„Wir wollen kündigen!“ Mit diesen drei Worten vor gar nicht allzu langer Zeit war endgültig klar, was uns schon seit längerem im Kopf herum schwirrte: Wir gehen zusammen auf große Tour!
Zu zweit wollen wir gemeinsam lange wandern gehen. Und zwar ohne Wenn und ohne Aber, ohne Netz und ohne doppelten Boden. Die Jobs sind gekündigt, die Wohnung auch – fünf Monate Norwegen liegen vor uns! Was für Aussichten!

Nach meinem Vortrag am 24. Mai in Hagen werden wir nach Norwegen aufbrechen, um dann um den 1. Juni herum zu starten, um vom Kap Lindesnes aus Norwegen zu Fuss zu durchwandern. Wir werden dazu viel Zeit haben und uns auch die Zeit nehmen, denn wenn ich eines weiß ist, dass es nicht darauf ankommt, möglichst schnell am Ziel zu sein, sondern auf dem Weg zum Ziel möglichst viel Zeit zu verbringen! Denn diese norwegische turglede gehört für uns einfach dazu!
Aber warum „wieder“ durch Norwegen? Warum nicht etwas anderes? Na warum denn nicht, können wir da nur antworten! Weil es einfach unglaublich schön ist, zusammen durch „unser“ Land zu wandern, weil gemeinsam alles anders ist und weil jede Tour immer unterschiedlich und niemals gleich ist. Insbesondere in einer Region, die von den unterschiedlichen Jahreszeiten dermaßen geprägt ist, wie Norwegen. Es gibt dort so viel zu entdecken, so wunderbare Menschen zu treffen und so viel zu erleben – wir freuen uns einfach wahnsinnig darauf!
Der Wunsch nach #turglede wächst und wächst
Mit jedem Vortrag und mit jeder neuen kleinen Tour kam der Wunsch auf, wieder diese großartige Freiheit zu erleben, die man erlebt, wenn man länger raus aus dem Alltag ist und hinein ins Abenteuer startet. Und so geht es nicht nur mir, sondern auch meiner Freundin Anni. Spätestens als wir uns im letzten Jahr im Narvik-Fjell trafen, Anni kam gerade von einer längeren Solotour und ich von meinem Ausflug zur OAS auf den Lofoten, war klar, der Schreibtisch ist uns auf Dauer nicht genug.

Mein Wunsch wieder aufzubrechen war nie weg, im Gegenteil, er wuchs von Tag zu Tag. Bereits damals am Nordkap war ich traurig, dass es erstmal nicht für mich weiter ging, sondern wieder der normale Alltag auf mich wartete. Was in den letzten Jahren dann passiert ist, ist für mich immer noch schwer zu begreifen, schwer in Worte zu fassen. Das große Interesse an meiner Tour von damals, die Entstehung des Buches und auch die Vorträge, die immer zahlreicher werden, sind für mich einfach unglaublich.
Bei jedem meiner Vorträge stehe ich irgendwann mitten im Vortrag einfach nur kurz da, schaue ins Publikum und muss mich kneifen, so unwirklich ist es für mich, dass an solchen Abenden oder Tagen teilweise einige hundert Leute kommen, mitunter von weit her extra angereist, um mit mir nach Norwegen zu kommen, meine Geschichte zu hören. Erst letzte Woche in Heilbronn kam nach dem Vortrag eine Frau zu mir, die extra aus Berlin zu meinem Vortrag gekommen war, in Erlangen war eine komplette Familie aus München angereist, um sich meinen Vortrag anzuhören. Wie krass ist das denn?
Ein Vorbild für andere?
Auch die vielen, vielen positiven Rückmeldungen, die ich per E-Mail bekomme, sind einfach der Wahnsinn und lassen mich oft staunen, bei manchen E-Mails muss ich gar schlucken und habe beim Lesen einen dicken Kloß im Hals.
Ein Beispiel: Eines Tages bekam ich eine E-Mail von einer jungen Frau, die per Zufall mein Buch geschenkt bekommen hatte. Sie las es und kam zu der Stelle, an der ich im Saltfjell den Polarkreis überquere. Genau dort steckte ein Schwert im Boden, an dem eine Plakette mit einem Namen befestigt war, dazu ein Eintrag im Hüttenbuch der nahen kleinen Wetterschutzhütte. Darin wurde berichtet, dass an dieser Stelle die Asche eines jungen Mannes verstreut wurde, da dies sein Lieblingsplatz in Skandinavien gewesen ist. Diese Episode hatte mich damals sehr beschäftigt und hing mir noch lange nach. Und nun bekam ich eine E-Mail von der Ehefrau dieses jungen Mannes und hörte die ganze Geschichte und die Umstände, die dazu führten, dass die Asche dort verstreut worden ist. Wie muss es ihr wohl ergangen sein, als sie ohne jegliche Vorwarnung davon in meinem Buch las? Ich saß sprachlos vor dem Computer und mir liefen die Tränen herunter. Wie kurz kann das Leben sein? Von jetzt auf gleich kann es vorbei sein!
Von jetzt auf gleich kann alles anders sein
Und auch so wurde mir immer wieder vor Augen geführt, wie schnell es oft gehen kann, wie schnell eine tückische Krankheit plötzlich auf der Matte stehen kann, auf die man so gar nicht vorbereitet war oder ist. Manchmal geht es dabei gut aus, manchmal aber auch leider nicht. Und oft trifft es dabei ausgerechnet die Leute, die sich für andere aufopfern, immer für andere da sind, und sich selbst nicht für wichtig nehmen, obwohl genau sie die stärksten und wichtigsten Personen überhaupt sind. Man muss einfach seine Zeit nutzen, die Konjunktive streichen und nicht auf irgendwann warten.

Auch dass sich immer wieder Leute bei mir melden, die durch mein Buch und meine Geschichte auf den Trichter gekommen sind, eine Auszeit zu nehmen und aufzubrechen, ist mir eine große Ehre. Ich wollte doch damals auch nur los, aufbrechen und eine gute Zeit haben. Dass ich damit andere inspirieren kann, es mir gleichzutun, ist einfach nur der Wahnsinn. Und als ich vor Weihnachten auch noch einen klassischen Brief meiner Grundschullehrerin bekam, war ich einfach nur glücklich und zufrieden. Ich denke in der Grundschule und auch später am Gymnasium hätten sicher alle Lehrer aus gutem Grund nicht im Geringsten daran gedacht, dass ausgerechnet ich irgendwann einmal ein Buch schreiben werde!
Ich tauge ganz sicher nicht zum großen Vorbild, bin ganz sicher nicht der große Abenteurer und habe tausend Macken, die ich mit mir herumschleppe – aber andere Menschen ein Stück weit mit seinem eigenen Handeln zu inspirieren und zu berühren, ist für mich wirklich unglaublich und zugleich aber auch total erfüllend.
Wie alles begann oder es kommt immer alles anders
Nach meiner damaligen Tour kehrte ich dann irgendwann auch wieder an einen Schreibtisch zurück. Dieser steht noch bis zum 09. Mai in der Nähe von Tübingen in einem großen Büro. Und wie das Leben manchmal so spielt, lernt man dann dort eines Tages einander besser kennen und der eine Kollege ist einem lieber, als der andere. Manchmal auch die Kollegin vom Schreibtisch gegenüber und dann merkt man irgendwann auch, zusammen durchs Leben zu wandern, das wäre jetzt nicht das Schlechteste aller Dinge, vor allem wenn beide so gerne nach Skandinavien reisen und beide den Nordlandvirus tief in sich tragen.

So nahm alles seinen Anfang und seitdem erleben wir viele Abenteuer gemeinsam – große und kleine, was halt so anfällt, wenn man sich entschieden hat, einen gemeinsamen Weg einzuschlagen. Ab und an brechen wir auch alleine auf, der eine verfolgt dann gebannt aus der Entfernung, wie es dem anderen bei seinen Touren ergeht. Als ich vier Tage lang über Ostern im Zelt auf Wintertour auf dem Jostedalsbreen saß, ebenso wie als Anni loszog, um alleine den Nordkalottleden unter die Füße zu nehmen oder von Sulitjelma aus ins Narvikfjell zu laufen. Man fiebert mit, drückt dem anderen alle verfügbaren Daumen und ist am Ende unendlich glücklich, wenn man einander wieder zu Hause in die Arme schließen kann. Sich hinterher von den Erlebnissen zu berichten und froh zu sein, dass der andere die jeweiligen Herausforderungen unbeschadet überstanden hat, ist einfach unbezahlbar!
Zu zweit macht alles doppelt so viel Spaß
Wenn wir gemeinsam auf Tour sind, haben wir schnell gemerkt, dass wir dabei ähnlich ticken, uns ähnliche Dinge wichtig sind und wir einen ähnlichen Stil haben. Uns fällt es nicht schwer, in die selbe Richtung zu gehen und Entscheidungen gemeinsam zu treffen. Dabei lassen wir uns aufeinander ein, ziehen am selben Strang im selben Tempo. Es ist ein großes Geschenk, dass wir dies miteinander teilen und auf Tour zusammen so gut klar kommen, denn unterwegs lernt man sich erst richtig kennen, in einem kleinen Zelt ist nicht viel Platz, um sich und seine Macken zu verstecken. Aber dass wir miteinander unterwegs gut miteinander auskommen würden, das stellte sich schon auf unserer ersten gemeinsamen Tour in Dänemark heraus, als wir spontan beschlossen, den Jahreswechsel irgendwo an der Nordseeküste Jütlands zu verbringen.

Natürlich erzählte ich Anni auch immer wieder von meiner Norge på langs Wanderung, denn dies ist nun mal ein wichtiger Teil meines Lebens. Zwangsläufig bekam sie natürlich auch viel mit, was ich an E-Mails, Nachrichten und Zuspruch erhielt, sie unterstützt mich wo es nur ging bei Vorträgen und allem anderen, steuert eigene Fotos zu Magazin- oder Blog-Artikeln bei.
Wenn man gemeinsam durchs Leben geht, dann redet man natürlich auch über die Wege, für die man sich irgendwann entscheiden muss, um voran zu kommen. Für uns war dabei immer wichtig, dass wir vor allem leben wollen. Klar unterliegt auch unser Alltag gewissen Zwängen und Verpflichtungen, aber ein möglichst großes Haus oder ein möglichst teures Auto waren und sind dabei nie unser Ziel. Als Anni mir mit leuchtenden von den Reisen ihrer Mutter erzählte, die viele Jahre zusammen mit ihrem Freund um die Welt gesegelt ist und sie sich für sich selbst so etwas auch vorstellen konnte, war mir klar, so eine lange gemeinsame Reise möchte ich mit ihr auch irgendwann einmal machen, sollten die Rahmenbedingungen für uns passen.

Vor meiner ersten großen Tour war ich stets auf der Suche nach jemandem, der mich eventuell auf dieser once-in-a-lifetime Wanderung begleiten würde. Wer mein Buch gelesen hat, der wird schon auf der ersten Seite verstehen, dass das zum einen manchmal nicht so einfach ist und bei mir damals auch nicht geklappt habt, obwohl es immer mein großer Traum war. Man kann es einfach nicht erzwingen, und umso mehr man es erzwingen will, umso weniger klappt es oft, großer Traum hin oder her. Die Realität sieht manchmal halt anders aus, das Leben hält andere Pläne für einen bereit.
Und dann findet man das Glück genau dort, wo man es so gar nicht erwartet hat, das Leben ist verrückt und voller Überraschungen. Irgendwann standen wir auf unserer ganz persönlichen Wanderung vor der Entscheidung, welchen Weg wir einschlagen wollen. Wir unterhielten uns über das Für und Wider der einzelnen Wege, sponnen unterschiedliche Varianten und Möglichkeiten, durchdachten die Karten, die auf dem Tisch lagen. Unser Weg soll ja möglichst lang sein, daher nahmen wir uns die Zeit, die wir brauchten, um eine Entscheidung zu treffen, hinter der wir zu 100 Prozent stehen.

Umso öfter wir über die Idee einer gemeinsamen Norge på langs Wanderung sprachen, desto größer wurde der Wunsch, es wirklich zu machen. Aus der Erfahrung heraus weiß ich, sobald man darüber spricht, ist es bis zum endgültigen Schritt eigentlich nicht mehr wirklich weit. Der Gedanke daran muss sich manifestieren und man muss sich langsam auf die Herausforderungen einstellen, die einem bei solch einem Sprung ins kalte Wasser ganz sicher bevorstehen. Denn schnell war uns klar, dass wir das große Abenteuer statt der vermeintlichen Sicherheit wählen wollen. All in!
Die Arschbombe ins Glück!
Als wir unsere ganz persönliche Entscheidung getroffen hatten, sprachen wir mit Freunden und Familie, denn deren Meinung ist uns sehr wichtig. Die Rückmeldungen zu unseren Plänen waren durch die Bank überragend positiv, mitunter gar euphorisch, wir erfuhren großen Zuspruch und alle erdenkliche Unterstützung! Wow! Damit hatten wir nicht unbedingt gerechnet, aber insgeheim darauf gehofft. Der Kreis derer, die von unseren Plänen erfuhren wurde größer, wir hielten den Ball aber immer noch flach. Spätestens aber als wir vom Fernwandern Camp an der Rossmühle zurückfuhren, hatten sich letzte Zweifel zerstreut, denn auch dort war der Zuspruch von den eingeweihten Freunden unglaublich groß.
Die letzten Monate waren geprägt von Vorfreude und Planungen, vielen Planungen. Wir haben alles vorbereitet, die Wanderung und auch den Absprung von Job und Wohnung, alles fügt sich nach und nach zu einem großen Ganzen, das Bild nimmt formen an, unser großer Wunsch scheint aufzugehen. Die Unterstützung von allen Seiten ist wahnsinnig groß, alle unterstützen uns nach Kräften, wir können auf Familie, Freunde und auch meine Partner zählen – das macht uns unglaublich stolz und froh, hilft uns ungemein. Die Zeit vergeht im Fluge, die Tage rasen und bald schon ist es soweit, der letzte Arbeitstag und der Umzug ins Glück stehen auf dem Programm. Wie wir uns darauf freuen endlich loszuziehen, auch wenn noch viele, viele Dinge erledigt werden wollen. Aber umso kürzer die Liste wird, desto mehr wächst die Vorfreude!

Sicher wird nicht alles einfach werden, sondern auch viel harte Arbeit steht uns ganz sicher bevor. Wir wissen aber beide von unseren Touren und auch aus dem Alltag zu Hause, was auf uns zukommen wird. Bei der Vorbereitung haben uns auch Andrea und Ole sehr inspiriert, die im letzten Jahr eine super Tour hingelegt haben, und an den Herausforderungen unterwegs enorm gewachsen sind. Wir wollen auch aufeinander so wunderbar aufpassen, wie sie es getan haben! Lasst uns gemeinsam durch Norwegen wandern!
‚Cause love is free and life is cheap,
and as long as I’ve got me a place to sleep,
some clothes on my back and some food to eat,
then I can’t ask for anything more!(Frank Turner in „If ever I stray“)
Endlich kann ich die Frage am Ende meiner Vorträge, wann es wieder losgeht zu einer großen Tour, mit großer Vorfreude beantworten: Am 26. Mai ist es soweit, nach Norwegen wird es gehen, um unsere gemeinsamen Träume zu leben!






Kurz darauf geht es weiter und wir suchen uns ein Plätzchen für die Nacht, die kurz darauf langsam einbricht. Nach einiger Zeit steht der Mond bald voll über uns, und taucht die Umgebung in eine spannende Umgebung. 


















































































Anders als es vielleicht anklingen mag mit den vorher erwähnten Landstraßen und Besuchermassen, so konzentrieren sich diese doch an bestimmten Punkten. Entfernt man sich von diesen Hot Spots, so trifft man kaum andere Leute und hat den Trail ziemlich oft ganz für sich allein.





























Hallo Sara, ich erreiche dich in Ritsem, erzähl doch mal, wie du dahin kommst und was du da machst?





