle, die eine oder andere Träne wird verdrückt. So lange haben wir an dieser Tour gerabreitet, alles vorbereitet und uns das Nordkapp zu Fuß erwandert. Und nun ist es irgendwie vorbei.

Die Überfahrt ist rasch erzählt. Wir decken uns mit einer Wagenladung Walters Mandler Schokolade ein und sind am frühen Abend in Hirtshals. Dort quartieren wir uns in der ehemaligen Jugendherberge ein, die nun von Rikke und Dorthe übernommen wurde und nach und nach renoviert wird. Und so können wir das Bed & Breakfast wirklich empfehlen, falls man in Hirtshals übernachten möchte. Schon oft war ich bzw. waren wir schon hier. Auch zum Abschluss unserer ersten gemeinsamen Tour damals war das so, und so kommen wir hier immer irgendwie nach Hause, genießen die wunderbare Aussicht aufs Meer und hören dem aufkommenden Sturm draußen vor dem Fenster beim Heulen zu.

Die Autofahrt von Hirtshals in Richtung Heimat gestaltet sich kurzweilig, in Dänemark ist es doch immer recht entspannt auf der Autobahn. Sobald aber dann die Grenze überquert ist und Hamburg in Sicht kommt, ist es ganz schnell vorbei mit der Entspannung. Aber das wussten wir ja vorher, schon als wir den ersten Schritt aus der Haustür gemacht haben war klar, dass es irgendwann so kommen wird, das wir wieder nach Hause kommen werden. Aber umso vertrauter die Straßenschilder der Heimat wieder werden, desto mehr wird uns klar, unsere Tour ist gleich zu Ende. Oder auch nicht, sie hat gerade erst angefangen.

In Kooperation mit Visit Norway | Visit Bergen | Fjord Line

Als am Samstag Morgen um 5 der Wecker klingelt, schälen wir uns mit kleinen Augen aus dem Bett, packen unsere sieben Sachen – Routine haben wir darin – und machen uns auf zum Hurtigrutenkai im überschaubaren, hübschen Hafen von Honningsvåg.

Es ist merklich milder als die letzten Tage und eine frische Brise möchte die Mütze vom Kopf pusten. Na wenn das mal nicht ordentlich Seegang verspricht. Die MS Spitsbergen läuft ein, die Vorfreude steigt.

Wie die meisten NPL-Wanderer sind wir in den vergangenen Monaten fast gar nicht in den Genuss von Norwegens Küstenregionen gekommen – klar, das hätte den zeitlichen Rahmen ohne Frage gesprengt. Umso glücklicher sind wir, auf so entspannte Art und Weise jetzt noch ganz viel davon bewundern zu können! Außerdem sehen wir die Schiffsreise als eine Art Belohnung für unsere Tour an, eine bessere können wir uns wohl kaum vorstellen!

Tag 1 – die Leichtmatrosen gehen an Bord

Als zwei von drei neuen Gästen gehen wir also an Bord und beziehen unsere hyggelig Kabine mit Blick nach draußen auf’s Deck zu den Rettungsbooten, machen uns erstmal mit dem Schiff vertraut und genießen wie Gott in Frankreich das reichhaltige Frühstücksbuffet. Bei der Auswahl ist es unmöglich, alles zu probieren, es gibt hier einfach alles, was man sich vorstellen kann! Hurtigruten bezieht viele Zutaten von kleineren Lieferanten längs Norwegens Küste, so kommt man in den Genuss von Speisen, für die man sonst wohl eher größeren Aufwand betreiben müsste.

Bereits vor ein paar Tagen erkundigten wir uns, ob Interesse an einem ersten kleinen Vortrag an Bord über unsere Tour besteht. Genauso hatte es Simon vor fünf Jahren gemacht, einfach improvisiert vor kleinem Publikum, mit Bildern direkt aus dem Blog. Tatsächlich findet sich gleich heute Nachmittag ein Zeitfenster. Mir fällt es nicht schwer, hier Simon das “Rampenlicht” zu überlassen, denn von uns beiden ist er ganz klar der Profi und schüttelt den Vortrag einfach mal zweisprachig aus dem Ärmel.

Was wir machen, scheint bei unseren Mitreisenden auf großes Interesse zu stoßen, auch in den folgenden Tagen werden wir immer wieder darauf angesprochen und ausgequetscht. Es ist surreal, aber auch toll, so eine positive Resonanz auf die Reise zu erleben!

Die Route unseres Schiffs führt uns zunächst weg von Magerøya über den Nordkapptunnel, den wir erst vor wenigen Tagen durchlaufen haben, in Richtung Hammerfest. Ein seltsames Gefühl, wieder nach Süden zu fahren, zu tief stecken wir noch im Modus des Unterwegsseins, des ewigen Strebens nach Norden. Immer wieder überlegen wir, wann denn wohl der Abschied von unserer Tour beginnt, wann sie in unseren Köpfen wohl endgültig vorbei sein wird. Mit dem ersten Schritt herunter vom Sockel des Nordkapp-Globus’? Mit dem Ablegen unseres Schiffs? Mit dem Überqueren der deutschen Grenze? Mit der ersten Umarmung unserer Eltern? Ich habe jedenfalls das Gefühl, wahrscheinlich noch sehr lange von all den Erlebnissen der vergangenen Monate zu zehren und dass – wie Simon mal gesagt hat – eine solche Tour niemals zu Ende ist. Was das genau heißt, kann ich zu diesem Zeitpunkt als NPL-Debutantin nur erahnen.

In Hammerfest gehen wir von Bord für einen kurzen Streifzug durch die Gegend, wobei uns der Wind fast von der Straße fegt!

Wir haben sowas selten erlebt, doch die Locals scheinen wenig beeindruckt davon zu sein. Vor dem Rathaus machen wir schnell ein Foto für unsere Lieblings-Hammerfesterin Åste, besuchen das Museum des Eisbärenclubs und weiter geht’s.

Bald schon sind wir in Troms und das Wetter verschlechtert sich zusehends. Dicke Regenwolken hängen an den schroffen, steilen Bergen der Küste und der Wind tut sein übriges. Mein Magen meldet leichten Protest an, doch noch geht es. In Skjervøy haben wir uns mit Marcus verabredet, einem deutschen Auswanderer, der seit einigen Jahren auf der Nachbarinsel lebt. Als er uns einen liebevoll befüllten Präsentkorb überreicht, können wir unser Glück kaum fassen.

Leider hat unser Schiff durch den starken Wind Verspätung und es bleibt lediglich Zeit für einen ganz kurzen Schwatz auf der Gangway. Tusen takk Marcus! Das werden wir dir so schnell nicht vergessen!

Tag 2 – Home of Ussel

Über Tromsø, Harstad und die Vesterålen geht es am zweiten Tag Richtung Lofoten. Von der atemberaubenden Küstenlandschaft ist in dieser Waschküche leider einfach mal gar nichts zu sehen, und als wir Svolvær anlaufen, ist es bereits dunkel.

Auch von der beeindruckenden Engstelle Risøysundet sehen wir nicht so viel, wie wir eigentlich wollen. Und auch der Trollfjord kann wegen des starken Windes der Stärke 9 nicht besucht werden. Schade, aber irgendwann werde auch ich mir eine ordentliche Lofoten-Experience gönnen, das ist sicher.

Tag 3 – Wiedersehen mit dem Polarkreis

An unserem dritten Tag an Bord steht die Überquerung des nördlichen Polarkreises an. Der Gedanke, dass wir für das bisher gefahrene Stück allein fast zwei Monate zu Fuß gebraucht haben, ist reichlich abgefahren.

Während der kleine Globus passiert wird, gibt es eine Zeremonie an Bord. Feierlich wird jedem, der will, ein Löffel Fischtran kredenzt. Mein persönliches Fazit: braucht man definitiv nicht jeden Tag, ja, vielleicht sogar nie mehr, aber soll ja gesund sein 😉 Zum Vergessen nutzen wir endlich den Whirlpool am Heck des Schiffs, just als wir in Sandnessjøen ablegen.

Es ist einfach herrlich, untätig im Pool zu fläzen und auch den immer noch verspannten Muskeln tut die Wärme gut. Als Sahnehäubchen kommt nun auch die spektakuläre Bergkette “Die Sieben Schwestern” in Sicht – einfach zum genießen!

In Brønnøysund, einem der scheinbar zahlreichen Mittelpunkte Norwegens, vertreten wir uns kurz die Beine, bevor wir uns das herrliche Fünf-Gänge-Abendmenü munden lassen.

Tag 4 – Großstadtluft schnuppern

Am vierten Tag klingelt der Wecker früh, denn wir sind in Trondheim mit Alex verabredet, der Bärenforscher ist und bis vor kurzem noch in Pasvik gelebt hat, bisher kannten wir uns nur virtuell. Wir beginnen unseren Streifzug durch die gerade erwachende Stadt mit einem Spaziergang zum Nidarosdom.

Auf der Gamle Bybro genießen wir den Blick auf die alten Häuschen am Wasser und den Morgenimmel, der alles rosa einfärbt.

Mittlerweile ist Rushhour, die Menschen strahlen eiligen Schrittes zur Arbeit oder in die Uni, man muss aufpassen, nicht von einem der vielen Fahrräder umgenietet zu werden. Alles wieder reichlich ungewohnt für uns, dieses “Großstadtleben”. Das Kaffeekränzchen mit Alex fällt leider viel zu kurz aus, aber wir werden bestimmt wiederkommen, versprochen!

Endlich ist uns das Wetter hold, sodass wir die liebliche Küste Mittelnorwegens so richtig genießen können. Hier wechselt sich viel Nadelwald mit Fels, Wiesen und Bauerngehöften ab – genau wie wir Trøndelag in Erinnerung haben. Wir merken, dass man zwischendurch schon relativ viel im Kopf vergraben hat, zu viele neue Eindrücke prasseln auf so einer langen Tour ständig auf einen ein und überlagern sich gegenseitig.

Auf dieser Rückreise haben wir also die Gelegenheit, im mentalen Fotoalbum ein bisschen zurückzublättern und dann zu merken wie unglaublich viel man erlebt hat. Wie reich man sich fühlt!

Besonders angetan sind wir vom Küstenstädtchen Kristiansund. Die süßen Häuschen, verteilt auf kleinen Inseln, sind einfach richtig schön anzuschauen. In der Nacht wird es nochmal schön wackelig, als wir südlich von Ålesund ums Westkapp fahren, das für seine Wetterkapriolen berüchtigt ist. Daher soll hier in der Nähe der erste Schiffstunnel der Welt gebaut werden, um das Westkapp notfalls meiden zu können.

Tag 5 – Tschüss Spitsbergen, hallo Bergen!

Auch unser letzter halber Tag begrüßt uns mit Regen, im großen und ganzen war uns Thor leider nicht wirklich hold, aber das ist eben Norwegen und tut dem Genuss für uns eigentlich keinen Abbruch. Uns kommt es auf eine entspannte, langsame Rückreise mit ganz viel Norwegen-Liebe an, und die haben wir definitiv!

Aber auch, wenn man vorher keine Tour wie unsere bewältigt hat, ist eine Reise mit dem Postschiff sehr zu empfehlen! Man kann wunderbar entspannen und dennoch sieht man enorm viel Norwegen. Das Essen ist fantastisch und die Crew freundlich und zuvorkommend. Wir kommen wieder 🙂 !

Einen Tag werden wir uns noch Bergen ansehen, dann geht es mit dem Zug weiter in Richtung Oslo, wo wir unser Auto wieder einsammeln werden.

In Kooperation mit Hurtigruten

Wir machen es kurz: Wir haben es geschafft! Am 10. Oktober standen wir gemeinsam am Nordkapp!

Der Weg dorthin hat uns auch auf den letzten Metern ganz schön zu schaffen gemacht! Man muss sich das Ankommen auf jeden Fall wirklich verdienen, das steht mal fest!

Der Endspurt im Schneckentempo

Wir starten von Honningsvåg aus erst später am Tag, wir wollen etwa 20 km gehen und uns den Rest für den nächsten Tag aufheben. Wir trotten also die Strasse entlang, passieren den kleinsten Flughafen Norwegens und können eine kleine Maschine bei ihrem spektakulären Anflug beobachten, nichts für schwache Passagier-Nerven würde ich mal sagen!

Weiter geht es, nun führt die Strasse langsam aber stetig den Berg hinauf. Die Serpentinen schlauchen ganz gut, aber die Aussicht auf die Bucht nun schon weit unter uns ist wirklich beeindruckend! Nun zeigt sich auch, dass der Winter wirklich hier ist. Die Strasse ist stark vereist, das Räumfahrzeug überholt uns und die Umgebung ist komplett von Schnee bedeckt.

Auch hier machen wir an jedem Schild ein Photo! Das muss sein! Wir haben an jedem Schild seit Alta ein Bild gemacht!

Kurz vor Skarsvåg treffen wir einen Radfahrer, der schon eine ziemlich weite Strecke gefahren zu sein scheint. Sein Name ist Justin und wir kommen ins Quatschen, es sprudelt nur so aus ihm heraus wie ein Wasserfall. Er stammt aus Neuseeland und ist hierher von Südafrika aus gefahren! 11 Monate hat er dafür gebaucht, uns kippt die Kinnlade herunter!

Wir müssen beide weiter, der Wind ist schneidend kalt. Schade, nur zu gerne hätten wir seine Geschichten gehört! Er fährt nun zurück, will seinen Erfolg feiern gehen.

Wir gehen noch ein Stückchen weiter, wir wollen einen guten Zeltplatz finden, für die Nacht ist ziemlich starker Wind vorhergesagt. Kurz nach Skarsvåg sehen wir ihn dann, unseren letzten Zeltplatz der Tour. Wir wollten unbedingt noch einmal zelten und finden dann den perfekten Platz mit Aussicht hinüber zum Nordkapp!

Langsam stellt sich ein Gefühl von Abschied aber auch Ankommen ein, Euphorie sieht anders aus. Aber erst einmal machen wir es so gut es geht im Zelt gemütlich, denn bald schon bestimmen Nieselregen und fieser Wind das Wetter, beides flaut auch nicht ab, es geht die ganze Nacht hindurch so weiter.

Auf, auf ans Ziel

Da der Morgen richtig usselig ist, fällt es schwer, in die Gänge zu kommen. Ein letztes Mal Porridge zum Frühstück, ein letztes Mal die Sachen in den Rucksack stopfen, ein letztes Mal das Zelt abbauen. Die Handgriffe sitzen, werden aber ab Morgen wohl nicht mehr so sehr gebraucht werden für eine längere Zeit.

Wir laufen mit eiskalten Fingern und tief ins Gesicht gezogener Kapuze los, die Motivation heute schnell anzukommen übernimmt das Wetter nur allzu gerne, scheint es uns. Eigentlich ist alles wie immer, wir laufen wie im Autopilot, bestaunen die spektakuläre Landschaft und freuen uns einfach darauf, gleich anzukommen.

Die Kilometer fliegen vorbei, wir blicken uns immer wieder um, ob schon die Busse aus Honningsvåg zu sehen sind, die die Touristen täglich von den Kreuzfahrt- und Hurtigrutenschiffen hier hinauf fahren. Aber nichts zu sehen, nur zwei Autos überholen uns. Als erstes führt uns die Radarstation kurz vor dem Ziel an der Nase herum, von Weitem ähnelt sie doch dem Nordkapp.

Und dann ist es soweit, unser Ziel kommt in Sicht, wird immer grösser, kommt immer näher. Eintritt will keiner von uns haben, aber das hatten wir uns schon so gedacht. Nur ein paar Autos stehen auf dem großen Parkplatz, keine Menschenseele steht an der Weltkugel. Wir grinsen, darauf hatten wir insgeheim gehofft!

‘Cause love is free and life is cheap,
and as long as I’ve got me a place to sleep,
some clothes on my back and some food to eat,
then I can’t ask for anything more!
(Frank Turner – If ever I stray)

Langsam aber bestimmt laufen wir auf unser Ziel zu. Gemeinsam und Hand in Hand erklimmen wir die Stufen, gucken uns an und fallen uns gegenseitig um den Hals! Was für eine Reise, was für ein Moment! Wir sind weder traurig noch euphorisch, wir sind glücklich und zufrieden, denn wir wissen, dass unsere Reise noch lange nicht zu Ende ist!

Und nun sitzen wir in Honningsvåg im Hotel und müssen uns erst einmal durch den riesigen Stapel an Glückwünschen und Nachrichten kämpfen, der uns erreicht hat! WOW! Es ist unglaublich schön, jede einzelne Nachricht und jeden einzelnen Kommentar zu lesen! Wie krass, wie viele Leute uns die Daumen gedrückt und begleitet haben!

Danke! Danke! Danke!

Wir möchten an dieser Stelle euch allen da draußen Danke sagen! Allen, die uns begleitet haben, die uns Nachrichten und Kommentare geschickt haben. Die uns immer wieder ein Lächeln auf die Lippen gezaubert haben, die uns in welcher Form auch immer geholfen und unterstützt haben! Wir sind unendlich dankbar für all die Hilfe und das Vertrauen, das uns beiden immer wieder entgegen gebracht worden ist! Wir sind sehr stolz darauf, dass wir diese Reise gemeinsam mit euch machen durften. Jeder Einzelne hat auf unterschiedlichste Art und Weise zum Gelingen beigetragen, und da kann man nicht oft genug Danke sagen! Hoffentlich sehen wir uns bald bei dem einen oder anderen Vortrag, auf ein Bier irgendwo oder im Stadion, in Dortmund oder Dresden, Hauptsache Fussball 😉 Bleibt uns gewogen, wir nehmen euch auch in Zukunft immer wieder sehr gerne mit!

Slow Rückreise

Ach ja, wie kommen wir eigentlich zurück? Heute morgen lang die MS Spitsbergen von Hurtigruten im Hafen von Honningsvåg, von unserem Hotelzimmer aus konnten wir sie sehen. Und genau mit diesem Schiff werden wir am Samstag in aller Herrgottsfrühe unsere Rückreise beginnen! Wir freuen uns schon unglaublich darauf!

Puh, ein wenig hatten wir schon damit zu kaempfen, dass es nun anders als geplant weiter gehen soll. Aber die Tage in Alta in guter Gesellschaft haben sicher dazu beigetragen, dass wir entspannt nach vorne blicken und mit der Entscheidung voellig im Reinen sind. In Alta besorgen wir uns noch eine Thermosflasche und waermere Handschuhe fuer Anni. Dazu noch eine Warnweste, die kann man ja immer gut gebrauchen, wenn man auf der Strasse unterwegs ist. Wir wollen bis Skaidi laufen und mal sehen, wie sich das Wetter entwickelt und ob wir noch einmal einen Versuch im Fjell starten wollen. Die ersten Schritte fallen schwer, es fuehlt sich etwas komisch an, wieder aufzubrechen, aber nuetzt ja nix, wir wollen ans Ziel kommen. Wir folgen der Strasse hinaus aus Alta, der Blick faellt schon bald auf die Bucht und den Flughafen, beides liegt zu unserer linken, als wir hinaus aus der Stadt laufen und schon bald der E6 Fernstrasse folgen. Es geht sich ganz gut, die Sonne scheint, aber wehe man kommt in den Schatten, dann wird es schon richtig frisch. Bald gibt es keinen Radweg oder Buergersteig mehr, dem wir folgen koennen. Nun heisst es also wirklich, ab auf die Strasse. Ich schluepfe in die Warnweste und sehe aus wie ein Schuelerlotse, macht aber nichts, Sicherheit geht vor.

Den Autos immer entgegen blickend laufen wir auf der linken Seite und kommen gut und zuegig voran, einige Autofahrer winken froehlich, sie koennen sich wohl denken, warum wir hier auf der Strasse latschen. Auch einige LKW und Busfahrer winken, weichen zumeist gross aus, was wir dankend mit einem freundlichen Gruss zurueck quittieren. Einige der LKW und Busfahrer werden uns wohl eine ganze Woche lang immer wieder treffen, manche grinsen dann schon, wenn sie uns pasiseren. In Rafsbotn im kleinen Supermarkt staerken wir uns noch kurz und dann geht es weiter bis zu unserer angpeilten Uebernachtungsstelle am Leirbotnvatn-See. Das Wetter haelt alles bereit, was man sich so wuenscht oder auch nicht, aber bald darauf blicken wir ein letztes Mal zurueck nach Alta und die Bucht, dann geht es hinab zum See, wo wir kurz darauf unser Zelt aufschlagen.

Mit jedem Kilometerschild steigt die Vorfreude

Heute geht es frueh los, wir wollen weit ueber 30 Kilometer heute laufen, sodass wir es morgen bis nach Skaidi schaffen.

Gesagt ist manchmal leichter als getan und so zieht sich dieser Tag wie Kaugummi.

Zwar sind die Ausblicke in die weite Landschaft mitunter wirklich spektakulaer, aber die teilweise schnurgeraden Strassen und das Asphaltlaufen ziehen uns bald den Zahn, nur muehsam geht es voran, ohne den MP3-Player und einem guten Hoerbuch waere es heute ganz sicher richtig schwer, sich zu motivieren.

Es daemmert schon, als wir endlich bei der Samisiedlung Aisaroaivve unser Zelt aufschlagen. Voellig geschafft und mit schmerzenden Fuessen kriechen wir in unser gemuetliches Domizil, um unser Zelt herum liegt einiges an Schnee und es wird in der Nacht richtig frisch, das kann man jetzt schon erahnen. Die Nacht bricht bald herein und nur noch die Scheinwerfer der einzelnen Fahrzeuge auf der Strasse erhellen ab und an unser Zelt. Im Schein der Stirnlampe staerken wir uns, dann geht es ab in den muckeligen Schlafsack.

Unterwegs mit Norbert Krabbe und Harry Hole

Der Weg nach Skaidi ist aehnlich schoen, wie die Tage zuvor, allerdings nur dann, wenn man nicht unbedingt zu Fuss auf der Strasse unterwegs ist. Wir sichten die ersten Raeumfahrzeuge, die die Strassen abfahren und gucken, ob es fuer sie schon etwas zu tun gibt.

Machen wir es kurz, am Nachmittag erreichen wir Skaidi, diesen merkwuerdigen Strassen-Ort an der Kreuzung der E6 nach Hammerfest und Kirkenes. Bei dem Gedanken muss ich dann aber doch schmunzeln, Kirkenes und Hammerfest, das hoert sich nun aber wirklich an wie ganz weit im Norden.

Im Motel hatten wir reserviert, aber vorher gibt es noch eine Portion Pommes. Die Portionsgroesse, nun ja, ist nicht unbedingt gemacht fuer hungrige NPL-Wanderer, aber fuer den ganz kleinen Hunger schon ganz okay.

Das Zimmer, Anni wollte es mir ja nie so recht glauben, besticht durch die Aussicht auf den oertlichen Bauhhof. Aber sei es drum, es ist gerauemig hier, es ist warm und eine kleine Kueche gibt es auch. Wir kaufen noch im kleinen Shop der Tankstelle ein, der mehr zu bieten hat, als man denken mag. Und die Preise sind auch ganz okay, wenn man bedenkt wo man ist. Und schon bald bricht auch hier der Schleier der Nacht ueber uns herein, diesmal zusaetzlich in Form von ganz fiesem Schneeregen, der die Strassen am naechsten Morgen zu einer Schlittschuhbahn macht. Zum Glueck liegen wir im warmen Bett und freuen uns ueber die gut funktionierende Heizung!

Nach Olderfjord ist es nicht weit, aber auch diese 23 Kilometer wollen gelaufen werden. Also kurz nach dem Loslaufen den MP3-Player gestartet und den Koerper auf Autopilot gestellt, Arme und Beine zu einer rotierenden Scheibe werden lassen und so gut es geht der Strasse folgen. Zwischendurch zeigt Frau Holle mal kurz, was sie kann und huellt uns humorlos in ein weisses Kleid, na toll, jeder vorbei fahrende LKW zieht eine schoene Fahne Spruehnebel hinter sich her, so muss das sein, nicht!

Das letzte Stueck hinab nach Olderfjord zieht sich dabei besonders fies, aber darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an.

Im kleinen Ort angekommen, checken wir als erstes das Angebot im hiesigen “Supermarkt” und mieten uns dann auf dem Campingplatz im Hostel ein. Da ist es zwar warm, aber die Gemuetlichkeit ist im Laufe der letzten Jahrzehnte leider etwas verloren gegangen. Es gibt zwar auch ein Hotel am Campingplatz, in das wir auch liebend gerne gegangen waeren, aber aus irgendwelchen Gruenden versagte uns der Angestellte am Telefon bei der Reservierung dieses. Geschlossen fuer die Saison, war die knappe Antwort. Als ich dann nach dem Einkauf im an den Platz angeschlossenen Souvenirladen vorbeigehe, in dem jetzt wieder Licht ist weil einige Leute einchecken wollen, treibt mich die Neugier hinein. Und siehe da, ich spreche kurz mit dem Chef und wir koennen ins Hotel umziehen. Das hat zwar wirklich geschlossen und Fruehstueck wird auch nicht serviert, aber wir bekommen dennoch ein Zimmer, haben das ganze Hotel also fuer uns ganz alleine. Soll uns sehr recht sein!

Spaeter kommt noch Thomas mit seiner Frau Nadine vorbei, wir hatten die beiden ja schon in Alta getroffen, nun waren sie noch einmal mit dem Leihwagen am Nordkapp und machen auf der Rueckfahrt nach Alta noch kurz Pause bei uns. Ein kurzer Plausch, dann sind sie weg, morgen geht es fuer die beiden zurueck nach Deutschland. Wie gross wohl der Schock fuer Thomas werden wird, wenn er nach ueber 4 Monaten Wanderschaft in Duesseldorf am Flughafen aus dem Flieger aussteigt?

 
 
 
 
 
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Das da hinten ist Honningsvåg auf Magerøya – noch 3 Tage bis zum Nordkapp ?. Ein Gefühl von Abschied liegt in der Luft. Der Herbst weicht langsam dem Winter, die bunten Farben des Fjells dem monochromen Weiß des Schnees. Wir spüren, es ist okay, dass es zu Ende geht, in und um uns ist alles auf Umbruch gepolt. Aber seit ich das erste Stück offenen Meeres gesehen habe, fühle ich mich jetzt schon angekommen. Das Meer hier hat nichts von der Lieblichkeit der Südküste, es braucht ein dickes Fell und gegerbte Haut, um es mit ihm aufnehmen zu können. Morgen besteigen wir unsere persönliche Nautilus und sinken 212 Meter unters Meer ⚓ der Nordkapptunnel ruft! #zusammendurchNorwegen #norgepålangs #porsanger #magerøya #nordnorgepåsittbeste #ignorge #wanderlust #fernweh #utpåturaldrisur #liveterbestute #outsideisfree #natureseekers #finnmark #hikingnorway

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Von Olderfjord geht es am Tag darauf weiter, nun auf der E69-Strasse.

Zwei Wanderer, ein Fjord

Ob wir in drei oder vier Tagen nach Honningsvåg kommen, wollen wir uns offen lassen, je nachdem, wie sich die Fuesse anfuehlen. Wir folgen fast durchgehend der Kuestenlinie, stets haben wir den Porsangerfjord in Sichtweite.

Die Sonne scheint und wir geniessen es fast, hier unterwegs zu sein. Gemeinsam haben wir entschieden, dass wir der Strasse folgen wollen, die Moeglichkeit nochmal im Fjell unterwegs zu sein ist zwar reizvoll, erscheint uns aber zu unsicher. So spulen wir Kilometer um Kilometer ab, kommen gut voran. Nach fast drei skandinavischen Meilen finden wir kurz vor dem Sortviktunnelen einen guten Zelplatz und betten uns dort fuer die Nacht.

Heute muessen wir uns entscheiden, ob wir es in drei oder vier Tagen schaffen wollen. Wir vertagen die finale Entscheidung und laufen erstmal los.

Nach knapp 17 Kilometern kommt das ganz kleine Doerfchen Repvåg in Sicht. Der Campingplatz mit Hotel dort hat zu, wird renoviert. Aber ein Hinweis-Schild zu einer Unterkunft mit russischer Schrift weckt mein Interesse, und so google ich kurz, rufe bei einer Telefonnummer an und kurz darauf haelt ein Jeep mit russischen Nummernschildern neben uns, eine junge Frau begruesst uns und nimmt uns mit nach Repvåg zu ihrem Hotel. Der kleine Fischerort liegt nicht direkt an unserer Route, da ist die kurze Autofahrt schon sehr willkommen. Das Hotel entpuppt sich als einfache aber saubere Unterkunft, ohne grosse Schnoerkel, aber mit einer Heizung, sehr gut. Da die Unterkunft aber auch hier irgendwie schon fuer den Winter eigentlich geschlossen hat, gibt es leider nichts mehr zu essen, im Sommer gibt es eine Art Restaurant. Wir schwatzen der Betreiberin, natuerlich gegen Bezahlung, noch eine Tuete Chips ab, die eigentlich aus ihrem Privatbestand stammt. Ach ja, faellt es ihr dann noch ein, im Restaurant servieren wir sonst immer Koenigskrabben, diese Riesenkrebse, die eigentlich aus Kamtschatka stammen und von den Russen hier oben bei Kirkenes ausgesetzt worden sind und sich nun bis weit nach Norwegen ausgebreitet haben. Die werden hier gefischt und serviert. Und da sie gerade dabei ist, welche zu kochen und einzufrieren, koennten wir welche abhaben.

Wir muessen nicht lange ueberlegen und kurz darauf liegen auch schon einige riesige Krebsbeine vor uns, die wir uns genuesslich schmecken lassen. Was fuer ein abgefahrener Tag, der so zaeh begann und dann solch eine herrliche Wendung bekam!

Das Brøytebil laesst gruessen

Am naechsten Morgen nehmen uns zwei andere Gaeste der Unterkunft mit zurueck zur Strasse und weiter geht der Polarexpress der Route E69.

Die Beine und Fuesse sind heute gut, sodass wir schnell und gut voran kommen. Auch wenn das Wetter ziemlich wechselhaft ist und wir am Ende des Tages noch eine kleine Dusche abbekommen, stehen am Ende bald 29 Kilometer auf der Uhr und das beste ueberhaupt: Wir koennen hinueber bis nach Honningsvåg sehen! Das Nordkapp ist nun nicht nur ein Name auf dem Strassenschild, es wird nun wirklich langsam greifbar!

Kurz vor dem Nordkapp-Tunnel frischt der Wind richtig auf, er blaest uns fast von der Strasse und wir haben etwas Muehe, einen Zeltplatz zu finden, der nicht so krass dem Wind ausgesetzt ist. Das gelingt aber nach kurzer Suche ohne grosse Probleme. Der Regen prasselt aufs Zelt, aber wir haben es im Zelt richtig schoen gemuetlich!

Glueck auf, der Steiger kommt!

Heute ist einer der grossen Tage der Tour: Es geht durch DEN Tunnel! Der Nordkapp-Tunnel! Der Hammer! Nachdem das Zelt im Rucksack verstaut ist, geht es los! Also fast, vorher muessen natuerlich noch einige Photos usw. gemacht werden!

Dann ist es soweit, und wir begeben uns auf Tauchstation, es geht hinab unters Meer. Fast 7 Kilometer lang und ueber 200 Meter unter dem Meeresspiegel laufen wir hinueber zur Insel Magerøya! Was fuer eine Erfahrung!

Insbesondere fuer Anni, ich hatte ja bereits einmal das Vergnuegen! Es geht gut voran, wir machen ein paar Faxen, schiessen Photos, machen Videos. Aber jedesmal, wenn ein Auto, Bus oder LKW vorbei faehrt, donnert es in dem Tunnel, dass einem beinahe das Blut in den Adern gefriert. Es ist wirklich schwer zu beschreiben, man muss es wohl am besten einmal selbst erlebt haben!

Der Rest des Tages ist schnell erzaehlt. Mit Hoerbuch und Musik auf den Ohren geht es bis nach Honningsvåg. Bei mir stellen sich langsam gemischte Gefuehle ein. Am Dienstag geht es weiter und am Mittwoch gegen Mittag wollen wir am Ziel sein. Noch zweimal schlafen – und was kommt dann?

Der Ruhetag in Katterjokk hat die Akkus richtig aufgeladen, wir haben ordentlich und gut gegessen, wenn der Supermarkt nur wenige Meter entfernt ist macht es das natuerlich auch bedeutend einfacher. Wir starten auf den naechsten Abschnitt mit einigen Kilometern auf der Strasse, wir wollen es heute wieder auf die norwegische Seite der Grenze schaffen, die Lappjordhytta haben wir dabei als Ziel angepeilt. Bis dorthin fuehrt uns der Weg die ersten gut 21 Kilometer ueber die Strasse in Richtung Abisko. Der Verkehr haelt sich in Grenzen, das Wetter haelt sich mit Regen zurueck und wir kommen gut voran. Gegen 14 Uhr erreichen wir nach einer ausgiebigen Pause den Abzweig zur Huette, noch 11 weitere Kilometer sind es nun. Auf und ab geht es durch lichten Birkenwald, der in den wunderschoensten Herbstfarben schillert. Es ist zwar etwas anstrengend zu gehen, aber das gemuetliche Ziel vor Augen motiviert dann doch immer wieder. Wir passieren die einfache Huette des schwedischen Wanderverbandes und kommen zum Grenzstein. Nun ist es nur noch gut einen Kilometer zur Lappjordhytta, dieser fuehrt aber konsequenter Weise einfach steil den Abhang hoch, auf dem die Huette in der Abendsonne strahlt. Willkommen zurueck in Norwegen!

Der Anstieg ist schnell ueberwunden, wir richten uns in der Huette ein, starten den Ofen und genießen die Ruhe nach einem langen anstrengenden Tag. Und die Aussichten von dieser Huette hinueber zum grossen Torneträsk-See und zu den Lapporten-Bergen, dazu muss man nicht viele Worte verlieren – Praedikat weltklasse!

Herbstdaemmerung

Das Wetter heute laesst uns beim Aufwachen erschaudern, wir blicken aus dem Fenster in eine einzige Waschkueche, na prost Mahlzeit! Der Tag startet mit dramatischen Wolken, viel Wind und waagerechtem Regen – allerdings nur so lange, bis wir quasi ueber den Wolken stehen, die sich hier am Talende aufgestaut haben. Innerhalb von Minuten reisst die Wolkendecke auf und blauer Himmel erstrahlt ueber uns.

Wir kommen gut voran und der Weg heute ist denkbar einfach, bis sich dann am Nachmittag das Schauspiel vom Morgen umkehrt und der blaue Himmel unter einer grauen Wolkendecke wieder verschwindet und uns der Wind regelrecht aus dem Fjell hinunter zum Altevatn-Stausee pustet. Zu Gast bei Freunden

Als wir wieder Handy-Empfang haben, rufen wir kurz bei Bjørn Klauer von der Huskyfarm in Innset an, dort wollen wir heute uebernachten und auch ein Versorgungspaket wartet dort auf uns. Wir haben Glueck und Bjørn ist gerade selbst unterwegs, erklimmt mit einem Rudel Welpen und seinen Helfern gerade einen der umliegenden Berge, macht quasi einen Sonntagsausflug und kann uns gleich an der Staumauer mit dem Auto einsammeln, das erspart uns einge Kilometer zu Fuss ins Tal, die ansonsten eigentlich eher ein Umweg waeren. Mit grossem Hallo begruessen wir uns, es ist die Rueckkehr zu einem ganz besonderen Ort fuer mich, habe ich doch hier 2013 einige Tage auf seiner Farm verbracht. Und auch Anni war schon dort zu Gast, als sie dort vor zwei Jahren ihre Tour auf dem Nordkalottleden beendet hat.

Unser Paket ist da und es ist schoen wieder hier zu sein! Wir duschen, waschen unsere Klamotten das erste Mal nach einigen Wochen wieder und quatschen mit den Helfern – dieser Ort hier ist wirklich ganz besonders, vor allem die herzliche, offene und ehrliche Gastfreundschaft ist wirklich herausragend!

Wir sortieren unsere neuen Lebensmittel und uebergeben den Helfern im Gaestehaus einen grossen Karton mit Schokolade und Riegeln, die wir ueber haben. Leider draengt uns der Wetterbericht am naechsten Morgen zum Weitergehen, nur zu gerne waeren wir laenger geblieben, aber die Pflicht ruft und wir verabschieden uns leider schon wieder.

Zuegig flitzen wir am Altevatn entlang zur Gaskashytta, der Wetterbericht weist fuer den Nachmittag und den naechsten Tag wirklich ungemuetliches Wetter mit ziemlich starkem Wind aus. Wir machen auf der Huette einen langen Tagesbesuch und staerken uns fuer die naechsten 17 Kilometer. Als wir gerade gehen wollen, treffen wir einen Wandersmann aus Berlin, Manuel ist auch schon laenger unterwegs und auf dem Weg in Richtung Abisko. Wir quatschen kurz, tauschen Infos aus und irgendwie komme ich ihm bekannt vor, nur auf den Namen kommt er nicht. Ich helfe ihm auf die Spruenge, wir muessen alle drei laut lachen, er hatte mein Buch gelesen und staunt jetzt nicht schlecht. Wir machen noch ein Photo zusammen und empfehlen uns dann, solche Begegnungen machen doch immer wieder grosse Freude!

Winter? Winter!

Mitten auf dem hochesten Punkt der Etappe erwischt uns dann das ueble Wetter. Binnen Minuten verdunkelt sich der Himmel und Frau Holle schlaegt richtig zu. Nasse Schneeflocken verwandeln die Umgebung in eine ungemuetliche Landschaft, die man so im September eigentlich nicht haben moechte, aber hei, so ein Wetter kann man in Norwegen immer und zu jeder Zeit haben. Also Handschuhe an und die Kapuze tiefer ins Gesicht gezogen, weiter geht es. Das usselige Wetter verleiht uns Fluegel und nach knapp vier Stunden machen wir einen Haken an die 17 Kilometer, wir beziehen die neue grosse Vuomahytta mit den Panoramafenstern. Es dauert etwas, bis es in der grossen Huette warm wird, dann aber umso mehr. Draussen heult der Wind, nasser Schnee klatscht an die Fenster und wir sitzen im Trockenen und Warmen – so einfach kann Glueck sein!

Da wir es heute nicht weit zur Dividalshytta haben, verschieben wir den Start auf spaeter, das Wetter soll dann etwas besser werden. Der Wind heult weiterhin unentwegt sein Klagelied, wir starten erst um 11 Uhr, lassen uns am Morgen viel Zeit. In der kleineren Huette hatte sich gestern Alice aus der Schweiz einquartiert und heute berichten wir ihr vom Wetterbericht. Sie wird wohl hier bleiben und den Pass in Richtung Gaskashytta erst einen Tag spaeter gehen, zu mies ist das Wetter. Wir ziehen los, fuer uns geht es durch tiefere Lagen, dort liegt noch kaum Schnee, aber gemuetlich ist es auch hier nicht. Als dann auch noch hier weiter unten Schneetreiben einsetzt, sinkt die Laune weiter und die Motivation, die Huette zuegig zu erreichen steigt im gleichen Masse. Da morgen die Elchjagdsaison startet, treffen wir noch ein paar Jaeger, die der fruehe Winter auch total ueberraschend getroffen hat und die darueber auch nicht wirklich gluecklich zu sein scheinen. Ihr Wetterbericht ruft bei uns auch keine Begeisterungsstuerme hervor, das werden wohl unerwartet harte Tage hier in der Gegend fuer uns, nur die Elche wird es wohl freuen, macht das Wetter ihren Haeschern doch die Jagd um einiges schwerer.

Wir folgen dem Dividalen hoch zur gleichnamigen Huette, die wir gegen Nachmittag erreichen. Hier liegt noch nicht so arg viel Schnee, aber auch das aendert sich gegen Abend zunehmend. Uns schwant langsam Ungutes, wir werden sehen und von Tag zu Tag schauen, wie und ob es weiter geht. Die dunkle Nacht bricht herein und ploetzlich ist es draussen beinahe taghell, der Vollmond ist ueber den Bergen aufgegangen, was fuer ein Schausspiel.

Ein ganz besonderes Geschenk

“Gratulerer med dagen!” hoere ich es aus dem Schlafsack murmeln, der mir gegenueber im anderen Bett liegt. Heute ist ein besonderer Tag, nicht nur, dass draussen weiter der Winter Einzug gehalten hat, nein, hier drinnen ist auch jemand wieder ein Jahr aelter geworden. Ich freue mich total, dass ich heute Anni bei mir habe und mit ihr zusammen diesen Tag begehen kann.

Das Geschenk wartet draussen in einer Landschaft, die einem beim Start den Atem stocken laesst! Die Sonne taucht alles in eine weiche, wunderschoene Winterlandschaft, wir freuen uns wie kleine Kinder und kommen aus dem Photografieren gar nicht mehr heraus. Naja bis, bis wir den Pass hinueber zur Dæertahytta erreichen und den Schlamassel sehen. Die Wege und Markierungen sind noch ganz gut auszumachen, aber was sich unter der Schneedecke befindet, ob Bach, Schlammloch oder Blockwerk, das laesst sich nur erahnen. Wir stolpern voran, blicken ehrfurchtsvoll auf die bis zum Horizont weiss bedeckten Berge vor uns und jeder von uns macht sich dabei so seine Gedanken, viel geredet wird nicht.

Die grosse Furt passieren wir noch bei recht gutem Wetter, aber dann wird es dunkler, man kann teilweise nur noch Schemen erahnen, die Landschaft um uns herum verschwindet, wir hangeln uns von Wegmarkierung zu Wegmarkierung. Ich hatte schon Touren im Winter, auf denen ich weniger Schnee unter den Skiern hatte, als wir nun haben. Der Weg zieht sich, Spass und Freude sind schon lange verschwunden, wir wollen nur noch die Huette erreichen. Das letzte Stueck zeigt sich dabei als besonders tueckisch, es geht muehevoll durch verschneites Blockwerk. Zwischendurch muss ich kurz lachen, die Steine um uns herum sehen aus wie eine gewaltige Pinguinkolonie in der Antarktis, aber als ich dann wieder tief im Schnee einbreche und wieder einmal umknicke, befinde ich mich ganz schnell wieder in der harten Realitaet.

Die Dærtahuette erreichen wir bald darauf, noch einmal lege ich mich mit Blick auf das Tagesziel so richtig auf die Fresse, anders kann man es einfach nicht beschreiben. Ein verdecktes Loch im Boden hebelt mich aus und ich lande mit dem Kopf voran im Schnee. Unschoen! Happy Birthday und alles Gute!

Auch diese Huette haben wir ganz fuer uns alleine. Anni startet den Ofen und ich hole Wasser und Feuerholz. Als ich zurueck komme, faellt mir auf, das scheinbar jemand ein Bier und eine Dose Ananas hier auf dem Kuechentisch hat liegen lassen! Wie geil denke ich noch, als mir auch noch die Norwegenfahne dabei auffaellt! Anni lacht sich kaputt und nimmt mich in den Arm, herzlichen Glueckwunsch zum Geburtstag noch mal! Erst jetzt faellt es mir wie Schuppen von den Augen, das Bier und die Ananas-Dose sind von Anni und ihr Geburtstagsgeschenk fuer mich, sie hat sie fast 120 Kilometer heimlich von Katterjokk bis hierher im Rucksack geschleppt! Wie cool ist das denn!

Die Stimmung am Abend ist dennoch nicht ganz so gut, aber nur wegen dem Wetter, wir diskutieren alle moeglichen Szenarien und Moeglichkeiten bis uns der Kopf raucht – wir vertagen die Entscheidung wie es weiter gehen soll auf den naechsten Tag.

Eine Entscheidung muss her

Beim Fruehstueck besprechen wir nochmal alles, aber es ist schnell klar fuer uns, dass wir heute versuchen wollen, ins Dividalen ins 22 km entfernte Frihetsli abzusteigen. Wir befinden uns auf knapp 700 Metern und muessten in den naechsten Tagen einige Paesse ueberwinden, die mehr als 1000 Meter hoch sind. Das erscheint uns zwar irgendwie machbar, aber die Konsequenz waere dann, dass wir es eventuell bis nach Kilpisjärvi schaffen wuerden, dort aber in der Sackgasse waeren, falls auch auf der finnischen Seite so viel Schnee gefallen ist wie hier, was wir fuer gegeben annehmen. Zudem wollen wir weder uns noch andere in Gefahr bringen, wenn es nicht unbedingt noetig ist. Zudem befindet sich hier auf der Huette ein Barometer, das seit gestern kraeftig gefallen ist. Also gibt es nur eine Entscheidung zu treffen: Wir laufen ins Dividalen!

Zu Beginn ist das Wetter noch ganz gut, aber dann zieht es wieder zu, es wird ungemuetlich, wieder faellt Schnee, wieder ist der Wind schneidend – wir haben jetzt hier einfach nichts mehr verloren. Wir passieren das Geisterdorf weiter unten im Tal, das den Sami von Zeit zu Zeit als Unterkunft waehrend der Rentiermarkierung dient und nun an verlassener Trostlosigkeit kaum zu uebertreffen ist. Ein Zwischenanstieg auf ueber 800 Meter Hoehe raubt uns auch die letzten Illusionen, der Winter ist da, mehrfach versinken wir bis ueber die Knie in Schneewehen und kommen zu Baechen, die dabei sind gerade zuzufrieren, die Ufer sind kaum noch auszumachen, die Ueberquerung ist mehrfach aeusserst ungemuetlich. Wir wollen nur noch raus und ins Tal, geben richtig Gas, obwohl das Wetter um uns herum nun richtig fordernd wird, was fuer eine Scheisse murmele ich in einer Tour, das ist jetzt nicht nur wirklich spassbefreit, sondern auch langsam echt gefaehrlich. Es dauert eine ganze Weile, bis wir endlich in den Bereich gelangen, wo es steil hinab ins Tal geht. Der Abstieg hat es nochmal richtig in sich, die letzten Meter sind wirklich steil und mittlerweile haben sich die Schneeflocken auch bis unter die Baumgrenze hinunter durchgeschlagen. Nach fast 6 Stunden fuer die 22 Kilometer stehen wir bei Frihetsli im Dividalen endlich auf der Strasse, endlich macht sich ein erleichtertes Gefuehl von Sicherheit breit. Wir pusten erstmal durch, muessen uns kurz sammeln und machen uns dann auf in die eigentlich falsche Richtung, denn die offenen und fuer jedermann kostenlos nutzbaren Huetten vom Statskog liegen entgegengesetzt zur Laufrichting von Morgen. Und da die erste Huette auch schon besetzt ist, gesellen sich bald 5 Kilometer extra, die wir natuerlich morgen wieder zurueck gehen muessen, zu unserem eigentlichen Tagespensum. Wir machen drei Kreuze, als wir dann endlich in der einfachen Fossbua-Huette sitzen, der Ofen bollert und wir mit leerem Blick etwas zu essen in uns herein schaufeln.

Frueh geht es zu Bett, heute gibt es nichts mehr zu tun, das Erlebte nagt und muss erst einmal verarbeitet werden. Wie wird es weiter gehen? Das wird sich morgen zeigen.

Um 6 Uhr klingelt der Wecker, um 8 Uhr brechen wir auf, wir wollen es bis zum naechsten Ort nach Øverbygd heute schaffen, dort gibt es einen kleinen Laden. Und dort wollen wir dann entscheiden, wie es weiter geht, allerdings sind es bis dorthin knapp 35 Kilometer auf der Strasse.

Die Zeichen stehen auf Planaenderung

Mit jedem Kilometer auf der Strasse werden die Gespraeche weniger, die Fussschmerzen mehr. Wir kommen ganz gut voran, doch beide haben wir ganz schoen zu kaempfen, schoen ist es gerade nicht. Klar, das gehoert dazu und wir ziehen das heute auch eisern durch, ganz egal wie viel Autos an uns vorbei fahren, den Daumen werden wir nicht herausrecken. Jeder fuer sich macht sich so seine Gedanken, bis wir ungefaehr 5 Kilometer vor dem Tagesziel auf der Strasse stehen bleiben und uns beide ansehen. Wir denken und fuehlen beide das Gleiche, das ist schnell klar. Der Blick auf die Schneekarte von Senorge.no weist Schnee in den hoeheren Lagen aus bis Alta und als wir auf Google Maps checken, wie weit es von hier bis Alta auf der Strasse, der beruechtigten E6 ist, sind wir uns einig, von Alta aus laufen wir zum Nordkap, aber nicht die kompletten 600 Kilometer von hier aus. Nicht aus falschem Ehrgeiz und nicht nur um sagen zu koennen, wir sind konsequent jeden Meter gelaufen, sei er auch noch so “oede”. Nicht falsch verstehen, bis hierhin sind wir wirklich jeden Meter, bis auf die kurze Bootspassage ueber den Namsvatnet, gelaufen. Wir haben die Seilbahn auf die Hardangervidda ausgelassen und haben auch immer unseren Rucksack komplett selbst getragen. Zu trampen oder uns mitnehmen zu lassen kam nie in Frage, niemals. Aber nun so weit auf der Hauptstrasse zu laufen erscheint uns beiden sinnlos, das entspricht nicht dem, was wir wollen oder uns erwarten. Klar, wir sind schon einige hundert Kilometer Strasse gelaufen auf dieser Tour, immer in Abschnitten, aber 600 Kilometer am Stueck? Nein, wir sind uns einig, nicht aus einem Impuls heraus, nein, aus rationaler Ueberlegung. Dass der Winter irgendwann kommt, war uns voellig klar. Und wir wollten dies auch bewusst so erleben, den einsetzenden Winter sehen, alle Jahreszeiten mitnehemen. Und der Oktober ist eigentlich auch noch ein guter Monat fuer Touren im Fjell, eine meiner schoensten Touren ueberhaupt habe ich Mitte Oktober in der Hardangervidda unternommen. Auch die Wetteraufzeichnungen bei Senorge stuetzen unseren Plan, seit 15 Jahren war der Winter noch nie so frueh und vehement am Start – wir haben einfach Pech und in diesem Jahr die Arschkarte gezogen. Aber sollen wir deshalb gross Truebsal blasen und uns Vorwuerfe machen? Klares NEIN! Unser Plan schien bis zuletzt optimal aufzugehen, wir lagen voll in der Zeitplanung. Aber das Wetter ist nun mal nicht planbar, niemals. Und den Blick auf die Fjellvettreglene (Regel-Richtlinien für Touren, erstellt vom DNT) und die entsprechenden Konsequenzen daraus sollte jeder immer im Kopf praesent haben, der im Norden auf Tour geht. Punkt.

Wir treffen also voellig fertig gegen 16 Uhr im Laden ein, sind etwas kopflos ob der wenigen Optionen, die wir nun haben. Ein junges Maedel an der Kasse meint noch, dass um 17 Uhr ein Bus in Richtung Tromsø fahren wuerde. Der Laden schliesst auch um 17 Uhr und hier im kleinen Ort gibt es auch keine Uebernachtungsmoeglichkeit, in der man einmal zur Ruhe kommen und weiter planen koennte. Es ist die Zeit fuer Entscheidungen und nicht fuer Zoegereien. Wir quatschen ein paar Leute an, die bereit sind, uns die 5 Kilometer zur Bushaltestelle zu fahren. Um 16:45 Uhr sitzen wir im Auto zum Bus und um 17 Uhr auch schon im Bus nach Tromsø. Ein Hotel ist auch schnell online gebucht und am naechsten Tag gibt es die Moeglichkeit weiter nach Alta zu fahren. Gesagt getan, manchmal muessen Entscheidungen getroffen werden, da bleibt keine Zeit zum Hadern oder gross ueberlegen, da stehen wir beide voll dahinter.

Und so sitzen wir am Abend in einem Hotel in Tromsø, kommen jetzt erst langsam runter und zur Ruhe. Der Rest ist schnell erzaehlt, der Plan steht. Wir nehmen den Bus nach Alta am naechsten Tag, legen dort bis Montag eine Pause ein und laufen dann den Rest zum Nordkap. In Tromsø machen wir noch einige Besorgungen, kaufen neue Schuhe für Anni, regeln all das, was umgeplant werden muss und spaet am Abend treffen wir dann nach 6 Stunden Busfahrt in Alta ein.

Der Samstag beginnt mit einer Ueberraschung, wir treffen uns mit Thomas und seiner Frau sowie Tobi zum Fruehstueck im Hotel. Thomas und Tobi haben vor kurzem jeweils ihre Norge på langs Wanderung am Nordkap beendet und sind beide zufaellig noch in Alta. So quatschen wir lange bei reichlich Kaffee und viel Essen ueber unsere Erlebnisse. Alleine dafuer hat sich unsere Entscheidung eigentlich schon gelohnt.

Nun aber heisst es, nach vorne zu gucken und ab morgen wieder loszulegen. Wir laufen weiter, keine Frage, ist doch klar!

Was haben wir es uns auf der Ny-Sulitjelma Hütte des DNT am Ruhetag gut gehen lassen. So schön einfach das Tourleben auch ist, mal wieder selber was richtig schönes kochen ist doch unschlagbar.

So machen wir uns am 7. September auf in den Padjelanta Nationalpark. Dass wir schon ganze 100 Tage auf Wanderschaft sind, bewahrt den Körper nicht vor dem kleinen Schock, den man mit einem 5 kg schwereren Rucksack mit neuem Essen aus dem Versorgungspaket jedes Mal aufs Neue bekommt.

Wir schnaufen uns 500 Höhenmeter hoch zur Sorjushytta, wo wir uns eine Pause gönnen. Auf Padjelanta freuen wir uns total, denn die Wettervorhersage stimmt und so werden uns ein paar richtig schöne Zeltnächte bevorstehen.

Zudem nehmen wir uns vor, hier richtig Strecke zu machen, weil es dank der einfach zu gehenden Wege und der ausgelegten Bohlenplanken möglich ist. Im Vergleich zu den norwegischen Wegen also richtige Autobahnen. Da die Hütten des Padjelanta Laponia Verbands, der die hiesigen Hütten betreibt, auch schon geschlossen haben, treffen wir nur wenige andere Wanderer an.

So verbringen wir vier wunderbare Tage bis Vaisaluokta, die herrliche Zeltplätze, unsere ersten Nordlichter, viel Sonnenschein und milde Temperaturen bereithalten. Besonders liebe ich immer Begegnungen mit großen Vögeln.

Am Virihaure umkreist eine Eule mehrmals neugierig lautlos unser Zelt, um jedes mal kurz über dem Eingang abzubremsen und einen Blick drauf zu werfen, wer sich da in ihr Revier verirrt hat. In Kutjaure treffen wir dann noch den Hüttenwart von Unna Allakas im letzten Jahr, der seit 4 Wochen hier arbeitet und damit sämtliche Norge på langs Wanderer auf dieser Route durchgeschleust haben dürfte. Wieder wird klar, wie “viele” Deutsche dieses Jahr NPL gehen, unglaublich.

Etwas erschöpft erreichen wir Vaisaluokta, Handyempfang und ein richtiges Bett sind zur Abwechslung mal nicht verkehrt.

JWD – janz weit draußen im Grenzgebiet

Der Abschnitt ab Vaisaluokta hat für mich eine ganz besondere Bedeutung, denn ich habe mich auf meinen zwei Solo-Nordkalottleden Touren nie an diesen Abschnitt rangetraut, zu viel Schiss hatte ich vor der Länge, dem Anspruch und der Abgeschiedenheit dieser Etappe. Zudem fällt der Proviantnachschub in Ritsem auf der anderen Seeseite des Akkajaure weg, das letzte Boot war sowieso seit 2 Tagen abgefahren, sodass man mit mindestens zwei Wochen Essen schleppen rechnen muss. Da heißt es gut planen und sich was einfallen lassen. Zum Glück konnten wir dank Kontakte ein Paket auf der Sitashytta deponieren, sonst wäre das so nur schwer möglich gewesen.

So brechen wir auf nach Terra Inkognita, 52 km sind es zur abgelegenen Røysvatnhytta des DNT. Der Weg durch den dichten Birkenwald ist überraschend gut zu gehen, obwohl so gut wie keine Markierungen vorhanden sind. An der Ravddajavrre Schutzhütte warten wir einen Regenschauer ab, wir kommen hervorragend voran und steigen schon bald bis knapp über die Baumgrenze. Langsam kommen die höheren, runden Gipfel der ersten Narvikfjell Ausläufer in Sicht und in ganz weiter Ferne ist sogar die Spitze des Stetind, markanter Nationalberg Norwegens, zu sehen! Der Wahnsinn! In mir macht sich großer Enthusiasmus breit, denn die felsige Gegend um Røysvatn hat sich letztes Jahr tief in mein Bewusstsein gebrannt. Da erreichte ich die Hütte über den Gränsleden ebenfalls in zwei Tagen und konnte es kaum fassen, es bis dort hin geschafft zu haben. Nach etwa 25km schlagen wir das Zelt in der Abendsonne auf und genießen einfach die Einsamkeit, bzw. Zweisamkeit.

Die bevorstehende große Flussfurt des Valldajåhka verschieben wir auf morgen. Am nächsten Tag entschließen wir uns spontan zu einer Abkürzung, denn einige Stellen vor der offiziellen Furtstelle lassen es zu, einfach von Stein zu Stein zu hüpfen. Also lassen wir den Abzweig nach Hellemobotn außen vor und sparen so mal eben 5 km ein! Wer übrigens Norge på tvers gehen möchte, ist hier genau richtig, denn Norwegen ist an dieser Stelle gerade mal 8 km breit 😉

Am Berghang auf der anderen Flussseite finden wir den markierten Weg auf Anhieb wieder, das läuft ja wie ein Länderspiel. Hier sind die Markierungen in Form von Steinmännchen sehr gut zu sehen, doch bei nebligen Bedingungen möchte ich die nicht suchen müssen. Wir nähern uns den grauen, kahlen Bergen und erklimmen schwitzend einen Pass auf 800 m.

Jetzt ist der Bjørntoppen, an dessen Fuß die Røysvatnhytta liegt, schon zum greifen nah, doch wir brauchen noch über 5 Stunden, um die Dutzenden kleinen steilen An- und Abstiege zu bewältigen, die uns am Ende wirklich fast den Stecker ziehen. Man fühlt sich wie im Bootcamp, immer kommt noch ein weiterer Hügel zum Vorschein, den es zu überwinden gilt, aber die Aussichten über die zerklüftete, von kleinen Seen durchzogene Landschaft sind herrlich. Immerhin müssen wir bei den beiden größeren Flüssen, deren Furt unter anderen Bedingungen herausfordernd sein kann, nicht einmal die Schuhe ausziehen. Kurz nach 6 schließen wir endlich die wunderschön gelegene Hütte auf, das Gefühl ist unglaublich, wieder hier zu sein! Verdammt, wie man sich diese Hütte verdienen muss. Kein Wunder, dass sie eine der am wenigsten besuchten DNT Hütten überhaupt ist.

Für die Sauna ist keine Energie mehr da, essen, Hüttenbuch lesen, schlafen sind angesagt – und Nordlichter, bereits zum fünften Mal hintereinander! Was für ein Glück.

Im Herzen des Narvikfjell

Jetzt folgt ein Abschnitt, den ich von meiner Solotour letztes Jahr von Sulitjelma nach Narvik schon sehr gut kenne. Allerdings habe ich für die 28 km von Røysvatn nach Pauro zwei Tage gebraucht, jetzt reißen wir das mal eben an einem langen Tag ab – der Körper ist eben einfach ein Wunderwerk.

Von den Fehlern, die ich letztes Jahr gemacht habe, können wir hier wunderbar profitieren. So suchen wir am Bavrojavri gar nicht erst Wege und Markierungen, die gibt es nämlich eh kaum, sondern suchen uns am Seeufer haltend unseren eigenen Weg. Auch die Sommerbrücke und die Ruderbootstelle, die in der Karte falsch eingezeichnet sind, kosten diesmal nicht Stunden um sie zu finden.

Wir haben Glück, auf jeder Seite liegt ein Boot. Um diesen Zustand für die Nachwelt zu erhalten, muss man drei mal rudern, was wir gern tun. Oft genug haben wir schon von Leuten gelesen, die hier leider schwimmen mussten, weil auf ihrer Seite kein Boot lag. Blöd… In der Pauro Hütte entspannt sich schon Thomas, ein anderer Norge på langser aus Norwegen, der erst Mitte August am Nordkap gestartet ist. Der Regen prasselt gegen die Fenster, als wir den Abend beim Gespräch ausklingen lassen.

Mit der nächsten Etappe steht mit 22 km für uns schon fast ein kurzer Tag an, verglichen mit den langen Tagen seit Sulitjelma. Ja wir konnten tatsächlich richtig Strecke machen, was toll ist, denn unsere Variante durchs Narvikfjell kostet im Vergleich zu der über Abisko etliche Tage mehr. Wir merken dass die “Schufterei” sich auszahlt. Harte Arbeit, ehrlicher Lohn 😉 Auf der Sitashytta wartet das erwähnte Paket schon auf uns, zudem möchten wir hier einen Ruhetag einlegen, wozu sich die gemütliche Hütte am riesigen Sitasjaure See hervorragend eignet.

Am Nachmittag kommt Marco aus der Schweiz an, bei interessanten Gesprächen in guter Gesellschaft lässt es sich doch super entspannen. Am nächsten Morgen sind die umliegenden Gipfel das erste mal mit frischem Schnee gepudert.

Wer abkürzt, darf mehr essen

Um einen Tag einzusparen, beschließen wir, statt über die Narvikfjell Hütten Skoaddejavri und Caihnavaggi über die Straße nach Fjellbu hinab zu gehen, um anschließend das große Norddalen Tal nach Cunojavri hoch zu laufen. Der Plan geht hervorragend auf, ohne dass wir uns auf den 30 km abwärts und 25 km aufwärts zu sehr schinden.

Und doch ist es erstaunlich, dass man von einem langen Serpentinen Abstieg ins Tal selbst nach dreieinhalb Monaten auf Tour immer noch Muskelkater bekommt.

Vor fast genau einem Jahr waren wir schon gemeinsam in Cunojavri, eine unserer absoluten Lieblingshütten überhaupt. Wir verzeichnen eine gewisse Geruchsentwicklung unsererseits, haben unsere zarten Körper doch seit Umbukta keine Dusche mehr gesehen.

Daher sind wir extra motiviert, die verbleibenden Kilometer nach Katterjokk über den uns bekannten Weg auf der schwedischen Seite des Narvikfjells hinter uns zu lassen.

Einen langen Tag, eine schon etwas frischere Zeltnacht und einen kurzen Tag später fallen wir auch schon hungrig wie die Bären in den Supermarkt und später ins Restaurant in Katterjokk ein, um Cola und Burger zu genießen. Einfach ein unbezahlbares Gefühl!

Während die Schneegrenze immer weiter sinkt, brechen wir morgen mit viel Vorfreude in den Øvre Dividal Nationalpark auf, der bei uns beiden wieder viele Erinnerungen wecken wird. Daher, bleibt uns hold und drückt uns die Daumen, dass das Wetter weiter so gut mitspielt!

Der Abschied von Umbukta fällt schwer, zu hyggelig war der Ruhetag hier! Beim Frühstück treffen wir noch einen anderen deutschen Wanderer, und wie der Zufall es so will, stammt er aus dem gleichen kleinen schwäbischen Örtchen, in dem wir die letzte Zeit vor der Tour gewohnt haben. Wir kommen aus dem Lachen fast nicht mehr heraus, als wir uns über lieb gewonnene Supermärkte und Orte in der alten Wahlheimat unterhalten. Und auch der Abschied von Åste und Bison fällt schwer, sie werden hier heute einen Ruhetag einlegen, während wir zur nahen Sauvasshytta aufbrechen.

Das Wetter ist klasse und die ersten Vorboten des herannahenden Herbstes zaubern uns ein Lächeln ins Gesicht, denn nun bricht hier oben die schönste Jahreszeit im Jahr an: Der Herbst kommt mit seiner kristallklaren Morgenluft, mit bunten Fjellfarben und hoffentlich schon bald auch tanzenden Nordlichtern am Abend!

Die Hütte erreichen wir zügig, obwohl wir uns unterwegs echt Zeit gelassen haben, die Umgebung lädt einfach ein zum gucken und innehalten.

Hygge & Hyttekos

Die Hütte liegt einfach perfekt und ist wunderbar gemütlich. Bald schon prasselt ein Feuer im Ofen und wir genießen den Blick aus dem Fenster über den See hinüber zum Okstindan.

Als die Sonne langsam untergeht, bietet sie uns auf den umliegenden Bergen ein grandioses Farbspektakel, besser geht es kaum!

Der Weg zur Kvitsteindalstunet-Hütte zeigt dann mal wieder, dass auch kürzere Etappen durchaus ihre Schwierigkeiten bereit halten können, denn es gibt reichlich Sumpf und Matsch unter den Wanderstiefeln.

Aber die Etappe bietet auch wieder wunderbare Ausblicke und am Ende eine Hütte, nun ja, Hütte ist vielleicht das falsche Wort. Erst im letzten Jahr neu errichtet, beziehen wir ein kleines Häuschen, bei dem es an nichts fehlt! Die Panorama-Fenster im Wohnzimmer bieten einen herrlichen Ausblick auf den nahen Fluss und die herbstlichen Birken. Es gibt eine gemütliche Couch und eine Küche, wie man sie sich zu Hause wünschen würde. Ein Haus in der Wildnis also, in das wir direkt einziehen würden! Dementsprechend entspannt lassen wir den Tag hier ausklingen, es ist fast wie im Urlaub!

Zur Virvasshytta ist der Tag dann schon länger, sogar eine Rasthütte für den Notfall oder eine längere Pause gibt es hier.

Das Kvepsendal erweist sich dabei als herrliche, dramatische Wanderumgebung und die rötliche Färbung der Blaubeerblätter bietet dabei einen guten Kontrast zum Grau der umliegenden Berggipfel.

Die anschließende Querung des weiten Stabburbekkens mit seinen zwei Furten ist dann überhaupt kein Problem, im Gegenteil, die Weite und die Ausblicke lassen uns immer wieder kurz innehalten und verweilen.

Nach einer längeren Pause beginnt dann der Endspurt zur Hütte, es geht noch einmal gut bergan bevor wir die große Virvasshytta erreichen.

Niemand ist da und so machen wir uns daran, die Hütte mit etwas Kaminwärme zu füllen. Leider hat Anni sich eine fette Erkältung eingefangen und muckelt sich erstmal in ihrer dicken Daunenjacke und den Schlafsack aufs riesige Sofa, als noch zwei Arbeiter vorbei kommen, die hier in der Nähe für einen Energiekonzern einige Messinstrumente erneuert haben und sich kurz aufwärmen wollen. Wir unterhalten uns länger auf Norwegisch, was erstaunlicherweise schon ziemlich gut klappt, wir machen also Fortschritte!

Kurz darauf ist es dann richtig warm im der Hütte und wir essen und essen erstmal richtig, bevor wir dann zeitig zu Bett gehen.

Den Polarkreis vor Augen

Heute stehen dann fast 25 lange Kilometer zur Bolna-Hütte an – und Annis Erkältung entwickelt sich eher mittelprächtig, es geht ihr nicht besonders. Das sind die Momente einer Fernwanderung, bei denen man lieber einfach im Bett bleiben möchte …

Nach dem Frühstück brechen wir dann auf in den Nieselregen und Anni beißt auf die Zähne, insbesondere die ersten Anstiege sind zäh und mit Erkältung umso zäher. Dazu das usselige Wetter, da machen selbst die Pausen keine Freude.

Wir passieren den markanten Auronasa-Berg, dem Symbol des Rana-Wandervereins, und blicken dann voraus auf das Saltfjellet und den Polarkreis, beides ist nur noch einen Wandertag von uns entfernt. Wir nutzen ein Wetterfenster ohne Regen für eine längere Pause und blicken gebannt hinüber zum Saltfjell, der Polarkreis liegt vor uns – unglaublich!

Wir steigen weiter hinab in Richtung des Tagesziels, das weiter im Tal direkt an der E6-Straße liegt. Zuerst aber müssen wir noch auf den Fahrweg gelangen, der von einer Dammanlage hinab ins Tal führt. Hier wird ein ganzer Fluss quasi abgezapft und verschwindet in einem großen Loch im Boden, um ihn für die Energiegewinnung zu nutzen. Wir passieren den Fluss direkt am Damm, für den eher unwahrscheinlichen Fall von zu viel Wasser und einer Überspülung des Damms, gibt es etwas weiter flussabwärts auch noch eine richtige Fußgängerbrücke, die aber eher einen kleinen Umweg bedeuten würde.

Dann folgen wir der Straße und gehen dann noch etwa 5 Kilometer übers Fjell zur Hütte. Dabei quält sich Anni ziemlich, die Erkältung mehr ihr echt zu schaffen, daran können auch die herrlichen Lichtstimmungen und Ausblicke ins Tal nichts ändern. Es bleibt dann nur noch, sich am Abend möglichst gut zu erholen, wir tun unser Bestes dafür.

Der Polarkreis! Schon direkt beim Aufstehen ist diese ganz besondere Vorfreude bei mir da, Anni hingegen würde wohl lieber im Bett bleiben um sich richtig auszukurieren.

Gemeinsam beschließen wir dann beim Frühstück heute die lange Etappe nach Krukki wenigstens zu probieren und mal zu gucken wie weit wir kommen. Gesagt, getan, kurz darauf geht es los ins Fjell. Die Sonne kommt durch, das Wetter ist auf unserer Seite.

Gegen Mittag erreichen wir dann den Polarkreis und freuen uns wie kleine Kinder über diesen Meilenstein!

Wir legen eine lange Pause ein, kochen Tee und finden zu unserer Freude zwei Packungen mit Keksen in der kleinen Rasthütte, die Janaa aus Kiel extra dort für uns deponiert hat. Vor der Tour hatten wir uns in Kiel getroffen und lange miteinander gequatscht. Dieser Ort hier ist für sie ein ganz besonderer, denn hier in der Nähe steckt zum Gedenken an ihren Mann ein Schwert im Boden, die ganze Geschichte dazu findet sich im Hüttenbuch der Rasthütte am Polarkreis. Auch am Schwert machen wir länger Pause und hängen unseren Gedanken nach, wie froh und dankbar wir sind, gemeinsam eine solche Tour machen zu können. Es ist so ein großes Geschenk, so eine Wanderung gemeinsam zu erleben, das wird uns gerade jetzt wieder sehr eindrücklich klar.

Der anschließende Abstieg ins Bjøllådalen ist fies steil, aber gut zu bewältigen. Die Ausblicke kurz vorher hinab ins Tal sind der Hammer, dieser Abschnitt ist vermutlich mit der schönste auf unserem bisherigen Weg.

Nun gilt es noch dem Tal für fast drei Stunden zu folgen. Es ist wunderschön hier, das warme Licht der Abendsonne und der lichte herbstliche Birkenwald sorgen für eine wunderbare Stimmung, der sumpfige Boden mitunter für lautes Fluchen.

Gegen 19 Uhr erreichen wir nach 25 Kilometern doch ziemlich fertig die kleine Krukki-Hütte, wieder einmal zeigt sich, das Kilometerangaben in Norwegen nur sehr bedingt etwas zur Schwere der Etappe aussagen. Aber hei, wir haben den Polarkreis überquert!

Der neue Tag begrüßt uns mit leichtem Frost, der die niedrigen Gräser im Schatten rund um die Hütte mit einer dünnen Eisschicht verziert hat. Nach dem langen Tag gestern kommen wir etwas schwer in die Gänge, Annis Erkältung klingt leider auch noch nicht ab. Umso bemerkenswerter ist dann, dass wir kurz darauf wieder losziehen, diesmal ist die Distanz bis zur Lønsstua sogar noch länger. Ich bin wahnsinnig stolz auf Anni!

Der Herbst kommt mit großen Schritten

Zuerst folgen wir bei herrlichem Herbstwetter weiter dem Tal zur Saltfjellstua und gehen dann weiter in Richtung Steindalen.

Das Wetter ist wirklich klasse und wir kommen gut voran, legen hoch über dem Søre Bjøllåvatnet eine längere Pause in der Sonne ein und genießen den Ausblick.

Dann geht es weiter ins Steindalen, und wer Steine mag, ist hier genau richtig, denn es gibt sie hier in allen möglichen Größen und Formen. Zum Glück ist das Wetter gut, ansonsten bleibt der Spaß hier ganz sicher ganz schnell auf der Strecke!

Als sich das Tal wieder öffnet und wir die schlimmsten Steinpassagen hinter uns haben, legen wir erneut eine Pause ein, stärken und für den Endspurt, der dann noch einmal fast drei Stunden dauert. Es zieht sich wie Gummi, ein stetes Auf und Ab bis hin zum Bahnhof Lønsdal kurz vor der Hütte gibt uns dann den Rest.

Neben der DNT-Hütte gibt es dann noch ein Hotel, in dem wir es uns bei einer kalten Cola auf dem Sofa gemütlich machen, alter Schwede, sind wir kaputt! Das Hotel bietet sogar Duschen an, auch wenn man nicht hier wohnt. Dieses Angebot nimmt Anni nur allzu gerne an. Ich gehe schon mal voraus zur Hütte, und atme quasi die Tüte Chips ein, die ich mir gerade auch noch in Hotel gekauft habe. Als Anni von der Dusche kommt, essen wir nur noch und fallen bald darauf todmüde ins Bett.

Auf in den Junkerdalen-Nationalpark

Die zwei eindrucksvollsten und schönsten Etappen bisher liegen hinter uns, als wir am nächsten Morgen im Hotel entspannt und ausgiebig frühstücken. Die nächsten Etappen werden etwas gemütlicher und kürzer, darauf freuen wir uns jetzt schon sehr. Zuerst geht es heute in Richtung des Junkerdalen-Nationalparks, das wir gegen Mittag erreichen.

Der Campingplatz dort befindet sich schon im Winterschlaf, wie lange schon, das vermögen wir nicht heraus zu finden. Wir wollen durch das enge Skaitidalen über einen alten Fahrweg weiter gehen. Der Weg wurde schon vor geraumer Zeit aufgegeben und ist nicht ganz ungefährlich zu begehen, Teile des Weges sind in den Fluss gestürzt, über weite Strecken ist der Weg ordentlich zugewuchert und eigentlich die ganze Zeit besteht große Steinschlagsgefahr.

Wir kommen aber gut durch und finden auch noch Zeit, uns an den reichlich vorhandenen Himbeeren gütlich zu tun. Als wir auf der Hütte Trygvebu ankommen, haben wir fast eine ganze Trinkflasche voll mit Him- und Blaubeeren fürs Frühstück gepflückt.

Frühstück mit Beeren

Auf der Hütte begrüßen wir auch wieder Åste und Bison, die kurz nach uns eintreffen und einen etwas anderen Weg über die Graddis Fjellstue gewählt haben.

Am nächsten Tag laufen wir dann weiter durchs Skaitidalen über die Hütte Argalad zur Balvasshytta, die erst in diesem August neu eröffnet worden ist. Das obere Skaitidalen ist dabei eine echte Perle, eine herbstliche Augenweide vom Allerfeinsten!

Um den Balvatnet laufen wir dann entspannt zur Coarvihytta, wo uns eine Schulklasse auf der Hütte erwartet, aber alles halb so wild, auch wenn die Jungs alle ein Messer am Gürtel tragen, können sich alle benehmen und wir werden sogar mit leckeren Tacos versorgt! Perfekt!

Über die Straße erreichen wir dann den alten Bergbauort Sulitjelma, wo ein Paket mit Essen und eines mit neuen wärmeren Schlafsäcken und einem stabileren Zelt für den Herbst von Helsport auf uns im Supermarkt warten. Und noch jemand wartet dort auf uns, nämlich Werner und seine Frau Uta, die hier gerade mit dem Wohnmobil unterwegs sind. Wir kennen uns von meiner ersten Tour 2013, als die beiden mich im Dovrefjell mitgenommen haben, weil ich mit meinem BVB-Aufnäher auf dem Rucksack an der Straße stand ? Wir sind seitdem immer wieder in Kontakt geblieben und heute hat es endlich mit einem Wiedersehen geklappt. Und Werner hat uns echt einen großartigen Gefallen getan, und unsere Einkäufe die 400 Höhenmeter hoch zur Ny-Sulitjelma gefahren, während wir mit unseren Rucksäcken hochgelaufen sind. Tusen takk für alles lieber Werner, auch für die kühlen Getränke im Kühlschrank und für die Ersatz-Mütze! Mega cool und einfach großartig, wir sehen uns demnächst zu Hause wieder!

Nun sitzen wir zusammen mit Jonas aus Dortmund hier auf der Hütte, schlagen uns die Bäuche voll und es macht Spaß, sich mal wieder auf die Ruhrpott-Art zu unterhalten, da sitzt jeder Spruch!

Und morgen verschwinden wir dann wieder im Fjell, erst Padjelanta und dann das Narvikfjell stehen auf dem Programm!

Der Abschied von Røyrvik und dem Limingen Gjestegård fällt etwas schwer, so wohl haben wir uns hier gefühlt. Das ganze Team hilft einem hier bei allen möglichen Dingen, jeder Gast und Norge på langs Wanderer kann sich so nur wohlfühlen. Ein ganz großes Dankeschön an Hilde und ihren schwedischen Koch Sören für die wunderbare Zeit, wir kommen ganz sicher wieder!

Nun aber steht mit dem Børgefjell ein ganz besonderer Abschnitt auf dem Programm, denn wieder heißt es sich weglos durchs Gelände zu bewegen. Mit Verpflegung für 10 Tage und neuen Schuhen brechen wir auf und bringen die 15 Kilometer auf der Straße zum Namsvatnet rasch hinter uns. Wir haben uns entschieden, das tägliche Boot über den großen See zu nehmen. Es gibt zwar auch Routen drumherum herum, allerdings sind die lang und bedeuten wohl 2 Tage extra. Die Bootsführerin begrüßt mich wie einen alten Bekannten als sich herausstellt, dass in den letzten 2 Jahren wohl signifikant mehr Leute aus Deutschland hier auftauchen und ich daran wohl mit meinem Buch nicht ganz unschuldig zu sein scheine. Schön zu hören, schon im Limigen Gjestegård bin ich vom Koch mit den Worten begrüßt worden “You are Simon? German guests are talking about you for weeks!” und die Verwunderung über die plötzlich so zahlreich kommenden deutschen Wanderer wird uns noch weiter begleiten, einen der Gründe scheine ich zu kennen 😉

Das wilde Børgefjell ruft

Das kleine Boot legt ab, der Bug erhebt sich aus dem Wasser und mit 225 Pferdestärken im Rücken fliegen wir beinahe über den See hin zur Viermahytta, wo sich der Anleger befindet, von dem die meisten Wanderer aus ins Børgefjell starten. In der Viermahytta treffen wir dann auch Åste und Myra wieder, die schon etwas eher aufgebrochen waren.

Zusammen mit Åste und ihrem Hund Bison machen wir uns dann auf, es ist schon 15 Uhr, aber wir wollen noch ein gutes Stück das Tal hinaufgehen, die Fylkesgrenze von Trøndelag nach Nordland ist dabei unser Ziel.

Wir kommen mit dem weglosen Gelände gut zurecht, nur ganz am Ende zieht eine Regenfront das Tal hinauf und ergießt sich über uns. Nur 150 Meter von der Fylkesgrenze entfernt schlagen wir unsere Zelte auf. Es hat sich nun richtig eingemeimelt und man kann den kleinen Bächen dabei zusehen, wie sich der Wasserstand beinahe minütlich erhöht. Wir sind froh, als der Kocher im Zelt läuft und wir es uns im Schlafsack mit einem Heißgetränk gemütlich machen können.

Der Morgen beginnt ohne Regen, aber über den Tag ist fast 40 mm Niederschlag angekündigt. Der Bach neben den Zelten ist merklich gestiegen, mal sehen, wie dann die großen Fluss-Furten werden, die heute anstehen. Wir packen die Zelte halbwegs trocken ein und brechen auf. Die Orientierung ist kinderleicht und wir kommen gut voran.

Der Store Kjukkelvatnet weist uns den Weg, an seinem Nordufer bei einer Sami-Hütte legen wir eine Pause ein und stärken uns mit einer warmen Suppe. Dann weiter hinein ins Børgefjell, wir haben uns für eine direkte Durchquerung entschieden, so sind es 40 Kilometer immer nordwärts, man kann sich eigentlich nicht verlaufen.

Bald schon steht die erste große Furt bei, Storskavlbekken an, puh, das sieht ziemlich frisch aus.

Also raus aus den Stiefeln und rein in die Crocs. Das Wasser ist eiskalte und kommt direkt von den Gletschern oberhalb, kurz bleibt mir die Luft weg, dann aber geht es rein ins Vergnügen und ich schaue gebannt zu, wie Anni, Åste und Bison sicher über den Fluss kommen. Kaum sind die Füße wieder trocken und warm, steht auch die nächste große Furt durch den Simskardelva an. Diesmal ist das Wasser nicht so tief, dafür ist der Fluss breiter. Aber auch das schaffen wir gut und laufen weiter, am Ovre Båttjønna vorbei und bis zum nächsten großen Bach.

Noch Sommer oder schon Herbst?

Bald öffnet der Himmel seine Schleusen und es regnet so richtig. Wir finden eine gute Stelle für unsere beiden Zelte und verkriechen uns im Trockenen. Allerdings ist so langsam wirklich alles feucht, gut das wir alle unsere Sachen in wasserdichten Beuteln verpackt haben. Als es draußen auch noch anfängt zu stürmen, liegen wir längst in unseren gemütlichen Schlafsäcken und träumen von trockenerem Wetter.

Der nächste Morgen begrüßt uns dann auch tatsächlich ohne Regen, nur Åste ist ziemlich gerädert, der nächtliche Sturm hat ihr komplett den Schlaf geraubt, wir dagegen haben eigentlich ziemlich gut geschlafen. So ein Zelt ist einfach stabiler als man denkt, auf das dünne Syl-Nylon Material kann man sich da schon verlassen.

Nur die viel gepriesene Tierwelt des Børgefjell haben Regen und Sturm wohl ebenso verschreckt, bis auf die Rentiere, die sich nicht verkriechen können, ist niemand zu sehen, und die Lemminge haben sich wohl alle in die Fluten gestürzt, schon lange haben wir keine mehr gesehen. Aber wenn es aus Kübeln schüttet, sind meine Gedanken auch weniger bei der possierlichen Tierwelt als in einer gemütlichen Hütte mit einem heißen Kaffee und einem bollernden Ofen.

Der letzte Tag im Børgefjell ist schnell erzählt, nach ein paar Kilometern finden wir die angepeilte ATV-Fahrspur, der wir relativ problemlos bis hinab ins Susendal folgen, wo wir um kurz nach 14 Uhr auf die Straße treffen. Somit hätten wir das Børgefjell ohne größere Probleme hinter uns gebracht, wir machen einen Haken dran und laufen nach Furuheim, wo wir schon im voraus eine Unterkunft gebucht haben.

Die Norge på langs – Herzkammer

Dieses stellt sich als riesiges Haus heraus, das wir sofort in beschlag nehmen und alles zum trocknen aufhängen.

Kurz darauf schlagen wir uns den Bauch mit Käse-Broten und Spiegeleiern voll, gegen Abend gibt es dann noch Pizza für uns, die Trine und Morten, die Besitzer von Furuheim Gård, für uns eingekauft haben. Auch diese Leute hier tun alles und helfen einem bei wirklich allem, was man braucht. Es ist schön, dass es solche Orte entlang der “NPL-Route” gibt. Blickt man hier ins Gästebuch, liest man von vielen, vielen bekannten NPL-Gesichtern.

Über die Straße im Susendalen gelangen wir nach Harvasstua, es hat sich wieder richtig eingemeimelt, so dass wir den Tag am Danningen See beschließen, nachdem wir dort noch die Bootspassage mit der Seilkonstruktion hinter uns gebracht haben.

Der Tag nach Grannes ist echt fies, es regnet und stürmt beinahe den ganzen Tag, die Böhen schmeißen einen des öfteren fast zu Boden. In einer kleinen offenen Hütte machen wir kurz Pause und treffen dort per Zufall wieder auf Myra.

Der Abstieg nach Grannes hat über 500 Höhenmeter, die beinahe komplett ein einziger schlammiger Bach sind. Etwas entnervt beschließen wir den Tag auf dem Campingplatz in Grannes. Wir hatten schon viel von diesem Ort gehört. Mitten im Nirgendwo betreibt ein älterer Herr diesen Platz. Die letzte Renovierung liegt schon einige Jahrzehnte zurück, aber als wir eine größere Hütte mit Blick auf den See ergattern können und bald schon der Ofen bollert, ist es dann das Paradies auf Erden für uns hier.

Am nächsten Tag erreichen wir Tverelvnes, einem Gehöft nahe der Grenze zu Schweden und auch weit weg vom nächsten Ort. Aber dieser Platz ist besonders für alle Wanderer, die Norge på langs gehen.

Seit etwa 15 Jahren lädt die dort lebenden Familie Garsmark NPL-Wanderer zu Kaffee und Bollern (Brötchen) ein. Auch uns wird diese Einladung zu Teil, nachdem wir unsere Unterkunft bezogen haben sitzen wir lange im Wohnzimmer und unterhalten uns ganz wunderbar mit Elisabeth und Gundar über unsere Touren.

Auch Myra aus Holland ist dabei und auch Nici aus Deutschland, der den E1-Wanderweg von Norden aus gen Süden läuft, stößt später mit einem Kumpel der ihn derzeit begleitet dazu. Man hört das NPL-Herz hier im Wohnzimmer förmlich schlagen! Und auch die Garsmarks hatten sich schon etwas über diese Zunahme deutscher Wanderer gewundert.

Man gewöhnt sich an alles, sogar an den Regen

Das Wetter ist weiterhin ziemlich durchwachsen, Åste hat sich eine Erkältung eingefangen und bleibt noch einen Tag länger in Tverelvnes und Myra läuft heute nach Hattfelldal. So machen wir uns wieder alleine auf, und erleben heute eine großartige Fjelllandschaft, ganz so, wie sie uns am besten gefällt: Weit, rau und etwas herbstlich.

In einer alten Rentierwächter-Hütte legen wir eine kurze Pause ein, draußen gießt es mal wieder in Strömen, da kommt so ein Dach über dem Kopf gerade recht. Die Aussichten kurz darauf am Brundreinvatnet sind einfach fantastisch! Zwischen zwei Regenfronten schießen wir einige Photos und genießen einfach den Moment!

Der Abstieg zum Krutvatnet ist dann wieder von Regen und Sumpf geprägt, so dass wir echt froh sind, als der Ofen in der frei zugänglichen und kostenlosen Krutvasshytta hyggelige Wärme in der einfachen Unterkunft verbreitet.

Am Famvatnet finden wir dann bei Randi und Åke in Valen Unterschlupf, erneut trocknen wir wieder all unsere Sache, eine gewisse Routine darin ist nun nicht mehr zu leugnen. Und wer hier alles im Gästebuch steht, echt cool! Sogar Odd Vinje war hier, der mittlerweile die inoffizielle NPL-Liste im Internet führt.

Der Okstindan – das Tor zum Norden

Vom Famvatnet geht es dann zum Rossvatnet, dem zweitgrößten See in Norwegen. Langsam rückt das gewaltige Okstindan-Gebirgsmassiv in unseren Fokus, wenn es sich aber mit seinen bis zu 1900 Metern Höhe ordentlich in Regenwolken hüllt.

Immer wieder erhaschen wir Ausblicke darauf, nur um kurz darauf rein gar nichts mehr zu sehen. Der Weg ist zwischendurch ein einziger Sumpf, dann ein Dschungel. Aber Anni hat unfassbares Glück, als ihr ein schlohweißes Rentier über deswegen läuft.

Der Tag war heute nicht lang, aber anstrengend und so sind wir unedlich froh, als wir in Stekvasselv bei Kari und Håkon ankommen und das gemütliche Haus beziehen. Eigentlich jeder, der NPL läuft kehrt hier ein. Und auch hier wird einem eine Hilfe und Wertschätzung zu Teil, für die man als Wanderer einfach nur dankbar ist! Das Gästebuch überschlägt sich fast vor Dankbarkeit, und das können wir nur bestätigen!

Der Endspurt nach Umbukta steht nun an, leider hüllt sich der Okstindan weiter in Regenwolken und für den Weg wären nun eigentlich Wathose und Gummistiefel die erste Wahl.

Aber hei, auch mit normaler Regenkleidung und Wanderstiefeln ist es kein Problem die Gressvasshytte zu erreichen.

Die Hütte ist groß und von der Tür aus kann man den Gletscherabbruch des Okstinbreen sehen. Gegen Abend kommen noch zwei Frauen auf “Husmorstur” vorbei. Sie freuen sich, dass wir die Hütte bereits aufgewärmt haben und revanchieren sich dafür mit einem Glas Rotwein für uns, perfekt!

Der Endspurt nach umbukta hat noch einmal alles zu bieten, was man sich in Norwegen nur vorstellen kann.

Der Weg ist lang, man hat einen Ausblick auf den Gletscher, läuft durch ein wunderbares Hochtal nur um dann auf den letzten Kilometern noch reichlich Höhenmeter und Sumpf zu sammeln. Da hat man sich dann den Hamburger, den Besuch beim Matbussen-Supermarkt an der schwedischen Grenze und den Ruhetag auch wirklich verdient!

In Kooperation mit Visit Norway

Nachdem wir also einen entspannten Ruhetag in Teveltunet verbrachten, geht es am 1. August Richtung Angeltjønnhytta, den wir zusammen mit Åste bei bestem Wetter und mit guter Laune bestreiten.

Wieder kommt uns das extrem trockene Wetter der vergangenen Wochen zu Gute, denn die eigentlich ziemlich sumpfigen Wege sind allesamt staubtrocken. Nach 22 km lassen wir es uns in der urgemütlichen Hytte gutgehen.

Der nächste Tag Richtung Ferslia beginnt mit einem saftigen Anstieg, bald schon sind wir komplett nassgeschwitzt.

Startet der Tag noch mit den sommerlichen Temperaturen, die wir seit Lindesnes gewohnt sind, so leitet ein Regenschauer am Mittag das Ende der Trocken- und Hitzeperiode ein, von nun an sollen frische Temperaturen, wechselhaftes Wetter und Regenbekleidung unsere stetigen Begleiter sein. Bald schon kommt der grosse Feren See in Sicht, an dem sich die Ferslia Hytte befindet.

Wir steigen ab und machen nach ca. 16 km eine lange, vierstündige Mittagspause in der Hytte, lassen uns Pfannkuchen und Heissgetränke schmecken, während es draussen wie aus Eimern schüttet. Wir beschliessen, heute noch zu einer kleinen Schutzhuette zu gelangen, um die morgige Etappe zur Bellingstua, ca. 30 km, etwas zu entschaerfen. Staendig muss ich an Martin Kettler denken, der ja vor ein paar Jahren auf seiner NPL-Tour hier im Sumpf schier versunken ist.

Wir stimmen uns aufs Blåfjell ein

Trotz des starken Regens ist bei uns aber die Aufnahmefaehigkeit des Untergrunds noch lange nicht ausgereizt, alles ist noch super zu gehen. Nur das nasse, kniehohe Gras sorgt dafuer, dass bei Simon und mir das Wasser regelrecht in den Schuhen steht. Selber Schuld, wenn man zu lang mit neuen Schuhen wartet… jetzt freuen wir uns so richtig auf das bevorstehende Blåfjell, das quasi aus Sumpf besteht.

Unser Plan mit der Schutzhuette geht perfekt auf, denn der Tag zur Bellingstua ist fuer uns alle anstrengend und lang, gepraegt von unzaehligen kleinen An- und Abstiegen und einem Stueck Asphalt am Ende.

Die Bellingstua ist ein vom DNT aufgekauftes privates Sommerhaus, die Einrichtung ist dementsprechend supergemuetlich, aber ziemlich untypisch. Es gibt sogar einen CD-Player und eine grosse geschlossene Veranda. Zudem gehoeren von nun an Trockenraeume zum Standardinventar der Huetten – wer hier geht, weiss warum.

Am Abend erreicht noch ein anderer NPLer die Huette, der am Nordkapp gestartet ist. Wir machen grosse Augen, denn der ist wirklich Hardcore unterwegs, hat noch keinen einzigen Ruhetag gemacht und geht ausschliesslich auf der norwegischen Seite. Wer schon mal in der Gegend um Hellemobottn und dem Narvikfjell war, weiss was das bedeutet… energisch betont er, dass jeder, der die norwegische Grenze uebertritt, kein richtiges NPL laeuft. Immer wieder diskutieren Simon und ich nun untereinander oder mit anderen ueber die Definition von NPL. Was ist ueberhaupt das “richtige” NPL und gibt es das ueberhaupt? Wann greift der Begriff NPL nicht mehr und ab wann doch? Wieso steht diese Diskussion denn eigentlich im Raum, wenn es uns allen (meistens, oft?) doch darum geht, Spass in der Natur zu haben? Diese Fragen muss wohl jeder Wanderer fuer sich beantworten…Zum Glück gibt es für Norge på langs keine Regeln, die macht sich jeder selbst, so individuell wie jeder diese Herausforderung für sich annimmt und den Anspruch, den jeder Wanderer an sich und diese Tour stellt.

Das Fruehstueck in der Bellingstua ist vorerst das letzte mit Åste, sie folgt von nun an den DNT-Wegen Richtung Skjækerdalshytta, wæhrend wir das Blåfjell etwas oestlicher weglos ueber Gaundalen, Holden und Gjefsjøen durchqueren wollen.

Ein entspannter, recht kurzer Wandertag zur Veresstua hebt die Stimmung und maskiert erstmal den Schiss, den ich vorm Weiterweg in der Hose habe. Die Huette ist der Wahnsinn! Erst diesen Winter eingeweiht, ist sie brandneu, modern und einfach herrlich. Da bietet sich ein Ruhetag am naechsten Tag geradezu an. Als wir es uns gemuetlich machen, schlaegt eine 8-koepfige Wandertruppe des DNT auf und bringt Schwung in die Bude.

Der Ruhetag entspannt zwar den Koerper, doch das Blåfjell haengt wie ein Damoklesschwert ueber uns. Ein ums andere mal bin ich extrem dankbar, dass ich jemanden an meiner Seite habe, der in genau dieser Situation schon war und mich zu 100% versteht. Aber laufen muss jeder selber, die Herausforderung annehmen ebenso. Das kann einem einfach niemand abnehmen, und genau deshalb ist es fuer mich nicht viel einfacher als fuer andere NPLer, nur weil Simon und ich Lebens- und Wanderpartner sind.

Im Blåfjell muss man sich seinen Weg selbst suchen, es gibt keine markierten Wege, nur Wildnis, Sumpf und ein paar Einoed-Bauernhoefe ohne direkte Strassenanbindung – wohl einer der mental und koerperlich anspruchsvollsten Abschnitte unserer ganzen Tour. Mir geht richtig die Muffe, als wir Richtung Gaundalen aufbrechen.

Wir können hier nicht anhalten – das ist Bärenland

Nur ein kleines Stueck auf dem markierten Weg legen wir zurueck, bis wir diesen in oestliche Richtung verlassen, um auf die beiden Bergruecken des Hitre und Nordre Seterfjellet zu gelangen. Wir schlagen uns durch dichten Wald, natuerlich steht wieder das Wasser in den Schuhen. Es fuehlt sich an, als steckten die Fuesse in zwei Wasserbomben, die oben zugeschnuert sind, in den wenigen regenfreien Pausen wringen wir die Socken und Innensohlen aus. Bald schon erreichen wir die Baumgrenze, kommen erstaunlich gut voran!

Ueber nasse Wiesen umrunden wir den Lakavassklumpen auf seiner westlichen Seite und steuern das Stigådalen an, ein breites, langes Flusstal, welches es komplett zu durchlaufen gilt. Wir wollen es so weit wie moeglich Richtung Gaundalen schaffen, die 30 km von der Veresstua dorthin an einem Tag zu gehen, ist fuer uns nicht drin.

Wir kommen weit und freuen uns, als wir am Ende des Tals, wo mehrere Gebirgsbaeche mäandernd zusammenfliessen und eine malerische Wasser- und Wiesenlandschaft zaubern, unser Zelt aufschlagen.

Immer wieder entladen sich die Regenwolken, die Nacht verspricht mit 6 Grad relativ frisch zu werden. Der abgelegene Hof Gaundalen ist am naechsten Tag innerhalb 3 Stunden erreicht, nur leider treffen wir Steinar Gaundalen nicht persoenlich an. Vielleicht ist er mit seinem kleinen Flugzeug auf Spritztour, man weiss es nicht. Beim Blick ins Gaestebuch staunen wir, dass im Sommer fast taeglich Leute hier zum Angeln, Jagen etc aufschlagen! Ueber Langweile kann sich der Herr Gaundalen sicher nicht beklagen.

Nach einer ausgiebigen Pause gilt es nun, bis Gjefsjøen der alten Telegrafenleitung zu folgen, die fuer die Wanderer eine ziemlich idiotensichere Markierung darstellt. Wir kriegen hier nichts geschenkt, das Gelaende ist nicht einfach zu gehen und durch viele Aufs und Abs gepraegt, ich pumpe wie ein Maikaefer.

Simon ergreift die Chance, krallt sich einen der alten Keramik-Isolatoren als kleines Blåfjell-Souvenir (“cooler Briefbeschwerer”), beschwert damit aber statt Briefen erstmal seinen Rucksack um gut 1 kg. Wir erreichen Holden gut fertig und fangen als erstes an, Wasser abzukochen, denn den fast ausgetrockneten Bach teilen wir uns mit Kuehen und Schafen, ausserdem wissen wir, dass sich unsere NPL-Kollegen Martin und Thomas hier vor 2 Wochen gruendlich das Verdauungssystem zerschossen haben – sicher ist sicher. Die huebsche DNT-Huette liegt an einem riesigen See, die Aussicht geniessen wir am Abend.

Wer will fleissige Tough Mudder sehen? Der muss zu uns ins Blåfjell gehen

Der 8. August ist von Bauchschmerzen nicht nur aufgrund der langen, weglosen Etappe nach Berglia gepraegt, nein, ich darf mich heute auch ueber meine Periode freuen. Perfektes Timing, denn dann ist mit mir eigentlich gar nichts mehr los und das Bett mit Waermflasche the place to be. Tablette einschmeissen, irgendwie ignorieren und durchziehen. Am Ende der Telegrafenleitung liegt der Hof Gjefsjøen, wo uns Nils Christian Gjefsjø begruesst.

Nach einer Pause geht es aber weiter, denn schliesslich muessen wir uns die verbleibenden 29 km nach Berglia sinnvoll einteilen, um morgen dort anzukommen. Wir folgen erst Nils Christians Quadspur Richtung Nordre Gjevsjøhatten, dann sind wir erneut ueber der Baumgrenze. Ein Unwetter rollt ueber die Berge heran und ich bekomme Angst, wir beschliessen das Zelt zum Abwettern an einer halbwegs geschuetzten Stelle aufzubauen. Lange muessen wir nicht warten, schon öffnet der Himmel seine Schleusen und der Wind ruettelt ordentlich am Zelt, aber das eigentliche Gewitter zieht zum Glueck an uns vorbei. Danach packen wir zusammen und laufen noch weitere 2 Stunden oberhalb eines weiten, mit kleineren Seen durchzogenen Tals Richtung Ingeltjønna. In dem zerkluefteten, wasserreichen Gelaende schlagen wir das Zelt auf und freuen uns ueber den trotz Schwierigkeiten gelungenen Tag – unser Plan, das Blåfjell in 4 Tagen zu durchqueren, scheint perfekt aufzugehen!

Unser GPS-Track fuehrt uns weiter durch den Sumpf Richtung Berglia und der Fjellheim Farm der deutschen Auswandererfamilie Hartmann. Unsere Schuhe sind seit mittlerweile einer Woche so nass, dass uns alles egal ist und wir den grossen Fluss Ingeldøla einfach mit Schuhen furten. Nasser gehts irgendwann eh nicht mehr.

Als wir nach ca. 6 anstrengenden Stunden endlich auf der Schotterpiste nach Berglia stehen, zerschneiden unsere Freudenschreie die Luft. Wir haben es echt geschafft! Wir haben das Blåfjell bezwungen!

Jetzt muessen wir auch nicht mehr verdraengen, dass hier die hoechste Baerendichte in ganz Norwegen herrscht. Doch nein, eigentlich kann man sich SEHR gluecklich schaetzen, wenn man Meister Petz hier zu sehen bekommt, denn die Tiere sind extrem scheu. Im warmherzigen und sehr gastfreundlichen Haus der Hartmanns werden wir supernett empfangen, bekommen ein leckeres Abendessen aus frischem Elch-Hack und schlagen unser Lager in der Grillhuette auf. Es ist schon echt überaus beeindruckend, was sie sich hier mit viel harter Arbeit aufgebaut haben und zu sehen, wie sie alle als Familie gemeinsam an einem Strang ziehen. Nur dass Papa Hartmann mitten in der Nacht unsere Schuhe aus dem Trockenraum entfernen musste, damit seine Hunde nicht ausflippen, tut uns echt total leid und zeigt dass unsere Treter in der letzten Woche in punkto Geruch leicht eskaliert sind. Tschuldigung 😉

Asphalt, Strasse und Bitumen nach Røyrvik

Nun stehen als harter Kontrast zur weglosen Wildnis noch ca. 110 km und 4 Tage Asphalt bis Røyrvik auf dem Programm. Auch in diesen Tagen erfahren wir norwegische Grosszuegigkeit und Gastfreundlichkeit, die ihresgleichen sucht! Dass hier viele NPLer vorbeikommen, merkt man ganz deutlich, denn man wird meist direkt als solcher erkannt. Dank einer Abkuerzung ueber den Berg reissen wir die 36 km von Berglia Richtung Sandvika ab und verbringen eine muckelige Nacht im Lierne Gjestegård.

In Kvelia bekommen wir, wie jeder Norge på langs-Laeufer, Woll-Einlegesocken geschenkt und koennen lebenswichtige Dinge wie Cola, Chips, Nudeln und Kaese einkaufen sowie in der einzigartigen und urgemuetlichen Kaffeeecke herumhaengen. Das Gaestebuch strotzt nur so vor Eintraegen anderer NPLer – so cool, sich da mit einreihen zu koennen!

Als wir in Røyrvik einlaufen, schmerzen die Fuesse durch das mittlerweile kaum noch vorhandene Schuhprofil enorm. Ich trage immer noch mein erstes Paar seit Lindesnes. Das nun das Zeitliche segnen wird – als wir im Limingen Gjestegård ankommen, warten bereits einige Pakete mit neuer Ausruestung auf uns, das Auspacken zelebrieren wir wie unterm Weihnachtsbaum!

Was fuer eine coole Belohnung fuer diese enorm herausfordernde und anstregende Etappe, die oft ein Kampf war und die wir stolz wie Oskar hinter uns gelassen haben! Auch das Wiedersehen mit Åste sowie Myra, einer Niederländerin, die Norge på langs in Etappen geht, genießen wir sehr.

In den naechsten Tagen werden wir die Haelfte der Tour erreichen – ein unglaublicher Meilenstein fuer uns!

Die beiden Ruhetage in Røros sind doch weniger erholsam als gedacht, zu viel gibt es zu sehen und zu tun in diesem hübschen kleinen Städtchen. Auf Einladung von Destination Røros können wir ja sogar an einer sogenannten Matsafari teilnehmen, bei der eine kleine Stadtführung gefolgt von einem Mittagessen Aufschluss über die lokalen Gerichte und Leckereien gibt. Røros ist in Norwegen eine der ersten Adressen für lokales Essen, daher genießen wir Rentierfleisch, Surpølse (mein Favorit), Molkereiprodukte, das hervorragende Eis und die Røros Limonade ganz besonders. Bei einem Burger lassen wir unseren Aufenthalt ausklingen, und ich merke, dass mein Magen nach den Turbulenzen wegen des schlechten Wassers langsam aber sicher wieder Lust zum arbeiten hat.

Wir beschließen, für den Weiterweg nach Reitan die Straße zu nehmen, der Weg übers Fjell erscheint uns zu unsicher, und zu weit. 10 Minuten nach unserem Start geht ein erfrischender Regenschauer nieder, aber eigentlich ist es viel zu warm für die Regensachen. Als wir uns aus den Klamotten schälen, trottet eine Elchkuh in ca. 100 m Entfernung über einen Forstweg, das hebt die Stimmung!

Der Womo-Verkehr hält sich hier in Grenzen, der Seitenstreifen ist ausreichend breit und wir fühlen uns fit, sodass die Kilometer nur so dahinfliegen. Die erste Pause machen wir in Glåmos im Supermarkt in einer unserer geliebten Kaffeeecken.

Und was für ein Exemplar das ist! Liebevoll wurden hier Kaffee, Wasserkocher mit allerlei Heißgetränkoptionen und sogar Waffeln mit Rømme und Marmelade drapiert. Sowas gibt’s eben nur hier. Der Rest der Strecke geht erstaunlich leicht von der Hand, bis zum steilen Anstieg zum Bahnhof Reitan.

Dort gibt es ein Klo, fließend Wasser und es ist warm und trocken. Die Entscheidung, hier die Nacht zu verbringen, fällt schnell, auch weil wir nach etwa 32 km gut geschafft sind. Um 22.45 Uhr schwingt die Tür auf, ein großer, bärtiger Mann erscheint in unserer Wartehalle. Ok das wars, denke ich, jetzt werden wir rausgeschmissen. Die Zahnbürste im Mund, wird Simon als er selbst identifiziert… Wir gucken nicht schlecht, als Morten erzählt, dass er unsere SPOT Position täglich verfolgt, und da er seine Hütte nur wenige Kilometer von hier hat, beschloss er kurzerhand vorbeizukommen und sogleich haben wir eine Tüte frische, selbstgemachte Lefse und eine Einladung für den nächsten Tag zum Mittagessen in der Tasche – Wahnsinn! Ein ums andere Mal lässt uns diese Tour vor Überraschung und Dankbarkeit für diese unglaubliche Gastfreundlichkeit der Norweger sprachlos werden.

Gütige Menschen und Norwegische Gastfreundschaft

Am nächsten Tag machen wir uns früh auf in Richtung Kjølihytta, auf dessen Weg die Hütte von Morten und Christina liegt. Doch weit kommen wir nicht, ein anderes Ehepaar überredet uns, eine kurze Pause bei ihnen auf der Veranda und ehe wir uns versehen, sitzen wir für eine ganze Stunde bei eiskalter Brause und Keksen und quatschen über Gott und die Welt. Und das alles nur, weil die Leute es gut finden, was man macht. Mit etwas Verspätung treffen wir also zur zweiten Einladung ein, machen es uns in der tollen, urigen Hütte richtig gemütlich und genießen die angenehme Gesellschaft.

Der Abschied fällt uns ein bisschen schwer. Aber bis zur Kjølihytta sind es jetzt nur noch wenige Kilometer über einen einfachen Wanderweg, der wir rasch hinter uns lassen. Die DNT Hütte ist eine echte Perle, der Blick auf die Berge von Sylan der Knüller.

Der wärmste Tag des Jahres steht an, in Oslo sind 34 Grad vorhergesagt und auch wir brutzeln ordentlich auf dem einfachen Wanderweg und der anschließenden Straßenpassage zur Væktarstua.

In der Luft liegen Rauch und Feuer, die Waldbrände im nahen Schweden scheinen sich bemerkbar zu machen. In dem großen Hotel können Norge på langs Läufer umsonst übernachten, also beziehen wir dankbar noch früh am Tage eine einfache Hütte, kaufen ein und lümmeln im Schatten.

Es läuft, manchmal auch in Gesellschaft

Auch der Weg zur Nedalshytta wird uns dank Schotterstraße einfach gemacht, entsprechend gut kommen wir voran und sind schon gegen 15 Uhr auf der Hütte. Starke Windböen lassen uns über die Straße torkeln wie zwei betrunkene an der Trinkhalle. Da für den Abend und die Nacht weiterhin starker Wind und Regen angesagt sind, bleiben wir hier, während eine Front nach der anderen draußen durchzieht.

Am nächsten Tag stehen 24 km nach Storerikvollen an. Über wunderschönes Fjell laufen wir hoch über dem riesigen Nesjøen See zu dessen Ende. Die Nähe zum Nachbarland macht sich bemerkbar, denn der Weg ist, ganz Norwegen-untypisch, über weite Teile mit Holzplanken ausgelegt und wir fliegen nur so dahin, benötigen keine 6 Stunden für die 24 Kilometer der Etappe. Wir sind einfach richtig gut drauf heute.

Nach der erholsamen Nacht in Storerikvollen wartet mit der Etappe nach Teveltunet wieder mal Terra inkognita auf uns. Im Vorfeld konnte uns niemand wirklich sagen, wie der Weg und seine Markierungen beschaffen sind, widersprüchliche Kilometerangaben und die schiere Länge der Strecke ließen uns zweifeln.

Doch bereits auf den ersten Kilometern zeigte sich mal wieder wie sich unsere Körper der täglichen, stundenlangen Belastung angepasst haben.

Nach etwa 10 Stunden und über 30 km werden wir am Abend letztendlich zur Teveltunet Fjellstue gelangen – der Weg ist wunderbar ausmarkiert, abwechslungsreich und richtig schön, zudem ist es mal nicht sengend heiß.

Als Sahnehäubchen wissen wir außerdem, dass wir Åste, eine andere NPLerin, heute treffen werden, da sie von der Bjørneggen Hütte aus Teveltunet ansteuert. An einem kleinen See sitzt sie nun und ist schon ziemlich im Eimer, als wir sie einholen, doch gemeinsam meistern wir die letzten Kilometer des Tages.

Da auf dem Hof keine Menschenseele anzutreffen ist, bleibt uns nichts anderes übrig als nach Meråker zu trampen und uns dort zu dritt ein kleines Hotelzimmer zu suchen. Gesagt getan, wir kaufen Pizza, Cola und Chips – was der Weitwanderer eben so braucht, und lassen den Abend bei langen Gesprächen ausklingen. Da unser Versorgungspaket aber noch in Teveltunet liegt und wir nach dem Ruhetag sowieso von hier zur Angeltjønnhytta starten, teilen wir uns nach dem gemeinsamen Frühstück das Taxi nach Teveltunet und nehmen uns eine gemütliche und geräumige Hütte, die uns perfekten Schutz vor der Hitze bietet.

Wie geht’s uns so?

Nun wo wir den dicken Teil Norwegens hinter uns gelassen haben und rasanter nach Norden gelangen, wird die Stimmung immer besser, man ist zuversichtlicher, hat immer mehr Spaß an der Sache. Im Süden war ich oft am Kämpfen und Zweifeln, all dies scheint nun der echten “Turglede” zu weichen, wie ich es mir so sehr gewünscht habe.

In Kooperation mit Visit Norway

Gut erholt verlassen wir Toftemo und nehmen nun Røros als nächstes Etappenziel ins Visier. Die Sonne brennt schon früh am Morgen vom Himmel, als wir den Pilgerweg durchs Gudbrandsdalen unter die Füsse nehmen. Es geht direkt steil bergan und wir kommen tüchtig ins Schwitzen, dafür aber sind die Aussichten ins Tal hinab wirklich richtig klasse.

Der Pilgerweg ist gut markiert, aber wir staunen über die Zeit- und Kilometerangaben, die wirklich ziemlich defensiv gewählt worden sind und eher für ein gemächliches Wandertempo sprechen. Alsbald überschreiten wir die Baumgrenze und kommen ins Fjell, Schatten gibt es von nun an nicht mehr und auch Wasser nur noch an einem grösseren Bach. Wir treffen eine junge tschechische Pilgerin, die ebenso wie wir unter der Sonne leidet. Wir machen eine längere Pause und geniessen die Ruhe hier oben im Fjell und die Aussicht in Richtung Dovre-Fjell mit dem Snøhetta-Berg am Horizont.

Weiter geht es zum höchsten Punkt des Tages, wo ein grosser Steinhaufen den Weg markiert. Jeder Pilger soll dort wohl einen Stein von zu Hause aus ablegen, um sich von einer Last zu befreien, ein cooler Gedanke und wenn ich mir die Grösse des Haufens so ansehe, liegt ihr eine ziemlich grosse Last im Fjell.

Wir gehen weiter, es ist gut zu gehen, denn der “Gamle Kongevegen” wurde früher auch mit Pferdegespannen begangen und ist dementsprechend breit und ausgetreten, ein wenig fühle ich mich hier der Einfachheit wegen an den schwedischen Kungsleden erinnert, aber das ist eine ganz andere Sache. Wir kommen so jedenfalls gut voran und gelangen am frühen Nachmittag nach Fokstugu, der ältesten Pilgerherberge auf dem Weg. Wir wollen dort Pause machen, und ein Kaltgetränk zu uns nehmen.

Allerdings sind wir ziemlich perplex, dass man hier nur bar bezahlen kann, schade aber auch, die eiskalte Cola bleibt im Kühlschrank und wir entschließen uns bald noch weiter bis nach Furuhaugli etwa 8 Kilometer zu gehen.

Den Platz kenne ich noch von früher und so gehen wir über den erst vor einem Jahr eröffneten Radweg entlang der E6 dorthin. Die Wärme des Tages fordert ihren Tribut, als wir auf dem Campingplatz ankommen und uns noch ganz allein im grossen Saal die letzten 15 Minuten des WM-Finales zwischen Frankreich und Kroatien ansehen.

Augen zu und durch

Der nächste Tag ist im Grunde schnell erzählt, wir machen es uns einfach und laufen weiter nach Hjerkinn über den Radweg. Alles gut zu gehen, aber wieder einmal brennt die Sonne erbarmungslos.

Wasser ist entlang des Weges kaum zu finden, die Bäche fast alle ausgetrocknet und zu allem Überfluss leidet Anni ganz besonders, ist ziemlich geschwächt, der Monatsyzklus schlägt erbarmungslos zu. Ich habe meine allergrösste Hochachtung vor allen Mädels, die damit auf Tour konfrontiert werden. Aber warum liesst man davon so wenig? Jede Frau auf einer längeren Tour hat doch dieses Problem? Nur weil man länger unterwegs ist, bleibt das doch nicht aus, oder? Naja, manche behaupten das zwar, wir aber können das nicht bestätitgen, aber vielleicht ist unsere Tour noch nicht anstrengend genug, als dass der Körper in einen Fluchtmodus oder was auch immer umschalten würde, wie wir schon mal irgendwo gelesen haben.

Wir sind dann auch recht früh in Hjerkinn, aber das ist auch echt gut so, mehr Zeit zum Ausruhen und um sich im Schatten abzukühlen. Und vor allem auch, um länger mit Andre zu quatschen.

Der hatte uns nämlich hierher eingeladen, denn er hat hier als Dauercamper einen Wohnwagen stehen und kommt in fast jeder freien Minute her. Und er hat drei Malamute-Hunde, mit denen er im Winter hier unterwegs ist. Wie cool ist das denn? Wir bauen unser Zelt auf, gehen duschen und dann entschliessen wir uns spontan, zusammen den Grill anzuwerfen. Grillgut und Bier ist schnell besorgt, wir fahren einfach mit Andres Pick-Up kurz ins 30 Kilometer entfernte Dombås – wie ich solche spontanen und unkomplizierten Aktionen liebe! Und so sitzen wir ziemlich lange zusammen, geniessen den Sonnenuntergang und die Abendstimmung bei Grillgut und Kaltgetränken, quatschen viel über Norge på langs.

Nach dem Frühstück und Kaffee bei Andre geht es weiter, wir wollen in drei bis vier Tagen in Røros sein. Der Abschied fällt schwer, am liebsten würden wir mindestens einen der Hunde mitnehmen. Vielen Dank für den coolen Abend Andre, das war echt der Knaller!

Auf alten Wegen durchs Fjell

Wir wollen heute über alte Wege weitergehen, die eigentlich nicht mehr gepflegt werden, aber noch in den Karten eingetragen sind.

Wir folgen dem Fahrweg bis Kvitdalen, werden dort aber von einer Kuhherde zu einem Umweg gezwungen. Wir müssten eigentlich ihre Weide überqueren, aber das forsche und bestimmte Auftreten der Tiere lässt uns einen Umweg einschlagen. Das aber geht gut und wir gelangen in das Tal westlich des markanten Råtåsjøhøi-Berges.

Das Tal ist der Knaller, der Weg gut zu finden und wir kommen gut voran. Gegen Nachmittag erreichen wir die Hütten am Fusse des Berges und vernehmen Donnergrollen, der Himmel verdunkelt sich allmählich und wir sehen zu, einen Zahn zuzulegen.

Wir erreichen gerade den Fahrweg zum Fundinsee, als der Himmel seine Schleusen öffnet und Thor seinen Hammer schwingt. Blitze zucken und der Donner fährt uns durch Mark und Bein! Hier so auf der offenen freien Fläche den Blitzableiter zu spielen ist nicht ganz so unser Ding und wir flitzen lieber schnell zu einer Alm, wo uns die Bäuerin obdach gewährt und wir das Gewitter aussitzen können.

Mit Blick auf den Fundin-See schlagen wir später unser Zelt auf und sind ziemlich groggy, uns schwant, dass wir uns bei der Etappenplanung eventuell etwas verhauen haben.

Mühsam ernährt sich der NPL-Wanderer

In der Nacht erhellen wieder Gewitter unser Zelt und am Morgen kommt wie aus dem nichts eine Schlechtwetterfront, die das Zelt kurz aber kräftig in die Mangel nimmt. Echt unschön, aber das Zelt ist ein gutes und übersteht alles schadlos. Nur wir sind angeschlagen. Anni noch immer aus bekannten Gründen und ich habe arge Verdauungsprobleme.

Wir schieben es aufs Wasser, wollen noch vorsichtiger sein. Dennoch ist der Tagesstart mehr als zäh und wir kommen nur mühsam vorwärts, der Körper schreit nach Ruhe, die wir ihm gerade nicht geben können. Wieder kommt ein Gewitter und wieder gewährt uns eine Bäuerin obdach, ich schlafe auf der Bank in der Stube augenblicklich für eine halbe Stunde ein. Wir quälen uns weiter, die Sinnfrage kommt uns mehr als einmal in den Sinn. Wir verlassen den Fahrweg und gelangen zur offenen Hütte am Kongsbekkelægeret.

Wir machen Pause in der Hütte und würden an liebsten hier bleiben. Wir gehen aber weiter, sonst haut unsere Planung noch weniger hin als sowieso schon.

Der Weg nun gehört zum coolsten, was ich in Norwegen bisher gesehen habe. Die grosse Weite mit grandiosen Ausblicken in die Ferne versöhnt uns etwas mit dem verkorksten Tag bisher und wir grinsen mehr als ein Mal, als wir uns so umsehen!

Wir gelangen zu einem alten Seterplatz, dort wollen wir unser Zelt aufschlagen. Zu unserer und ihrer Überraschung treffen wir dort auf ein Pärchen in unserem Alter, das gerade an einer alten Blockhütte herum werkelt. Nach kurzem Gespräch haben wir einen trockenen Platz in einer winzigen Hütte, die immer für Wanderer offen steht und von der wir nichts wussten und eine Einladung zum Abendessen in der Tasche.

Unverhofft kommt oft, und solch eine Überraschung mitten im Nirgendwo kommt besonders gut. Wir ruhen uns aus und gehen dann gegen 21 Uhr zum Essen – und das steht so manchem teuren Restaurant in nichts nach! Es gibt selbst gejagtes Rentier aus der Umgebung und es ist ein Gedicht! Und die Getränkeauswahl übersteigt unsere kühnsten Vorstellungen für diesen Abend! Auch hier können wir uns nur bei Gunnhild und Per Olav von ganzem Herzen aus bedanken!

Zu Hause weitab von zu Hause

Die Einladung zum Frühstück auszuschlagen können wir nicht übers Herz bringen, und so quatschen wir auch am Morgen noch lange, bevor wir aufbrechen und wieder einem alten, gut zu gehenden Pfad in Richtung Orkelbogen nehmen.

Nur das Schlammloch, das mich wie eine Pottsau aussehen lässt, trübt zwischendurch etwas die Stimmung.

Da man in Orkelbogen nicht übernachten oder etwas einkaufen kann, ist guter Rat teuer, denn uns geht langsam das Essen aus, wir brauchen 2 Tage länger als geplant bis Røros. Als wir an der Strasse stehen, auf deren anderer Seite wir morgen weglos übers Fjell wollen, sind wir etwas ratlos. Aber Gunnhild hat uns noch einen Telefonjoker mitgegeben. Ihre Tante May, nach der die kleine winzige Hütte von letzter Nacht benannt ist, wohnt in Tynset und würde uns ganz sicher helfen. Gesagt getan, nach zwei Anrufen und etwas Warten haben wir bei May einen Schlafplatz in Tynset und jemanden, der uns dort sehr gerne bei allem helfen möchte. Wir halten also den Daumen in die Luft und ein junges Paar nimmt uns standesgemäss in ihrem Mercedes mit nach Tynset und kurz darauf begrüsst uns Tante May überschwänglich. Aufgrund der Spontanität der ganzen Aktion verschwindet sie aber kurz darauf zu den Nachbarn, dort ist noch eine Gartenparty. Wir haben also ein ganzes Haus in Tynset bei völlig fremden Leuten für uns ganz allein, alles steht offen, wir können nehmen, was wir wollen! Was für eine irre Geschichte!

Zurück auf los über Kvikneskogen

Es wendet sich also alles zum Guten und am Tag darauf nehmen wir den Bus mit frischem Essen im Gepäck nach Kvikneskogen, um unsere Tour dort fortzusetzen, wo wir gestern aufgehört hatten. Der Busfahrer macht uns dabei einen unglaublichen Freundschaftspreis von nur 20 NOK für die Fahrt – ich glaube Norge på langs zählt in diesem Land wirklich richtig etwas.

Uns ist flau im Magen, der Wetterbericht verspricht für den Nachmittag schwere Gewitter und ergiebige Niederschläge und wir wollen weglos übers Fjell zur nächsten Alm. Ob das eine gute Idee ist? Der Aufstieg ins Fjell lässt uns jedenfalls daran zweifeln, durch dichten Birkenwald und Sumpf müssen wir uns selbst den Weg suchen. Im Fjell angelangt, besteht dies hier nur aus weichen Moospolstern und kniehohen Gewächsen, die einem beim Gehen einfach die Energie aus den Beinen ziehen.

Nun denn, wir müssen uns echt zusammenreissen, aber mit viel Geduld und mentaler Stärke schaffen wir es, nach fast 4 Stunden für 12 Kilometer kann uns das Donnergrollen über uns nicht mehr erschrecken, wir sind auf der Alm angelangt und die zuckenden Blitze über den Bergen können uns mal gern haben. Regen gibt es hier keinen und auch das Gewitter bleibt auf Abstand, vielleicht stinken wir zu sehr? Keine Ahnung!

Die Leute hier auf der Alm haben jedenfalls solch ein Wetter noch nicht erlebt, und die Bäuerin ist seit 40 Jahren jedes Jahr hier auf der Alm. Die Bauern können einem wirklich leid tun, viele werden ihr Vieh im Herbst schlachten müssen, da nicht genug Futter für den Winter auf den Feldern wächst. Der Grasschnitt ist in diesem Jahr ein Witz, das wird ziemlich hart und bitter werden.

Dann sind wir des Wahnsinns fette Beute und laufen noch über 20 Kilomter über Seterwege nach Vingelen und fallen todmüde dort ins Bett. Wir haben beide nur eine Banane und ein paar Nüsse tagsüber gegessen, mehr wollte der Körper gerade nicht haben. Erstaunlich wie weit man damit kommt, wenn es sein muss.

Almen, Almen und Røros

Die geplante weglose Route übers Fjell nach Dalsbygda klemmen wir uns, es sind weiterhin starke Gewitter und Regenfälle angekündigt. Die restlichen 50 Kilometer nach Røros gehen wir dann in weiteren zwei Tagen und machen drei Kreuze, als wir das Røros Hotell endlich erreichen.

Zwei Tage länger als gedacht hat es gedauert, der Körper hat zwischendurch ordentlich rebelliert und uns hat diese Etappe echt auf einige mentale Proben gestellt – aber wir haben es alles gemeistert!

In Kooperation mit Visit Norway

Der Abschied von Fondsbu fällt schwer, zu schön war das Treffen mit Anja und Bernd – und vom leckeren Essen hier wollen wir erst gar nicht anfangen. Ein letzter Blick zurück und dann geht es schon steil hinauf vom Gjende-See hoch zum Høystakktjernet-See.

Der Anstieg ist ganz kernig, aber gut zu gehen und das weite Hochtal belohnt uns mit wunderbaren Aussichten und einem weiten Ausblick. Ziemlich viel los hier, es ist aber auch Wochenende und wir sind in einer der beliebtesten Ecken des Nationalparks unterwegs.

Der Abstieg durch das Vestådalen hinab zum Gjende zieht sich etwas, aber wir beide kennen den Weg schon. Dafür entschädigt der Blick auf den Gjende, dessen türkises Wasser ist echt ein ganz besonderer Hingucker.

Der gefürchtete Bukkelægeret ruft

Wir machen ausgiebig Pause in Gjendebu, sind wegen dem Wetter etwas unsicher, ob wir weiter gehen sollen, es ist leichter Regen vorhergesagt und gleich steht der Bukkelægeret mit seinen 400 steilen Höhenmetern am Stück auf dem Programm.

Wir entscheiden uns fürs Weitergehen, auch wenn erste dunkle Wolken aufziehen. Erst geht es direkt am See entlang und dann mit einem Schlag steil bergan. Alter Schwede, das wird echt ne zähe Nummer!

Es wird immer steiler und dann kommen die Ketten. Oha, da ist echt der ganze Wanderer gefragt, mit dem schweren Trekking-Rucksack mitunter eine echte Herausforderung! Aber mit Geschick und Erfahrung geht es ganz gut, das Adrenalin der ausgesetzen Höhe hilft dabei natürlich auch ein wenig.

Irgendwann wird der Weg wieder zu einem Weg, es geht in steilen Serpentinen immer weiter hoch, bis man endlich den höchsten Punkt erreicht hat. Heimlich habe ich in Gjendebu eine “Gipfel-Cola” gekauft, die ich nun aus dem Rucksack ziehe und damit Anni überrasche. Wie gut das jetzt schmeckt, genau die richtige Belohnung für einen wirklich harten Aufstieg!

Wir gehen nach einer ausgiebigen Pause noch ein Stück und schlagen dann unser Zelt auf! Was für ein Wandertag.

Das Wetter ist kurz kaputt

Heute ist es draußen eher dramatisch, die Wolken hängen tief, es ist windig und nieselt als wir uns aufmachen, den langen Bergrücken abzulaufen und nach Memurubu abzusteigen. Schon bald kommen uns die ersten Tageswanderer entgegen, sie sehen teilweise nicht besonderes begeistert aus, und wenn sie wüssten was sie beim Abstieg in diesem Wetter erwartet, dann hätten sie vielleicht auch richtige Schuhe angezogen.

Aber die Aussicht hier kurz vor dem steilen Abstieg auf den Gjende-See, den Besseggen-Grat und auf die Knutshø, die ist von hier aus wirklich fantastisch!

Der Abstieg nach Memurubu ist schnell erledigt, wir kehren kurz ein für ein Heißgetränk, aber in der Stube des Berghotels trifft uns fast der Schlag. Nichts ist zu sehen von der gemütlichen Atmosphäre der bedienten DNT-Hütten, die Fähre hat gerade eine ganze Busladung neuer Gäste gebracht, die nun abgearbeitet wird.

Wir treten wieder hinaus in das Grau um uns herum und gehen weiter. Wieder stehen einige hundert Höhenmeter auf dem Programm, wir wollen hinüber zum Russvatnet-See gehen und der Übergang ist am Anfang der gleiche Weg wie der hin zum Besseggen-Grat.

Wir kommen gut voran und verlassen dann auf dem Bergrücken den Weg zum Besseggen und steigen hinab in Richtung des Russvatnet-Sees. Der Abstieg ist nicht so lang wie der Aufstieg, der See liegt auf fast 1200 Metern. Die Wolken um uns herum hängen tief, jeden Moment scheint es anzufangen zu regnen. Wir gehen noch ein gutes Stück um den See bis kurz hinter die Sundodden-Halbinsel und schlagen dort an einem traumhaften Platz unser Zelt direkt am See auf. Es ist noch recht früh, aber umso ungemütlicher es draußen ist, desto hyggeliger ist es dann im Zelt mit einer heißen Schokolade und einem spannenden Hörbuch im muckeligen Schlafsack.

Sonne & turglede auf dem Weg zum Glittertind

Der nächste Morgen begrüßt uns mit strahlendem Sonnenschein, wie schnell sich das Wetter hier ändern kann! Unglaublich!

Wir legen mit Elan los und sind für unsere Verhältnisse früh dran beim Aufbruch. Der Aufstieg hinüber gen Glitterheim ist ziemlich schweißtreibend und die Wegführung etwas verwirrend, aber als wir dann oben die Aussicht genießen, ist das alles locker wieder wettgemacht!

Weiter geht es über den Hestlægerhøe-Pass nach Glitterheim. Die Hütte dort am Fuße des zweithöchsten Berges Norwegens, dem Glittertind, sieht man schon vom Pass aus, es dauert aber noch fast eine Stunde bis man dort ist.

Endlich angekommen stärken wir uns in Glitterheim mit einem warmen Mittagessen und einer langen Pause.

Am Nachmittag laufen wir dann über die Schotterpiste zur Hütte durch das Veodalen hinaus aus Jotunheimen. Die Hütte kann für Touristen nur zu Fuß oder per Fahrrad erreicht werden. Der Parkplatz für die Fahrräder und auch Autos liegt etwa 7 Kilometer entfernt, dort kann man sich auch Fahrräder ausleihen.

Weitere drei Kilometer vom Parkplatz entfernt schlagen wir unser Zelt mit Blick auf den Glittertind auf. Der Zeltplatz ist echt super, bis sich sämtliche sich im Tal befindlichen Kühe beginnen, sich für unser Zelt zu interessieren. Die ganze Herde steht plötzlich vor unserem Zelt und wir haben echt Mühe sie davon zu überzeugen, dass wir und unser Zelt nicht Teil ihrer Abend-Bespaßung sind.

Goodbye Jotunheimen!

Der nächste Tag beginnt zum Glück ohne Kühe, aber dafür mit super Ausblicken hinüber gen Rondane und einer langen Wanderung über die Schotterpiste bis hinab nach Randsverk. Dort betreibt Peter aus Dänemark einen Campingplatz, ich kenne ihn schon seit etwa 4 Jahren von einer Reisemesse in Stuttgart. Immer wieder habe ich ihn auf Messen getroffen, nun stand quasi der Gegenbesuch an. Am Nachmittag schlagen wir unser Zelt dort auf und entspannen uns von den zahlreichen Höhenmetern in Jotunheimen.

Über Seter-Straßen, die die Almen und Bauernhöfe verbinden geht es nach Vågåmo. Immer wieder türmen sich um uns herum die Wolken auf, aber zu regnen beginnt es erst so richtig, als wir dort ankommen und eine Hütte auf dem Campingplatz beziehen.

Eine Abkürzung? Die Abkürzung!

Der letzte Tag vor dem Ruhetag steht auf dem Programm und wir sind etwas nervös. Wir wollen heute bis nach Dovre bzw. Toftemo gelangen. Das wären auf der Straße über 40 Kilometer, aber Anni hat bei der Planung einen kleinen Pfad über die Berge dorthin entdeckt. Das heißt aber auch, dass wir erst einmal fast 700 Höhenmeter von Vågåmo hoch zum Jettjønne-See über einen Schotterweg zurücklegen müssen. Die Sache ist zwar nach weniger als zwei Stunden erledigt, aber ein wenig ins Schwitzen kommt man dabei schon.

Gerade als wir am See unsere verdiente Pause einlegen, bauen sich um uns herum mehr und mehr imposante Wolkenberge auf. Oha, vielleicht sollten wir mal zusehen, wieder weiter nach unten zu gelangen.

Wir laufen am See entlang bis zur Jettsætri-Alm, bis hierher gibt es einen Weg, von nun an aber im Grunde nur eine vage Vermutung wie es weiter geht. Wir folgen einfach der Stromleitung hinein ins enge Jettdalen und entdecken einen schmalen Trampelpfad. Genau so etwas hatten wir hier vermutet und nun ist es echt super gut hier zu gehen! Wir strahlen, was für eine coole Abkürzung über die Berge! Und sie funktioniert wirklich! Das hatten wir ja nun nicht wirklich bei jeder Abkürzung bisher!

Mit Ausblick über das Gudbrandsdalen hinüber nach Rondane machen wir eine Pause. Das hat ja mal super geklappt! Und die Wolken türmen sich weiter um uns herum, aber halt um uns herum, über uns scheint noch die Sonne! Und das ändert sich auch nicht, als wir erst auf eine Fahrspur für Quads und dann auf die ersten Häuser treffen.

Über den Radweg entlang der E6 gelangen wir dann zuerst nach Dovre, wo wir einkaufen und unser nächstes Versorgungspaket abholen. Mit einer eiskalten Cola stoßen wir auf die erfolgreiche Abkürzung an und gehen dann noch die zwei Kilometer nach Toftemo, wo wir heute unseren Ruhetag einlegen.

In Kooperation mit Visit Norway

Zwischen der Hardangervidda und Jotunheimen liegt ein wunderbares Fjellgebiet, das viel zu oft einfach unbeachtet bleibt: Skarvheimen! Die letzte Woche war quasi eine Wanderung der Ehrenkategorie und führte uns bis hinauf auf über 1700 moh über das Dach unserer Tour, um einen kleinen Bezug auf die aktuell beginnende alljährliche große Frankreich-Rundfahrt zu nehmen.

Es fällt schwer, Geilo und den entspannten Ruhetag hinter uns zu lassen, in Dr. Holms Hotel haben wir uns nur zu wohl gefühlt.

Arme & Beine werden zu einer rotierenden Scheibe

Die Erholung verblasst schon bald, als es immer weiter direkt bergan für uns geht, wir wollen über das Budalen hinauf zum Budalsvatnet-See gehen und von dort aus in das Dorf Hovet gelangen. Also stehen direkt einige Höhenmeter auf dem Programm, die wir aber flott bewältigen, auch wenn uns die schon am Morgen sehr kräftige Sonne tüchtig zusetzt.

Der Abstieg nach Hovet ist sehr steil, und wir sind froh über die längere Pause für die Knie im Dorfsupermarkt.

Dann geht es weiter, zuerst über die Straße und dann ungefähr 12 Kilometer über eine Schotterpiste bis in Sichtweite der Staumauer des Nedre Stolsvatnet-Sees. Ein langer Tag mit vielen Metern aufwärts und zahlreichen Kilometern geht dort zu Ende, wir sind ziemlich stolz auf uns! Fast, aber nur fast hätte uns ein Runners High erwischt, aber vorsichtshalber unterbrechen wir den Flow durch einige Pausen im Schatten der noch zahlreichen Birken.

Witzigerweise steht mitten im Nirgendwo ein deutsches Auto mit einem MK-Kennzeichen, meiner Heimat dem Märkischen Kreis. Sachen gibt’s! Leider war der Besitzer nicht zu sehen, wir haben uns trotzdem über das Stückchen Heimat in der Ferne gefreut. Das Zelt steht mit Aussicht auf das, was uns morgen erwartet.

Aussicht schlägt einfach alles

Der nächste Tag führt uns über den Grevskardnuten-Höhenzug hin zur Iungsdalshytta, einer vollbedienten Hütte des norwegischen Wandervereins DNT. Es sind heute nicht viele Kilometer, aber dafür geht es teilweise sehr steil den Berg hinauf. Als wir aber oben sind, müssen wir uns kneifen, die Aussicht ist schlicht und einfach der Wahnsinn!

Sich von solch einem Platz zu lösen fällt entsprechend schwer, aber die Annehmlichkeiten der Hütte locken uns dann doch.

Flott geht es hinab zum See und zur Hütte, wo wir uns ein Zimmer nehmen und die Dusche genießen, herrlich, und das in dieser wunderbaren Umgebung!

Wo ist das Zelt?

Heute gilt es, wir gehen die Etappe, auf der ich damals nunja, mein Zelt, ja ich weiß total doof, verloren habe. Also los, vielleicht kauert das kleine Ringstind ja irgendwo einsam und verloren hinter einem großen Stein, und wartet nur darauf, gefunden zu werden.

Wir sind also wachsam, als wir uns Meter um Meter schrauben. Der Schweiß fließt mal wieder in Strömen, die zahlreichen Salzränder auf unseren T-Shirts können das nur bezeugen.

Der Routenplaner vom DNT hat sich einiges einfallen lassen, der Weg führt nicht nur hoch, sondern zwischendurch auch mal gerne wieder viele Höhenmeter hinab, dann wieder über steile Anstiege hoch hinauf, über Schneefelder und auch lange Blockwerkpassagen finden sich. Dennoch kommen wir flott voran und genießen bald die Aussicht vom höchsten Punkt unserer NPL- Tour auf 1700 moh – und das alles bei bestem Wetter.

Nur mein Ringstind haben wir nicht gefunden, als wir auf der Bjørdalsbu-Hütte ankommen und mit Ananas und Pfirsich aus der Dose anstoßen.

Der Sonnenuntergang zeigt uns dann noch mal kurz, warum es uns immer wieder so sehr in diese Abgeschiedenheit weit weg vom Alltag zieht.

Ein kurzer Hüttenurlaub

Der Abstieg nach Breistølen am Tag darauf gelingt rasch, langsam aber sicher droht uns nur die Sonnencreme auszugehen, Luxusprobleme! Nur leider sehen wir in ganz Skarvheimen keine Rentiere, der ganze Bestand wurde hier im letzten Winter geschossen, da sich eine rätselhafte Krankheit unter den Tieren ausgebreitet hatte, von der keiner so recht weiß, woher sie kommt und wie die Tiere sich infiziert haben. Nun ist das betroffene Gebiet frei von Rentieren und eingezäunt, keiner kann sagen, wann erneut wilde Rentiere hier angesiedelt werden.

Nach knapp 4 Stunden Abstieg kehren wir in Breistølen ein und lassen uns Waffeln mit selbstgemachter Marmelade schmecken. Hier in der privaten Unterkunft hat man mich damals nach dem Zeltverlust getröstet, mich wieder aufgebaut und mir so sehr geholfen, ich komme nur zu gerne zurück und sage erneut Danke! Witzigerweise war die ehemalige Nachbarin der Betreibern hier bei einem meiner Vorträge in Dortmund, sie haben hinterher miteinander telefoniert, so klein ist mal wieder die Norwegen-Welt!

Wir quartieren uns dann nur einen Steinwurf entfernt in der neuen Breistølbu-Hütte des DNT ein. Hier gibt es neben Duschen auch Strom, dazu einen fantastischen Sonnenuntergang gratis dazu, was will man mehr?

Es geht immer noch weiter und höher

Als hätten wir die letzten Tage nicht schon genug geschwitzt, erwandern wir uns heute eine der bisher schönsten, aber auch anstrengendsten Etappen hin zur Sulebu-Hütte. Wieder stehen viele, viele Höhenmeter auf und ab in der Bilanz am Ende des Tages. Es ist zwischendurch sau anstrengend, immer wenn man denkt, dass das nun doch endlich der Wegweiser am höchsten Punkt der Etappe ist, geht es ganz sicher noch höher. Ganz sicher! Aber hei, die Aussicht auf die zackigen Berge des Hurrungane-Massivs ist gewaltig!

Es wäre heute super Wetter zum Zelten, aber wir ziehen dann doch lieber die schattige Hütte vor. Es ist total verrückt, wenn man erzählt, dass einem ein paar Wolken am Himmel und ein paar Grad weniger auf dem Thermometer gefallen würden, insbesondere in Norwegen, aber es ist tatsächlich so. Überall ist Sonnencreme ausverkauft, die Seen weit unter dem normalen Niveau und die Waldbrandgefahr nach wie vor extrem hoch.

Der Ruhetag ruft

Die höchsten Berge des Landes immer vor Augen, geht es dann innerhalb von zwei Tagen über Tyinkrysset nach Fondsbu.

Ein paar Wolken sorgen auf dem Weg dorthin tatsächlich für eine kurze Sonnencreme-Pause, wir genießen die Kühle auf der Haut und schlagen unser Zelt direkt an der Hütte auf.

Und dann, nach der formidablen Dusche schlagen wir zu, wir ordern uns jeder den Fondsburger – und der schmeckt einfach nur super gut! Alles hausgemacht und das Fleisch vom Erzeuger direkt aus der Nachbarschaft, wie lecker das ist!

Die große Überraschung kommt aber erst noch, denn pünktlich zum Abendessen bekommen wir unerwarteten Besuch. Bernd und seine Frau Anja waren unterwegs auf Tour am Lysefjord, das Wetter spielte mit, so dass sie die übrige Zeit für einen Abstecher zu uns genutzt haben. Die Freude ist auf beiden Seiten groß, wir schreiben uns schon länger E-Mails und trafen uns beim Fernwandern- Camp im letzten Jahr das erste Mal richtig. Bernd ist sogar schon mal mit einem alten AWO-Motorrad von der Lausitz aus zum Nordkap und zurück gefahren! Und nun treffen wir uns hier, wieder schließt sich ein Kreis, wir haben uns viel zu erzählen.

In Kooperation mit Visit Norway

Unser Ruhetag im Gaustablikk Hotel war richtig schön entspannt und ruhig – ein richtiger Ruhetag aus dem Bilderbuch. Wir machen nur einen kleinen Ausflug in die nahe Umgebung und geniessen die Aussicht über Rjukan und den Gaustatoppen. Wir waschen unsere Klamotten und sortieren die Lebensmittel aus unserem Versorgungspaket, alles ganz entspannt.

Die Weite wollen wir uns erarbeiten

Am Samstag Morgen bringt uns dann ein Mitarbeiter des Hotels hinab nach Rjukan und direkt bis zur Krossobahn. Diese älteste Seilbahn Nordeuropas bringt einen normalerweise innerhalb von 5 Minuten die 500 Höhenmeter hinauf zur Bergstation. Wir aber wollen laufen, empfinden es nicht richtig, hier die Bahn zu nehmen, wir wollen versuchen, so weit es geht alles zu Fuß zurückzulegen. Ansonsten bräuchte man sich ja nicht mit dicken Blasen an den Füssen die Straße hinab quälen, um dann jetzt hier den einfachen Weg zu wählen.

Also los, hoch da, wir schultern unsere Rucksäcke und sind gut 100 Minuten später oben und geniessen bei einer erfrischenden eiskalten Cola die wohlverdiente Aussicht über Rjukan!

Die Sonne strahlt mit uns um die Wette, als wir kurz darauf endlich im Fjell stehen! Richtiges, weites, offenes Fjell! Wie sehr haben wir uns darauf gefreut und so hallen einige Freudenschreie über die Flechten, Moose und Steine um uns herum!

Wir folgen den roten Markierungen des DNT, wollen heute zumindest noch bis zur Helberghytta kommen und dort entscheiden, ob es für uns noch weiter geht oder nicht. Den Gaustatoppen immer im Rücken kommen wir gut voran, das gute Wetter und die weite Vidda verleihen uns Flügel. An der Hütte angelangt werde ich direkt von zwei Norwegerinnen auf meinen BVB-Aufnäher angesprochen, sie waren selbst im Stadion, als der Ballspielverein Borussia aus Dortmund vor ein paar Jahren bei Odds BK in Norwegen spielte. Fussball verbindet halt und man hat immer etwas zu quatschen 😉

Das Wetter ist gut, sodass wir noch etwas weiter gehen und unser Zelt mit einen wunderbaren Blick auf den Sudtjønn See aufschlagen. So haben wir uns das vorgestellt!

Wie hat eigentlich Deutschland gegen Schweden gespielt?

Am folgenden Tag wollen wir bis Kalhovd kommen, einer Hütte mit vollem Service, die schon offen hat. Der Weg dorthin bietet großartige Aussichten und gegen Nachmittag etwas Nieselregen. Macht uns aber überhapt nichts aus, eine kleine Abkühlung kommt uns bei der vielen Sonne gerade recht.

Da heute dann doch einige Höhenmeter zusammengekommen sind und das Wetter in der Nacht eher unbeständig sein soll, entscheiden wir uns, in Kalhovd zu übernachten und bekommen spät am Abend eine super Aussicht geboten.

Fernsicht, Weitblicke und Aussichten

Tag drei in der Hardangervidda führt uns weiter gen Norden, es gilt zwei Höhenzüge entlang des Mår-Sees zu überwinden. Da wir mitunter hoch über dem See unterwegs sind, ergeben sich immer wieder fantastische Aussichten, eine echte Genussetappe mit Fernsicht und bestem Wetter.

Am Nachmittag machen wir eine Pause mit Blick auf den Hardangerjøkulen in der Ferne. Wir wandern quasi immer weiter auf der Achse zwischen dem Gletscher und der Landmarke des Gaustatoppens im Rücken.

Der Weg nach Mårbu zieht sich gegen Ende ein wenig, wir wollen aber nicht klagen, denn die Bedingungen zum Wandern könnten kaum besser sein. Man sollte nur daran denken, bei den Temperaturen ausreichend zu trinken und sich gut mit Sonnenschutz einzucremen, der stete leichte Wind sorgt sonst für Überraschungen in Form eines deftigen Sonnenbrandes. Unsere T-Shirt Streifen sind schon sehr beachtlich, der Kontrast zwischen bedeckter und unbedeckter Haut echt krass! Das wird uns wohl noch lange über die Tour hinaus ein Andenken bleiben.

In Mårbu machen wir eine lange Pause und holen uns ein Kaltgetränk, die Hütte hat zwar noch nicht offiziell offen, aber die Betreiber sind schon hier und bieten eine Woche für Familien an, sodass hier unzählige Kinder umherflitzen.

Wir geniessen es, einmal im Schatten zu sitzen und gehen nach einer guten Stunde weiter zum nördlichen Ende des Sees, wo wir mit einem fantastischen Ausblick unser Zelt aufschlagen. Nur die Mücken nerven gewaltig, als der Wind nachlässt. Also ab ins Zelt, Tagebuch schreiben, essen, kochen und lesen – gute Nacht!

Ein Traum und mehr als wir erwartet haben

Am nächsten Morgen brechen wir auf in das Herz der Hardangervidda, die DNT-Hütte Rauhelleren dient uns heute als grobes Tagesziel.

Es geht von unserem Zeltplatz aus eine Weile sanft bergan, die Glöckchen der Schafe sind der Soundtrack zu unserer Wanderung hier. Immer wieder untermalt vom Ruf der Wildnis: Den Rufen des allgegenwärtigen Goldregenpfeifers, einem kleinen Vogel, den man hier immer und überall laut rufend antrifft.

Kurz bevor wir eine staubige Schotterpiste erreichen, bekommen wir mit Blick in die Ferne eine Gänsehaut: Der Hardangerjøkulen liegt in seiner ganzen Pracht vor uns, die Eiskappe ist hervorragend zu erkennen. WOW! Einfach nur WOW!

Wir entscheiden uns, auf einen Aussichtsberg zu steigen, den 1380 Meter hohen Krossvasshovda. Und wir bereuen die Mühen nicht, ganz im Gegenteil! Keine Wolke zeigt sich am Himmel und wir können einen Grossteil der Vidda überblicken. Vom gut erkennbaren Hårteigen-Berg im Westen, über den Gletscher nördlich vor uns und bis hin zum Hallingskarvet, wo unser Ziel für die Woche liegt, das Örtchen Geilo an der berühmten Bergensbahn.

Wir können uns kaum sattsehen, würden am liebsten unser Zelt direkt hier oben aufschlagen. Wir sind einfach nur dankbar und glücklich, so ein großes Wetterglück hier zu haben!

Die Sonne grillt uns weiter, als wir total beseelt vom Berg hinab steigen und dem Wanderweg folgen. Kurz darauf überqueren wir die beeindruckende Brücke am Festningstjønne und schiessen dabei viele Bilder.

Ein letzter Anstieg noch für heute, der seinen Tribut in Form einer langen Pause mit Blick auf den Langesjøen-See und die Rauhelleren-Hütte fordert.

Wir entschließen uns, nicht zur Hütte zu gehen, uns die 3 Kilomter extra hin und zurück zu unserer geplanten Route zu sparen. Dafür finden wir einen Lagerplatz mit Aussicht, mal wieder könnte man sagen, man wird aber nie satt werden, bei solchen Ausblicken aus dem Zelt. Nie! Wir sehen den Forellen beim Springen zu, als wir nach diesem in allen Belangen großartigen Tag unser wohlverdientes Abendessen zubereiten.

In Amundsens Fußspur

Heute wollen wir soweit wie möglich kommen, am besten bis kurz vor Geilo, denn der nächste Ruhetag lockt. Wir kommen auch super voran, Meter um Meter, Kilometer um Kilometer nähern wir uns zuerst der Heinseter, wo wir eine ausgedehnte Mittagspause einlegen.

Dann geht es weiter in Richtung Tuva, einer beliebten Ausflugshütte, bei der sich im Winter zahlreiche Loipen treffen.

Auf dem Weg dorthin kommen wir mit einem Norweger ins Gespräch, und als wir nach seinem Startpunkt fragen sagt er wie aus der Pistole geschossen: Lindesnes!

Wir grinsen und entgegnen auch: Lindesnes! Wie cool ist das denn?!? Jonas heißt mit Nachnamen Amundsen, ist ein paar Tage nach uns gestartet und hat eine etwas andere Route genommen. Und nun treffen wir uns hier und laufen gemeinsam nach Tuva, wo wir lange über alles mögliche quatschen.

Er will wie wir in Geilo einen Ruhetag einlegen, perfekt, wir verabreden uns lose, um uns dann gemeinsam bei Peppes Pizza durchs Buffet zu fräsen. Jonas ist noch etwas unsicher, wie weit er heute noch gehen will, wir brechen aber schon mal auf und gehen noch etwa eine Stunde lang bis kurz vor den Abstieg nach Ustaoset. Wir finden eine Campstelle, die wohl weithin ihres gleichen sucht und bekommen uns beim Sonnenuntergang kaum ein! Warum wir diese Tour machen, wird genau in diesen Moment auf die schönste Art und Weise beantwortet, und es braucht dazu wohl kaum große Erklärungen!

Nach einem kurzen nächsten Tag sind wir zeitig in Geilo und gehen direkt so müffelnd und ungewaschen wie wir sind zum Pizza Buffet. Die Leute gucken nicht schlecht, als wir dort zuschlagen und lange sitzen. Irgendwann gesellt sich Jonas zu uns, ein cooler Abschluss einer noch cooleren Woche in den Weiten der Hardangervidda!

In Kooperation mit Visit Norway