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Simon

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Weiter geht es – im zweiten Teil steht Breheimen auf dem Programm! 

Tag 14 Freitag 10.08.12 Sota Sæter – Slæom

Komisch. Gleich bin ich alleine unterwegs, denke ich beim Aufstehen. Merkwürdig. Ich packe mein Zeug zusammen und teile das Essen auf, nur noch halb so viel zu schleppen. Anschließend frühstücken und bezahlen wir. Aber nicht den Schlafsaal sondern das Doppelzimmer. Wir wollen diskutieren, aber man gibt uns zu verstehen, dass wir uns ja hätten beschweren können. Danke für nichts, wir haben ja nur drei Mal auf den Schlafsaal verwiesen. Aber davon wollen wir uns den Urlaub nicht vermiesen lassen.

Wir nehmen den Mautweg bis Mysubytta, das erspart mir den Fahrweg, den zu laufen macht selten Spaß. Gegen 11:00Uhr heißt es Abschied nehmen. Echt blöd, wir schon im letzten Jahr gehe ich nun alleine meinen Weg. Da hockt man so lange 24 Stunden am Tag aufeinander, hat zusammen eine tolle Zeit, unterhält sich gut und dann geht man alleine los. Irgendwie macht das keinen Spaß, aber ich hab es mir ja so ausgesucht. Das Ganze ist schwer zu beschreiben, aber Lust hab ich heute kaum. Wir machen es kurz, schießen noch ein paar Fotos und dann mache ich mich auf über die Brücke und auf in drei Wochen Abenteuer alleine. Nun denn.

Etwas missmutig trotte ich los Richtung Mysubyttdalen. Der Weg schlängelt sich durch Birkenwald. Es nieselt, mir ist zu warm, ich schwitze wie blöd und überhaupt. Was soll das eigentlich? Wieso tue ich mir den Mist an?

Ich bin genervt, zum Glück ist es heute eigentlich nur ein Katzensprung. Ich befreie mich grummelnd von meiner Schwitzejacke und sehe zwei schöne Wasserfälle, aber auch die vermögen es nicht meine Stimmung zu heben.

Das Gelände wird offener, die Birken verschwinden gänzlich und gegen 13:00Uhr erreiche ich den Mysubyttvatnet. Das Wetter bessert sich zusehends. Am Ende des Sees etwas oberhalb müssen die Hütten liegen. Ein kleiner Lichtblick. Am See entlang wird das Ufer etwas steiler und ich muss ein wenig aufpassen, keine große Sache, aber heute halt doof.

Dann erreiche ich die Hütte. Unterwegs habe ich noch zwei, drei Wanderer getroffen, ich bekomme die ersten Wasserstandsmeldungen zu den Wegverhältnissen in Breheimen. Ich schließe die große Hütte auf und werfe mein Zeug in eines der Zimmer, trinke etwas und mache eine kurze Pause. Ist noch früh am Tag und meine Stimmung ist immer noch bewölkt, würde ich mal so sagen.

Von Ulrich weiß ich, dass man das Tal hinter der Hütte bis zum Sygneskarsbreen Gletscher hinauf laufen kann. Wenn ich schon mal da bin und das Wetter einigermaßen passt, kann ich es ja auch probieren und mir den Gletscher aus der Nähe ansehen. Der Durst kommt beim trinken oder wie war das. Also los, bevor ich hier heute auf der Hütte noch einen depressiven Anfall bekomme.

Ich ziehe ohne Gepäck los. Erst geht es über den Bach hinterm Haus und dann kurz steil hoch. Ich kann auf der anderen Talseite sehen, was mich morgen erwartet. Juhu, steiles wegloses Gelände, ich kann meine Vorfreude kaum verbergen.

Ich laufe also das Tal hoch, vereinzelte Steinmarkierungen geben die Richtung vor, Blockwerk und Schneefelder sind zu bewältigen. Nach eineinhalb Stunden komme ich zum Blankebergtjønne. Eigentlich müsste ich nur noch um den See, aber es zieht sich zu und ich habe keine Lust mehr.

Also geordneter Rückzug, ich hab es wenigstens probiert. Es wird etwas dunkler im Tal durch die tiefe Wolkendecke. Irgendwie nehme ich die Stimmung als etwas bedrohlich war. Die Talseiten ragen steil auf und über die Schneefelder sieht man gut, wo einzelne Steinabgänge ihre Spuren im Schnee hinterlassen haben.

Wie dem auch sein, gegen 18:00 Uhr bin ich wieder an der Hütte und das Wetter ist sehr viel besser geworden. Sollte der Wetterbericht von yr.no der in Sota Sæter hing ausnahmsweise Recht behalten? Eine Woche stabiles gutes Wetter war angekündigt, aber nach allgemeinem Konsens liegt yr.no in diesem Jahr wohl immer ziemlich daneben mit seinen Prognosen. Egal, die Stimmung bekommt wieder leicht einen Schubser in Richtung „Gut“.

Nanu denke ich, doch noch wer gekommen, die Hütte ist offen. Drinnen ist ein Spanier so denke ich erkennen zu können. Wir quatschen kurz. Er stellt sich dann als ein Israeli vor, heißt David. Er möchte von Grotli aus bis runter nach Stavanger laufen, hat dafür vier Wochen Zeit und die Route vom DNT zusammengebastelt bekommen. Vorher aber war er schon vier Wochen in Spanien unterwegs. Respekt, coole Sache, noch einer, der so lange unterwegs ist.

Allerdings ist er nicht ganz so an die hiesigen Wetterverhältnisse angepasst. Er hatte nicht gedacht, dass hier überhaupt noch Schnee liegt und es so feucht ist. Er hat nicht mal wasserdichte Schuhe und zu allem Überfluss ist er dann gleich zu Anfang die wohl längste und schwerste Etappe hier in weitem Umkreis gelaufen. Von Skridulaupbu aus hier hin. Und Überraschung, er fragt noch, wo er eine Karte her bekommt, in Grotli waren sie aus und er ist nur mit der Planungskarte vom DNT losgezogen. Daumen hoch für so viel Optimismus.

Ich schleppe einen ganzen Stapel Karten samt Kompass, ein GPS mit Ersatzakkus und einen PLB mit mir herum. Naja, er hat gerade seinen Militärdienst in Israel hinter sich, vielleicht ist er da ja Härteres gewöhnt, aber ich halte diese Herangehensweise an Turen in Norwegen doch ein klitzekleines Bisschen fahrlässig. In Sota Sæter, sage ich zu ihm, auf die Frage wo er eine Karte her bekommt.

Inzwischen sind auch noch Ingrid und Einar, zwei Norweger gekommen. Sie ziehen nebst mitgebrachtem Hund in die andere Hütte. Dann koche ich Frokost Kaffee für alle, die Packung lag angebrochen in der Hütte herum.

Beim Kaffee kommen wir nett ins Gespräch und alsbald nimmt das Abendliche Hüttenprogramm gestalt an. Ich koche mir Nudeln mit Pizzafyll, gar nicht schlecht, probiere es das erste Mal, aber Mamas Bolognese ist es halt dann auch nicht. David kocht auch Nudeln. Er hat ein großes GLAS Nudelsoße dabei. Er ist Jude, wie er sagt und ernährt sich eigentlich Koscher. Das macht die Sache hier irgendwie auch nicht leichter. Ingrid und Einar kochen sich auch noch was, ich glaube es gab Chilli Con Carne oder so. Dann spülen wir ab und sitzen gemütlich beisammen.

Wir teilen Schokospezialitäten aus Norwegen und Deutschland, versuchen dann Davids Route zu optimieren, einige Teile sind uns bekannt und wir tun unser Bestes. David fängt dann auf ein Mal an, etwas hektisch zu werden. Füllt schnell die Bezahlvollmacht aus, wäscht sein Zeug ab.

Was denn nun los? Ach ja, der Groschen fällt langsam. Mit einem kleinen jüdischen Backround versehen kommt es mir in den Sinn: Es ist Freitagabend und morgen Sabbat

Alles klar, da müssen noch schnell ein paar Dinge geregelt werden bevor es zu spät ist. Aber auch das ist alsbald erledigt und wir sitzen noch etwas zusammen und quatschen gemütlich.

Tag 15 Samstag 11.08.12 Slæom – Sprongdalshytta

Der Tag der Tage, die Königsetappe, eine kleine Grenzverschiebung meiner Leistungsfähigkeit oder auch nur eine schwachsinnige Aktion. Ich hätte einfach zuhören und auf die Karte gucken sollen. Das weiß ich jetzt, aber noch nicht beim Aufstehen morgens um 8:00Uhr. Da war noch alles gut.

Nach dem Frühstück packe ich mein Zeug. Ingrid und Einar sind schon etwas spät dran für ihre lange Etappe, David hat Sabbat und will nur nach Sota Sæter. Gegen 10:20Uhr laufe ich endlich und nur mäßig motiviert los. Aber der Wetterbericht hat recht, blauer Himmel und brennende Sonne werden mich den ganzen Tag lang begleiten.

Ich stapfe schwer bepackt los. Hinter der Hütte geht es heute die westliche Talseite hoch Richtung Kupløyftet. Ich laufe quer zum Hang ein großes Felsband hoch und überquere den Bach, der das Wasser von den Seen oben zu Tal führt.

Dann nehme ich ein großes und relativ steiles Schneefeld. Langsam kommt mein Gemüt wieder zu Kräften, der Blick zurück ist überaus lohnend und ich weiß auch wieder warum ich hier bin. Der Tag beginnt ziemlich gut.

Als ich oben bin stockt mir fast der Atem. Ich muss mich kneifen, so krass sieht es hier oben aus. Nur Schneefelder rund um die Seen. Geil. Und der Kupbreen sieht auch toll aus in der Sonne. Ich mache mich daran den See über die großen Schneefelder zu umrunden.

Ich bekomme das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht, Ulrich hat nicht zu viel versprochen, das wird wohl eine Traumtur heute.

Als ich den See umrundet habe kommt auch schon der Kupvatnet samt Austdalsbreen in Sicht. Entschuldigt die Sprache, aber Alter, was geht denn hier ab? Was ne fette Aussicht! Der Hammer!

Darunter muss ich jetzt. Alles voller Schneefelder und die Seen scheinen auch noch von Eis bedeckt zu sein. Woho. Ich gönne mir bei dem Ausblick das erste Snickers des Tages und kann es echt kaum fassen. Was das Wetter angeht hab ich echt den Papst in der Tasche.

Dann mache ich mich daran einen Weg hinunter zu den Seen zu finden. Klappt eigentlich ganz gut, die Schneefelder erleichtern das Vorankommen erheblich.

Ich laufe über einen Felsen, glitschige schwarze Algen sollten mir eigentlich Warnung genug sein. Aber ich bin ja jetzt gut drauf und der mega coole Wanderer mitten in der Wildnis hier – sprich ich bin kurz unkonzentriert. Die Quittung erhalte ich stante pede in Form einer netten Knieprellung die das Knie beim Aufschlagen auf dem Fels an alle verfügbaren Rezeptoren weitergibt. Ich sehe kurz Sterne und nicht druckreife Flüche hallen durch das Tal. Verfluchter Mist, willkommen zurück auf dem Boden der Tatsachen.

Aber Rumheulen ist nicht. Wenn ich hier lange herumstehe und mich selbst bemitleide wird es nur schlimmer. Also Zähne zusammen und weiter geht’s. Über große Schneefelder laufe ich um den Kupvatnet, einen See der für die Stromerzeugung genutzt wird.

Man erkennt gut wie hoch der Wasserstand hier sein kann. Der See ist noch mit Eis bedeckt, aber der Ausblick auf den Sygneskarsbreen und den Rundeggi sind ohne Worte. Mit offenem Mund stehe ich auf dem großen Schneefeld und kann mein Glück kaum fassen. Ich hier – unfassbar.

Es geht weiter voran über das Schneefeld. Es wird steiler und ich möchte den Sattel zwischen Kupvatnet und Austdalsvatnet überqueren. Mich trifft fast der Schlag als ich oben bin und den Austdalsbreen erblicke. Unwirklich und wie im Traum. Ohne Worte. Blauer Himmel und es liegt alles wie gemalt vor mir. Ich weiß schlagartig wieder, warum ich mir den ganzen Mist antue. Genau dafür.

Ich stehe auf einem großen Schneefeld, die Aussichten ringsherum sind unbeschreiblich und der Gletscher zieht mich in seinen Bann. Was will ich mehr? Ich suche mir ein nettes Plätzchen, es ist ungefähr 14:00 Uhr, genau richtig für eine ausgedehnte Pause, soweit ist es ja nicht mehr. Ich haue mir eine ganze Packung Minisalamis rein und trinke ordentlich, die Sonne brennt ganz schön.

Und wie ich so vor mich hin pausiere, sehe ich, wie eine Herde Rentiere auf den Gletscher läuft. Kurz darauf traue ich meinen Augen kaum. Ein Typ erscheint am Rande des Gletschers und hantiert an einer Kiste herum. Wo kommt der denn jetzt her?

Ich beobachte weiter und entdecke dann lauter weitere Leute. Und wo um alles in der Welt kommen die jetzt her? Zu Fuß etwa? Ich kann keine Boote oder so erkennen, aber die werden ja nicht so doof sein wie ich und den ganzen See per pedes umrunden. Egal, sie ziehen scheinbar Steigeisen und Gurte an. Kurz darauf kommen auch auf der anderen Ufer bzw. Gletscherseite Leute in mein Sichtfeld.

Insgesamt drei Gruppen machen sich auf, den Gletscher zu überqueren. Das würde mir bei dem Wetter auch gefallen, aber mein Tag war bis hier hin ja auch nicht so schlecht. Das Tagesziel heißt Sprongdalshytta. Geschwind um den See gelaufen kurz über oder um den Sprangdalseggi und ich bin da. Keine große Sache soweit. Ulrich war das ja im letzten Jahr auch gelaufen.

Also los. Ich suche mir einen Weg etwas oberhalb der Wasserlinie. Ich weiß, es ist ein Gletschersee und wenn der Gletscher kalbt, kann es ordentliche Wellen geben. Das Warnschild spricht von 50 – 70 m das Ufer hoch.

Ich gehe das Risiko ein, es ist einfach zu verführerisch. So langsam wird mir auch das Ausmaß meiner Nachmittagsbeschäftigung klar. Der See ist ja doch etwas größer als ich gedacht habe.

Und es ist ziemlich warm, ich bin ununterbrochen am Trinken. Ich laufe und laufe. Schöne Blicke zurück.

Es ist 16:30 Uhr. Soll ich hier vielleicht schon zelten? Ach nee, ist ja nicht mehr weit und was soll ich hier in der Sonne liegen. Ich sehe ein Motorboot auf dem See. Insgeheim hoffe ich auf eine Mitfahrgelegenheit zur Staumauer. Unterhalb des Austadalsnosi merke ich, dass das hier wohl doch länger als gedacht werden wird. Es ist nun schon 17:30 Uhr und die Staumauer noch in weiter Ferne.

Verdammte Hacke, das wird unschön. Ich laufe Stunde um Stunde, Kilometer um Kilometer und trinke Liter um Liter. Kann es sich jetzt nicht mal langsam bewölken? Sonne ist ja schön, aber gleich so viel. Okay, dieser Tag wird wohl im Kopf entschieden und ich möchte jetzt unbedingt zur Sprongdalshytta. Die Staumauer sieht man jetzt gut, der See heißt jetzt hier Styggevatnet. Da werde ich echt noch gut zu tun haben, bevor ich an der Mauer bin.

Eine Reihe größerer Bäche muss überquert werden, ich laufe mittlerweile auf dem Zahnfleisch. Die Sonne und der lange Tag machen mir zusehends zu schaffen. Hat Ulrich nicht etwas von einem Damm durch den See zur Staumauer erzählt? Davon sehe ich leider nichts, vermutlich kann man den nur nutzen wenn der See zur Staumauerwartung abgelassen wird. Na toll.

Ich sehe den Bereich, wo die Styggevasshytta sein soll. Verdammt steil fällt dort das Ufer ab und ich muss da irgendwie hoch. Dann sehe ich die Hütte über mir. Von ihr aus führt ein markierter Weg zum Damm. Also hoch. Ich quäle mich den steilen Berg hoch, der See glitzert tief unter mir, jetzt bloß keinen Flaschen Schritt, sonst bekomme ich ein Eisbad und einen 20 Meter Freiflug.

Ich versuche mich zusammenzureißen und finde irgendwann die Markierung und, nun ja, den Weg. Aber der ist für die schon späte Stunde und meinen Zustand eher von der fortgeschrittenen Sorte. Meine Güte, muss das jetzt noch sein? Hoch über dem See, etwas oberhalb der steilen Kante, geht es erst durch Blockwerk und dann über äußerst glitschige Felsen und sehr sulzige Schneefelder Richtung Staumauer. Vereinzelt breche ich durch die Schneedecke. Ich funktioniere nur noch und habe auf Autopilot gestellt. Keine Ahnung wie viele ätzende Kilometer das heute bisher waren, aber der Weg um den See herum ist einfach Quälerei und auch der schöne Morgen ist schon mehr als verblasst. An welcher Stelle hab ich denn vergessen zuzuhören?

Irgendwann gegen 19:00 Uhr oder so bin ich dann endlich auf dem letzten Stück zur Staumauer. Dort angekommen bin ich völlig alle aber auch glücklich es geschafft zu haben. Ein Freudenschrei hallt in Richtung Sprongdalen. Ich lasse die Mauer Mauer sein. Ein letzter Blick zurück und ich laufe hinunter zum Parkplatz für die Aussichtstouristen, die wohl gerne hier hoch fahren um die Aussicht auf den See und den Gletscher zu genießen.

Mit Genuss ist es aber bei mir nicht weit her, nicht mehr heute. Irgendwie hab ich wohl die Karte nicht richtig interpretiert oder gelesen, jedenfalls bin ich der Meinung, dass der Weg über den Sprangdalseggi sehr viel länger und beschwerlicher ist als mit der Straße und einer Mitfahrgelegenheit etwas abzusteigen und dann die eine Stunde, die in der Karte eingezeichnet ist, den Weg von Viva aus zur Hütte hoch zulaufen.

Auf dem Parkplatz sind allerdings überhaupt keine Autos, nur ein Wohnmobil. Ich ahne schon, dass ich laufen muss. Ich esse zur Stärkung mein letztes Balisto für heute und schlendere rüber zum Wohnmobil. Eine Deutsche Familie sitzt beim Abendessen. Sie fahren heute definitiv nicht mehr runter und wollen hier übernachten. Sie bieten mir ein Bier an, ich bin kurz versucht es anzunehmen, aber wenn ich das mache, wird es mich wohl direkt aus den Latschen hauen. Also lehne ich freundlich ab, ich muss wirklich fertig sein.

Dann sehen ich zwei Autos das Tal hoch fahren. Hoffnung macht sich breit. Als sie oben sind, ist das eine Auto leider voll mit fünf Personen. Das andere Auto ist ein deutsches, nichts wie hin. Aber leider erklärt mir das Pärchen, dass sie keinen Platz haben. Toll. Also laufen. Es geht jetzt stark auf die 20:00 Uhr zu. Ich nehme also die Straße und laufe die Serpentinen runter.

Zwei Autos kommen mir noch entgegen, aber ich will jetzt nur noch voran kommen. Nach ein paar Serpentinen sehe ich einen Landcruiser die Straße runter kommen. Etwas angeranzt und mit Outdoor Aufklebern und dem ganzen Zeug verziert. Ich probiere mein Glück, bin kurz verwirrt, ist ein englischer Wagen, laufe zuerst auf die falsche Seite. Die Tür geht auf: „Howdie mate? How are you doing?“ Ich erkläre kurz meine Lage und schon kann ich meinen Rucksack in den Kofferraum werfen. Der ist voll gepackt mit Skiern und Ausrüstung. Schnell dann eingestiegen und los geht es. Andy ist von Icetroll Tours und war auf dem Gletscher zum Skifahren unterwegs. Nur so zum Spaß versteht sich. Er war es auch, der mit dem Boot auf dem See war. Eine seiner Gruppen übernachtet heute auf dem Rundeggi. Ein wenig Neid kommt auf. Er fragt mich, wo ich her komme. Die Antwort: „Oh man, that’s only awful walking around the lake, I did it once with a customer and was just carrying a daypack but it was no fun at all!“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Kurz berichtet er noch, dass im Winter die große Sprongdalshytta einen kleinen Unfall hatte. Ach ja, das hatte ich doch irgendwo schon gehört. Der Wind hat die 20t Hütte einfach angehoben und um 90° gedreht wieder abgesetzt. Die daumendicken Stahlseile zur Verankerung wurden einfach aus dem Fels gerissen.

DNT Website: Sprogndalshytta er stengt for sesongen !!! Sprongdalshytta er stengt med bakgrunn i at orkanen Dagmar i vinter snudde hytta ca 90 grader og flytta den 10 meter fra opprinnelig fundament. Byggearbeider starter mandag 3. september, og vi ønsker velkommen til ny hytte sommeren 2013.

Mittlerweile ist sie aber wohl wieder repariert: http://www.gd.no/nyheter/article6252195.ece

In Viva schmeißt er mich raus und ich verabschiede mich. Danke fürs Mitnehmen Andy. Nun denn, ein letztes Mal für heute den Rucksack geschultert und los geht’s. Die eine Stunde schaffe ich auch noch. Ich denke, die Hütte liegt nicht so sehr hoch und ich muss nur über einen kleinen Bergrücken und bin da. Ich sollte dringend mal zum Kurs „Kartenlesen für Anfänger“ gehen.

Ich schraube mich den Berg hoch Richtung Sprongdalsreset. Im Schneckentempo. Wo ist bloß die verdammte Hütte, die muss doch bald zu sehen sein. Höher und höher geht es. Es dämmert langsam und auf eine Ankunft in der Dunkelheit mir Stirnlampe auf dem Kopf habe ich echt keinen Bock. Jetzt wird es zu einer Geduldsprobe, der Wille siegt über den Körper, aber zwischendurch bin ich kurz davor, mich das erste Mal in meinem Leben vor Anstrengung zu übergeben. Schmerz musst du genießen, habe ich mal beim Sport gesagt bekommen. Die Worte von Udo Bölts zu Jan Ulrich bei der Tour de France 1997 kommen mir in den Sinn: „Quäl dich, du Sau!“

Also quäle ich mich. Morgen mache ich auf jeden Fall einen Ruhetag, keine Widerrede. Wenn ich an der Hütte ankomme, gibt es auf jeden Fall zuerst ne Dose Ananasscheiben mit viel Zuckerwasser und ganz viel Solbærtoddy. Einfach alles mit ganz vielem Zucker. Die Fantasie fängt jetzt an komische Stilblüten zu treiben, aber ich laufe weiter wie ein Roboter, allerdings wie einer auf Reserve. Dann sehe ich die Hütten hoch oben vor mir, wie eine Fatamorgana in der Wüste. Ich gelange zu einem Betonwehr, das hier das Bachwasser für die Stromgewinnung abfängt.

Ein letzter kurzer steiler Anstieg und ich sitze endlich um 21:45Uhr fix und alle vor der kleineren Hütte. Die andere sieht in der Tat etwas komisch aus. Sie liegt etwas schräg, hat quasi Schlagseite und der Giebel zeigt nicht mehr hinunter zum Tal sondern um 90° gedreht zu mir herüber.

Ich schließe die Hütte auf. Im Vorraum hat jemand wohl die Lebensmittel aus der großen Hütte geholt und hier aufgestapelt. Ich schnappe mir eine Dose Ananas, das Ablaufdatum „Best Before 2002“ lasse ich mal außen vor, das ist mir völlig egal. Ich sitze auf der Türschwelle, haue mir die Dose rein. Bin total groggy, aber auch stolz es geschafft zu haben. Der Ausblick entschädigt dafür und die Lebensgeister kehren langsam zurück. Was ein Tag.

Schnell ist der Ofen an und ich mache mir etwas zu Essen. Allerdings nur Kleinigkeiten, zu mehr bin ich nicht mehr im Stande. Gegen 23:00 Uhr falle ich in einen traumlosen und fast komatösen Schlaf. Morgen mache ich hier einen Ruhetag, ganz sicher, komme was wolle.

Tag 16 Sonntag 12.08.12 Sprongdalshytta – Arentzbu

Ich wache gegen 8:30 Uhr total groggy auf. Draußen scheint die Sonne, es ist keine Wolke am Himmel, Kaiserwetter ist angesagt. Wuchte mich aus dem Bett. Trotz des gestrigen Tages, habe ich ein leichtes Grinsen im Gesicht, hab ich es trotz allem geschafft. Wieder um eine Erfahrung reicher. Wenn man denkt, man ist am Ende, geht immer noch sehr viel mehr. Jedenfalls bei mir, ich scheine in dieser Hinsicht ziemlich robust zu sein. Aber jeden Tag brauche ich das nicht, es ist aber beruhigend das zu wissen.

Eigentlich wollte ich ja einen Pausentag machen, aber irgendwie juckt es mich schon heute bei dem Wetter loszuziehen. Und so weh tut es heute auch gar nicht, erstaunlich. Ich überlege hin und her. Engel Links, Teufel rechts. Soll ich’s wirklich machen oder lass ich’s lieber sein? Nimm dir die Frau…äh ich schweife vom Thema ab, so schlecht kann es mir heute also gar nicht gehen, wenn ich schon wieder Lieder vor mich hin singen kann.

Alea iacta est. Ich mache es. Es sind ja nur 6h laut Karte, gestern hat es doppelt so lange gedauert. Auch ist kein großer Verschleiß von gestern zu spüren, es ist alles in Ordnung bei mir. Den Pausentag gönne ich mir dann in Arenztbu. Ich muss verrückt sein. Nun denn. Die Klamotten und Schuhe kommen zum Aufwärmen in die Sonne.

Dann Frühstück und Packen. Soll ich wirklich? Mache noch einige Fotos, das Wetter ist echt perfekt, nur schwitzen werde ich wohl wie sau, die Höhenlinien auf der Karte lassen es schon sehr gut erahnen, es geht am Anfang direkt mal 250 Meter steil den Berg hoch. Heute hab ich mir die Karte mal besser angesehen. Aus Erfahrung lernt man ja manchmal, ob man dabei klüger wird, ich bezweifele es.

Also los. Die Hütte ist aufgeräumt und wird wieder verschlossen. Dann laufe ich ein kurzes Stück den Bach bzw. den kleinen See entlang bis zum Abzweig nach Sota Sæter und Arentzbu.

Kurz den Bach überquert und los den Berg hoch. Ganz schön steil, denke ich noch als ich mich bereits total verschwitz daran mache, mich den Hang hochzuschrauben. Es gibt wieder reichlich Schneefelder zu erklimmen. Die Karte hat nicht zu viel versprochen. Es ist steil. Und es ist warm. Sobald man aus dem Schatten des Berges tritt, wird es richtig warm.

Aber ich beschwere mich besser nicht über das Wetter. Immer wieder hat man schöne Aussichten zurück zu den Hütten und auch rüber zum Jostedalsbreen. Echt super. Aber krass wie groß hier noch die Schneefelder sind.

Unfassbar, die Sonne brennt und ich laufe über riesige Schneefelder. Ich möchte allerdings nicht verhehlen, dass die Schneefelder das Vorankommen doch auch erheblich beschleunigen. Es ist oft richtig bequem über sie aufzusteigen, besser als über Blockwerk, Geröll und all diesen komischen Mist. Die Höhenmeter indes bleiben immer eine Qual für mich.

Nun erreiche ich einige kleinere Seen. Auch hier ist noch sehr viel Schnee. Dann komme ich zu dem größeren See auf 1467 m. Diesen noch umrunden und ich sollte fürs Erste die höchste Stelle erreicht haben. Nicht schlecht, aber das Wetter macht mir schon ordentlich zu schaffen. Es gibt kein Entrinnen vor der Sonne.

Dann gibt es eine Passage über viel Geröll, dem Gluggevardholet. Ich laufe dort so vor mir hin bis ich plötzlich den Blick auf das vor mir liegende Tal und die Seen habe.

Ich muss kurz tief durchatmen und mich kneifen. Guck dir das an. Wo ist der See? Das gibt es doch gar nicht. Der ist noch total bedeckt mit Schnee und Eis. Das ganze Tal besteht nur aus Schneefeldern. Wo bin ich denn hier gelandet? Ohne Worte und sehr beeindruckend. Verrückt.

Der Gluggevardvatnet ist nur zu erahnen. Es ist Mitte August und ich muss da jetzt durch das ganze schneebedeckte Tal hindurch. Na dann. Was ein Tag und was eine Tur. Zuerst noch ein wenig Fels bevor es dann über die Schneefelder geht.

An den Rändern muss man aufpassen, ein ums andere mal versinke ich oft bis zum Oberschenkel in der dünnen Eisdecke am Rand. Aber es ist mir einfach egal. Es macht einfach total viel Spaß, auch wenn mich die Sonne so langsam grillt. Schneefelder und Felspassagen wechseln sich ab als ich den See umrunde.

Der Blick zurück ist ebenso nicht von schlechten Eltern. Auf der Karte sind zwei weitere kleine Seen eingezeichnet, hier im Tal sind sie allenfalls zu erahnen. Ungläubig laufe ich weiter über die Schneefelder. So langsam merke ich die Auswirkungen der Sonne doch sehr. Es ist bald 14:00 Uhr und eine Pause samt kühlem Schatten wäre nicht schlecht.

Im Schatten eines großen Felsens mache ich schließlich dann Pause. Für heute ist Schokolade als Mittagssnack eingeplant. Ich ziehe sie aus dem Deckelfach meines Rucksacks und stelle fest, dass die Schokolade den Aggregatzustand geändert hat. Sie ist flüssig geworden. Also ab in den Schnee zum Kühlen. Ich mache ein Nickerchen und esse dann die ganze Tafel Ritter Sport. Ich komme wieder zu Kräften und es geht weiter. Wieder Schneefelder.

Dann kommt irgendwann der Abstieg hinunter zum Greindalen. Am Horizont sehe ich die gezackten Gipfel des Hurrungane Massivs. Nett anzusehen. Da bin ich dann also in zwei Wochen.

Nun wird es wieder felsiger. Ich nutze jeden Bach zum Trinken. Der Abstieg ist ganz okay, nur mein Knie macht sich wieder bemerkbar.

Kurze Zeit später stehe ich an der Greindøla. Hier mündet der große Bach in den See. Einige schöne Zeltplätze gibt es hier. Ich zucke kurz, entscheide aber dann doch weiter zu gehen.

Allerdings muss ich dann den Bach, der sich hier ganz schön breit macht, überqueren. Auf Furten habe ich keine Lust, also suche ich mir einen hübschen Weg von Stein zu Stein. Man bekommt so langsam Routine in so etwas. Irgendwann bin ich drüben. Es ist jetzt bald 16:00Uhr und es liegt noch einiges vor mir. Also weiter immer um die Seen herum und dem Fluss folgen. Keine Ahnung wie oft ich hier im Schatten großer Felsen Pause mache und etwas trinke, auf jeden Fall oft, sehr oft.

Es zieht sich etwas, die Sonne heute habe ich komplett unterschätzt, das Tempo leidet zusehends unter dem herrlichen Wetter. Irgendwie verwirrend. Ein Schneefeld muss überquert werden, dann gelange ich zum Greindalsvatnet.

Von hier aus rauschen die Wassermassen hinab zum fremsta Rausdalsvatnet. Der Weg ist hier etwas matschig, ich versenke meinen Schuh in einem Schlammloch. Der Tag wird jetzt aber doch etwas lang. Habe ich aus gestern etwa nicht gelernt? Dann kommt das weite Rausdalen.

Bis zur Hütte kann es jetzt nicht mehr weit sein. Innerlich fluche ich ganz schön, die blöde Hütte kommt und kommt einfach nicht in Sicht. Endlich gelange ich zur Brücke mit dem Abzweig nach Nørdstedalseter. Die Wassermassen rauschen hier unter der Brücke sehr beeindruckend her.

Nicht schlecht. Nun sehe ich auch die Hütte. Na endlich, wird ja auch langsam Zeit. Wieder so ein langer Tag. An der Hütte schließe ich zuerst die ältere Hütte auf, habe wieder alles für mich allein. Die Lebensmittel sind aber in der neueren Hütte.

Die gefällt mir auch sehr viel besser, also beziehe ich dort Quartier, esse Ananas und mache dann Feuer. Wasche mich und mache dann Abendessen. Es gibt Pasta mit Pizzafyll. Eine riesige Portion fällt mir zum Opfer, aber nach dem dürftigen Mahl gestern Abend war das auch dringend nötig. Morgens und während des Tages bekomme ich meist eh nicht so viel herunter. Papp satt lehne ich mich zurück und lasse den Tag Paroli laufen, wie Horst Rubesch sagen würde.

Gegen 22:00 Uhr bekomme ich dann doch noch Besuch. Ein französisches Pärchen kommt völlig fertig an. Die haben einen ziemlich fiesen Tag hinter sich, so kaputt wie sie aussehen. Sie trinken was, ich frage sie aus. Kommen vom Jostedalen aus hier her. Haben Ewigkeiten gebraucht und waren froh, dass die Hütte auf ist, sie haben keinen Schlüssel. Sie machen sich etwas zu Essen und wir unterhalten uns noch etwas. So richtig geübt in langen und schweren Touren scheinen sie nicht zu sein, eher auf Backpacking Tour mit kleinem Ausflug in die Wildnis. Nun denn. Sie erzählen, sie wären vier Wochen unterwegs da gerade Arbeitslos in Frankreich. Und Norwegen wäre so teuer. Das stimmt wohl, teuer ist es hier, aber die Landschaft ist einfach unbezahlbar. Ich gehe zu Bett und morgen wird es definitiv endlich mal einen Ruhetag geben. Versprochen.

Tag 17 Montag 13.08.12 Arentzbu

Versprochen ist versprochen. Ich penne bis 11:00Uhr. Unglaublich, was ein Luxus, endlich Urlaub. Das Wetter ist wieder überragend. Gönne mir ein ausführliches Frühstück. Bald ist es 13:00 Uhr. Meine französischen Mitbewohner ziehen los, sie brechen auf nach Fast. Nach dem Blick ins Hüttenbuch werde ich ein wenig ärgerlich. Alle Vorurteile in Bezug auf Ausländer und deren Zahlungsmoral auf norwegischen Hütten wird bestätigt. Ich sage dazu wohl besser nichts weiter. Schönen Gruß an Ann und Thomas an dieser Stelle.

Der Tag gestaltet sich kurzweilig. Ich sitze in der Sonne, trinke Kaffee und Eistee. Dann noch Wäsche waschen, Schuhe putzen. Zwischendurch gehe ich insgesamt vier Mal unten am Fluss Baden, da gibt es eine ganz fantastische Stelle, ein kleiner Nebenfluss zweigt kurz hinter dem Wasserfall ab und bildet dort eine schöne Gumpe. Fast wie im Freibad, nur sehr viel schöner (und kälter).

Was ein entspannter Tag. Rummgameln de Luxe. Gut das ich hierhin gegangen bin. Am Abend kommt dann doch tatsächlich noch jemand vorbei. Völlig verschwitzt kommt ein Däne an. Er heißt Øystein und stellt sich als Hyttevakt vor. Er ist etwas fertig, macht kurz Pause. Wir quatschen und ich lade ihn auf eine Zwiebelsuppe ein, die ich gerade koche.

Øystein erzählt, dass er die nächsten vierzehn Tage hier bleiben wird um diese und die Hütte in Fast etwas auf Vordermann zu bringen. Fast sein ganzer Rucksack scheint aus Lebensmitteln zu bestehen, sogar Mehl zum Brotbacken hat er dabei. Er bittet mich, morgen Kerzen mit nach Fast zu nehmen, die sind dort scheinbar ausgegangen, er hat es auf dem Hinweg kontrolliert.

Nach der Suppe gönne ich mir eine Dose Laks, dann gibt es Pasta mit Tomatensoße und Salamistückchen. Sehr gut.

Anschließend versuche ich mir einen groben Plan für die Tour durch Jotunheimen zusammenzuklöppeln. Der Plan sieht eine schöne Runde vor: Turtagrø – Skogadalsbøen – Olavsbu – Gjendebu – Memurubu – Gjendesheim – Glitterheim – Spitterstulen – Leirvassbu – Skogadalsbøen – Vetti Gaard

Wenn möglich möchte ich auch den Glittertind und den Galdhøpiggen erklimmen. Schauen wir mal, ob das so klappt. Aber einen Plan hab ich schon mal.

Dann lese ich noch etwas und verabschiede mich nach diesem wirklich harten Tag ab ins Bett. Wandern kann so schön sein.

Tag 18 Dienstag 14.08.12 Arentzbu – Fast

Um 8:00 Uhr ist die Nacht zu Ende. Wasche mich und frühstücke mit Øystein. Packe meine Sachen, den Abwasch will er später machen, er hat glaube ich auch die nächsten zwei Wochen sehr viel Zeit für alles Mögliche.

Dann Abmarsch in Richtung Fast. Ich nehme noch zwei Packungen Kerzen mit und verabschiede mich von Øystein. Die Etappe heute sollte eigentlich recht entspannt sein. Ich laufe eine halbe Stunde durch matschige Wiesen, immer parallel zum Heimsta Rausdalsvatnet.

Dann geht es etwas einen Bergrücken hoch. Es kommen einige wirklich tolle Wasserfälle und Brücken. Das Wasser fließt in unzähligen Kaskaden den Berg hinunter. Der Bach heißt hier Kvitene.

Ich freue mich über so viel schöne Landschaft. Dann geht es weiter Richtung Fjellsli, einem alten Seterplatz. Die Hütte ist abgeschlossen, ich mache es mir vor der Hütte bei netter Aussicht gemütlich und trinke etwas. Herrlich hier, die Hütte würde ich auch nehmen.

Nach der Pause geht es kurz den Berg hoch, nette Aussichten Richtung Mørkrisdalen hat man hier. Die Brücke über die Austra lasse ich geschwind hinter mir und mache mich auf südwestwärts gen Fast.

Es geht etwas bergan vorbei an netten Seen und schönen Zeltplätzen. Auf dem höchsten Punkt des heutigen Tages, unterhalb des Tråneklanten, mache ich Pause. Nach der Salami kommt das Nickerchen. Immer wieder schön in einer solchen Umgebung Pause zu machen, innezuhalten und wegzudösen. Ein Traum.

Das Gebimmel einiger Schafe und deren Glocken weckt mich wieder. Okay, ich gehe ja schon weiter. Nun geht es abwärts zum Åsetvatnet. Das letzte Stück ist ziemlich steil und die Alm sowie einige Ferienhäuser kommen in Sicht. Leider ziehen jetzt Wolken auf. Ein Trailrunner läuft den Berg hoch und kommt mir entgegen.

Ich steige hinab zur Åsetealm. Niemand da, nur Schafe. Also direkt weiter das letzte Stück zur Hütte. Es ist erst 15:00 Uhr, mit der langen Pause ein wirklich kurzweiliger Tag. Gut so.

Der weitere Weg zur Hütte ist schnell erledigt. Der Trailrunning Mann überholt mich. Wir reden kurz über Ultraläufe, Langturen und über seine Hütte hier. Er ist extra zum Streichen selbiger aus Oslo gekommen. So eine Hütte kann ganz schöner Ballast sein, erfahre ich. Keine Ahnung, entgegne ich, habe leider gerade keine.

Um halb vier checke ich ein. Den Schlüssel hab ich ja schon. Wie gehabt, alles für mich alleine. Wo sind denn die ganzen anderen Wanderer? Vermutlich hinter den Bergen am Horizont, in Jotunheimen. Will ich da überhaupt hin?

Richte mich ein, trinke etwas und gehe im Bach Baden, der sich in großen Bögen durch den alten Seterplatz schlängelt. Hübsch hier.

Dann sehe ich mich etwas um. Die zweite Hütte ist eine urige alte Steinhütte. Sehr schön hergerichtet und saugemütlich. Allerdings nicht mit einer so tollen Aussicht auf das Hurrunganemassiv wie von der anderen aus.

Ich hänge meine verschwitzten Sachen in den Wind. Dann gibt es Kaffee und ich gammele etwas herum und lasse den lieben Gott einen guten Mann sein.

Gegen Abend gibt es wieder Pasta, diesmal mit Tomatentunfischsauce. Die Tunfischdosen sind auch schon etwas älter, auf der aktuellen DNT Preisliste sind sie nicht mehr zu finden.

Es sind auch noch andere Leute da, wie ich feststelle. In einer der Nachbarhütten sind Großeltern mit ihren Enkeln. Der Mann kommt irgendwann vorbei und wir quatschen kurz. Ihnen gehört die Alm hier und sie machen ein paar Tage Ferien.

Die Kerzen mitzubringen war auch eine gute Idee, hier gibt es nicht mal mehr eine kleinen Stumpen. Zum Tagesausklang setze ich mich auf den Hügel neben der Hütte. Es ist so schön hier, kitschig wäre eine Untertreibung, wie am Computer zusammengebastelt. Aber ich beschwere mich besser nicht.

Als es dann kälter wird gehe ich in die Hütte, schreibe Tagebuch und lese noch etwas. Irgendwann sehe ich zwei große Glühwürmer durch die Nacht tanzen. Was ist das denn? Ich sollte weniger Harry Hole Bücher lesen wenn ich unterwegs bin, da bekommt man dann bei so etwas immer gleich komische Gedanken. Die Glühwürmer kommen näher und ich erkenne zwei Personen.

Immer wieder gefriert mir da kurz das Blut in den Adern, wenn man so abgeschieden alleine in der Hütte sitzt und plötzlich Lichter im Dunkeln sieht, plötzlich die Tür aufgeht und man nicht weiß wer kommt. Aber ich glaube das ist eher so eine körpereigen Reflexsache. Halb so wild.

Schon geht die Tür auf und Vater mit Sohn fragen mich nach Kerzen. Es gibt nirgends welche in der Steinhütte, die sie beziehen wollen. Ich reiche ihnen welche. Sie sind zum Fischen hier und etwas spät dran. Sie verabschieden sich bis zum Morgen und entschwinden in die Nacht. Ich gehe dann auch alsbald ins Bett. Bis morgen dann.

Tag 19 Mittwoch 15.08.12 Fast – Vigdalstølen

Es ist 8:15 Uhr als ich aufstehe. Ich will gerade anfangen mir das Frühstück einzuverleiben als der Nachbar auf der Matte steht. Eivind, so heißt er, lädt mich zu frisch gebratener Forelle ein. Die haben sie heute früh schon aus dem See gezogen. Och, bevor ich mich schlagen lasse, na klar, gerne.

Drüben vor der Steinhütte begrüßt mich schon Eivinds Sohn. Ein Haufen Forellen liegt im Gras und Eivind kommt gerade aus der Hütte. Eine große Pfanne mit frisch gebratenen Forellen. Mir fallen fast die Augen aus dem Kopf. Dazu wird richtiges Brot mit richtiger Butter gereicht. Essen kann also beim Wandern auch lecker sein. Wir sitzen vor der Hütte, essen ein richtig leckeres Frühstück. Mal wieder Glück gehabt würde ich sagen. Eivind erzählt, dass sie nur für zwei Tage hier sind, zum Fischen, haben sich den See samt Boot gemietet. Sie kommen aus Leikanger am Sognfjord. Er bietet mir sogar an, Sachen für mich bei sich aufzubewahren, falls ich keine Lust habe, mein Zelt und den ganzen Kram durch Jotunheimen zu schleppen. Ist och mit einem kleinen Rucksack viel angenehmer. Ich werde mal drüber nachdenken.

Eine Frage, die mir öfters gestellt wird, kommt zur Sprache: Sind eigentlich die Deutsche sauer auf Griechenland? Ich antworte, dass das Einige wohl sind, mir die Sache im Endeffekt aber etwas zu kompliziert für eine einfache Antwort ist und man das Ganze mit der Euro Rettung wohl differenziert betrachten muss. Eivind stimmt zu, merkt an, dass die Norweger sich wohl glücklich schätzen können, dass der Krug mit solchen Dingen an ihnen vorbei geht.

Er arbeite für ein Forschungszentrum, das sich mit Umfragen und Meinungsbildung zu verschiedensten Themen beschäftigt. Er meint, dass Norweger durchschnittlich nur 11% ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben und auf dem besten Wege sind, eine Art Dubai des Nordens zu werden. Einem Land, in dem die Leute unfassbar großen Wert auf Konsum legen. Ich kann das weder bestätigen noch widerlegen, dafür stecke ich da zu wenig drin, aber das manche Leute hier etwas mehr Geld verdienen und es auch gerne ausgeben, habe ich wohl schon bemerkt.

Zurück zu den wirklich wichtigen Dingen des Lebens. Eivinds Sohn hatte meinen BVB Aufnäher am Rucksack entdeckt. Er findet den BVB auch toll, insbesondere Robert Lewandowski hat es ihm angetan. So reden wir auch noch über Fußball. Da kann ich besser mitreden als bei Diskussionen über internationale Finanzkrisen. Ich erfahre wie es um die norwegische Liga bestellt ist und wie teuer die Karten für ein Championsleague Spiel von Manchester United in Oslo waren. Um die 100€ für die günstigste Kategorie. Unfassbar. Und dann noch für ManU.

Ich erzähle von Dortmund, vom Stadion, von der Atmosphäre im Stadion und von den günstigen Preisen. Ungläubiges Staunen. Ich beschließe, mich für das Frühstück zumindest mit einer Autogrammkarte von Robert Lewandowski zu bedanken, sobald ich wieder in Deutschland bin. Hoffentlich ist sie angekommen, abgeschickt habe ich sie auf jeden Fall.

Es wird langsam Zeit aufzubrechen. Ich bin fast schon spät dran. Aber ehrlich gesagt ist mir das auch ganz recht, ich habe nicht so viel Lust auf den knackigen Anstieg, der mich direkt heute Morgen erwartet. Von 856 m auf ungefähr 1400 m oder so. Keine Ahnung wie viel, ich will es gar nicht wissen. Richtig Karten lesen und so, nicht wahr? Wir erledigen gemeinsam den Abwasch, sage Tschüss und mache mich Abmarschbereit. Das Wetter ist wieder gut und verspricht einen verschwitzten Tag. Also los. Einmal quer über den Seter und über die Bachläufe.

Dann geht es auch schon hoch zum Kjervafosso. Auf den Wasserfall habe ich gestern schon oft geschaut, echt nett anzusehen, aber so hoch. Egal, ich hab heute sowieso nichts Anderes vor. Der Weg ist schon gut steil, aber jetzt auch nicht so krass. Nur etwas schlecht ausgewiesen. Ich versteige mich prompt, finde aber schnell zurück auf den Weg. Es geht schneller voran als gedacht, scheinbar macht sich das Training langsam bemerkbar. Der Blick zurück ist auch ganz nett.

Gegen 11:20 Uhr bin ich am Wasserfall oben. Ich pausiere, rufe kurz zu Hause an und genieße die Aussicht rüber nach Hurrungane und Jotunheimen.

Weiter geht es bergan hoch zum Hamarsdalsbandet. Auch hier wieder Schneefelder ohne Ende.

Aber auch der ein oder andere Zeltplatz mit Fließend Wasser vor der Tür ist hier zu finden.

Immer weiter geht es hoch, Schnee und Fels wechseln sich ab.

Dann ganz zum Schluss des Aufstieges kommt noch ein wirklich großes Schneefeld. Da kommt man aber dann schnell hoch, wäre doch gelacht.

Der Blick zurück ist immer noch ganz famos.

Oben angelangt geht es direkt wieder abwärts.

Zuerst über große Schneefelder auf denen man ganz gut beschleunigt. Treffe vier Österreicher, von denen ich später noch auf den Hütten lesen werde. Sie sind unten am Fjord gestartet und wollen bis Sota Sæter laufen. Nichts für mich, das wären mir zu viele Höhenmeter, ich laufe lieber so rum, ich faule Socke.

Es wird nun grüner. Im Schatten eines Felsens mache ich Pause und esse Schokolade. Dann folge ich dem Pfad in das Hamarsdalen hinab.

Traumhaft schön hier und super Wetter. Ich passiere den Hamarsdalsvatnet auf einem schönen Pfad, der sich hier den Berg hinunter schlängelt.

Drei Norweger kommen mir noch entgegen, kurzer Small Talk und weiter geht es zum Øystølsreset.

Dann kommt auch schon die Vigdøla in Sicht. Dem Fluss muss ich quasi bis zur Hütte folgen. Ich bin so ein Glückspilz, das Wetter ist echt ein Traum.

Ich laufe durch das Vigdalen, bald wird es sehr viel grüner, Birken und Sträucher säumen den Weg.

Die Brücke nach Vigdalstølen kommt in Sicht.

Schnell drüber und um 17:00 Uhr bin ich an der Hütte. Nett hier, klein aber fein, nur vier Betten im Schlafraum und zwei in der Stube.

Im Schlafraum sind auch noch Sachen, die Hütte war aber abgeschlossen. Da ist wohl noch wer hier in der Umgebung unterwegs. Ich gehe zum Schuppen, da ist das Essenslager. Das ist etwas geschröpft, liegt wohl daran, dass die Hütte nur eine halbe Stunde entfernt von einer Straße ist und sich die meisten Leute ihr Essen mitbringen. Ananas gibt es leider nicht mehr, aber dafür noch Fruchtcocktail.

Mal was Anderes. Ich setze mich hinter die Hütte und entspanne mich beim Fruchtcocktail. Kein Anlass zu Klage, auch heute nicht. Alles in Ordnung, quasi bestens.

Dann kommt ein älteres Ehepaar und holt seine Sachen. Sie waren zum Moltebeerenpflücken hier. Sie entschwinden und ich koche mir Spaghetti. Nach dem Abendessen wird es schnell frisch und ich schreibe noch Tagebuch. Bei einigen Seiten Jo Nesbø beschließe ich den Tag.

 Tag 20 Donnerstag 16.08.12 Vigdalstølen – Navarseter – Gaupne – Luster

Der letzte Tag der Breheimen Tur steht auf dem Programm. Das Frühstück nehme ich in der Sonne vor der Hütte ein. Die kleine Hütte ist schnell aufgeräumt und los geht es.

Zuerst zurück zum Fluss und über die Brücke. Dann über die Breidseter Alm. Ein kurzer Blick zurück und es wird ein wenig waldig.

Der erste Schweiß rinnt. Blicke zurück ins Vigdalen und Dalsdalen ergeben sich. Schön, wenn nur nicht der Aufstieg wäre.

Erst von 770 m auf 970 m zur Fivla Hütte und dann bis auf 1200m am höchsten Punkt der Etappe. Hoffentlich muss ich nicht runter bis zum Fjord nach Gaupne laufen. Muss ich später natürlich doch, aber das weiß ich ja jetzt noch nicht.

Um 11:00 Uhr bin ich bei den Fivla Hütten. Mache Pause, trinke einen ganzen Liter Wasser und schaue mir die Hütten an. Die sind echt toll, super eingerichtet. Hätte mir auch gefallen.

Nach einer halben Stunde nehme ich die letzten 250 Höhenmeter aufwärts für heute in Angriff. Erstaunlich schnell erledige ich das. Der Weg ist bequem, eine leichte Brise kommt auf und über die Umgebung mit den Aussichten muss ich ja nicht viele Worte verlieren.

Das Stongfjellet auf 1200 m ist dann erreicht und ich lasse mich wieder hinunter rollen. Ich blicke gen Westen, es ist einfach toll hier. Und ich fühle mich, als könnte ich Bäume ausreißen.

Schneller als gedacht kommt der Heggedalsvatnet auf 1025 m in Sicht. Bin ich wirklich schon hier? Es ist doch erst halb eins?

Um 13:00 Uhr laufe ich am Ufer des Sees entlang und treffe ein paar Jugendliche, die hier zelten.

Oberhalb von Heggedalen auf 791m mit seinen Hütten esse ich mein letztes Snickers bevor ich mich an den steilen Abstieg mache.

Der ist um viertel vor zwei erledigt und weiter geht es durch das Engjadalen nach Navarsete.

Kurze Pause hier zum Trinken. Ich würde schon gerne runter zum Fjord.

Hier am Seterplatz gibt es haufenweise Ferienhütten und auch einen Fahrweg. Ich will mich zum Wanderparkplatz durchschlagen und versuchen eine Mitfahrgelegenheit zu finden.

Ich laufe über die Brücke und verliere den Weg. WTF! Verloren auf den letzten Metern. Lande auf einer großen matschigen Wiese mit viel Wollgras. Was soll das denn jetzt? Ich stelle mich wirklich selten dämlich an. Irgendwann finde ich auf den Weg zurück. Der Fahrweg ist eher eine Piste, auf Autos brauche ich hier nicht warten. Ich folge der staubigen Piste und irgendwann kommt eine richtige Straße für richtige Autos. Leider wird diese wohl eher selten von Autos benutzt und so laufe ich einfach weiter talwärts. Links und rechts gibt es reichlich Felder, Wiesen, Scheunen und Sommerhäuser.

Aber von Autos weit und breit keine Spur. Ätzend diese Asphalt Lauferei, aber ich kann mich ja jetzt schlecht hier heulend in den Staub werfen, das wird hier keinen beeindrucken. Laufe also weiter die Straße runter. Ein einzelnes Auto kommt hoch, fährt aber leider auch hoch. Hoffentlich ein Bauer der nur nach dem Rechten sieht und schnell wieder runter fährt um mich mitzunehmen. Ein kleiner Funken Hoffnung wenigstens. Weiter geht es, Serpentine um Serpentine.

Die Füße brennen, lustig ist es jetzt nicht mehr. Noch mehr Serpentinen, kurze Geraden, Serpentinen. Irgendwann dann sehe ich das erste Mal den Fjord. Juhu, das Ende ist nah. Serpentine, Serpentine oh wie mag ich dich, nicht.

Kommt quälen wirklich von Qualität oder umgekehrt? Ich weiß es nicht mehr, schalte um auf Autopilot. Unten gibt es ganz sicher einen Supermarkt. Wenn Coca Cola schlau ist, schicken sie ein Kamerateam, das dokumentiert, wie ein stinkender und staubiger Wanderertyp sich eine Cola holt und diese dann mit dem größt möglichen Genuss in sich hinein schüttet. Wer bestimmt eine super Werbung. Gleich danach könnte dann eine beliebige Biermarke kommen…

Endlich kommen die ersten Häuser von Gaupne in Reichweite. Und wie auf Kommando erscheint der Bauer von oben im Auto. Er hält an, sagt aber es lohne sich nicht mehr mich mitzunehmen, er muss woanders hin und es sind doch eh nur noch ein paar hundert Meter. Ach so, na dann, kein Problem und noch einen schönen Tag.

Dann erreiche ich tatsächlich den Supermarkt. Der Rucksack fliegt in die Ecke und eine der leckersten Colas die ich je getrunken habe versöhnt mich etwas mit dem fiesen Abstieg. Ein geiles Gesöff nach einer guten Anstrengung. Ein Bier oder Cider wäre vielleicht auch nett, später, ganz sicher.

Gaupne macht nicht so den tollsten Eindruck, vielleicht ist es in Luster auf dem Campingplatz ja schöner. Der Bus ist leider schon weg, ergo Daumentaxi. Wir sind ja nicht in Deutschland, sollte also ohne Probleme klappen.

Gehe rüber zur Hauptstraße. Da stehen allerdings schon drei Polen die heute noch bis nach Lom trampen wollen. Optimistisch. Ich möchte ihnen nicht in die Quere kommen, sie waren eher da. Ändere meine Taktik und sehe zwei deutsche Wohnmobile auf den Supermarktparkplatz rollen. Die Leute gehen einkaufen. Als sie wieder aus dem Supermarkt kommen, spreche ich sie direkt an. Kein Problem und schon bin ich an Bord und auf dem Weg nach Luster. Das war ja einfach.

Unterwegs unterhalten wir uns nett, ich merke wie sehr sich die Sicht auf das Land von Otto-Normal-Touristen und Wanderern unterscheidet. Echt krass, völlig unterschiedliche Eindrücke. Um viertel vor fünf lassen sie mich dann in Luster am Campingplatz raus. Ich bedanke mich und checke ein. Der Platz liegt direkt am Fjord, allerdings auch direkt am Sognefjellsvegen. Sei’s drum. Ich packe meine Sachen an einen Baum auf dem Platz und latsche rüber zur Bäckerei.

Die ist echt super und ich hole mir natürlich zuerst einen Boller. Die Belohnung für eine tolle Wanderwoche. Und die Bäckerei ist echt nur zu empfehlen, falls mal jemand in der Ecke ist.

Dann kaufe ich noch kurz im Supermarkt ein, auch Bier gibt es natürlich. Zurück auf dem Camper baue ich mein Zelt auf, gehe Duschen.

Was eine Wohltat. Zur Abwechslung koche ich Nudeln mit Tomatensoße, der Dolmio Mann darf auf keiner Norwegen Tour fehlen.

Zum Ausklang des Tages setze ich mich auf den Bootssteg. Chips, Nesbø, Bier und diese Aussicht nach einem solchen Tag, einer solchen Tour. Unbezahlbar.

Den ersten Teil zu dieser Tour findest du hier!

3. Woche Trollheimen & Oslo

Tag 16 Sonntag 18.09.11 Oppdal – Gjevilvasshytta

Guten Morgen! Nee, doch nicht, keine Lust. Das Leeren von Jørns Aquavit Resten gestern hat bei mir zu leichtem Unwohlsein am Morgen geführt. Es ist 7:00 Uhr und ich hab keinen Bock. Aber was soll´s, Jørns Zug nach Oslo wird nicht warten. Draußen ist es richtig kalt, auf dem Zelt hat sich Raureif gebildet. Da wir gestern Abend schon die Sachen sortiert haben, geht es heute Morgen recht schnell zu.
Ich gebe Jørn die Sachen mit, die ich nicht mehr brauche. Wir haben ja gestern für 8:00 Uhr ein Taxi geordert, von daher brauchen wir gleich nicht noch zum Bahnhof latschen. Pünktlich kommt das Taxi und fünf Minuten später sind wir dann in Oppdal am Bahnhof.

Wir lassen unsere Rucksäcke im Wartesaal und gehen Frühstücken. Leider hat wohl bis auf die Tankstelle an diesem Sonntag noch nichts auf. Zurück am Bahnhof erfahren wir, dass es heute auf der Strecke von Oppdal nach Dombås einen Schienenersatzverkehr gibt, die Strecke wird wohl gewartet. Jørns Puls beschleunigt sich leicht, die Zeit vom Zug zum Flug war auch so schon recht knapp bemessen. Naja, Augen zu und durch, wird schon

Wir versuchen noch eine Möglichkeit für mich zu finden, in Richtung Trollheimen bzw. Gjevillvasshytta zu kommen. Da ich mir die 100€ für ein Taxi ersparen möchte, werde ich wohl bis 13:00 Uhr auf den Bus in Richtung Sundalsøra warten. Der kann mich bis Festa bringen, wo die Mautstraße zur Hütte beginnt. Um 10:00 Uhr sitzt Jørn im Bus und ist auf dem Weg nach Oslo. Ein wenig Wehmut kommt auf.

Ich versuche noch Mal mein Glück einzukaufen und finde den Bunpris Supermarkt, der zwar teurer ist, aber auch sonntags offen hat. Nachdem ich mir ein paar Leckereien für die nächste Woche besorgt habe, gehe ich zurück zum Bahnhof und schlage die Zeit bis zum Bus Tod.

Dann kommt endlich der Bus. Ich zahle mein Ticket und kaum 20 Minuten später stehe in an der Mautstraße von Festa aus zur Hütte. Sehr gut, jetzt muss ich nur noch die 12km zur Hütte kommen.

Ich laufe los, passiere den kleinen Kaufmannsladen und die Mautschranken. Das Wetter ist toll und beschließe erst mal nicht zu Trampen sondern mich der Herausforderung zu stellen und zu laufen. Bald kommt der Gjevilvatnet in Sicht. Das Boot, auf das ich insgeheim gehofft hatte, liegt natürlich schon an Land. Wäre ja auch noch schöner gewesen mit dem Boot zur Hütte zu kommen.

Ich mache eine kurze Pause, trinke Tee und gönne mir ein Kvikk Lunsj. Die Aussicht ist echt super, die Vorfreude auf die nächste Woche steigt wieder ein bisschen. Wäre da nicht die Mautstraße. Ich setze mich wieder in Bewegung und sehe mir von der Straße aus die unzähligen Hütten hier an. Teilweise sind sie echte Kleinode, teilweise aber auch von automatischen Schranken gesichert.

Der Weg zieht sich wie Kaugummi und die Wegweiser mit den Kilometerangaben tragen nicht gerade zur Motivation bei. Nach circa 2h bin ich dann da. Gar nicht schlecht denke ich, ging ja doch schneller als gedacht. Aber für den Rückweg muss etwas anderes gefunden werden, ich bin nicht so erpicht darauf die 12km wieder zurück zu laufen.

An der Hütte treffe ich auf ein paar andere Wanderer. Sie haben gerade die klassische Trekanten-Tur (Gjevillvasshytta – Jøldalshytta – Trollheimshytta – Gjevillvasshytta) hinter sich gebracht. Wir unterhalten uns kurz, dann gehe ich zur Selbstbedienungshütte und quartiere mich für die Nacht ein.

Schnell den Ofen angemacht und dann sehe ich mir den tollen Sonnenuntergang an. Ich erfahre von Jørn, dass es zwar knapp war, er aber wohlbehalten zu Hause In Deutschland angekommen ist.

Später kommt noch ein zweiter Gast in die Hütte, Erwin ist ein Deutscher der schon 30 Jahre in Norwegen wohnt und seinen Urlaub hier verbringt. Wir unterhalten uns und Essen gemeinsam. Danach schreibe ich noch kurz mein Tagebuch und es geht ins Bett

Tag 17 Montag 19.09.11 Gjevilvasshytta – Jøldalshytta

Es ist 8:00 Uhr und ich sitze mit Erwin beim Frühstück. Ich hab schon Wasser geholt und Holz aufgefüllt. Irgendwie fühlt es sich ohne Jørn heute komisch an, ich muss mich ein wenig selbst in den Allerwertesten treten um in die Pötte zu kommen. Dann wieder Packen usw..

Abschied von Erwin und um 10:00 Uhr lasse ich die Hütte hinter mir und mache mich auf ins Gjørdøldalen. Bis zur Rolvsjordsætra gibt es noch eine Autopiste, der ich folge. Eine Schäferin fragt mich nach Schafen, sie sammeln auch hier die letzten Tiere ein. Es geht dann durch Birkenwald bergan. Ich komme ganz schön ins Schwitzen bis ich endlich oben bin.

Der Weg lässt sich gut gehen, keine Probleme. Nur der Wind hier oben macht mir etwas zu schaffen. Vorbei am Høgjøtjønna Sees führt der sehr schlammige Weg um Schlammlöcher herum wieder leicht den Berg hoch. Das Wetter ist nicht gerade berauschend aber es geht noch, immerhin regnet es nicht.

Schon bald geht es dann wieder steil bergab zur Brücke über die Minnilla. Schöne Aussichten auf die Berge im Zentrum Trollheimens ergeben sich.

Aber wo es runter ging, muss man meist auch wieder hoch. So auch hier. Es geht ein schönes Stück wieder hoch aus dem Minnilldal. Mit stoischer Ruhe und Ausdauer mache ich mich daran. Mittlerweile ist der Wind stärker geworden. Die Hälfte der Strecke von heute liegt hinter mir. Ich beschließe bald Pause zu machen. Gesagt getan. An einem großen Felsen auf dem nun folgenden Hochplateau raste ich und trinke eine Kanne Tee und esse ein Kvikk Lunsj.

Die Kälte und der Wind zwingen mich aber bald schon wieder zum Aufbruch. Echt ungemütlich hier oben. Der Weg an sich ist ganz gut, aber das Wetter quält mich doch ein wenig. Ich überquere zwei Bäche und sehe in einiger Entfernung eine Art Sammel- und Sortiergatter für Rentiere. Plötzlich höre ich ein aufgerecktes und aggressives Fiepen direkt bei mir. Was ist denn das? Ich gucke zu Boden und entdecke einen Lemming. Scheinbar bin ich aus Versehen fast auf ihn drauf getreten. Jetzt macht er mich doof von der Seite an und markiert hier mal den dicken Macker. Not in my house! Na gut, du hast ja recht, ich trolle mich und gehe weiter.

Beim Blick zurück sehe ich noch einige Rentiere, kann aber leider aus der Entfernung nicht sehen, ob es wilde sind.

Jetzt geht es wieder bergab ab, gut steil, aber kein größeres Problem. Schnell noch einen Bach überquert, leicht wieder hoch und auf einmal sehe ich eine Herde Rentiere direkt vor mir auf dem Weg. Es sind zwar keine wilden, eines trägt einen Sender, aber egal. Ich kann mich bis auf 30m näheren und schieße einige Fotos. Die Herde macht keine Anstalten zu verschwinden, erst als ich weiter auf sie zu gehe, laufen sie fort. Cooles Erlebnis.

Langsam kommen wieder einige Almen in Sicht. Es kann nicht mehr weit sein bis zur Hütte. Irgendwann komme ich auch auf die Versorgungsstraße der Hütte und bin dann auch bald da.
Wie zu erwarten war, ist die bediente Hütte schon geschlossen und für den Winter hergerichtet. Ich gehe zur Winterhütte, sehe mich um und entschließe mich dann an der großen Hütte zu Zelten. Wozu schleppe ich auch sonst meinen grünen Palast alleine durch die Gegend. Gesagt getan. Schnell steht das Zelt.

Ein tschechisches Paar kommt noch. Wir quatschen, sie tun es mir mit dem Zelten gleich. Dann hole ich mir Wasser und koche Kaffee. Der Blick auf die Berge ist echt super. Zu Abend gibt es Real Turmat. Der Wind ist kalt, so ziehe ich mich gegen 19:30 Uhr ins Zelt zurück. Ich lese, trinke Solbær Punsch und esse Brunost. Sehr gut.

Tag 18 Dienstag 20.09.11 Jøldalshytta – Trollheimshytta

Der Morgen beginnt wie immer. Nächtens war es ziemlich stürmisch, aber mein Zelt steht wie immer wie eine eins. Ein rasches Frühstück und dann wieder alles im Rucksack verstauen. Das Wetter ist nicht schlecht.

Der Weg über den Trollhøtta ist mir zu lang und bei den Wetteraussichten auch nicht unbedingt die erste Wahl. Ich will unterwegs entscheiden, ob ich durch das Svartådalen oder über den Geithøtta gehen möchte. Also los, bis zur Hosesætra geht es über Almfahrwege. Es fängt kurz an zu Regnen, aber nicht dramatisch, es verzeiht sich schnell wieder. Es geht hinter der Alm über den Bergrücken oberhalb der Schotterpiste zu den anderen Almen weiter hinten im Tal.

Das Wetter wird merklich besser, die Sonne kommt raus. Der Gedanke verfestigt sich, es über den Geithøtta zu probieren, auch wenn dies bedeutet reichliche Höhenmeter zu bewerkstelligen. Egal, das Wetter ist gut, die Etappe auch so nicht besonders lang, was sind da schon 650hm mit dem schweren Rucksack.
Schnell komme ich zu den letzten Almen im Tal, muss einmal den Fluss Svartåa über eine Brücke queren. Komme dann zur Retåssætra Alm. Ich plausche kurz mit einem Jäger und gehe dann weiter bis zur Brücke über den Litlsvartåa. Ziemlich viel Wasser kommt hier runter, ein schöner Wasserfall kommt in Sicht. Kurze Pause hier, schnell noch Wasser aufgefüllt, dann fällt die Entscheidung.

Ich weiß nicht wieso, aber ich als eigentlich faulster Mensch der Welt, entscheide mich für die Bergvariante. Keine Ahnung was mich dabei reitet. Schnell geht es einen steilen Anstieg hoch, dann wird es flacher. Gar nicht so schlimm, schnell sind die ersten 200hm überwunden. Der Blick zurück weiß zu gefallen. Schön hier, aber doch gut anstrengend.

Dann geht es durch eine Art kleines Plateau, leider wieder etwas abwärts, na toll. Auch schlammig ist es hier, aber man kann gut herüber zum Trollhøtta sehen.

Weiter geht es, es wird steiler, ich gewinne weiter an Höhe. Langsam zehrt es doch ganz schön. Aber wie so oft entschädigen die Aussichten rundum für die Anstrengungen. Viele Steine Pflastern hier wieder den Weg. Immer höher geht es, es ist total still hier, unfassbar toll.

Dann mache ich total ausgepumpt Pause. Ich leere eine ganze Thermoskanne Tee und esse ein Kvikk Lunsj.
Die Lebensgeister kehren langsam zurück. Nach der Pause scheint sich das Wetter zu ändern. Ich steige weiter auf und stehe bald ganz oben. Der Blick ist überwältigend, ich kann zurück bis zum Start am See heute Morgen sehen. Was ein Panorama. Sämtliche Qualen sind vergessen, ich bin total happy und kann es kaum fassen. Wie geil ist das denn.

Ich sammle noch einen Stein als Andenken für zu Hause ein. Dann mache ich mich wieder auf. Man kann die zentralen Berge von Trollheimen sehen, wunderschön.

Auch der Gråsjøen See und die Trollheimshytta kommen bald in Sicht, nur eben gute 800 Meter weiter unten. Hoch habe ich ungefähr drei Stunden gebraucht, mal sehen wie lange der Abstieg dauert.

Aber ausgerechnet jetzt ziehen Wolken auf, es fängt an zu Nieseln. Ja super, genau das Wetter, das man sich für so einen steilen Abstieg wünscht. Ich verfluche alles um mich herum, es haut mich mehr als einmal fast hin, die Stöcke werden zu meinen allerbesten Freunden, es ist zum kotzen. Erst geht es über Geröllhalden runter, dann über schlammig, rutschige Weg. Ein Traum in grau, braun, grün.

Wär ich doch mal durchs Tal gelaufen. Na wenigstens geht der Abstieg schnell, aber bei dem Runterrutschen hier auch kein Wunder. Dann kommt die Stettåa in Sicht. Der Fluss fließt steil und spektakulär den Berg hinab.

Von hier aus kann man dann auch die Hütte sehen, wenigstens etwas. Der Weg ist jetzt total ausgewaschen, nicht besonders toll, aber mangels Alternative nimmt man, was man bekommt. Bald schon bin ich dann an der Hütte. Insgesamt hab ich für den Abstieg circa 1,5h gebraucht, gar nicht schlecht, wenn man an die Umstände so denkt.

Es ist jetzt 16:30 Uhr und ich bin total fertig. Das Wetter ist auch nicht so toll und die Hütte steht direkt vor mir. Also geht es in die Hütte für die Nacht. Ich bin nicht der einzige Gast hier, zwei Finninnen sind auch da. Ich beziehe mein Bett und gehe mich mit heißem Wasser und der Badeschüssel duschen. Das tut nach dem Tag ziemlich gut. Der Resttag vergeht dann bei Kochen und Klönen. Auf der gesamten Tour ist dies die erste Hütte, mit dem expliziten Hinweis, aufgrund der Lemmingschwemme das Wasser abzukochen. Wir unterhalten uns lange über Gott und die Welt, echt entspannt. Gegen 22:00 Uhr gehen dann die Lichter aus. Gute Nacht.

Tag 19 Mittwoch 21.09.11 Trollheimshytta – Vassendsetra

Man oh man, wie die Zeit rast. Tag 19 schon, ist ja schon fast Arbeit, aber nur fast. Schnell sind alle Sachen wieder im Rucksack, das Frühstück ist auch schnell abgehandelt, ich empfehle mich. Da ich ja noch einige Tage Zeit habe, geht es für mich nicht auf dem direkten Weg zurück zur Gjevilvasshytta. Ich will entlang der Folda gehen und bis Vassendsetra kommen. Ist zwar vielleicht nicht so spektakulär, aber dafür soll es laut Karte wohl umso schlammiger werden.

Nun denn, auf geht’s, schnell die Brücke über die Stettåa genommen und dann weiter immer Richtung Folda. Erst geht es durch ein wenig sehr lichten Wald, dann kommen die ersten Schlammflächen.

Alter Schwede, da hab ich mir aber etwas vorgenommen. Es ist super schlammig und der Weg muss oft verlassen werden um überhaupt voran zu kommen.

Bald schon komme ich zur Løsetsetra Alm. Hier ist schon alles dicht. Ich folge dem Weg durch Birkenwald, echt schön hier, wenn man den Schlamm mal außen vor lässt.

Bald geht der Weg direkt am Fluss entlang. Der Schlamm nagt langsam an mir, es ist echt anstrengend sobald man geht, allerdings auch genauso toll wenn man stehen bleibt und die Natur um einen herum genießt.

Immer weiter geht es am Fluss entlang durch Schlamm und Moder. Ein ums andere Mal sinke ich tief ein, fluche, die Stiefel laufen voll. Vom Hochwasser früher im Jahr ist der Weg teilweise arg ramponiert, manchmal muss ich mühevoll Nebenflüsse überqueren. Aber egal, es ist einfach toll hier, keine Menschenseele ist im Tal. Der Weg scheint nicht oft begangen zu sein, frische Fußspuren sehe ich jedenfalls nicht.

Das Tal verjüngt sich nun, der Fluss wird reißender. Jetzt kommt ein schöner, steiler aber auch kurzer Anstieg. Durch Birkenwald geht es steil hoch. Ich komme ganz schön ins Schwitzen, bin genervt und merke die Anstrengungen des bisherigen Tages. Von Oben hat man einen schönen Blick zurück, wieder einmal verblasst das Negative schnell.

Ich mache Pause, leere wieder eine ganze Kanne Tee. Ich muss aufpassen, nicht einzuschlafen, aber ich bin total zufrieden mit mir und der Welt drum herum. Ist schon okay, wir vertragen uns wieder.
Nach der wohltuenden Pause geht es weiter. Es ist ein wenig nervig hier durch die Büsche zu turnen, aber dann wird es wieder lichter, dafür aber auch wieder schlammig.

Aber was soll mich das jetzt noch nach zweieinhalb Wochen stören. Weiter, immer weiter. Das Tal öffnet sich wieder weiter, es schlägt mich richtig in den Bann. Das Vorankommen fällt wieder leichter, ich merke wie ich mich entspanne und es einen heiden Spaß macht, es ist einfach wunderschön. Es geht nun immer leicht bergan, aber das macht nicht aus, im Gegenteil, es macht Spaß, immer wieder zurück zu blicken.

Dann geht es in das Hyttdalen, hier gibt es einige Seen und jede Menge feuchte Wege.

Dann kommt die Abzweigung zu den Wegen übers Mellomfjellet und in Richtung Bårdsgarden.

Der Blick über den Gjevillvatnet ist einfach nur super. Man kann sich gar nicht satt sehen. Toll.

Ich mache mich an den Abstieg zur Vassendsetra Hütte. Nicht ganz ohne, ziemlich steil und rutschig. Aber auch das meistere ich, bevor es wieder durch Birken hindurch zu der Hütte geht.

Eine gute halbe Stunde hat der Abstieg gedauert. Ich schließe die Hütte auf und sehe mich um. Ich entscheide mich wieder, einfach vor der Hütte zu zelten, sollte hier kein Problem sein, ich bin alleine und laut Hüttenbuch war auch seit Anfang September keiner mehr hier. Auch hier gibt es einen Hinweis, das Trinkwasser abzukochen. Ich baue das Zelt auf, stärke mich und esse zu Abend. Gegen 21:00 Uhr liege ich wieder einmal auf der Matte und schlafe.

Tag 20 Donnerstag 22.09.11 Vassendsetra – Gjevilvasshytta – Opddal

Na toll, als ich um 8:00 Uhr wach werde, regnet es. Egal, penne ich halt bis 9:00 Uhr weiter, heute soll es ja nicht so lang sein. Und wie bestellt hört es dann auf zu regnen. Ich frühstücke in Ruhe und packe dann meine Sachen. Schnell noch den Aufenthalt bezahlt und dann geht es los.
Es soll die ganze Etappe lang quasi nur am See entlang gehen. Ich ahne was mich erwartet. Die bisherigen Erfahrungen lassen auf viel Schlamm mit noch mehr Schlamm schließen.

Na dann los. Gleich am Anfang geht es über Holzplanken. Habe wohl gestern etwas viel gegessen, ich sinke teilweise mitsamt der Planken im Matsch ein. Naja, wäre ich eine Elfe könnte ich ja auch fliegen. Wenigstens das Wetter zeigt sich von seiner guten Seite.

Ich quäle mich durch Sumpf, Matsch, Sumpfwald und Matschwald. Elendig das Ganze. Zwischendurch gibt es trockene Passagen. Ich passiere den Glupbekken Wasserfall und trinke etwas.

Dann weiter bis zum Rensbekken Wasserfall bei der Rensbekksætra Alm. Wieder wird was getrunken, echt nett hier.

Der Weg wird aber hier besser, er zieht sich aber wie Gummi. Es scheint kein Ende zu nehmen. Irgendwie ist die Stimmung kurz vor dem Kippen. Langsam rückt das Ende der Tour in den Fokus. Gedankenspiele schwirren mir durch den Kopf, wie ich wohl nach Oppdal und dann weiter nach Oslo kommen soll. Ich überlege mir Pläne, Möglichkeiten, Ausweich und Notfallpläne. Ein wenig werde ich melancholisch, was war das nur für eine geile Zeit. Es geht durch Birkenwald, dann durch Nadelwald. Ich erreiche die Häuser bei Håmmårsætra. Geschafft, drei Stunden hab ich bisher gebraucht. Gar nicht schlecht. Was eine Tortur dies ansonsten so harmlose Etappe bis hierher war.

Jetzt nur noch 3km die Straße runter bis zur Hütte. Da will ich Pause machen und überlegen, wie es weiter geht.
Das Stück über die Straße wird echt zu einem Geduldsspiel. Es nervt mich und dauernd fahren schwere LKWs an mir vorbei, die hier wohl irgendwas abkippen.

An der Hütte trinke und esse ich etwas. In der Sommerhütte scheint wer zu sein. Ich gehe rein, tatsächlich, sie haben für eine private Feier geöffnet. Schnell ne Cola auf die Hand und nachgefragt, ob sie mich eventuell mit nach Oppdal nehmen könne. Leider Negativ, sie raten mir, es mit LKW zu probieren. Alles klar. Ich geh runter zur Straße und werfe mich in Tramperpose.
Der dritte LKW nach 20 Minuten hält dann an. Ich fass es nicht, total super, ich komme hier ohne die 12km zur Straße zu laufen raus. Hervorragend. Schnell noch den schweren Rucksack hoch in Fahrerhaus gewuppt und dann kann die Fahrt losgehen. Beim Einsteigen fällt mir auf, dass der LKW aus Oppdal zu kommen scheint, die Beschriftung lässt darauf schließen. Ich frage, ob auch Oppdal als Ziel möglich wäre. Ja klar, kein Ding, meint der Fahrer. Super, Jackpot! Um 15:00 Uhr bin ich in Oppdal und freu mich riesig, dass das geklappt hat.

Ich laufe rüber zum Bahnhof, hole mir ein Zugticket nach Oslo für den nächsten Tag. Dann noch zum Rema 1000 etwas einkaufen und dann wandere ich wieder zum geschlossenen Campingplatz vom letzten Mal. Man kennt mich ja schon, ich kann wieder bleiben. Baue das Zelt auf, dusche, koche Nudeln. Esse soviel Nudeln, bis mir fast schlecht ist, aber egal, habe mordsmäßigen Hunger. Dann fängt es an zu regnen und ich geh ins Zelt.

Tag 21 Freitag 23.09.11 Oppdal – Oslo

Um 7:00 Uhr klingelt der Wecker. Ich will nicht, aber ich muss. Also raus aus den Federn bzw. Daunen. Draußen ist es kalt und feucht, es hat Frost gehabt. Ich trotte zum Waschhäuschen und widme mich der Morgentoilette. Danach wird das Zelt abgebaut und ich packe alle meine Sachen im Waschhäuschen zusammen. Der Zug soll gegen 10:00 Uhr gehen. Das Frühstück fällt aus, das will ich mir in Oppdal besorgen. Gegen 8:00 Uhr mache ich mich auf den Weg zum Bahnhof der 2km entfernt ist.

Diesmal gehe ich durch die Siedlung an der Straße und 20 Minuten später bin ich am Bahnhof. Dann geht es noch einmal etwa für die 5 Stunden Zugfahrt einkaufen. Die Wartezeit auf den Zug vergeht schnell.

Scheinbar hat wer in der Nacht ins Tourimusbüro eingebrochen, ich werde nett vom CSI Team Oppdal unterhalten. Dann kommt der Zug, ich suche meinen Platz.

Total krass ist es, wie lange es bis Ringebu dauert, von wo aus wir gestartet waren. Um 15:15 Uhr bin ich dann in Oslo.

Ich laufe zum Ankerhostel. Aus Schaden sollte man ja klug werden, ich nicht. Will es wieder dort probieren, kann ja nicht immer so schlimm sein wie letztes Jahr. Ich bekomme ein Bett im 8er Zimmer und fahre mit dem Fahrstuhl hoch. Sehr gut, das Zimmer ist leer, ich kann mir das Bett aussuchen und mich ausbreiten. Das nutze ich auch aus und hänge erst mal das Zelt zum trocknen auf. Das sollte funktionieren

Anschließend gehe ich raus in die Stadt. Sightseeing wartet. Lustig ist nur, dass als ich am Abend in das Zimmer zurückkehre, mein Zelt noch hängt, es auch trocken ist, aber alle anderen Betten belegt sind. Aber die anderen nehmen es mit Humor.

Tag 22 Samstag 24.09.11 Oslo

Nach dem Unschlagbar günstigen Anker Hostel Frühstück im Italiener zwei Häuser weiter, gibt es den ganzen Tag Oslo Sightseeing. Es ist am Nächsten Tag Oslo Marathon, dementsprechend ist viel los.

Abend ist bei mir auf dem Zimmer Kochparty. Sehr lustig. Die Leute bei mir auf dem Zimmer kennen sich von einem gemeinsamen Sprachurlaub in Australien. Nun treffen sie sich jedes Jahr im Heimatland eine anderen. Ein Deutscher ist darunter. Er ist ein wenig verwundert über die Norwegischen Preise, hatte sich nicht vor dem Trip darüber informiert.

Zwei Norwegerinnen kochen für alle, sie wollen in den Geburtstag der einen Norwegerin rein feiern. Um 0:00 Uhr ist dann großes Hallo. Ich gratuliere und sage, dass ich auch Geburtstag habe. Noch größeres Hallo! Dann entschwinden sie zum Feiern in die Nacht

Tag 23 Sonntag 25.09.11 Oslo – Düsseldorf – Iserlohn

Um kurz vor 8:00 Uhr ist die kurze Nacht zu Ende. Ich dusche und packe dann meinen Krempel zusammen. Passt alles irgendwie viel besser in den Rucksack als bei der Anreise. Ich lasse meinen Rucksack im Gepäckraum, checke aus und mache mich auf zum Frühstück im Restaurant ein paar Meter weiter die Straße runter. Dort treffe ich auf Markus von der Sprachgruppe. Wir unterhalten uns noch über meine Tour und ich zeigen ihm noch schon leicht wehmütig ein paar Bilder auf meiner Kamera.

Dann empfehle ich mich, ich will mir den Marathon und den Volkslauf heute angucken. Um 10:30 Uhr ist der Start, ich schlendere durch die Stadt und die Strecke entlang. Gute Stimmung hier, ganz Oslo scheint im Lauffieber zu sein. Alle tragen Laufklammotten und das Ganze ist ein riesiges Volksfest.

Irgendwann ist meine Zeit gekommen. Der Rucksack ist schnell im Anker Hostel abgeholt und ich nehme den normalen Zug zum Flughafen. Schnell den Rucksack aufgeben und durch die Security. Der arme Mann fordert mich doch tatsächlich auf, meine Stiefel auszuziehen. Na gut, wenn er will. Als er die Schuhe nimmt und sie auf das Band zum Röntgen stellt, sehe ich wie toll er den Geruch findet. Der Job kann wohl manchmal schon ätzend sein

Dann entspann ich noch bei zwei leckeren 89NOK Bieren und freue mich auch schon auf zu Hause. Mal sehen, was mich da noch so erwartet. Irgendwie haben sich heute ein paar Leute nicht wie erwartet gemeldet. Komisch, sind doch sonst die Jahre nicht so gewesen.

Nach dem kurzweiligen Rückflug und der Autofahrt nach Hause weiß ich auch warum. In der Einfahrt stehen völlig überraschend ca. 35 Leute und warten schon auf mich. War ja klar. Auch die Presse vom lokalen Werbewochenblatt ist da. Dass kann ja was geben. Aber egal, ich freu mich schon aufs Fegen in meinen äußerst stinkigen Klamotten. Der Abend wird noch feucht fröhlich und irgendwann gegen Mitternacht falle ich dann auch immer noch stinkend ins Bett.

Fazit

Was eine tolle Tour. Das Wetter und die Ausrüstung haben super mitgespielt. Na gut, die Stiefel haben es sich trotz einer vorher extra gemachten Neubesohlung hinter sich und werden aufs Altenteil wandern. Sie haben ihre Pflicht erfüllt und auch bis zum Ende durchgehalten. Die Neuen stehen bereits hier.
Auch die Strapazen und nicht so tollen Momente verblassen schnell. Es hat eigentlich fast immer eine Menge Spaß gemacht und war eine weitere tolle Erfahrung mit Norwegen und seinen Menschen. Ich möchte keinen Moment missen und freu mich schon wieder auf die nächste Tour im Norden. Vi sees – ha det bra!

2. Woche Dovrefjell

 

Tag 9 Sonntag 11.09.11 Hjerkinn – Reinheim

Der Tag beginnt wie solle s auch anders sein mit Frühstück und Kaffee. Dann wird schnell das Zelt verstaut und der Rucksack geschultert. Das Wetter ist kühl und Nebelig. Wir zahlen die Nacht, kaufen noch Schokolade und Käse, die Belehrung über die Gefahren im Umgang mit den Moschusochsen bekommen wir kostenlos.

Wir folgen dem Weg hinter der Fjellstue hoch zum Hjerkinnshøe. Wir folgen dem Olavsweg hier durch den Nebel. Auf der höchsten Stelle sind vile Steinhaufen von Pilgern errichtet worden. Auch steht dort ein Kreuz mit der Entfernung von 208km zum Nidarosdom zu Trondheim.

Die umliegenden Berge hüllen sich in Nebel. Wir treffen noch einige Reiter, die die letzten Sauen (Schafe) des Jahrs einfangen zu gedenken. Der Weg ist breit und gut und so erreichen wir zügig die E6. Wir folgen der Straße ein Stück bis Grønbakken, wo wir die Straße und den Fluss überqueren. Ein paar Häuser befinden sich hier direkt an der Bahnlinie nach Oppdal. Eine kleine Unterführung hilft uns die Bahnlinie zu überwinden und schon stehen wir im Reich der Moschusochsen.

Es gibt zwei Wege durch das Tal zur Reinheim Hütte, einen südlich und einen nördlich des Kaldvella Flusses. Wir nehmen die südliche Route und machen uns auf. Hoffentlich sehen wir Moschusochsen, das wäre echt ein Traum. Die Lichtstimmung im Stroplsjødalen ist echt der Hammer, es könnte jede Tageszeit sein, man kann es einfach nicht ausmachen. Der Weg ist gut zu gehen und steigt stetig etwas an, immer dem Fluss folgend.

Zwischendurch fällt mir noch ein sehr beweglicher Felsen auf, ich stutze und wundere mich, zweifele kurz an mir und merke dann, dass es ein ziemlich gut getarnter Rentierjäger ist. Nun gut, man gewöhnt sich an alles, auch an Jäger die man nicht sieht. Hauptsache sie halten uns nicht für ein Pärchen komisch gefärbter Rentiere. Wir kommen ein wenig ab vom Fluss und es wird ein wenig steiler. Matschige Löcher wollen umgangen werden aber es geht ganz gut voran.

Kurz vor dem Kolldalen machen wir Pause. Das wird auf jeden Fall ein langer Tag, das Wetter wird langsam schlechter, es nieselt, wird kalt. Nach Pausentee und Salami geht es in Richtung Kolldalen, von wo der Weg auf wieder ansteigt. Dort sehen wir dann auch etwas entfernt auf der anderen Flussseite den ersten Moschusochsen. Weiter geht es durch das weite Tal. Der Boden ist teilweise sandig, aber es geht weiterhin gut voran immer entlang des Stropla Flusses.

Dann wird das Tal wieder enger und wir kommen direkt zum Fluss. Bald schon entdecken wir weitere Moschusochsen, sind aber froh nicht den Weg auf der anderen Flussseite genommen zu haben. 400kg Beef die im Gelände bis zu 60km/h schnell sind, wollte ich nicht auf meinem Weg finden (am Abend auf der Hütte berichtet uns Dag genau davon, er musste einen schönen Umweg gehen).

Wir machen Fotos, freuen uns über das tolle Erlebnis und weiter geht es. Langsam wird der Tag lang, aber was soll es, wir wollen zur Hütte. Mittlerweile wird das Wetter immer schlechter und zu allem Übel macht der Weg einen guten Schwenk wieder bergan über grobes Blockwerk. Na Glückwunsch, schon über 20km gelaufen und dann noch mal über glitschige Felsen steigen.

Aber auch das meistern wir mehr oder weniger stoisch. Die Hütte kommt langsam in Sicht, wir kommen näher und näher. Dann noch über die Brücke und wir sind da. Gut, dass wir einen DNT Schlüssel haben, die Hütte ist abgeschlossen.

Wir gehen rein, ziehen die nassen Sachen aus und machen alle drei Öfen an um die Hütte aufzuheizen. Von weitem sehen wir noch einige andere Wanderer kommen, wir werden nicht die einzigen bleiben.

Das Zimmer ist schnell bezogen, wir breiten uns aus und trocknen unsere Sachen. Nach und nach trudeln die anderen ein, unter anderem auch der Hüttenwart. Zu Abend kochen wir eine große Portion Nudeln mit dem guten Fleisch aus der Dose, Knoblauch und einer auf der Hütte gefundenen Zwiebel.

Herrlich, die Bäuche schlagen wir uns voll und die Entspannung nach dem anstrengenden Tag setzt ein. Es folgt die übliche Hüttenroutine bevor wir dann erschöpft ins Bett fallen.

Tag 10 Montag 12.09.11 Reinheim – Åmotsdalshytta

Weiter geht es. Gegen 8:00 Uhr stehe ich auf. Dag und Jørn haben schon das Holz aufgefüllt, ich komme zum Frühstück dazu. Wir unterhalten uns mit Dag, er sagt, wir lägen nach Touretappen 3:0 vorne, wir sind schneller als er. Schnell ist die Hütte endgültig aufgeräumt und gefegt. Unsere Sachen und das Zelt sind auch trocken, es kann weiter gehen.

Heute soll es auf direktem Weg ohne Schnickschnack zur Åmotsdalshytta gehen. Die Berge rundherum sind in Wolken gehüllt, wir sparen uns einen Aufstieg in die Wolken und gehen bis zum Talende.

Dort geht es über Blockwerk zur Leirpullskardet Scharte. Schon sehr viel Fels, man muss ein wenig aufpassen, aber wir überwinden das Hindernis rasch.

Auf der anderen Seite geht es dann wieder etwas steil herunter.

Dann folgen wir dem Weg immer weiter an der Flanke der Berge entlang. Das Tal ist weit und schön anzusehen, schon verwunderlich, dass man sich scheinbar an den unendlich vielen Steinen nicht satt sieht, scheint süchtig zu machen.

Nach 2,5 Stunden kommt dann die Hütte in Sicht und gegen 13:00 Uhr sind wir da. Eine recht kurzweilige Etappe, richtig entspannend nach dem letzten Tag. Einige Jäger scheinen die Hütte als Basis zu nutzen, überall liegen Knochen, Rentierfelle und sonstige Jagdreste rum. Im Toilettenhäuschen hängen diverse Einzelteile von Rentieren und Vögeln ab. Nun ja, wer’s mag.

Schnell beziehen wir eines der noch freien Zimmer, dann kommt Dag an und wir essen zusammen ein paar Pfannkuchen mit Zimt und Zucker, trinken einen Kaffee. Das muss Urlaub sein.

Schnell waschen wir mal unsere Socken. Echt lecker was sich da so ansammelt.

Jetzt gibt es für alle Teilnehmer Freizeit, in Zweiergrüppchen dürfen wir zum Angeln. Der nahe See lockt, es gibt sogar ein Boot zu Mieten und im Lebensmittelraum liegen einige richtig kapitale Forellen, die Jørn vor Neid erblassen lassen. Hier muss es doch mal klappen. Also los, auf zur Jagd. Aber was soll ich sagen, Angeln entspannt schon sehr, man darf sich halt nicht aufregen, wenn Aufwand und Ertrag in einem unglücklichen Verhältnis stehen.

Aber das gelingt uns gut, wir sind wohl eher Entspannungsangler, die Landschaft umzu trägt ihr übriges dazu bei. Irgendwann kehren wir zurück zur Hütte, langsam trudeln die anderen Mitbewohner ein. Bis auf Dag und uns sind es alle Jäger, die Rentieren nachstellen. Bald stehen fast überall Gewehre und Jagdutensilien herum. Mit Dag zusammen kochen wir uns Kartoffelpüree mit Rentierklößchen und Dosenerbsen.

Die Norweger hängen alle am Radio, es sind Wahlen, die ersten nach dem unglückseeliegen Vorfall in Oslo, und alle sind gespannt auf den Ausgang. Wir unterhalten uns lange mit Dag, er ist gerade in Rente gegangen und zur Feier dessen auf einer dreiwöchigen Hüttentour. Er zeigt uns Bilder auf seinem Telefon von den Trauermärschen und Bekundungen in Oslo. Auch von einem Opfer, das er persönlich kannte berichtet er uns. Schon komisch, dass hier in dieser wundervollen Umgebung mit diesen tollen Menschen hier zu sehen. Auch das Ganze aus erster Hand und nicht aus dem Fernsehen oder dem Internet zu sehen, gibt dem Ganzen noch einmal eine andere Qualität.

Am Abend bereiten sich noch zwei Jäger aus Tromsö ein opulentes Gulasch aus Rentierherz und Leber zu. Es ist wohl das Einzige vom Tier, welches man ohne Abhängen sofort Essen kann. Uns läuft das Wasser im Munde zusammen. Frischer Lauch, frische Zwiebeln, das wär doch mal was. Und tatsächlich, sie habe viel zu viel gekocht. Wir bekommen eine ordentliche Portion ab. Ein Gedicht, echt lecker. Vielen Dank noch mal dafür.

Später noch sehen wir zwei Stirnlampen durch die Nacht tanzen und auf die Hütte zu kommen. Es sind zwei Jäger, die auf der anderen Seite des Sees ein Ren geschossen haben und es nur mit dem Boot über den See rudern um es dann zur Hütte zu bringen. Der eine Jäger ist schon weit über 70 Jahre alt und sie schleppen da gerade etwa 80kg Fleisch im Rucksack durch die Nacht. Respekt und Anerkennung. Wir gucken uns noch das Tier an, ich werde dabei noch kurz auf der Toilette eingesperrt. Ein Norweger meint, das wäre ja nicht so schlimm, es gäbe da ja noch einen anderen Ausgang für das Plumpsklo. Danke, vielleicht beim nächsten Mal. Um halb elf sind wir dann im Bett.

Tag 11 Dienstag 13.09.11 Åmotsdalshytta – Loennechenbua

Um 8:00 Uhr sitzen wir beim Frühstück. Wir stärken uns und klaren dann die Hütte auf. Die meisten Jäger haben sich schon verdrückt, der frühe Norweger fängt das Ren. Für die nächsten Tage nehmen wir noch ein paar Lebensmittel mit, da wir in Loennechenbua einen Ruhetag einlegen wollen. Von Dag nehmen wir Abschied, er nimmt eine andere Route.

Über den breiten Ablauf des Åmotsvatnet Sees machen wir uns auf. Es ist ziemlich rutschig und glatt, auf einmal liege ich, laut Jørn wild mit den Armen rudernd, quer in der Luft, kann aber mit Hilfe der Stöcke und viel Mühe wieder das Gleichgewicht halten und mich ohne Sturz retten. Gut gegangen, aber nur knapp.

Es geht leicht den Berg hoch aus dem Tal hoch zum Langvatnet. Am Ufer steht eine Hütte, vermutlich ist der Besitzer gerne auf der Jagd.

Dann geht es hoch über den Gråhøin. Das Wetter wird schlechter, Nebel zieht auf und es nieselt.

Zum ersten Mal auf der Tour hab ich so etwas wie keinen Bock mehr, keine Ahnung wieso. Vielleicht weil der BVB heute gegen Arsenal spielt und ich nicht im Stadion sein kann. Die Aussicht auf einen Ruhetag morgen und eine kurze Etappe heute motivieren dann aber doch.

Weiter also, wieder abwärts hinunter zum Urdvassbekken. Wir überqueren den Fluss über Blockwerk. Die Steine sind enorm glitschig, aber mittlerweile kommen wir damit ja gut zurecht. Einige Hütten kommen in Sicht und wir laufen entlang des Urdvatnet Krokåtjønna Sees. Am Ende des Sees müssen wir noch einen Bach über rutschige Felsplatten überqueren, danach geht es steil, wirklich steil über einen rutschigen Steig den Berg hoch. Oben angekommen ist der Blick zurück gut, aber wir halten uns damit nicht lange auf. Weiter zur Hütte. Der Weg hinab ist wieder steil und sehr rutschig, aber nach ein paar Augenblicken kommt die Hütte in Sicht. Oh man, was ein Platz für eine Hütte.

Traumhaft direkt am Litlvatnet gelegen, nur der Nebel weiß nicht zu gefallen. Egal, schnell sind wir dann direkt an der Hütte und gehen rein, oder besser gesagt wir machen dies in einer Art Limbo.

Die Hütte ist winzig, fast wie ein Puppenhaus und die Eingangstür vielleicht 1,40m hoch. Wir staunen Bauklötze und freuen uns wie die Kinder, war es doch ein erklärtes Ziel vor der Reise gewesen, hierhin zu kommen. Schnell richten wir uns auf den dreieinhalb mal dreieinhalb Metern ein. Zwei Betten, ein Tisch, zwei Bänke Ofen und Küche, alles da, fast wie auf einem U-Boot. Bald hängt überall Ausrüstung herum, hier muss man sich gut organisieren. Aus dem Hüttenbuch erfahren wir, das vor kurzem hier sechs Leute übernachtet haben, unvorstellbar für uns.

Da es noch früh am Tag ist, gehen wir raus zum Angeln. Ist zwar richtig kalt und ungemütlich, aber was tut man nicht alles für ein Abendessen. Und siehe da, nach kurzer Zeit fängt Jørn tatsächlich etwas. Die Freude kennt keine Grenzen, endlich sind die Mühen belohnt worden.

Nach diesem Erfolg gibt es Kaffee und wir wärmen uns auf. Der Fisch soll heute Abend gebraten auf einem Bett aus Kartoffelpüree an Linsen gereicht werden. Das wird lecker. Jørn ist angefixt und startet einen weiteren Versuch. Dieser ist auch von Erfolg gekrönt, das gibt es doch gar nicht, ein Festmahl für uns. Es wird nebelig, wir kochen und freuen uns auf den Fisch.

Er ist köstlich und war alle Angelmühen wert. Nach dem Abwasch machen wir es uns bei einem Kaffee gemütlich, hoffentlich kommt nicht noch ein weiterer Gast, es ist auch so schon recht gemütlich. Alles ist perfekt, es könnte nicht besser sein, die Welt um uns herum ist ganz, ganz weit weg.

Tag 12 Mittwoch 14.09.11 Loennechenbua

Ein Ruhetag, wie schön. Ausschlafen bis in die Puppen, toll so was. Wir frühstücken, trinken Kaffee, gehen Angeln, reparieren das Radio, üben Knoten, aber eigentlich Gammeln wir rum, herrlich, Urlaub. Zu doof für Pfannkuchen sind wir auch noch, rühren das Pulver mit heißem Wasser an, versuchen den Teig zu retten, geben irgendwann auf, au backe, wie blöd kann man sein.

Das ganze Entspannen kostet ganz schön viel Kraft, wir kochen zwei Pfund Spagetti mit einer Soße aus Tomatensuppe, Knoblauch, Minisalamis und Makrelenfilets in Tomatensoße. Ordentlich Paprika und Chilli drauf, ein Traum. Allerdings schaffen wir nur zwei Drittel des Topfes, den Rest gibt es dann morgen zum Frühstück.

Abends dann geht auf einmal die Tür auf. Wir gucken und verdutzt an, einem Gewehrlauf folgt ein total durchgefrorener Rentierjäger. Wir rücken zusammen, er wärmt sich mit reichlich Kakao und Schokolade auf. Der gute Mann ist seit 5:00 Uhr morgens unterwegs zur Rentierjagd. Um kurz nach 21:00 Uhr bauen wir die Hütte um zum Dreibettzimmer und gehen zu Sack. Nur Jørn hat echt den schwarzen Peter. Er liegt im oberen Bett, der Jäger hat kurz vorm zu Bett gehen den Ofen noch bis oben hin vollgemacht. Da ihm kalt ist kann Jørn vor Wärme da oben kaum schlafen. Na wenigstens frieren wir nicht.

Tag 13 Donnerstag 15.09.11 Loennechenbua – Gammelsetra

Der Ofen bollert schon, um 8:00 Uhr luken alle aus ihren Kojen. Geordnetes Aufstehen ist befohlen, ansonsten wird es hier schnell unspaßig auf dem knapp bemessenen Raum. Der Waidmann mag nicht so recht zur Jagd aufbrechen. Über Nacht hat geschneit und gefroren.

Man kann nicht besonders weit sehen, Jagen macht wohl nicht so viel Spaß bei dem Wetter.
Dann gibt es Frühstück für uns, er versucht doch sein Glück. Godt jakt!

Die Hütte ist schnell aufgeräumt und gereinigt. Gegen 10:00 Uhr sind wir dann draußen im Schneesturm. Das wird eine Herausforderung. Es ist überall ziemlich glitschig und kalt, Schnee liegt, respekteinflößend. Aber was muss das muss. Über Blockwerk geht es direkt am See entlang, ziemlich fiese Geschichte bei dem Wetter, bald schon sehen wir von der Hütte nichts mehr.

Am Ende des Litlvatnet kommt die Sonne raus. Alles glitzert und funkelt. Dann geht es ziemlich steil runter zum nächsten größeren See, dem Storvatnet. Es haut mich kurz mal richtig schön hin, voll auf das Knie. Ein Indianer kennt kein Schmerz, weiter am See entlang geht es.

Das Wetter ist jetzt richtig gut, aber der Wind bläst einem kalt ins Gesicht, man muss auf die Eisplatten auf dem Weg aufpassen. Ein letzter Blick zurück und weiter geht es.

Die Stimmung erinnert mich plötzlich an Weihnachten, Schneeflocken fallen und das Licht ist irgendwie besonders.

Zügig geht es nun abwärts durch das Flatskirådalen bis zur Gammelbua, wo wir eine Pause einlegen. Das Wetter lädt aber nicht zu längerem Verweilen ein, der Nieselregen treibt uns weiter.

Es geht weiter ins Tal hinab, bis runter zum Fluss im Skirådalen. Die Stimmung ist gut, dann geht es wieder einen Anstieg hoch zum Skiråranden. Nun gibt es auch wieder Bäume, wir laufen durch Birkenwald und kommen zu einem Parkplatz bei Middagshjellan. Hier stehen reichlich Auto, scheinbar alle von Rentierjägern.

Wir folgen der Schotterstraße, überqueren die Linndøla und laufen zur Gammelsetra rein ins Linndalen. Wir beziehen das Haupthaus der alten Alm. Insgesamt gibt es vier Gebäude, alle sehr urig.

Nachdem alles eingerichtet ist und wir unsere Sachen zum trocknen an den offenen Kamin gehängt haben, gibt es was zu Essen. Die Speisekammer ist schon arg geplündert, so gibt es dann Erbswurst mit Bockwürsten. Der Rest des Tages wird Urlaub vor dem Kamin gemacht.

Lesen, Tee trinken, Lesen, Tee trinken. Unterbrochen nur vom Abendessen, Butternudeln mit sehr viel Chilli und sehr viel Knoblauch. Alter Schwede, das gibt ordentlich Power für morgen. Dann Lesen, Tee trinken, Lesen…

Tag 14 Freitag 16.09.11 Gammelsetra – Dindalshytta

Nach der üblichen Morgenroutine geht es gegen 10:00 Uhr los. Wir folgen eine ganze Weile einem Autofahrweg durch das Tal bis Hilderhjellen. Soweit alles sehr entspannt heute. Die Landschaft ist schön, die Berge sind angezuckert.

Dann geht es über schmale Wege entlang des Linndalsvatna und Storvatnet Sees. Einfach herrlich hier. Man kann richtig die Seele baumeln lassen. Ziemlich züging sind wir dann an der Veggasætra Alm. Da wir schnell unterwegs sind und die Etappe heute auch nicht so lang ist, lassen wir alle fünfe gerade sein und machen ausgiebig Pause am See. Die Hälfte für heute ist geschafft.

Ich sehe mich ein wenig um, die Alm ist verlassen, die Schafe scheinbar schon ins Tal getrieben.

Die heutige Etappe führt meist über Schotterpisten für Autos. So geht es also weiter über eben diese ins Dindalen.

Es zieht sich wie Kaugummi, wir müssen öfters den Fluss überqueren, kommen aber auch schnell voran. Irgendwann treffen wir dann auf die ersten Hütten und einen Schäfer, der gerade seine letzten Sauen einsammelt. Von den zweitausend Stück im Tal sind wohl nur noch wenige über geblieben, die aber machen wohl am meisten Arbeit. Er läuft mit den Tieren direkt vor uns her, wir unterhalten uns, Norwegisch ist gar nicht so schwer wie man immer denkt, und an der Hütte verabschieden wir uns.

Die Hütte ist echt gemütlich, wir heizen den Ofen an, somit bleiben wir für Nacht hier. Es ist noch früh am Tag, wieder gibt es Erbswurst, dann Kaffee und ich erfahre auch endlich das Ergebnis vom BVB Spiel am Dienstag. Sauber, unentschieden gegen Arsenal, Traumtor von Perisic.

Wir sitzen in der Sonne, trinken Kaffee und Tee, Lesen wieder mal. Gut das ich auf der Gammelsetra Hütte noch ein Buch von Anne Holt auf Deutsch gefunden hab, so langsam geht uns der Lesestoff aus. Nachdem die Sonne hinter den Bergen verschwunden ist machen wir uns an das Abendessen. Auch in dieser Hütte sieht es mit Lebensmitteln mau aus, viele Sachen sind abgelaufen und die Auswahl doch sehr beschränkt. Für uns gibt es heut Pasta mit Dosenschinken und Kidneybohnen.

Gar nicht mal schlecht. Der Abend klingt dann am gemütlichen Kamin aus

Tag 15 Samstag 17.09.11 Dindalshytta – Fossem – Oppdal

Man ist das kalt denke ich am Morgen. Scheint ganz schön angezogen zu haben heute Nacht, erst mal das Fenster zu machen. Der letzte gemeinsame Wandertag steht an. Bereits gegen 9:00 Uhr soll es heute los gehen. Draußen zeigt das Thermometer -6°C an und auf der Scheibe vom Klohäuschen finden sich Eisblumen.

Schnell machen wir uns nach dem Frühstück auf und nehmen den Anstieg hoch in Richtung des Pershøa.

Wir folgen für circa 300hm den Treckerweg um dann gen Osten den Weg nach Fossem über das Soløfjellet zu nehmen. Das Wetter ist traumhaft, wir schwitzen elendig und es macht einfach nur riesig Spaß. Der Weg ist auf der Karte nicht als Sommerroute eingezeichnet und wird wohl auch nicht sehr viel begangen.

Wir haben etwas Mühe den Weg hoch zu finden, bekommen es dann aber doch irgendwann auf die Kette. Mit jedem Meter mehr hoch steigt die Stimmung. Es ist ziemlich anstrengend die ganzen Höhenmeter zu überwinden, aber Wetter und Aussicht machen das mehr als wett.

Es findet sich keine Wolke am Himmel. Auf ca. 1300 Metern machen wir kurz Pause für ein paar Fotos.

Dann geht es den Rest hoch. Auf den Pfützen und Bächen finden sich teils noch dünne Eisplatten. Oben auf 1400 Metern strahlt die Sonne. Was für eine tolle Etappe zum Abschluss unserer gemeinsamen Reise.

Am Horizont kann man schon Oppdal erahnen, man sieht die ersten Handymasten. Nach einer Weile auf dem Hochplateau geht es wieder abwärts in das Tronddalen.

Wir halten kurz inne, machen Pause und unterhalten uns über die letzten zwei Wochen. Freude kommt auf, so weit kann es eigentlich nicht mehr sein bis zum Ziel. Eigentlich.

Am Anfange geht es ziemlich steil runter zum Fluss. Schon hier fällt es uns schwer einen Weg auszumachen. Wir studieren Karten und Topo auf dem GPS, aber wir finden es einfach nicht. Egal, wir folgen einfach dem Fluss, wird schon passen. Gesagt, getan, die nächsten eineinhalb Stunden quälen wir uns einen mit Sträuchern zugewucherten Weg. Flüche und unflätige Wörter hallen durch das Tal. So ein „Dritt“!

Dann kommen auch noch Birkenwälder, die wohl von den winterlichen Schneemassen unwirklich verbogen wurden. Weiter Fluchen und Suchen, die Sonne brennt und der Frust steigt. Wir kommen nur mühsam voran, haben keinen Bock mehr. Endlich kommen wir nach Fossemssætra.

Kann ja jetzt nicht mehr weit sein. Pustekuchen, bis zur Straße ist es noch weit und einiges an Höhenmeter. Das Feierabendbier rückt in weite Ferne. Immerhin gibt es jetzt eine Art Treckerweg der aber ziemlich steil und Ausgefahren ist. Keine Ahnung wie man da überhaupt noch hochkommt, vielleicht mit einem Pistenbulli. Wir folgen dem Weg abwärts und Jørns Knie fangen an zu zicken. Langsam geht es voran. Doch leider verpassen wir an einer Stelle den eigentlichen Weg und gehen dem Treckerweg nach. Ein kleiner Umweg resultiert daraus.

Schließlich kommen wir zu einer Hüttensiedlung bei Sætrin, hier gibt es auch eine Straße die zur Hauptstraße nach Oppdal führt, unserem Ziel für heute Abend. Wir gehen auf der Asphaltstraße in Richtung Fossem, die Strapazen des Tages kommen langsam zum Vorschein, die Stimmung sinkt.

Da müssen wir jetzt durch, auch wenn es schwer fällt. Alsbald kommt der Fluss Driva mit seinen eindrucksvollen Stromschnellen in Sicht. Wir überqueren die Autobrücke und stehen bald an der E6 nach Oppdal. Was ein zähes Ende dieses schönen Tages. Aber noch nicht vollends zu Ende. Morgen geht Jørns Zug zurück nach Oslo, wir wollen es heute noch nach Oppdal schaffen und uns dort einen Campingplatz suchen.

Nun gut, wir wollen Trampen, es zumindest probieren. 12km on Top entlang der Straße zu Wandern würden uns dann doch eher weniger gefallen. Los also, immer entlang der E6 schlurfen und möglichst mitnahmewürdig aussehen. Aber leider scheint uns das Glück heute nicht hold zu sein.
Niemand hält oder macht wenigstens Anstalten. Weiter, immer weiter, wir lassen uns (noch) nicht entmutigen. Immerhin sind wir dann bald schon beim ersten Campingplatz vor Oppdal, dem Smegarden Camping. Wir sind ein wenig ratlos, haben keine Lust weder heute noch morgen in aller Frühe die restlichen 10km nach Oppdal zum Bahnhof zu laufen. Was nun, sprach Zeus?

Kurze Pause und Kräfte sammeln auf dem Campingplatz. Wir trinken was. Keine Ahnung warum, aber als ein Golf vorbei fährt, springe ich einfach auf, laufe auf das Auto zu, vielleicht haben wir ja Glück und wir bekommen eine Freifahrt. Tatsächlich hält der Golf, eine nette ältere Norwegerin ist ein wenig irritiert. Ich schildere unsere Miesere, sie kommt zu uns, sagt sie müsse kurz telefonieren. Jørn und ich gucken uns ein wenig verwirrt an, vielleicht geht da ja was.

Die Frau kommt zu uns, sagt, sie könne uns nicht fahren, aber ihr Enkel sitzt gerade noch beim Essen, würde uns aber gleich danach abholen und selbstredend gerne nach Oppdal bringen. Wir gucken uns verdattert an, bedanken uns überschwänglich. Super, mal wieder mehr Glück als Verstand gehabt.

Der eine Golf rollt vom Hof, der andere kommt auf uns zu. Ein Jugendlicher in Arbeitsklamotten steigt aus, begrüßt uns, stellt sich als Enkel und unserer Fahrer vor. Hey super. Wir stopfen seinen Wagen mit unserem Gepäck voll und los geht es.
Es stellt sich heraus, dass er uns wirklich gerne nach Oppdal bringt. Andernfalls müsste er nämlich gerade bei der Kartoffelernte auf dem Feld helfen, von daher doch lieber Deutsche durch die Gegend fahren.
Ein wenig Small-Talk über Rosenborg Trondheim und das Spiel von Leverkusen dort im letzten Jahr, ein wenig BVB und schon sind wir in Oppdal am REMA 1000 Supermarkt. Herzlichen Dank noch einmal an dieser Stelle, das war wirklich mehr als wir erwartet hatten. Wir verabschieden uns und freuen uns einen Ast, dass es wieder einmal geklappt hat.

Jetzt zuerst in den Supermarkt. Bald eine Woche nun haben wir uns ausgemalt, was wir uns als erstes zu trinken und zu essen kaufen würden. In unseren dreckigen Klamotten sehen wir seltsam deplatziert im Supermarkt aus. Die Fülle an Waren überfordert uns, zuerst gibt es ein Bier und eine Cola für uns beide.

Welch ein Genuss. Dann geht es zum Bahnhof, wollen herausfinden, wo der nächste Campingplatz ist. Am Bahnhof ist auch die Taxizentrale, die Chauffeure geben uns Tipps. Super, wir lassen unsere Rucksäcke bei ihnen, wir wollen noch kurz im Supermarkt Abendessen einkaufen und uns dann zur Feier des Tages mit dem Taxi zum Platz bringen lassen. So kommt es dann auch, eine halbe Stunde später sind wir beim Solly Campingplatz 2km außerhalb von Oppdal an der E6. Der hat zwar schon Saisonende, aber egal. Wir dürfen bleiben, das Sanitärgebäude ist offen, das reicht uns ja. Ein deutsches Pärchen zeltet auch da, sie wollen morgen in Richtung Rondane aufbrechen.

Wir genießen die heiße Dusche, den Komfort. Wir kochen Nudeln mit viel Soße, schlagen uns den Bauch noch mit Chips voll, schreiben Postkarten.

Gegen 21:00 Uhr wird es dann empfindlich kalt, wir kriechen ins Zelt. Wir stoßen ein letztes Mal auf die tolle und erlebnisreiche Tour an. Wahnsinn!

Prolog

Norwegen_2011_0899

Nachdem der letzte Urlaub in Norwegen so richtig gut war und auch die norwegischen Sprachkenntnisse dank der VHS immer besser wurden, stellte sich alsbald die Frage: Wohin in Norwegen soll es in diesem Jahr im großen Sommerurlaub gehen?

Anfang des Jahres sollte die Urlaubsplanung eingereicht werden. Beim Blick auf den Kalender kam mir die Idee einer dreiwöchigen Tour Ende August / Anfang September in den Sinn. Schnell alles auf der Arbeit abgeklärt und bald schon war der Flug gebucht. Dank der frühen Buchung auch zum Supersparpreis von 99€ mit der Lufthansa. Ein richtiger Schnapper.

Jetzt musste noch geklärt werden, wohin es gehen sollte. Zuerst standen Jotunheimen und die angrenzenden Gebiete im Raume. Nach Studium einiger Reiseberichte und der Turkarten sollte es dann aber eine Tour beginnend in Rondane werden. Im weiteren Verlauf sollte es dann immer weiter nach Norden in Richtung Dovrefjell und Trollheimen gehen.

Irgendwann dann meldete sich noch Jørn, ein Kumpel. Er würde gerne mitkommen. Gesagt, getan. Schnell einen Flug gebucht, für ihn noch einen schönen WM Antelope Schlafsack geordert und dann konnte es auch mit den weiteren, detaillierteren Planungen losgehen. Da man in den ersten zwei Wochen wohl nichts an Lebensmitteln, außer denen, die man auf den selbstbedienten Hütten bekommt, nachkaufen kann, werden wir wohl einiges mitzunehmen haben. Aber das wird schon, denken wir uns so insgeheim.

 

Donnerstag 01.09.11 Einkaufen

Wir haben die Tage vorher eingekauft. Jetzt stapeln sich 15kg Nahrungsmittel in einer Klappbox im Wohnzimmer. Mein Respekt wächst. Ist doch schon ein guter Haufen und dazu soll auch noch in Oslo Gas und einige gefriergetrocknete Real Turmats kommen. Oh je, das wird schwer.

Los geht es dann mit dem Sortieren und Abpacken der gesamten Ausrüstung und der Lebensmittel. Paket um Paket, Gegenstand um Gegenstand verschwindet in den Rucksäcken. Bis auf einige Kleinigkeiten für das Handgepäck scheint alles rein zupassen. Aber beim Kontrollieren auf der Waage reizen wir das Lufthansa Limit von 23kg voll aus. Mal sehen was die am Flughafen dazu sagen.

Freitag 02.09.11 Packen

Die Vorfreude steigt. Wie immer vergeht der letzte Arbeitstag vor dem Urlaub wie im Fluge. An solchen Tagen dreht sich die Uhr doppelt so schnell. Gegen 14:30 Uhr fällt der Hammer und ich bin auf dem Weg nach Hause. Ein fettes Grinsen im Gesicht macht sich breit, drei Wochen Urlaub am Stück hatte ich schon lange nicht mehr.
Zu Hause werden noch die letzten Handgriffe getätigt. Da wir das Meiste Gestern schon gepackt haben, bleibt nicht mehr viel übrig. Der Urlaub kann beginnen.
Auch die aktuelle „Fjell og Vidde“ Ausgabe vom DNT ist noch rechtzeitig aus Oslo gekommen. Das passt, ist doch ein Moschusochse aus dem Dovrefjell auf dem Titel.

Später kommt noch Jørn vorbei. Wir quatschen noch ein wenig über die Tour und was uns wohl so erwartet. Herrlich ist die Aussicht auf das, was vor uns liegt. Wir lassen den Abend gemütlich beim 6:2 Sieg der Deutschen gegen die Österreicher ausklingen. Die Vorfreude und Aufregung steigt. Es kann jetzt endlich losgehen, alle Vorbereitungen liegen hinter uns und wir sind gut gerüstet. Hoffentlich.

 

1. Woche Rondane

 

Tag 1 Samstag 03.09.11 Iserlohn – Düsseldorf- Oslo – Venabu

Um 4:30 klingelt der Wecker. Ich will weiterschlafen, der Sieg gestern war wohl allzu köstlich. Doch Moment, nicht weiterschlafen, fällt es mir ein, da war ja was. Schnell raus und unter die Dusche, gleich steht Jörn mit seinen Eltern auf der Matte. Der Flughafen ruft. Noch einen Kaffee auf die Hand und los geht`s. Wir machen es uns im Fond des Autos bequem und die Fahrt nach Düsseldorf vergeht zügig.

Gegen 5:30 Uhr stehen wir beim Lufthansa Check-In auf der Matte. Nur noch drei Mal den Check-In Automaten verflucht und schon stehen wir beim Sperrgepäckschalter und geben unsere wertvolle Fracht ab. Die Gepäckgrenzen der Lufthansa haben wir ein wenig überschritten, 23,8KG sind es bei meinem Rucksack, aber Jörn hat eine Vielfliegerkarte. Die erspart uns unnötigen Ärger.

Nach einem kurzen Frühstück geht es dann in den Flieger. Im Bus dahin kommen wir noch mit einem Pärchen ins Gespräch, die mit demselben Zug wie wir Richtung Rondane unterwegs sein werden. Ein kurzer Plausch, ein wenig Fachsimpelei und schon sind wir im Flieger. Kaum sitzen wir drin, erfahren wir, dass wir noch eine dreiviertel Stunde warten müssen, Stau auf der Startbahn. Egal, wir haben Urlaub und in Oslo genug Zeit zum Einkaufen.

Nur der Rocker auf dem Nachbarsitz ist ein wenig ungehalten. Er hat Flugangst, er hat Bierdurst und die Lufthansa hat nicht gerade das größte Flugzeug geschickt. Sehr amüsant. Die Stewardess beruhigt ihn mit einer Sprite und dem Versprechen, ihn gleich als ersten nach dem Start mit dem lebensnotwendigen Bier zu versorgen. Noch mal gut gegangen. Die Stewardess hält ihr Versprechen nach dem Start, aber da wir irgendwie ja in derselben Reihe sitzen, zwingt uns der Gruppenzwang auch zu einem morgendlichen Kaltgetränk.

Der kleine Flieger scheint weniger Luftwiederstand zu haben, wir landen einigermaßen pünktlich in Oslo Gardermoen. Schnell sind auch die Rucksäcke bei uns, wieder eine kleine Sorge weniger. Wir laufen rüber zum Flytoget Schnellzug und kaum 20 Minuten später sind wir in Oslo. Wir lassen unsere Rucksäcke im Schließfach am Bahnhof, wo wir auch schnell noch unsere vorbestellten Zugtickets am Automaten einsammeln. Im XXL und im G-Sport besorgen wir uns noch Gaskartuschen und einen Haufen Real Turmat Gerichte. Wir schlendern noch ein wenig durch Oslo und nehmen unsere „Henkersmahlzeit“ im Restaurant mit den goldenen Bögen ein.

Dann besorgen wir uns noch ein paar Pilsetten für die Zugfahrt und machen uns auf dem Weg zum Zug. Am Bahnhof treffen wir das Deutsche Pärchen wieder. Wir packen unsere Rucksäcke ein wenig um und besteigen dann den 14:17 Uhr Zug in Richtung Trondheim bzw. für uns nach Ringebu. Wir machen es uns gemütlich, lauschen den Gesprächen der anderen Fahrgäste und gegen 17:00 Uhr sind wir dann in Ringebu.

Das Wetter ist nicht schlecht, so lange man nicht in Richtung der Höhenzüge guckt. Nicht, das wir die nächsten zwei, drei Wochen da unterwegs wären. Augen zu und durch.
Das telefonisch vorab georderte Taxi steht schon bereit. Wir wuchten unser Gepäck in den Kofferraum und los geht es Richtung Rondevegensenter. Der Taxifahrer spricht nur ein wenig Englisch, ich probiere es in meinem rudimentären Norwegisch, aber auch das hilft nicht. Ist scheinbar nicht so der Small-Talk Mensch. Macht aber nichts. Es geht steil den Berg hoch und das Wetter wird immer nebeliger. Nach einigen Windungen der Straße weiter sieht man quasi gar nichts mehr. Es ist so neblig, dass man kaum 20m weit sieht. Ein wenig gespenstisch. Mir kommt der Gedanke, was wenn es nun die nächsten zwei Wochen so bleibt? In was hab ich da meinen Kumpel bloß reingeritten?

Wir erreichen den Campingplatz am Rondevegensenter. Sieht einladend aus in der Suppe. Nur Dauercamper, das kann ja was geben.

Der Taxifahrer wird schnell noch bezahlt und wir gehen in den Shop. Der Check in ist schnell erledigt. 100 NOK in kleinen Scheinen wechseln ohne jegliche Formalitäten den Besitzer und das war es. Ein wenig Ratlos gehen wir rüber zum Platz und suchen 10 Minuten lang den am wenigsten schlechten Platz um unser Zelt aufzuschlagen. Gar nicht so einfach. Einige Norweger gucken ein wenig komisch, sie scheinen zwischen Mitleid und Fassungslosigkeit zu schwanken.

Was zum Henker machen die da?

Egal, wir finden ein Plätzchen und bauen auf. Wir wollen ein wenig die Gegend erkunden und laufen die Straße runter. Aber im Nebel sieht man so ungefähr gar nichts. Wir laufen noch bis zum nächsten Landhandel und kehren dann um. Anschließend holen wir uns noch ein Bier und ein bisschen frisches Gemüse im Shop, keine Ahnung wann es wieder etwas geben wird.

Wir beschließen im kleinen Küchenraum zu kochen und uns aufzuwärmen. Es gibt Erbswurst und das Bier. Nach dem Abwasch sortieren wir uns ein wenig und dann geht es schon in die Falle.

Tag 2 Sonntag 04.09.11 Venabu – Eldåbu

Der Tag beginnt wie der vorherige aufgehört hat. Regen und Nebel. Zu allem Überfluss scheinen wir unser Zelt in einer kleinen Senke aufgestellt zu haben, wir liegen also in einem kleinen See. Na toll. Wir schälen uns aus den Daunentüten und begutachten die Ausgangslage. Das Resultat ist, dass wir wieder im Küchenraum frühstücken und dort auch unsere Rucksäcke packen wollen. Gesagt, getan.

Wir packen unser Zeug zusammen, frühstücken, sortieren unsere Rucksäcke. Im dichten Nebel gehen wir die Straße entlang bis kurz vor den Landhandel. Da gibt es eine Schotterstraße mit Schranke zu einigen Hütten. Wir folgen ihr eine Weile, ungefähr für 1,5 Stunden. Das Wetter ist ein wenig gespenstisch. Alle Geräusche werden geschluckt und wir sehen rein gar nichts.

Der Weg ist bald zu Ende, jetzt geht die Wanderrute los. Eldåbu ist auf dem Wegweiser angeschlagen und wir stiefeln über sehr, sehr matschige Wege los. Wir kommen zum ersten zu querenden Bächlein, dann geht es einen kleinen Anstieg hoch. Oben haben wir die erste Begegnung mit einem toten Lemming, es sollte bei Leibe nicht der letzte sein.

Weiter geht es durch überflutete Wege durch Birkenwälder. Wir checken die Karte und kommen bald zu einer Ansammlung von Hütten in Venassaeter.

Der Weg ist jetzt durch Trecker und schwere Fahrzeuge sehr ausgefahren. An einer Hütte machen wir es uns auf der kleinen überdachten Veranda gemütlich. Es gibt wärmenden Tee, Bananen und Müsliriegel. Das tut nach dem ganzen Nieselregen und Matsch gut.

Dann geht es teils über Schotterpisten durch das Hüttengebiet bis zum ersten reißenden Fluss Svartäa. Wir überqueren ihn über eine Hängebrücke. Ganz schön viel Wasser.

Auf der anderen Seite geht es steil den Berg hoch. Langsam machen sich unsere Rucksäcke bemerkbar. Oben treffen wir ein paar Norweger, eine kleines Schwätzchen unter Wanderern, woher, wohin, dann geht es weiter. Kurz hinter Eldåseter machen wir Pause, füllen unsere Wasservorräte auf.

Da es nicht wirklich gemütlich ist, geht es alsbald weiter. Leicht bergan folgen wir dem Weg durch die karger werdende Fjelllandschaft.
Bald kommt der Abzweig in Richtung Bjørnhollia, dem morgigen Ziel in Sicht. Wir folgen dem Weg aber Richtung Eldåbu. Es geht wie durch eine Landschaft aus dem „Herr der Ringe“. Moosbewachsene, laublose Birken, ein steiniger Weg und viel Nebel. Mordor wir kommen. Aber nach kurzer Zeit kommt die Hütte in Sicht. Wir schließen auf und machen es uns gemütlich. Wir sind die einzigen Gäste. Schnell verbreitet der Ofen eine gemütliche Wärme und wir entspannen uns langsam vom anstrengenden Tag.

Jørn macht sich mit dem Hüttenleben vertraut. Wir holen noch Wasser und kochen uns Reis mit Speck, Zwiebeln, Linsen und Tomatensuppe. Sehr gut. Das Zelt ist einstweilen zum Trocknen in einem der unbelegten Zimmer aufgehängt. Ich schreibe noch ein wenig Tagebuch und dann geht es auch bald ins Bett.

Tag 3 Montag 05.09.11 Eldåbu – Bjørnhollia

Ich wache gegen 8:00 Uhr auf. Schön warm ist es schon. Jørn war eher wach, hat schon den Ofen angeschmissen und Kaffee gekocht. War doch gut, Jörn mitgenommen zu haben. Wir frühstücken und packen unsere Sachen zusammen. Das Zelt ist trocken, das Wetter draußen nicht. Schnell ist Wasser am Bach unterhalb der Hütte geholt und das Feuerholz aufgefüllt. Dann geht es auch schon wieder los.

Wir durchqueren Mordor noch einmal und kommen wieder zum Abzweig nach Bjørnhollia. Der Weg wird eingeschlagen und wir folgen den roten DNT Markierungen. Das Wetter ist wieder die reinste Waschküche, Sicht gen null. Was soll’s, ist ja kein Beinbruch.

Wir kämpfen uns wieder über schlammige Wege und dichte Nieselsuppe. Es geht bergauf und bergab. Eigentlich richtig nett, wäre da nicht das Wetter. Mehrmals holen wir die Karte raus, da wir uns nicht sicher sind, aber die Landschaft bietet keine große Möglichkeit zur Orientierung. Wir fügen uns und kommen bald zu einem breiten Fluss mit ein paar Hütten auf der anderen Uferseite. Wir finden den Weg nicht, gehen ein wenig Flussaufwärts, gehen zurück und sehen dann den Weg auf der anderen Flussseite. Wir überqueren den Bach ohne große Unfälle.

Auf eine Pause bei den Hütten haben wir keine Lust, also geht es schnell weiter. Immer noch sehr nebelig. Wir passieren einige Seen und warten auf den im Wanderführer versprochenen Fischreichen Vulutjønan See. Egal, wird schon bald kommen, wir sind ja schließlich schon lange unterwegs. Dann geht es bergan, immer weiter bergan. Die ersten Zweifel machen sich breit. Sind wir wirklich noch richtig? Eigentlich sind wir laut GPS viel zu hoch für den eigentlichen Weg. Nun ja, irgendwann sind wir scheinbar oben, folgen dem Weg und sehen bald einen großen See.

Alles klar, dass muss er sein. Dann geht es ziemlich steil bergab. Im Nieselregen und Nebel beschlägt dauernd meine Brille, ich sehe kaum etwas und stolpere eher schlecht als recht hinter Jørn den Weg runter. Wir verpassen den Weg, sehen aber mehrere Wege die runter in Richtung des Sees führen.

Alsbald kommen wir zu einer verschlossenen Hütte oder wohl eher einer Alm. Wir beschließen dort Pause zu machen und uns zu stärken. Auf der windabgewandten Seite machen wir es uns bequem, trinken Tee und essen ein paar Minisalamis. An der Hütte ist ein Name angebracht, Ramshytta. Wir suchen die Karte ab.

Uns stockt ein wenig der Atem. Statt nach Norden dem Weg nach Bjørnhollia zu folgen, sind wir 15km in Richtung Osten gegangen. Wie doof muss man eigentlich sein, schießt es mir durch den Kopf.
Wir haben eine Karten, einen Kompass und noch ein GPS mit Kartenanzeige dabei. Das gibt es doch gar nicht. Statt mal den Kompass rauszuholen hab ich unterwegs zu Jörn gesagt, er habe wohl die Koordinaten falsch eingegeben. Ich Trottel, Trottel, Trottel.

Was nun? Wir atmen kurz durch und spielen unsere Alternativen durch.

Erste Alternative: Wir gehen zurück und müssen unter Umständen irgendwo unterwegs unser Zelt aufbauen.

Zweite Alternative: Wir gehen circa 2km runter zur Straße, dem RV 27, und versuchen in Richtung Straumbu zu trampen. Von da aus gibt einen zwei stündigen Weg zur Hütte.

Wir beraten uns kurz, dann steht die Entscheidung fest: Die zweite Variante macht das Rennen. Nun gut, versuchen wir unser Glück. Nach einem kurzen Weg über die Schotterpiste stehen wir an der Straße. Mal sehen wann das nächste Auto vorbei kommt.

Es dauert nicht lange, bis das erst Auto kommt, allerdings dauert es ungefähr 5km die Straße runter, bis das erste anhält. Das erst Auto ist ein Norweger, der leider zu wenig Platz im Auto hat. Das nächste Auto kurz hinter Snødøldalssætra ist eine Holländerin. Ausgerechnet eine Holländerin will uns mitnehmen.
Na dann, auf die Nachbarn. Wir quetschen uns in den Kleinwagen. Ich darf vorne sitzen, Jørn muss in den Kofferraum. Besser schlecht gefahren als gut gelaufen. Gegen das Versprechen, die Holländer beim nächsten Mal im Fußball gewinn zulassen, nimmt sie uns tatsächlich die 25km mit (Anmerkung am Rande: Ich habe geflunkert, tut mir leid, die Finger waren gekreuzt).

Wir unterhalten uns nett, sie erzählt, dass sie ein paar Wochen hier auf einer Alm arbeitet und eine kleine Einkauftour nach Ringebu machen wollte. Die Landschaft ist echt der Hammer, nur Jörn bekommt nicht so viel mit, sein Fuß schläft langsam ein. Bald kommen wir am Parkplatz in Straumbu an, von wo aus der Weg losgeht. Wir bedanken und verabschieden uns. Das war echt top, mal wieder mehr Glück als Verstand gehabt.

Wir schultern unsere Rucksäcke, passieren das kleine geschlossene Besucherzentrum und machen uns auf. Der Weg führt am Atna Fluss entlang bis zu einer Brücke.

Der Fluss ist ziemlich reißend, führt viel Wasser. Auf der anderen Seite geht es durch einen lichten Birkenwald. Bald geht es einen sehr steilen Moränenhang hinauf.

Das kostet richtig Körner. Wir trinken kurz, dann geht es über Matsch getränkte Wege über allerhand Wurzeln und Steine. Der lange Tag macht sich langsam bemerkbar. Ein letztes Mal machen wir noch Pause, dann geht es auf zum Endspurt zur Hütte. Das letzte Stück ist noch Mal eine kleine Herausforderung.

Es fängt an zu nieseln, die Steine werden rutschig. Nachdem es reichlich hoch ging, kommt nun die Hütte in Sicht. Allerdings geht es dorthin noch ziemlich steil zur Gammelsætra hinunter. Die Konzentration hat mittlerweile gewaltig gelitten, wir eiern ganz schön rum um hinunter zu gelangen.

Wir passieren die Alm, überqueren noch den Fluss und kommen dann zur Hütte. Ein ganz schöner Trum. Schön alt, aber auch mit einigen modernen Anbauten und einer Baustelle vor der Tür. Egal, wir holen uns zuerst eine Cola und bereden das weitere Vorgehen. Wir sind ziemlich fertig und beschließen auf dem Hütteneigenen Campingplatz zu übernachten. Wir können dann den Trockenraum nutzen. Gesagt getan, aber vorher hängen wir noch schnell den Rucksack an die Waage vor der Tür. Ich will es gar nicht wissen, der Zeiger schlägt bis auf 27kg ohne Wasser aus. Prost Mahlzeit.

Wir bauen dann das Zelt unterhalb der Hütte auf und bringen unsere feuchten Sachen in den Trockenraum. Vor der Hütte kochen wir dann, unterhalten uns noch mit einem britischen Pärchen. Dann geht es bald ins Bett. Wir lesen noch ein wenig, essen eine Schokolade und fallen in einen tiefen Schlaf. Ende gut, alles gut.

Tag 4 Dienstag 06.09.11 Bjørnhollia – Rondvassbu

Das Zelt geht am Morgen auf und die Sonne lacht. Herrlich, das verspricht einen schönen Tag. Der erste ohne Nebel.

Wir packen unsere Sachen bis auf das Zelt, das kann noch in der Sonne trocknen. Es gibt frischen Kaffee und die Vorfreude auf einen schönen Tag steigt. Wir reden noch mit zwei Deutschen Frauen, sie wollen in dieselbe Richtung wie wir.

Nach dem Frühstück holen wir dann das Zelt. Schnell noch Wasser aufgefüllt und Tee für unterwegs gekocht, dann geht es los.

Direkt nach der Hütte geht es steil den Berg hoch, anstrengend, aber die ersten Aussichten nach zwei Tagen Nebel entschädigen schnell.

Nach einer Weile helfen wir den beiden Frauen bei einer Bachüberquerung.

Dann geht es wieder ein wenig bergab durch das schöne Illmandalen, direkt am Fluss entlang. Am Ende geht es eine große, verblockte Moräne hoch.

Jetzt kommen die ersten Seen, an denen man wohl teils gut angeln kann. Wir beschließen bald Pause zu machen.
Jørn holt das erste Mal die Angel hervor und probiert sein Glück. Leider hat er keinen Erfolg. Schnell wird es allerdings kalt.

Als wir losgehen, kommen Mütze und Handschuhe zum Einsatz. Weiter geht es an den weiteren Seen entlang. Traumhaft schön hier. Die Berge herum ragen teils bis fast auf 2000m auf.

Wir treffen ein weiteres Deutsches Pärchen (immer wieder nett, wie gut man die eisten Nationen anhand ihrer Ausrüstung unterscheiden kann), quatschen kurz und weiter geht es.

Am letzten großen See kommen dann schon die hohen Berge rund um den Rondvatnet zum Vorschein.

Einfach toll jetzt ins Herz der Rondane zu gelangen. Schnell lassen wir auch den letzten See im Illmandalen hinter uns. Die Rondvassbu Hütte kommt in Sicht, es geht einen steilen Hang hinab. Wir beschließen auf der Fläche am Abfluss des Rondvatnet unser Zelt aufzuschlagen.

Durch die Büsche schlagen wir uns durch zur Brücke und finden bald schon ein nettes Plätzchen. Das Zelt ist schnell aufgebaut, die Berge ringsum wissen durchaus zu gefallen.

Wir wollen kurz zur Hütte rüber und uns ein wenig umsehen. Na gut, vielleicht springt ja auch noch ein Bier für uns heraus. Der Wind hat merklich aufgefrischt, das könnte heute Nacht windig im Zelt werden. Die Hütte ist sehr touristisch, was wohl an der Lage und der Straßenanbindung liegen mag. Drinnen herrscht eine gemütliche Stimmung und wir erkundigen uns nach Angelmöglichkeiten und ersteh noch Bier und Apple Cider.

Dann bestaunen wir noch kurz die Sommerfähre und trotten zurück zum Zelt. Kaum am Zelt beginnt es dann zu regnen. Egal, wir kriechen ins Zelt, kochen Real Turmat, dann Pudding und hinterher gibt es noch Salami. Dazu noch Bier und Apple Cider.

Wir lassen es uns beim prasselnden Regen gut gehen – das Leben kann so schön sein. Wir lesen noch, dann geht es auch bald schon in die Daunentüte. Ein toller Tag war das.

Tag 5 Mittwoch 07.09.11 Rondvassbu – Dørålseter

Was eine Nacht! Fürchterlich! Wir haben wohl mitten im Rondvatnet Windkanal gezeltet. Im Zelt kam es uns vor, als würde draußen ein Orkan toben. Ich sage mir immer nur, mit dem ganzen Zeug hier im Zelt werden wir schon nicht wegfliegen, so schlimm kann das gar nicht sein, und hab mich wieder in den Schlafsack gemuckelt. Über alles andere wollte ich gar nicht erst nachdenken. Trotzdem fand ich es gut, dass Jørn nachts (un-)freiwilig mal raus gegangen ist, um die Sturmleinen zu kontrollieren. Ein Freund, ein guter Freund! Die ganze Nacht stürmt und regnet es, als gäbe es kein morgen. Einige Böen sind echt heftig.

Am Morgen steht das Zelt dann da wie immer, gut gemacht, irgendwie beruhigend, dass es auch etwas härtere Gangarten artig wegsteckt. Das Wetter sieht gar nicht schlecht aus, die Sonne kommt raus und nur ganz oben in der Höhe verdecken Wolken die Berge rundum. Nun folgt wie immer die Lagerroutine. Kaffeekochen, Frühstück, Toilettengang, Sachenpacken.

Heute soll es in Richtung Dørålseter über den Rondhalsen gehen. Direkt nach dem Aufbrauch also ein paar hundert Meter den Berg hoch. Wir stiefeln los, überqueren einen Bach und passieren ein Lager Schüler, die wir gar nicht gesehen hatten. Haben sich gut getarnt mit ihren Helsport Tunnelzelten im Dutzend.

Es geht immer weiter hoch, die Aussichten sind Ausgezeichnet. Irgendwann verschlucken uns dann die Wolken und es fängt an zu Nieseln. Auch ist es deutlich kühler geworden. Oben auf dem Sattel halten wir uns mangels Ausblicken nicht lange auf und machen uns direkt wieder an den Abstieg.

Jetzt können wir sehen, was uns für den Rest des Tages erwartet. Auch der Blick auf den Rondvatnet und die Berge rundum entschädigen für den Aufstieg. Beim weiteren Abstieg machen wir noch ein Selbstauslöserfoto, ich lege mich dabei fast auf die Nase. Nicht zu empfehlen, wenn es nebenan steil den Abhang herunter geht. Wir setzen dann unseren Abstieg in Richtung des Rondvassdalen fort. Jørn hat leichte Knieprobleme, wir machen langsam. Insgesamt haben wir jeweils 1,5 Stunden für hoch und runter benötigt.

Unten angelangt entscheiden wir uns am Abzweig für die Winterrute in Richtung Dørålseter und gehen noch bis zum Bergedalstjønin See. Wir machen Pause, trinken Tee, genießen die Landschaft und versuchen ein Mal mehr vergeblich unser Angelglück.

Es geht dann weiter durch das Bergedalen. Traumhaft ist es hier, die Weite zu genießen, die Stille und die Berge. Über große Moränenterassen folgen wir dem Bergedalsbekken Fluss hinab in Richtung der Hütte.

Dann kommen wir zu einer großen Furt, bei der die Sommer und Winterrute wieder zueinander finden. Ein älterer Norweger müht sich schon eine ganze Weile mit der Furt ab, er hat weder Stöcke noch Watschuhe dabei. Uns gefriert schon bei diesem Anblick das Blut in den Adern. Wir entledigen uns unserer Hosen und Schuhe. Ich gehe voran, will von der Mitte und der anderen Seite Fotos von Jørn machen. Auf ins Gefecht, los geht es, ist wirklich gut kalt, für mich zu kalt.

Der Fotostopp in der Mitte fällt flach, ich ziehe es direkt durch. Der Norweger hat es mittlerweile auch geschafft. Zwischendurch hatte ich echt Angst um ihn, er hat so lange gebraucht und selten habe ich so viele norwegische Flüche gehört. Dann legt Jørn los und kommt rüber. Der alte Kneipp hatte recht, schnell fühlen sich die Füße besser an und es macht sich Wärme breit.

Das Fleckchen hier nah am Fluss ist wirklich schön, die Aussicht toll. Also steht schnell der Entschluss, hier zu bleiben und uns ein Fleckchen für die Nacht zu suchen. Das ist schnell gefunden und das Eigenheim steht wie immer rasch. Noch rasch Wasser geholt und die Socken durchgespült, schon beginnt es zu regnen. Super Timing. Wir ziehen uns ins Zelt zurück und kochen Jørns selbst aus China importierten atomisierten Chilli Nudeln im Zelt. Nicht schlecht, es öffnen sich Geschmacksknospen, die ich bis dato nicht kannte. Dann noch eine Tafel Sportschokolade und gemütlicher Ausklang des Abends bei Jo Nesbø sowie einem Schluck Lebenswasser aus Irland.

Tag 6 Donnerstag 08.09.11 Dørålseter – Haverdalsseter

Der neue Tag begrüßt uns mit strahlendem Wetter. Zwar ist es richtig kalt, aber die Sonne scheint und der Himmel ist blau. Nur ist es schweinekalt, das Außenzelt ist von Reif überzogen. Trotzdem, der Ausblick ist echt der Wahnsinn. Jørn hat schon wie fast jeden Tag Kaffee gekocht und es sich ein wenig entfernt vom Zelt in der Sonne gemütlich gemacht.

Ich trotte rüber, wir beide staunen über das tolle Wetter und freuen uns auf den Tag. Wir frühstücken in der Sonne, legen die Schlafsäcke zum trocknen raus und räumen dann wieder unsere tausend Sachen in die Rucksäcke. Der Tag verspricht viel, schnell los also. Zu Beginn geht es entlang des Doråe in Richtung der Dørålseter Hütte.

Der Weg ist ein wenig beschwerlich, es geht durch Birkenwald und matschige Wege. Aber wir wollen nicht klagen. Es geht über die Brücke und dann hoch zur Hütte. Wir checken die Wettervorhersage und gönnen uns eine Brause zur Stärkung vor dem Anstieg ins Dørålsglupen. Dann nehmen wir den Anstieg in den Angriff. Der Weg schlängelt sich langsam den Berg hoch, alles sehr moderat.

Der Blick zurück auf die Berge ist echt schön und entschädigt wieder mal für die Anstrengungen. Der Schweiß fließt in Strömen, die Sonne lacht. Dann sind wir im Paradies für Maurer. Nur Steine, Steine, Steine, in allen erdenklichen Größen und Formen. Wir suchen uns den Weg durch und über das Blockwerk, manchmal ist es nicht ganz klar woher es geht. Im Regen allerdings möchte ich nicht hier sein. Irgendwie ist es schon faszinierend, die Stille ist echt beeindruckend. Und wenn es dann mal wieder poltert, weil wir uns hier über die Steine quälen, halt es auf eine dumpfe spezielle Art, wie ich sie nur hier in solchem Gelände kenne.

Wie lange wir brauchen um durch zu kommen, weiß ich nicht mehr, aber es war ein toller Abschnitt. Der Abstieg dann gestaltet sich am Anfang mühselig.

Bald finden wir ein nettes Plätzchen und machen Pause, mit einer Aussicht in Richtung Dovrefell. Das Leben kann so schön sein! Tee, Minisalamis und Müsliriegel werden gereicht. Entspannung pur.

Wir beschließen die Pause und weiter geht es bergab entlang eines Baches in Richtung des Haverdalen. Als wir dann die ersten Blicke in das Tal erhaschen, haut es uns um, es ist einfach traumhaft hier. Uns kommen noch ein paar Wanderer entgegen, wir quatschen kurz und dann stehen wir schon unten an der Brücke über den Haverdalsåe.

Wir queren den Fluss und machen uns auf das Tal zu durchschreiten. Allerdings trügt der schöne Schein etwas, die nächsten Stunden quälen wir uns über matschige Wege entlang des Flusses. So mancher Fluch kommt über unsere Lippen als wir uns voran quälen. Irgendwann dann verlässt der Weg den Fluss und wir entfernen uns etwas.

Die Wege werden leicht besser, wir bekommen die ersten Kühe der Alm zu Gesicht. Auch in Elch zeigt sich kurz, nimmt dann aber die Hufe in die Hand. Langsam kommt dann auch die Alm in Sicht.

Wir laufen ein Stück die Straße entlang und kehren ein. Die Sonne lacht, die Anstrengungen des Tages sind schnell vergessen und wir stoßen bei zwei leckeren Halben an. Ein toller Tag.

Wir versuchen noch ein wenig Almkäse abzustauben, haben aber zuerst kein Glück. Kurz bevor wir aufbrechen wollen, um uns einen Lagerplatz zu suchen, versuche ich es nochmal. Mein radebrechendes Norwegisch scheint dann doch wunder zu wirken, wir bekommen noch ein wenig Käse, allerdings keinen Almkäse, sondern den normalen vom Frühstückbuffet.

Aber egal. Nach der wirklich schönen Einkehr auf der Alm gehen wir wieder ein Stück zurück und schlagen unser Zelt auf. Ein tolles Panorama erschließt sich uns hier, da kann man es aushalten.

Es gibt heute wieder Real Turmat zu Abend. Wir machen es uns vor dem Zelt gemütlich und genießen den Rest des Tages. Gegen 20:00 Uhr wird es dann wieder ziemlich frisch, ab ins Zelt, noch Lesen, Rittersport und Lebenswasser. Sov godt

Tag 7 Freitag 09.09.11 Haverdalsseter – Grimsdalshytta

Der nächste Tag beginnt wieder schön sonnig. Gegen 8:00 Uhr stehe ich auf und gehe zum Buffet vor dem Zelt. Es gibt wie fast immer Schwarzbrot mit Kümmelkäse und dazu einen Kaffee. Das weckt die Lebensgeister.

Gegen 10:00 Uhr ist dann wieder alles eingepackt und wir folgen dem Gravbekken Bach bergan in Richtung des Storvattnet. Wir passieren noch den Wegweiser zu alten Rentierfanggruben, entscheiden aber, weiter zu gehen.

Die Etappe heute ist kurz, wir sind schnell am See und machen ausgiebig Pause. Jørn gibt wieder den Petrijünger und ich genieße einfach das Wetter, die Ruhe, einfach mal ein wenig Urlaub vom Urlaub. Herrlich und schön entspannend. Der Alltag könnte nicht weiter weg sein.

Leider haben sich auch dieses Mal unsere Angelbemühungen bis zu diesem Fischhabitat herum gesprochen, ein Erfolg will sich einfach nicht einstellen, die Fische sind wo anders unterwegs. Nun denn, dann können wir auch weiter gehen und starten weiter gen Grimsdalen, dem längsten Almtal Norwegens.

Der Weg ist wie immer steinig und schlammig, aber da es nur leicht ansteigend ist, bequem zu gehen. Einige Zeit später stehen wir hoch über dem Grimsdalen und genießen einmal mehr die Aussichten.

Nach kurzem Verweilen geht es an den Abstieg in Richtung der Grimsdalshytta. Vorbei wieder an alten Rentierfanggruben sehen wir den langen Abstieg zur Hütte.

Auf dem Weg nach unten kommen wir an einigen Schafen vorbei. Zwischendurch treffen wir noch Dag, einen Norweger, der die nächsten Tage dieselbe Route vor sich hat, wie wir, nur von Hütte zur Hütte. Nach kurzem Schnack empfehlen wir uns und steigen weiter ab. Bald schon kommen wir in einen lichten Birkenwald und sind dann auch schon an der Brücke über den Fluss.

Auf der anderen Seite befindet sich ein primitiver Campingplatz, auf dem wir die Nacht verbringen wollen. Er bietet einige Feuerstellen, ein Klo und Campingtische und Bänke. Auch Dauercamper gibt es hier. Was will man mehr. Schnell ist mobile Heim wieder errichtet. Wir kommen auf den irren Gedanken, ein Bad im nahen Fluss zu nehmen. Um es gleich zu sagen, es war unfassbar kalt. Wir springen rein und noch bevor das Wasser auch nur die Chance hat, seine reinigende Wirkung voll zu entfalten, sind wir auch schon wieder raus. Wir sind echte Warmduscher, richtige Memmen, aber wir haben es probiert.

Auf jeden Fall hat die Aktion unsere Lebensgeister geweckt und wir beschließen, der etwas oberhalb gelegenen Hütte einen Besuch abzustatten. Schnell noch die Ausgehkleidung aus dem Koffer gezaubert und schon sind wir oben. Wir erkunden kurz das Angebot der Hütte. Unter anderem kann man hier auch Gaskartuschen mit Schraubgewinde nachkaufen, gut zu wissen. Der Akku der Kamera samt Ladegerät verbleibt zwecks Aufladung über Nacht in der Hütte. Da wir schon mal sind, genießen wir noch den Ausblick von der Terrasse bei einem leckeren Ringnes.

Zurück am Zelt versucht Jørn Fische zu fangen, aber das Ganze wird langsam zu einem Runninggag ohne Erfolg. Was soll‘s. Ich koche Erbswurst mit Reis und Linsen, diese lukullische Offenbarung lässt wenig Luft nach Oben. Schnell wir es dann richtig kalt und ungemütlich, gegen 20:00 Uhr treibt es uns unter Deck und wir entern die Kojen. Ein wenig Bettlektüre und dann liegt auch schon bald ein weiterer Tag hinter uns.

Tag 8 Samstag 10.09.11 Grimsdalshytta – Hjerkinn

Oh man, ganz schon kalt und vor allem feucht hier, schießt es mir morgens durch den Kopf. Die Nacht war schön frisch, draußen ist alles angefroren und hier im Zelt haben wir eine kleine Tropfsteinhöhle. Mächtig viel Kondens hat sich im Zelt gebildet, die Schlafsäcke haben einige abbekommen. Egal, ich dreh mich noch mal um und warte auf den Zeltzimmerservice.

Gegen 8:00 Uhr ist es dann soweit, der Kaffee lockt mich aus dem Zelt. Es ist schweinekalt, das Wetter allerdings zeigt sich von seiner guten Seite. Die Schlafsäcke kommen zum trocknen in die Sonne und wir bereiten uns Porridge zu. Wir haben zwar Butter, Zimt und Zucker dabei, aber ich gebe es zu, nach einer Weile geht mir insbesondere die Morgenverpflegung auf den Keks, ich tue mich mit der Zeit immer schwerer, morgens halbwegs ordentlich zu essen. Ich zwinge mir noch einen Schwarzbrot-Butter-Käse Bausatz rein und dann wird mal wieder das Lager im Rucksack verstaut.

Wir machen uns wieder auf hoch zur Hütte, wo noch das Ladegerät samt Akku eingesammelt wird. Auch kaufen wir zur Vorsicht noch eine Gaskartusche und etwas Käse fürs Frühstück.

Dann empfehlen wir uns und nehmen hinter der Hütte den Weg nach Hjerkinn in den Angriff. Der Weg führt zunächst oberhalb des Tals des Tverråi. Eine tolle Aussicht auf den Fallfossen Wasserfall bietet sich uns dabei. Das Wetter präsentiert sich in Bestform, der Schweiß fließt schnell in Strömen.

Zu allem Überfluss kommen wir dann zu einem Quertal, dass durchquert werden will. Das heißt zuerst steil bergab und dann wieder steil bergauf. Hey, super, da hab ich mich schon den ganzen Morgen drauf gefreut. Was soll’s, nütz ja nichts. Schnell sind wir unten, trinken einen Schluck und steigen dann wieder auf.

Es ist immer dasselbe, man denkt, so ein Mist, aber dann geht es doch wieder schneller als gedacht. Jørn ist am Berg eindeutig schneller und ist schon oben. Einige schwarze Schafe tauchen auf, sind ziemlich zutraulich.

 

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Wir lassen die Schafe hinter uns, kommen wieder ins Fjell. Die Weite ist echt beeindruckend, es macht richtig Spaß. Weite Flächen liegen vor uns, der Weg ist einigermaßen entspannt und es macht unendlich viel Spaß, immer wieder halten wir inne und genießen es einfach hier zu sein. Der Weg führt uns um den Steinbuhøe und wir kommen ins Gautdalen mit der Gautåe, einen etwas breiteren Bach den wir rasch überwinden. Kurz nach der Bachquerung machen wir Pause. Von hier aus sollte es nicht mehr weit bis Hageseter sein.

Viele Lemminge gibt es an unserem Pausenplatz, überall quiekt es und die kleinen Nager rennen scheu umher. Nach der obligatorischen Kanne Tee und den Minisalamis geht es dann weiter. Oberhalb des Baches geht es nach der Pause weiter. Das Gelände steigt ein wenig an, dann geht es abwärts nach Hageseter. Wir bekommen ein paar schöne Aussichten auf Snøhetta und die umliegenden Berge.

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In Hageseter schließlich machen wir es vor dem Campingplatz auf einer Bank am Fluss gemütlich und holen uns im Shop eine Cola. Es ist noch früh am Tag und der Campingplatz sagt uns nicht so zu. Wir wollen weiter bis nach Hjerkinn. Kurz quatschen wir noch mit ein paar Anglern, holen uns Tipps und dann geht es weiter.

Irgendwie bin ich dann ein wenig schlecht gelaunt, keine Ahnung warum, eventuell weil wir den Weg nicht richtig finden, ich weiß es nicht. Ich trotte hinter Jørn her, wir schlagen uns durchs Gelände und kommen zur alten Straße nach Hjerkinn. Da wir keine Lust mehr auf Experimente haben, folgen wir ihr bis Hjerkinn.

Eine dreiviertel Stunde später sind wir dann an der Fjellstue, die eher einem großen Reiterhof als einem Campingplatz gleicht. Von hier aus werden Reittouren ins Fjell angeboten.

Der Check-In ist schnell erledigt und das Zelt steht auch schnell, wir sind die einzigen Camper. Die erste Dusche nach einer Woche ist eine Offenbarung, richtig heiß, umsonst und so lange wie man mag. Unbeschreiblich toll. Auf der Terrasse entspannen wir dann noch in wenig und ich bin freudiger Erwartung auf die Bundesligaergebnisse.

 

Am nächsten Tag soll es ins Reich der Moschusochsen gehen, wir planen noch herum, holen uns Chips und Bier und gehen dann zum Zelt. Es gibt leckere Zwiebelsuppe und Real Turmat. Ein Deutsches Pärchen kommt noch zum Zelten nach nebenan, sind mit dem Auto unterwegs und unterhalten uns beim Essen durch ihre sehr konträre Art. Sie sehr burschikos, anpackend, er gemütlich bis zur Lethargie. Eine gute Mischung. Dann wird es ganz schnell ganz kalt. Das übliche Abendprogramm folgt und alsbald ruft die Luftpolstermatte.