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Norge på langs

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Auch die schönste Seereise der Welt geht leider einmal zu Ende. Aber es war wirklich so super, soviel tolle neue Eindrücke und Ausblicke, einfach total schön Norwegen mal vom Wasser aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Aber bevor ich heute das Schiff verlassen habe, hat mich gestern mein Kumpel Ulrich in Trondheim auf dem Schiff zum Frühstück besucht. Darauf  hatte ich mich schon sehr gefreut, hat er mir doch den NPL Floh vor einigen Jahren ins Ohr gesetzt, er ist quasi schuld an der ganzen Geschichte. Er ist am Freitag zu einer Wandertur in Trollheimen aufgebrochen und da ich davon wusste, habe ich, rein „zufällig“ natürlich, die Bootsfahrt so gewählt, dass ich ich ihn treffen kann. Toll mal wieder ein bekanntes Gesicht zu sehen und all die Erlebnisse zu berichten 😉

Gestern dann habe ich dann an Bord noch einen kleine Vortrag ueber meine Tour gehalten. War ziemlich komisch von der Tour in der Vergangenheitsform zu erzaehlen, und dann auch noch auf Englisch und Deutsch gleichzeitig. Aber scheinbar war meine Begeisterung fuer Norwegen und die Tour doch sehr ansteckend. Skål 😉

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Heute kamen wir dann in Bergen an, war wirklich etwas komisch, vor der Tour war ich im Mai bei super Wetter schon hier. Als wir das Schiff verlassen, steht ein Kamerateam von TV2 vor dem Schiff. Vor der letzten Abfahrt in Bergen gab es scheinbar irgendwelche Probleme mit Fischgeruch an Bord. Und wen befragen sie dazu natürlich, mich. Sage, dass ich es nicht wargenommen habe. Aber dann wollen sie natürlich wissen, wieso ich so „komisch“ aussehe. Ungläubiges Staunen, aber jetzt haben sie wohl eine andere Story im Kasten, nachdem sie mich ausgefragt haben 😉

Wo wir schon bei komisch sind. Wer sich mal so richtig merkwürdig fühlen möchte, der sollte sich doch mal einen langen roten Bart wachsen lassen und Samstag nachmittags mit einem riesen Rucksack und einem gro?en Rentiergeweih in der Hand in die Innenstadt einer beliebigen Grossstadt begeben. Die Blicke waren schon sehr, sehr verwirrt. Jeder hier ist so cool und so auf sein Aussehen bedacht, was ein Kulturschock. Und wo wir dann schon mal bei großen Städten sind. Dieses ganze Gewusel, die vielen Leute, Autos, Ampeln, die Eile in der alle sind, das stresst mich irgendwie total. Bin verwirrt und planlos durch die Stadt gelaufen ohne zu wissen, was ich wirklich will. Im letzten Jahr war ich nach fünf Wochen in den Bergen wieder in Oslo, da hab ich es kaum ausgehalten und habe mich für die übrigen zwei Tage in die Nordmarka verzogen. Ist schon komisch, Bergen ist so toll und hat so viel zu bieten, aber nach so langer Zeit auf Tur ist das einfach total komisch. Nach jeder langen Tour bekomme ich irgendwie dieses Gefühl und brauch ewig, mich wieder daran zu gewöhnen. Stellt sich mir nur die Frage, ob ich das wirklich will? Oder möchte ich lieber irgendwann weit weg von all dem „Stress“ leben? Keine Ahnung…

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Aber dafür habe ich hier ein schönes Buch über NPL bekommen, viele Fotos kommen mir darin schon sehr bekannt vor 😉 Will eigentlich wer so etwas auf Deutsch lesen? Haette da wohl auch ein paar Bilder und Geschichten, aber wer will sich denn bloss all das Zeug ansehen und durchlesen?

Morgen früh geht es dann weiter, die Bergenbahn ruft morgen früh um acht Uhr. Weiter geht es mit der Rückreise. Das nächste Highlight, ab über die hoffentlich schneebedeckte Hardangervidda 😉

Es ist zwar meine erste längere Seereise, aber tatsächlich ist es schon jetzt für mich die schönste Seereise der Welt!

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Den ganzen Tag lang fahren wir mit der rüstigen Lady Lofoten durch eine einzige Postkarten Landschaft. Es ist unglaublich schön und dramatisch. Was soll das bitte toppen? Und dann reisen auch noch der König und ein Eisbär mit uns. Nee, ich glaube da kommt so schnell nichts ran.

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Nach der vielen Zeit in Fjell og Vidde ist das Meer einfach toll. Kleine Fischerboote und Dörfer, schneebedeckte Berge, die Sonne und ab und zu laufen wir kleinere und größere Häfen an.

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Hier steigen dann Passagiere ein oder aus, es wird in den Häfen Fracht geladen und gelöscht. Im Moment steht zum Beispiel eine kleine Yacht neben zwei Paletten Fisch auf dem Vorderdeck. Das alles hat so etwas altmodisches, traditionelles. Was für einer schöne, entspannte Art des Reisens.

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Und dann ging es gestern noch bei untergehender Sonne durch den Raftsund und in den Trollfjord. Schon schön* 🙂

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So, jetzt aber ’nen Kaffee geholt, ein paar Fotos gemacht und die Landschaft genießen 😉

Next port of call will be Brønnøysund!

Irgedwie passt der Text bzw. Titel doch ganz gut zu dieser Reise 😉 Gestern morgen um 5:00 Uhr bin ich durch den herannahenden Sturm gestapft, Schneeflocken wirbelten umher und alles war überzuckert. Gegen 6:00 Uhr kam dann die Lofoten und ich schiffte ein, schon gespannt was meine erste Hurtigrutenpassage so für mich bereit hält. Zuerst kurz die gemütliche Kabine bezogen und dann erstmal einen Kaffee. Da kann man hier so einen netten Becher erwerben und so viel Kaffee trinken wie man mag, ich muss also immernoch in Norwegen sein 😉

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Dann ging es los und ich ließ mich ein wenig von der Fotografierlaune der anderen Passagiere anstecken. An Motiven mangelt es hier jedenfalls nicht. Es ist reichlich Schnee gefallen und alles erinnert schon an den heran nahenden Winter. Ein Traum!

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Den Tag über verbrachte ich dann damit, herauszufinden, ob ich Seemannsbeine habe. Bisher geht es ganz gut, auch wenn es manchmal schon gut schaukelt. Die Fische hab ich auf jeden Fall noch nicht gefüttertert! Einen kurzen Landgang gab es dann in Hammerfest.

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Wollte nach einem Buch über Norge på langs schauen, das gab es hier leider nicht. Aber Julias Buch “Fjelltopper over 2000m“ gibt es in Norwegen scheinbar in wirklich jeder Buchhandlung von Lindesnes bis zum Nordkap 😉

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Für mich ist die Reise noch etwas ungewohnt, viel Zeit zum Entspannen, Nachdenken und reichlich tolles Essen! Aber irgendwie fehlt mir das Wandern und Chilli con Carne von RealTurmat im kalten Zelt doch schon viel mehr als gedacht. Werd ich halt zu Hause erst mal im Zelt wohnen und die restlichen RealTurmats essen 😉

Mehr Fotos der ganzen Reise auch unter:

http://www.instagram.com/simonpatur

Ich bin echt platt! Lange Zeit wusste ich weder ob ich am Nordkapp je ankommen werde noch wie um alles in der Welt ich wieder zurück kommen soll. Das Nordkapp hab ich am Samstag ja schon mal gut und sicher erreicht 🙂

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Und die Rückreise ist nun auch unter Dach und Fach! Ich werde morgen früh gegen 6:00 Uhr hier in Honningsvåg das Hurtigruten Schiff MS Lofoten besteigen und mich auf gen Süden machen!

Von Bergen geht es dann am Sonntag mit der Bergensbanen weiter nach Oslo und am Montag werde ich dann die Fähre von Oslo nach Kiel nehmen 😉

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Was für ein Abschluss einer solchen Reise, mehr geht nicht und für mich geht damit ein weiterer grosser Traum in Erfüllung! Das wird sicher eine ziemlich spannende Reise, mit vielen tollen Eindrücken und Bildern! Ich freu mich sehr darauf!

Vielen, vielen Dank an HURTIGRUTEN und die NSB für diesen Abschluss der Reise! Das ihr mir das ermöglicht, es ist echt der Hammer!

Danke auch dem ganzen Team von VisitNorway für die Unterstützung waehrend der langen Reise von Lindesnes bis hierher!

DANKE! DANKE! DANKE! Ich bin total ueberwaeltigt, ob der ganzen Rueckmeldungen, Kommentare, Gruesse usw. die mich bisher erreicht haben – es ist echt unfassbar! Und das nur, weil ich ein bisschen durch die Gegend gewandert bin, ich kann es echt kaum glauben!

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Stellvertretend moechte ich kurz eine Nachricht posten, die mich gestern aus der Schweiz erreicht hat und die mich echt bewegt hat, oft ist der Blickwinkel von Aussen doch ein anderer, als der, den man selbst hat! Danke Martin fuer deine Worte und all deine Hilfe, ich glaube, dem hier ist kaum etwas hinzuzufuegen:

Hallo Simon!
Was für ein Tag !!!
Ich ziehe meinen Hut und verbeuge mich vor dieser Leistung, was für ein Lauf! Ich gratuliere Dir ganz herzlich zu Deinem vollendeten Norge på langs, dass hast Du super gemacht.
Ich glaub in all den Jahren seit ich mich mit der Tour befasse, und speziell im 2013, gab es niemanden dem ich es mehr gegönnt habe durchzukommen als Dir.
Was habe ich in den letzten Wochen gezittert, schafft er es oder schafft er es nicht. Natürlich habe ich niemals daran gedacht ob Du es nicht machen kannst, sondern, ich wusste ja bis vor ein paar Wochen nicht, dass Du kein Zeitlimit hast. Ich dachte die ganze Tour über, Du müsstest an Deinem Geburtstag zurück und seist dadurch limitiert. Das hat Nerven gebraucht
Es ist nahezu unglaublich, mit welcher stoischer Ruhe Du die Tour hinter Dich gebracht hast Simon, wirklich ganz grosses Kino. Du hast Dich nicht unter Druck setzen lassen, bist mal hier durch Femunden, oder hast doch den Umweg hinter Bolna gemacht, bist hier 2 Tage geblieben usw.
Wer den Blog liest, hat das Gefühl, buah…. der Junge macht das mit links. Wenn ich dann Deine Nachrichten bekam, konnte man dann doch ab und zu zwischen den Zeilen die Anstrengung lesen, die Frage, schaff ich das oder klappt das wirklich so wie ich will? Aber Du bist Deinen Weg gegangen und hast es wirklich geschafft.
Gerade ich, weiss und es wurde mir sehr bewusst, wie viel Glück man für eine „Sommerdurchquerung“ haben muss. Es braucht so unendlich wenig und das ganze Experiment liegt im Keller, aber auch hier hattest Du das Glück des Tüchtigen! Mehr als ein Drittel aller NPL `er sind dieses Jahr aus diversen Gründen gescheitert, so viele wie noch nie, das sagt doch was aus.

Simon, Du hast schlussendlich auch mein Jahr mit Deiner Tour gerettet. Als ich zurückkam, war selbstverständlich die Freude nicht allzu gross, obwohl es sich ja schon lange abgezeichnet hat und spätestens in Sulitjelma Schluss gewesen wäre, doch ich biss mich jeden Tag hinter Deine Tour. Kein Tag ohne dass ich nicht andauernd mit Dir mitging, ich hatte schon das Gefühl mitzulaufen Es hat riesig Freude gemacht Deine Tour zu verfolgen, auszurechnen wie es wohl besser weitergehen würde, was hat er wohl für Wetter usw. Ein Wunder dass ich nicht noch Muskelkater bekam. Ich glaub ich kann heute behaupten, ich könnte die Tour ohne Karten laufen. Gerade die zweite Hälfte hat sich durch Dich richtig in mein Hirn gebrannt, ich sehe Deinen Weg vor meinen Augen. 

Gerade letzte Woche bekam ich die letzten Rückschubpakete aus Norwegen zurück, was für ein Erlebniss diese auszupacken, all die Erinnerungen, die Emotionen!!

Simon, ich wünsche Dir nun eine tolle Heimreise, da wird ja dafür gesorgt, geniess die letzten Norwegen Tage! Ich wünsche Dir auch einen guten Start zuhause, vieles wird jetzt ein wenig anders sein, der Blick im Leben verändert sich nicht unwesentlich zum Positiven. Ich hoffe Du geniesst die Erinnerungen, sei es auf Bild oder im Kopf … Ich wünsch Dir auch viel Spass, die ganze Geschichte nun etwa 2754 Mal zu erzählen und c.a. 5289 Mal die gleichen Fragen zu beantworten.

Ich muss mir nun überlegen was ich ohne Deinen „Spot“ jeden Tag machen soll, dass wird ja langweilig!

Mach`s gut und komm gut nach Hause!

Hilsen fra Sveits

Martin

Vielen Dank dafuer Martin! Die Reise ist noch nicht zu Ende, der SPOT wird euch noch ein paar Tage begleiten und es ist bestimmt noch lange nicht Schluss mit Eintraegen, Berichten, Fotos usw. zu und ueber die Tour! Ich hoffe ihr bleibt dran, es gibt noch viel zu erzaehlen, noch viel zu sehen und zu berichten! Und noch mal: DANKE! DANKE! DANKE! Nach der Reise ist vor der Reise!

Hilsen fra Nord-Norge

Simon

Unglaublich! Unfassbar! Wer hätte das wirklich gedacht, ich habe es tatsächlich endlich geschaft! All die Mühen haben sich gelohnt, nach 140 Tagen auf Tour bin ich heute endlich am Ziel angekommen! Ich bin echt sprachlos!

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Vielen, vielen Dank an meine Familie, meinen Freunde und allen die mich tatkräftig bei der Tour unterstützt, an mich gedacht und an mich geglaubt haben! Mir Mails, SMS, Kommentare oder „likes“ gesandt haben! Ihr seid die Größten! Es hat sich alles so sehr gelohnt, ein großer Traum ist heute in Erfüllung gegangen! Am Nordkap, zu Fuß, der Wahnsinn!

Heute hat es mich quasi von der Strasse weggefegt. Unglaublich das Wetter hier. Es windet ziemlich, bis auf 8 Beaufort! Das heisst glaub ich dann Sturm. Hab gestern gebannt das yr.no Wetterapp verfolgt, aber es nuetzt nichts, hier ist halt jetzt gerade Sturm angesagt. Bin heute morgen dann doch mal losgezogen, so schlimm kann das ja gar nicht sein. Die Frau an der Rezeption fragte mich zwar, ob ich die Nummer vom hiesigen Rettungsdienst kennen wuerde, aber hey, Versuch macht klug. Also los, aber schon auf Hoehe des hiesigen Flughafens bekam ich es deutlich zu spueren, ziemlich steife Briese hier! Die Fluege hier fallen hoffentlich heute hier aus, ich moechte hier heute nicht landen muessen!

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aktuelles Wetter hier

Bin dann noch weiter hoch ins Fjell gelaufen, der Wind wurde immer staerker. Problem hier ist dazu, dass alle Campingplaetze dicht haben, teilweise schon seit Anfang September. Ich haette heute also auf alle Faelle zelten muessen, aber da ich leider kein Borge-Ousland-Antarktis-Expeditions-Geodaeten-Gedaechtniszelt dabei habe, dachte ich, das koennte echt doof werden. Der Wind macht aus meinem netten kleinen Zelt direkt beim Aufbauen einen Lenkdrachen. Als dann auf etwa 200moh bei krassem Wind und Hagel der erste Norweger im Auto anhielt und fragte, ob ich den Wetterbericht gelesen habe, bekam ich doch leichte Zweifel. Aber trotzdem noch ein Stueck weiter. Immer schoen gegen den Wind nach vorne gelehnt. Die Hurtigruten Busse mit den Touris zum Nordkapp fuhren dann auch an mir vorbei, die muessen echt gedacht haben, ich haette sie nicht alle auf dem Zaun.

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Bei KM19 bis zum Nordkapp hielt dann ein deustches Wohnmobil und ein Paar erkundigte sich nach meinem Befinden, schreiend haben wir uns kurz unterhalten, sie wuerden mich auch gerne auf dem Rueckweg vom Kapp wieder mit nach Honningsvåg zurueck nehmen. Noch ungefaher 1km weiter hat es mich dann fast weggelasen. Ein aelteres norwegisches Paar hat mich dann bestimmt ueberredet, zumindest bis nach Skarsvåg mitzufahren. Also gut. Auf der Fahrt habe ich mir dann so gedacht, was das hier eigentlich soll. Also haben sie mich am Abzweig nach Skarsvåg abgeladen und ich bin nett mit Mutter und Tochter im Audi nach Honningsvåg zurueck getrampt. Die Beiden dachten auch ich waere etwas verrueckt. Also wieder ab in die Jugendherberge. Morgen sammelt mich Matthias hier ein und wir werden irgendwie die letzten Kilometer hinter mich bzw. uns bringen. Und wenn ich neben dem Bulli herlaufen muss 😉

Ansonsten kann ich fuer morgen nur die Webcam am Nordkapp empfehlen, irgendwann in der Mittagszeit sollte es dann soweit sein 🙂

Da bin ich nun, in Honningsvåg, ziemlich nördlich. Wenn mir das wer im Mai erzählt hätte 😉

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Bin zwei Tage lang dem E1 gefolgt, oder besser gesagt den Rentierzäunen, die den E1 hier markieren. Ging ganz gut, das Wetter war soweit okay, nur nachts war es mitunter gut frisch. Ein dicker Daunenschlafsack ist da schon was Feines. Gestern gingen mir auf einmal die Markierungen aus, hab wohl geträumt, bin dann nach GPS gelaufen, klappte gut. Habe dann kurz vor dem Nordkapptunnel gezeltet. Was dann abends so gegen halb zehn los war, unfassbar. Habe mit offenem Mund vor meinem Zelt gestanden, mir einen abgefroren und die bisher spektakulärsten Nordlichter gesehen! Was ein Spektakel, es war so toll!

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Heute dann bin ich durch den Nordkapptunnel gelaufen. Ziemlich komisches Gefühl, die LKWs brausen neben einem her und man läuft auf dem Seitenstreifen durch diese dunkle, laute und kalte Röhre. Aber nach gut 90 Minuten war das dann überstanden und ich hab spontan meine Pläne etwas geändert.

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Da die Rückreise erst am 15. startet und ich am Samstag mit Matthias für die letzten Kilometer verabredet bin, hab ich jede Menge Zeit. Von daher ab in die Jugendherberge hier, Sachen trocknen und Ruhetag morgen. Den Rest dann Freitag und Samstag eher spontan 😉

Wer sich fragt, wo ich stecke, irgendwie funktioniert der SPOT hier manchmal nicht. Vorgestern war ich im Motel von Skaidi, die teuerste Übernachtung bisher, aber dafür ein schön großes Zimmer mit Aussicht auf den örtlichen Bauhof 😉

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Gestern dann bin ich die E6 entlang gen Olderfjord gelaufen. Dort hat mich dann Matthias eingesammelt. Er ist vor kurzem mit seiner Frau Steffi nach Stabbursnes ausgewandert. Schön die beiden zu treffen und lange zu quatschen.

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Die beiden wohnen hier bei Marit Holm, die wiederum hier Schlittenhunde hat, mit denen wir gleich eine Trainingsrunde drehen werden. Marit ist ziemlich krass drauf, sie hat zusammen mit Lars Monsen ein Jahr lang Alaska durchquert! Norwegen ist voll von spannenden Leuten 😉

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Heute dann geht es an den Endspurt. Werde von der E6 bei Olderfjord aus dem E1 Wanderweg hoch gen Nordkapp folgen. Ich muss auch noch den Auto-Tunnel zur Nordkappinsel durchqueren, ungefähr 6km lang und bis zu 200m unter dem Meer durch. Am Nordkapp will ich am Samstag sein und damit mein Ziel dann erreichen! Es bleibt spannend!

Ich weiss nicht so recht, wie ich anfangen soll, was ich schreiben soll. In meinem Kopf rasen tausend Dinge, tausend Eindruecke, tausend Gedanken! Zu erst einmal vielen lieben Dank fuer all die Glueckwuensche, Nachrichten und Gruesse auf welchem Weg auch immer zu meinem Geburtstag! Ich hab mich total gefreut! (Nur die SMS und Anrufe auf meine deutsche Nummer muessen noch warten – habe die SIM Karte irgendwo zwischen Rondane und Jotunheimen verloren 😉 )

Am Geburtstag bin ich etwas vom Schnee ueberrascht worden. Das Eis im Bart war eine neue Sache, hatte ich vorher so noch nicht. Bin dann ueber die Grenze zurueck nach Norwegen gelaufen. Auf der Somashytte hab ich dann einen ruhigen Tag verbracht, nur Holz musste ich noch sägen und spalten. Zur Feier des Tages gab es einen grossen Löffel Butter extra in die Nudeln 😉 Um neun war ich im Bett.

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Ohne Worte

Die nächsten Tage waren eine ziemliche Herausforderung, fuenf Tage weglos, nur nach Karte, Kompass, GPS. Und das fuer mich, der nicht mal richtig mit dem Kompass umgehen kann. Erst zur Nedrefosshytta, der weglose Abstieg runter zur Huette war mehr als halsbrecherisch, und dann quasi ganz ohne Karte gen Alta, nur die Topo auf dem GPS. Die Karten lagen ja in Maze, dort wo sie Björn Klauer hingesandt hatte. Habe mich aber nach Beratung durch Martin (fetten Gruss fuer die ganze Hilfe in die Schweiz) und einigem Ueberlegen, entschieden, direkt nach Alta zu laufen. Hab tagelang darueber nachgedacht und ordetlich Respekt davor gehabt.

Der Schnee hätte mich fast davon abgehalten, nur hatte ich dann gar keinen Schnee in den vier Tagen nach Alta. Also los, hat dann sehr viel besser geklappt, als gedacht. Nur zwischendurch eine neue Erfahrung, mitten im Nebel bei Sicht gleich null nur nach Kompass und GPS zu laufen. Keine Ahnung wie gross die Gegend zwischen dem Reisadalen und Alta ist, aber ich finde ziemlich gross. Und ausser Rentieren trifft man da nicht so viele Leute. Der Sonntag war dann der Knaller, morgens leicht bedeckt, zwischendurch Wolken aber ab Nachmittags sau kalt und blauer Himmel. Nachts dann Polarlichter ueber dem Zelt. Morgens dann frueh aufgestanden und einen der tollsten Sonnenaufgänge der ganzen Tour gehabt. Insgesamt kann ich gar nicht alle Fotos und Eindruecke hier wiedergeben, es waren die wohl intensivsten Tage der ganzen Tour. Unfassbar. Ich bin total „geflasht“ wie man so schön sagt.

Heute lege ich hier in Alta einen Ruhetag ein und plane die wohl letzte! Etappe der Tour! Nur noch rund 250km sind auf der Uhr! Mal sehen wie das so wird, komisches Gefuehl, so langsam muss ich mich wohl echt mit der Rueckreise beschäftigen. Vorher schaue ich mir aber noch das Nordkapp an.

Ich will auch gar nicht weiter mit Geschreibsel nerven, davon wird es wohl irgendwann noch mehr als genug zu lesen geben, wo und wie auch immer, aber jetzt gibt´s Fotos – viel Spass damit! Ich schreib hier noch ein paar E-Mails und dann pluendere ich bei Pepe´s Pizza das Buffet 😉

 

Nun also Lapland. Nach dem ganzen schönen Wetter war es in der letzten Woche ab der Voumahytta ziemlich nebelig und wolkenverhangen. Wie da so ein Tag aussieht, habe ich ja gestern beschrieben. Gestern bin ich dann in Kilpis angekommen. Finnland nun. Und ich versteh rein gar nichts. Nur die Preise hier erkenne ich gut, Euro seid dank. Auch muss man nichts mehr umrechnen und man bekommt nicht bei jedem Einkauf Herzrasen. Nur einen kleinen Jet-Lag von der Zeitumstellung habe ich. EIne Stunde weniger gestern.

Die Tour gestern fuehrte mich vorbei am Dreiländereck Schweden, Norwegen und Finnalnd, dem Treriksrøysa

Wieder ein kleiner Meilsenstein auf dem Weg gen Norden. Das Wetter aber war nicht so feierlich. Hinzu kam, das ich mir morgens völlig dämlich das Knie angehauen habe. Bei der Suche nach dem Weg, bin ich auf einen grossen Stein gestiegen, ausgerutscht und voll aufs Knie geflogen. Aber nicht passiert, ausser einigen sehr lauten Fluechen und ein paar bunten Farben am Knie. Aufstehn, weitermachen und Abends ein Bier in der Sauna zum kurieren 😉

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Treriksrøysa

Die Sauna nach der Tour gestern war super, das gibt es heute wieder. Inklusive deutschem Bier – HOLSTEN aus der Dose! Dazu noch all-you-can-eat Buffet. Heute habe ich mir im nahen Supermarkt die fehlenden Karten besorgt und mir Essen fuer die nächste Woche besorgt. Die wird spannend. Je nach Wetter usw. wird es einige Tage offroad gehen. Aber mit viel Glueck werde ich in ca. 10 Tagen in Alta oder Maze sein. Vermutlich eher Maze, dorthin sind hoffentlich meine Karten von Björn Klauer aus hin gesandt worden und es gibt auch einen kleinen Supermarkt.

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Ich darf heute hier den Computer nutzen und schreibe einige E-Mails und so weiter. Das Wetter draussen ist auch eher Waschkueche. Ich verstehe die Sauna- Liebe der Finnen so langsam. Nächste Woche aber soll es kuehl und trocken werden, von Schnee noch keine Spur hier oben. Gut ist auch hier mein Zeitmangement. Ab Montag haben sie hier bis März geschlossen – Timing ist alles 🙂

Habe vorhin beim Surfen noch ein Video des Turistforeningen ueber den E1 gefunden. Ziemlich viel davon hatte ich bereits unter den Fuessen, jedenfalls den Norwegischen Teil:

httpv://www.youtube.com/watch?v=9N6Vbd4-VFk

Es ist zwei Uhr Nachmittags, mit meinem Schlüssel öffne ich das Messingschloss der Gappohytta.

Schloss

Heute morgen um neun Uhr lief  ich los. 20 Kilometer zu laufen. Herbstwetter überall. Die Wolken hingen tief. Den ganzen Weg lang schubste mich der Wind umher. Mal von Hinten, von Vorn, von der Seite. Versuchte mir die ewig flatternde Regenhülle des Rucksacks wegzufegen, blies mir den Nieselregen ins Gesicht. Der Weg führte mich durch eine Landschaft, die der Kulisse von “Der Herr der Ringe “ zu entsprechen schien. Tosende Wasserfälle, von Flechten übersäte Geröllhalden, ich verschwand in den Wolken, erhaschte nur manchmal kurze Blicke auf die schroffen Berge um mich herum. Weiter durch weite Täler, gänzlich in den verschiedensten Rot, Gelb, Braun und Grüntönen und Schattierungen gehalten. Die Wolken hingen immernoch tief. Nur manchmal durchbrach die Sonne die Wolken. Eine ganz besondere, gedämpfte Stimmung, die leicht bedrohlich wirken kann, mir aber das Gefühl gibt, ein Teil des Ganzen zu sein. Ich fühle mich total wohl, lebendig, frei.

Ich werde heute keinem Menschen begegnen. Eine ganze Weile hinter mit läuft Michael aus Dänemark, sonst ist niemand hier. Man merkt schnell, wie klein und unbedeutend man ist, wenn die Natur wirklich will, ist man hier schnell in Schwierigkeiten. Aber hier hat man auch viel Platz, um die Gedanken schweifen zu lassen, ihnen einfach nachzuhängen: Wann habe ich zu letzt fern gesehen? Ein Auto selbst gefahren? Eine Stadt betreten? Eine Ampel benutzt? Was machen meine Leute zu Hause? Wie geht es ihnen? Wie denken sie über meine Tour? Wie reden sie darüber? Was ist alles in der Zeit in Deutschland passiert? Hat der BVB gewonnen? Was wird sich nach der Tour verändern?

Die verschiedensten Dinge kommen und gehen einem durch den Kopf. Völlig faszinierend was der Kopf da so alles ausgräbt.

Aber alles ist eigentlich unwichtig, ich möchte jetzt hier mit keinem in der Welt tauschen. Mit niemandem. Trotz Nieselregen, Kälte, Wind, ständig laufender Nase. Was für eine Reise. Was für ein Luxus. Was für eine Erfahrung. Wie weit ich schon gelaufen bin.

Ich trete ein. Sehe kurz nach, ob der Besucher vor mir Trinkwasser geholt und Anmachholz bereit gelegt hat. Die Blecheimer in der Küche sind randvoll und Holz ist auch da. So sollte es sein. Schnell ziehe ich die nassen und dreckigen Stiefel und Klamotten aus, lasse sie im Vorraum liegen. Stelle den Wasserkessel auf die Gasflamme des Kochers in der Küche und starte den Ofen. Zwei große Scheite rechts und links, in der Mitte Birkenrinde als Zunder, darüber kleine Holzscheite. Reiße ein Streichholz an, schnell bollert der Ofen los. Schnell macht sich behagliche Wärme breit. Ich wechsle die Klamotten, die Katzenwäsche am Bach spare ich mir heute. Hänge alles zum trocknen auf das Holzgestell über dem Ofen. Das Wasser im Kessel kocht, schnell steht ein Pott mit dem roten “T“ vor mir, es duftet nach Kaffee. Draußen bläst der Wind, heult und zerrt an der Hütte, Nieselregen klatscht ans Fenster.

Wetter

Ich esse eines der drei Fertiggerichte, die mir zur Auswahl stehen. Die Auswahl bei Getränken ist ähnlich, Wasser, Tee oder Kaffee. Möchte ich etwas anderes, hätte ich es mitbringen müssen. Habe ich etwas vergessen, Pech gehabt. Die Tagesration Schokolade, eigentlich für den Weg geplant, sparte ich mir für heute Abend. Ich verliere jedes Zeitgefühl, es scheint den ganzen Tag zu dämmern. Kerzen brennen, ich lese ein Buch, eines auf Deutsch gab es hier. Michael kommt irgendwann an. Um sieben Uhr wird es stockfinster sein. Vielleicht werde ich nachher noch den unfassbaren Sternenhimmel sehen, vielleicht die Milchstraße und sogar Nordlichter. Vielleicht  aber nur klatschnass werden auf dem Weg zum Holz holen und zurück in den 20m entfernten Schuppen mit dem Brennholz und dem Außenklo.

Romantik

Ich starte den iPod, mein kleiner Luxus auf Tour. Die Stimme von Eddie Vedder erklingt, “Society“.

So kitschig und abgedroschen das Lied auch ist oder auch sein mag. Ist da nicht manchmal was dran? Ist manchmal nicht weniger mehr? Ich bin froh, ohne viel Ballast umherzuziehen. Nur das was ich tragen kann und vor allem will. Es zählt kein morgen und auch nicht die 116 Tage vorher, nichts vorher und nichts nachher, nur das hier und jetzt. Kein Strom, kein Radio, kein Internet oder Handy. Die totale Entschleunigung. Kann es etwas Schöneres geben? Nur das Bollern des Ofens, etwas Warmes zu Essen und zu Trinken, im Trockenen sitzen. Um halb zehn liege ich müde im Bett. Ein Hoch auf Norwegen, seine Landschaft und seine Hütten. Ich liebe einfach den Herbst und ich liebe den Norden. Manchmal kann es so einfach sein.

Leider, oder viel mehr zum Glück, ist bei dem Paket hierher echt der Wurm drin. Das wird wohl noch was brauchen, bis es hier auf der Huskyfarm ankommt. So aber “muss“ ich länger hier bleiben 😉

Bjørn sowie Heide und Anja, die hier gerade zu Gast sind, wollen mir mit Karten und Verpflegung aushelfen. Bis Kilpisjärvi werde ich ohne weiteres kommen, kein Problem. Nur danach, mal sehen, arbeiten an einem Plan B.

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Derweil nutze ich die Zeit hier, um mich nützlich zu machen und zu helfen, wo ich helfen kann. Es könnte dazu keinen schöneren Ort geben. Die herbstliche Färbung der Bäume und dann die Arbeit mit all den Hunden. Ich hätte nie gedacht, dass mir das so viel Spaß machen würde. Die Trainingsausfahrten mit den Hunden heute war ein absolutes Highlight der Tour. Danke Regina und Bjørn für den wunderbaren Aufenthalt hier, am liebsten würde ich gleich da bleiben 😉

Heute geht es wieder weiter gen Norden. Ich werde dem Nordkalottleden bis Kilpisjärvi folgen. Mit einem warmen Pulli mehr und wieder Essen für ein paar Tage im Gepäck. Kaum ist der Rucksack leer gegessen ist er wieder voll.

Das Paket hat scheinbar die schwedische Post verschludert. Ziemlich doof, da sind all die Karten von Abisko bis zum Nordkap drin, die man nicht an jeder Ecke bekommt.

An dieser Stelle möchte ich mich daher so sehr und oft es nur geht bei Julia bedanken, die sich jedes mal, wenn mit einem Paket etwas schief geht, darum kümmert und es so hinbekommt, dass doch alles wieder gut wird. Ohne Julia wäre ich echt aufgeschmissen. So auch jetzt. Sie hat es geschafft, dass das Paket nun hoffentlich zu Bjørn Klauer nach Norwegen gesandt wird.

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Wer? Mag sich mancher fragen. Bjørn Klauer kommt ursprünglich aus Deutschland und betreibt hier oben eine Husky Farm.

www.huskyfarm.net

www.huskyimages.com

Er war der erste Deutsche, der je Norge på langs gelaufen ist. Sein Buch habe ich wieder und wieder gelesen. Ich freue mich total, ihn zu besuchen, endlich zu treffen und mit ihm zu quatschen. Das wird super.

Gestern Abend hab ich zum ersten Mal in meinem Leben Polarlichter gesehen. Das und der Sternenhimmel hier oben sind der Oberhamner!