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Norge på langs

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Seit Freitag haben wir nun frei und es geht in die letzten Tage vor der Tour. Daheim stapeln sich unglaubliche Mengen an Lebensmitteln und Ausrüstung, die es nun aufzuteilen und vorzubereiten gilt. Gestern haben wir schon den ganzen Tag damit verbracht und es wird noch bis Weihnachten dauern, bis alles komplett verpackt und fertig für den Start ist.

Das Essen für NPL 2015
Packen für die große Tour

Die letzten Wochen waren zudem ganz schön turbulent, viele Dinge mussten noch besorgt und erledigt werden. Dabei kreisten unsere Gedanken immer wieder um den Winter in Norwegen, der sich, wie auch in den Alpen, stellenweise viel Zeit lässt. Gerade im Süden Norwegens, der für uns eigentlich zu Beginn auf dem Programm stünde und mit der Setesdalsheiane und der Hardangervidda gleich zwei anspruchsvolle Herausforderungen für uns bereit hält, kommt der Winter erst langsam in die Gänge. Schnee liegt mittlerweile reichlich, aber die größte Gefahr lauert darunter.

Winter in Gjendesheim
So sollten die Seen im Winter aussehen

Die Winterrouten, die der norwegische Wanderverband DNT ausweist, führen eigentlich immer direkt über viele Seen und Flüsse. Das ist recht praktisch, man gelangt so schnell voran und muss nicht um diese Hindernisse herum laufen. Gerade bei den großen Seen ist das einfach bequem. Wenn man sich den großen Gjende See zum Beispiel anschaut, so gleitet man im Winter einfach über den beinahe 20 Kilometer langen See hinweg. Und die Sommerrouten mit Ski und Pulka zu bewältigen, das schaffen nicht einmal die Norweger. Den Bessegen zum Beispiel mit Ski und Pulka zu erklimmen, stellen wir uns eher schwierig wenn nicht gar unmöglich vor.

Mit der Pulka gilt es die Route so ökonomisch wie möglich durch die Tallagen zu legen, so dass man große Anstiege am besten umgeht oder vermeidet. Wer möchte schon eine 40 Kilogramm schwere Pulka über Hunderte von Höhenmeter und steile Hänge hinauf wuchten?

Die Eisvorhersage

Wenn man sich nun aber einmal die Eisvorhersage oder die Webcam der DNT Hytte in Gjendesheim anschaut, dann treibt uns das bereits seit geraumer Zeit einige Schweißperlen auf die Stirn. Die Flüsse, Bäche und Seen im Süden liegen größtenteils noch offen oder bieten noch keine sicheren Eisverhältnisse. Es ist eher eine Art Lotterie, ob die kleineren Gewässer schon mit tragfähigem Eis bedeckt sind, von den großen Seen wollen wir gar nicht erst sprechen.

Der Gjende
So sieht der Gjende derzeit aus © Webcam Gjendesheim

Die Verhältnisse werden erst ganz, ganz langsam besser und vor allem sicherer. Selbst tiefe Temperaturen im zweistelligen Minusbereich über eine längere Periode, die die Eisbildung rascher vorantreiben würden, sind nicht in Sicht. Und nun stellt man sich einmal vor, man steht auf einem See, der vielleicht einen Kilometer groß ist, man ist mit Karabinerhaken an einen schweren Pulkaschlitten gekoppelt, trägt einen großen Rucksack auf dem Rücken, Stöcke an den Händen und Ski an den Füßen, die über eine Bindung gesichert sind, die nur mit einem kräftigen Riegel per Hand geöffnet werden kann – und dann beginnt es um einen herum zu knacken…

Da Glücksspiel und russisches Roulette nicht unbedingt die Beschäftigungen sind, mit denen wir unsere Freizeit verbringen, werden wir auf Nummer sicher gehen. Wir scheuen das große Risiko und wollen auch gerne heile wieder nach Hause kommen. Die Tour soll vor allem Spaß machen und nicht aufgrund unkalkulierbarer Risiken in einem Fiasko enden.

Von daher haben wir schon vor einiger Zeit begonnen, einen Plan B oder mittlerweile sogar Plan C vorzubereiten. Da unsere Tour an ein fixes Zeitfenster gebunden ist, können wir den Start nicht einfach um ein paar Wochen verschieben, so wie es schon einige andere Winter NPLer gemacht haben.

Der Plan C

Wir haben uns daher dazu entschlossen, die Tour ab dem Punkt zu beginnen, von dem wir ausgehen, dass die Eisverhältnisse sicher sind. Mit heißer Nadel haben wir nun unseren Plan umgestrickt, die Logistik umgeplant und mit Hilfe von Julia, die mir auf der letzten Tour die Versorgungspakete zugeschickt hat, einen neuen Dauer-Parkplatz für unser Auto gefunden.

Der neue Plan sieht vor, mit dem Auto bis nach Fagernes in Valdres zu fahren, es dort abzustellen und dann mit dem Bus nach Beitostølen zu gelangen, wo wir am 31. Dezember starten werden. Sind wir am Ziel im Norden angelangt, werden wir nach Beitostølen zurückkehren und von dort aus unsere Reise südwärts fortsetzen.

Beitostolen
Der neue Startpunkt © ut.no/kart

Für uns ist das der einzige praktikable Weg, ohne die Tour zu verschieben oder über einige hundert Kilometer die winterlichen Hauptstraßen ohne Pulka nur mit einem Trekkingrucksack entlang zu laufen. Auf den langen Fernwanderwegen in Nordamerika ist diese Vorgehensweise der Aufteilung zum Beispiel ganz normal, da wird häufig so vorgegangen, um das Wetter innerhalb einer Saison optimal auszunutzen.

Unser Motto: Det ordner seg!

Wie dem auch sei, es zeigt sich, dass in der Natur nie alles nach Fahrplan läuft. Man kann ein halbes Jahr lang planen und dann kommt es doch ganz anders. Wenn man draußen unterwegs sein möchte, muss man sich der Natur anpassen und nicht umgekehrt. Man kann nicht einfach versuchen seinen Plan durchzuboxen, das endet schnell im Unglück.

Schnell einen Plan B, C oder D zu entwickeln ist genau nach unserem Geschmack und eine unserer großen Stärken. Wir wollen Spaß mit der Natur haben und nicht die Natur bezwingen. Unsere Herausforderung besteht darin, die Verhältnisse anzunehmen und mit Flexibilität und Einfallsreichtum eine möglichst schöne Norge på langs Tour zu haben. Und das bekommen wir auf alle Fälle hin!

Gleich morgen geht es weiter mit den Vorbereitungen, wir müssen die Ausrüstung und Bekleidung auswählen und bereit für die Tour machen. Was brauchen wir wirklich? Was kann hier bleiben? Was dürfen wir auf gar keinen Fall vergessen? Es bleibt spannend und bevor wir uns unter dem Weihnachtsbaum erholen können, gilt es noch eine ganze Reihe von Dingen zu erledigen!

#NPL2014

Es geht wieder los nach Norden! Ich sage nur: Norge på langs im Winter!

Wann geht es bei dir wieder los? Wie hältst du es nach so einer Tour wieder daheim aus? Diese Fragen habe ich im letzten Jahr wirklich unzählige Male gehört. Lange Zeit wusste ich es selber nicht, viele spannende und neue Dinge hatten Vorrang und mussten erledigt werden, das Fernweh wuchs von Tag zu Tag und war kaum auszuhalten.

Ständig war ich in Gedanken im letzten Jahr und bin unzählige Male erneut durch Norwegen gewandert. Nun aber hat sich vieles geregelt – det ordner seg! – und es gibt diese unglaublich tolle Neuigkeit zu verkünden!

Aber erst einmal der Reihe nach. Es ist viel passiert seitdem ich im Oktober 2013 am Nordkap stand und von meiner Wanderung zurück in die Heimat kam. Die größte Veränderung war der beruflich bedingte Umzug ins schöne Schwabenland. Genauer gesagt nach Tübingen hat es mich seit dem Mai verschlagen. Nach etwas mehr als einem halben Jahr mit dem Blick auf den Albtrauf kann ich sagen – es ist wirklich schön hier!

Zwar verstehe ich besser Norwegisch als Schwäbisch, aber das kommt irgendwann auch noch. Der Einfluss der ganzen fleißigen Studenten um mich herum blieb zudem nicht ohne Folgen, seit Juli diesen Jahres verbringe ich den größten Teil meiner Freizeit am Schreibtisch. Warum? Nun es gibt halt viel zu planen und viel aufzuschreiben!

Norge på langs 2015

Der Anruf, der alles ins Rollen brachte, kam im Juli 2014. Mein Kumpel Ulrich war am Telefon und fragte mich ohne Vorwarnung: „Wie sieht’s aus? Sollen wir gemeinsam im nächsten Winter Norge på langs auf Ski laufen?“

Mir verschlug es die Sprache. Aus heiterem Himmel traf mich der Fernweh-Blitz, ich musste mich erstmal hinsetzen und meine Gedanken sortieren. Natürlich wollte ich mit, gemeinsam Norge på langs im Winter anzugehen wäre ein Traum, schließlich war er es, der mir vor einigen Jahren den Norge  langs Floh ins Ohr gesetzt hatte!

Rondane Wintertour 2014 © Martin Hülle
Rondane Wintertour 2014 © Martin Hülle

Per Zufall lernten wir uns irgendwann über den Stammtisch von Outdoorseiten.net kennen. Schnell war klar, dass wir beide dem Norwegen-Virus verfallen sind. Das ist nun mittlerweile auch schon einige Jahre her, und seitdem waren wir ein paar Mal gemeinsam auf Tour.

Zudem fährt Ulrich Jahr für Jahr nach Norwegen, um seinen ganz persönlichen Norge på langs Traum in die Tat umzusetzen. Vom Ruhrgebiet zum Nordkap, das hat er sich vorgenommen. Und Ulrich ist in der ganzen Zeit schon ziemlich weit gekommen, die gesamte Strecke vom Ruhrgebiet bis nach Meråker hat er mittlerweile komplett: Immer in Etappen, mal mit den Kindern und der Familie gemeinsam, mal alleine im Winter und im Sommer und ein paar Mal auch schon mit mir als Bremsklotz am Bein.

Nun aber wollen wir es gemeinsam an einem Stück versuchen – Norge på langs im Winter!

So eine Reise stellt etwas mit einem an

Schon vor meiner Wanderung im letzten Jahr saßen wir oft zusammen und haben uns über Norge på langs unterhalten. Was es alles zu beachten gibt, wie man die Sache am besten anginge und mit wem zusammen man solch ein Projekt machen würde. Und immer wieder habe ich Ulrich dann nach der Tour davon erzählt, wie wundervoll meine Reise im vergangenen Jahr war und was sie mit mir angestellt hat.

Persönlich davon zu erzählen ist da eine ganz besondere Geschichte, man kann dem Gegenüber so unmittelbar vermitteln, was die Wanderung in mir ausgelöst hat und welch großes Fernweh sie in mir entfacht hat.

Winterglede! © Ulrich Meyer
Winterglede! © Ulrich Meyer

Immer wieder merke ich, dass wenn mich jemand nach meiner Tour fragt, ich direkt ins Plaudern komme. Sofort tauche ich wieder in die Tour ein und es bereitet mir unglaublich viel Freude, zu erzählen und anderen zu berichten, was eine solche Reise mit einem persönlich macht. Die Rückmeldungen, die ich in solchen Gesprächen oder auch immer mal wieder per E-Mail bekomme, bestärken mich darin.

Und auch das, was andere auf solchen Reisen erlebt haben, bestätigt meine eigenen Empfindungen: So eine Reise stellt etwas mit einem an und ist einfach etwas ganz Besonderes! Man entwickelt eine unglaubliche Sehnsucht danach, wieder unterwegs zu sein!

Wir gehen es gemeinsam an!

Mir war immer klar, würde ich jemals Norge på langs im Winter mit Ski und Pulkaschlitten laufen, dann nur mit jemandem zusammen. Der Winter ist eine ganz andere Sache als der Sommer, es gibt sehr viel mehr Risiken und Gefahren auf die man sich einlässt. Mal eben das Zelt zu verlieren ist da zum Beispiel definitiv nicht drin.

Und auch die Wahl des richtigen Reisepartners sollte mit Bedacht getroffen werden, man hockt schließlich über Monate beinahe jede Minute aufeinander. Von daher will solch eine Wanderung gut geplant und vorbereitet sein.

Gemeinsam unterwegs in Reinheimen 2012
Gemeinsam unterwegs in Reinheimen 2012

Seit Juli bereiten wir uns nun gemeinsam auf die Tour vor, uns wird ein unglaublich großes Abenteuer erwarten. Viele erfahrene Freunde haben uns bei der Planung geholfen, uns mit Rat und Tat unterstützt und mit Engelsgeduld all unsere Fragen beantwortet.

Es ist schön zu sehen, wie so eine lange Tour sofort auch das Fernwehfeuer in Gleichgesinnten entfacht.

Wir werden am 28. Dezember nach Norden aufbrechen, um per Fähre nach Norwegen zu gelangen. Spätestens an Neujahr wollen wir starten und uns der Herausforderung Norge på langs im Winter stellen. Bis Ostern werden wir Zeit für unsere gemeinsame Wanderung haben, mehr lassen die Arbeit und die Familie daheim nicht zu.

Viele Hindernisse warten darauf, von uns bewältigt zu werden. Angefangen vom Tiefschnee im ungespurten und unmarkierten Fjell über Kälte bis hin zu sehr kurzen Tagen mit wenig Licht und langen Laufstrecken. Die Anstrengung wird uns ganz sicher an die eigenen Grenzen führen.

Eine riesige Herausforderung wartet also auf uns, der wir uns aber nur allzu gerne stellen wollen! Wir nehmen das Abenteuer mit Freude an, wissen wir doch, wie reich die Belohnung sein wird. Ganz egal was uns auch erwartet und was passieren wird, es gibt für uns nichts Schöneres als den Gedanken daran, endlich wieder den Schreibtischstuhl gegen ewig müffelnde Klamotten, verfrorene Finger und eine ständig laufende Nase einzutauschen.

Wer soll das bloß alles essen?

Endlich wieder jeden Tag so viel Schokolade und Schokoriegel, wie man nur essen kann; ohne Ende Müsli und fiesen Früchtetee, fürchterlichen Instantkaffee und ewiger Appetit auf alles Mögliche, die Vorfreude darauf ist unglaublich!

Daheim stapeln sich schon unfassbar große Mengen Lebensmittel: Hunderte von Schokoriegel warten ebenso wie kiloweise Müsli und Nüsse darauf, von uns in den nächsten Monaten verputzt zu werden. Mit den ganzen Lebensmitteln könnte man wohl einen kleinen Kiosk eine Woche lang mit Leckereien, Müsli und Fertigessen bestücken.

Kein Wunder, bei einem angenommen Bedarf von etwa 5000 kcal pro Tag und Wanderer kommt einiges zusammen. Eine Tafel Schokolade von 100 g hat zum Beispiel 500 kcal, man kann sich also leicht ausrechnen, was es heißt, über einige Monate jeden Tag umgerechnet zehn Tafeln zu verdrücken.

Eine herrliche Diät, die Kassiererin im Supermarkt hat jedenfalls beim Einkauf Bauklötze gestaunt und war auch um den passenden Spruch nicht verlegen: „Diese Diät würde ich auch gerne mal ausprobieren!“

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So sieht’s aus! © Ulrich Meyer

Nur noch Wochen statt Monate

Nun also ist es bald wirklich soweit, es sind nicht mehr Monate sondern nur noch Wochen bevor es losgeht!

Vom Schreibtisch aus wieder hinaus in die unglaubliche Natur des Nordens, die darauf wartet von uns mit Ski und Pulkaschlitten erkundet und durchwandert zu werden.

Die Planungen sind so gut wie abgeschlossen, fast alles ist geregelt, geplant und organisiert. Nun können wir nur noch mit bangem Blick täglich das Wetter und die Schneehöhen prüfen, und dem Winter die Daumen drücken, dass er sich besonders im Süden Norwegens etwas mehr als bisher ins Zeug legt!

Voller Vorfreude schauen wir nun auf die besinnliche Adventszeit, die uns das Warten auf den Start etwas leichter machen wird.

Noch einmal Energie auf dem Weihnachtsmarkt tanken und sich dem verrückten Vorweihnachtsstress hingeben, um dann direkt nach Weihnachten auf eine lange und tolle Zeit voller wundervollem Friluftsliv in einer herrlich ruhigen Natur zu blicken, die schon bald vor uns liegen wird!

Genau so, wie wir es uns schon lange erträumt haben! Mit reichlich Spaß, großer Freude und vielen tollen Erlebnissen – einfach Friluftsliv und Turglede par excellence halt!

Denn der Spaß unterwegs zu sein wird bei uns trotz aller Herausforderungen und Anstrengungen stets im Vordergrund stehen!

Was gibt es schon Schöneres, als draußen unterwegs zu sein und seinen Träumen zu folgen?

Das macht dein Leben reicher als alles Geld, dass du jemals verdienen kannst! Genau vor einem Jahr war es, als mir Bente, eine Freundin, diesen Satz schrieb. Denn heute auf den Tag genau vor einem Jahr habe ich tatsächlich das Nordkap erreicht! Zu Fuß nach einer Wanderung durch ganz Norwegen. Verrückt!

Unendlich viele Kilometer voller Zweifel, Mühen und Widrigkeiten aber noch mehr toller Begegnungen, Erlebnissen und unfassbarer Natur in all ihren wunderbaren Facetten lagen in diesem Moment hinter mir. Voller Stolz stand ich am Nordkap, unfähig einzuordnen und zu glauben, was ich da geschafft habe!

Endlich am Ziel?!?
Endlich am Ziel?!? ©Matthias Friedrich

Genau so geht es mir bis heute. Immer noch kann ich es kaum fassen, habe es bis dato noch nicht im Ansatz verarbeitet. Es vergeht kein Tag, kaum eine Stunde an dem ich nicht an die Tour denke. An die Momente, Gefühle und Empfindungen die mich während der Wanderung begleitet haben.

Im Supermarkt stehe ich vor einem Regal voll mit Ritter Sport Tafeln und ich kann mich beinahe sofort an jeden einzelnen Moment erinnern, an denen ich unzählige von ihnen verputzt habe. Ein Lächeln huscht dann über mein Gesicht!

Bei fast jedem Bild, das ich vom Fjell in Norwegen sehe, egal wo, kann ich oft direkt wie aus der Pistole geschossen sagen, wo das Bild aufgenommen wurde, unweigerlich bekomme ich dann sofort eine Gänsehaut!

Vor einigen Tage brachte mir meine liebe Kollegin Antje einen kleinen Kvikk Lunsj Schoko-Riegel aus Norwegen mit, ich habe den Riegel hin und her gedreht, habe mit kindlicher Freude vorsichtig darüber gestrichen und war wieder mitten drin auf meiner Tour in Norwegen!

Es hat eine Weile gedauert, bis ich den Riegel gegessen habe – bei jedem kleine Bissen hat er nach Norwegen, Freiheit und Fernweh geschmeckt! Es lässt mich einfach nicht los, ich bin immer noch unterwegs!

Hat mich diese Reise wirklich reicher gemacht?

Auf diese Frage kann ich nur aus voller Überzeugung entgegnen: JA! Das hat sie! Und wie!

Diesen Traum zu leben und in die Tat umzusetzen hat mein Leben nicht nur reicher gemacht, es hat alles verändert.

Und ich denke da nicht unbedingt an die schönen Zeitungsartikel oder coolen Berichte, die bislang über meine Tour erschienen sind oder an die vielen neuen Begegnungen und spannenden Kontakte zu so vielen tollen Menschen, die ich seitdem kennenlernen durfte.

Dafür bin ich unendlich dankbar, auch für all die neuen Möglichkeiten und die offenen Türen, die sich dadurch ergeben haben! Das alles ist die Kirsche auf der Schlagsahne der Traum-Torte!

Schutzengel
Danke Bente für den Schutzengel – es ist alles genau so eingetroffen: Mögest du das Ziel deiner Reise nicht aus den Augen verlieren und mögest du gesund und froh von deiner Reise zurückkehren!

Aber das, was die Tour wirklich so besonders wertvoll für mich gemacht hat, ist nicht in irgendeiner materiellen Form aufzuwiegen! Es ist die Tatsache, dass sie mich um einige ganz wichtige Erfahrungen reicher gemacht hat, allen voran, dass man seine Träume wirklich leben kann!

Träume leben ist so abgedroschen und wurde schon so oft in allermöglichen Zusammenhängen benutzt, aber es stimmt einfach: Es muss und darf einfach nicht immer nur beim Träumen bleiben!

Egal wann, es ist nie zu spät und ganz besonders auch nie früh genug dazu, seine Träume zu leben! Die Erfahrung, dass man das schaffen kann, wenn man nur will und daran glaubt, war mir in dieser Form vorher nicht so bewusst!

Frust
Auch Frust gehört dazu!

Das Gefühl, sich für seinen Traum durchzubeißen, sich zu quälen um am Ende zum Ziel zu gelangen, ist schlicht unbezahlbar. Das man sich auf sich selbst immer zu hundert Prozent verlassen kann ist einfach mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen.

Und ganz besonders toll ist die Erfahrung, dass man sich nicht einfach in das nächste Fachgeschäft für „Träume leben“ stellen kann, mit einem Bündel Geld oder der Kreditkarte wedelt und sich das alles auf dem Silbertablett präsentiert kaufen kann. Es geht nicht, es gibt diese Möglichkeit für kein Geld der Welt zu kaufen. Nirgends und wenn doch, dann nur scheinbar!

Es gibt kein Super-Sonder-Angebots-Geschäft für Träume und auch keine ultimative Anleitung zum Glücklich sein, empfohlen von glücklichen Träumern! Das muss man selbst spüren und erfahren, jeder Traumist anders!

Manchmal dauert es etwas länger, bis man zu Erkenntnissen dieser Art gelangt. Aber dies sind meine ganz persönlichen Schlüsse, die mein Leben nun aber um so viel mehr reicher machen!

Herbst
Mehr benötigt man manchmal gar nicht!

Jedem, mit dem ich darüber gesprochen habe, jedem der mir geschrieben hat oder sich bei mir in irgendeiner Form gemeldet hat, dem habe ich dasselbe gesagt und dazu ermutigt: Geh raus, trau dich, mach es, habe den Mut! Wenn du einen Traum hast, versuche ihn zu leben! Warte nicht zu lange darauf, dass der Traum zu dir kommt, dich aus deinem Trott herausholt!

Vielleicht ist es irgendwann zu spät, dein Traum kann vielleicht dein ganzes Leben ändern, und diese Möglichkeit sollte keiner einfach so verstreichen lassen. Und wenn er nicht dein Leben verändert, du wirst dennoch um so viele Erfahrungen reicher werden! Und die werden dich für immer beeinflussen!

Ganz sicher wird es auch negative Erfahrungen und Frust geben, aber ganz sicher werden am Ende auch die positiven Erfahrungen um ein Vielfaches überwiegen! Es wird sich auf alle Fälle lohnen, dafür zu kämpfen und deine Träume zu leben – dein Leben wird dadurch tatsächlich um so viel mehr reicher werden!

Vielen, vielen Dank an alle die mich vor, während und nach der Wanderung unterstützt und motiviert haben! Vielen Dank an alle, die an mich und meinen Traum geglaubt haben, ich bin euch allen unendlich dankbar!

Nicht viel los gerade hier im Blog. Leider. Zelten war ich das letzte Mal auf der Outdoor – Messe in Friedrichshafen und das Draußensein beschränkt sich derzeit auf die abendliche Joggingrunde oder den Weg mit dem Fahrrad zur Arbeit. Der Schreibtisch ist derzeit mein Fenster nach draußen.

Vor ein paar Tagen laß ich dabei einen Tweet von Johanna. Sie war auf einer großen Reise in Grönland und bekam zu Hause scheinbar so richtig Fernweh. Irgendwie kommt mir das bekannt vor. Und es will irgendwie nicht weggehen, dieses Fernweh.

Es ist wie das Gefühl, verliebt zu sein. Man hat sich so richtig in das unterwegs sein und die Ferne verliebt. Man sitzt zu Hause im Alltag und kann nur daran denken, wie es jetzt wäre, wieder unterwegs zu sein.

Oft werde ich mit Fragen zur Tour gelöchert, lese über meine Wanderung oder Berichte darüber. Jedes Mal werde ich dabei wieder in der Zeit zurück geschickt. Finde mich wieder, in Jotunheimen, Sylan, auf dem Kungsleden, in Alta oder am Nordkap.

Mit jedem Foto kommen die dazugehörigen Empfindungen sofort wieder hoch. Mit jedem Foto in Reiseberichten, auf facebook oder in Zeitschriften, egal ob von mir oder anderen, übermannt mich das Gefühl, wie es dort war. Echt krass. Und in 140 Tagen auf Wanderung gab es ziemlich viele Gefühle und Erlebnisse, die mir nachhaltig in Erinnerung sind.

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Derzeit sitze ich viel am Schreibtisch. Auf der Arbeit, zu Hause. Schreibe E-Mails, plane neue Abenteuer und versuche das große vergangene Abenteuer in irgendeiner Form auch nur ansatzweise zu verarbeiten. Versuche ständig, das Unterwegssein in Gedanken zu verdrängen. Aber überall werde ich daran erinnert. Es bleibt kaum Zeit, die 140 Tage im letzten Jahr so richtig zu begreifen. Zu viel ist seit der Rückkehr passiert.

Als ich im letzten Jahr in Padjelanta unterwegs war, traf ich einen jungen Deutschen, der mich fragte: „Wie willst du all die Eindrücke und Erlebnisse überhaupt verarbeiten? Ich bin jetzt drei Wochen unterwegs und bekomme das kaum hin!“ Nach kurzem Nachdenken antwortete ich, dass ich ehrlicherweise keine Ahnung habe. Wirklich nicht.

Und genau so ist es bis heute. Es fällt mir schwer, die Tour richtig zu verarbeiten, einzuordnen. Es ist das Gefühl, verliebt zu sein. Man denkt jeden Augenblick an das Land, die Gegend die man so sehr mag und das Gefühl, wie es jetzt wäre, dort unterwegs zu sein. Man weiß, was, wie, wann und wo passiert ist. Man verbindet bestimmte Musik mit bestimmten Momenten. Dieser unfassbare Sonnenaufgang kurz vor Alta und dazu Eddie Vedders Musik im Ohr!

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Ich weiß noch ganz genau wie es war. Es war schweinekalt, meine Schuhe standen gefroren im Vorzelt, ich aß mit Genuss das ungeliebte Müsli. Ich hatte am Abend vorher richtig tolle Nordlichter gesehen und hatte es bis kurz vor Alta geschafft. Mir kamen einfach nur die Tränen, so toll war der Augenblick. Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut beim Gedanken daran. Man ist einfach nur richtig verliebt in das hier und jetzt. Denkt nicht an Morgen und auch nicht an Gestern.NPL 2013 Karte 09 068

Sehe ich jetzt im Supermarkt eine Dose mit Ananasscheiben, weiß ich jedes Mal sofort, wo ich wie viele davon gegessen habe und wie es geschmeckt hat. Wie toll das Gefühl war, nach einem zehn Stunden Wandertag die letzte Dose Ananas in einer DNT Hütte zu entdecken. Aber es ist so schwer, dieses Gefühl in den Alltag zu retten. Die Ananasscheiben werden hier nie so gut schmecken, wie damals in der Sonne auf der Terrasse vor der DNT Hütte.

Man ist dann wieder zu Hause, schreibt etwas, versucht sich wieder in den Alltag einzufinden und schweift doch immer wieder in den Gedanken ab. Man vermisst das neu entdeckte dort draußen so sehr. Und schon kommt in einem wieder das ziemlich bekannte Gefühl hervor, dieses Gefühl. Verliebtsein. Das zu entdecken und zu finden, was einem so viel bedeutet. Das so gut zu einem passt. Das einen so sehr glücklich macht. Zu entdecken, dass es das nach langer Suche wirklich gibt.

Und dann sitzt man wieder am Schreibtisch, die Reise ist vorbei, man weiß, wie schön es dort war und jetzt gerade ist. Man weiß, dass es dort draußen etwas gibt, was einem so richtig viel bedeutet und das einfach perfekt ist. Man vermisst es, dort zu sein. Man will sofort wieder zurück und es wieder erleben. Man ist einfach verliebt. Man hat einfach unheilbares #Fernweh.

Und sehr oft denke ich dann an das Video von Martin, der in der Ferslia Hütte seine Norge på langs Reise unterbrechen musste und dort dann abends zur Gitarre griff…

 

Heute vor einem Jahr stand ich mit gestrichen vollen Hosen bei Nieselregen und Wind am südlichsten Punkt Norwegens, dem Kap Lindesnes. Ziemlich aufgelöst lief ich los, die ersten Kilometer gen Norden. Unsicher, ängstlich und voller Vorfreude auf das große Abenteuer, das vor mir lag.

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Der Start vor einem Jahr – was wird mich bloß erwarten?

Unfassbar was ich seitdem erlebt habe, was alles passiert ist und wem ich alles begegnet bin. Danke allen, die zum Gelingen beigetragen haben und auch und vor allem auch Dank an alle, die meine Tour verfolgt und unterstützt haben!

Der SPOT – Sender liegt einsatzbereit neben mir und wartet nur darauf, wieder den Weg gen Norden verfolgbar zu machen 😉 Ich hab heute wirklich mal richtig großes Fernweh! God tur videre!

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Kap Lindesnes

If I ever stray – wenn ich mich jemals verirre, ich weiß nicht mehr, wie oft ich diesen Song vor, während und nach der Wanderung gehört habe. Er trifft meine Stimmung rund um die Tour einfach ziemlich gut. Musik war ein wichtiger Teil auf der Tour. Man verbringt unendlich viel Zeit allein mit sich und der Natur, hat Zeit seinen Gedanken nachzuhängen.

Frank Turner und mein Norge på langs Soundtrack
Frank Turner und mein Norge på langs Soundtrack

Die Nächte, insbesondere im hohen Norden sind lang und so viele Bücher kann man gar nicht mitschleppen, wie man lesen könnte und möchte. Okay, Einwurf, ein E-Book Reader könnte da Abhilfe schaffen, aber nee, das ist nicht dasselbe, wie ein richtiges Buch in den Händen zu halten, jedenfalls nicht für mich.

Oft werde ich in letzter Zeit gefragt, na schon wieder eingelebt? Ich überlege dann immer was ich sagen soll. Einfach „na klar, muss ja, kann ja nicht immer so weiter gehen“ oder aber ein klares  „NEIN, nach so einer Tour ist nichts mehr wie vorher“ ?

Kommt immer auf die Stimmung und den Fragenden an, aber im Grunde ist meine persönliche Antwort ziemlich klar, ganz klares Nein. Allein der Straßenverkehr, insbesondere auf der Autobahn, hat mich fast in den Wahnsinn getrieben. Mit Warp -Geschwindigkeit fliegen die Autos an einem vorbei und jeder will der Schnellste sein. Rücksicht ist eher dem Zufall als der Absicht geschuldet.

Die wirklich wahre Welt?

In dieser Woche war ich des Öfteren in Dortmund in der Innenstadt unterwegs. Der Wahnsinn, der ganze Weihnachtstrubel, die Menschenmassen die sich über den Weihnachtsmarkt schieben und all der Konsum, alles im Überfluss. Oft komme ich mir dann fremd und fehl am Platz vor. Auch im Westfalenstadion oder auf dem Weg dorthin, in der überfüllten U-Bahn zum Beispiel, bekomme ich ein beklemmendes Gefühl. Für mich völlig neu und so vor meiner NPL Tour total unbekannt. Ich gehe schon ziemlich lange zur Borussia, es ist immer wieder atemberaubend ins Stadion zu gehen, aus dem Mundloch auf die Tribüne zu treten und meinen Platz im Block 81 der Südtribüne einzunehmen. 25.000 Menschen unterschiedlichster Couleur vereint auf einer Tribüne. 80.000 Menschen zusammen in nur einem Stadion.

Die wirklich wahre Welt?
Die wirklich wahre Welt?

Es geht so eine gewaltige Kraft und Stimmung von diesem Stadion und den Menschen, die es zum Leben erwecken, aus, Gänsehaut pur. Der Wahnsinn, das zu erleben und ein Teil des Ganzen zu sein. Die Emotionen so intensiv zu fühlen, wie ich es ansonsten kaum woanders erleben kann. Es ist schwer zu beschreiben, was dort vor sich geht, wenn man ein großer Fan ist und so an „seinem“ Verein hängt. Für Außenstehende völlig unverständlich, aber wer einmal in diese Welt eintaucht, kann sich ihrer nur schwer entziehen.

Aber genau so empfinde ich es auch, wenn ich an die Reisen in den Norden denke. Für Außenstehende ist es auch oft sehr bis völlig unverständlich, wie man sich das antuen kann, mit einem 30kg schweren Rucksack, mit seit vier Wochen ungewaschenen Klamotten bei Nieselregen und 0°C, allein durch eine Gegend zu laufen, in der im großen Umkreis einfach nicht viel ist, außer Natur und Rentieren. In der gesamten! Finnmark in Norwegen leben weniger Leute, als hier in Dortmund jedes zweite Wochenende ins Stadion gehen! Einfach unglaublich, wenn man sich das mal vor Augen führt.

Schlagartig wird mir dann auch immer wieder bewusst, wie sehr ich die Stille, die Weite und die Natur im hohen Norden Norwegens genossen habe. In diesen Momenten kehre ich wieder zurück, in die Gedanken meines gelebten Traumes, in die Weiten des hohen Nordens in die wirklich wahre Welt vielleicht. Aber was ist die wirkliche Welt? Hier im Herzen Europas, in einer der coolsten aber auch am dichtesten bevölkerten Gegenden Europas oder in den Weiten des hohen Nordens, in denen ich mich so wohl wie kaum woanders fühle? Ich glaube ich habe da meinen Platz gefunden, meine Entscheidung getroffen. Es könnte so einfach sein.

Keine Ahnung, wie es anderen geht, die lange unterwegs waren. Wenn ich jemanden anderes treffe, der unterwegs war, egal wie lang, versuche ihn immer dannach zu fragen. Wie geht es dir, wenn du nach Hause kommst? Wie verarbeitest du das? Willst du zurück? Was ist deine wirklich wahre Welt?

Wem es genauso geht oder wer darauf schon seine persönliche Antwort gefunden hat, teilt es mit mir 😉 Schreibt mir gerne dazu eure Gedanken, Erfahrungen und Empfindungen, es interessiert mich brennend, wie ihr, die ihr auch da draußen in der Welt unterwegs seid, damit umgeht!

Am Mittwoch war es soweit, VisitNorway hatte zum Chat auf facebook mit mir eingeladen. Mit mir! Ungläubig schon allein ob der Anfrage, klar, es ging natürlich um meine Norge på langs Reise, aber mal ehrlich, keine Ahnung, was mich da erwarten würde, was werden mich die Leute fragen, fragt überhaupt wer etwas?

Vorfreude und leichte Nervösität 😉

Letztendlich alles völlig unbegründet, viele coole Fragen kamen rein und ich konnte sie hoffentlich auch zufriedenstellend beantworten. Total krass, wie vielen Fragen und Reaktionen rund um die Tour bisher aufgekommen sind! Einfach unglaublich und für mich echt unfassbar, auf wieviel Interesse die Reise gestoßen ist! Vielen, vielen Dank an dieser Stelle nochmal für das alles bisher! Das haut mich echt aus den Socken! Da es am Mittwoch leider etwas mit der Chat-Software gehakt hat, gibt es hier ein Protokoll der gestellten Fragen samt Antworten, ich hoffe ihr hattet, sofern ihr hoffentlich durchgekommen seid, genauso viel Spaß wie ich! Vielleicht kann man das ja in irgendeiner Form wiederholen, sofern daran Interesse besteht?!?

Viel Spaß beim Nachlesen!

Jahrgang 2013 – Martin und ich vor der Kulisse der Schweizer Alpen 😉

Südwärts ging es zur Abwechslung einmal für mich. Ungewohnt, dass der Kompass in die eigentlich für mich falsche Richtung zeigt. Schön war es, an diesem Wochenende Martin zu Hause in der Schweiz einen Besuch abzustatten und endlich persönlich kennen zu lernen. Uns verbindet mehr als der gemeinsame Wahnsinn, es von Lindesnes zu Fuß zum Nordkap schaffen zu wollen. Lange vor dem Start meiner Tour habe ich das Internet nach anderen Verrückten durchforstet, die sich in diesem Jahr der Herausforderung Norge på langs stellen wollten. Im deutschsprachigen Raum gab es nur wenig bis gar keine Infos, geschweige den andere Leute, dich ich zu diesem Abenteuer befragen konnte. Ich fand eigentlich nur Martin,  der auch dieses Vorhaben hatte und ebenso wenig Infos hatte. Vertieft in Routenplanung, Ausrüstungsfragen, usw. nahm ich Kontakt zu Martin auf und es entwickelte sich ein reger Austausch, der weit über die üblichen Fragen der Planung heraus ging. Vor und auch während der Tour hielten wir oft Kontakt, haben uns gegenseitig unterstützt und geholfen. Leider musste Martin sein Norge på langs Abenteuer (vorerst) in Umbukta aufgrund einer Verletzung aufgeben.

Der Alltag hat mich wieder, aber getreu dem norwegischen Sprichwort „det ordner seg“ mittlerweile auch in geregelten Bahnen. Die Ausrüstung ist verstaut und gewaschen, die Post sortiert und/oder entsorgt. Behörden und Verischerungen happy. Der BVB hat das Derby gewonnen und auch das Berufliche findet sich. Herzlich willkommen zurück zu Hause halt. Alles irgendwie fast wie vorher. Bis auf diese unfassbare Reise, die ich immer noch versuche irgendwie zu verarbeiten, zu begreifen. Aber wie?

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„Schreib doch ein Buch über die Tour! Ich würde es sofort lesen! Das interessiert doch voll viele Leute, schreib es einfach! Würde gerne alle Geschichten erfahren! Du hast doch so viele Fotos, mach doch auch einen Vortrag! Wann können wir all die Bilder sehen?“

So oder so ähnlich lauten dann meist die Antworten auf diese Frage! Gegenfrage: Hast du schon mal ein Buch geschrieben? Einen Vortrag der spannend und nicht langweilig ist erstellt? Und überhaupt, wie macht man das eigentlich?

 

Klar, einfach los und schreiben, das Tagebuch ist ja voll von Erlebtem. Und all die Bilder zeugen ja auch davon. Jeder, der schon mal einen Reisebericht oder ähnliches geschrieben hat, weiß vielleicht, wie schwierig es ist, das Erlebte auch nur annähernd so wiederzugeben, wie man es wirklich erlebt hat! Und es soll ja den Leser auch nicht langweilen sondern im besten Fall fesseln und mit auf die Reise nehmen. Schreibe ich das jetzt als Tagebuch? Oder doch lieber eher auf einer Metaebene? Metawas?!?

Wie machen denn die anderen das? Also los, Zeitungen, Reiseberichte und Bücher her. Lesestoff gibt es ja zum Thema Reisen schließlich genug. Aber den Anfang mache ich mal mit meinem eigenen Reisebericht vom letzten Jahr. Quasi von der fünfwöchigen „Probetour“ für die Norge på langs Tour heuer. Schon schön, den jetzt mit einigem Abstand zu lesen, eigentlich schon fast ein eigenes Buch wert! Wer den Bericht auch lesen mag, hier ist der Link, aber bringt Zeit mit! Viel Kaffee und Ballerina Kekse dazu und dann viel Spaß beim Lesen, aber am langen Wochenende ist ja Zeit genug dazu 🙂

http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php/66299-NO-Reinheimen-Tafjordfjella-Breheimen-Jotunheimen-Nordmarka-im-August-12

Ich werd mir dann mal Gedanken zum Schreiben machen, det ordner seg! Ganz sicher 😉

Norge 2012 0792

Nachdem ich so viele positive Rückmeldungen bekommen habe, wollte ich kurz noch einmal separat die Street Fashion Oslo Bilder von Christine Rosenberg zeigen. Das war echt eine coole Sache, obwohl in dem Moment etwas verwirrend. Ich laufe auf der Suche nach dem Hostel durch die Straßen von Oslo, als plötzlich ein Volvo neben mir anhält, eine junge blonde Frau aussteigt, auf mich zu kommt und fragt, ob sie Fotos von mir zum Thema Street Fashion in Oslo machen darf? Etwas verwirrt sage ich ja, warum auch nicht 😉 Und das Ergebnis ist richtig toll geworden!

Vielen, vielen Dank Christine!

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http://instagram.com/christinelenes

Street Fashion Oslo by Christine Rosenberg

Street Fashion Oslo by Christine Rosenberg

Street Fashion Oslo by Christine Rosenberg

Wieder zu Hause. Schon sehr ungewohnt. Die Rückfahrt mit der Fähre von Oslo aus war eigenltich ganz nett, nur habe ich mich selten so deplaziert gefühlt, wie dort. Schon beim Einchecken im Terminal war ich wohl der einzige, der das Schiff als reines Transportmittel genutzt hat. Die Blicke waren schon sehr komisch, so ein Rentiergeweih in Kombination mit meinem Aussehen haben den ein oder anderen doch sichtlich verwirrt. An Bord habe ich mich seltsam deplatziert gefühlt.  Alle Passagiere haben sich umgehend auf offener See ins Getümmel gestürtzt, die Läden gestürmt, sich der Getränkeauswahl gewidmet. Ich hatte irgendwie gar kein Bedürfnis dieser Art. Habe mir das Treiben angesehen, einen Burger verdrückt und ein paar Biere getrunken, aber irgendwie kam überhaubpt keine Stimmung, Freude oder Genuss auf. Eine seltsame Leere. Bin dann früh zu Bett gegangen. Am Morgen dann gabe es einen wirklich fantastischen Sonnenaufgang. Bin direkt um 7:00 Uhr zum Frühstück gegangen, ich wollte mir den Massenansturm später ersparen.

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Zurück in Deutschland

Dann hatte ich zwei Stunden Zeit in Kiel. Ein total warmer Oktobertag begrüßt mich. Schnell den Rucksack im Bahnhof ins Schließfach und ab in die Stadt. Zuerst das GEO Sonderheft Norwegen kaufen, man muss sich ja schließlich schon mal über das nächste Reiseziel informieren 😉 Aber auch hier in der Stadt fühlte ich mich total deplatziert und auch ein wenig überfordert. So viele Dinge, auf die man achten muss, Rolltreppen, Autos, Ampeln, der Verkehr. Dann wieder zurück zum Bahnhof, ab in den Zug. Hab mir ein Ticket für die 1. Klasse gekauft, war unwesentlich teurer und ich wollte mich mit meinem ganzen Gerödel nicht irgendwo hinquetschen. Die Gesichter der Mitreisenden sprachen auch hier die Sprache der Verwirrung. War mir dann mitlerweile aber auch egal. Immerhin habe ich mich mit meinem Sitznachbar bis Dortmund gut unterhalten. Der Zug hatte dann etwas Verspätung, hätte fast meinen Anschluss verpasst. Wäre mir egal gewesen, aber meinen Freunden sowie dem Fototgrafen und Reporter vom Iserlohner Kreisanzeiger vermutlich nicht. Die haben mich dann am heimischen Bahnhof direkt in Beschlag genommen. Die zwei jungen Mädels die mit mir ausgestiegen sind, waren total verwirrt, warum da jemand von der Presse wartet und ausgerechnet jemanden wie mich fotografiert und eine große Show macht. Dann großes Hallo mit allen wartenden Freunden und im Triumphmarsch zusammen nach Hause, wo schon weitere Freunde und die Familie im Garten gewartet haben. Der Abend ging dann ziemlich lang  und war total schön 😉

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Allein der Stapel 11Freunde Ausgaben wird mich eine Woche kosten 😉 Und dann das tolle outdoorseiten.net Vereinsheft!

Dann aber wieder hart ab in die Realität. Ämter, Formulare und die Post von fünf Monaten wartet auf Erledigung. Ein Haufen E-Mails und tausend Dinge wollen erledigt werden, jeder möchte wissen wie es war und löchert mich mit Fragen. Die ganze Aufmerksamkeit ist natürlich auch schön, das will ich gar nicht verhelen,  man kommt lediglich kaum mal zu Durchatmen. Bin froh, dass ich wenigstens die Fotos schon gesichert habe, wobei eine SD Karte defekt ist, die muss ich heute zur Datenrettung einsenden. Wäre schade um die 400 Fotos.

Habe auch eine Seite „Pressespiegel“ auf dem Blog eingerichtet, da finden sich einige erste Artikel und Beiträge über die Tour. Nach und nach werde ich jetzt auch die Fotos sichten. Das wird toll! Ich halte euch auf dem Laufenden und werde auch weiterhin über meine Rückkehr in den Alltag berichten. Das ist eine ziemlich spannende Zeit momentan 😉

Aber mehr und mehr wird mir auch durch die Reaktionen und Gespräche klar, wie groß der Anteil von Außen an meiner Reise war, wie viele Leute darüber gesprochen haben, mitgefiebert haben und wie viele die Reise auch zum Nachdenken gebracht hat. Das finde ich mehr als krass und hätte das niemals gedacht. Das beschäftigt mich sehr.

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Jetzt sitze ich hier auf dem Schiff gen Deutschland. Wie krass. Gefühlschaos, Wehmut und Vorfreude auf zu Hause. Gestern war die Zugfahrt doch sehr angenehm und kurzweilig. Ab Gol hatte ich neben mir drei Blues Musiker sitzen, Dave Fields und zwei norwegische Musiker, die gerade auf dem Weg Heim von ihrer Tour waren. Wir haben uns gut unterhalten, unterwegs trifft man doch immer coole Leute. Danke Bjørn für die gute Unterhaltung! In Finse lag schon etwas Schnee, aber lange noch nicht so viel wie im Norden. Da wäre ich wohl gerne ausgestiegen um eine Runde zu drehen.

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In Oslo habe ich dann im neuen Oslo Vandrerhjem Central eingecheckt. Anschließend bin ich rüber zum Vigelandpark geschlendert. Die Bäume dort hatten ein toller Färbung, aber irgendwie konnte ich mich nur für den Sinnataggen begeistern, ich möchte halt noch nicht wieder nach Hause 😉

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Nun zieht der Oslofjord an mir vorbei, wunderschön. Der vorletzte Teil meiner Reise und der Abschied von Norwegen nach über fünf Monaten auf Reisen in diesem Land. Aber das irgendwann ein Ende der Reise kommt, ist ja schon beim Start eigentlich ziemlich sicher, trotzdem komisch und vor allem doof 🙁

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Bevor ich mich gleich dann mal hier ins Getümmel an Bord stürzte, ich vermisse das Zelten, es geht doch nichts über eine Portion Real Turmat, einen Löffel Butter und eine Tafel Walters Mandler im warmen Schlafsack nach einem langen Tag draußen auf Tur. Das Zelt ist nasss, alles ist feucht und klamm, es tropft vom Innenzelt und es ist a**chkalt, ich kann mir gerade nichts Besseres vorstellen 😉

Nach Oslo zu kommen, ist als käme man gerade vom Mond, der Norden ist so unendlich weit weg!

Ha det bra, Norge, vi sees!